Ein Blick hinter ::: konfettiregen

Eine neue Woche beginnt und wieder werfe ich einen neugierigen Blick hinter ein Blog: konfettiregen … Bunt rieselt farbenfröhlich und papiersanft auf mich herab. Eine wunderbar erträgliche Leichtigkeit des Seins – wie die Luft nach einem kräftigen Sommerregen. Das fällt mir spontan ein, wenn ich Ninas Blog besuche. Nina, auch Nini oder Ninotschka. Frau, Tochter, Tante, Freundin und Studentin, und vor allen eine, die ohne Wenn und Aber sagen kann, dass sie „verdammt glücklich ist“. Das spürt man – und alles wird ganz leicht. Ganz leicht – so sollte auch diese erste echte Sommerwoche sein. Was könnte da besser passen als ein konfettiregen?


@Nina: Danke dir für diesen fröhlich-bunten Schauer!
@Euch: Eine Lektüre und Woche wie ein zarter Sommerregen – das wünscht ich euch!

Liebe Nina, deine Großmutter nannte dich von früh auf Ninotschka und war damit die heimliche Muse deines Blogs. Wer war sie, deine Großmutter?

Anni, meine Oma, eine wahnsinnig fleißige Arbeiterin, ausdauernde Puzzlerin und Geschichtenerzählerin. Vor allem aber eine wahnsinnig gute Köchin, die auch heute noch – trotz steifer Hände – einige Leckereien zaubert. Wenn ich bei ihr gewohnt hätte, wäre ich sicherlich promt zu einer kleinen dicken Uszka (gefüllte Teigtasche) mutiert, da ich mir am laufenden Band mit ihren polnischen, tschechischen und russischen Köstlichkeiten den Bauch vollgeschlagen hätte. Irgendwann bin ich auf ein altes Fotoalbum gestoßen. Darin gab’s einige Schätze zu entdecken. Besonders ein Bild hat mich so nachhaltig beeindruckt, dass es Vorbild für die erste Karte wurde, die ich unter dem Namen Ninotschka veröffentlicht habe. Meine Oma, fröhlich ihre Freundin küssend: ein wundervoll ausdrucksstarkes und lebensfrohes Bild.

Wer bist du neben und als Studentin und visuelle Künstlerin und Blogschreiberin?
Ich bin ein Sammelsurium aus Vielen. Nini & Nina & Ninotschka. Frau, Tochter, Tante, Freundin. Als Studentin fühle ich mich manchmal ein bisschen alt, da ich mit meinen 28 Jahren nun mit Menschen in Seminaren sitze, die frisch vom Abi kommen und 10 Jahre jünger sind als ich. Aber das Gefühl ist nicht zwangsläufig schlecht, es ist auch ein bisschen Motor, mal fertig zu werden.

Als Bloggerin bin ich ein kleines Kind, was laufen lernt und noch auf der Suche ist. Ninotschka hat mir definitiv den Weg zum Bloggen geöffnet. Da ich plötzlich Resonanz zu meinen Dingen bekam und gemerkt habe, dass ich vielleicht doch irgendetwas kann. Selbstbewusstsein und Überzeugung sind nicht meine Stärken und so war der Schritt in die Öffentlichkeit nicht unbedingt einfach. Es gibt immer Menschen, die ähnliches machen wie man selbst und das hat mich eingeschüchtert, da ich das Gefühl hatte, jeder kann es besser. Das bremst ungemein. Allerdings ist gerade die digitale Welt prädestiniert um mit seiner Schüchternheit umgehen zu lernen. Man steht nicht direkt vor den Leuten und muss sein hochrotes Köpfchen verstecken, stellt sich aber dennoch einer Öffentlichkeit, die mit Kommentaren nicht geizt (und hinterm Bildschirm sieht ja niemand, wenn ich rot werde). Heute denke ich (auch als Künstlerin): ich mache das, was aus mir heraus kommt, was ich BIN. In erster Linie muss es für mich sein. Wenn es anderen gefällt, ich andere anspreche oder inspiriere, ist es natürlich wunderbar. Aber solange ich die Dinge nur tue, um anderen zu gefallen, verstelle ich mich und die besondere Essenz, die Individualität, kommt nie richtig zur Geltung. Aber auch ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gegessen und lerne lerne lerne.

