Und auf jeder Creme stünde »Tu dir Gutes, Schatz« | Im Gespräch mit Susanne Triepel {notyetaguru.com}

Sie hat viel gemacht im Leben – und das Leben mit ihr. Unter anderem hat es kein zartes blondes Püppchen aus ihr gemacht. Was ein Glück ist, denn sonst hätte sie vielleicht nie mit dem öffentlichen Schreiben begonnen, und das wäre ein echter Verlust.

Nicht nur ihr Witz würde fehlen, sondern auch ihre Wut, die bei aller Explosivität immer liebevoll bleibt. Selbst Beatrix von Storch würde bei ihr die Sintflut überleben – geläutert zwar, aber immerhin. Die Rede ist von Susanne Triepel, die seit gut drei Jahren auf notyetaguru.com aus ihrem nicht immer so gemütlichen {»hygge«} Leben erzählt.

1.000 Dank, liebe Susanne, für deine wunderbaren Antworten, mit denen ich allen einen gehaltvollen Start in die neue Woche wünsche.

notyetaguru.com Susanne Triebel (c) Réne Löffler

Wer und was ist Susanne Triepel?

Also, ich bin rein theoretisch eine ganz normale Frau, die im wahrsten Sinne des Wortes mitten im Leben steht, ist, fällt, liegt, aufsteht, tanzt und bloggt. Ich schreibe sehr gerne. So setze ich mich mit mir und der Welt auseinander. Ich werde in zwei Wochen 46 Jahre alt. Ich hab viel gemacht in meinem Leben – und das Leben mit mir. Unter anderem bin ich 27 Mal umgezogen, habe einmal in Paris gelebt, hatte fast einen Doktor in Kunstgeschichte, musste aber mein Studium aus gesundheitlichen Gründen unterbrechen. Dann hab ich viele Jahre im Bereich Veranstaltungsmanagement und Kommunikation gearbeitet.

Mir kommt schon mal das Leben zwischen meine schönen Pläne. Das anzunehmen war für mich ein Problem. Darum geht es auch in meinem Blog. Inzwischen schätze ich mehr, was ist, wer ich bin, was ich alles kann, und gewöhne mich an den Gedanken, dass Brüche, Neuanfänge und Vielseitigkeit nichts Schlimmes sind, sondern zu mir gehören. Ich habe mich sogar mit meiner Nase oder meinem Po versöhnt. Wir mögen uns jetzt. Menschen, die mich kennen, denken wahrscheinlich: Die spinnt doch. Nein, ich habe viele Jahre sehr mit meinem Aussehen gehadert, weil ich kein zartes blondes Püppchen bin, sondern eben ich. Lustig?

Gutes Stichwort: Viele Menschen würden auf die Frage wer oder was Susanne Triepel ist wahrscheinlich auch »die ist lustig« antworten. Ich habe in der Tat ziemlich viel Humor, der hält nicht nur andere bei Laune, sondern mich oben, wenn ich mal traurig bin oder nachdenklich. Das bin ich nämlich auch oft.

Wer und was ist Susanne Triepel gerade nicht?

Ich bin nicht mehr so still, brav und angepasst, und ich funktioniere nicht mehr gut und einfach so. Das ist ziemlich großartig. Ich bin in letzter Zeit mehr ich selbst und lebe mit mir statt gegen mich. Dazu gehört, dass ich manchmal nicht alles hinbekomme oder nichts geht. Ich bin keine »coole« erfolgreiche Agenturfrau mehr, die mühelos total viel wuppt – das war ich sehr lange, dabei hab ich in so ein Setting gar nicht gepasst, und jeden Tag gekämpft wie eine Irre um Anerkennung und Fleißkärtchen von Kund/innen, Kolleg/innen und Agenturinhaber/innen oder darum mal nicht die Letzte an der Kita zu sein.

Das Einzige was ich aus dieser Zeit vermisse, sind die teuren Kaffeemaschinen, die Klimaanlagen, und das feudale Übernachten in 5-Sterne-Hotels mit unfassbar fettem Frühstücksbuffet – und die Fahrstühle, für die man eine Karte braucht, damit sie dahinfahren, wohin man will und für eine Nacht gehört.

