Ein Blick hinter bermuda

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Wie schon am vergangenen Montag werfe ich auch heute einen Blick hinter ein Blog bzw. die Webseite einer Designerin, die sich erfolgreich selbstständig gemacht hat: bermuda

Hinter dem nach der britischen Inselgruppe benannten Label für ‚einzigartige Heimaccessoires aus Berlin‘ steht Meike Legler. Die gebürtige Unterfränkin lebt mit ihrem Mann, dem Künstler Kotti Paloma, in einer 2-Zimmer-Wohnung in Berlin-Neukölln und entwirft – seit sie ihren Job als Stylistin gekündigt hat – Kissen, Bettwäsche und andere textile Produkte für Zuhause.

In unserem Montagsinterview erzählt sie, wie es zur Gründung von bermuda kam, wo sie ihre Tage als Designerin und Liebhaberin guten Essens so verbringt oder über ihr nicht ganz ungestörtes Verhältnis zu Berlin.

Ich sage ‚Danke‘, liebe Meike, für das spannende Gespräch und wünsche euch mit bermuda einen guten Start in die neue Woche!

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Liebe Meike, erzähle uns doch bitte ein wenig von dir. Wer bist du? Woher kommst du?

Ursprünglich komme ich aus einer sehr kleinen Stadt in Unterfranken. Alzenau heißt sie und ist in der Nähe von Aschaffenburg und Frankfurt/a.M. Nach dem Abi bin ich erstmal nach Erlangen gezogen und habe dort 4 Semester Politikwissenschaft studiert. Während meines darauf folgenden ERASMUS-Jahres in Schweden hab‘ ich gemerkt, das ist es einfach nicht, ich wollte kreativ und praktisch arbeiten statt immer nur zu lesen und zu exzerpieren.

Nach langem Überlegen fiel meine Entscheidung auf Modedesign und so bin ich 2005 für mein neues Studium nach Berlin gezogen und bin nun immer noch hier;)

2014 hast du dein Interior-Label Bermuda ins Leben gerufen, unter dem du schöne Kissen kreierst und vertreibst. Wie kam es dazu? 

Nachdem ich letztes Jahr im Sommer meinen Job gekündigt habe, hatte ich wieder viel mehr Zeit kreativ zu arbeiten und hatte nach einer knapp 2 -jährigen Pause vom Design auch wieder richtig Lust darauf. Kurzzeitig haben mich auch andere Berufsfelder wie Ernährungsberatung oder Entspannungstraining interessiert, aber ich froh bin gemerkt zu haben, dass Design genau das ist, was ich machen will.

Auf die Idee mit den Kissenbezügen bin ich gekommen, als ich noch ein Geschenk für eine Freundin gebraucht habe und mir einfiel, dass ich ja noch ganz schön viele Stoffreste habe. Die waren allerdings zu klein um daraus Schnittteile für einen Rock oder eine Bluse zu schneiden.

Ich dachte mir, dass Patchwork eigentlich immer ziemlich schrecklich aussieht und habe das als Herausforderung gesehen, mal was Schönes im Patchworkdesign zu machen. So habe ich meinen ersten Kissenbezug genäht, damals noch in der Größe 40×40. Und dann ging es irgendwie immer weiter. Ich hatte so viele Designs im Kopf, die ich umsetzen wollte, dass ich einfach nicht aufgehört habe.

Nachdem ich dann auch endlich den richtigen Stoff gefunden hatte, habe ich die Größe auf 50×50 geändert weil die Farben und Designs eine größere Fläche brauchten. Und schließlich hatte ich einen ganzen Haufen Kissenbezüge, die die Kapazität unseres Sofas bei Weitem überstiegen haben. So habe ich beschlossen, mein eigenes Label zu gründen und „bermuda“ war geboren! Weiter ging es mit dem Aufbau der Webseite, des Onlineshops, Präsenzen auf anderen Onlinemärkten, PR, Fotoshootings und tausend anderen Sachen. Erstaunlich, wie Kissenbezüge einen auf Trab halten können! Aber ich bin jeden Tag sehr glücklich, „bermuda“ voranzubringen und habe nie das Gefühl, Opfer bringen zu müssen. So muss sich Arbeit anfühlen;)!

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Warum gerade Kissen? Sind weitere textile Wohnaccessoires in Planung?

Das Tolle an Kissenbezügen ist, dass sie einen großen Einfluss auf die Wirkung der Möbel und den ganzen Raum haben und dass man sie so leicht austauschen kann. Es ist wie beim Styling im Modebereich, ein kleines Accessoire kann den ganzen Look komplett verändern oder vervollständigen.

