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Der Berliner Winter ist besonders hart; überdrüssig bin ich ihm eigentlich schon im Januar. Der Punkt, an dem ich nicht mehr kann, ist spätestens im Februar erreicht: Mit allerletzter Kraft trotze ich dem endlosen Kaltnass, dem Dauerdunkel und Ewiggrau. Im März sind sämtliche Reserven verbraucht; jetzt gehts an die Substanz. Nach Laune, Lust und Motivation kommt schließlich meine Phantasie zum Erliegen: Ich kann mir keinen Frühling mehr vorstellen. Wenn ich die Augen schließe, seh ich immer nur das eine Bild: Berlin im Winter. Ich möchte weinen. Da blitzt er plötzlich auf im gefrierpunktnahem Nieselregen: kaum sichtbare Knospen, ein Vogelzwitschern hier und da und der Geruch von frostbefreiter Erde. Ich bin sofort voll drauf – sozusagen instantfrühlingsbesoffen. Wenn er dem Winter jetzt noch mal die Bühne überlässt, tut’s richtig weh. Kennt ihr das?


Was sonst noch so war in den letzten zwei Wochen? Unter anderem dies:

  1. GESEHEN: Bombay Beach
  2. GEHÖRT: Judith Holofernes über das Chaos
  3. GELESEN: Das Magazin
  4. GEWESEN: auf der CeBIT
  5. GESUCHT: einen Jumpsuit
  6. GEFUNDEN: eine goldene Schere
  7. GEDACHT: Wie krass – die Aktionen des russischen Künstlers Pjotr Pawlenski!
  8. GELACHT: über den Schokoladenpizza-Battle
  9. GELOBT: das komplexe Denken in »Zwischenfarben, Schatten, Nachmittagslichtern und endlosen Meeren«
  10. GEMACHT: Alltagslogistik10  2 x VollzeitDienstreisen + krankes Kind – Kinderbetreuung = Chaos
  11. GEMOCHT: die Arbeiten der in Berlin lebenden Künstlerin Karin Felbermayr
  12. GEFALLEN: dass Zohre Esmaeli das Gesicht der Kampagne »Deutschland – Land der Ideen« ist und Julia, das neue Mitglied der US-amerikanischen Sesamstraße
  13. GEFREUT: dass »Nusret und die Kuh« für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 nominiert ist
  14. GEWÜNSCHT: dass Mujo Kazmi genug Unterstützer/innen für sein Buchprojekt findet, in dem es um Flucht, Grenzen und Neuanfänge geht.
  15. GERÜHRT: von diesem Papa
  16. GEFRAGT: ob ich es hinkriege, die ARD-Doku »Brücken in die neue Heimat: Integrationslotse Mehrdad Zaeri« nicht zu verpassen.
  17. GEPLANT: den Frühling auf dem Balkon pflanzen in Form eines Frühbeets {von Hellweg}
  18. GEKAUFT: Tickets für Hauschka im Funkhaus Nalepastraße
  19. GESTAUNT: wie einfach die Lösung für große Probleme manchmal sein kann
  20. GESEUFZT: weil ich {wieder} nicht auf die Leipziger Buchmesse komme {gut gibt’s das Radio}
  21. GESPANNT: auf den Ausgang der Wahlen in Frankreich
  22. GEHOFFT: auf eine Art »Schulz-Effekt« für Macron
  23. GESCHMUNZELT: »Es ist wirklich an der Zeit nicht mehr nur wahnsinnig engagiert auf dem Sofa rumzusitzen.« Dorothea Volz {via »Die Offene Gesellschaft«}
  24. GEKLICKT: in den März vor einem Jahr

Eine Woche wie ein gepresste Zitrone. Darum heute nur 10 und eilige, aber herzliche Grüße zum Wochenende.

eine gepresste Zitrone fotografiert von Lando Jansone

PS: Die nächste Woche startet mit einem weinseligen Blick nach Ungarn und Mittwoch lässt Hazel Rosenstrauchs ihre Gedanken um die Frage nach dem »richtigen« Engagement in »falschen« Zeiten kreisen.

