Ein Blick hinter Movin’n’Grovin

Portugal
Loslassen. Neues wagen. Aufbrechen ins Unbekannte. So könnte man Mandy Raaschs {Movin’n’Grovin} Lebensmotto beschreiben. Aufgewachsen ist die studierte Betriebswirtin und freiberufliche Webdesignerin im ehemaligen Bezirk Dresden, genau genommen in Bischofswerda. Eine Gegend, die man damals mangels Westempfang als das Tal der Ahnungslosen bezeichnete und die heute als Pegida-Hochburg keinen besonders guten Ruf genießt. Mandy verbrachte hier eine glückliche Kindheit, an die sie sich gerne erinnert. Als die Mauer fiel, war sie elf. Ihr erster Gedanke war: „Wir können jetzt überall hin reisen!“ Und das tut sie bis heute.

Neben Musik und Berlin, wohin sie die neu gewonnene Bewegungsfreiheit als erstes führte, ist das Reisen ihre große Leidenschaft. Argentinien, Großbritannien, Israel, Marokko, die Mongolei und die Niederlande, Nordkorea, Portugal, Russland, Slowenien und Spanien hat sie seit bereist. Und damit nicht genug. Im Mai wird sie ihren festen gegen einen mobilen Wohnsitz und das Stadtleben gegen ein Leben „on the road“ tauschen. Im heutigen Montagsinterview erzählt sie, wie es zu dieser durchaus weitreichenden Entscheidung kam, worauf sie sich besonders freut und wohin sie aufbrechen wird.

Hab vielen lieben Dank für das spannende Gespräch, mit dem ich allen einen anregenden Start in die neue Woche wünsche.
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Mandy in Salvador de Bahia (links) und Rio de Janeiro (rechts)



Du bist verrückt nach Reisen, Musik und Berlin. Zum Reisen komme ich gleich noch. Darum: Welche Musik ist „deine“? Und wo hast du Berlin am liebsten?

