M i MA zügelt: Der Warener Wasserturm. Oder: Kurzwohnen mit Aussicht

Die bewachte Badestelle am Feisnecksee liegt 7 Gehminuten vom Wasserturm Waren entfernt, und ist ein Paradies für alle Schwimmer/innen und solche, die es – wie Ma – werden wollen.
Wenn schon kein langer Sommerurlaub in der Ferne, dann wenigstens ein Kurzurlaub im Umland. Soviel stand fest. Und so begaben wir uns auf die Suche nach einem Feriendomizil. Auf den verschlungenen Pfaden durchs weltweite Web stieß ich zufällig auf den Wasserturm Waren – und blieb. Denn die Ferienwohnungen auf dem Nesselberg 1 sind nicht nur ungewöhnlich, sondern auch ungewöhnlich schön. Der 1897 fertiggestellte Wasserturm, der einst 209 Häuser mit fließendem Wasser versorgte, wurde mit viel Sinn für funktionale Schönheit umgebaut und mit ebenso viel Stilempfinden eingerichtet. Eine buchstäblich runde Sache. Umso mehr freute ich mich über die spontane Einladung von Jan Reininger, Patentanwalt und Vorstandsmitglied der BEWAHREN Ferienhaus eG, die hinter dem Warener Wasserturm steht.

Anfangs sechs, heute rund dreizig Mitglieder zählt die Genossenschaft, die sich 2009 mit dem Ziel gründete, den Turm zu erwerben und zu einem besonderen Feriendomizil umzubauen. Nachdem dies erreicht und Mitgliederzahl sich fast verfünffacht hat, sind auch die Genossenschaftspläne gewachsen: Langfristig will man weitere Ferienobjekte am See, am Meer oder in den Bergen ‚bewahren‘. Dabei sind neue Mitglieder übrigens herzlich Willkommen.

Die letzten Julitage haben wir also auf dem Wasserturm Waren verbracht. Und was soll ich sagen? Es war traumhaft schön! Unsere Tage wurden vom Geschrei der Möwen und vom Trompeten der Kraniche begleitet. Vom Balkon aus sahen wir die Müritz durch die Baumwipfel glitzern, und kamen wir nach langen Fahrradtouren durch den Müritzer Nationalpark bei tropisch schwülen 30°C verschwitzt und müde nach Hause, empfing uns die milde Kühle des alten Backsteingebäudes (mit seinen rund 80cm dicken Mauern  ist der alte Turm bestens gedämmt). 

Unsere Wohnung, benannt nach der Barlachstadt, dem mecklenburgischen Güstrow, befand sich im zweiten Obergeschoss des Turms. Der fünf Meter hohe Raum unterm Wasserkessel bietet Platz für zwei bis vier Personen und ist gerade für Kinder ein kleines Paradies. Seine runden Fenster laden zum Lümmeln mit Ausblick ein, die alten, teilweise erhaltenen Wasserrohre zum Klettern, und die Bettempore unterhalb des schmiedeeisernen Wasserkessels macht das Schlafen zum echten Erlebnis. Statt Wasser beinhaltet der alte Kessel heute den Ess- und Wohnbereich der nächsthöheren Wohnung namens Pankow. Die größte und – wie ich finde – schönste Wohnung verteilt sich auf zwei Etagen und bietet Platz für bis zu sechs Personen. Allein der umlaufende Balkon und die grandiose Aussicht machen sie zu einem echten Schmuckstück.

Doch jede Wohnung im Turm hat etwas zu bieten und ihren ganz eigenen Charme. Hagenow im Erdgeschoss etwa ist barrierearm und verfügt über eine separate Terrasse zum wunderschönen Garten hin. Kargow ist ein Raumwunder in mildem Grün mit Ausziehbett und Sommerbalkon. Beide bieten Platz für zwei Personen und sind ebenso schön und stilvoll eingerichtet wie die beiden über ihnen liegenden Wohnungen.
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Wohnung Güstrow: Die runden, tiefen Fenster laden zum Lümmeln ein. Das Sofa lässt sich zum Bett umbauen, so dass weitere zwei Personen Platz zum Schlafen finden.
Vom Sommerbalkon der Wohnung Güstrow sieht man die Müritz zwischen den Bäumen glitzern. 
Von der Bettempore der Wohnung Güstrow kann man auf den Esstisch sehen. 
Wohnung Güstrow: Nicht nur der alte Kessel ist erhalten, auch die Zu- und Ablaufrohre wurden teilweise erhalten.
Wer kommt auf die Idee, einen Wasserturm zum Ferienhaus umzubauen und zu diesem Zweck eine Genossenschaft zu gründen? Das habe ich nicht nur mich, sondern auch Jan Reininger gefragt. Im Interview erzählt er unter anderem, wie es zur Gründung der BEWAHREN eG kam, wer die Gründer/innen sind und welche Klippen sie umschiffen mussten, bevor der alte Turm in neuem Glanze erstrahlen konnte.

