E i N BL i C K H i N T E R MA T & M i

Ganz gleich ob Ackertinisches, Alltägliches oder Argentinisches, ob Balkonisches, Bereistes oder EmpfohlenesMitgebrachtes, Rezeptiges, Saisonales, Sonntagssüßes oder Verlostes – alles, was Julie von mat & mi in ihren Fingern hält, wird zu ‚Gold‘. Umso mehr freue ich mich, dass sie – die nicht nur über ausgezeichnete Tischmanieren, sondern auch über einen erlesenen Geschmack verfügt – sich von mir hat hinter ihr Blog blicken lassen. Eine gute Alternative zum F F F, meine ich und hoffe, ihr stimmt mir zu.

Übrigens: Antworten gebe ich heute auch – zwar nicht auf freitägliche Foto-Fragen, aber im W i N T ER – Gespräch mit & bei Julie.

Ich wünsche euch viel Vergnügen beim Lesen, Schauen und Genießen von Julies Worten und Bildern, und sage D A N K E für das schöne virtuelle Gespräch.
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Today I talk to Julie from mat & mi. Her blog is much more than a foodblog but a select eye candy on the highest aethetical stage. Please have a look at it. It´s absolutely worth a visit!

Wer ist Julie – abgesehen von der, die Kulinarisches, Fotografiertes, Getüfteltes und ihren Gemüse-Acker ‚Ackertinien‘ mag, gerne auf Flohmärkte geht, Geschmackskombinationen auf Strukturen verehrt und sich in Zutaten, gedeckte Tafeln und Orte mit Herz verliebt?
Eigentlich bin ich eine Suchende nach einer genauen Definition oder Rolle. Dabei bin ich meist fröhlich, manchmal auch ehrfürchtig, oft zutiefst beeindruckt und gerne auch mal schüchtern, dann wieder neugierig, aber immer vertieft und hoch konzentriert.
Wie und wo bist du groß geworden? Und welche Rolle spielte das Kulinarische und Schöne in deiner Kindheit?
Ich habe flämische Wurzeln. Als ich ein paar Wochen auf der Welt war, zogen wir nach Deutschland. In Göttingen verbrachte ich eine herrliche und sehr behütete Kindheit, an die ich nur die besten Erinnerungen habe. Üppige Johannisbeersträucher, fröhliche Sommerfeste und lange Sommerferien an der belgischen Nordsee mit Kokos-Eis und rosa Apfelmus sind mir besonders im Gedächtnis geblieben.
Meine Eltern essen schon immer gerne und gut. Sie probieren kulinarisch viel aus, ganz gleich ob zu Hause oder auswärts, und nahmen uns Kinder ganz selbstverständlich mit. Ich war als kleines Mädchen kein einfacher Esser, das legte sich aber irgendwann von ganz alleine. Auch im Verwandten- und Bekanntenkreis spielte Essen immer eine wichtige Rolle. Und so etablierte sich der Reis mit Brotkruste einer armenischen Freundin genauso in unserem Speiseplan wie Vol-au-vent aus dem belgischen Kochbuch oder zartes Gurkengeschnetzeltes aus irgendeiner Zeitschrift. Nur das „typisch“ deutsche deftige Essen gab es eher bei anderen. Somit war das warme Mittagessen bei Schulfreunden immer eine spannende Abwechslung.

Ich bin sehr dankbar, dass ich von zu Hause neben Tischmanieren auch den Sinn für Kultur und schöne Worte, den Respekt vor Kunst und Gegenständen mit Geschichten sowie das Interesse an anderen Lebensweisen und Orten mit auf den Weg bekam. Eine unbezahlbare immaterielle Aussteuer. Das ist nicht selbstverständlich.

Was tust du, wenn du nichts Kulinarisches kreierst, fotografierst oder auf Ackertinien bist?

