Im Gespräch mit ::: Heimat Zine

Heimat ist ein schwieriges Wort: begrifflich unscharf und mit vielfältigen Bedeutungen und Werten durchsetzt. Er spielt an auf die ‚Beziehung zwischen Mensch und Raum‘, meint meist den Ort, in den man hineingeboren und sozialisiert wird und hat immer noch ein Stück ‚Blut-und-Boden-Ideologie‘ im Schlepptau. Als ich Kind war, wurde nicht über ‚Heimat‘ gesprochen. Das Wort wurde gemieden. Erst in meinem Studium tauchte es wieder auf; ein ganzes Seminar widmete sich ihm. Wir nahmen es unter die Lupe und schälten zwiebelgleich eine Bedeutungsschicht nach der anderen mit wissenschaftlicher Präzision und Distanz. 

Sophie Wohlgemuth, Anselm Schwindack und Lina Göttsch haben sich dem Begriff ganz vorurteilsfrei angenommen und mit dem Heimat Zine einen Raum geschaffen, in dem offen und mit spielerischer Leichtigkeit über Heimat ’sinniert‘ werden kann. Ich freue mich, dass die Drei die Zeit für ein virtuelles Gespräch über ihr rundum gelungenes Projekt gefunden haben. Vielen Dank euch!
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A few days ago it has arrived: the small, fine hand-crafted home zine. Sophie Wohlgemuth, Anselm Schwindack and Lina Göttsch have really done something gorgeous together with their friends, and I am really happy that they have found the time for a virtual talk despite all their work. Thank you so much!

Wer steckt hinter dem Heimat-Projekt?                                                                                                      

Die Morgensonne am Wochenende auf dem Frühstückstisch genießend beginnen wir am liebsten mit der Arbeit an unserem Zine. Im Wedding, in Köpenick oder dem Prenzlauer Berg, wir fühlen uns bei den anderen wohl und zuhause. Mit der Idee vor einem halben Jahr begonnen, haben wir nun das Heimat Projekt verwirklicht, ein Zine, das wir vor allem der künstlerischen Arbeit unserer Freunde und Bekannten aber auch unserer eigenen Kreativität gewidmet haben, der von Sophie, Lina und Anselm. Wir studieren Philosophie, Druck- und Medientechnik, fotografieren, schreiben und bloggen, lieben das gedruckte Medium, das, was wir tun und unser Heimat Zine.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eben dieses ‚Medium für die künstlerische Arbeit von Freunden     und Bekannten zu schaffen‚?                                                                                                                       
Während des vergangenen Semesters hat sich Lina aus Eigeninteresse heraus im Rahmen der Hochschule verstärkt mit dem Thema Zines beschäftigt. Das jährlich stattfindende Berliner Zine Festival im November wurde auch von ihr besucht, sie berichtete von ihren Eindrücken, brachte ausgewählte Zines mit und gab so den Anstoß, ein solches zu machen. Unabhängig davon hatten Anselm und Sophie sich in Berlin wiedergetroffen und den Wunsch nach einem gemeinsamen Projekt, das den eigenen Gedanken- und Gefühlsoutput auszudrücken vermag. Beim ersten von Anselm angeregten Treffen stellten wir fest, dass das Spektrum an Kreativität in den Freundeskreisen enorm ist und dass uns ein Medium fehlt, das diese zusammenbringt.

Bild: Heimat Zine
Was war/ist euer Vorbild für das Heimat Zine?                                                                                         
Es gibt kein direktes Vorbild für unser Zine. Es hat sich aus unseren Ideen und Inspiration von überall entwickelt. Es gibt aber Hefte, die während der Arbeit an unserer ersten Ausgabe immer mal wieder auf den Tisch geholt und ins Gedächtnis gerufen wurden: Das Ain’t Magazine aufgrund seines charmanten Zinecharakters und der liebevollen Umsetzung. Aus dem englischsprachigen Raum lieben wir die Oh Comely und das Kinfolk Magazine. Die Zeitschriften sind einfach stimmig, ehrlich und schön.
Kennt ihr alle Mitgestalter/innen des ersten Heftes persönlich?                                                                  
Die Beiträge im Heimat Zine stammen von Freunden, die wir direkt gefragt haben, und aus unserem Aufruf. Auf die Fragen kamen Antworten von überall, von virtuellen sowie persönlichen Freunden und Bekannten. Durch das Interesse und den Einblick in ihre Gedanken zum Thema fühlt es sich an, als ob man die Mitgestalter, wenn auch nicht persönlich, kennt.
Dadurch, dass wir drei aus verschiedenen Richtungen hierher gezogen sind und uns erst vor Kurzem gefunden haben, gibt es noch viele Menschen, die wir nach und nach einander vorstellen können und wollen. Auch das erzeugt das Gefühl eines Freundeskreises, der stetig wächst. Das ist schön.

