Ein Blick hinter 30+ {+Verlosung}

„Können Frauen nur über Seichtes bloggen?“ Eine provozierende Frage. Gestellt hat sie jüngst die 31jährige Autorin, Designerin und Salonière Kea von Garnier. Im heutigen Montagsinterview gibt sie selbst Antwort darauf und verrät darüber hinaus, was sie sich stattdessen von Bloggerinnen wünscht, wer ihre Heldinnen sind und welche neuen Projekte sie – neben zwei Blogs und einem Social Network, ihrer Selbstständigkeit* und einem Zweitstudium – noch gerade am Start hat.

Vielen Dank, liebe Kea, für das spannende Gespräch mit dem ich allen einen inspirierten Start in die neue Woche wünsche.

PS: Außerdem könnt ihr den Dübetroman von Kea gewinnen: Schmetterlingswinter erzählt die Geschichte der 15-jährigen Berlinerin Mira und wie es ihr gelingt, ihre Angst abzustreifen.  Ein Buch nicht nur für Jugendliche. Hinterlasst einfach bis Freitag, den 13.10.16 0.00 Uhr eine Nachricht und mit etwas Glück ist eines von zwei Exemplaren eurer. Und die glücklichen Gewinnerinnen sind: INES AGOROPOULOS und Jessika {feels like erfurt}. Herzlichen Glückwunsch!

*30+, hello mrs. eve, Hauptstadt-MädchenKea von Garnier

schmetterlingswinter von kea von garnier

Kea von Garnier – wer ist das? Wer und was nicht?

Produktbezeichung: Kea

Verpackungsinhalt: Feingeist. Ich sehe Besonderes, wo viele achtlos vorüber gehen. Und ich fühle – in großen Mengen. Kombiniert mit meinem Faible für schöne Sprache versuche ich dann, meine Eindrücke in Worte zu gießen, die mein Erleben für anderen spürbar machen. Es hat lange gebraucht, aber inzwischen kann ich sagen: Ich bin Autorin.

Zutaten: Ein Jugendroman, zwei Blogs, eine Selbstständigkeit als Grafikerin, zwei Katzen, 1,5 Männer (ich lebe polyamor), ein voller Bücherschrank, Midcentury-Möbel, Wald-Spaziergänge, Tee in tausend Sorten, tägliche Gesangseinlagen.

Allergikerhinweis: Enthält Feminismus. Für mich bedeutet das – ich bin für Frauen. Nicht gegen Männer.

Serviervorschlag: Bitte in nachhaltigem Ambiente arrangieren. Denn was ich nicht mehr bin, ist die Lifestyle-Bloggerin im Konsumrausch. Diese Phase gab es, aber sie ist zum Glück Geschichte.

Kea von Garnier

Bist du mit dem Künstler, Designer und Farbphilosophen Friedrich-Ernst von Garnier verwandt?

Ja, das ist mein Schwiegervater. Daher haben mein Beruf als Grafikdesignerin und meine kreative Ader andere Ursprünge – aber auch in meiner angeheirateten Familie ist Kreativität ein großes Thema.

Tatsächlich werde ich öfter nach Katja gefragt, meiner Schwägerin, ihres Zeichens Regisseurin. Ihr Film Bandits und seine starken Frauenfiguren haben mich damals als Teenager vollkommen erwischt – nie hätte ich mir träumen lassen, mal mit der Regisseurin am gemeinsamen Frühstückstisch zu sitzen!

Kea von Garnier

„Die Angst ist Kleid“, sagt die Protagonistin in Elfriede Jeliniks Theaterstück „Schatten (Eurydike sagt)“. Du hast verschiedentlich über deine Angst geschrieben. Wer und was ist sie für dich?

Ich kenne keinen Tag ohne Angst. Meine Angst- und Panikstörung begleitet mich seit jüngster Kindheit. Für mich ist Angst daher lange Zeit eher Haut, als Kleid gewesen. Das Leben mit Angstzuständen war Normalität und abgesehen von äußerlichen Fortschritten hatte ich mich damit abgefunden, für den Rest meines Lebens ein ängstlicher Mensch zu sein.

Seit einigen Monaten kratze ich an dieser Überzeugung – und will überprüfen, ob sie wahr ist. Wohnt Kea in einer Haut aus Angst oder lässt sie sich vielleicht doch abstreifen und etwas anderes anziehen – Zuversicht, Vertrauen, Lebensfreude?


Die Angst begleitet mich seit jüngster Kindheit. Sie war lange meine zweite Haut.


„Können Frauen nur über Seichtes bloggen?“, hast du kürzlich gefragt. Wie lautet deine Antwort darauf?

