Ein Blick hinter Fees Essgeschichte. Ein Zwiegespräch

Es gehört schon eine Portion Mut dazu. Fee war mutig. Am 29. Juli erzählte sich auf ihrem Blog die Geschichte ihrer Essstörung. Sie hat mich sehr berührt und Erinnerungen an meine Geschichte wachgerufen. So entstand die Idee zum „Zwiegespräch“: Während Fee hier und heute tiefere Einblicke in ihre Vergangenheit gibt, erzähle ich bei ihr über meine Erfahrungen. Hier wie dort beginnt die neue Woche also mit weniger „leichter Kost“. Und doch lässt sich unser Zwiegespräch – um im Bilde zu bleiben – recht gut verdauen, denn es sind zwei Geschichten mit „Happy End“. 
In diesem Sinne einen bekömmlichen Start in die KW 33. Und 1.000 Dank an dich, liebe Fee, für die feinsinnigen Antworten und klugen Fragen. [Hier geht´s zu Fees Zwiegespräch mit mir.]

PS: In der Wochenendausgabe der SZ gab es einen guten Artikel zur Frage, wie wir uns in unserem Körper wohlfühlen könnten.

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Wenn deine Essstörung ein Tier wäre, welches und wie wäre es?
Das ist eine unheimlich schwierige Frage. Ich habe lange darüber nachgedacht. Ich würde sagen, meine Essstörung ist ein Tintenfisch. Der gewöhnliche Tintenfisch hat nämlich eine ganz perfide List auf Lager. Innerhalb von Sekundenbruchteilen ist er in der Lage nahezu jede Stelle seines Körpers zu verfärben. Um seine Opfer zu „hypnotisieren“, setzt er eine Art pulsierende „Lichtshow“ ein, die zum Beispiel Krabben so fesselt, dass sie bewegungslos zusehen und sich wenig später wehrlos in den Tentakeln des Angreifers wiederfinden. Auch die Essstörung gaukelt seinem „Opfer“ vor, wunderschön zu sein. Sie erscheint als eine Art Lösung für andere Probleme. Und sie ist eine vermeintlich einfache Lösung. Man ist völlig darauf fixiert. So lange man noch „weglaufen“ könnte, ist man geblendet. Und wenn es dann zu spät ist, kann man sich aus eigener Kraft kaum noch befreien.
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Du schreibst, dass der Kontrollverlust das Schlimmste an der Essstörung war und der Anlass, dir professionelle Hilfe zu nehmen. Ich kenne diesen „totalen Kontrollverlust“ nicht wirklich. Wie fühlte sich das an? Was machte ihn so unerträglich?
Ich glaube, das kann man kaum nachvollziehen. Es ist ein Zustand absoluten Ausgeliefertseins. Man denkt nicht mehr. Man macht nur noch. Die Wahrnehmung ist fixiert auf den nächsten Schritt und der heißt Essen. So viel wie irgend möglich. Bis zu einem Punkt, wo nichts mehr geht. Irgendwelche niederen Instinkte übernehmen in der Zwischenzeit den Körper und blenden jegliches bessere Wissen aus. Bis man völlig überfressen und bewegungsunfähig zurückbleibt. In der größten Scham, die man sich nur denken kann. Das führt dann (mehr oder weniger) langfristig zu einem sozialen Rückzug. Schon während meiner Magersucht war ich kaum noch zu sozialen Kontakten fähig, ich hatte aber immer noch das Gefühl zu funktionieren. In meiner Phase der Fressanfälle, ging auch diese letzte Sicherheit flöten. Ich hatte das Gefühl, weder Herr über meinen Körper, noch über meine Gedanken sein. Ich fühlte mich wie fremdgesteuert. Es war die Hölle. Während ich zu Zeiten der Magersucht meine Entwicklung und meine Gedanken immer mit einer analytischen Ruhe von außen betrachtet hatte, lag ich nun ganze Abende völlig aufgelöst und schluchzend im Bett und wusste nicht weiter. Ich hatte absolut keine Perspektive. Ich sah mich nicht in der Lage, die Situation irgendwie in den Griff zu bekommen.
Wie würdest du dein Verhältnis zu deinem Körper heute beschreiben? Was hat sich verändert?
Ich kann leider nicht behaupten, vollständig mit meinem Körper im Reinen zu sein. Ich mag mein Gesicht, das hilft enorm beim täglichen Blick in den Spiegel. Und oft kann ich auch gänzlich hineinsehen und bin zufrieden. Zu häufig jedoch hänge ich mich immer noch an Kleinigkeiten auf, vor allem an meinen Beinen, meinem Bauch und meinen Armen, vor allem seit sie durch die viele Spritzerei durch meine MS-Erkrankung dauerhaft ziemlich in Mitleidenschaft gezogen sind. Das Gefühl machtlos zu sein, nicht mal etwas ändern zu können, wenn ich es wollte, ist manchmal etwas schwierig. Ich wünschte, es wäre anders. Aber ich weiß heute, dass alles, was ich meinem Körper angetan habe, in dem Wunsch