Stephan Porombka Pusteblume
Foto: Stephan Porombka [mit Dank fürs Zeigen-Dürfen – eine Goldigkeit]

Die letzte Woche stand im Zeichen des Schreibens, dieser wundersamen Tätigkeit, über die ich immer wieder staune. Was tut man eigentlich, wenn man schreibt? Dass es mehr ist als das bloße Aufzeichnen von Buchstaben und Zeichen, liegt auf der Hand. Schreibforscher/innen sprechen von einem „umfassenden kognitiven und psychomotorischen Prozess“, der sich in drei wesentliche Phasen einteilen lässt: Planen, Formulieren, Überarbeiten. Quelle 

Das trifft’s für mich nicht ganz. Weder erlebe ich das Schreiben als linearen Prozess, noch erschöpft es sich für mich in den drei Handlungen. Es ist eher eine kreisende Bewegung, wobei’s beileibe nicht immer rund läuft. Mal geht’s vor, dann wieder zurück, rauf und runter, kreuz und quer, mit vielen Unterbrechungen. Während des Formulierens entstehen neue Gedanken, die zum Umplanen und Überarbeiten und Neuformulieren verleiten – oder zum Umräumen, zum Kaffeekochen, Fensterputzen oder Spazierengehen. Auch das ist Teil des Schreibprozesses, wie Textprofessor Stephan Porombka in der „Ökologie des Kreativität“ am Beispiel Goethes demonstriert. Doch was ist Schreiben jenseits eines Prozesses?

Eine Form der Lebenskunst, sagt Porombka und hat dabei das literarische Schreiben im Blick, eine Lebenskunst, die aufwendig und fortlaufend geübt werden muss und die man durchaus auch professionalisieren kann. Quelle 

Für den Schriftsteller Bodo Kirchhoff ist Schreiben vor allem „Handwerk plus eigenem Abgrund“. Quelle 

Seine Kollegin Verena Stefan bezeichnet es als „Arbeit an der Sprache“. Quelle 

Eine Arbeit, in der man sich ganz wunderbar verlieren kann, wie die Kinderbuchautorin Cornelia Funke weiß:

„Das Schreiben löst die Illusion vom individuellen Sein auf und man wird Teil eines Ganzen. Das liebe ich am Schreiben: Cornelia ist mit einem Mal ganz viele.“ 

Cornelia Funke in: Spiegel Online

Ich bin keine Schriftstellerin. Ich habe keine Figuren, mit denen ich mich vervielfachen und auflösen könnte und dennoch schreibe ich gerne. Es erweitert, um es mit den Worten des Philosophen Ludwig Wittgenstein zu sagen, die Grenzen meiner Welt.

Schreibend erschließen sich Zusammenhänge, tun sich ungeahnte Möglichkeiten und neue Perspektiven auf, entstehen Ideen und Bilder. So wird mit jedem Satz das Denken ein wenig beweglicher und der Horizont ein Stückchen weiter. Das liebe ich am Schreiben. Was liebt ihr daran – oder auch gerade nicht?

Ein wunderbar weites Wochenende wünsche ich mit dem obligatorisch Gelistetem.

7 Comments

  • 4 Jahren ago

    Schön!! Den letzten Absatz könnte ich so übernehmen. 🙂
    Was ich noch mag: mich selbst überraschen und das Gefühl, in „etwas“ zu Hause zu sein. Was mich wirklich quält, ist die Schwierigkeit, das Schreiben in meine Tagesabläufe zu integrieren. Dafür habe ich noch keine befriedigende Lösung gefunden. Das Bloggen hat mir immerhin beigebracht, Ideen oder auch Formulierungen sofort bei Erscheinen zu notieren, sie sind einfach zu flüchtig. Ich lese unheimlich gern Bücher über das Schreiben, egal ob aus wissenschaftlicher Perspektive oder als Reflexion von AutorInnen. … Und schon muss ich wieder was notieren. Vielen Dank, liebe Indre, für die Inspiration! Ein schönes langes Wochenende wünsche ich Dir, liebe Grüße, Annett

  • 4 Jahren ago

    Das kommt natürlich in Barcelona immer drauf an, was man sucht und zu welchem Preis. Wir waren damals im Hotel Villa Emilia, das hat uns sehr gut gefallen: http://www.hotelvillaemilia.com Viel Spaß!

    • 4 Jahren ago

      Oh, das schaut gut aus. Danke!

  • 4 Jahren ago

    Huh, habt Ihr ein Schallproblem im neuen Haus?

    • 4 Jahren ago

      Naja, treffender wäre wohl Hallproblem. Es hallt in unserer Wohnung. Und ich befürchte die Vorhänge werden das Problem nicht vollständig lösen. Hast du eine Idee?

    • 4 Jahren ago

      You´ve got Mail!

    • 4 Jahren ago

      thx 🙂

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