Im Gespräch mit ::: Nova

Nova, Frauen-Magazin, http://www.nova-magazin.de, Marietta Duscher-Miehlich, Birte Puetjer

Auf Reisen lese ich gerne – bevorzugt Zeitschriften und Magazine, weil es sich schön zwischen Bild, Text und vorbeiziehender Landschaft schweifen lässt.

Die Entdeckung

Vergangene Woche war ich viel unterwegs und habe mich daher viel in Bahnhofs- und Flughafenkiosken aufgehalten. Manche von ihnen sind gut sortiert und wahre Fundgruben für feinen Lesestoff: erlesene Kleinauflagen, intellektuelle Leckerbissen und inspirierende Neuerscheinungen.

Auf der Suche nach solch einem Leseschatz blieb mein Blick am Montag an einem „haarigen Frauenportrait“ auf schlicht-blauem Grund hängen. Es zierte – wie ich beim näheren Betrachten erkannte – das Titelbild eines neuen Frauenmagazins: Nova

Wer ist denn so verrückt?

Wer ist denn so verrückt, ein neues ‚Blatt für Frauen‘ zu machen, fragte ich mich und fand die Antwort im Vorwort: 

Es ist Zeit für ein neues Frauenmagazin, das reflektiert und inspiriert anstatt zu optimieren. Das uns nicht ständig um uns selbst kreisen lässt, sondern zeigt, was um uns herum, in Kultur und Gesellschaft passiert. … Ein Magazin, das uns in interessante Lebensmodelle blicken lässt und uns mit Fragen über das Leben konfrontiert.

Marietta Duscher-Miehlich und Birte Pütjer

Versprechen gehalten

Während meiner langen Fahrten durch das überflutete Land konnte ich mir selbst ein Bild machen, und ich kann sagen: Die erste Nova hält, was sie verspricht! Kluge Texte zu virulenten Themen und anregende Geschichten über inspirierende Frauen. Dazu wunderbare Bilder und ein Layout, das Raum zum Nachdenken lässt.

Nova, Frauen-Magazin, http://www.nova-magazin.de, Marietta Duscher-Miehlich, Birte Puetjer

Ich ziehe den Hut vor Marietta Duscher-Miehlich und Birte Pütjer, den beiden Heft-Macherinnen. Sie haben ein rundum gelungenes Frauenmagazin geschaffen und das ganz ohne einen großen Verlag und Investoren im Hintergrund. Diese ‚Frauenpower‘ hat mich fasziniert und neugierig gemacht – also habe ich nachgefragt.

In unserem Gespräch verraten die beiden ‚Blattmacherinnen‘, was sie antreibt und motiviert, was die größten Herausforderungen für sie sind und was sie sich für Nova wünschen. 

Danke euch zwei für das spannende Gespräch! Ich wünsche euch mit und für Nova weiterhin viel Erfolg und Freude. Und euch, meinen lieben Leser/innen, wünsche ich wie immer: eine spannende Lektüre!

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Wer sind die zwei Gründerinnen und Verlegerinnen von Nova?

Marietta: Beruflich bin ich seit vielen Jahren im Corporate Publishing Bereich unterwegs, wo ich als freie Chefredakteurin ein junges Kundenmagazin mit dem Themenbereich Ausbildung, Job und Studium betreue.

Studiert habe ich Germanistik, Kommunikationswissenschaften und Soziologie, was ganz gut meine Interessenlage abbildet. Darüber hinaus interessiere ich mich aber auch für Kreatives und Künstlerisches. Und mich faszinieren einfach Menschen und ihre Lebensgeschichten. In Nova kann ich all diese Aspekte vereinen. Was mich am Magazinmachen besonders fasziniert, ist spannende Themen aufzuspüren, sie ins lesenswerte Texte zu bringen und diese in einer tollen Optik zu verpacken. 

Birte: Ich verdiene mein Geld als freiberufliche Unternehmensberaterin und als Coach. Daneben begleite ich sozial oder kulturell motivierte Projekte. Mein Interesse galt schon immer dem Ganzen.

Neben Geschichtswissenschaften (Mag. art.) habe ich Sozialpsychologie, Wirtschafts- und Medienwissenschaften studiert. In meiner Wahrnehmung wird heute in allen medialen Bereichen zu viel Wert auf den Mainstream gelegt. Unterschiede werden in Zeiten der Globalisierung maximal durch absolute Nischenprodukte bedient.

Dieser ausschließliche Blick auf die großen Zahlen (und damit den erwarteten großen Gewinn) verzerrt die Wirklichkeit. Ich fühlte mich schon lange nicht mehr als Leserin wahrgenommen. Darüber hinaus finde ich das Frauenbild, das von den meisten Frauenzeitschriften transportiert wird mehr als geringschätzig. Nova ist von ihrer Entstehung, Aufmachung, der Perspektive wie Themen dargestellt werden ein absoluter Gegenentwurf.

