»Selbstgewiss und wagemutig« Im Gespräch mit Marlene Sørensen

Nachdem ich kürzlich einen Blick in ihr – wie ich finde – großartiges Modebuch geworfen habe, spreche ich heute mit der Autorin selbst. Was macht einen guten Stil und den Unterschied zwischen »Stil« und »Style« aus? Wie war der Weg zum Buch? Und wie kommt man {modisch gesehen} gut durch den Winter?

Das und mehr beantwortet Marlene Sørensen im heutigen Montagsinterview, mit dem ich allen einen guten Start in die neue Woche wünsche – und mich bei dir, liebe Marlene, für das erfrischende Gespräch bedanke.

Marlene Sørensen, Autorin von "Stilvoll"
Foto: Marlene Sørensen

Im September ist dein erstes {Mode-}Buch erschienen: Stilvoll. Wie und wann und wieso kam es dazu?

Letztes Jahr im März fragte mich ein Verlag, ob ich ein Buch über Mode schreiben würde. Das ist die kurze Antwort. Die längere kommt zur nächsten Frage.

Was war das Schönste, was das Beste und was das Schwierigste dabei?

Das Schönste war, dass ich überhaupt gefragt wurde. Von allein hätte ich mir vielleicht nie zugetraut, ein Buch wie dieses zu machen, in dem alle Texte und die meisten Bilder von mir sind. Das Schwierigste war, als der Verlag das Projekt wieder absagte. Eine herbe Enttäuschung. Ich habe mich gefragt, ob ich mir damit nicht doch zu viel vorgenommen hatte. Aber ich war schon so weit, dass ich es nicht aufgeben wollte. Das Beste war, als ich einen neuen Verlag für das Buch fand.

Zwischendrin gab es viele kleine schöne, schwierige und gute Momente. Der tolle Nachmittag mit Aino Laberenz wird mir zum Beispiel noch lang in Erinnerung bleiben. Die Strapazen, ein Buch mit dem Elternsein und der Arbeit meines Freundes zu koordinieren, kann ich getrost wieder vergessen. Den Stolz und das Erstaunen, als ich das erste Exemplar in der Hand hielt, kann ich mir wiederum hoffentlich noch lang bewahren.»

Das Cover von Marlene Sorensens Modebuch "Stilvoll" gibt es in drei Farben
Foto: Marlene Sørensen

Was zeichnet einen guten Stil aus?

Die Selbstgewissheit, sich nicht zu verkleiden. Aber auch der Wagemut, etwas Neues auszuprobieren. Und schlicht eine Freude an Mode, denn sie kann wirklich so viel Spaß machen.

Was macht für dich den Unterschied zwischen „Stil“ und „Style“ bzw. „stilvoll“ und „stylish“?

Das eine ist Deutsch, das andere Englisch. Okay, im Ernst, für mich gibt es bis auf das Sprachliche keinen Unterschied. Auf Deutsch klingt es oft gesetzter, wenn man über Mode schreibt. Und ich wünsche mir fast bei jedem meiner Texte, es gäbe so präzise Worte wie das englische »sophisticated«, um Kleidung zu beschreiben. Gibt’s leider nicht. Dafür kann man sich andere, ebenso treffende Worte einfallen lassen.

In deinem Buch trägt nur eine einzige Frau kurzes Haar {S. 15}, alle anderen haben mindestens halblanges Haar – wieso?

Ja, wieso eigentlich? Das habe ich nicht bewusst so ausgesucht. Ich hätte gerne noch mehr Frauen im Buch gezeigt und mindestens zwei davon tragen kurze Haare, aber am Ende fehlte die Zeit und der Platz, um alle vorzustellen. Kurze Haare finde ich an Frauen nämlich ziemlich toll. Denn man kann fast alles zu so einer Frisur tragen und es sieht sofort stylisher, äh, stilvoller aus.


»Guter Stil braucht Selbstgewissheit, Wagemut und Freude.«


Ihr habt vor kurzem eine neue Wohnung bezogen. Wie und wo wohnt ihr nun?

Wir sind von Mitte in den Prenzlauer Berg gezogen, aus dem zweiten in den vierten Stock. Ich wünschte, ich könnte mehr darüber erzählen, aber hier schaut’s immer noch aus, als wären wir heute früh mit dem Umzugswagen vorgefahren, dabei sind wir schon seit einem Monat hier. Aber irgendwann werden die Handwerker wohl fertig sein und wir müssen nicht mehr in der Dusche abwaschen. Dass ich mich mal so auf eine Spüle freuen würde…

Was empfiehlst du mir {die ich mich modisch irgendwo zwischen Joy Denalane und Claire Beermann einordnen würde} warum für den modischen Winter 2016/2017?

Eine Bomberjacke, zum Beispiel von Cos, Closed oder ganz klassisch von Schott NYC, weil sie gerade angesagt ist, aber immer lässig. Einen Camel-Mantel, weil der in jeden Kleiderschrank passt und mehr hermacht als jedes Modell in Schwarz. Und eine Trainingshose, weil man einen Trend unbedingt mitnehmen sollte, bei dem Sofaklamotten Stilgespür ausstrahlen. Bei Zara habe ich vor kurzem einige gute gesehen.

Modetipps von Marlene Sørensen und M i MA für den Winter 2016/2017

Hose: Zara | Bomberjacke: Schott NYC via Edited | Mantel: Other | Stiefel: Isabel Marant Etoile via Stylebop | Tuch: KENZO x H&M

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