glücklicher mit ihm zu sein, mich nur noch unglücklicher gemacht hat. Unglücklich auf einem ganz anderen Level. Ich weiß, dass eine grundsätzliche Körperform einfach gegeben ist und dass ich damit auch mit aller Kraft nichts ändern kann. Und ich weiß, dass der eine Körper alles ist, was ich habe, dass er schon genug durchmachen musste und muss und dass ich ihn besser gut behandle, damit ich noch lange etwas von ihm habe. Ich schaffe es mittlerweile daher ganz gut, „doofe Gedanken“ wegzuschieben. Vieles ist eine Frage der Wahrnehmung und des Wollens. Wenn ich mich dafür entscheide, mich heute schön zu finden, strahle ich das auch nach außen aus. Das wiederum führt zu positivem Feedback von außen. Und das wiederum ist Balsam für die eigene Seele.
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Wie würdest du dein Verhältnis zum Essen beschreiben? Und wie hat sich das verändert?
Ich kann zum Glück sagen, dass ich heute wieder genießen kann. Ohne Hintergedanken. Ich esse alles, was ich möchte. Ich finde Essen großartig. Ich kann aber auch aufhören, wenn ich satt bin. Und wenn ich es nicht tue, einfach weil es so gut schmeckt, dann entscheide ich mich bewusst dafür. Ich liebe Süßes und backe immer nur den ungesundesten Kram. Ich esse gerne mal eine Currywurst mit Pommes. Genauso gerne esse ich aber auch einen Salat oder Obst. Ich ernähre mich ausgewogen, aber ohne jeglichen Druck. Es ist ein natürliches Gleichgewicht und es ist ein wunderbares Geschenk, dass mein Körper in der Lage dazu war, wieder zu diesem Gleichgewicht zurückzufinden. Vielleicht genieße ich heute durch meine Erfahrungen sogar bewusster. Ich möchte allerdings nicht ausschließen, dass die Essstörung noch irgendwo in mir schlummert. Zwar bin ich seit Jahren sehr entspannt, was mein Essen angeht, aber es ist durchaus denkbar, dass dieser Zustand daran gekoppelt ist, dass ich grundsätzlich glücklich bin. Vor allem meine Beziehung spielt dafür eine große Rolle. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, wenn mir diese Sicherheit genommen würde oder etwas anderes Schlimmes in meinem Leben passieren würde. Möglich, dass dann alte Muster wieder aufbrechen würden. Die Frage wäre dann, ob ich die Kraft hätte, sie zu erkennen und dagegen anzukämpfen oder mich ergeben würde. Angesichts der Tatsache, dass ich meine MS-Diagnose so gut weggesteckt habe, bin ich aber optimistisch.
Die „Magersucht-Phase“ beschreibst du als weniger schlimm, da du das Gefühl hattest, noch zu „funktionieren“. Was meinst du mit „funktionieren“?
Funktionieren bedeutete in diesem Fall: Ich ging zur Uni, besuchte Seminare und Vorlesungen und schloss sie mit guten Noten ab. Ich hatte einen Nebenjob, den ich nach bestem Wissen und Gewissen ausfüllte. Ich hatte sogar sowas wie ein soziales Leben. Zwar deutlich eingeschränkt, weil ja alles, was mit Essen zu tun hatte, meiner Kontrolle unterliegen musste und „spontan“ in meinem Wortschatz daher so gut wie nicht vorkam, aber es existierte. Ich hatte Freunde und Bekannte unter meinen Kommilitonen, nicht übermäßig viele, aber auch nicht wenige. Solange alles in absehbaren Mustern und Bahnen verlief, konnte ich fast den Eindruck erzeugen, „normal“ zu sein. Ich lachte und scherzte, vermutlich erweckte ich auf den ersten Blick sogar den Eindruck nett, witzig und gesellig zu sein. Ich erfüllte Erwartungen. Von Dozenten, von Arbeitgebern, von der Familie, von mir selbst. Ich war ein Rädchen im Getriebe, das nicht aus dem Rahmen fiel, und alles am Laufen hielt. Aber eben nur nach außen hin…
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Wie war diese Episode deiner Essgeschichte?
… nach innen sah es eben ganz anders aus. Obwohl mir das erst später so richtig klar wurde. Alles, was ich tat, war mit Kontrolle und Zwängen besetzt. Zwar hatte ich das Gefühl auch innerlich zu funktionieren, aber eben nur nach meinen kranken Maßstäben und die hatten eher mich im Griff als ich sie. Ich hatte feste Rituale, wie die tägliche Beschäftigung mit Rezepten, dem Besuch im Supermarkt, die Vorbereitung meiner Mahlzeiten für den nächsten Tag, damit ich eben auch während der Uni und der Arbeit etwas zu essen hatte und nicht in die „Verlegenheit“ kam, irgendwo etwas essen zu müssen, das ich nicht selbst zubereitet und damit grammgenau auf