»Der große Schatten« – Ein Gespräch mit Hans-Peter Meister zur US-Wahl

Hans-Peter Meister war einer der ersten, der das Potenzial von Dialog und Beteiligung erkannte und darauf ein Beratungsunternehmen aufbaute: Seit 1995 begleitet die heute rund 100-köpfige Strategie- und Kommunikationsberatung IFOK Kunden bei der Entwicklung von nachhaltigen Lösungen – ob Energie oder Infrastruktur, Arbeitswelt 4.0 oder Gesundheit. 

Getragen von der Überzeugung, dass wir die besseren Antworten kooperativ und im Dialog finden, ging der Beteiligungsexperte und Mediator 2008 in die USA. Dort baute dort erfolgreich die Meister Consultants Group {kurz: MCG} auf.

Das in Boston ansässige Beratungsunternehmen hat sich auf die Themen Energie- und Klimawandel spezialisiert – genau jene Themen, die der neugewählte Präsident von der politischen Agenda streichen will. Was bedeutet das für das MCG? Mit welchen Gedanken und Gefühlen blickt der Gründer und Inhaber auf die Zeit ab dem 20. Januar, wenn Trump sein Amt als Präsident antritt?

Um diese und andere Fragen geht es im heutigen Montagsinterview, mit dem Hans-Peter Meister und ich euch/Sie herzlich zum Dialog einladen: Was sind eure/Ihre Hoffnungen und Befürchtungen? Was müssen oder können wir von Amerika lernen? Und was tun?

Vielen Dank, lieber Hans-Peter für das kurzweilige Gespräch, mit dem ich allen einen guten Start in die zweite Januarwoche wünsche.

Hast du damit gerechnet, dass Trump gewählt wird? Wie hast du die Ergebnisverkündigung erlebt?

Niemand hat ernsthaft damit gerechnet. Jedenfalls habe ich das nicht mal von den größten Republikaner-Anhängern gehört. Ich war in den USA und wartete zunehmend verzweifelt bis drei Uhr morgens auf meinem Sofa darauf, dass endlich die Meldung kommt, die Zahlen hätten sich in letzter Sekunde doch noch gedreht. Leider vergeblich, so dass ich am nächsten Morgen ein gespenstisches Boston in Schockstarre erleben musste.

Wie erklärst du dir das Wahlergebnis?

Vielleicht in Anlehnung an C.G. Jung. Die USA hat in der Vergangenheit viel in den gesellschaftlichen Schatten verdrängt. Der wurde größer und größer und will jetzt, dass er angesehen und integriert wird. Eine Herkulesaufgabe für das Land und sicher keine, die ein Präsident Trump leisten kann.

Vor welchen Herausforderungen steht die Meister Consultants Group, wenn Trump seine protektionistische und seine Klimapolitik wahr macht?

Wir werden nicht zu sehr darauf setzen, weiter Aufträge von der Bundesregierung in Washington D.C. zu bekommen, sondern uns auf unsere anderen nationalen und internationalen Kunden konzentrieren.

Den Medienberichten zufolge setzt in den USA bereits eine Normalisierung ein – nach dem Motto »Wird schon nicht so schlimm«.  Wie beurteilst du die Lage?

Das ist alles noch nicht ausgemacht. Niemand weiss wirklich, was geschehen wird. Ich rechne damit, dass wir noch längere Zeit »auf Sicht fahren« und genau verfolgen müssen, was wirklich geschieht.

Was sind deine schlimmsten Befürchtungen, was deine begründeten Hoffnungen für die Zeit unter Trump?

Befürchtung: Es gibt einen riesengroßen internationalen Scherbenhaufen und einen noch größere innere Spaltung der USA.

Hoffnung: Es gibt genügend vernünftige Republikaner in beiden Kammern.

Was können und sollten wir in Deutschland und Europa aus den US-Wahlen lernen?

  1. Uns nicht darauf verlassen, dass das eigentlich Undenkbare nicht geschieht.
  2. Die sogenannten Populisten nicht in Bausch und Bogen verdammen, sondern genau hinschauen, was wir gegen Ängste und Sorgen tun kann.
  3. Mehr bodenständiger gesunder Menschenverstand und weniger „Klugheit“ im Sinne dieser besserwisserischen und fruchtlosen Talkshowauseinandersetzungen, bei denen keiner dem anderen zuhört und niemand an Gemeinsamkeiten und Lösungen interessiert ist, sondern nur an seiner Selbstperformance.

Fotos: Fensterbild von Alberto Lucas Pérez via Unsplash | andere Bilder: Bürgerdialog Zukunftsthemen

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