Das Ende Europas {von Hazel Rosenstrauch}

Um hinzukommen, musste ich durch mehrere Passkontrollen und Sicherheitschecks, die mich an Reisen in sozialistische Länder erinnerten. Dabei ging’s ja nur nach England, ans Ende von Europa: Cornwall liegt links unten auf der Landkarte. Land’s End heißt der südwestlichste Zipfel. Von dort schaut man, wenn man schauen könnte, diretissima nach Kanada.

Die Menschen sind hier extrem freundlich {jedenfalls»compared to Berlin«} und da wir »far from everywhere« wohnen und ohne Auto hergekommen sind, »hitchhiken« {trampen} wir. Ein paar Mal sind auch Autos stehengeblieben, ohne dass ich die Hand ausgestreckt habe: »Where do you wanna go?« {»Wohin wollen Sie?«}.

Wir wandern die Küste entlang, über Stock und Stein. Wege, die als »Foodpath« {Wanderweg} ausgeschildert sind, sind von Farnen und Brombeeren überwuchert. Gut, dass ich in einem früheren Leben eine Bergziege war.

Davor London. Auf der ewig langen U-Bahn-Fahrt von Healthow zu meiner Freundin in Finsbury Park {da, wo der Anschlag war}, stellte ich fest, dass keine Zeitungen mehr auf den Sitzen liegen gelassen werden – weil ja jetzt fast alle {!} auf ihre Mobiltelefone schauen. Großer Verlust.

Wir haben uns schnell angepasst und Fish’n Chips gegessen. Mit der Ökologie haben sie es hier nicht so. Alles in Papier- und Plastikbechern, das in den ungetrennten Müll wandert. Meine Beobachtungen zeigen, dass ich in Deutschland lebe. Es ist – auch das eine große Veränderung gegenüber dem vorigen Jahrhundert – nicht mehr schlimm, wenn man deutsch spricht. Im Gegenteil. Kürzlich hielt ein Mann mit seinem Wagen und bat uns einzusteigen; er führe uns gerne bis zum Busbahnhof, weil er seine deutschen Kenntnisse zeigen und erproben wollte {das war schon in Cornwall}.

London war laut. Hier in Cornwall herrscht eine wunderbare Stille – abgesehen davon, dass überall gemäht wird.

Liebe Grüße,

Hazel

PS: Gestern wollte ich einen Weberknecht aus dem Zimmer bugsieren – und ein Frosch hüpfte bei der offenen Tür herein {wir wohnen ebenerdig, um nicht zu sagen im Keller}. Ich habe ihn {den Frosch} nicht an die Wand geworfen; hab ihn vor die Tür gesetzt.


Bild: Land’s End © British Tourist Authority 

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