Wer hat den Turm wann entdeckt und kam auf die Idee daraus ein Ferienhaus zu machen?

Im Sommer/Herbst 2008 war der Wasserturm wieder einmal von der Stadt Waren/Müritz zum Verkauf ausgeschrieben worden. Wir waren eine Gruppe von sechs Freunden und wollten ein gemeinschaftlich bewirtschaftetes Ferienhaus in der Umgebung von Berlin realisieren. Uns nervte, dass es in der wunderschönen Landschaft jede Menge Ferienwohnungen gab, in denen entweder ein buntes Sammelsurium abgewohnter Einrichtungsgegenstände oder die IKEA-Monokultur vorherrschte – oder aber sogar viel Geld für – aus unserer Sicht – schlechten Einrichtungsgeschmack ausgegeben worden ist.

Unter uns sechs Freunden waren zwei Architekten aus Berlin, die bereits Erfahrungen mit genossenschaftlich organisierten Wohnmodellen gemacht hatten. So bewarben wir uns bei der Stadt Waren mit der Idee eines genossenschaftlich organisierten Ferienhauses im Wasserturm – und bekamen den Zuschlag. Damit standen wir unter finanziellem und administrativen Realisierungszwang. Zum einen mussten wir Kosten- und Planungssicherheit herstellen: Wie viele Investitionen sind erforderlich? Zum anderen mussten wir lernen, wie man eine Genossenschaft gründet und führt.

Wohnung Pankow 3. OG
Der Esstisch im Wasserkessel. Die dunkel Wandbereich rechts ist der Wasserkessel.
Hinter der Küche geht es rauf in den 4. Stock, der die Schlafzimmer beherbergt. 

Gelb ist die Farbe der Wohnung Pankow. Nicht nur die Küche ist gelb, sondern auch das Tivolo Radio, das in jeder Wohnung steht.

Die lichten Schlafzimmer im 4. OG bestechen allein mit der Vielzahl verschiedener Fenster.
Wieso habt ihr das Genossenschaftsmodell gewählt? Welche Vorteile bietet und wie funktioniert es?
Jedes Mitglied der Genossenschaft hat eine Stimme – unabhängig davon, wie viel Geld es in die Genossenschaft eingebracht hat. Man muss mindestens fünf Geschäftsanteile à 1.000 Euro erwerben, die man auch wieder kündigen kann und das Geld dann ausbezahlt bekommt. Jedes Mitglied haben Jedem Mitglied stehen 14 Übernachtungen zur Verfügung, für die man mindestens 20 Euro pro Nacht günstiger wohnt als Nicht-Genossenschaftsmitglieder. Man kann das Kontingent an Geno-Übernachtungen aber auch Freunden und Verwandten angedeihen lassen, wenn man nicht 14 Nächte dort ist. Geno-Mitglieder haben auch weitere Vorteile: So können sie zum Beispiel unbegrenzt weit in die Zukunft und auch unverbindlich reservieren und sind nicht an die Mindestmietdauer von zwei bzw. drei Nächten gebunden.

Der entscheidende Vorteil der Genossenschaft gegenüber einem Verein oder einer GbR ist, dass jedes Mitglied nur mit seinen Geschäftsanteilen haftet. Sollte das Projekt einmal in eine wirtschaftliche Schieflage geraten, so sind also bei der Minimal-Einlage von 5.000 Euro auch ’nur‘ diese verloren. Da es um ein Freizeit-Projekt handelt, hat niemand – aus nachvollziehbaren Gründen – Lust, mit seinem Privatvermögen zu haften. Mehr zum Genossenschaftsmodell kann man im TAZ-Artikel ‚Turm-Sharing‘ nachlesen.