Unter der Woche verbringe ich den Tag vor allem auf der Arbeit. Ich arbeite im Bereich Onlinemarketing für eine Hochschule. Seit einem halben Jahr habe ich eine 4-Tage Woche. Eine Entscheidung, die ich keine Sekunde bereut habe, da sich dadurch der Schwerpunkt in der Woche etwas verlagert und mir dadurch eine Tag geschenkt wird, an dem ich nach Lust und Laune anderen Projekten, Ideen und Aktivitäten nachgehen kann.

Ich kann mich schnell für ein neues Thema begeistern, mich reinhängen, alles förmlich aufsaugen, was damit zu tun hat. Ich möchte immer wieder dazu lernen. Im vergangenen Jahr waren deshalb die meisten meiner Wochenenden mit den verschiedensten Dingen verplant. Das war schön, aber auch schön anstrengend. Ich lerne gerade wieder das süße Nichtstun. Das tut gut.
Wo ist die Schnittstelle zwischen deiner kulinarischen Leidenschaft und Onlinemarketing?
Gerade die Onlinewelt ist sehr schnelllebig. Man muss sich selbst immer auf dem Laufenden halten, neugierig sein und dabei über den Tellerrand schauen.

Genau diese Neugierde habe ich auch beim Kulinarischen. Das genieße ich. Ich entdecke immer wieder Neues und werde es wohl mein Leben lang tun. In diesem Thema steckt mein Herzblut, es ist mein kreativer und emotionaler Ausgleich zum Job. Beim Bloggen profitiere ich von meinem beruflichen Wissen und andersherum. Gleichzeitig möchte ich meinen Blog nicht bis ins letzte Detail optimieren und vermarkten. So bleibt er persönlicher und eher eine Art Visitenkarte und Portfolio.

Warum und an welchem Tag kam es zu mat & mi?

Der Start von mat & mi war ein typischer Neujahrsvorsatz: Ich begann am 1. Januar 2010 zu bloggen. Damals verfolgte ich einige amerikanische DIY-Blogs, wodurch meine Neugierde geweckt war und ich das Thema Bloggen selber von der technischen, gestalterischen und redaktionellen Seite kennenlernen wollte. Los ging es mit einem Tumblr, der aber kurze Zeit später auf die Blogspot-Plattform umgezogen ist.
Wofür steht bzw. wer sind mat & mi?
Ich schreibe gerne. Aber Überschriften und Namen fallen mir manchmal schwer. Nun brauchte ich aber einen Namen, und da es 2010 bei mir noch gar nicht überwiegend um kulinarische Themen ging, kam nichts in der Richtung in Frage. Ich kam dann auf mat & mi (sprich „mat und mi“). Sowohl „mat“ als auch „mi“ stehen für Namen, die mir am Herzen liegen. Mittlerweile weiß ich, dass mat auf Schwedisch „Essen“ und auf Koreanisch „Geschmack“ heißt. Passt also.

Auch wenn ich zwischenzeitlich darüber nachdachte, den Namen zu ändern, bin ich froh ihn gewählt und behalten zu haben. mat & mi ist ein Ort für Genuss, schöne und leckere Dinge sowie tolle Orte und Menschen. Durch meinen Blog lerne ich viele spannende und liebenswerte Menschen kennen, das freut mich sehr. Damit hätte ich zu Beginn von mat & mi nicht gerechnet.

Was passiert mit all den Köstlichkeiten, die du kochst und backst? Gibt es jedes Mal ein großes Essen mit Freunden?
Vor allem von den süßen Sachen ist oft etwas übrig. Darüber freuen sich Kollegen, Freunde, die Nachbarin, die Verwandtschaft oder das Tiefkühlfach. Als das Sonntagssüß noch aktiv jeden Sonntag ausgerufen wurde, habe ich kleine Backformen und Mini-Gebäck sehr zu schätzen gelernt, damit nichts übrig bleibt.

