Ein Blick hinter ‚Das Nuf‘

Sie hat zweieinhalb Kinder, eine Wahlheimat in Berlin, viel Fantasie und genauso viel Lust zu erzählen. Einige wissen vielleicht jetzt schon, wer gemeint ist. Falls nicht: Sie hat Psychologie studiert und arbeitet – folgerichtig – als IT-Projektleiterin. Sie bezeichnet sich als Freizeitbloggerin und hat aus dieser Freizeitbeschäftigung heraus bereits ein Buch geschrieben (das zweite ist in Arbeit). Sehr gerne Mama, du Arschbombe erscheint im August diesen Jahres und verrät – auf die für sie so typische ’süffisant-spitze, brüllend-komische und warmherzige Weise‘ (Astrid Herbold) – wie man das bisweilen an Wahnsinn grenzende Leben mit Kindern mit heiterer Gelassenheit und viel Humor nimmt. Jetzt weiß es wahrscheinlich wirklich jede/r, von wem die Rede ist. Richtig, von Patricia Cammarata alias das Nuf
Im unserem heutigen Montagsinterview geht es u.a. um die Frage, was man in Schule und Studium eigentlich wirklich fürs (berufliche) Leben lernt und ob Mutter- resp. Elternsein am Ende nicht das einzig wirkungsvolle Training für die Arbeitswelt von heute ist. Außerdem sprechen wir über gute Orte im Leben 1.0 und 2.0, deren Vereinbarkeit und die Frage, wie man im eigenen Leben Platz für sich selbst schafft. 
Vielen Dank Patricia für kurzweilige Gespräch, mit dem ich allen einen guten Start in die letzte Februarwoche wünsche. (Jetzt ist 2015 schon fast zwei Monate alt. Wow!)

Alle Bilder (c) Patricia Cammarata
Wer und was und wie ist Patricia Cammarata alias das Nuf?
Seit über 10 Jahren bin ich klassische Freizeit-Bloggerin. Ich blogge wenn mir irgendwas in den Sinn kommt, das ich gerne in eine Geschichte gießen möchte. Hauptberuflich bin ich IT-Projektleiterin und habe 2,5 Kinder. Das steht jedenfalls auf der Lohnsteuerkarte. Ein halbes Kind kann man übrigens haben, wenn der Mann es mit in die Ehe bringt. Jesper Juul nennt das Bonus-Kind. Find ich gut. Schließlich klingt Bonusmutter auch schöner als Stiefmutter. Wobei das Kind mich schon immer so vorgestellt hat: „Das ist meine Stiefmutter. Die ist ganz nett und nicht so wie die Stiefmütter in den Märchen.“
Apropos Märchen – ich hab einen ausgeprägten Erzähldrang und auch ziemlich viel Fantasie. So sind bis jetzt über 2.000 Geschichten zusammengekommen. Ungefähr sechzig davon erscheinen diesen Sommer als Buch. Ich glaube, ich darf deswegen jetzt auch sagen, dass ich Autorin bin.

