Ein Blick hinter: meingefangen

M i MA, meingefangen, Textildesign, Weißensee, P103, Berlin, Nachhaltigkeit, ecodesign, social design, partizipatives design

Eingefangen hat er mich schon längst. Dieser schöne, feinsinnige, kluge Blog mit Namen meingefangen. Und er ist – davon konnte ich mir selbst ein Bild machen – so ganz und gar das Werk seiner Autorin. Authentisch also. Im besten Sinne. Vor wenigen Wochen habe ich Franziska persönlich kennen lernen dürfen. Im P103, meinem liebsten Ort, waren wir auf einen Nachmittagskaffee verabredet. Wären nicht irgendwann die Verpflichtungen und offenen Punkte auf den Todo-Listen lautstark dazwischen gekommen, wir hätten wohl noch Stunden weitergeredet. Über …

°°° den Reiz des Textilen als Gegenpol zu Touchscreens und Keyboards.
°°° die Frage, ob und wie Design die Welt verändern kann.
°°° die Auswirkungen des Bloggens auf Design, ästhetische Vielfalt und den Geschmackssinn,
°°° und vieles mehr.

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Ein paar der Bälle, die wir im P103 in die Luft geworfen haben, fangen wir heute wieder auf und wünschen euch einen inspirierenden Start in die neue Woche. 
Herzlich
Eure Franziska und Indre
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Liebe Franziska, magst du kurz vorstellen?
Ich bin Franziska und stehe kurz vor dem Ende meines Textil- und Flächendesignstudiums. Mich selbst bezeichne ich aber eher als Textil- und Produktdesignerin – zu sehr hält meine Liebe für Interior Produkte Einzug in meine gestalterische Arbeit. Die kommt manchmal auch auf meingefangen durch, wo ich seit 2011 über Alltagsfreuden, Food, Reisen und Crafting blogge.

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Wie und wo lebst du in Berlin? 
Nachdem ich in Schulzendorf die gemütliche Atmosphäre und in Kreuzberg das tobende Leben schnuppern durfte, wohne ich nun seit fast vier Jahren im Prenzlauer Berg am Helmholzplatz. Dort habe ich beides gefunden. Tausend Cafés, volle Spielplätze und mitten drin meine 39qm. Diese Einraumwohnung ist Glück und Herausforderung zugleich. Mein Multifunktionsraum muss nämlich Schlafen, Wohnen, Arbeiten und Essen unterbringen. Zwar bin ich ein großer Fan von Gesamtkonstruktionen (so in etwa wie der Schlafbereich hier), doch meine 39qm sind und bleiben für mich nur Zwischenstation. Deshalb setzte ich auf Flexibilität durch kleinere Möbelstücke. Die lagen zum einen in meinem Budget, bieten die Möglichkeit, sich später leicht neu kombinieren, vielleicht sogar umfunktionieren zu lassen, und fügen sich jetzt dennoch ganz gut zu einem stimmigen Ganzen zusammen.
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Du studierst Textildesign in Weißensee. Wie kam es dazu?
Aufgewachsen im Dreieck Halle-Leipzig-Weimar, hat mich das Bauhaus und die Burg Giebichenstein schon immer in ihren Bann gezogen. Doch für welche Form der Gestaltung ich mich am meisten interessiere (und eigne!) hat sich erstmals in meiner Atelierzeit bei Michael von Erlenbach gezeigt. „Du arbeitest so flächig. Schau dir mal Textildesign in Weißensee an!“ hat er im Nebensatz fallen lassen. Das machte mich sofort hellhörig. Gleich darauf in Weißensee gewesen, wusste ich: Es passt sehr gut mit mir, dem Textil und der Fläche.
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Was reizt dich am Textilen?