  1. GESEHEN: AX.APE {ein außergewöhnlicher Experimental-Kurzfilm}
  2. GEHÖRT: Armin Nassehi über den strategischen Vorteil der Lügner
  3. GELESEN: über Twitteratur
  4. GESUCHT: nach einem Teppich {die von Sukhi sind nicht nur schön, sondern auch gut}
  5. GEFUNDEN: das »Wort des Jahres« seit 1971 {Gesellschaftsanalyse in noch weniger als 140 Zeichen}
  6. GEMOCHT: »bike« von Christoph Niemann
  7. GEMACHT: Ma. vom Karate abgeholt und gewünscht, dass die Regeln für alle immer überall gelten würden.
  8. GEDACHT: Ich fass es nicht: Das Risiko einer Vergewaltigung ist für Frauen höher als die Gefahr einer Krebserkrankung, eines Autounfalls, eines Krieges oder einer Malaria-Ansteckung zusammen.
  9. GESPANNT: auf die documenta 14
  10. GEKLICKT: eine Portion tägliche Kunst

Fotos: Lando Jansone

Vergangenes Wochenende war ich in Weimar. Alleinreisend. Das mag ich, weil ich dann tun und lassen kann, was ich will und wann ich es will. Reden zum Beispiel. Oder Schweigen. Beides habe ich ausgiebig getan. Unter anderem. Was ich außerdem in und nach Weimar getan habe, habe in der obligatorischen Liste zum Wochenende zusammengetragen {alle Weimar-Links sind gelb markiert}.

Ein schönes Wochenende wünsche ich allen.


  1. GESEHEN: die »Bauhausstätten in Weimar«
  2. GEHÖRT: Mareice im Lichthaus
  3. GELESEN: mein Interview mit Tante Masha 
  4. GEGESSEN: im Anno 1900
  5. GETRUNKEN: Capuccino im Koriat und Tee im Fama
  6. GESUCHT: einen Zugang zum Karneval
  7. GEFUNDEN: »Orientalische Orange« {ein buchstäblich wunder-volles Backbuch}
  8. GEDACHT: Ich könnte gut im »Haus am Horn« leben.
  9. GELACHT: »Statt Konfetti einfach gleich den Locher werfen.«
  10. GEWOHNT: im Hotel Alt-Weimar {schöne, schlichte Zimmer}
  11. GELAUFEN: durch den Park an der Ilm
  12. GEMACHT: durch das Uni-Hauptgebäude gestreift {es entzückt mich immer wieder}
  13. GEMOCHT: Goethes Gartenhaus {das mich immer an »Die Ökologie der Kreativität« erinnert}
  14. GEFALLEN: das Kirms-Krackow-Haus
  15. GEFREUT: über das schöne Feedback zu meiner Antwort bei feingedacht.
  16. GEHOFFT: dass viele Bewerbungen auf unseren Unternehmenspreis eingehen {gerne verbreiten}
  17. GERÜHRT: dass die Dichterin Ali Cobby Eckermann die höchstdotierte Auszeichnungen der Literaturwelt erhalten hat.
  18. GEFRAGT: Mit welchen rhetorischen, sozialen oder auch künstlerischen Strategien lassen sich demokratische Umgangsformen {wieder} stabilisieren?
  19. GESTAUNT: über so viel unverhohlenen Frauenhass
  20. GESEUFZT: Ach, hätten wir doch alle so ein bisschen Finnland in uns {#EhefürAlle}.
  21. GETRÄUMT: von einem Urlaub in Finnland
  22. GESPANNT: auf die neue Ausgabe der Brand Eins zum Thema »Neue Arbeit«
  23. GEWÜNSCHT: globale Solidarität {darum: Feministische Netzwerk}
  24. GEPLANT: Wenn ich noch einmal einen Sohn bekomme {was ausgeschlossen ist}, nenne ich ihn Aviv. Es ist ein hebräischer Name und er bedeutet »Frühling« {vielleicht habe ich ja irgendwann einmal einen Enkel, der diesen wunderschönen Namen trägt, und wenn nicht, ist das auch nicht schlimm.}.
  25. GEKLICKTWeimar am Morgen

»Bunt ist die einzige Farbe,

bei der ich mich wohl fühle.«

frei nach Franz Marc


In diesem Sinne: ein fröhliches Wochenende & die gewohnte Liste.