Kalorien gecheckt hatte. Solange das funktionierte, war „alles gut“. Wenn nicht, geriet mein fragiles Gleichgewicht aus den Fugen. Innerlich stürzte alles zusammen und lauter unter der Kontrolle begrabene Ängste fluteten meine Wahrnehmung. Das durfte also nicht passieren. Und meine Vermeidungsstrategien funktionierten „erstaunlich gut“. Das hieß zwar auch, dass ich meine Freunde und Bekannten außerhalb der Uni kaum sah, denn dafür hätte ich mich ja ins Ungewisse begeben müssen und vor allem hätte ich in meinem von Essen bestimmten Leben erst mal Zeit dafür finden müssen. Aber selbst das hielt ich auf einem (zwar extrem niedrigen, aber existenten) Level aufrecht. Irgendwie „funktionierte“ also alles. Zumindest schaffte ich es jahrelang, mir das erfolgreich einzureden. Ich nahm nicht weiter ab, ich nahm nicht weiter zu. Alles war unter Kontrolle. Bis ich irgendwann merkte, dass die Kontrolle und das „Funktionieren wollen“ zwei der wesentlichen Probleme waren. Und dadurch begab ich mich in meine erste, damals noch ambulante, Therapie.
Wie würde aus der Mager- eine Esssucht?
Die Antwort auf diese Frage fällt mir tatsächlich schwerer als andere und die paar Absätze, die ich dazu in meinem ursprünglichen Post verloren habe, sind so reflektiert es nur geht. Im Gegensatz zu vielen anderen Magersüchtigen war ich nie der Typ, der in den Spiegel geschaut hat und das, was er sah, gut fand. Oder sogar noch dünner werden wollte. Ich fand Teile von mir gut, aber ich fand auch Teile von mir gut, bevor ich abgenommen habe. Vielmehr schaute ich in den Spiegel, sah Haut und Knochen und dachte: „Meine Fresse, du bist echt zu bemitleiden, schön ist etwas anderes!“ Das allerdings half mir noch nicht, den Absprung zu kriegen. Ich hatte Angst die Kontrolle gehen zu lassen. Sie erschien mir als das einzig Sichere in meinem Leben, etwas woran ich mich festhalten konnte. Als ich dann in die ambulante Therapie gegangen bin und mein Therapeut mich dazu anhielt zuzunehmen, fühle ich mich in seiner Obhut sicher. Ich habe ihm vertraut und die Sicherheit, die die Essstörung mir gab, daher Schritt für Schritt abgegeben. Das Problem war allerdings, dass hier mehr die rein körperlichen Probleme behandelt wurden, weniger die seelischen dahinter. Und als ich dann wieder ein Gewicht erreicht hatte, das ich nicht überschreiten wollte, das Gewicht sich aber nicht daran hielt, weil ich in meiner neugewonnenen „Freiheit“ einfach viel mehr aß, als ich gebraucht hätte, merkte ich, dass die „Sicherheit“ der Therapie mir nicht ausreichte. Und dann schlug es um. Ich kann es gar nicht genau beschreiben. Es ging wirklich sehr plötzlich. Von jahrelangem sehr kontrolliertem und restriktivem Essen über ein paar Monate halbwegs normales Essen, aber ohne normales Sättigungsgefühl, was dadurch auch wieder nicht normal war, hin zu Fress-Exzessen mit der Aufnahme tausender Kalorien in kürzester Zeit. Tagsüber versuchte ich wieder in die alten Rhythmen zurückzufinden, was meist eine Zeitlang funktionierte, aber dann wurde der Wunsch doch mehr zu essen irgendwann zu groß und ich gab mich ihm hin. Und sobald ich die von mir selbst auferlegte Kaloriengrenze überschritten hatte, war mir alles egal. Dann galt für diesen Kalendertag „Was rein geht, geht rein. Nimm mit, was du kriegen kannst. Denn morgen musst du wieder stark sein.“ Ich weiß aus meiner stationären Therapie, dass ich damit vielen anderen Magersuchts-Patienten unfassbare Angst gemacht habe. Mein Erlebtes war ihre Horrorvorstellung, weshalb sie sich gegen ein Zunehmen wehrten. Rückblickend bin ich jedoch froh, dass es so gekommen ist. Ich glaube, „so herum“ war es für mich wesentlich einfacher aus der Essstörung heraus zu kommen. Und wer weiß, wie lange ich sonst noch mit der Magersucht herumgekrebst hätte, in dem Glauben, das schon alles „irgendwie“ in den Griff zu bekommen…
Du bist in eine Spezialklinik gegangen, um aus der Essstörung herauszufinden. In welcher Klinik warst du? Und wie war die Zeit dort?
