KW 11/12 #instantfrühlingsbesoffen

Der Berliner Winter ist besonders hart; überdrüssig bin ich ihm eigentlich schon im Januar. Der Punkt, an dem ich nicht mehr kann, ist spätestens im Februar erreicht: Mit allerletzter Kraft trotze ich dem endlosen Kaltnass, dem Dauerdunkel und Ewiggrau. Im März sind sämtliche Reserven verbraucht; jetzt gehts an die Substanz. Nach Laune, Lust und Motivation kommt schließlich meine Phantasie zum Erliegen: Ich kann mir keinen Frühling mehr vorstellen. Wenn ich die Augen schließe, seh ich immer nur das eine Bild: Berlin im Winter.

Ich möchte weinen. Da blitzt er plötzlich auf im gefrierpunktnahem Nieselregen: kaum sichtbare Knospen, ein Vogelzwitschern hier und da und der Geruch von frostbefreiter Erde. Ich bin sofort voll drauf – sozusagen instantfrühlingsbesoffen. Wenn er dem Winter jetzt noch mal die Bühne überlässt, tut’s richtig weh. Kennt ihr das?


Was sonst noch so war in den letzten zwei Wochen? Unter anderem dies:

  1. GESEHEN: Bombay Beach
  2. GEHÖRT: Judith Holofernes über das Chaos
  3. GELESEN: Das Magazin
  4. GEWESEN: auf der CeBIT
  5. GESUCHT: einen Jumpsuit
  6. GEFUNDEN: eine goldene Schere
  7. GEDACHT: Wie krass – die Aktionen des russischen Künstlers Pjotr Pawlenski!
  8. GELACHT: über den Schokoladenpizza-Battle
  9. GELOBT: das komplexe Denken in »Zwischenfarben, Schatten, Nachmittagslichtern und endlosen Meeren«
  10. GEMACHT: Alltagslogistik10  2 x VollzeitDienstreisen + krankes Kind – Kinderbetreuung = Chaos
  11. GEMOCHT: die Arbeiten der in Berlin lebenden Künstlerin Karin Felbermayr
  12. GEFALLEN: dass Zohre Esmaeli das Gesicht der Kampagne »Deutschland – Land der Ideen« ist und Julia, das neue Mitglied der US-amerikanischen Sesamstraße
  13. GEFREUT: dass »Nusret und die Kuh« für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 nominiert ist
  14. GEWÜNSCHT: dass Mujo Kazmi genug Unterstützer/innen für sein Buchprojekt findet, in dem es um Flucht, Grenzen und Neuanfänge geht.
  15. GERÜHRT: von diesem Papa
  16. GEFRAGT: ob ich es hinkriege, die ARD-Doku »Brücken in die neue Heimat: Integrationslotse Mehrdad Zaeri« nicht zu verpassen.
  17. GEPLANT: den Frühling auf dem Balkon pflanzen in Form eines Frühbeets {von Hellweg}
  18. GEKAUFT: Tickets für Hauschka im Funkhaus Nalepastraße
  19. GESTAUNT: wie einfach die Lösung für große Probleme manchmal sein kann
  20. GESEUFZT: weil ich {wieder} nicht auf die Leipziger Buchmesse komme {gut gibt’s das Radio}
  21. GESPANNT: auf den Ausgang der Wahlen in Frankreich
  22. GEHOFFT: auf eine Art »Schulz-Effekt« für Macron
  23. GESCHMUNZELT: »Es ist wirklich an der Zeit nicht mehr nur wahnsinnig engagiert auf dem Sofa rumzusitzen.« Dorothea Volz {via »Die Offene Gesellschaft«}
  24. GEKLICKT: in den März vor einem Jahr

5 Comments

  • Nelja
    3 Jahren ago

    Hier blühen die Sträucher und Bäume und es duftet so gut und die Tage sind sonnig und warm – und in genau dieser Zeit weiß ich, wieso ich unbedingt hier her wollte. Dann verblasst die Sehnsucht nach Berlin etwas. Einer Stadt, in die ich nie wollte und durch Zufall kam und zehn Jahre blieb. Einer Stadt, die sich in mich gefressen hat und zu der ich großes, dreckiges Dorf sage und sie liebe. Eine Stadt, die mich antreibt und inspiriert und in die ich immer wieder muss, für einen Tag oder eine Woche. Eine Stadt, in der ich leben kann und die ich dafür hassen würde, müsste ich es. So ist es gut, wie es ist, hier zu sein und nicht dort. Aber immer wieder hin zu können. Der Flieger geht morgens um sechs und um 11 am Abend bin ich wieder zurück – wenn die Sehnsucht zu groß wird.

    Du weißt, dass ich dich oft beneide: um deinen Job, um deine Wohnung, um die schönen Dinge und klugen Menschen um dich herum. Und ich frage mich, wie du das machst. Dann lese ich deine Texte und sehe Traurigkeit und Kummer und Sorge – wie bei mir. Und Glück und Freude und Liebe – wie bei mir. Die Orte sind nicht unwichtig für unser Leben, aber sie finden uns. Sie interagieren mit uns. Und ohne den langen grauen Winter, wäre der Frühling nur halb so schön. Er kommt hier ein paar Wochen früher als bei dir, aber dafür willst du mit unseren heißen Mückensommern nicht tauschen. Man nehme, was einem der Ort bietet und mache das Beste für sich daraus.

    Und weshalb dieser lange Text? Einfach nur als Danke! Dass du uns an den vielen Facetten deines Lebens teilhaben lässt, uns inspirierst und dich uns öffnest, uns öffnest.

    Herzlichst! N.

    • M i MA
      3 Jahren ago

      Liebe N., jetzt muss ich fast ein bisschen weinen… Danke! I.

  • 3 Jahren ago

    oh wie großartig deine einleitung ist. genauso und nicht anders. ich habe immer das gefühl, dass es nicht so schlimm wäre, wenn man sich vorher nicht an diesem ganzen weihnachtsglitzerzeug so berauscht hätte. das macht den winter denke ich doch einigermaßen erträglich. danke für all das!
    liebe grüße,
    jule*

    • M i MA
      3 Jahren ago

      Liebe Jule, ohne Weihnachten wär der Winter in Berlin wirklich unerträglich fad – und vor allem lang: Nov-März… Puh! Ich glaub, wenn wir wenigstens richtig Schnee hätten, wär’s auch noch okay. Aber dieser Dauergefrierpunktenahegrauiningraunieselregen, der macht mich echt fertig. Umso schöner der Frühling! Gestern zum Beispiel: blauer Himmel, 14°C und alle sitzen draußen und lachen. 😀

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