Die meisten Freunde leben leider recht verstreut, wenn wir uns an den Tisch versammeln, wird gerne ausgiebig gekocht und getafelt. Gemeinsamer Genuss ist für mich ein Sinnbild der Gemütlichkeit, dabei entstehen oft die schönsten Erinnerungen.
Was sind deine Inspirationsquellen und wer sind deine Vorbilder?
Manchmal kann mich ein bestimmtes Wort, eine Struktur, eine Beobachtung oder eine Farbkombination, ein Schnitt oder ein Lied so treffen, dass automatisch die Gedanken und Ideen angeregt werden. Rein kulinarische Inspiration bekomme ich aus Kochbüchern, Speisekarten, auf dem Markt oder wenn ich in der Supermarktschlange stehe und aus den Einkäufen der Person vor mir gedanklich ein Menü kreiere. Eine sehr inspirierende Übung. Das Internet und vor allem die Foodblogs sowie Pinterest sind ebenfalls ein wahrer Fundus für Ideen.

Vorbilder sind all diejenigen für mich, die respektvoll mit Essen umgehen, die passenden Geschichten dazu erzählen und es schaffen, von Herzen aus wenigen Zutaten etwas Unerwartetes und Überraschendes zu zaubern. Und all diejenigen, die liebevoll Zutaten herstellen, dabei ein Handwerk bewahren und obendrein fair zu Mensch und Tier sind.
Wo verlierst du dich gut und gerne in der weiten Welt der schönen Blogs?
Blogs lesen macht süchtig. Aber irgendwann wird auch das zum Zeitfresser. Ich sortiere regelmäßig den Blogreader aus und um und freue mich über all diejenigen, die eine spannende thematische Grundidee haben, frischen Wind und neue Ideen liefern, nicht unnötig kopieren oder sich verbiegen. Ich mag die, die lieber weniger schreiben, dafür aber durchdacht und sorgfältig und mit einer gehörigen Portion Herzblut bei der Sache sind. Es sind vor allem die Blogs mit guten Fotos und berührenden authentischen Texten, die mich immer wieder neu verzaubern.

Was ist das Feinste, das du je angerichtet hast?

Beim Backen fordert mich eher das raffinierte Patisseriestück heraus: Profiteroles, Biskuitrollen, Macarons oder Millefeuilles. Daran probiere ich mich immer wieder, bis ich zufrieden bin.

Beim Kochen bin ich gar nicht so fein und exquisit. Dafür fehlt mir die Geduld, um alles gleich groß zuzuschneiden oder filigran anzurichten. Das lasse ich mir lieber an einem schönen Ort servieren. Im Alltag sind es deshalb eher die ehrlichen einfachen Dinge, die mich auf dem Teller glücklich machen. Eine leckere Bolognese-Sauce oder eine gelungene Quiche. Einmal verlangte ein Rezept nach Rosenkohl, von dem die einzelnen Blättchen gezupft und gedünstet werden sollten. Das war viel Arbeit, schmeckte aber tatsächlich fein.

Wie und wo lebst du? Und wohin würdest du mich führen, wenn ich für einen Abend auf Durchreise wäre?
Ich lebe in Wiesbaden, mit dem Mann, mit dem ich hoffentlich für immer zusammenlebe. Hier gibt es viele alte Häuser und demnach viele tolle Altbauwohnungen. Wir haben eine davon, ein Zufall brachte sie uns und wir sagten sofort zu. Wir haben Platz und jeder Raum hat ein anderes Muster am Boden und ein anderes an der Decke. Zum Teil gibt es noch die alten Drehlichtschalter. Unser Küche ist leider klein, ohne Platz zum Sitzen, dafür hat sie einen großen alten Einbauschrank, der die ganze Wandbreite füllt und viel Platz für Back- und Kochutensilien bietet.

Wir mögen alte Gegenstände und Möbel. Farbtupfen blitzen immer wieder auf. Jedes Zimmer hat ein Thema, das passierte eher unterbewusst. Im Schlafzimmer dominieren die Berge, ein Ort, der uns verbindet. Damit wir immer mit dem nötigen Weitblick aufwachen, haben wir uns Berge mit Schnüren an die Wände gespannt.