  1. GESEHEN: »Tod den Hippies!! – Es lebe der Punk!« {West-Berlin + die 1980er …}
  2. GEHÖRT: »Static On The Radio« {so schön und dieser Bass – Hach!}
  3. GELESEN: Warum Fakten keinen Einfluss auf unsere Meinung haben
  4. GESUCHT: das Buch für gute und weniger gute Tage
  5. GEFUNDEN: einen frühen Artikel von mir über universitäre {Un-}Gleichheit
  6. GEDACHT: Wie cool ist das denn? Mit Down Syndrom zur Fashion Week!
  7. GEMACHT: bisschen zu viel – wir brauchen dringend Unterstützung!
  8. GEMOCHT: Peter van Agtmaels Fotoreportage über die USA »Buzzing th the Sill«
  9. GEFALLEN: »Tautes Heim«
  10. GEFREUT: über die neue Serie über Stärken, Mut und Zusammenhalt auf »feingedacht«
  11. GEHOFFT: im nächsten Leben bin ich Akustik-Bassistin
  12. GERÜHRT: von Allaeddins Geschichte und dem Polaroid-Projekt von Jamie Livingston
  13. GEFRAGT: Was geht denn in Ungarn ab? {Mir langte eigentlich eine Handvoll »rechtsesoterisch politisierter Neo-Druiden«; ein ganzes Land voller »rechtsesoterisch politisierter Neo-was-weiß-ich-was« mit spirituellen Verbindungen ins Weiße Haus wären mir definitiv zu viel.}
  14. GESCHMUNZELT: über das Puppenpublikum
  15. GELACHT: über die zwei Möwen im »Karnevalsgespräch«
  16. GESTAUNT: über so manchen »Gedanken zur Zeitenwende«
  17. GESCHÜTTELT: angesichts der langen Geschichte des rechten Terrorismus in Deutschland
  18. GESPANNT: auf Berlins erste jüdische Food Week
  19. GEWÜNSCHT: Frieden
  20. GEPLANT: die Ausstellung »Between the Devil and the Deep Blue Sea« von Pieter Hugo anzusehen
  21. GEKLICKT: Goethe Institut

 

»Im Moment reden alle davon, dass man »jetzt endlich mal wieder politisch werden müsste«, um De­mo­kratie und Freiheit zu stützen. Eine hohe Wahlbeteiligung würde da schon einiges bewirken, das ist längst bewiesen. Nutzen wir also unsere Kreativität und unsere Fähigkeiten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.«  Johannes Erler {Designer & Agenturinhaber}


In diesem Sinne ein fantasievolles, kreatives Wochenende und die obligatorische Liste.

  1. GESEHEN: [ The Mirror Project ] von Kevin McElvaney
  2. GEHÖRT: wie Rechtspopulisten, Christdemokraten und Linksliberale unter einem sozialdemokratischen muslimischen Bürgermeister in Rotterdam regieren
  3. GELESEN: Süddeutsche Zeitung, DIE ZEIT, Spiegel Online, Deutschlandradio … {jeden Morgen als Allererstes. So richtig gelungen ist der Start in den Tag dann meist nicht – sollte vielleicht besser wieder anders starten.}
  4. GESUCHT: eine/n Mitarbeiter/in
  5. GEFUNDEN: die Langzeitreportage über den »Meßstetten: Zufluchtsort auf Zeit«, wo jeder Sechste ein Flüchtling ist.
  6. GEMACHT: zweimal beim Zubettbringen ein- und durchgeschlafen – geschminkt und in Kleidern
  7. GEDACHT: die Ausstellung über Frauen in der Kulturarbeit möchte ich mir ansehen
  8. GEMOCHT: die neue Kindertseitung zum Thema Grün
  9. GEFALLEN: die »10 Regeln des Widerstands im Trump-Zeitalter«
  10. GEÄRGERT: über den neuen Kampagnenfilm für Edeka von Jung von Matt {wie findet ihr den?}
  11. GEFREUT: auf einen Besuch im Weimarer Lichthaus Kino {… wie ihr fahrt nicht für einen Kinobesuch quer durch die Republik? – Nee, gibt natürlich noch mehr Gründe für eine Fahrt in die Goethe- bzw. Bauhaus-Stadt: den z.B. und den}
  12. GEHOFFT: Dass wir die »Herrschaft des Idiotischen« großräumig umfahren.
  13. GEFÜHLT: ein starkes eskapistisches Verlangen
  14. GERÜHRT: von den »Pressefotos des Jahres«
  15. GEFRAGT: Inwieweit wird die Polarisierung in der Gesellschaft von Algorithmen gemacht?
  16. GESCHMUNZELT: beim Anblick von Doro Bots »Mini Machine«
  17. GELACHT: über die Antwort{en} zum Valentinstag dieses Herrn aus Leipzig
  18. GESTAUNT: dass die erste berühmte Schlagzeugerin und »Heldin« meiner Jugend, Moe Tucker, eine Anhängerin der Tea-Party-Bewegung ist {kann ich gar nicht fassen…}
  19. GESPANNT: auf »Beuys«
  20. GEWÜNSCHT: die Zeit, um Paul Austers neuen Roman 4 3 2 1 zu lesen.
  21. GEKLICKT: This is Paper {schöne Dinge tun gut}