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Wo und wie lebt ihr?

Marietta: Ich lebe und arbeite in Hamburg, bin verheiratet und habe einen vierjährigen Sohn. 

Birte: Ich lebe und arbeite auch in Hamburg und habe einen fünfjährigen Sohn. 

Dr Weg vom Frust zur Neugründung setzt doch einige Schritte und vor allem Risikobereitschaft voraus. Was hat euch die Kraft und den Mut gegeben?

Marietta: Mich hat der Traum getrieben, ein Magazin auf die Beine zu stellen, in dem ich mich vollends ausleben und verwirklichen kann. Und ich denke, ich bin ein ziemlich hartnäckiger Mensch. Wenn ich mich irgendwo festgebissen habe, kann ich nicht mehr auslassen. 😉 

Birte: Und ich bin gut darin, Sachen nach vorne zu treiben. Wenn ich von einem Konzept überzeugt bin, setzte ich mich immer mit ganzen Herzen dafür ein. Außerdem ergänzen Marietta und ich uns wunderbar.

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Was waren und sind die größten Herausforderungen? Und wie habt bzw. wollt ihr sie meistern?

Marietta: Die größte Herausforderung für mich, das Heft auf die Beine zu stellen, war zunächst einmal die passenden Leute zu finden, die die Idee gut finden, sie mittragen wollen, dazu fähig sind, wo Chemie und Denke stimmt und die dazu auch noch Zeit hatten, das neben ihren regulären Jobs zu wuppen – und das alles größtenteils unentgeltlich.

All diese Komponenten und Menschen zu finden und zusammenzubringen, hat erst einmal gedauert, aber dann ging es erstaunlicher Weise auch recht schnell bis sich unser Team gebildet hat. Die zweite Herausforderung war, Nova in der heißen Phase neben meinem Job als Chefredakteurin und als Mutter zu stemmen. Da muss ich sehr meinem Mann danken, der mir hier viel abgenommen hat und auch mental viel Unterstützungsarbeit leisten musste, wenn bei mir mal wieder die Nerven blank lagen. 

Birte: Ja, die größte Herausforderung ist es auch für mich, neben Nova und meinem Job noch genug Zeit für meinen Sohn zu haben. Und natürlich ist es eine echte Herausforderung, mit den sehr begrenzten finanziellen Mitteln ein gutes Heft zu erstellen und dieses am Markt zu positionieren.

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Unabhängigkeit und freie Selbstbestimmung sind euch wichtiger als finanzielle Sicherheiten. Warum?

Marietta: Eine gewisse finanzielle Sicherheit ist schon wichtig. Sonst hätten wir ja komplett unsere Jobs geschmissen. Aber Geld allein ist nicht alles. Dass wir bei Nova erst mal nur Geld investiert haben, aber nichts bekommen, nehmen wir in Kauf. 

Birte: Mir war Geld oder materieller Status noch nie besonders wichtig. Auch wenn ich natürlich als freiberuflich tätige, allein erziehende Frau weiß, dass die fehlende Sicherheit nicht immer einfach ist. Dennoch bin ich ein Mensch der sehr Aufgaben-motiviert ist. Mir war es schon immer wichtig Erfahrungen zu machen. Zu LERNEN! Deswegen habe ich mir die Frage nie wirklich gestellt. Ab der 3. Ausgabe muss das Magazin sich finanziell selbst tragen.

Wie wollt ihr dieses Ziel erreichen?

Birte: In dem wir viele Hefte verkaufen! Wir hoffen, dass wir uns nicht von Anzeigen abhängig machen müssen. Firmen, von deren Produkte wir persönlich überzeugt sind, dürfen natürlich gerne schalten. Unser Businessplan baut sich auf eine Mischkalkulation auf: Viele Leser, neue Vertriebswege (Nova ist auch in ausgewählten Geschäften, wie Boutiquen etc. erhältlich), ausgewählte Anzeigen und Kooperationen.

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Eine Reihe von Magazinen (vor allem e-Mags) arbeiten eng mit ihrer Leserschaft zusammen (Stichwort: Co-Writing). Kommt so etwas für euch in Frage?

Marietta: Darüber haben wir noch nicht nachgedacht. 

Welche Themenschwerpunkte sind für die nächsten Ausgaben geplant?

Marietta: Wir denken von Heft zu Heft. Mit der Themenplanung für das nächste Heft wollen wir voraussichtlich im Juli beginnen. 

Was waren und sind eure Inspirationsquellen für Inhalt und Ästhetik von Nova?

Marietta: Inhaltliche Inspirationsquellen sind für uns Fotoprojekte, Ausstellungen, Bildbände, Bücher, Filme, Geschichten und interessante Menschen, auf die wir stoßen.