Spannend und genauso herausfordernd finde ich am Textil, dass die gestalterische Arbeit nicht beim Visuellen aufhört, sondern immer zusammen mit der Haptik gedacht wird. So setzt das Textil einen guten Gegenpol zu Touchscreens und Keyboards, über die unsere Finger wohl am häufigsten fahren; die leider unseren Tastsinn verkommen lassen.
Was reizt dich am Design?
Ich schätze an der Designarbeit, dass ich gefordert bin, mich kontinuierlich in neue und ganz unterschiedliche Thematiken oder Problematiken einzudenken. So ist das Erforschen von Hintergrundbezügen, Techniken und Materialqualitäten ein ganz wichtiger Teil meiner Arbeit, der in meinen Augen die Grundlage für alles Design ist, das nicht nur schön aussieht, sondern auch funktional und qualitativ anspruchsvoll ist.
Ich bin überzeugt, dass solches Design langlebig ist und dauerhaft einen Mehrwert besitzt. Darin baue ich meine Hoffnung, dass gute Gestaltung zu einer Wertsteigerung von Produkten führt und in dem Zuge auch die Bereitschaft, mehr Geld dafür zu investieren – nicht nur weil sie gut aussehen, sondern einfach gut gemacht und produziert sind. Ich glaube daran, dass Design zu bewussten Kaufentscheidungen führen kann, zu einem nachhaltigeren Konsum. Oder würde tatsächlich jemand einen Barcelona Chair oder eine PH5 als Erbe ablehnen?
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Welche Möglichkeiten bietet Design zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen und/oder zwischenmenschlicher Konflikte (Stichwort: Social Design)? Kannst du ein paar Beispiele nennen?
Es klang bereits an, dass Design mehr ist als Schönes zu schaffen. Aktuell haben Fragen aus sozialen und politischen Bereichen starke Einbindung in den Designprozess. Diese Formen haben schon einen Namen bekommen: Health Design, Social Design, EcoDesign, partizipatives Design … Die Liste wird mit Sicherheit immer länger werden.
Bei Formen wie dem Social und dem partizipativen Design geht es darum, den Fokus noch stärker auf soziale Verbundenheit bzw. den Menschen zu legen. Dieser wird nicht länger nur als Konsument betrachtet, sondern in den Gestaltungsprozess integriert, um soziale Prozesse in Gang zu setzten. Bei dem Projekt able, von dem du vor knapp zwei Jahren berichtet hattest, hatte ich selbst Anteil. Unser Ansatz war, den Menschen mit Behinderungen in ihren Werkstätten mehr Raum zu geben, sich in die Gestaltung der Werkstattprodukte einzubringen. Sie durften sich auf kreativer Ebene selbstverwirklichen und bekamen gebührende Aufmerksamkeit für das, was sie trotz ihrer Begrenzungen kontinuierlich leisten. Das hat ihren Selbstwert gestärkt und den Umgang zwischen Betreuer und Werkstattmitarbeiter wieder feinfühliger werden lassen. Daraus lässt sich eine vereinfachte Definition dieser Art von Design ziehen – dass es um die Gestaltung eines Prozesses geht, der wiederum positive Emotionen hervor rufen soll.
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Du schreibst deine Bachelor-Arbeit (Theorieteil) über Wirkung und Einfluss von Blogs/sozialen Medien. Worum geht es genau in deiner Arbeit?
Zum einen beleuchte ich die Veränderungen, die das Web durch Blogging erfahren hat, wie es sich mehr und mehr vom Konsumieren zum Produzieren verlagert. Schwerpunkt ist aber die Untersuchung von Auswirkungen auf das Design durch Bloggen. Wie verändert es die Einstellung zu Kommunikationsdesign, wenn Blogger mit Fragen wie Layout, Typographie und Fotographie konfrontiert sind? Beeinflusst es das Verständnis von Hobby Designern und Professionals? Und die Frage, die mich persönlich am meisten interessiert: Welche Auswirkungen hat das Wohnblogging auf Gestalter und die Reputation von Design?
Welche ersten Erkenntnisse und Einsichten hast du bisher gewonnen?
In meinem Hauptfeld, dem Interior Blogging lassen sich bereits klare Tendenzen erkennen: Dank Reblogging rutscht die Blogwelt in die Rolle des Trendsetters für Living Products. Was ein bedeutender Blog postet, ist danach auf ganz vielen anderen zu sehen. Das führt zu einer Vereinheitlichung der Ästhetik. Aktuell findet sich diese Erkenntnis in den monochromen Fotos wieder – die in Schwarz-Weiß-Grau mit einem Hauch an Nude oder Mint, die man vor allem von skandinavischen Blogs kennt und vielleicht schon satt hat. Jedenfalls kann diese Tendenz zur Vereinheitlichung unterschiedlich bewertet werden. Einerseits bedeutet es einen Verlust an Diversität.
Designprodukte orientieren sich stärker an Trends und werden sich dadurch zunehmend ähnlicher. Durch die Schnelllebigkeit und die Ausweitung des Kundenkreises, die das Internet mit sich bringt, spüre ich einen Druck gegenüber den Designfirmen, in kurzen Zyklen neue Produkte auf den Markt zu bringen. Das schlägt sich meines Erachtens negativ auf die Qualität der Objekte nieder. Zum anderen werden wir durch Blogging aber sensibler für Ästhetisches, der Sinn für Schönes wird geschult. Das spiegelt sich in den Wohnungen wieder, wo ich eine klare Qualitätssteigerung in der Gestaltung privater Innenräume sehe. Um das zu erkennen braucht man keine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben. Das wird bereits deutlich, sobald man die Post eines Interior Blogs aus 2010 mit denen von heute vergleicht.
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Was schätzt du an der Blogwelt und was missfällt dir?
Als Designer ist die Blogwelt für mich eine unerschöpfliche Inspirationsquelle. Noch nie war es so leicht ein Moodboard zu erstellen, neue Ideen und Gedankenansätze für Projekte zu sammeln. Die Schattenseite dieser Inspirationsjagd ist, dass ich häufig nur Bilder anschaue und die Texte ungelesen bleiben. Bei manchen Blogs überscrolle ich den geschriebenen Part eines Posts auch bewusst – eine Vielzahl an Bloggern vermag leider nicht gesprochenes von geschriebenem Wort zu unterscheiden. Im Kontrast dazu entdecke ich aber immer mehr entzückende Blogs, in denen so viel wertvolle Freizeit und Leidenschaft steckt, dass ich Gänsehaut bekomme.
Fernab vom Inhaltlichen schätze ich die Community mehr und mehr, ganz besonders wenn sie den Weg außerhalb des Virtuellen findet wie bei Blogger MeetUps. Dass sich über das Bloggen verschiedenste Persönlichkeiten miteinander austauschen, die sich sonst aufgrund von Wohnort, Alter oder Interessenschwerpunkten nie begegnen würden, bringt Horizonterweiterungen. Für alle Seiten. Ich persönlich kann nicht genug davon bekommen.
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Welche Ausstellungen und Veranstaltungen rund um das Thema Design möchtest du mir und meinen Leser/innen ans Herz legen?
Für alle Designliebhaber in und um Berlin ist die DMY vom 28. Mai bis 1. Juni 2014 ein Muss. Wer gerne Stöbern mit Shoppen verbinden möchte, sollte eine der kommenden Blickfang Messen besuchen; wer es klassisch kuratiert mag, dem lege ich das TextielMuseum in Tilbug (NL) oder das Vitra Museum in Weil am Rhein ans Herz.
Ich selbst mag es gerne persönlicher und empfehle, die Jahresausstellungen von Design-Hochschulen oder Designstudios zu besuchen. Das bietet die Möglichkeit, die Entwerfer selbst über ihre Konzepte zu befragen, aufkommende Trends zu erspähen und vor allem etwas über den Gestaltungsprozess und die Denkweise der jeweiligen Designer zu erfahren.
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8 Comments