Drei Wochen im Rückblick: Was war? Nichts Großartiges*. Ein paar Tage Ostsee u.a., was immer gut tut, weil: #AmWasser und #RausAusDerStadt. Und doch komme ich immer wieder und immer noch gerne: #BackInTown. Ja, tatsächlich kann ich nach 21 Jahren immer noch sagen: »Berlin, ick liebe dir« – nicht ohne Wenn-und-Aber, aber welche Beziehung wäre nach so langer Zeit noch gänzlich ungetrübt? Das Konzerthausorchester Berlin hat den Klang dieser Stadt übrigens so wunderbar-witzig vertont, das ich mich glatt nochmal neu verliebt hab‘. Meine Berlinmelodie bleibt gleichwohl »Coolsville«, weil’s ganz am Anfang unserer »Liebe« stand.

Was mir sonst begegnet und durch den Kopf gegangen ist → siehe: Liste. Ein angenehmes Wochenende wünsche ich.


  1. GESEHEN: die allererste Version von »Alice in Wonderland« von 1903 {so schön!}
  2. GEHÖRT: »Die Freundschaft zur Welt nicht verlernen« – Christina Thürmer-Rohr im Gespräch {Danke, Mareice!}
  3. GELESEN: Sascha Lobos »Rezept gegen’s Durchdrehen«
  4. GESUCHT: Strandgut und kinematisch vermittelte Zuversicht
  5. GEFUNDEN: geschliffenes Glas, Lochsteine und eine Reihe von Filmen, für die sich das Schlange-Stehen lohnt.
  6. GEMACHT: ein Mobile aus Strandgut und Altpapier
  7. GEDACHT:  an meine Großmutter #WasWirVonUnserenGrossmütternLernenKönnen
  8. GEMOCHT:Rostock und Warnemünde {bald mehr}
  9. GEFALLEN: die Sanduhren von HAY
  10. GEFREUT: über die neue Reihe mit Hazel Rosenstrauch
  11. GEHOFFT: dass wir mehr sind – und bleiben!
  12. GEFÜHLT: digital tired
  13. GERÜHRT: »{…} wenn ich die Grausamkeiten sehe, die in der Welt passieren, realisiere ich, wie glücklich ich bin.« Tracey Emin
  14. GEFRAGT: Europa – quo vadis?
  15. GESCHMUNZELT: über die Kampagne des Konzerthausorchesters Berlin #klangberlins
  16. GESTAUNT: wie Frau Kinnert die CDU retten will
  17. GESPANNT: auf Weimar
  18. GEWÜNSCHT: dass die Aktion der Musiker Marteria und Prinz Pi für das Thema Obdachlosigkeit sensibilisiert und sich viele für die Bürgerwerkstatt Außenpolitik bewerben.
  19. GEKLICKT: Vivian Maier {die Bilder der unbekannten Street-Photography-Pionierin sind einfach großartig.}

*bezogen auf mein kleines privates Leben. Jenseits dessen passiert ja so allerhand »Großartiges«.