Meine Musik ist irgendwie in den 80/90ern hängen geblieben, und auf einer Insel: die meisten Bands aus meiner Playlist kommen aus Großbritannien. Morrissey, David Bowie, New Order, Depeche Mode, Stone Roses, Oasis sind einige meiner Favoriten. Es gibt auch ein paar Bands aus Deutschland, die mir ganz sympathisch sind, aber die höre ich aktiv nicht wirklich – das sind eher „Konzert-Bands“ für mich, die schaue ich mir gerne live an: Beatsteaks, die ärzte, Tocotronic u.a.
Ansonsten habe ich eine Menge Musik aus Argentinien in meiner Playlist, weil ich mal drei Jahre lang in Buenos Aires gelebt habe. Dazu gehören u.a. Soda Stereo, Babasónicos, Virus oder die Band meines Spanischlehrers: Excursiones Polares.
Ich höre mir auch sehr gerne neue Künstler an – oftmals entdecke ich die auf Konzerten als Supportbands vor einer meiner Lieblingsbands.
Wo habe ich Berlin am liebsten? Hmm, am liebsten dort, wo nette Leute sind und bestenfalls noch gute Musik läuft. Konzerte gerne in kleinen Läden, SO36 oder Lido… ansonsten gehe ich gerne zum White-Russian-Schlürfen in gemütliche Kneipen, Scotch & Sofa, Tiki Heart oder – ganz frisch entdeckt – ins Mandy’s nach Kreuzberg (ich bin da zufällig des Namens wegen reingestolpert und war sofort verliebt!).
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Foto (c) Scotch & Sofa
Was war deine bisher wichtigste Reise? Und warum?
Ich denke die wichtigste „Reise“ war wohl mein Umzug nach Buenos Aires. 2007 habe ich mich auf den Weg ins Ungewisse gemacht und bin einfach mal an’s andere Ende der Welt gezogen. Der Zeitpunkt war perfekt und ich bin froh, dass ich es durchgezogen habe. Dieser Umzug hat mich sehr bereichert und geprägt. Ich habe eine neue Sprache gelernt, bin in die Kultur und den Alltag Argentiniens eingetaucht und habe dabei viel über mich selbst gelernt. Seit ich wieder zurück in Deutschland bin, sehe ich die Dinge etwas anders – vor allem viel entspannter. Dennoch ist Deutschland (noch) nicht das Ziel – ich muss bald wieder los…
… und du wirst nicht in eine andere Stadt, sondern weil du deine Wohnung ab April in einen Van umtauschen und ein „Vagabundenleben“ führen wirst. Wie kam es zu dieser – nicht ganz trivialen – Entscheidung?
Schon seit einigen Jahren geistert mir diese Idee im Kopf herum, dass ich mal im Van durch die Welt reisen möchte. Eigentlich war ich noch nie im Van im Urlaub, nur einmal mit Freunden eine Wochenende beim Southside Festival – aber das zählt nicht wirklich. Immer wieder habe ich Artikel gelesen und Dokus geschaut über Leute, die genau das machen. Und ich war jedes Mal total hin und weg! Deshalb beschloss ich letztes Jahr im Sommer: ich mach das jetzt einfach – und habe mir einen Van gekauft. Andere kaufen sich Wohnungen oder Häuser, ich eben ein Auto.
Street Art in Buenos Aires
Worauf freust du dich am meisten? Wovor hast du am meisten Angst, wenn du an dein neues Leben auf vier Rädern denkst?
Ich freue mich am meisten auf die Freiheit, jeden Tag spontan entscheiden zu können „Should I stay or should I go?“. Ich freue mich darauf, die Welt in allerbester Slow-Travel-Manier kennen zu lernen, unterm Sternenhimmel schlafen zu können, mir den Ausblick aus dem Fenster selbst aussuchen zu können. Generell freue ich mich auf das Abenteuer Van, was auch immer mich da erwartet!
Angst habe ich nicht, vielleicht etwas Bedenken was die Sicherheit in manchen Gegenden angeht. Aber darüber zerbreche ich mir erst den Kopf, wenn es so weit ist. Ein Thema bereitet mir aktuell etwas Bedenken: das Campingklo im Van – aber das möchte ich jetzt nicht näher ausführen…
Was wünscht du dir für dich von deinem Van-Leben?
Vor allem wünsche ich mir eine unfallfreie Fahrt. Ich möchte viele schöne Momente erleben in schönen Gegenden, spannende Begegnungen haben und auch ganz viel Ruhe und einfach Zeit. Ich will bewusst, minimalistisch und nachhaltig leben (soweit das mit dem Auto eben möglich ist), noch mehr als bisher. Ich sehe das Ganze nicht als riesige Veränderung, für mich ist das Van-Leben einfach eine andere Lebensform, bei der die Wohnung eben vier Räder hat. Ok, vielleicht unterschätze ich das Vorhaben ja noch… we will see!
Zu Kamele
Hast du einen Plan, welche Länder und Orte du in welcher Reihenfolge ansteuern willst? Und warum so?
Mein Plan ist gerade am Entstehen. Da ich dieses Jahr bereits einige Termine habe (u.a. in Stockholm und Helsinki), stand recht schnell fest: im Sommer geht’s in den Norden, also Schweden, Norwegen und Finnland. Und wenn es dann im Herbst wieder kalt wird, düse ich in den Süden Europas – am liebsten nach Portugal. So genau festlegen will ich mich noch nicht. Vielleicht gefällt’s mir ja auch im Winter in Skandinavien!
Generell will ich nicht weit im Voraus planen, habe aber ein paar Ideen die noch reifen müssen. Für’s Erste werde ich durch Europa reisen – da gibts es schließlich eine Menge zu entdecken. Die anderen Kontinente kommen später dran.
Welche Rolle spielt die Netzcommunity bei deinem neuen Leben bzw. wird sie spielen (soweit du das voraussagen kannst)?
Durch meinen Blog Movin’n’Groovin habe ich ja bereits eine gute Plattform. Diese werde ich weiterhin nutzen und dann von unterwegs berichten. Außerdem fange ich gerade an, mich in diversen Camping/Van-Foren und Facebook-Gruppen umzusehen und Gleichgesinnte zu finden. Davon gibt’s zum Glück eine ganze Menge! Die Community ist mir auf jeden Fall wichtig, so bekommt man Hilfe und Unterstützung unterwegs und kann sich auch mal irgendwo zum Lagerfeuer am Strand persönlich treffen.
Verbindung halten
Meinst du, dass es jeder/jedem gut täte, einmal „auszubrechen“ und sich auf eine lange Reise zu begeben?
Ich weiß nicht, ob es jedem gut täte, aber ich glaube den meisten Menschen könnte es definitiv nicht schaden, einfach mal loszulassen, die Komfortzone zu verlassen und Neues auszuprobieren. Ich brauche diese Herausforderungen in regelmäßigen Abständen und habe bisher noch keins meiner „Experimente“ bereut! Seit meiner Zeit in Argentinien sage ich jedem, der darüber nachdenkt mal eine Auszeit zu nehmen: einfach machen! Und wenn’s keinen Spaß macht, kommst du eben wieder zurück (das ist bisher noch niemandem passiert).
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2 Comments

  • 4 Jahren ago

    Super! Ich bin begeisert! Und endlich mal jemand, der offen zugibt, Oasis zu mögen. 😉 Musikmäßig bin ich sonst auch ganz bei Mandy.
    Ihren Blog kenne ich noch gar nicht, hüpfe aber gleich mal rüber und bin schon gespannt.
    Ich bin ganz neidisch und gespannt, was Mandy auf ihrer Van-Reise alles erleben wird.
    Danke, Indre, dass Du uns immernoch so tolle Menschen vorstellst!
    Danke an Euch beide für das schöne Interview.

    Liebe Grüße, Katja

    • Juhu, noch ein Oasis-Fan – wir sollten einen Fanclub gründen! Ok, vielleicht etwas spät… 😉
      Freut mich, dass dir das Interview gefällt!
      Und ich sage auch danke an Indre für das tolle Interview!

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