  • 5 Jahren ago

    Wie einladend das Bett ist!

  • 5 Jahren ago

    Danke für den neuen Tipp! Ich mag Franziskas Fotos besonders gerne.
    Nanne

  • 5 Jahren ago

    chapeau franziska

  • 5 Jahren ago

    ach schön, wieder neue synaptische verbindungen..!. danke für die inspiration, und das weiterdenken von gewissen themen, aus anderer perspektive und endlich auch mal eine ebene drüber.
    eine gute woche dir, auch ausserhalb der "potse" 🙂
    lotte

  • 5 Jahren ago

    Ein interessanter Einblick mit klugen Fragen und Ansichten, vielen Dank! Ich lese schon eine Weile bei Franziska mit und bin gespannt, wie sie und ihr Blog sich weiterentwickeln.
    Schöne Grüße, Wiebke

  • 5 Jahren ago

    so gern mitgeblickt.

    franziskas blog ist ein ganz besonderer ort.
    mein konturierteres bild von ihr hier nun
    so passend dazu.

    »du gehst sehr stark in richtung zeichnung«
    meinte mein malerei-professor zu mir,
    kritik im unterton.
    für mich :: augen- und wegöffner.

  • 5 Jahren ago

    Nachdem ich letzte Woche ja noch selbst hier dran war, freue ich mich besonders, dass Du heute einen Blog vorstellst, den ich noch überhaupt nicht kannte – der mir aber ausgesprochen gut gefällt. Kluge Worte über Design, die mir gefallen, weil sie Design weiter denken, als das Gestalten von Schönem, ein Thema, das mich auch immer wieder beschäftigt.
    Vielen Dank und eine schöne Woche,
    LG, Mecki

  • 5 Jahren ago

    dank euch zwei!

    was für ein einblick
    "du arbeitest so flächig"

    bei mir war´s "bei dir is eh immer alles so metallisch"
    wie prägend diese nebensätze sind:)

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