Ich war in der „Klinik am Korso“ in Bad Oeynhausen, die sich speziell mit Essstörungen befasst, nach eigener Aussage ist es sogar die einzige Klinik in ganz Europa, die sich ausschließlich mit Essstörungen beschäftigt. Und ich würde sie uneingeschränkt weiterempfehlen. Ich habe mich dort jederzeit gut betreut, behandelt und verstanden gefühlt. Zwar bin ich danach nicht vom einen auf den anderen Tag gesund gewesen, aber ich denke, der Aufenthalt war der Wendepunkt in meiner persönlichen Geschichte. In meinem Essstörungspost, der das Interview hier ausgelöst hat, habe ich schon ein bisschen was über den Alltag, das Programm dort und meine gewonnenen Erkenntnisse berichtet. Ich denke, ein wichtiger Punkt war die Sicherheit, die einem dort geboten wurde. Feste Strukturen und Ansprechpartner gaben eine gewisse Geborgenheit, in deren Schutz es möglich war, eigene Grenzen zu überschreiten und Mechanismen neu zu lernen. Auch die Atmosphäre unter den Patienten war toll. Ich kann mich an keine Probleme erinnern, eher an eine Welle gegenseitiger Hilfe und Sympathie. So unterschiedlich unsere Geschichten und Persönlichkeiten waren, so gab es doch auch viel Verbindendes. Zwar gibt es sicher auch viele Schnittmengen zu anderen psychischen Erkrankungen, aber ich denke schon, dass die spezielle Ausrichtung auf Essstörungen es hier wesentlich leichter macht gesund zu werden. Einerseits durch die fachlichen Kompetenzen der Mitarbeiter, die sich fokussieren und viel intensiver auseinandersetzen können, andererseits aber auch durch das Gemeinschaftsgefühl der Patienten.
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Was glaubst du, können Eltern tun, damit ihre Kinder keine Essstörung entwickeln?
Das ist eine sehr schwierige Frage und angesichts dessen, dass ich keine Kinder habe, wage ich es auch nicht, mir anzumaßen, was Eltern tun können und was nicht. Ich glaube, dass es eine große Herausforderung ist, Eltern zu sein, und dass man nicht alles richtig machen kann. Vielleicht ist das sogar der Fehler, alles richtig machen zu wollen. Weil es Druck aufbaut und kontrollieren will, was nur begrenzt zu kontrollieren ist. Aber trotzdem, wenn ich auf meine eigenen Erfahrungen und die meiner Mitpatienten zurückblicke, würde ich mehrere Punkte auf verschiedenen Ebenen als wichtig ansehen:
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Rein Körperlich gesehen, ist es natürlich erst mal am schönsten, wenn man eine Zufriedenheit mit sich selbst vorleben kann. Aber da das ja nicht immer (oder nur selten) einfach so geht, sollte man seine eigene Unzufriedenheit zumindest nicht mit und vor dem Kind zum Thema machen. Noch viel weniger sollte man ein vermeintliches Schönheitsideal an das Kind ansetzen und es schon in seiner Jugend zu einem ungesunden Körperbild drängen. Vielmehr sollte man dem Kind vermitteln, dass es schön und wertvoll ist, so wie es ist (zumindest so lange gesundheitlich alles unbedenklich ist). Auch vermeintlich nicht böse gemeinte Scherze oder Sprüche in Bezug auf das Gewicht („Na, du Moppelchen“) sind oft Gift. Solange es möglich ist, sollte ein möglichst entspannter und natürlicher Umgang mit dem Körper und mit dem Thema „Essen“ fokussiert werden. Und wenn die Körperlichkeit dann irgendwann von außen problematisiert wird, dann muss das Kind in Bezug auf diese Angriffe gestärkt werden oder am besten schon gestärkt sein.
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Das wäre dann Punkt 2) Die Stärkung des Selbstbewusstseins. Hier ist es, denke ich, wichtig, dem Kind zu vermitteln, dass es einen eigenen Wert hat und dafür keine Ziele erreicht werden müssen. Dass man es liebt, so wie es ist. Dass es viel kann. Und man es dabei unterstützt, was es kann und liebt. Ohne es unter Druck zu setzen oder Erwartungen zu schüren. Oder indem man eigene Wünsche in das Kind projiziert. Das nimmt dem Kind im Idealfall den Druck, sich schon in der Familie beweisen zu müssen, beziehungsweise das Gefühl unzulänglich oder nur unter gewissen Voraussetzungen „gut genug“ zu sein, auch wenn das vielleicht gar nicht beabsichtigt ist. Andererseits kann es dem gesellschaftlichen Druck, der ohne Zweifel irgendwann kommt (und das nicht nur in körperlicher Hinsicht), gut oder zumindest besser standhalten. Dabei sollte es natürlich nicht darum gehen, ein eingebildetes, egozentrisches Arschloch-Kind heranzuzüchten, sondern eins, das die gleichen Werte und die gleiche Liebe auch an seine Mitmenschen ansetzt. Aber das versteht sich hoffentlich von selbst.
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11 Comments