Was studierst du?
Ich studiere Kunstpädagogik und Romanistik. Mein Herz klopft – dank vieler Aufenthalte in Südamerika – definitiv zweisprachig (deutsch und spanisch). Eigentlich bin ich kurz vorm Ende, wenn sich nicht immer neue Projekte und Leidenschaften nebenher ergeben würden, die das Studium entschleunigen…
Wie gefällt es dir in der Blogwelt? Was schätzt du besonders und was stört dich besonders?
Der Gedanke, seine Ideen und Inspirationen zu teilen, ist für mich einer der schönsten Punkte des Bloggens, während oft noch die Konkurrenz deutlich vorherrscht. Die Bloggerwelt ist etwas ganz Besonderes im digitalen Sumpf. Wie ein großer Berg aus Sand in dem ein paar Perlen versteckt sind. Findet man eine Perle sind die anderen meist nicht weit. Aber es gibt eben auch Miesmuscheln. Ich liebe die Vernetzung, die Menschen hinter den Texten und Bilder, die Neugierde und das Interesse an anderen. Aber genauso, wie die Blogwelt Inspirationsquell, Vernetzung, Lebensfreude, Ausdrucksmittel und pure Kreativität bedeutet, ist sie gleichzeitig Abgrenzung, Überflutung an Informationen, Privatssphärenkiller und Paradise of Copy&Paste. Es bleibt eben das WorldWideWeb mit all seinen Vor- und Nachteilen. Suchtpotenzial hat diese Welt aber allemal!!

Du sprühst vor Kreativität, schaffst Design- und Kunststücke. Woher nimmst du all die Ideen und Energie?

Mit der Energie ist es so eine Sache. Die Ideen sprudeln permanent in meinem Kopfzirkus. Damit hatte ich noch nie Probleme, die sind einfach da. In einer solchen Masse, dass sie für meinen kleinen Kopf vielleicht manchmal ein bisschen zu viel sind. Oft sprudeln sie so was von fontänenartig durch die Gegend, dass ich mit den Eimern zum auffangen kaum hinter her komme. Mit zwei Händen andauernd neue Brunnen bauen ist ganz schön anstrengend. Gerade weil ich so viele Richtungen und Kreativ-Baustellen in meinem Leben habe, ist das Zeitmanagement und die damit zwangsläufig verbundene Energie nicht gerade einfach einzuteilen. Denn, vom dauerhaften Sprudeln bekommt man womöglich eher Sodbrennen, als ein wohliges Durstlöscher-Gefühl. Und trotzdem ist genau dieses Sprudeln das, was mich motiviert, weiter bringt und oft auch glücklich macht.
Was gibt dir das kreative Tun, das künstlerische Schaffen?
Ein Gefühl von „eine Stimme haben“: da ich so leise spreche, dass ich mir die Wörtchen „was?“ oder „wie bitte?“ schon tätowieren lassen könnte. Außerdem sehr viel Austausch mit anderen und mir selbst. Permanenter Wandel. Sich ausprobieren, nicht stehen bleiben, hinterfragen und hinterfragt werden. Menschen überraschen und ab und zu vielleicht sogar glücklich machen.

Dein Mann ist Künstler. Was sind seine Arbeitsschwerpunkte und welche Themen treiben ihn im Moment um?
In erster Linie bezeichnet er sich sehr ungern als Künstler. Er studiert auch noch und steht ein wenig zwischen den Stühlen der Sicherheit eines geregelten Arbeitslebens und des Risikos der eigenen Projekte. Künstlerisch beschäftigte er sich lange Zeit mit Malerei und Stencil, ist aber seit einiger Zeit eher im minimalistischen bzw. Raum- und Lichtinstallativen Bereich unterwegs. Er liebt die Kombination von Material und Technik, vor allem Holz und Licht bzw. Projektion ebenso wie ich. Inhaltlich nähert er sich gerade soziologischen Kontexten und arbeitet vermehrt konzeptuell, aber auch er ist noch auf dem Weg – wobei gar nicht klar ist, ob man irgendwann ein explizites „Ziel“ erreicht, oder gerade der Weg das ist, was das Leben spannend macht.

Welche Rolle spielt seine Profession als Künstler für deine Kreativität und in eurer Beziehung?
Unsere Geschichte beginnt damit, dass er mich ansprach, ob er mich malen dürfte. Das schmeichelte mir natürlich ungemein. Als er dann irgendwann auch noch sagte, ich sei seine Muse, hörte mein Herz gar nicht mehr auf zu hüpfen. Künstlerisch haben wir uns Anfangs auf dem Designsektor getroffen, heute arbeiten wir allerdings als Partner unter dem Namen Re & Kontra auch als visuelle Künstler zusammen. Er hat mich – nicht nur handwerklich – bei all meinen Installationen und Projekten unterstützt. Oft sagt er, er wäre auch zufrieden damit, mein Assistent zu sein. Das würde ihm Spaß machen und er könne sehen, wie ich mich weiterentwickle und sein Können hier und da einfließen lassen. Oh ja, er ist ein verdammt guter Assistent, aber auch ein selbstständiger Künstler, ein Partner, ein Freund und: mein Herzkönig. Deshalb lassen wir ab und zu auch die Kunst einfach mal Kunst, die Uni Uni und die Arbeit Arbeit sein, damit die Beziehung nicht unter geht.