Ende letzten Jahres, genau genommen am 29. Dezember, formulierte Okka, die wie ich Fragen und Listen mag, 16 Fragen an 2016. Sie gefielen mir und ich wollte sie eigentlich noch vor dem Jahreswechsel beantworten… eigentlich. Nun liegt das alte Jahr schon 27 Tage hinter uns. Aber wer weiß, vielleicht ist das genau die richtige Distanz, um mich meinem persönlichen 2016 anzunähern.

  1. Mit welchen Gefühlen gehst du aus diesem Jahr? Am lautesten war die Angst. Ein Gefühl, das mir durchaus bekannt ist. Doch in dieser Gestalt bin ich ihr sehr lange nicht mehr begegnet. Beim letzten Mal war ich das kleine Mädchen, das mit Anlauf aufs Bett sprang, damit die Monster, die es darunter wähnte, nicht nach ihr greifen und sie ins Dunkel ziehen mögen.
  2. Was an dir hat dich überrascht? Dass ich als erwachsene Frau die Angst des fünfjährigen Kindes fühle. Das ist schon frappierend und irgendwie beschämend… {kann das jemand verstehen?}. – Meine »kindische Taktik« ging im Übrigen auf: Die Monster kriegten mich nicht zu fassen und verschwanden wenig später auf immer. Darauf setze ich heute auch, wenngleich der »Sprung über die Gefahrenkante« anders aussieht {siehe Frage 13}.
  3. Welcher Wunsch ist in Erfüllung gegangen? Nach einem rast- und atemlosen 2015 wollte und musste ich in 2016 die Prioritäten verschieben und habe den Job gewechselt. Das hat mich einigen Mut gekostet: nicht weil ich mich neuen »Challenges« stellen musste, sondern im Gegenteil weil es ein Wechsel in die »Komfortzone« war – und somit ein Bruch mit {m}einen überkommenden Karrieremodell. Seither habe ich wieder Kapazitäten für Familie, Freunde und andere Freuden.
  4. Welcher Ort hat dir besonders gut getan? Anfang 2016, wenige Wochen vor meinem beruflichen Neustart, war ich ein paar Tage auf Usedom. Es war kalt und grau und leer und ich war ganz allein in dieser großen Wohnung – eigentlich hätte ich mich verloren fühlen müssen. Das Gegenteil war der Fall.
  5. Worin bist du besser gut geworden? Im »Is‘-mir-doch-egal-ob-man-mich-mag-oder-nicht«.
  6. Worin bist noch nicht so gut, wie du es gerne wärst? Im Handstand.
  7. Was war neu in deinem Leben? Es ist mir gelungen, mich von einem überspannten Leistungs- und Karriereprinzip zu emanzipieren. Das fühlt sich noch immer neu an – und richtig.
  8. Welche Momente wirst du dir aufbewahren? Mi.’s 23. Geburtstag, an dem die Dinge laufen lernten. Den langen Spaziergang am Achterwasser entlang bis zu Otto Niemeyer-Holsteins Haus als die Zeit mit mir gleich schritt. Der gemeinsame Tag mit Rike in Leipzig – eine so zärtliche Begegnung. Das Staunen nach meinen ersten neuen Arbeitstagen: Wie viel {Gestaltungs-}Freiheit ist möglich! Die Begegnung zwischen dem alten Mann und dem Mädchen. Die Mutter-Tochter-Tage in Schwerin und unser Picknick auf der Seebrücke. Der Turmurlaub mit den beiden Mädchen, deren Freundschaft so unmittelbar und frei und schön ist, das es beinah wehtut. Die Begegnung mit Moni und meine Sprachlosigkeit im Angesicht ihrer Dämonen. Das Glück, das es bedeutet, gut und gerne miteinander zu arbeiten. Die erschütternde Konfrontation mit dem Ende der