Ein Blick hinter Margarete Margarete

Über Margarete Margarete, dem „kleinen Raum“ der Lifestyle-Bloggerin und digitalen Vagabundin mit der großen Leidenschaft für Berlin stolperte ich über das neue Café einer sehr alten Bekannten.

Margerete Stein hatte sie interviewt. So wie sie viele Menschen, die in und aus dieser Stadt etwas machen, befragt und vorstellt. Nachdem Margerete Margerete ihr dafür zu klein wurde, hat die studierte  Informatikerin und Jobausbrecherin kürzlich eine neue, größere Plattform ins Leben gerufen: Kiezpopcorn. „Es ist Margerete Margerete in groß“, sagt sie.

Was sich genau dahinter verbirgt, wie der Alltag einer digitalen Nomadin in Berlin aussieht, was diese Stadt der 38jährigen bedeutet und was danach kommt – das und mehr erfahrt ihr im heutigen Montagsinterview.

Vielen Dank, liebe Margerete, für das spannende Gespräch, mit dem ich allen einen inspirierten Start in die neue Woche wünsche.

Wer bist du? Was hast du studiert/gelernt? Wo und wie lebst du?

Sich selbst zu beschreiben ist immer gar nicht so einfach. 

Margarete ist nicht mein persönlicher Name sondern ein Avatar, den ich mich für mein digitales Bloggerleben erschaffen habe. Die Verwendung eines Pseudonyms als Autorin und als Blogname dient meinem Bedürfnis eine Grenze zu meinem privaten Leben zu ziehen und damit Schutz zu haben, jedoch durch einen realen Namen authentisch und persönlich zu bleiben.

Zu meinen 38 Lebensjahren gehört ein 5jähriges Informatikstudium (ich hatte das Glück ein Diplom machen zu können) und 11 Jahre Berufserfahrung als Projektmanagerin von IT- Projekten in diversen Bereichen des öffentlichen Dienstes.

Seit 8 Jahren lebe ich hier in Berlin und liebe diese Stadt jeden Tag mehr. Nach und nach verändere ich gerade die verschiedenen Bereiche meines Lebens und steige aus einem konventionellen Leben aus. Wenn ich die örtliche wie auch finanzielle Unabhängigkeit von einem festen Job komplett vollzogen habe, kommt eine Veränderung meiner Wohnsituation. Ich möchte noch ein wenig von der Welt sehen.

Du bist aus deinem „ermüdenden 9-to-5-Bürojob ausgestiegen“. Was hat dich (neben der Ermüdung) zu diesem, ja durchaus großen Schritt bewegt und was ist jetzt anders resp. besser?

Im Prinzip wusste ich von Anfang an, dass das starre Gerüst eines 9to5 Job im öffentlichen Dienst nicht zu mir passt. Diese Starrheit durchdringt mit aller Konsequenz jede Ebene eines Arbeitslebens –zwischenmenschlich, organisatorisch und persönlich und verhindert Kreativität, Menschlichkeit und Fortschritt. Es nimmt Dir den Platz zum Atmen, missachtet Dich und Deine Fähigkeiten und ruiniert jegliche Ansätze sinnvoller Arbeit.

Es gab damals aber erstmal keine Alternative als eine sichere Festanstellung für mich. Ich zog das Bequeme und Sichere vor.

Das, was mir am meisten zu schaffen machte, war das Zwischenmenschliche, das Miteinander, das kein Miteinander sondern ein Gegeneinander war.

Ich kenne Mobbing und Diskriminierung und kann nicht nachvollziehen, warum Menschen so miteinander umgehen und dieses Klima aufrecht erhalten wird. Das ist das, was ich verlassen habe und nicht mehr in meinem Leben haben möchte. Das, wonach ich mich so sehr sehnte, war Freiheit, Selbstbestimmung und die Möglichkeit, eigene Projekte nach meinen Ideen umzusetzen. Und das habe ich bekommen.
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Was bedeutet dir das Bloggen?