Ein entschiedenes Jein. Einerseits Nein, weil ich Frauen kenne, die gehaltvoll bloggen (ich nicke dir an dieser Stelle zu). Andererseits: Ja – noch! Weil es eine Tatsache ist, dass aktuell die meisten Frauen über Seichtes bloggen.

Aber ich glaube, dass die massenhafte Zuwendung zu Themen wie Make-up, Mode und Mandeltörtchen Ergebnis jahrhundertelanger Sozialisation ist. Ich akzeptiere diese weibliche Denk-Agenda nicht. Aber ich mache mir auch keine Illusionen – es wird noch ein weiter Weg, bis Frauen sich selbstbewusst ihren Platz neben dem Mann erobern werden.

Gehörnte Frau, ein Bild von Kea von Garnier

Was würdest du dir von bloggenden Frauen (mehr) wünschen?

Dass sie begreifen, dass sie auch gesellschaftliche Verantwortung haben. Wer Vorbild ist für die nachwachsende digitale Generation muss sich auch im Klaren darüber sein, dass die Themen, die gesetzt werden, Einfluss haben.

Wenn sich junge Mädchen zwischen einer Überfülle perfekter Modebildchen wiederfinden – macht das aus ihnen mutige Denkerinnen? Ich glaube nicht. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass man an Mode oder Lippenstift keinen Spaß mehr haben darf. Es geht nicht um ein entweder oder – es geht darum, seinen Wert und sich selbst nicht über Äußeres und Materielles zu definieren. Beides kann so schnell vergehen. Die Insta-Mania kreist da um eine gefährlich hohle Mitte.


Wenn sich junge Mädchen zwischen einer Überfülle perfekter Modebildchen wiederfinden – macht das aus ihnen mutige Denkerinnen?


Wer sind deine weiblichen Vorbilder und warum?

Spontan fallen mir ein: Lou Andreas Salomé, Simone de BeauvoirVirginia Woolf. Gott, wie gerne ich einmal mit diesen Damen zu Abend essen würde! Das wären inspirierende Tischgespräche! Jede von ihnen schätze ich für ihren wachen Verstand und ihren Mut.

Ohne Simone hätte ich niemals verstanden, was Geschlechterrollen für einen Einfluss haben. Wieso Frau-Sein heute das bedeutet, was es bedeutet. Vieles von dem, was sie in „das andere Geschlecht“ formuliert, ist noch immer erschreckend aktuell.

Lou ist für mich Vorbild, weil sie keinen Pfifferling gegeben hat auf gesellschaftliche Konventionen und ihr Leben so gelebt hat, wie es ihr richtig erschien – ob im Beruf oder der Liebe. Weil ihr erklärtes Ziel die Entwicklung ihres Charakters und ihres Geistes war – eine wunderbare Triebfeder!

Virginias Essay „Ein Zimmer für sich allein“ gehört zu meinen absoluten Kraftquellen. Darin fordert sie materielle Sicherheit und geistige Unabhängigkeit für Frauen, damit sie schöpferisch tätig sein können und einen gleichberechtigten Platz neben ihren männlichen Kollegen in der Kulturlandschaft einnehmen können. Ich liebe es inhaltlich wie erzählerisch gleichermaßen und drücke es beim Lesen regelmäßig berührt an mich.

Kea von Garnier, der Club der lebenden Dichterinnen

Welche Themen treiben dich derzeit um?

Aktuell gründe ich mit einer Freundin „DIE SALONS“, ein Netzwerk für schaffende Frauen aus Kunst, Literatur, Philosophie und Musik. Es soll ermutigen, produktiv und sichtbar zu sein. Wir wollen ein Dachverband sein für regionale Gruppen, die gemeinsam arbeiten, Ideen entwickeln, diskutieren – eine echte Wiederbelebung der Salonkultur.

Auf lange Sicht ist das Ziel, neue Vorbilder und Ansprechpartnerinnen hervorzubringen, die jungen Frauen den Einstieg in diese Themengebiete erleichtern. Denn oftmals scheitert es weniger am fehlenden Interesse, sondern an den Möglichkeiten, sich mit Gleichgesinnten ausgetauschten. Hier wollen wir Frauen zusammenbringen, die sich gegenseitig motivieren und unterstützen. Genau das wollte ich immer schon tun, die digitale Vernetzung macht es jetzt möglich. Und es fühlt sich so richtig und sinnstiftend an!

Seit einigen Wochen lebst du in Frankfurt, um dich dem Studium der Literaturwissenschaft zu widmen. Was sind deine liebsten Orte in deiner neuen Heimat?

Tatsächlich wohne ich nach wie vor in Wiesbaden und pendele künftig zur Uni. Allerdings kenne ich Frankfurt gut, denn dort bin ich aufgewachsen. Liebster Ort ist das Sukkulentenhaus im Palmengarten. Hier komme ich zur Ruhe, ein wunderbarer Platz, um zu schreiben. Außerdem freue ich mich wahnsinnig darauf, die Frankfurter Theater und Museen wieder zu entdecken – am liebsten gemeinsam mit den Frauen aus dem Frankfurter Salon.