Das fasziniert mich und da es noch so viele andere Produkte im Heimtextilbereich gibt, habe ich auch gleich noch Bettwäsche und Duschvorhänge designt. Die habe ich zusammen mit meinem Mann Kottie Paloma, der Künstler ist, entworfen. Als Nächstes kommen wohl Tischdecken dran. Aber immer eins nach dem anderen;)

Wie ist dein junges Unternehmen angelaufen? Und wie soll es weitergehen?

Zunächst einmal wussten nur mein Mann, Freunde, Familie und ich von „bermuda“. Das musste sich natürlich schnell ändern. Um sichtbarer zu werden, habe ich mich auch auf dawanda und etsy registriert, habe nach weiteren Onlineshops, die Designprodukte verkaufen gesucht und schließlich selekkt.com, goodz.com und kizuco.de gefunden, auf denen ich inzwischen auch vertreten bin.

Letztes Wochenende habe ich zum ersten Mal an einem Designmarkt teilgenommen, das war in Mainz auf der Stijl Designmesse. Das war eine interessante und sehr schöne Erfahrung. Ich habe viel positives Feedback und Anfragen bekommen sowie auch eifrig verkauft.

Am 20. Juli geht es dann weiter mit dem „lieblingsgut“ Markt, der erstmalig in Hamburg stattfindet. Weihnachten ist das große Finale, ich habe vor, gleich an mehreren Verkaufsmärkten teilzunehmen. Parallel dazu spreche ich auch immer wieder Läden an, die mir gefallen.

PR ist sicher auch noch ein großes Thema. Toll ist, dass schon so viele Blogger einen Post mit „bermuda“ auf ihr Blog gestellt haben. Natürlich wäre es super, wenn „bermuda“ in Wohn- und Frauenzeitschriften, Design- und Stadtmagazinen erscheinen würde. Aber ich kann immer nur soviel schaffen, wie ich schaffen kann;)

Mal gespannt, wie lange ich das alles noch alleine stemmen kann. Und es ist auch ok, wenn das Label organisch wächst und es eben ein wenig Zeit braucht um bekannter zu werden. Oft finde ich, dass viele neue Firmen heutzutage zu schnell zu viel wollen. Andererseits möchte ich auch gerne einmal von meinem Label leben können und das nicht erst in 10 Jahren;)

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Du arbeitest außerdem als Chef-Stylistin bei Modomoto, einem Online-Herrenausstatter. Wie kamst du zu Modomoto? Und was genau machst du dort als Chef-Stylistin?

Das war der Job, den ich letztes Jahr an den Nagel gehängt habe, weil ich gemerkt habe, dass es an der Zeit ist, mein eigenes Ding zu machen. Aber ich arbeite nebenher immer noch als Stylistin, allerdings als Freelancer.

Du lebst mit deinem Mann, dem Künstler Kottie Paloma, in Berlin? Wie und wo lebt ihr? 

Wir wohnen inmitten vieler Kissen in einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung, die bald aus allen Nähten platzt, in Neukölln, gleich neben dem Tempelhofer Flughafen.

Im Schillerviertel hat sich in den letzten 2 Jahren Einiges getan, es gibt den wohl besten Italiener der Stadt am Herrfurthplatz, zig Bars und Cafés haben eröffnet und auch die allseits bekannten Bürostorefronts, in denen man sich einen Schreibtisch mieten kann sowie Ateliers findet man an jeder Ecke.

Wenn ich es schaffe, gehe ich so oft wie möglich auf dem Rollfeld Inlineskaten, bei Sonnenuntergang ist das ein Feeling wie in Kalifornien! Besonders gerne höre ich dann Lieder wie „It never rains in California“ und ich fühle mich wie im Urlaub;) Beim Skaten in der Sonne kam ich auch auf den Namen „bermuda“. Die riesige freie Fläche ist wahnsinnig inspirierend, ich bin wirklich froh, dass die Berliner gegen eine Bebauung gestimmt haben!

Mein Mann hat sein Atelier auf der Sonnenallee, dort ist er so ziemlich immer, wenn er nicht gerade in der Bar „Das Gift“ arbeitet. Im Moment wird die 3-Zimmer Wohnung neben uns renoviert und wenn wir Glück haben, können wir in 3 Monaten einfach rüberziehen. Aber der neue Mietpreis wird noch mal eine spannende Angelegenheit!