Zivilisation. Die so kurze wie intensive Reise nach Russland, die immer noch nachhallt in mir. Der Abend mit Stephanie und mein Staunen darüber, wie unterschiedlich wir ihn bei aller Ähnlichkeit wahrnahmen. Die Feier zum archiv/e Magazin 02 und das Gespräch über die verkannte Kreativität des Ingenieurs. Den goldenen Nebel. Der Abend, an dem ich erstmals in der Rolle der »Gattin« auftrat {das ist nicht meine}. Der Schock am Morgen des 8. Novembers, den ich lieber gestern als heute vergessen würde und die Panik, die mich erfasste. Die glückliche Begegnung mit meinem Vater nach über 1 Jahr. Die Beweglichkeit meiner kleinen großartigen Tochter, die weit übers Physische hinausreicht. Das Erscheinen von Mareices Buch und die Freude darüber, meinen Namen darin zu lesen. Den späten Nachmittag als Ma. und ich den für uns schönsten Weihnachtsbaum kauften. Das faulste Weihnachten unter lauten lieben Leuten und der sorgenvollste Jahreswechsel meines Lebens.
  9. Musst du noch irgendwohin? Oder bist du schon da? Ist es sehr weit weg, wohin du musst? Was hindert dich am ersten Schritt? Für den Moment bin ich angekommen {siehe Frage 3}.
  10. Wonach hat das Jahr geschmeckt? Nach getrockneten Datteln und Ziegenkäse mit Feigen, nach Zimt und und starkem Kaffee, nach Amaranth und Marrakech.
  11. Wie geht’s deiner Angst? Seitdem sie wieder ihre normale Gestalt annehmen konnte, geht es ihr und auch mir wieder gut. – Und wenn sie sich wieder einmal so aufblasen sollte, halt ich es mit den Ruhrfestspielen und mache Purzelbäume.
  12. Was hat dich glücklich gemacht? Die vielen kleinen und großen Momente, die mich im alltäglichen Trott immer wieder gewahr werden lassen, wie schön das Leben ist/sein kann {siehe Frage 8}.
  13. Bist du politischer geworden? Oder der Politik überdrüssig? Oder ist das kein Widerspruch? In meinen Augen steht zu viel auf dem Spiel, als dass ich indifferent sein könnte gegenüber der Frage, wie und auf welcher Wertebasis wir unser Gemeinwesen gestalten und regeln wollen. Ich wünsche mir für meine beiden Kinder ein selbstbestimmtes Leben in Frieden und Freiheit und ich kann nicht länger darauf vertrauen, dass »die Anderen« es schon richten werden. Ich selbst bin jetzt als diese/r »Andere« gefragt. Wie? Das weiß ich noch nicht sicher; ich bin noch auf der Suche nach einer für mich adäquaten Form {der Women’s March hat mir gefallen, den Ansatz der »Golden Conversation« finde ich schön; auch die Aktionen der Offenen Gesellschaft sprechen mich an}.
  14. Was würdest du gerne in 2016 lassen? Den 8. November 2016 und seine in meinen Augen katastrophalen Folgen.
  15. Was bleibt? Meine Ausgeglichenheit und die für mich so bisher ungekannte Ungewissheit, was Morgen sein wird.
  16. Worauf freust du dich in 2017? Auf ein Drei-Generationen-Treffen nach vielen Jahren, auf Paul Auster und Mareice Kaiser, auf die Ostsee und die Schweiz, auf die neue Reihe auf meinem Blog {Überraschung!}, auf gemeinsames Nach- und Weiterdenken, die neuen Vorhaben im Rahmen »meines« Projekts, auf die Zeit mit Mi. und Ma. und Mann, auf überraschend schöne Begegnungen und langgewünschte Wiedersehen.