Bild: Heimat Zine
Wie soll und wird es weitergehen? Welche Themen und/oder Hefte sind geplant?                                    
Es soll unbedingt weitergehen. Wir kommen während unserer Zeit zusammen immer wieder auf schöne und bescheuerte Themen, die wir gerne umsetzten möchten. Also wenn es nach uns und unserer Titelliste ginge, gäbe es auf jeden Fall erst mal sechs weitere Ausgaben des Heimat Zines.
Das nächste Heft ist bereits in Planung. Wir wollen zwei Ausgaben pro Jahr schaffen. Es wird auf jeden Fall schockig, das steht fest!
Ist das Heimat Zine ein Projekt, also zeitlich befristet oder soll es eine ‚Institution‘ werden?                      
Uns ist nach Institutionsbildung zumute.
Wie finanziert ihr das Projekt – oder besser: die Institution?                                                                       
Das ist eine gute Frage. Bei der ersten Ausgabe haben wir erst mal nicht an die Kosten gedacht und darauf spekuliert, dass wir durch Handarbeit und Hingabe das eher imaginäre Budget ausgleichen können. Letzten Endes war es absolut machbar. Wir hoffen einfach, dass sich die jeweils nächste Ausgabe refinanziert.
Wer darf mitmachen oder wie kann man mitmachen?                                                                               
Ein Grundgedanke unseres Konzepts ist die Mitgestaltung des Lesers durch Anregung und Feedback. Deshalb wird es auch in zukünftigen Ausgaben eine Umfrage geben. Wir freuen uns über jeden, der Lust darauf hat. Diese Interaktivität ist von uns gewollt und gewünscht. Wir werden dafür hauptsächlich soziale Netzwerke nutzen, erzählen aber ohnehin jedem davon und hoffen auch dadurch auf neue potentielle Beteiligung.
Natürlich müssen wir für das gedruckte Zine Beiträge auswählen, werden jedoch weiterhin alle Einsendungen auf dem Blog veröffentlichen. Wir können es schon wieder kaum erwarten!

Bild: Heimat Zine

9 Comments

  • 6 Jahren ago

    wunderschön anzusehen!

  • 6 Jahren ago

    Hallo Indre!
    Ich muss zugeben: im Moment bin ich etwas offline und freue mich umso mehr, dass ich bei dir wieder ganz viele tolle Schätze entdecke!
    Und : dein neues "LOgo" gefällt mir unglaublich gut!
    Viele Grüße, Marleen

    • 6 Jahren ago

      Oh, vielen Dank für deine Worte, liebe Marleen! Das tut gut ;D und freut mich sehr.

  • 6 Jahren ago

    wunderbar, die heimat
    wirklich

  • 6 Jahren ago

    Oh wie schön, euch hier etwas ausführlicher zu begegnen, nun freue ich noch mal so sehr auf mein erstes Heimat Zine!!! Und auf 2 und 3 und…? Weiterhin viel Freude damit und miteinander und aneinander! Lieben Gruß Ghislana

  • 6 Jahren ago

    so schön – ich bin auch sehr für die institutionalisierung. alles beste dafür den drei feinsinnigen macher(inne)n. und dir, liebe indre, danke für die fragen (grade heute morgen hab ich ein dermaßen schlechtes interview gelesen, da wurde mir erst wieder bewusst, was wohl bedachte fragen ausmachen – die deinen mag ich sehr).

  • 6 Jahren ago

    schönes projekt, gelungenes gespräch.
    gute grüße, to.

  • 6 Jahren ago

    Sehr fein, vielen Dank, diese Stadt ist eine Schatzgrube (und vielleicht auch irgendwann Heimat). Liebe Grüße, Wiebke

  • 6 Jahren ago

    vielen dank füR dieses ausfühRliche inteRview, liebe indRe, lina, sophie und liebeR anselm. es macht eueR pRojekt noch 'RundeR'. und ja …. institutionsbildung. das wäRe fein.
    liebe gRüße. käthe.

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