G U TE MO D E . K A TH A R i NA K A i S E R

Die Welt ist klein. Auf der Suche nach nachhaltiger Mode stieß ich auf ein Label, das nicht nur ganz mein Geschmack, sondern auch aus meiner alten Heimat ist: der hübschen Fachwerkstadt Celle. Wir kennen uns nicht aus alten Zeiten, aber konnten die ein oder andere Verbindungslinie finden. Das ist immer wieder ein klein wenig aufregend, finde ich – dieses Linienziehen, an dessen Ende ein wirres Netz aus Beziehungen und gemeinsamen Erlebnissen entsteht. Aber zur Sache.

Es geht um das Label und die Person K A T H A R i NA K A i S ER. Sie macht ‚einfach‘ nachhaltig schöne Mode, und dabei lässt sie sich schon mal von einem Waldspaziergang mit Hund inspirieren. Aber lest selbst.

@Katharina: Vielen lieben Dank für das so sympathische wie interessante Gespräch!
– – – 
Today I have a talk with K A T H A R i NA K A i S ER – a Celle and sustainability based fashion label.

Magst du ein wenig von dir erzählen? Wer bist du?


Also, ich bin in der Nähe von Hannover aufgewachsen. Meine Omi war Schneiderin und so stand mein Berufswunsch von kleinauf fest: Modedesignerin wollte ich werden. Kurzzeitig machte der Wunsch als Lehrerin zu arbeiten, der Modedesignerin Konkurrenz. Das war aber, bevor ich wirklich Kontakt zu Lehrern hatte.
Nach dem Abi habe ich aber erstmal angefangen Soziologie und Italianistik zu studieren. Was Anständiges, wie sich meine Mutter auszudrücken pflegte. Wie zu erwarten habe ich es dort nicht lange ausgehalten und alsbald meine Ausbildung in dualer Form zur Modedesignerin und Damenschneiderin angefangen.
2008 habe ich die Fahmoda Hannover mit einer Abschlussarbeit zum Thema Nachhaltigkeit und Zeitgeist abgeschlossen. Das war eine Zeit, da ‚LOHAS‚ und ‚Bio-Esssen‘ gerade Topthemen waren und ich wollte sie in meiner Kollektion umsetzen.
Zum Geldverdienen hat es mich aber erst einmal in die Industrie getrieben. Ich habe als Designerin im HAKA*-Bereich gearbeitet, als Product Developer und Einkäuferin für KiKO**, war im Ausland mit der Produktionsüberwachung betraut und habe bei einem Berliner Label gelernt, wie es als One-Woman-Company funktionieren kann.

HerrenAnzüge KnabenAnzüge
** KinderKonfektion

2012 hast du dein eigenes nachhaltiges Modelabel gegründet. Was hat dich dazu bewegt, ein eigenes Label zu gründen und dabei auf Nachhaltigkeit zu setzen?

Das eigene Label zu gründen ist wohl der Wunsch eines jeden Modestudenten. Ich hatte schon die ein oder andere Station durchlaufen habe, die man kennen sollte, um sich selbstständig zu machen und mein 30ster Geburtstag stand vor der Tür. Die Zeit war also reif, mein eigenes Label aus der Taufe zu heben.
Für mich kam nur ein Label in Frage, das auf Qualität und Nachhaltigkeit setzt. Durch meine berufliche Laufbahn in der Industrie wusste ich, wie man den Preis drückt. Das wollte ich unter keinen Umständen zum Vorbild nehmen! KATHARINA KAISER sustainable apparel ist ein Gegenmodell zur industriellen Herstellung. Ich lege Wert auf hochwertige Materialien, auf lokale Nähe und Nachhaltigkeit in der Produktion sowie auf Qualität in der Verarbeitung.

Wie stellst du sicher, dass alles fair, ökologisch und ökonomisch produziert wird?

Am Anfang stehen die Stoffe. Hier arbeite ich aussschließlich mit zertifizierten Betrieben zusammen, die sich, wenn schon nicht in, so doch möglichst nah zu Deutschland befinden. Für die HW 13 Kollektion kommen die Stoffe aus Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und die Baumwolle aus der Türkei. Außerdem ist mir besonders wichtig, dass alles aus einer Hand kommt: Die Spinnerei, Weberei und Färberei meiner Lieferanten sind alle am gleichen Ort, was mir eine optimale Transparenz in der Herstellung garantiert.
Produziert werden die Musterkollektionen in meinem Atelier in Celle. Die Produktionsstätten sind spezialisiert auf kleine Serien – keine Massenproduktion. Ich lasse ausschließlich von gelernten Schneider/innen anfertigen, die hohes handwerkliches Können garantieren. Durch die Nähe zu den Produktionsstätten ist die Produktionsüberwachung schnell und einfach, und ich kann die Qualität des Produktes sicherstellen.

Wer und was sind deine wichtigsten Inspirationsquellen?

In erster Linie lasse ich mich von meiner direkten Umwelt inspirieren. In der aktuellen Kollektion war es tatsächlich der tägliche Waldspaziergang mit dem Hund, der mich zu Farbwahl, Print und Thema der Kollektion inspiriert hat. Ansonsten gibt es keine konkreten Leitbilder, die mich inspirieren, sondern eher ein Potpourri aus Filmszenen, Musik, Theaterbesuchen oder mal dem Outfit meiner Nachbarin*.
Die einzelnen Kleidungsstücke entstehen tatsächlich nicht auf dem Papier, sondern während der Arbeit mit den Stoffen und Schnitten. So entwickelt sich von einem Stück das nächste bis sich die Kollektion zu einem Bild zusammenfügt.

* Anm. M i MA: Die Nachbarin würde ich ja kennenlernen. 

Wie deine Wunschbild für die Zukunft der Mode aus?

Ich wünsche mir für die Zukunft mehr hochwertige, ökologische Materialien, die wieder in Deutschland produziert werden. Also eine Wiederbelebung der hiesigen Produktionsstätten, gepaart mit einem steigenden Bewusstsein der Konsumenten für Nachhaltigkeit und Qualität.
Der Begriff Luxus sollte sich aus dem Massenwaren-Segment zurücknehmen und ein Synonym für Qualität, Nachhaltigkeit und Transparenz werden.

Wird sich Nachhaltigkeit im Bereich Fashion als Leitgedanke und treibende Kraft zukünftig etablieren oder bleibt es eine Nische? Wie schätzt du das ein?


Nachhaltigkeit bleibt in allen Bereichen – nicht nur in der Mode – ein zentrales Leitmotiv. Und ich denke, dass es in Zukunft auch im Bewusstsein vieler Konsumenten verankern wird und das Einkaufsverhalten ganz selbstverständlich leiten wird. Die Auswahl an nachhaltig produzierten Rohstoffen und neuen Materialien wird immer größer, so dass es künftig viel einfacher wird, nachhaltige Kollektionen mit schönem Design und „gutem Gewissen “ zu kreieren.

3 Comments

  • Anonym
    6 Jahren ago

    Tolle Mode und ein tolles, individuelles Model.
    Passend

  • 6 Jahren ago

    Ach, ich war grad total überrascht. Ich komme auch aus Celle 🙂 Das ist ja eine schöne Überraschung.
    Liebe Grüße!

  • 6 Jahren ago

    Wow, ganz schön tolle Sachen!

Leave A Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.