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Mode

Nachdem ich kürzlich einen Blick in ihr – wie ich finde – großartiges Modebuch geworfen habe, spreche ich heute mit der Autorin selbst. Was macht einen guten Stil und den Unterschied zwischen »Stil« und »Style« aus? Wie war der Weg zum Buch? Und wie kommt man {modisch gesehen} gut durch den Winter?

Das und mehr beantwortet Marlene Sørensen im heutigen Montagsinterview, mit dem ich allen einen guten Start in die neue Woche wünsche – und mich bei dir, liebe Marlene, für das erfrischende Gespräch bedanke.

Marlene Sørensen, Autorin von "Stilvoll"
Foto: Marlene Sørensen

Im September ist dein erstes {Mode-}Buch erschienen: Stilvoll. Wie und wann und wieso kam es dazu?

Letztes Jahr im März fragte mich ein Verlag, ob ich ein Buch über Mode schreiben würde. Das ist die kurze Antwort. Die längere kommt zur nächsten Frage.

Was war das Schönste, was das Beste und was das Schwierigste dabei?

Das Schönste war, dass ich überhaupt gefragt wurde. Von allein hätte ich mir vielleicht nie zugetraut, ein Buch wie dieses zu machen, in dem alle Texte und die meisten Bilder von mir sind. Das Schwierigste war, als der Verlag das Projekt wieder absagte. Eine herbe Enttäuschung. Ich habe mich gefragt, ob ich mir damit nicht doch zu viel vorgenommen hatte. Aber ich war schon so weit, dass ich es nicht aufgeben wollte. Das Beste war, als ich einen neuen Verlag für das Buch fand.

Zwischendrin gab es viele kleine schöne, schwierige und gute Momente. Der tolle Nachmittag mit Aino Laberenz wird mir zum Beispiel noch lang in Erinnerung bleiben. Die Strapazen, ein Buch mit dem Elternsein und der Arbeit meines Freundes zu koordinieren, kann ich getrost wieder vergessen. Den Stolz und das Erstaunen, als ich das erste Exemplar in der Hand hielt, kann ich mir wiederum hoffentlich noch lang bewahren.»

Das Cover von Marlene Sorensens Modebuch "Stilvoll" gibt es in drei Farben
Foto: Marlene Sørensen

Was zeichnet einen guten Stil aus?

Die Selbstgewissheit, sich nicht zu verkleiden. Aber auch der Wagemut, etwas Neues auszuprobieren. Und schlicht eine Freude an Mode, denn sie kann wirklich so viel Spaß machen.

Was macht für dich den Unterschied zwischen „Stil“ und „Style“ bzw. „stilvoll“ und „stylish“?

Das eine ist Deutsch, das andere Englisch. Okay, im Ernst, für mich gibt es bis auf das Sprachliche keinen Unterschied. Auf Deutsch klingt es oft gesetzter, wenn man über Mode schreibt. Und ich wünsche mir fast bei jedem meiner Texte, es gäbe so präzise Worte wie das englische »sophisticated«, um Kleidung zu beschreiben. Gibt’s leider nicht. Dafür kann man sich andere, ebenso treffende Worte einfallen lassen.

In deinem Buch trägt nur eine einzige Frau kurzes Haar {S. 15}, alle anderen haben mindestens halblanges Haar – wieso?

Ja, wieso eigentlich? Das habe ich nicht bewusst so ausgesucht. Ich hätte gerne noch mehr Frauen im Buch gezeigt und mindestens zwei davon tragen kurze Haare, aber am Ende fehlte die Zeit und der Platz, um alle vorzustellen. Kurze Haare finde ich an Frauen nämlich ziemlich toll. Denn man kann fast alles zu so einer Frisur tragen und es sieht sofort stylisher, äh, stilvoller aus.


»Guter Stil braucht Selbstgewissheit, Wagemut und Freude.«


Ihr habt vor kurzem eine neue Wohnung bezogen. Wie und wo wohnt ihr nun?

Wir sind von Mitte in den Prenzlauer Berg gezogen, aus dem zweiten in den vierten Stock. Ich wünschte, ich könnte mehr darüber erzählen, aber hier schaut’s immer noch aus, als wären wir heute früh mit dem Umzugswagen vorgefahren, dabei sind wir schon seit einem Monat hier. Aber irgendwann werden die Handwerker wohl fertig sein und wir müssen nicht mehr in der Dusche abwaschen. Dass ich mich mal so auf eine Spüle freuen würde…

Was empfiehlst du mir {die ich mich modisch irgendwo zwischen Joy Denalane und Claire Beermann einordnen würde} warum für den modischen Winter 2016/2017?

Eine Bomberjacke, zum Beispiel von Cos, Closed oder ganz klassisch von Schott NYC, weil sie gerade angesagt ist, aber immer lässig. Einen Camel-Mantel, weil der in jeden Kleiderschrank passt und mehr hermacht als jedes Modell in Schwarz. Und eine Trainingshose, weil man einen Trend unbedingt mitnehmen sollte, bei dem Sofaklamotten Stilgespür ausstrahlen. Bei Zara habe ich vor kurzem einige gute gesehen.

Modetipps von Marlene Sørensen und M i MA für den Winter 2016/2017

Hose: Zara | Bomberjacke: Schott NYC via Edited | Mantel: Other | Stiefel: Isabel Marant Etoile via Stylebop | Tuch: KENZO x H&M

Mode? Ist nicht mein Ding – oder besser: war. Nicht etwa weil sie mir gleich wäre. Im Gegenteil. Sondern weil ich mich – trotzdem ich mich für einigermaßen modebewusst halte – nie sicher fühlte auf diesem schmalen Grat zwischen Sachverstand, Feingefühl und Finanzen.


»Modebewusstsein verlangt, sich seiner selbst bewusst zu sein, also seine Schwächen und Stärken zu kennen und herauszufinden, was der eigenen Persönlichkeit entspricht.«  Gabriele Strehle


Die einschlägige Ratgeberliteratur hat mir bislang wenig geholfen, mehr Sicherheit zu gewinnen. Entweder konnte ich mich in den vorgegebenen Modetypen nicht finden {ich würde das „kleine Schwarze“, das ich nicht besitze, weder mit Lacklederstiefeln noch mit Strickjacke oder Perlenohrringen kombinieren} oder ich fühlte mich nicht gemeint {große Mager-Models in 1.000-Euro Kleidern zielen in jeder Hinsicht an mir vorbei}. Meine Modelust lag daher jahrzehntelang in einer Art Dornröschenschlaf. Das könnte sich jetzt ändern, denn Journalistin und Bloggerin Marlene Sørensen {spruced.us} hat ein Modebuch geschrieben – mit der Kraft des Erlöserkusses. 