  • 4 Jahren ago

    Ganz toll ihr beiden. Als Mutter von 2 Töchtern mache ich mir auch Gedanken über dieses Thema. Zumal wir im Freundes- und Bekanntenkreis einige Mädchen/ junge Frauen mit Essstörungen hatten und haben.
    Ich ärgere mich immer, wenn jemand in der Gegenwart meiner Kinder davon spricht, wie fett XY geworden ist oder sie/er selbst und wieviele Kalorien dies oder jenes hat und welche tolle neue Diät es gibt.
    Ich versuche, meinen Mädchen ein gesundes Körperbild zu vermitteln. Ich möchte schon, dass sie darauf achten, dass sie gesund essen und wissen, dass sie nicht nur von Chips, Pommes oder Schokokeksen leben können (was sie manchmal gerne würden).
    Insgesamt finde ich es aber noch wichtiger, den Kindern eine stabile Basis zu geben und vor allem Wärme und Geborgenheit. Ein echtes Zuhause. Denn ich glaube, dass die Wurzel von Essstörungen oft doch ganz woanders liegt.
    Die magersüchtigen Mädchen, die mir persönlich bekannt sind, hatten/ haben fast alle eine problematische Beziehung zu ihren Eltern oder die Eltern eine zueinander.
    Es war/ ist scheinbar keine echte Nähe zu den Eltern da, kein Gesehen-werden und kein Sich-verstanden- und Sich-aufgehoben-Fühlen.
    Seht Ihr das auch so?

