KW 6 #Flughafenatmosphären. Oder ein zweifelhaftes Kinovergnügen

Tom Miles (Model) fotografiert von Katharina Tischer

Nach langer Zeit war ich am Wochenende wieder einmal im Kino. Allein. Das gefällt mir hin und wieder. Und weil es räumlich und zeitlich am idealsten gelegen war, entschied ich mich für eines dieser so genannten Multiplex-Kinos. Es kommt wirklich ausgesprochen selten vor, dass ich eine einmal getroffene Entscheidung bereue. Aber diese bereute ich sofort bei meiner Ankunft. Eine Shoppingmall ist ein Ort der Andacht und Stille im Vergleich zu dieser Vergnügungsmaschine mit dem Charme eines Flughafens Schönefeld (SXF).

Menschenmassen drängelten sich im Eingangsbereich in der Abfertigungshalle, allesamt auf der Jagd nach der schnellsten Schlange. Tatsächlich kam man erstaunlich fix an seine Karte – vorausgesetzt man wusste den Ticketautomaten zu bedienen und musste sich nach verlorenem Kampf mit der Technik nicht noch einmal an einen der Schalter anstellen. Nach dem Check-In – auch die Kartenabreißer in dunklen Einheitsanzügen riefen Flughafenassoziationen in mir wach – betrat ich die nächste Halle. Hier stand das filmhungrige Publikum erneut Schlange, dieses Mal um sich mit XXL-Getränken und umzugskartongroßen Popcorn-Tüten für das große Kinoabenteuer zu wappnen (die Geräuschkulisse in den Kinosälen ließ sich unschwer erahnen). Über einen endlos langen Korridor erreichte ich schließlich den Kinosaal, der mit Multiplex ungefähr so viel zu tun hatte wie TXL* mit einem internationalen Großflughafen. Aber mir war mittlerweile eh alles egal. Hauptsache ich sah nichts mehr von all dem Elend, das Multiplex aus Kino macht. [*Flughafen Tegel]

Nach einem gefühlt mehrstündigen Werbeblock begann endlich ‚mein‘ Film, der mich – wären da nicht das Dauerrascheln, die Popcorn-Kau- und Strohhalm-Schlürfgeräusche gewesen – die Flughafenatmosphäre fast vergessen ließ. Normalerweise wanke ich nach dem Abspann filmtrunken und realitätsverloren aus jedem Kino. Hier war ich unmittelbar nach Verlassen des Saals sturznüchtern. Nichts holt einen schneller in die Wirklichkeit zurück als Action-Movie-trunkene Horden in kalt-grellem Neonlicht. Wenn ich nach diesem zweifelhaften Kinovergnügen also eines weiß, dann dass ich nie wieder nüchtern in ein Multiplex-Kino gehe.

In diesem Sinne: ein beschwingtes Wochenende!

°°°GESEHEN: Der große Trip
Hat mir – trotz Flughafenatmosphäre – sehr gefallen und wieder einmal gezeigt, wie verdammt zäh Frauen sind.
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°°°GEHÖRT: PJ Harvey
Immer wieder großartig!
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°°°QUERGELESEN: Ökonomie mit Geschmack
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°°°GEFREUT: über die Karte von Nina und Sabine
Vielen lieben Dank dafür und entschuldigt die späte Reaktion.
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°°°GEMACHT: die Ausstellung Mario Testino. In Your Face besucht .   
So gut die Fotos und so schön die darauf abgebildeten Menschen auch sind, Testinos Bilder sind und bleiben was sie sind: Modefotografien. Sie überraschen (mich) nicht (anders als z.B. das Bild von Tom Miles oben), sondern bedienen die Erwartungen, die man an Modefotografie hat.
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°°°GESCHMUNZELT: über die überraschend treffende Bezeichnung ‚aggressive Pastell-Ästhetik
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°°°GEDACHT: Manchmal ist anders nicht nur anders, sondern besser. Einfach weil es anders ist.
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°°°GEFUNDEN: dass dieser Tisch von Mirabeau sich gut in der neuen Sofaecke machen würde.
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°°°GENOSSEN: im unberührten Schnee zu laufen.
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°°°GEPLANT: Umzug
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°°°GEWÜNSCHT: Schnee, der liegenbleibt
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°°°GEKLICKT: Antje Kröger Fotografie

6 Comments

  • 5 Jahren ago

    liest sich wie eine meiner ärgsten kinoerfahrungen – vor jahren dasselbe gewagt; einfach nur irr.

  • 5 Jahren ago

    Das sind alles gute Gründe, warum ich seit Jahren solche Massenkinos meide. Zum Glück gibt es in Berlin ja genügend Wohnzimmerkinos mit Gleichgesinnten.

  • 5 Jahren ago

    Das lässt mich an ein schmerzhaftes Kinoerlebnis vor ungefähr fünf Jahren denken. Genau so habe ich es in Erinnerung! Nie wieder so ein Kino, habe ich gedacht und bisher auch durchgehalten. Aber auch ein schönes Kino ist schon zu lange her, ich würde mich anschliessen! Liebe Grüße, Wiebke

  • 5 Jahren ago

    Gerade heute, beim Vorbeifahren am Kino International, gedacht: Ach, ich liebe dieses Kino und war schon viel zu lange nicht mehr dort…
    Ich weiß genau, was Du meinst!

    Liebe Grüße, Mond

    • 5 Jahren ago

      Oh ja, das International. Da könnten wir doch mal zusammen hingehen, wenn wir in eurer Nachbarschaft wohnen. Was meinst du?

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