M i MA Marlene Soerensen Stilvoll

Stilvoll – Inspiration von Frauen, die Mode lieben ist mehr als ein Ratgeber. Zwar beantwortet das Buch auch die typischen Stil- und Modefragen, zum Beispiel: Welche Kleider gehören in einen wohlsortierten Kleiderschrank? Was trägt man wann und kombiniert man wie? Doch dabei bleibt es nicht stehen. Marlene Sørensen will nicht »nur« beraten; sie will ihre Leser/innen mit ihrer Lust am Kleiden und Verkleiden, Sich-Finden und Neu-Erfinden infizieren. Dafür hat sie eine ganze Entourage von Frauen um sich gesellt, die ihre Liebe zur Mode teilen und doch ganz unterschiedlich ausdrücken. So etwa Sängerin Joy Denalane, Kostüm- und Bühnenbildnerin Aino Laberenz, Schauspielerin Hannah Herzsprung oder die Bloggerinnen Claire Beermann und Jessica Weiß.


Mit Leichtigkeit und Witz erschließt Marlene Sørensen auch jenen die hohe Kunst des Kleidens, die keine »textile Früherziehung« genossen haben. 


Charmant und witzig portraitiert Marlene ihre modischen Begleiterinnen und zeigt, was man von ihnen lernen kann. Dazu gibt sie jede Menge Tipps, die sich nie wie Ratschläge anfühlen, sondern stets wie ein so einfaches wie raffiniertes Rezept daherkommen: Worauf es sich zu sparen lohnt oder wo man eine preisgünstige Alternative findet, wie man sich in fünf Minuten perfekt kleidet oder seinen Stil von jetzt auf gleich verändert, die ideale Jeans findet oder sich gekonnt in Übergrößen hüllt. Wenn ich überhaupt etwas an diesem Buch kritisieren kann, dann allein an der {typo-}grafischen Gestaltung: Ein bisschen weniger Blogstyle und etwas mehr Buchkunst hätte es meines Erachtens noch stilvoller gemacht. Doch das fällt kaum ins Gewicht. Stilvoll gelingt es auch so, das das Beste aus Buch und Blog zu vereinen. 

Die Schwächen der digitalen Form, ihre Flüchtigkeit und die einseitig-visuelle Sinnlichkeit, werden qua Druck ins Beständige überführt mit allen sinnlichen Konsequenzen: Man riecht, schmeckt, hört, fühlt, sieht. Und dabei atmet das Buch den egalitären Geist der Blogosphäre. Nirgendwo weht einem die kühle Arroganz entgegen, die in so mancher Modepublikation Sturmgeschwindigkeiten erreicht. Marlene Sørensen lässt – ganz Bloggerin – alle und jede/n großherzig an ihrem Wissen und Können partizipieren, ohne dabei jemals ins Banale abzudriften. Mit Leichtigkeit und Witz erschließt sie so auch all jenen die hohe Kunst des Kleidens, die keine „textile Früherziehung” genossen haben. Ein wahrhaft ansteckendes Vergnügen.


Marlene Sørensen
Stilvoll – Inspiration von Frauen, die Mode lieben
erschienen bei Callwey | September 2016

Das Buch mit gesticktem Titel ist in drei Farben erhältlich und kostet 29,95 Euro.


Fotos: Marlene Sørensen

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Ich wurde mitten in den Sommer hineingeboren. In das Grillenzirpen und den hitzeflirrenden Asphalt, in die korngeschwängerte Luft, die Seidennächte und das tiefe Farbensatt. Als Kind liebte ich diese Jahreszeit in ihrer herrlich-dichten Sinnlichkeit. Später dann, als mein Körper und ich uns immer mehr entzweiten, wurde sie mir zur Last. Heute kann ich sie wieder genießen.

Ob die Jahreszeit, in die man hineingeboren wird, wohl etwas mit einem macht? Ob meine Wasserliebe vielleicht von der früherfahrenen Hitze rührt? Wie dem auch sei – zweierlei ist gewiss: dass an meinem Geburtstag alle in den Ferien sind und die „Was-wünscht-du-dir-Frage“. Auf die fällt mir dieses Jahr sogar einmal {rechtzeitig} etwas ein. Und was steht so auf eurem Wunschzettel?

Wunschzettel, Geburtstagswuensche, Sommerkind, Geburtstag

Rucksack | Parfüm | Cardigan | Tschick | Glasservice | Seidenschal

Judith Peller (c) Karolina Parot
„Es geht nicht darum, gute Ideen zu entwickeln. 
Es geht darum, die richtige zu finden.“ 

Sie hat eine Trauer- und Interviewplattform über das Weiterleben nach dem Tod ins Leben gerufen, sich vor wenigen Monaten als als PR-Beraterin und Inspirationscoach selbstständig gemacht und wird in wenigen Wochen ihr Unterhosen-Label launchen. Wer? Judith Peller. Die 34-jährige Powerfrau mit dem ansteckenden Lachen, den 1.000 Ideen und dem richtigen Riecher. Im heutigen Montagsinterview spricht sie über richtige Idee und gute Entscheidungen, über die Schönheit des Kontrollverlusts und die Lust am Leben.

Ich danke dir, liebe Judith, für das wunderbare Gespräch mit dem ich euch allen einen ebensolchen Start in die neue Woche wünsche.

Wer ist Judith Peller?

Diese Frage habe ich so tatsächlich noch nie beantwortet: Zumindest nicht in dieser objektiven Form! Wer ist Judith Peller? Judith Peller ist eine 34-jährige Wahl-Berlinerin, die sich gerade mit INSPRIRATION als PR-Beraterin und Inspirationscoach selbständig gemacht hat. Schon als kleines Mädchen konnte ich mich nie für eine einzige Sache entscheiden, deshalb ist INSPRIRATION auch nur eines von vielen Themen in meinem Leben. Judith Peller ist immer auf der Suche, würde ich sagen: nach der nächsten Idee, dem nächsten spannenden Projekt, dem nächsten inspirierenden Auftrag. 
Seit mehr als zwei Jahren arbeite ich z. B. an der perfekten Unterhose für Frauen. Im Sommer erscheint die erste Unterhosen-Edition meines Wäsche-Labels „viel mehr als grau. Ich habe eine Trauer- und Interviewplattform ins Leben gerufen, die nicht den Tod, sondern das Weiterleben in den Mittelpunkt stellt. „Dein Tod und ich heißt sie. Ich wünsche mir von Herzen, dass wir endlich wieder normal über den Tod sprechen.