In der ganzen Wohnung findet man bei genauem Hinsehen kleine Figuren, sie sind auf Reisen. Wir haben ein Faible für altes Spielzeug, mögen besonders altes Fisher Price.

Immer wieder kommt etwas hinzu oder altes findet einen neuen Platz. Die besten Ideen für die Wohnung kamen uns immer dann, wenn wir unterwegs waren. Gestapelte Eierkartons entdeckten wir z.B. in einem Café in Argentinien. Die Idee nahmen wir mit und nun sind sie sowohl Hocker als auch Beistelltisch, Laptopunterlage oder Fotoassistent.

Wärst du einen Abend auf Durchreise, würde ich dich zu einem kleinen Essen zu uns einladen. Falls es ein herrlicher Sommertag ist, würden wir umdisponieren und auswärts in meinem liebsten Biergarten selbstgeschnitzte Fritten essen gehen. Dann könnten wir in die Stadt schlendern, in der kleinen Patisserie kurz vor Ladenschluss noch ein paar Petit Fours zum Nachtisch auf die Hand kaufen und dann je nach Lust und Laune in das schöne Programmkino gehen oder schauen, ob uns ein Konzert oder Theaterstück anlockt. Dann noch einen Absacker bei den französischen Schwestern und der Abend kann ausklingen.

17 Comments

  • 7 Jahren ago

    oh indre
    erst anna und jetzt julie – zwei meiner liebsten
    und auch ulma – die ich bisher nicht kannte
    ein stern nach dem anderen
    danke dafür
    ___
    ti

  • 7 Jahren ago

    sehr sehr fein, danke.

  • 7 Jahren ago

    das war schön. übrigens liebe julie, ich bin auch aus göttingen 🙂

  • 7 Jahren ago

    Toll! Ein sehr schöner Einblick in die Welt von Julie. Besonders angetan bin ich von der Beschreibung ihrer 4 Wände und habe sogar ein kleines Holzspielzeug, das ich auch besitze, entdeckt. Schön!

    Viele Grüße
    Mareike

  • 7 Jahren ago

    GENIAL ♥♥♥♥
    LG Petra

  • 7 Jahren ago

    dein mat & mi, liebe julie
    – eine pure kostbarkeit .

  • 7 Jahren ago

    T R A U M H A F T !

  • 7 Jahren ago

    VIEL BESSER!
    Auch ich habe mich ein wenig über die Modefrage bei FFF erregt.
    Und dein tolles Freitagsgespräch macht einen doch wirklich gut gelaunt. Julie ist toll!
    Liebste Grüße,
    Marleen

  • 7 Jahren ago

    sehr sehr schön, julie.

  • 7 Jahren ago

    Ich habe selten eine Wohnung erlebt und bestaunen dürfen, die den Charakter und die Interessen ihrer Bewohner so authentisch und warm wiedergibt. Es ist ganz, ganz herrlich dort, ebenso herrlich wie es die Bewohner sind. Danke für das Interview!

  • 7 Jahren ago

    Indre, das ist ganz wundervoll geworden. ich freu mich so. auch über das gespräch mit dir! passenderweise ist hier wieder alles weiß. herzengsgruß!

  • 7 Jahren ago

    Es ist einfach immer wieder schön, mehr von den Leuten hinter den Blogs zu erfahren… danke für das nette Gespräch mit der lieben Julie!

    Liebe Grüße…. Birte

  • 7 Jahren ago

    ach julie,
    so ist sie – ganz wunderbar.
    wieder mal ein ganz herrlicher blick hinter einen zauberhaften blog.

    danke, indre!

  • Einfach nur toll! Danke Euch beiden für diesen schönen Start in den Tag.

  • 7 Jahren ago

    Ja, wundervoll und sehr interessant! danke!

  • 7 Jahren ago

    Ich mag deine Interviews und freue mich jedes Mal drauf.
    Danke für die Einblicke.

  • 7 Jahren ago

    Wundervoller Einblick bei Julie. Vielen Dank Indre.
    Ich wünsche Dir ein sonniges schönes Wochenende
    Katja

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