Alles so schön übersichtlich in Luxushotels und immer am richtigen Platz. Zum Beispiel 4-lagiges Klopapier mit Knickfalte im Bad, wo man völlig ungestört vom Kind seine Wimpern an einem beleuchteten Spiegel mit Vergrößerungsfunktion tuschen kann.

Fabulös. Ich finde übrigens immer noch Zimmerkarten in alten Koffern oder Blazer-Innentaschen und staune wo ich schon überall war.

notyetaguru.com Susanne Triebel (c) Réne Löffler

2014 hat sich dein Leben radikal verändert. Was war passiert?

Im Jahr 2014 hab ich einen Job verloren und kam dadurch in eine große Krise. Es wurde durch dieses Ereignis sehr viel in Frage gestellt, zum Beispiel meine wirtschaftliche Existenz, meine Karriere, aber auch ich selbst, denn darüber habe ich mich sehr definiert – als diese berufliche Anerkennung weg war: Oha! Dabei war das eigentlich das Beste überhaupt: Früher oder später wäre ich abgestürzt.

Ich hatte jahrelang über meine Kräfte gelebt und gearbeitet. In der Zeit nach der Kündigung kam es ganz dick. Mein Körper hat gestreikt. Ich war sehr erschöpft und verzweifelt, obwohl oder gerade weil ich unbelastet war durch Arbeit. Ich habe dann unter anderem eine Therapie angefangen. Das war ein großer Schritt für mich, weil ich zu einer Generation gehöre, die alles erreichen kann und soll.

Sich bei einer Psychologin auf die Couch zu legen, hieß für mich: Totalversagen. Ich hatte doch gute Voraussetzungen für Erfolg, zum Beispiel den gleichen IQ wie Sharon Stone, Mehrsprachigkeit, Fachwissen, beste Kontakte. Was zum Teufel war nur los mit mir?

Nun ja, ich habe in meinem »privaten« Leben ziemlich viel erlebt, Dinge, die Menschen aus dem Tritt bringen. Ich habe mir nie erlaubt, mich dadurch erschüttern zu lassen oder mich davon »richtig« zu erholen. Ich wollte ohne Probleme sein und gut funktionieren – seit ich ganz klein war. Das geht aber nicht, vor allem wenn man ein empfindsamer Mensch ist. Ich glaube unser Körper hat ein eigenes Gedächtnis, wir speichern alles, und das sucht sich eben seinen Weg nach draußen. In meinem Fall mit großer Wucht.

Seit 2014 setze ich mich mit meiner Vergangenheit, meinen Gefühlen und meinem Körper bewußt auseinander. Ich habe viele alternative Heilmethoden kennengelernt und ausprobiert. Früher hab ich das sehr belächelt, inzwischen weiß ich, wie unfassbar wirksam das sein kann. Zum Beispiel Alexander Technik, MBSR, die Grinberg Method, Shiatsu oder Yoga. Ich hab viel verloren, aber auch gefunden. Unter anderem ein verletzliches Mädchen, das ich vor langer Zeit, aus Angst, in ein Zimmer irgendwo in mir gesperrt hatte, und während der Schulzeit, des Studiums und später im Job und Alltag aus den Augen verloren habe.

Ich glaube, es sitzen viele vergessene Kinder in irgendwelchen Zimmern rum in Deutschland. Die schmeißen früher oder später mal was an die Wand, weil sie raus wollen und wieder leben. Ich kann nur raten, rechtzeitig nach dem Schlüssel zu suchen, bevor es plötzlich richtig rund geht.

notyetaguru.com Susanne Triebel (c) Réne Löffler

Kannst du dir erklären, warum es passierte?