Gerade lese ich das wunderbare Buch „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast von Barbara Sher. Der Titel trifft es irgendwie ganz gut: Ich interessiere mich einfach für sehr viele verschiedene Dinge.  


Du arbeitest als freie Beraterin für strategische PR und Inspirationscoach. Was macht (d)eine PR-Beratung strategisch und was ist ein/e Inspirationscoach?
Viele glauben, dass es bei PR darum geht, gute Ideen zu entwickeln. Ich glaube, dass eine gute Idee wertlos ist, wenn es nicht die richtige ist. Strategische PR-Beratung hilft, herauszufinden, was die richtige Idee ist, um ein bestimmtes kommunikatives Problem zu lösen. Das bedeutet ganz konkret, dass man sich vor der kreativen Arbeit erst einmal ein strategisch fundiertes Fundament aufbaut: Wie sieht die aktuelle Situation des betreffenden Unternehmens aus? Welche Aufgabe gilt es zu lösen? Was soll mit PR erreicht werden? Wer soll angesprochen werden? Gute Ideen gibt es wie Sand am Meer. Die richtigen sind schwerer zu finden, ein bisschen wie beim Muscheln suchen. Mein Job ist es, beim Finden zu helfen. Das gilt auch für meine Inspirationscoachings.

Mit der richtigen Strategie kann man nämlich auch leichter essentielle, persönliche Fragen beantworten: Wie finde ich den Job, der mir wirklich Spaß macht? Wie sieht mein perfektes Lebens- und Arbeitsmodell aus? Was kann ich tun, um beruflich zufriedener zu werden? Als Inspirationscoach unterstütze ich Menschen, die sich beruflich verändern wollen, aber keine Ahnung haben, wo oder wie sie überhaupt anfangen sollen. Ein solches Inspirationsgespräch kann den Start erleichtern. Es dauert 3-4 Stunden. Am Ende erhält jeder eine umfassende Liste zum Weiterdenken. Darüber hinaus biete ich auch Webinare an. Das erste ist gerade fertig geworden: In 1,5 Stunden erfährt man meine persönlichen Tipps uns Tricks zum Thema „Von Ängsten und Ausreden. Wie man einfach anfängt, sein Leben zu ändern.

Der Tod gehört zum Leben. Das hast du oft betont. Seit deiner Kindheit hat sich der frühe Tod deiner Freundin Doris begleitet – aber auch krank gemacht. Hast du eine Idee, wie der Tod in guter/gesunder Weise zum Leben gehören kann?
Der Tod gehört zu unserem Leben. Das kann man gut oder schlecht finden. Es ändert aber nichts an der einfachen Tatsache: Wir werden geboren und wir sterben. Alles völlig normal. Was uns krank macht, ist unser Leugnen. Unser „Nicht-wahrhaben-wollen“. Unser ständiges „So-tun-als-ob-es-uns-nichts-angeht“. Unsere Angst, den Schmerz zu spüren. Die Kontrolle über unsere Gefühle abzugeben. 
Nach allem, was ich selbst mit meiner Trauer erlebt habe, ist der Tod für mich heute ein Geschenk: ein Geschenk des Lebens. Das mag jetzt vielleicht komisch und ein bisschen absurd klingen, aber seit ich begriffen habe, dass ich sterben werde, lebe ich. Ich vertage nichts mehr auf morgen. Ich warte nicht mehr auf den perfekten Moment. Ich spüre mich und meinen Körper, hier und jetzt. Ich schätze mein Leben und bin dankbar für alles, was ich habe. Man kann sein Leben nicht nachholen oder aufschieben. Man kann es nur jetzt leben. Mit allem, was dazu gehört: mit den Ängsten, dem Schmerz und den vielen Dingen, die man nicht kontrollieren kann. Aber ganz ehrlich: Kontrolle abzugeben ist etwas Wunderbares. Sich fallen zu lassen. Das Leben auch mal auf sich zukommen lassen, statt ihm immer ehrgeizig hinterherzurennen. Ich lebe und ich werde sterben, so einfach ist das. Sich diese einfache Wahrheit öfter mal bewusst zu machen, würde vieles verändern. Es könnte dazu beitragen, dass wir in einer guten und gesunden Weise mit dem Tod umgehen.
In verschiedenen Kulturen und Religionen gibt es sehr unterschiedliche Formen mit dem Tod umzugehen. Gibt es eine, die dir besonders zusagt?
Eine Freundin hat mir neulich von ihrem Urlaub in Mexiko erzählt und wie die Mexikaner mit dem Tod umgehen: Sie feiern ihn einmal im Jahr mit einer riesengroßen Party. Ein Fest des Lebens, bei dem sich alle wiedersehen: die Lebenden und die Toten. Es gibt laute Musik, gutes Essen und Tanz. Der Tod ist dort nicht schwarz und weiß: Er leuchtet in allen Farben des Regenbogens. Das gefällt mir. Trauer ist viel mehr als immer nur traurig zu sein. Es bedeutet, sich zu erinnern: an die schönen Momente, an all die Situationen und Erlebnisse, die man zusammen geteilt hat. Wenn man jemanden verliert, den man liebt, dann tut das weh. Keine Frage, das ist das Schlimmste. Aber was wäre ich für eine Freundin, wenn ich mich an Doris nur mit all dem Schmerz erinnern würde? Sie war meine erste beste Freundin. Wir hatten so eine tolle Zeit miteinander. Wir haben Radio gespielt und Schneehöhlen gebaut. Daran will ich mich erinnern. Nicht nur an ihre Glatze nach der – gefühlt – 48. Chemo. Sie hat das Leben geliebt, obwohl sie sterben musste. Darum geht es.
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Quelle: Wiki Commens
Um den Tod einen Platz in unserem Leben zu geben, hast du die Plattform „Dein Tod und ich“ gegründet – ein Projekt, das schnell bekannt und zu deinem Herzensprojekt wurde. Bis jetzt. Was hat sich verändert?
Dein Tod und ich war einer der Gründe, warum ich mich selbständig gemacht habe: Ich wollte mehr Zeit dafür haben, ein Buch mit ausgewählten Interviews veröffentlichen, die Plattform zu DER Trauerplattform im deutschsprachigen Raum ausbauen. Seit einigen Wochen hat sich etwas verändert. Ich habe gemerkt, dass ich mich immer mehr davor drücke. Erst dachte ich, ich hätte vielleicht Angst, dass mich meine eigene Trauer wieder einholt. Vielleicht ist es auch die Angst, etwas falsch zu machen. Nicht die richtige Antwort auf die persönlichen Geschichten zu finden, die mir so viele Menschen ganz offen und ehrlich erzählen. Ich kann es nicht erklären, aber ich habe das Gefühl, dass ich fertig damit bin. Der Tod und die Trauer haben mehr als 20 Jahre meines Lebens bestimmt. Ich dachte immer, dass ich es Doris schuldig bin, ihr Andenken zu bewahren. Alles dafür zu tun, dass sie nicht vergessen wird. Ihrem Tod einen Sinn zu geben. Irgendwie war sie all die Jahre auch immer noch hier. Ich weiß nicht, warum und ich weiß auch nicht, wie ich das erklären soll, aber Doris ist gegangen. Sie ist weg und mit ihr der Wunsch, der Trauer ein Gesicht zu geben. Ich will mich mit dem Leben beschäftigen. Ich will das Beste vom Leben erwarten. Ich will mir alles wünschen, was ich mir vorstellen kann. Ich will jeden Tag genießen und glücklich sein. Ich weiß, dass ich sterben werde. Ich muss mich nicht mehr jeden Tag daran erinnern.
Dein neuestes Projekt heißt „viel mehr als grau“ oder auch „Unterhose„. Wie bist du dazu gekommen, einen perfekten „Frauenschlüpper“ zu erfinden? Und was macht ihn perfekt?
Ich war sehr unzufrieden mit meiner eigenen Unterhosensituation. Irgendwie gab es nichts, was meinen Vorstellungen von einer perfekten Unterhose entsprochen hat. Deshalb habe ich kurzerhand meine eigene erfunden und zusammen mit einem Schneider in den letzten Monaten entwickelt. Eine perfekte Unterhose ist bequem und sexy. Sie hat kein lästiges Etikett, das man erst herausschneiden muss. Sie ist aus qualitativ hochwertiger und robuster Baumwolle (mit ein bisschen Elasthan) und das wichtigste: Sie macht Spaß! Es gibt kein Schwarz und kein Weiß bei meinem Wäsche-Label, viel mehr als grau: nur knallige Farben. Jeden Monat wechselt die Farbe. Die erste Edition ist himbeerfarben und heißt „Glück ist immer selbstgemacht.