Für das Layout haben wir mit Hanna Tembrink und Kaja Paradiek zwei fantastische Designerinnen gefunden. An der Bildsprache waren maßgeblich unsere beiden Bildredakteurinnen Susanne Dupont und Catarina Schmid beteiligt. Susanne Dupont ist hier sehr von der Kunst beeinflusst, zu der sie nicht nur als Fotografin viele Kontakte hat. 

Was ist eure Vision für Nova? Wo soll das Magazin in einem Jahr stehen?

Marietta: Ich würde mir wünschen, dass wir es schaffen einen Kreis von Stamm-Leserinnen zu finden, die sich jedes Mal wie auf eine Verabredung mit einer guten Freundin freuen, wenn sie am Kiosk auf Nova treffen. Und dass wir natürlich irgendwann von Nova leben können.

10 Comments

  • 3 Jahren ago

    Ich habe es gelesen, es war wirklich sehr interessant und konnte einiges für mich herraus nehmen. Kann ich nur jeden empfehlen es zu lesen.

  • 6 Jahren ago

    Noch eine Frauenzeitschrift!? Ich halte die Augen offen – Deine Vorstellung und das Interview, die Wahrnehmung, die Gedanken, die Motivation,… machen sehr neugierig!

    Danke Dir Indre + viel Erfolg wünsche ich Marietta und Birte!
    LG Minza

  • Anonym
    6 Jahren ago

    Ist das schön, hoffentlich lässt es sich an einem Schweizer Kiosk aufspüren

  • 6 Jahren ago

    oh …. oh …. die übeRschRiften machen lust. auf eine pRobe wage ich es. nicht in typischeR manieR und wie so oft. ein gRoßaRtiges inteRview. die damen begeisteRn.
    liebe gRüße. käthe. und danke.

  • 6 Jahren ago

    lieben dank dir fuer den zweiten schubser. mit etwas glueck kann ich sie morgen am markt-kiosk ergattern und dann gegenpruefen … denn die neugier bleibt, vielleicht gefuettert durch das eher enttaeuschende angebot der letzten jahre.

    erst heute morgen habe ich noch so fuer mich gedacht, dass die erfolgreichen lifestyle blogs dort draussen vergleichbar sind mit der zitierten (frauen-)magazinwelt.
    optimieren, optimieren, optimieren. wohnung, koerper, leider eher selten der geist. mich langweilt das auf dauer sehr und hin und wieder foerdert der ein oder andere post auch aerger herauf.
    spaetestens dann, wenn das im print scheinbar uebliche schema – der zusammenarbeit zwischen autor&werbekunden – offensichtlich wird und werbung nicht mehr als solche deklariert werden muss. nein, sie wird inzwischen als wohltat fuer den leser getarnt, die sich gern von rabatten&co locken lassen … puh, du merkst hier grummelt es …

    wie schoen, dass an dieser stelle auch anderes zu finden ist. so wie heute. danke dir liebe indre. und nun wuensche ich den beiden damen, dass sie ihren traum weiter ausleben duerfen. ohne sich im anspruch + auswahl beschraenken zu muessen.

    denn ' ”Traumjobs” kann man nicht irgendwo finden, sondern man muss sich seine Traumarbeit selbst gestalten. Und: Wenn einem in der Welt etwas fehlt, dann muss man es sich selbst schaffen.' nicht wahr? (quelle: catharina von supercraft)

  • 6 Jahren ago

    Obwohl ich auch in letzter Zeit (flutbedingt lang) durchs Land gereist bin, habe ich dieses Magazin noch nicht entdeckt. Klingt gut! Und immer wieder spannend zu lesen, was man so als arbeitende Mutter mit der entsprechenden Energie alles schaffen kann. Das spornt an. Ich werde es lesen. Vielen Dank!

  • 6 Jahren ago

    Schon gekauft und gelesen.
    Manches hat mich befremdet,manches gefreut.
    Bemerkenswert !
    Auf jeden Fall macht es mir Mut, selber nicht unter der Zuckerkruste des Kommerz zu erstarren.

    Vielen Dank Indre für deinen Blick.

  • 6 Jahren ago

    Um "Nova" schleiche ich (virtuell) schon eine Weile. Das Interview ist nun definitiv ein Kaufargument. Danke, Indre!

  • 6 Jahren ago

    OH! Das ist ja toll!

    Vielleicht schicke ich meine Mama gleich mal los zum Kiosk, mir bis zum naechsten Besuch einen Nova-Stapel anzulegen. Am besten mit einem Gastbeitrag von Mme Mima? Das wuerde doch zu gut passen.

    Kann man das Heft auch online bestellen/lesen? Australische Frauenzeitschriften sind naemlich auch voll von "Diätrezepten, Psychotests, Männergebrauchsanleitungen, Anleitungen zur Selbstfindung und Schminktipps" und BauchBeinePo-Terror 😉

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