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15 Comments

  • iris
    2 Jahren ago

    Angst abstreifen ist ein sehr spannendes Thema. Ich bin gerne bei der Verlosung dabei!

  • Daniela
    2 Jahren ago

    Danke für dieses interview. Die idee der salons finde ich nach wie vor wunderbar. Mehr raum für kunst, kultur, austausch, vielfalt, denken. Das buch interessiert mich. Ich hüpfe mit in den lostopf (wenn er noch offen ist).

  • 2 Jahren ago

    Hallo 🙂 Ein wirklich tolles Interview mit der lieben Kea. Ihr Buch hat mich dazu ermutigt, dieses Projekt auch endlich in Angriff zu nehmen 🙂 Ich würde mich natürlich sehr darüber freuen, es zu gewinnen 🙂

    Viele liebe Grüße,
    Jessi

    • 2 Jahren ago

      Viiiiieeeelen Dank für das Buch 😀 Ich habe noch nie etwas gewonnen 😀 😀

      • M i MA
        2 Jahren ago

        Na, dann wird aber auch Zeit 🙂

        Herzlich,
        I.

  • Magda
    2 Jahren ago

    Schönes Interview! Würde mich über das Buch sehr freuen!

  • Tania
    2 Jahren ago

    Eines der besten und inspirierensten Interviews, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Ab sofort würde ich gerne mehr und von Kea von Garnier lesen! Und falls es nicht das Buch von Kea wird (was schade wäre), lese ich den Essay „Ein Zimmer für sich allein“.

  • Maggi
    2 Jahren ago

    Tolles Interview, liebe Kea!

    Die junge Frauengeneration braucht mehr Vorbilder wie dich!!

    An der Verlosung nehme ich natürlich auch sehr gerne teil <3

    Liebe Grüße,
    Maggi

  • Rike
    2 Jahren ago

    Hallo!
    Ich würde mich sehr über das Buch freuen! Danke für das spannende Interview.
    Viele Grüße aus Wiesbaden,
    Rike

  • 2 Jahren ago

    Hallo!
    Ein inspirierendes Interview mit einer wahnsinnigen Frau, schöne Worte liebe Kea.
    Schön seit Längerem bin ich ein großer Fan von dir. Ich bewundere deine Selbstständigkeit, deinen Mut, deine Offenheit und Ehrlichkeit. Gerne würde ich mit dir und Virginia Woolf zu Abend essen, wie wunderbar das wäre. Und jetzt hast du auch noch ein Buch veröffentlicht, welches Literaturherz schlägt da nicht höher?
    Sehr gerne würde ich dein neues Buch gewinnen und dich persönlich kennen zu lernen, wäre auch sehr schön ?

  • angelika
    2 Jahren ago

    Das möchte ich unbedingt lesen!

  • Ines Agoropoulos
    2 Jahren ago

    Huhu Indre,
    sehr gerne würde ich das Buch lesen ,und es dann meinen studierenden Zwillingstöchtern nach Halle oder Leipzig schicken.
    Lieben Gruß aus Bremen
    Ines

  • 2 Jahren ago

    Toll! Ist dieses Interiew nach der Diskussion vor Kurzem entstanden? Kea und Indre, nun würde ich gerne mit euch an einem Tisch sitzen.

  • 2 Jahren ago

    Frauen bloggen nicht nur Seichtes. Aber die Blogs mit dem schönen Schein, den ästhetischen ( und die am liebsten ausschließlich ) Fotos und den sparsamen Worten werden einfach lieber angeklickt, vor allem von den jüngeren Frauen ( das muss ich, mehr als doppelt so alt wie Kea, einfach sagen ). Ich habe als Nähblog angefangen und mein Spektrum seitdem erweitert bzw. verschoben. Ich veröffentliche jede Woche donnerstags das Porträt einer großartigen Frau, jeden Freitag ( außer meinen Blümchen ) einen Post mit politischem Inhalt, meist informativ, oft aber auch diskursiv. Und wenn mich das Geschehen in unserer Gesellschaft dazu provoziert, gibt es immer wieder meine Meinung dazu in Extraposts. Rückmeldung geben mir fast ausschließlich Frauen ab 50, darunter auch viele, die kein eigenes Blog führen.
    Ich nehme meine gesellschaftliche Verantwortung also durchaus wahr. Aber was, wenn ich die entsprechende Zielgruppe nicht anzusprechen vermag? Für Tipps, um dies zu ändern, wäre ich dankbar…
    LG
    Astrid

  • tina
    2 Jahren ago

    Das Buch würde meinem Nachttisch gut stehen… (:

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