    Liebe Grüße,
    Imke

    • 4 Jahren ago

      Liebe Imke
      Als Frau und Tochter, die in ihrer Jugend auch an einer Essstörung litt, kann ich deine Theorie nicht bestätigen. Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis – Streit gab es natürlich ab und zu trotzdem – zu meinen Eltern, insbesondere auch zu meiner Mutter und habe aus anderen Gründen ein gestörtes Verhältnis zum Essen entwickelt. Ich bin zwar nie in den medizinisch sehr kritischen Bereich abgerutscht, aber nur noch ein Diätjogurt und einen Apfel pro Tag zu essen, ist definitiv krank. Auch wenn mir das gute Verhältnis zu meinen Eltern und das Selbstvertrauen, das sie mir mit auf den Weg gegeben haben, in allen anderen Bereichen extrem geholfen hat, eine Essstörung könnte es nicht verhindern. Wer weiß – und ich will es nicht wissen -, vielleicht wäre es ohne beides noch schlimmer gekommen. Ich glaube für Essstörungen gibt es unzählige Gründe und ich hätte Mühe konkrete für meine zu nennen, aber ich glaube, an meinen Eltern lag es nicht. Bei mir war es eher das Streben nach einem klassischen Schönheitsideal – ich war zuvor immer dick -, das aus dem Ruder lief, da ich beim Abnehmen definitiv das Maß verfehlte und sich dabei eine Eigendynamik entwickelte, die ich erst sehr spät realisierte und noch später durchbrechen konnte.

    • 4 Jahren ago

      Liebe Leah, danke fürs Ein- und Mitmischen. Ich glaub, wir sind im Grunde d 'accord. Das Verhältnis zu den Eltern kann, aber muss kein Faktor sein. LG I

  • 4 Jahren ago

    Danke für eure schönen, ermutigenden Worte. …es fühlt sich doch ein wenig heikel an, darüber (so) sprechen.

  • 4 Jahren ago

    Ich finde das hier eine wundebare Art, sich diesem Thema zu nähern…und anderen Einblicke zu geben. Danke. LG Lotta.

  • Ein wunderbar gelungener, feinsinniger Dialog von euch beiden. Ich habe beide Texte verschlungen.
    Liebste Grüße an euch zwei,
    Eva

  • 4 Jahren ago

    Gerne gelesen. Als ehemals Magersüchtige (Anfang 20) und heute dreifache Mutter kann ich dir sagen, dass was du über Eltern schreibst, wie sie eine solche Esstörung eventuell verhindern können, goldrichtig ist. Ich würde noch hinzufügen, dass es hilfreich ist, die Grenzen der Kinder zu respektieren (das steckt natürlich irgendwo in deinen Punkten drin, die du aufführst). Damit meine ich, ihnen den Raum zu geben, sie selbst zu sein. Ohne Übergriffigkeiten psychischer Art. Klingt jetzt vielleicht etwas herb, aber das war für mich immer ein Thema. Grenzen, Grenzen, Grenzen.

    Viele Grüße!

    • 4 Jahren ago

      ich schließe mich dem als ebenfalls ehem. betroffene ganz und gar an. so richtig und klug, aus meiner perspektive; und füge hinzu: ein gutes körpergefühl entwickeln helfen, von den ich meine, dass es schon im kuscheln allein wächst. v.a. überhaupt das gut-zu-sich-sein wichtig finden und vorleben.
      danke für das gescheite gespräch.

    • 4 Jahren ago

      Ich danke Euch. Ehrlich gesagt habe ich total Angst als Mutter zu versagen, wenn es denn dann mal irgendwann so weit sein sollte. Aber zumindest auf theoretischer Ebene funktioniert es dann wohl schon mal ;)!

  • 4 Jahren ago

    Danke für die schöne Idee, liebe Indre, und vor allem für deine klugen Fragen und Antworten <3

  • 4 Jahren ago

    Ich bin schwer beeindruckt von Euch beiden hoch reflektierten, fühlenden Frauen. Danke dafür, dass ihr Eure Gedanken mit uns teilt.

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