KW 39 #Pause – oder: von frechen Frauen und Revolutionsanstiftern


… sich allein dem Müßiggang und dem Genuss hingeben. Der Nützlichkeit den Stinkefinger zeigen. Sich gehen lassen. Frech. Und das als Frau. Als Adlige dazu. Unerhört! – Genau. Es lohnt, dieser frechen Frau zuzuhören, die schon zu Beginn der klassischen Moderne ein zutiefst postmodernes Leben führte. Als weiblicher Dandy, ironische Rebellin und querulante Feministin.

»Es wundert mich, dass Sie bei dieser Veranlagung, oder wie man es nennen soll, eben nicht…«
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»Eine – eine geworden sind?«
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»Ja, ungefähr das wollte ich sagen. – Sie sind böse?«
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»Nein, ich bin diese Frage gewöhnt, […] Aber zu jedem Beruf gehören ausgesprochene Fähigkeiten und Glück, wenn es etwas Richtiges werden soll.«
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»Nun, was das Glück betrifft…«
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»Nein, ich habe nur in der Liebe Glück, im Spiel versagt es.«
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»Wieso?«
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»Ich empfinde es beispielsweise als Schikane, dass ich nicht in Geld und Luxus schwimme.«
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[…] »Warum sind Sie nicht irgend etwas anderes geworden? Sie haben doch so viele Fähigkeiten?«
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»Ich hab’s versucht, Bobby, aber es ist immer dieselbe Geschichte. […] – der bloße Gedanke, dass ich irgendwohin gehen muss, wenn ich gerade keine Lust habe, macht mich krank. Beruf ist etwas, woran man stirbt.«
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aus: Franziska zu Reventlow: Von Paul zu Pedro | Kapitel 14

Heute, da schon das Wort Pause einem Aufruf zum Streik gleichkommt (Wolfgang Müller), ist Frau von Reventlows Berufsunlust geradezu eine Anstiftung zur Revolution, zur Revolution der faulen Frauen (Laurie Penny). 

In diesem Sinne: ein faules Wochenende! 

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