Was für ein Jahr! Die Privatperson I. führte es in die »Komfortzone« und schmiss sie als {Welt-}Bürgerin wieder raus… – Na, schauen wir mal, wie’s weitergeht. Für heute sage ich »Tschüss« und verabschiede ich mich in kleine Winterpause. Habt es gut!

Heute ohne viele {Vor-}Worte und ganz im Sinne »der reinen Liste« – heute zum Thema »Konsistenz in Zeiten des Umbruchs«* 😉

Kommt gut ins Wochenende!


Konsistenz in Zeiten des Umbruchs


  1. GESEHEN: »Manchester by the Sea«
  2. GEHÖRT: »Pages« {kann mich nicht satt-hören an diesem wunderbar leichten Lied!}
  3. GELESEN: »Weil es sagbar ist« {1.000 Dank, Stephanie!}
  4. GEKAUFT: die neue »Brand Eins« zum Thema »Offenheit«
  5. GEDACHT: Niemand kann mehr sagen, er habe nichts gewusst…
  6. GEMOCHT: den »Halbe Katoffl Podcast«
  7. GESUCHT: »Material« zur theoretisch-praktischen Unterfütterung des poetischen Widerstands
  8. GEFUNDEN: u.a. Karel Teige
  9. GEFALLEN: die Fotografien von Michael van den Bogaard
  10. GEFEIERT: meinen tollsten Sohn der Welt
  11. GEFREUT: auf Rerik und das »haus m«
  12. GEFÜHLT: Ambivalenz**
  13. GERÜHRT: schon wieder von ihr – »der First Lady aller Frauen«
  14. GESAGT: »Menschlichkeit steht dir am besten«
  15. GEFRAGT: Warum halten wir Unterschiedlichkeit eigentlich für ein Problem?
  16. GESCHMUNZELT I: bei dem Gedanken an meine kleine Nichte: »Habt ihr ein Plem**?«
  17. GESCHMUNZELT II: bei dieser Twitterperle
  18. GESTAUNT: über die neuen Wohnideen für Berlin
  19. GESPANNT: wie’s weitergeht
  20. GEWÜNSCHT: eine vernünftige globale Klimapolitik
  21. GEKLICKT: Ignant

* Meine Gefühlswelt bewegt sich irgendwo zwischen Revolution und Biedermeier …| **Problem 

Eine Woche wie ein Tag. Wie im Flug. Fast wäre sie an mir vorbei gerauscht, wären da nicht diese kleinen Momente gewesen, die den Lauf der Dinge unerwartet unterbrechen und innehalten lassen: poetische Interventionen.

Über Schönheit – Ein S-Bahn-Gespräch

»Arbeiten kann ich nicht mehr«, sagt der Mann. »Geht gar nicht: Rücken kaputt, Knochen kaputt, Leber kaputt, alles kaputt.« Sein Gegenüber – ein junger Mann – blickt ihn an. Ich auch. »Anfang 50«, überlege ich. Drahtiger Typ, klare Gesichtszüge durchzogen von feinen Linien. Könnte ein Yogi sein, wäre da nicht sein kaputter Körper. – »Das ist schlimm«, erwidert der junge Mann. »Ja. … bin gelernter Schornsteinfeger.« – Kennen die beiden sich? Eher nicht. »Schornsteinfeger – Glücksbringer«, schiesst es mir durch den Kopf. – »Dann haben Sie ja viel Zeit.« »Ja.« »Machen Sie was damit!« »Mach‘ ich. Ich reise – viel und gerne.« »Das ist schön«, sagt der junge Mann im Aussteigen. »Ja, das ist schön«, sagt der Ältere. Dann schliesst sich die Tür.

Frappierende Eleganz – Bäckereibeobachtungen

Die Bäckerei liegt auf meinem Weg. So eine typische Eckbäckerei: Fertigbackwaren in laminierter Standardeinrichtung. Trotzdem – oder gerade deshalb – mag ich sie. Sie ist immer gut besucht. In der Früh holen sich die Polizist/innen, die den S-Bahnhof – wer weiß warum – bewachen, ihren Morgenkaffee. Später kommt der Mann mit dem Alu-Hut {er scheint sich seiner Sache sehr sicher}. Die vietnamesische Frau von der Änderungsschneiderei und die Punks, die ihr Nichtstun exzessiv vorm S-Bahnhof ausleben, holen sich ein Teilchen und die jungen Leute mit den fleischgetunnelten Ohren versammeln sich redend und rauchend vorm Eingang. – Im Vorbeigehen bleibt mein Blick an einem jungen Paar hängen. Vielleicht 19 Jahre alt. Sie sitzen direkt hinter der Scheibe, ins Gespräch vertieft. Er mit Cappy, sie mit blondiertem Haar. Jede/r eine Kaffeetasse und ein Baguette vor sich. Dann beugt sie sich plötzlich vor, zieht ihm lachend das Capy in die Stirn, wirft den Kopf in den Nacken – mit frappierender Eleganz. »Was hat er wohl gesagt?«, frage ich mich und blicke ihn an. Er himmelt sie an, wird ganz unter ihrem Blick, der ihn so liebevoll erwidert.