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Die Unterhose kommt im Sommer auf den Markt, „Dein Tod und ich“ verändert sich… welche Jahresbilanz möchtest du am 31. Dezember 2016 gerne ziehen?
Trotz der Aufregung, der Unsicherheit und der vielen Fragezeichen, die sich gerade überall in meinem Leben auftun, ist es doch schon jetzt eins der tollsten Jahre überhaupt. Veränderung ist gut. Sie rüttelt an allem, was nicht mehr gebraucht wird. Sie schafft Platz für Neues.

Ich möchte ohne Druck und Stress eine Entscheidung für „Dein Tod und ich“ finden. Das Projekt vielleicht in neue, vertrauensvolle Hände geben. Die Unterhose soll nach zwei Jahren Entwicklungsarbeit endlich das Licht der Welt erblicken: Ich bin so neugierig, wie es damit weitergeht. Ob andere meine Begeisterung dafür teilen.

Groß ausgefeilte Pläne habe ich nicht in der Schublade. Ich möchte den Dingen auch einfach mal ihren Lauf lassen, mit dem „Flow“ gehen, auch wenn er zwischendrin eine Pause macht. Mir die Zeit nehmen, um immer wieder innezuhalten. Mich in die Selbständigkeit „eingrooven“. Weiterhin schöne PR-Jobs machen. Inspirierende Menschen treffen. Zeit mit meinen Liebsten verbringen. Und vor allem: einen tollen Sommer in der schönsten Stadt der Welt!
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Sommer in Berlin, Judith Peller, Dein Tod und ich

Heute ohne Worte, aber mit guten Wünschen fürs Wochenende.

{Kooperation} Vor einiger Zeit stieß ich auf den Sklavenrechner. Ein schreckliches Wort. Aber leider trifft es.  Er errechnet, wie viele Menschen unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten müssen, damit ich meinen Lebensstil halten kann. Das Ergebnis ist erschreckend! Nach EU-Definition liegt die Zahl der von mir quasi-beschäftigten Personen bei einem Kleinunternehmen mittlerer Größe (Schluck). Neben Wohnung und Technik (Smartphone, Kamera, PC, TV etc.) treibt vor allem meine Garderobe die Werte nach oben, denn in der Textil- und Schuhindustrie mangelt es vielfach an sozialen und ökologischen Standards.  Das weiß ich schon lange und verdränge es doch immer wieder erfolgreich. Das muss aufhören!

Auf der Suche nach Alternativen stieß ich kürzlich auf Sorbas. Das junge Berliner Unternehmen, das nach Alexis Sorbas, der Hauptfigur aus dem gleichnamigen Roman von Nikos Kazantzakis benannt ist, steht für gute Schuhe – in qualitativer und ethischer Hinsicht. Denn Gründer und Geschäftsführer Eike Vogler lässt sein Schuhwerk in kleinen Handwerksbetrieben zu fairen Arbeitsbedingungen und nach strengen Umweltstandards produzieren.

Wie es mit Sorbas weitergeht, welche Modelle gerade in der Entwicklung sind, wer hinter der Neugründung steht – das und mehr erfahrt ihr nun im Interview mit Eike.

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Erzähle ein wenig von dir: Wer bist du? Was hast du vor Sorbas gemacht? 

Ich bin ein Typ Anfang 30, komme ursprünglich aus Hamburg und lebe inzwischen schon viele Jahre in Berlin. Hier fühle ich mich im Neuköllner Weserkiez sehr wohl. Grundsätzlich bin ich aber überall dort zuhause, wo ich frei bin. Deshalb reise ich auch sehr gerne. Mit jeder neuen Erfahrung, jedem neuen Gedanken und jeder neuen Perspektive verändere ich mich und bleibe kreativ. Vor Sorbas habe ich studiert, gejobbt und war viel in der Welt unterwegs.
Wie bist du auf die Idee gekommen, Sorbas zu gründen? 
Nach meinem Studium wollte ich keinen normalen Karriereweg einschlagen, ich war eher an Entwicklungsarbeit interessiert. Doch statt in Büros zu sitzen und nach Vorgaben zu arbeiten, wollte ich lieber selbst spannende Ideen entwickeln und umsetzen. Mir ist wichtig, sinnvolle Dinge zu tun und nach einer möglichst freien, unvoreingenommenen Lebensart leben zu können. Deshalb war ich auf der Suche nach einem Produkt, mit dem ich genau das umsetzen konnte. Und zwar so, dass auch andere davon profitieren können.