Alles. Es ist der Anfang von allem. Ich schreibe grundsätzlich sehr gern und auch gern darüber, was ich erlebe und was dabei in mir vorgeht. Ich reflektiere immer alle Eindrücke sehr intensiv und oft entwickeln sich im Laufe dieser Reflexion Erkenntnisse, die ich niederschreibe.

Und manchmal lasse ich andere an diesen Erkenntnissen auf meinem Blog teilhaben, da ich darüber mit anderen eine Verbundenheit herstellen kann. Denn ich bin sicher nicht die Einzige, die ihr Leben komplett umstellt und dabei sämtlichen Elementen der Veränderung ausgesetzt ist.

Seit ich angefangen habe zu schreiben, wurde aus einer vormals diffusen und abstrakten Idee über Freiheit eine konkrete Vorstellung darüber, wie ich leben möchte. Ich war ja in gewisser Weise gezwungen alles in verständlichen Worten zu erfassen und festzuhalten. Dadurch wurde es konkret. Dann entwickelte sich eine gewisse Eigendynamik.

Du selbst bezeichnest dich als „digitale Nomadin“. Wie sieht dein digitales Nomadentum aus?<

Ich arbeite derzeit daran, meine Tätigkeit örtlich und zeitlich unabhängig zu gestalten, um mich nicht mehr in das Korsett eines fremdbestimmten und festgelegten Tagesrhythmus zu quetschen und an einen Ort gebunden zu sein.

Mich durchströmt ein unglaubliches Glücksgefühl, wenn ich morgens mit meiner Thermoskanne Kaffee allein zwischen den Gärten auf dem Tempelhofer Feld sitze und an meinem Projekt Kiezpopcorn und an Margarete Margarete arbeite. 

Ich kann jeden Ort und jede Zeit zum Arbeiten wählen, den ich möchte und das gibt mir innere Ruhe, Glück und Gelassenheit. Eine freie Wahl und meine Selbstbestimmung machen einen riesigen Anteil an meinem Glück und meiner Freiheit aus. Ohne dem kann ich mir ein Leben gar nicht mehr vorstellen. Wenn ich den Umstieg geschafft habe, erschaffe ich mir ein mobiles Büro in einem Bus und entdecke die Welt.

Nach welchem Leben suchst du in der großen Stadt? Und welches Leben lebst du in der großen Stadt?

Nach dem Leben selbst. Die große Stadt ist voller Leben, Veränderungen und Begegnungen. Und das interessiert mich wahnsinnig. Ich muss immer alles wissen und bin deshalb immer unterwegs. Mit meinem Laptop und mobilen WLAN-Router in der Tasche.

Warum Berlin?

Berlin ist ein Kosmos voller Kreativität und Schaffenskraft. Hier pulsiert das Leben und hier ist so viel. Jede Ecke ist anders. Jeder Kiez ist anders. Deshalb ist aus meinem Blog „Margarete Margarete“ auch mein Projekt Kiezpopcorn entstanden: Für Berlin ist mein Blog in seinem Format zu klein. Über Berlin muss man multimedial schreiben und seine kreativen Erschaffer in sämtlichen medialen Formaten festhalten.

Platz dafür ist nur auf einer offeneren Plattform, auf der ich meine Begegnungen mit den Menschen und ihren Projekten, ihren Startups, ihrer Kunst und ihren Produkten in Podcast, Videos, Bildern und Texten zeigen kann. Kiezpopcorn ist Margarete Margarete in groß.

Was sind deine liebsten Orte in Berlin?

Das Tempelhofer Feld und derzeit The Bowl. Das Essen und die Atmosphäre sind der Hammer. Ich will mich aber damit nicht festlegen. Nächste Woche kann schon wieder alles anders sein.

Was kommt nach Berlin?

Die Welt. Und zwischendurch Berlin. Berlin wird immer meine Homebase sein.

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