Ueber AirBnB haben wir 2 Wohnungen in Moskau gemietet

Was mich in dieser zweiten Woche des neuen Jahres noch bewegt hat, habe ich wie gewohnt gelistet:

  1. GESEHEN: »A Tribute to Barack Obama«
  2. GEHÖRT: »Hallelujah« {John Cale}
  3. GELESEN: »Es geht uns gut« {angefangen, eingefangen}
  4. GEDACHT: Wir werden wohl noch länger auf Sicht fahren müssen.
  5. GEMACHT: eine Ausstellung und einen Film vorbereitet
  6. GESUCHT: utopische Ideen
  7. GEFUNDEN: eine Anleitung, um die Demokratie zu reparieren und eine zu ihrer Rettung
  8. GEFALLEN: die Keramiken von Studio Anchor
  9. GEFREUT: auf einen Abend mit Mareice
  10. GERÜHRT: von den Abschiedsworten an Michelle Obama und den Begegnungsmomenten
  11. GESTAUNT:  über Antoine Leiris
  12. GEFRAGT: Welche Bedeutung wird dieses Jahr/werden wir dem vergangenen wohl geben?
  13. GESCHMUNZELT: über Ma.’s Berufsentscheidungsschwierigkeiten: »Mama, ich kann mich gar nicht entscheiden, was ich werden will: Tänzerin, Sängerin oder Musikerin.«
  14. GEWÜNSCHT: mehr Leichtigkeit für alle
  15. GEKLICKT: Coffeeklatch

Ein schönes Wochenende!

»Liebe {…} ist das entscheidende Merkmal unserer Evolution! Indem wir darauf bestehen, werden wir eine Lebensweise wiederfinden, die jede Form von Mitmenschlichkeit fördert.«
Arno Gruen, aus: »Dem Leben entfremdet – Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden« 


M i MA KW 1

… und mit dem obligatorischen Listenblick auf die letzte und erste Woche des Jahres wünsche ich allen ein liebe-volles Wochenende.

GESEHEN: Paterson {als hätte Arno Gruen ihm heimlich Pate gestanden…}
GEHÖRT: Arno Gruen über Empathie und soziales Verhalten
GELESEN: Laurie Pennies Gedanken über Feminismus und Faschismus
GEDACHT: Auf der Straße geben wir noch den zivilisierten Menschen, im Internet werden wir zum »unzivilisierten Wilden« – und finden’s auch noch gut {#savage}.
GEMACHT: viele Kleider und andere nützliche Dinge verschenkt
GESUCHT: eine schlichte schwarze Hose
GEFUNDEN: einen schlichten schwarzen Mantel {zumindest 2 Kriterien sind erfüllt…}
GEFREUT: auf eine kleine Auszeit
GERÜHRT: von der Geschichte des Fotografen und Gemeindepolitikers Chaim Berman
GESTAUNT: was alles so geglaubt wird {#FakeNews}
GEFRAGT: Ist jemand auf der Suche nach einem wirklich sinnstiftenden »Job«?
GEFEIERT: mit Christine {Mama arbeitet}: Die »Bloggerin des Jahres« zeigt exemplarisch, wo das politische Potenzial der Elternblogger/innen liegt.
GESCHMUNZELT: über Sarah Hakenberg
GEWÜNSCHT: dass ich an der Veranstaltung mit Natasha A. Kelly zum Thema »Deutschland – Vaterland – Stiefvaterland« teilnehmen könnte {Geht jemand von euch, der mir berichten kann?}
GEKLICKT: #ichbinhier – eine gute Aktion zur Rückeroberung der Diskussionskultur in den sozialen Medien {die eine gute Portion »dickes Fell« voraussetzt}.

Foto: aus »Paterson« von Jim Jarmusch