Auf die Idee, Schuhe zu machen, kam ich dann durch eine Studie der UN, in der Entwicklungspotentiale für Albanien untersucht wurden, und welche das Potential der dortigen Schuhindustrie betonte. Nun werden Sorbas Schuhe zwar nicht in Albanien produziert, aber auch auf dem Balkan und auch mit dem Ziel, die Entwicklung dort positiv zu beeinflussen.

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Wofür steht der Name Sorbas eigentlich?
Alexis Sorbas ist eine Romanfigur und wurde in den Sechzigern vom Schauspieler Anthony Quinn in einem gleichnamigen Film dargestellt. Sorbas ist ein lebensfroher Mensch mit einer intuitiven Lebensweisheit, der seinen Impulsen folgt, ohne dabei banal zu sein. Im Film trifft er auf einen Engländer, der auf seiner philosophischen Suche nach Glück und Weisheit ist und in Sorbas sein Ideal findet. 
Ich habe den Film gesehen, kurz nachdem ich mich entschlossen hatte, das Schuhlabel zu gründen. Er bringt eigentlich alles zum Ausdruck, worum es mir in diesem Vorhaben geht: die Suche nach einer nachhaltigen, glücklichen Lebensart, die Lebenslust und nicht zuletzt den Mut, einfach der Intuition zu folgen. So verkörpert „Alexis Sorbas“ im Grunde auch die Persönlichkeit der Schuhmarke Sorbas. 
Du arbeitest mit einem traditionellen serbischen Schuhmacherbetrieb zusammen. Warum gerade Serbien?
Ich möchte ein Produkt anbieten, bei dem ich selbst den Herstellungsprozess nachvollziehen und die Arbeitsbedingungen positiv beeinflussen kann. Deshalb lasse ich Sorbas Schuhe in Europa herstellen aus Materialien, die ebenfalls fast ausschließlich in Europa und unter guten Bedingungen hergestellt werden. Für Serbien habe ich mich entschieden, da hier zum einen das traditionelle Schuhmacherhandwerk gepflegt wird. Zum anderen aber, weil ich dort mit begrenztem Startkapital positive wirtschaftliche Impulse setzen und faire Löhne zahlen kann, ohne dass die Schuhe enorm teuer werden müssen.
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Wie haben Mesa und du zueinander gefunden? 
Zunächst bin ich ganz einfach mit dem Rucksack durch den Balkan gereist und habe mir einige kleine Betriebe und Schuhfabriken angeschaut. Letztendlich hat mir allerdings die Entwicklungsorganisation USAID auf der Schuhmesse in Düsseldorf den Kontakt zu der kleinen Schuhmacherei vermittelt, mit der ich nun zusammenarbeite. Ich habe zuerst Prototypen der Schuhe dorthin geschickt und bin dann letztes Jahr selbst nach Serbien gefahren, um zusammen mit den Leuten vor Ort das Design so anzupassen, dass es produziert werden kann. Dort habe ich Mesa schließlich persönlich kennengelernt. Er gehört zu einer Familie, die seit über 70 Jahren im Schuhmacherhandwerk tätig ist. Gemeinsam mit seiner Schwester Ajtana hat er gerade die Leitung des Betriebes übernommen.

Was hast du in den nächsten 1-2 Jahren mit Sorbas vor? 
Sorbas Schuhe sind im Moment ja vor allem für Frühjahr und Herbst geeignet. Ich werde sukzessive das Sortiment mit Modellen für Sommer und Winter erweitern. Geplant sind jetzt erstmal Halbschuhe, Stiefeletten und Boots, die für Sorbas typisch alle weich wie Sneaker sind. Dazu arbeiten wir mit neuen Werkstoffen und entwickeln unter anderem Modelle mit veganen Materialien natürlichen Ursprungs, die bisher kaum für Schuhe verwendet wurden. Zusätzlich zu den veganen Modellen wird es auch als Ledervarianten geben, so dass der Kunde die Wahl hat. Wenn Sorbas wie geplant weiter wächst, kommt das auch dem Betrieb in Serbien zugute, denn wir möchten die Zusammenarbeit weiter ausbauen. Ich kann mir aber auch vorstellen, im Laufe der Zeit weitere kleine Betriebe in anderen Erdteilen mit Aufträgen zu unterstützen und als Sorbas-Produzenten aufzunehmen.
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Manchmal hilft es nur noch, mich in schönen Dingen zu verlieren. Um nicht verrückt zu werden an Welt – oder besser: mit der Welt. Hier ein paar Dinge, die ich mag. 
Ein Teppich namens Desert, weil weite, warme Wüstenfarben in diesen grauen Wochen zwischen Winter und Frühling, für die man eine eigene Jahreszeit erfinden müsste, bisweilen so unerträglich sind. Dazu passt die sonnenblumengelbe Decke und der südafrikanische Halb-Sonnenring.
Das Sweatshirt würde mich sicher gut durch diese namenlose Jahreszeit bringen, wäre es verfügbar und dann noch in meiner Größe. Alternativ ließe ich mich auch von dieser grünen Strickjacke durch das nassglänzende Grau begleiten, bis die Temperaturen es gestatten, in diesen wunderbaren Play Suit zu steigen – und diese schlichten, flachen Schuhen
Bis dahin behelfe ich mir mit meinen liebsten Blumen. Allein der Klang ihres Namen entzückt: Ranunkeln

Wann mir Eni wo über den virtuellen Weg gelaufen ist, erinnere ich nicht mehr. Irgendwann war sie da – in meinem Blogreader, und seither schaue ich bei ihr vorbei. So habe ich auch die Entwicklung ihres Modelabels mitbekommen. Ihre erste Kollektion hat mir gut gefallen, vor allem die Shirts. Dann war plötzlich Funkstille, und als ich wieder einmal vorbeischaute, war alles anders.

„weil dies kein blog ist“, schrieb Eni im November 2014. Und wenn man die Dialogfunktion als wesentliches Kriterium für ein Blog versteht, stimmt das auf jeden Fall. Es ist ein Monolog. Ein steter Gedankenfluss, dem man „zuhören“, den man jedoch weder kommentieren noch unterbrechen kann. Die Möglichkeit des Austauschs mit den Leser/innen hat Eni bewusst ausgeschaltet. Das ist auf eine Art radikal. So wie auch Enis Gedanken und Worte auf eine – auf ihre – seltsam zarte Weise radikal sind. „ehrlich. echt. roh.“ beschreibt sie sie selbst auf ihrer Facebook-Seite. Und das trifft’s.

Im heutigen Montagsinterview erzählt sie von der Bruchstelle, die dazu führte, dass sie heute schreibt und (zumindest vorerst) nicht mehr näht. Außerdem geht es ums Laufen, um die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen und die ganz großen – das Leben selbst.

