DIY: Gegenökonomie oder Natursehnsucht?

Nach der BLOGST Konferenz, die weiterwirkt in mir, widme ich mich heute wieder einmal meinen Leib- und Magenthemen DIY. Es ist Teil meiner Auseinandersetzung mit der Frage nach dem „richtigen Konsum“, die mich seit Wochen umtreibt und auf die ich euch noch eine Antwort schulde… bitte habt noch ein wenig Geduld mit mir.

Nach meiner Rückkehr aus Hamburg habe ich ein wenig überrascht festgestellt, dass sich die  Süddeutsche Zeitung in ihrer Wochenendausgabe mit einer ganzen (Panorama-)Seite dem Thema DIY widmet. Claudia Fromme geht in ihrem Artikel Die neue Masche auf Spurensuche. Sie will herausfinden, was es auf sich hat mit Phänomen des Selbermachens. Ihr Weg führt vom Magazin CUT über Burda Style und Dawanda bis hin zur Landlust. Am Ende ahnt sie, dass es wohl mehr ist als ein Trend oder eine bloße Modeerscheinung, und doch bleibt sie skeptisch angesichts des herzverzierten „Kuschelkommerz“.

Der durchaus wohlwollende, aber kritische Blick der Autorin stimmt mich nachdenklich. Ist die DIY-Bewegung nur der Ausdruck einer Sehnsucht nach Natürlichkeit und Authentizität (von der ich selbst keinesfalls frei bin)? Oder ist sie eine Gegenökonomie wie Holm Friebe im Interview der selben Ausgabe Web 2.0 als Katalysator meint? Im besten Falle könnte es beides sein: Die Sehnsucht als Antrieb, um eine neue Wirtschaftsform zu etablieren. Die Frage ist, wie weit die Sehnsucht trägt. Ob sie vergeht, sobald es weniger kuschelig wird. Optimistisch machen mich die Erfolge diverser Selbermacher/innen, die mit Leidenschaft und Biss ein Gegenbusiness aufgebaut haben, wie Sophie Pester (hello handmade) und Cathi Bruns (workisnotajob) oder Tania Gehrmann (Frau Tulpe) und viele mehr.

Wie seht ihr das?

The German Newspaper Süddeutsche Zeitung has dealt with DIY this weekend. The question that arises is: What is DIY? Nostalgia and the yearning for naturalness and authenticity or an alternative economy? I don´t know, but I guess it could be both: The yearning is the impulse to create a better economy.

6 Comments

  • 7 Jahren ago

    Ich kann zu diesem Thema eigentlich nur ganz persönlich, emotional etwas sagen. Bei mir war das DIY schon Kindheitslebensphilosophie, und bin einfach nur erstaunt, warum mir das nun auf Schritt und Tritt, überall und jederzeit nun begegnet. So viel Gleichgesinnte?? Wo waren die in meiner Kindheit, als es noch kein etsy oder dawanda gab?? Ich glaube schon, dass es auch eine ganz tiefe innere Sehnsucht ist, etwas mit anderen zu teilen ( selbst im Verkaufen), "schau, was ich da mache/ kann" und bekommt dann Anerkennen und Lob, Bestätigung….. Was man ja sooft in anderen Jobs nicht unmittelbar hat.
    Besonders gut gefällt mir dabei der Aspekt Wiederverwertung und Veränderung von Altem!!! Wunderbar in unserer Konsum – und Wegwerfgesellschaft. LG Sabine

  • 7 Jahren ago

    Gutes Thema!
    Ich denke darüber nach.

  • 7 Jahren ago

    danke für den lektüretipp! für mich schließen sich die beiden möglichkeiten auch nicht aus…also muss ich lesen und bin dann vielleicht schlauer, was gemeint ist. gesamtgesellschaftliche umwälzungen, glaub ich, sind allerdings erst notwendig und möglich , wenns eben NICHT mehr kuschlig ist.und in vielem angeblichem gegenbusiness sehe ich leider kein rechtes gegenbusiness (z.b. wird mir dawanda immer suspekter…)
    herzlichst birgit, die bei dem licht momentan probleme mit aktuellen bildern für dich hat;)

  • Ein sehr interessantes Thema, zu dem ich gar nichts sagen kann, weil meine Gedanken (noch) so ungeordnet sind. Ich habe den Artikel in der SZ noch nicht gelesen, werde das später aber in der Bahn nachholen, danke für den Anreiz.
    Liebe Grüße!

  • 7 Jahren ago

    Danke für die Ausführung, das habe ich verpasst! Es ist wohl beides, das denke ich auch. Habe schon oft darüber nachgedacht, auch angesichts der Flut an Selbstgenähtem und -gebasteltem auf DaWanda (und nicht nur da), wo man sich manchmal fragt, wer das alles eigentlich kauft. Es ist wieder salonfähig sich mit Handarbeit zu beschäftigen und eben auch damit Geld zu verdienen (wobei wohl DaWanda selbst am allermeisten daran verdient). Ich bin ja auch Teil dieses "Trends" und sehne mich immer mehr nach echter Handarbeit als Ausgleich zum Computer. "Kuschelkommerz" beschreibt es finde ich ganz gut und danke für die Beispiele erfolgreicher (im besten Sinne) Selbermacherinnen! Schöne Grüße, Wiebke

  • 7 Jahren ago

    Eine spannende Frage. Bei Landlust und dem ganzen shabby chic bin ich relativ schnell dabei “Nostalgie” zu rufen und die Augen zu verleiern. Vielleicht unfairerweise – ist ja bestimmt auch nicht alles Musikantenstadl. Aber diese kommerziell erzeugten, auf alt getrimmten Blechdosen und geweissten Möbel, das ist halt nicht so meins.

    Bei den handmade Leuten – sofern man sie denn alle über einen Kamm scheren kann – handelt es sich für mich schon eher um einen Gegenentwurf, und nicht nur einen Trend. Vielleicht auch aus Nostalgie heraus, aber die LEBEN ja diese Entscheidung — das ist nicht nur Dekoration: da hat man sich bewusst entschieden, auf diese Art zu leben, Geld zu verdienen. Bei den Etsy-Läden, die ich liebe, wird dieses besondere Ver/kaufserlebnis schon betont. Zyniker könnten sagen, dass ist ja auch bloss Marketing, und gehört zum Geschäft, genauso wie die albernen Kittel in der Parfümerie oder die Weihnachtsmusik im Kaufhaus. Aber das überzeugt mich nicht ganz. Die Interviews mit Etsyhändlern auf der ersten Seite zeigen ja, wie oft jemand einen “normalen” Job hinter sich gelassen und mit dem Werkeln/Sammeln und Verkaufen eine neue Zufriedenheit gefunden hat.

    Neben dem Bedürfnis, meine Etsysucht wenigstens zu reflektieren, interessiert mich das alles nicht zuletzt weil wir hier an der Uni immer das Mantra vom online-teaching zu hören bekommen. Flexible delivery als das Allheilmittel, das Ende der traditionellen Uni-Lehre usw. usf. Ich glaube, das ist alles sehr kurzlebig und am Ende wollen Leute mit anderen lernen, ihre Dozenten in Aktion sehen (und zwar nicht über Skype und video podcasts), und direkt interagieren. So wie Blogger, die letztlich auch diese Sehnsucht zu verspüren scheinen, einander persönlich zu kennen (oder die eigenen Ideen in einer Zeitschrift abgedruckt zu sehen).

Leave A Comment

12 + achtzehn =

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.