An welchen Projekten bist du gerade dran und welche stehen bevor?
Ich möchte mein Studium fertig bekommen, um einen Klotz am Bein mal abgearbeitet zu haben und die Energie für eigene Projekte zu bündeln. Der Klotz ist aber mühsamer als gedacht und zieht sich wie Kaugummi. Auf dem Blog läuft die Kamera2Go-Aktion, die ich vor einiger Zeit ins Leben gerufen habe und die mir sehr viel Freude und Aufregung bereitet. Bald werde ich die zur dritten Bewerbungsphase aufrufen und freue mich schon auf neue spannende Teilnehmer/innen. Ansonsten arbeite ich gerade wieder an Gestaltungsideen für die ein oder andere Frankfurter Veranstaltung und bastle unterdessen mental immer wieder an einer Ausstellung und Videoprojekten. Ganz aktuell werde ich in Kürze endlich mein neues Atelier einrichten und bin gespannt, was der neue Raum mit meinem Kopf anstellt.

Was wünscht du dir für die Zeit nach dem Studium? Wie sieht das perfekte Leben für dich aus?
Mit meinem Drang zum Perfektionismus versuche ich gerade eigentlich eher das Leben Leben sein zu lassen und endlich mal einfach den Moment zu genießen und nicht ständig alles zu planen. Wie gesagt, ist das Zeitmanagement manchmal ein wirklicher Spontanitäts- und Sozialleben-Killer. Wenn ich jetzt aber mal ganz träumerisch an das „perfekte Leben“ denke, dann ist es ein Leben von und mit der Kunst, die ich mit und ohne den Herzkönig mache. Um unsere Beine wuseln ein/zwei/drei Kinder, die restliche Familie und Freunde sind auch nicht weit. Wenn mich dann jemand fragt: „Wie geht’s Dir?“, dann kann ich ihm direkt ins Gesicht sagen: „ICH BIN VERDAMMT GLÜCKLICH!“

10 Comments

  • 6 Jahren ago

    liebe indre,
    vielen dank für dieses spannende interview. durch dich lerne ich immer wieder neue interessante menschen kennen, die uns in ihre leben schauen lassen. besonders freut mich hier die beschreibung des gemeinsamen künstlerischen arbeitens und schaffens. ein glück sich zu finden! ich bleibe dran. schöne grüße, wiebke

  • 6 Jahren ago

    über einen kommentar bei mir gerade heute auf ninotschka gestoßen und jetzt dieses feine interview hier – an eine zufallsmäßige doppelfügung kann ich da gar nicht mehr glauben … und so viele reich-mir-die-hand-punkt in den antworten, schön ist das. danke, ihr zwei.
    liebe grüße von ulma

    • 6 Jahren ago

      wie war das noch: "alle wege führen nach…" – wie auch immer, zumindest bin ich froh, dass durch die wundervolle indre und ihre fragen mein konfettiregen mal raum zum fliegen bekommen hat und das ein oder andere konfetti bei anderen interessanten menschen hängen geblieben ist! ich bin entzückt!

  • 6 Jahren ago

    welch ein wunderbarer tag! sonnenschein und ständig läuft mir ninotschka über den virtuellen weg;););)
    danke dir, liebe indre, fürs interviewen:)
    liebst birgit

  • 6 Jahren ago

    Sehr schönes und interessantes Interview! Danke für diesen erneuten "Blick hinter…"

    Liebe Grüße nach Berlin, Sandra

  • 6 Jahren ago

    leichtigkeit und gute stimmung. konfettimäßig eben. das gefällt miR. ninotschka, deine bildeR gefallen miR sehR. hab sie voR kuRzem bei etsy entdeckt. zufällig. und nun eRfReut, dich hieR mehR lesengeleRnt zu haben. danke an euch füR das inteRessante inteRview.

    • 6 Jahren ago

      fRau käthe. deine lieben Worte und dein R machen mich ganz neugierig – da geh ich doch auch gleich mal stöbern!

  • 6 Jahren ago

    Ich bin schon länger Leserin von Ninotschka, da sie zum Glück erst mich und dadurch ich sie, gefunden habe – es lohnt sich wirklich.

    • 6 Jahren ago

      danke talie ! das ist nun wieder so ein rotwerd-moment hinterm computer 🙂

  • 6 Jahren ago

    ein sehr spannendes interview – danke an euch beide! und jetzt werde ich mich in den konfettiregen begeben …

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