Hab‘ herzlichen Dank, liebe Eni, für deine Antworten auf meine Fragen, mit denen ich nun allen einen guten Start in die 6. Kalenderwoche wünsche.
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Eni Mai: Modedesignerin, Schriftstellerin, Läuferin, Mutter. Was noch? Was nicht? 
Was ich noch bin? In erster Linie bin ich ich. Zumindest versuche ich es immer zu sein. In dem was ich tue, schreibe, sage – echt und authentisch zu sein. Im Herzen ein Künstler. (Über)Lebenskünstler. Und dann ist da noch der kleine Optimist in mir, der das Leben liebt, egal was es gerade mit ihm macht. Dessen Glas immer halbvoll ist und niemals halbleer. Manche Menschen können das nicht verstehen, weil sie denken, ein Mensch kann nicht so positiv sein. Aber ich bin es wirklich. Weil genau diese Sicht auf das Leben mich bis hierher gebracht hat. Ja, man könnte sagen ich bin jemand, der sein Leben aus tiefsten Herzen liebt. Und ein Tagträumer bin ich. Da sind so viele Geschichten in meinem Kopf. Tagsüber fliegen sie durch meinen Kopf und nachts wandern sie aufs Papier. So war das schon immer. 
Ach, und ausserdem arbeite ich, neben dem Schreiben, 90% in einem sehr großen Sportgeschäft. Für mich als Läuferin perfekt. Und überhaupt liebe ich diese Arbeit. Auch wenn sie so gar nichts Künstlerisches hat, ist es irgendwie doch genau mein Ding. Der beste Nebenjob der Welt! Das eine kann eben manchmal nicht ohne das andere. Und dieser Job gibt mir die Möglichkeit ohne Druck, in den späten Abendstunden, das zu tun, was ich liebe: Schreiben. 
Was ich nicht bin? Schwer zu sagen, manchmal denke ich, ich kann alles sein, solange es echt ist. Solange der kleine Optimist in mir sein Lachen nicht verlernt. Solange ich dabei sein darf, wie ich bin. Wer ich bin.