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Eine Modedesignerin und ein Künstler. Das stelle ich mir als eine sehr inspirierende, kreative manchmal vielleicht auch explosive Mischung vor. Stimmt das?

Oh ja, absolut! ich bin sehr froh, dass mein Mann mich so unterstützt und wir zusammenarbeiten können, siehe Duschvorhang und Bettwäsche. Oft sehe ich tagelang außer ihm niemanden und wenn ich alles mit mir selbst ausmachen müsste, würde ich verrückt werden.

Mir hilft es total, wenn er mir seine Meinung zu Farbkompositionen und Proportionen gibt, wobei ich letztendlich dann doch mache, was mein Bauchgefühl mir sagt;). Ich glaube, keiner von uns könnte mit einem Partner zusammenleben, der überhaupt nicht kreativ ist. Es ist einfach ein Lebensstil und wir beide haben Höhen und Tiefen, die der andere nachfühlen kann, weil er sie selbst erlebt.

Viele Künstler/innen und Kreative schwärmen (noch) für Berlin. Wie würdest du euer Verhältnis zur Hauptstadt beschreiben?

Es ist eine Hass-Liebe. Das letzte Jahr war ich sehr stark am hadern mit Berlin, ich habe mich gefragt, was uns hier eigentlich hält, warum man sich diesen ständigen Kampf ums Überleben antut, wenn man es in München oder anderen, reichen Städten viel leichter haben könnte. Aber vielleicht ist es dort gar nicht so leicht, wie ich mir das vorstelle und wenn ich mir überlege, wie viele interessante Menschen hier leben und wie rasant sich die Stadt immer verändert, sehe ich alles wieder gar nicht so schwarz.

Die steigenden Mietpreise jedoch sind ein sehr großes Problem wie auch die schwache Kaufkraft hier. Man kann noch so tolle Produkte entwickeln, der Verkauf findet woanders statt. Was die Kunstszene angeht, kann ich gar nicht so viel sagen.

Mein Mann hat immer das Gefühl, dass die deutschen Künstler gerne unter sich bleiben. Für ihn ist es neu, dass sich Künstler nicht stärker gegenseitig unterstützen oder überhaupt ihre Karriere anschieben, in Amerika ist das anders. Aber verallgemeinern kann man das sicher auch nicht. Ich hätte ja nichts dagegen, irgendwann mal nach Kalifornien zu ziehen. Sommer das ganze Jahr über? Gerne! Nur Kottie ist kein großer Fan von dieser Idee, er hat die USA schließlich verlassen weil ihn so viel dort stört.

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Wo finde ich dich, …

…morgens zwischen 8 und 9 Uhr unter der Woche?

Mit meinem Kaffee am Laptop. Entweder im Bett oder am Küchentisch. Aber auf jeden Fall mit Kaffee und Laptop;)
um die Mittagszeit an einem Arbeitstag? Meistens in der Küche hantieren. Pünktlich um 1 knurrt der Magen;)

…nach der Arbeit an einem sonnigen Junitag?

Auf meinen Inlineskates am Flughafen. Oder mit einer Freundin auf einen Sprizz beim Italiener.

… an einem schönen Sonntag im Sommer?

Mit dem Rad unterwegs durch Kreuzberg und Neukölln, erst auf dem Flohmarkt am Maybachufer, am Nachmittag mit einem Flat White und Klatschzeitschriften in einem der unzähligen schönen Cafés oder in der Markthalle IX, wenn gerade eine Veranstaltung ist. Am Abend dann auf dem Balkon oder irgendwo lecker essen. Ich bin sehr einfach gestrickt. Entweder arbeiten oder essen und trinken;)

… an einem dunklen Winternachmittag im Alltag?

An der Nähmaschine oder am Computer, Arbeit lenkt am Besten von der kalten Dunkelheit ab, die ich nicht sehr schätze;)

5 Comments

  • Die Kissen habe ich schoneinmal irgendwo gesehen und für toll befunden – umso mehr freut mich heute der Blick hinter bermuda. Hab Dank!

  • 5 Jahren ago

    Mir gefällt der Blick hinter, denn es ist auch immer ein schöner Blick hinein, der die überall und oft gefühlte Oberflächlichkeit verschwinden lässt.

    Die besten Grüße aus dem Norden,
    Franse

  • 5 Jahren ago

    Wieder mal gern gelesen! Irgendwie gehört der "Blick hinter…" für mich mittlerweile schon zum Start in die neue Woche, ich liebe ja kleine Rituale.
    LG und eine schöne Woche, Mecki

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