Die Tür im Hagenower Erdgeschoss führt auf die Terrasse und in den schönen Garten.
Der Blick aus dem Hagenower Schlafbereich geht ins Grüne.
Die Mayday-Lampe von Konstantin Grcic findet sich in jeder Wohnung. In Kargow hängt sie überm Esstisch, der den Blick auf den Balkon freigibt.
Wer sind die Gründer/innen?
Die Gründungs-Keimzelle der Genossenschaft waren folgende sechs Personen:
  • Christian Thommes, Architekt, Berlin
  • Ralf Weißheimer, Architekt, seinerzeit Berlin, jetzt Berchtesgaden
  • Johannes Greiner, Angestellter, seinerzeit Berlin, jetzt Berchtesgaden
  • Hanna Reininger, Dipl.-Ing. Architektur, Berlin
  • Jan Reininger, Patentanwalt, Berlin
  • Christoph Schierholz, Bankkaufmann, Berlin
Sie gründeten am 9. Juli 2009 die Bewahren Ferienhaus eG. Christoph Schierholz erklärte nach wenigen Monaten seinen Rückzug, weil er nicht daran glaubte, dass das Projekt wirtschaftlich tragfähig sein würde… er hat sich – glücklicherweise – getäuscht 🙂

Im Sommer 2009 stellten wir eine Bauvoranfrage, um die gesamten baurechtlichen Fragen zu klären. Das zog sich ziemlich lange hin – wie auch die Kaufvertragsverhandlungen mit der Stadt Waren. Bis zur Unterschrift des Kaufvertrages am 31. März 2010 verging fast ein drei viertel Jahr. Baubeginn war der 1. Oktober 2010; die ersten Gäste zogen Pfingsten 2011 (Anfang Juni) ein. 

Der alte Druck aus dem 19. Jahrhundert zeigt den Blick auf Waren und den Wasserturm.


Wie sieht der typische Wasserturmgast aus?

Typische Wasserturmgäste legen Wert auf eine ästhetisch anspruchsvolle Einrichtung und eine hochwertige Ausstattung und sind bereit, dafür mehr Geld auszugeben als in konventionellen Ferienwohnungen. Außerdem kommen sie ohne Fernseher klar.

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Der Wasserturm wäre für sich genommen schon eine Reise wert, ganz gleich wo er steht. Doch er steht nicht irgendwo, sondern an einem der schönsten Orte in Mecklenburg-Vorpommern: in Waren an der Müritz. Was wir dort unternommen und erlebt haben, davon erzähle ich am Donnerstag. Jetzt sage ich erst einmal: Vielen Dank, lieber Jan, für diese wundervollen Tage!

Die bewachte Badestelle am Feisnecksee.

Die BEWAHREN Ferienhaus eG hat uns den mehrtägigen Aufenthalt in der Ferienwohnung Güstrow unentgeltlich ermöglicht. Dafür vielen Dank!

7 Comments

  • 5 Jahren ago

    Ein toller Bericht und ein wunderbar umgesetztes Projekt! Lieben Gruß Lisa

  • 5 Jahren ago

    Wenn ich könnte, wie ich wollte,
    dann würde ich zu gern mal die
    Wohnung Güstrow testen, das
    Bett reizt mich :))
    lg
    das Sigi

  • 5 Jahren ago

    Von diesem Turm habe ich schon gehört…wunderbare Idee, dort Urlaub zu machen…wirklich ein einmaliges Erlebnis! LG Lotta.

  • 5 Jahren ago

    Ha, das würde mir wohl auch sehr gefallen. Besonders die Wohnung mit den Gucklöchern :)! Eine gute Wahl, liebe Indre!

  • 5 Jahren ago

    wow, das sieht ja wirklich traumhaft aus. und die gegend mag ich auch. mal sehen, ob das einen trip wert wäre. danke für den einblick.
    liebe grüße,
    jule*

  • 5 Jahren ago

    Ich freue mich immer wieder von Menschen und ihren visionären Projekten zu lesen. Über ihren Mut (auch wenn sie in diesem Fall "nur" die 5000 Euro verlieren könnten) und ihr Engagement. Ein wundervolles Projekt – und wieder ein Punkt auf meiner "Da-will-ich-irgendwann-auch-mal-hin-Liste.
    Liebe Grüße, Katja

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