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Dein „Blog“ – oder besser Plattform? – dreht sich um Kaffee, Bücher und Worte. Welchen Stellenwert haben diese drei Dinge in deinem Leben?
Ich sag es mal mit den Worten von Jorge Luis Borges : ‚I have always imagined that paradise will be some kind of library.‘ Worte sind etwas Großes. Etwas Wundervolles. Wenn ich nichts hatte, dann hatte ich immer noch Worte. Sie haben mich über Wasser gehalten. Sie ziehen sich durch mein Leben. Ich brauche Worte. Ich atme sie. Ich lebe sie. Sie bergen Erinnerungen, Gefühle und Momente in sich. Sie beschreiben, Unbeschreibliches. Sie sagen, was gesagt werden muss. Sie sind. Sie überdauern. Sie bilden Brücken und reißen sie nieder. Sie heilen und verletzen. Sie sind echt und wild und unbändig. Wenn ich mich selbst mal wieder nicht finde und das Leben zu groß ist, dann laß ich Worte regnen. Aus meinem Kopf, aus meinem Herzen. Ich könnte ohne Worte nicht leben. Es liegt in meinem Wesen sie zu suchen und zu benutzen. Genauso ist es mit Büchern. 
Ein Leben ohne Bücher wäre trist. Ich kann mir nicht vorstellen nicht zu lesen. Seit ich lesen kann, lese ich. So viele Geschichten. So viele Welten. So viel Wissen. So viele Leben. Ich könnte und wollte nicht ohne sein. Eine Tasse Kaffee und ein Buch. Das ist Glück. Ich liebe es von Büchern umgeben zu sein, mit E-Books kann ich nichts anfangen. Ich muss sie spüren, sie riechen, sie fühlen. 
Ich liebe es in einer Bibliothek zu sein. Wo immer ich bin, gehe ich in Buchläden. Ich liebe alte Bücher vom Trödler. Manchmal stehen noch Worte darin. Von jemanden an jemanden. Der Gedanke, ein anderer hat das Buch vor mir in der Hand gehabt, seine Geschichte gelesen, gefühlt, das ist ein großer Gedanke. Ein wunderbarer Gedanke. Seid kurzem haben wir in unserer Wohnung eine eigene Bibliothek. Das alte Büro meines Mannes wurde zu meinem Schreibzimmer und zu unserer Bibliothek. Der Bube ist begeistert, liebt er doch Bücher und das Lesen genauso sehr wie ich. Und so verbringen wir hier unsere Stunden. Das ist unglaublich. Ein alter Traum der sich endlich erfüllt hat. Ein Raum nur für Bücher. Voll mit Büchern. Genau die richtige Umgebung um zu schreiben. Nichts könnte inspirierender sein. Und Kaffee, ja Kaffee – fast lebenswichtig. 🙂 Ich könnte ohne, aber es wäre nur halb so gut. Am liebsten frisch zubereitet in der Chemex oder mit der Aeropress. Ich probiere unheimlich gerne neuen Kaffee aus. Und wenn ich morgens, schlaftrunken, im halbdunkeln, den ersten Schluck von meinem frischen Kaffee trinke, dann ist alles gut. Das kann, morgens, nur Kaffee.
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Du bist keine Bloggerin und Eni Mai ist kein Blog, schriebst du im November vergangenen Jahres, nachdem du erkannt hast, dass du dich in der D.I.Y.- und MeMade-Blogosphäre verrannt hattest. Was war passiert? Und wie konnte es passieren?
Ach, dass ist eine lange Geschichte und irgendwie auch wieder nicht. Ich weiß nicht mehr wirklich, wann ich an den Punkt kam, aber irgendwann hab ich gemerkt, dass das nicht mehr ich war. Dass ich das nicht bin. Ich wollte diesen Druck nicht mehr. Als ich damals mit meinem Blog und auch mit meinen Shop anfangen habe, das war alles noch klein. Da waren wir eine Handvoll. Da war Dawanda noch eine Plattform für das Handwerk. Für Künstler und Designer. Es gab noch keine Me-Made-Mittwoche und noch keine 12 von 12. Und auch noch keine unzähligen Dawanda-Shops. Irgendwann hat sich das verändert. Man „musste“ hier mitmachen, um dort dabei zu sein. Und der eigene Shop war plötzlich einer von vielen. Das war für mich eine miese Zeit. 
Ich hab Modedesign studiert und mein Traum war immer, mein eigenes Label zu haben. Aber die Menschen wollten nicht mehr viel Geld für Qualität ausgeben. Jeder wollte alles am liebsten super günstig oder am besten zum selber nachmachen. Wie oft wurde ich nach Schnittmustern oder Tutorials gefragt (die ich als Schnittdirectrice in mühevoller Kleinarbeit selbst erstellt und gradiert hatte). Die Sachen wurden auf Märkten ganz genau in Augenschein genommen, um es dann daheim selbst zu nähen. Auf den Blogs sah man Schnittmuster for free, da hätten sich meiner Dozentin die Haare aufgestellt. Aber die Blogleser und Blogger fanden es super. Und irgendwann war es überall das gleiche. Da hab ich mich nicht mehr wohlgefühlt. Ich bin kein Mitläufer. Ich will nicht das machen, was alle machen. Ich will mich auch nicht verbiegen, um meine Klamotten zu verkaufen. Und ich will nicht umsonst arbeiten. 
Für mich, deren Beruf anderer Leute Hobby ist, ist diese Entwicklung hin zu ‚ich kann alles selber machen‘, nicht wirklich gut. Ich mein, ich operiere mich ja auch nicht selbst, nur weil ich ein Buch über Chirurgie gelesen habe. Jedenfalls hab ich das Modedesign Modedesign sein lassen und mich beim großen Sportgeschäft beworben. Um Geld zu verdienen und endlich keinen Druck mehr zu haben. Ich hab mich wieder neu gefunden und aufgehört zu schreiben, was die Welt lesen will. Ich habe die Kommentarfunktion ausgeschaltet und begonnen das zu schreiben, was ich sagen will. Dafür mögen mich nun viele nicht mehr, aber auch das ist egal geworden. Weil ich wieder bin. Und das ist gut. 
Irgendwann werde ich wieder Mode machen. Da bin ich sicher. Manche Träume brauchen Zeit. Und während die einen in weite Ferne geraten, schieben sich andere leise in die erste Reihe. Ich nehm sie, wie sie kommen. Damit mein Glas immer halbvoll ist und niemals halbleer. Das ist, was ich für mich gelernt habe. Aber wie gesagt, das ist nur ein kleiner Teil der Geschichte.:)
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2015 bist du deinen ersten Marathon gelaufen. Wie war das? 
Berauschend und unglaublich emotional. Seit ich angefangen hatte richtig zu laufen (also nicht nur laufen im üblichen Sinne, das tat und tue ich schon immer viel und oft), war es mein Ziel, einen Marathon zu laufen. Nicht für irgendeine Bestzeit, sondern nur für mich. Um mir und meiner Autoimmunerkrankung zu zeigen, was ich kann! Ich wusste, wenn ich das schaffe, dann kann ich alles schaffen. Also hab ich mich für Berlin beworben, den Platz bekommen und mit den Training angefangen. Und wie es so schön heisst, ‚Der Weg ist das Ziel!‚. Ein Marathon fängt nicht erst am Start an, er fängt dann an, wenn das Training beginnt. Der Marathon an sich, ist nur der Endspurt. Ein sehr langer, gigantischer, berauschender Endspurt. 
An dem Tag war ich schrecklich aufgeregt und einfach nur wahnsinnig glücklich. Das ganze drumherum war so unglaublich toll. Die vielen Läufer, die vielen Zuschauer, die irgendwie nur für mich hier zu sein schienen, die Musik, die Helfer. Wahnsinn. Beim Countdown hab ich geweint, vor Glück. Und dann bin ich einfach nur noch gelaufen. Durch Berlin. Eine wunderschöne, lebendige Stadt mit wahnsinnig tollen Menschen. Hier und da hab ich meinen Namen gehört, wildfremde wurden zu Freunden, für diesen kurzen Augenblick. Das war gigantisch. Ich hatte in keinem Moment das Gefühl, ich würde es nicht schaffen. Es war anstrengend, klar, aber es war vor allem wunderschön. Und dann am Ende, der Zieleinlauf. Das Brandenburger Tor. Mein Mann hat dort gewartet, ich hab ihn jubeln sehn und die Tränen liefen. Die letzten Schritte bin ich für all die Menschen in meinem Leben gelaufen, die nicht mehr an meiner Seite sind. Die irgendwo sitzen und mich anfeuern. Und für meine Liebsten, meinen Sohn, meinen Mann. All die, die mich lieben, die hinter mir stehen und mich begleiten. Das Bild meines Zieleinlaufs spiegelt genau das wieder. Glück. Und Dankbarkeit. Und das Wissen, ich kann alles schaffen, wenn ich will. Einfach, weil ich es will!
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Wie prägt das Laufen deinen Alltag?
Laufen gehört für mich zum Leben wie das Atmen. Ich laufe viel und so oft ich kann. Schon immer. Zum Beispiel laufe ich lieber zur Arbeit, als das ich mit dem Bus fahre. Das sind knapp 3km hin und 3km wieder zurück. Es tut mir gut. Ich liebe es, meine Beine zu bewegen. Dazu Musik im Ohr und den Wind im Gesicht. Da kann ich meine Gedanken baumeln lassen. Worte finden. Mich finden. Es macht mich glücklich zu laufen. Ich kann absolut nachvollziehen, dass Forest Gump einfach immer weiter lief. Ich könnte das auch. Vielleicht werde ich irgendwann mal, wenn ich alt bin und der Bube aus dem Haus ist, eine Weltbegehung machen. Die Welt erlaufen. Oder den PCT wandern. Aber vorher will ich noch jede Menge Marathons laufen in verschiedenen Ländern und Städten. 
Wie sieht dein Alltag eigentlich aus? 
Naja, da ich ja mittlerweile zu 90% beim großen Sportgeschäft arbeite, ist mein Alltag natürlich davon geprägt. Aber ich liebe diese Arbeit und den Weg dorthin. Die Nachmittage, die ich nicht arbeite, sind für meinen Sohn reserviert. Da mach ich nichts anderes. Genauso wie am Sonntag. Das ist Familienzeit und die ist wertvoll und kostbar. Ausser das Laufen, das quetsche ich dazwischen. Das muss sein. Die Abende, Nächte und meinen freien Tag verbringe ich mit schreiben. Viele Worte finde ich beim Laufen. Gerade wenn ich zur Arbeit gehe, die notiere oder diktiere ich dann in mein Handy und schreibe es mir abends in eines meiner unzähligen Notizbücher. Man könnte sagen, mein Alltag ist sehr alltäglich und sehr, sehr voll. Ich wünschte manchmal der Tag wäre länger oder die Nächte. Ich schlafe nämlich ziemlich gern und bin dann morgens immer sehr müde, aber auch das ist okay. „Schlafen kannst Du, wenn Du tot bist.“ 
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Das neue Jahr ist noch jung. Was wünscht du dir für dich in diesem Jahr?
Ich wünsche mir glücklich zu sein und gesund zu bleiben. Und dass meine Lieben es auch sind. Ich bin kein Fan von Neujahrsvorsätzen oder großem Pläneschmieden. Das Leben ist viel zu unberechenbar und hat oft seine ganz eigenen Wege. Ich werde im September wieder den Marathon in Berlin laufen, dafür bin ich schon angemeldet und ich will mein Buch zu Ende schreiben. Aber in erster Linie will ich glücklich sein. Die kleinen Dinge nicht übersehen. Nicht vergessen zu leben. Zu lieben. Im Regen zu tanzen. Überhaupt zu tanzen. Und dankbar zu sein, für das, was mir gegeben ist. Das ist doch, was am Ende bleibt. Erinnerungen an ein gutes Leben. An ein glückliches Leben und an die Menschen, die man liebt.
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Die ersten zwei Wochen des noch jungen Jahres sind bald Vergangenheit. Was ist passiert? Was hat mich bewegt? Was hab ich getan?