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Wie kommen deine Studienfächer Psychologie und Philosophie bei deiner Arbeit als IT-Projektleiterin zum Einsatz?
Ich habe das Gefühl, dass mir außer Lesen und Schreiben so gut wie nichts, was ich in Schule und Studium gelernt habe, bislang im Beruf hilfreich war. Vielleicht hat das Studium noch eine bestimmte Art beigesteuert wie man Probleme löst. Der Rest war reines Interesse, eine Prise Technikaffinität und Learning by Doing.
Ich habe Psychologie wirklich nur studiert, weil mir nichts Besseres eingefallen ist. Mir war schon immer klar, dass ich nicht therapeutisch arbeiten will. Also hab ich mich eher auf den Bereich kognitive Psychologie und Organisationspsychologie konzentriert. Aber ob das irgendwie geholfen hat?
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Und wie kommen deine Erfahrungen als IT-Projektleiterin bei deiner Arbeit als Mutter zum Einsatz?
Ehrlich gesagt, ist es eher umgekehrt. Als Mutter habe ich gelernt Dinge ordentlich zu organisieren und zwar ohne Softwareunterstützung. Für jedes Kind gibt es eine Reihe von Aufgaben, die abgearbeitet werden müssen. Oft gibt es Abhängigkeiten untereinander und die Deadlines sind nicht verhandelbar.
Seit ich auf Elternabende gehe, habe ich gelernt (abstruse) Kompromisse einzugehen, um einen Konsens zu erreichen. Da geht es noch mehr als im Jobleben um Befindlichkeiten. Ich habe gelernt alle Argumente und Anforderungen, die zur Lösung eines Problems berücksichtigt werden müssen, zusammenzutragen, zu dokumentieren und nachzuhalten. Das hat sich alles sehr positiv auf meinen Job ausgewirkt.
Außerdem sind meine Multitaskingfähigkeiten enorm gestiegen und ich bin Expertin darin, Dinge konzentriert unter schwersten Bedingungen (Räääbäääähhhhh und Bibi & Tina im Hintergrund z.B.) abzuarbeiten.
Wie verhalten sich deiner Erfahrung nach Humor und Frauen bzw. Humor und Mütter zueinander?
Meiner Erfahrung nach hängt das sehr am Individuum und weniger am Geschlecht oder an der Rolle. Es gibt humorvolle Mütter und humorlose. Das selbe gilt für Väter und auch für Kinderlose.
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Du hast mindestens 2,5 Kinder, 1 Job und 1 aktives Netzleben. Wie lässt sich das vereinbaren, ohne dass du, die Kinder, der Mann und/oder Job dabei zu kurz kommen?
Priorität haben immer Kinder und Job. Da ich nicht vom Bloggen leben muss, kann ich das bei Bedarf auf Null reduzieren – was ich phasenweise auch schon getan habe. Oft sage ich auch schweren Herzens tolle Aufgaben und Veranstaltungen ab.
Tatsächlich ist es aber so, dass ich vorletztes und letztes Jahr lernen musste, das meine Energie begrenzt ist. Mein Körper hat sich immer wieder heftig zu Wort gemeldet (einmal mit einer Gesichtslähmung und dann mit einer Herzmuskelentzündung). Seitdem trete ich kürzer und nehme mir auch wieder Zeit für mich.
Die kurze Antwort lautet also: Irgendwas oder schlimmstenfalls irgendwer kommt immer zu kurz. Ich glaube, das muss man akzeptieren lernen. Auch wenn man keine Bloggerin ist.
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Was ist der drittschönste Ort für dich nach Berlin und dem Internet? Und warum? 
Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich liebe das Meer. Mindestens einmal im Jahr möchte ich ans Meer. Egal wohin. Das aufs Meer starren gibt mir irgendwie eine Art innere Ruhe und Zufriedenheit.
Was sind deine liebsten Orte in Berlin und im Internet?
Das kommt sehr auf die Jahreszeit an. In Berlin gibt es im Sommer tolle Planschen. Wenn es warm ist, hole ich die Kinder nach meiner Arbeit ab und wir fahren an eine Plansche. Da kann ich entspannt rumsitzen – jetzt da die Kinder etwas größer sind sogar lesen und wenn es mir zu heiß wird, selbst mal zur Erfrischung durchs Wasser laufen. Irgendwann kommt der Eismann und wenn wir dann abends auf dem Fahrrad nach Hause fahren, fühlen wir uns ziemlich glücklich.
Ich liebe außerdem das Tempelhofer Feld. Das ist fast so schön wie das Meer – nur aus Wiese und Beton.
Im Internet fühle ich mich auf Twitter am wohlsten. Da habe ich meine liebenswerte Filterbubble, die mir andere schöne Orte zeigt. Das sind oft ähnliche, wie z.B. das Blog von Christian, das Blog von Journelle, aber auch das Blog von Beetlebum – aber genauso oft tagesaktuelle Links, die in meine Timeline gespült werden.
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2015 – deine Prognose für das ‚Jahr der Ziege‘? 
Wenn es weiter geht wie bislang, dann wird es super. Ich habe mein erstes Buch fertig geschrieben (sorry, aber das begeistert mich doch etwas), ich fange mein zweites Buch an, ich plane einen Podcast und evtl. gibt es sogar noch ein weiteres, tolles Projekt, das aber noch nicht spruchreif ist.
Mit meiner Arbeit bin ich ohnehin zufrieden. Denn mein Arbeitgeber ist in punkto Familienfreundlichkeit (eigentlich Menschenfreundlichkeit) wirklich nicht zu toppen.
Den Kindern geht’s gut und für mich gibt es auch wieder Platz in meinem Leben.

9 Comments

  • 3 Jahren ago

    wow…..what a great phenomenal interview: thank you for this information ……so I'm glad that I can buy their books soon ……

  • 4 Jahren ago

    Wunderbar! Ich liebe das Nuf!! Wie viele Abende habe ich schon heulend vor Lachen auf ihrem Blog verbracht …

  • 4 Jahren ago

    Ohhhh…so schön. : ) lg alu

  • Anonym
    4 Jahren ago

    Sehr liebenswert und lebensnah! Jetzt komme ich fast in Versuchung, mich auch bei Twitter anzumelden, wovon ich mich bislang erfolgreich ferngehalten habe…
    M.

  • 4 Jahren ago

    Wenn ich das Nuf nicht eh schon ganz großartig finden würde, dann spätestens jetzt. Ein tolles Interview. Und diese Bilder!!! Danke!

  • 4 Jahren ago

    🙂 Patricia, ganz große Klasse. Und ihren Humor mag ich sehr.

  • 4 Jahren ago

    Oh, was für ein phänomenales Interview, vielen Dank an Euch!
    Und wer Patricia nicht auf Twitter folgt, hat WIRKLICH was verpasst. Das Nuf ist definitiv ein absolutes Highlight in meiner Timeline!

    Ganz liebe Grüße,
    Renaade

  • 4 Jahren ago

    Liebe Mareice, vielen Dank! Lob aus deinem Munde bedeutet mir viel!

  • 4 Jahren ago

    Vielen Dank für diesen tollen Blick hinter die Nuf-Kulissen. Ich bin eh großer Fan. Jetzt noch mehr. Ich will immer so viele Sätze von Patricia Gold einrahmen, deshalb bin ich froh, dass ich bald ihre Bücher kaufen kann. Vielleicht spraye ich sie dann Gold ein, also von außen. Danke, Indre. Danke, Patricia!

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