Viel Musik habe ich GEHÖRT. Pergolesis Stabat Mater etwa. Eine Musik, die mich jedes Mal aufs Neue aus der Fassung bringt ob ihrer überirischen Schönheit. Apropos überirdische Musik – ein Meister dieses Faches war zweifelsfrei Johann Sebastian Bach. Der Choreograph Nacho Duato hat ausgewählte Werke in Vielfältigkeit. Formen der Stille und Leere in die Sprache des Tanzes übersetzt. Lang habe ich nicht mehr solch anmutig-schöne und zugleich spielerisch-leichte Bewegung GESEHEN.

Ma und ich haben Der kleine Prinz GESCHAUT. Die filigranen Papierfiguren-Szenen haben es mir besonders anGETAN. AnGETAN hat es mir auch Kate Blanchet in Carol – was für eine Ausstrahlung!

Aber auch GELESEN habe ich. Mehr als sonst, und echte Bücher, aus Pappe und Papier. Eines davon war Wolfgang Herrndorfs unvollendeter Roman Bilder deiner großen Liebe. Ein wunderbares Buch! Iris Radisch hat darüber in der DIE ZEIT geschrieben, besser als ich es je könnte. 

Über Berlin und meine Beziehung zu dieser Stadt, in der ich nun das 21. Jahr lebe, habe ich nachGEDACHT. Das Ergebnis dieses Nachdenkens ist in der Ode an Berlin kondensiert. Dabei habe ich ein paar alte Fotos GEFUNDEN. Und dann bin ich über ein Fotoprojekt von Valeria Mitelmann GESTOLPERT, an dem ich teilhatte. Findet ihr mich?  – Es ist immer wieder seltsam, sich selbst auf früheren Bildern zu begegnen. Nähe und Distanz fallen so schamlos ineinander.

GEÄRGERT haben mich die vielen dummen Reaktionen auf die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln. „Unsere Gesellschaft hat ein Sexismus-Problem auf allen Ebenen“. Welche Frau könnte nicht davon berichten {siehe: KatjaNic oder Lina}? Leider.


GEFREUT haben mich hingegen die vielen guten Begegnungen in diesem gerade mal zwei Wochen alten Jahr {u.a. mit Mehrdad}. Und ein klein wenig GEWEINT habe ich um David Bowie, auf dessen Spuren ich letztes Jahr noch durch Schöneberg geradelt binGEMOCHT habe ich den Schnee. Er hätte ruhig ein wenig länger verweilen dürfen.


Ich habe GEBACKEN und GEKOCHTGetränkten Zitronenkuchen, Berliner Buletten und Kartoffelbrei mit Saure-Gurkenstücken, und dazu Malzbier GETRUNKEN. Auch gut.

Nach einem Badvorleger habe ich GESUCHT, weil der Boden im Bad zwar warm, aber nicht weich ist. Am Ende gefielen mir dann die Hölzernen am besten. Von wegen weich. Immer wieder auf diesen Pullover und dieses Kleid GEKLICKT. Am Ende bin ich aber standhaft GEBLIEBEN und habe sie nicht GEKAUFT.

Viel mehr habe ich auch nicht GEMACHT in den ersten zwei Wochen des Jahres. Mich im Nichtstun GEÜBT, was gar nicht so einfach und doch erstaunlich leicht war. Vielleicht wird aus mir ja doch noch eine Artistin des Gelegentlichen – gelegentlich.


Womit waren eure ersten zwei Wochen GEFÜLLT?

Bilder: Giuliana Bottino und Michael Banzhaf © Fernando Marcos | Pergolesi Stabat Mater | ace & jig | Berlinkarte 1980er | Der Himmel über Berlin | Badvorleger | Pullover

Wenn ihr sie noch nicht kennt, wird es höchste Zeit, denn ihr Schmuck zählt zum Schönsten. Ihr Name: WSAKE.  Zusammengesetzt aus den Initialen der Vornamen des engsten Familienkreises und dem Alter nach geordnet. „Abgelesen von den gekennzeichneten Handtuchhaken im Bad“, so Anna, die den mittleren Buchstaben beisteuerte, „abstrakt und mit verborgener Bedeutung, aber sonst sinnlos.“ Sie ist der kreative Kopf hinter dem Schmucklabel, die gestalterische Hand ihr Vater. Waldemar, der den ersten Buchstaben gab, ist Silberschmied – seit über 50 Jahren. 
Im Februar 2013 habe ich bereits einen Blick hinter ihr Label geworfen. Einen aktuellen Einblick in das zauberhafte Vater-Tochter-Unternehmen gibt dieser kleine Film.
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Für den M i MA-Adventskalender haben die Zwei zwei Anhänger für euch ausgewählt – mit Text nach Wunsch. Und derer gibt es viele: 
  • DIE BESTE 
  • LIEBE 
  • GLÜCK 
  • SONNE 
  • FROH 
  • JOY 
  • STERN 
  • LITTLE STAR 
  • GOLD 
  • GOLDSTÜCK 
  • RUND 
  • ALL 
  • LIEBESGABE 
  • LOVE TOKEN 
  • YOURS 
  • MINE 
  • DIE DEINE 
  • DER DEINE 
  • DIE MEINE 
  • DER MEINE 
  • STAR 
  • HONIGKUCHEN 
  • HONEY CAKE 
  • KISS KISS 
  • MY LOVE 

Sagt uns bis zum 17. Dezember, welchen Text ihr gern auf eurem Anhänger lesen würdet. Vielleicht tragt ihr ihn schon bald um den Hals. Viel Glück! Ein Anhänger ist für Mond, der zweite für Annette von blick7. Viel Freude damit!
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