Natürlich. Ich habe viel zu lange nicht darauf gehört oder gewusst, wer ich bin, was ich aushalten kann und was eben nicht. Jeder Mensch hat seine Schmerz- und Belastungsgrenzen. Ich habe meine Arbeit nicht mehr geschafft, ohne dass ich darunter gelitten habe oder mein Kind. Trotzdem habe ich weiter über meine Ressourcen gelebt, auch aus Angst und Scham, was passieren könnte, wenn ich zugebe, dass ich ein Problem habe. Ich bin nicht darauf gekommen, dass es möglich ist, eine Weile mal nicht 150% zu geben oder auszuruhen. Mein Körper hat dann für mich das Nothaltesignal gezogen.

Ich weiss inzwischen, dass ein schwacher Körper, der stärkste Partner ist in so einem kritischen Moment. Er zeigt dir nämlich sehr bestimmt, wohin du musst. »Wer nicht hören will, muss fühlen«, ist ein kluger Satz, den wir leider falsch anwenden. Wir lernen als Kinder, nicht darauf zu achten, wie es uns geht oder uns kennen oder schätzen, wie wir sind. Das ist gar nicht böse Absicht, das steht einfach nicht auf dem Programm: Du funktionierst so wie deine Eltern das tun.

Du gibst dein Bestes. Das was alle erwarten. Du passt dich an – überall. Du hast als Kind gehört: Das tut doch gar nicht weh, es ist gar nichts passiert, oder stell dich nicht so an, streng dich mehr an. Das höre ich übrigens heute noch sehr oft, wenn Eltern mit ihren Kindern sprechen. Später – als Erwachsene/r – sagst du solche Sätze zu dir selbst. Wie willst da ein gutes Gefühl für dich bzw. deinen Körper entwickeln? Du versuchst Defizite zu überwinden, statt dich anzunehmen, wie du bist und überhaupt zu spüren.

In unserer Leistungsgesellschaft brauchen Kinder den Körper nur, wenn sie zu den Olympischen Spielen wollen oder zum Zirkus oder Berufstänzer/innen werden wollen.

Wir leben und entscheiden hier eher mit dem Kopf. Ich dachte 35 Jahre lang tatsächlich, ich habe keinen »guten« Körper, weil ich es unter anderem nicht geschafft habe, einen Felgenaufschwung zu machen, zu groß für Ballett bin, eine Delle am linken Oberschenkel habe, mein Po kein kleiner praller Apfel ist oder weil ich bei den Bundesjugendspielen nur eine einzige Sternstunde hatte. Völliger Irrsinn!

Wir müssen mehr in unsere Körper kommen, und uns lieben wie und was wir sind. Ich zitiere einen Satz der wunderbaren Dichterin Nayyirah Waheed:

»and i said to my body. softly. ‘i want to be your friend.’ it took a long breath. and replied ‘i have been waiting my whole life for this.«

Nayyirah Waheed

Das ist genau das, was ich meine. Und ich hab einfach zu wenig geweint. Exzessives Heulen ab und an ist das Beste überhaupt.

notyetaguru.com Susanne Triebel (c) Réne Löffler

Du bist alleinerziehend – ein Wort, das ich bis vor Kurzem noch recht arglos verwendet habe. Heute weiß ich, dass es ein „Kampfbegriff“ ist. Was macht dich alleinerziehend?

Also, ehrlich gesagt, habe ich mit dem Wort auch zu kämpfen. Ich bin ziemlich empfindlich, was Begrifflichkeiten angeht, weil ich aus der Kommunikation komme. Vielleicht weil sich in meinem Kopf bei »allein« automatisch »ohne Hilfe« bildet oder »einsam«.

Reagiere ich so empfindlich, weil mir der richtige Partner fehlt zum Familien-Glück? Nein. Vater Staat und große Teile der Gesellschaft reagieren immer noch nicht angemessen auf meine Familienform. Mir fehlt eigentlich nix außer Geld, Chancengleichheit und Anerkennung.

In der Regel sind Alleinerziehende mehrheitlich Frauen ohne Mann mit Kind – das entspricht offenbar nicht dem deutschen Familien-Ideal. Deutschland hadert mit uns. Wieso würden wir sonst steuerlich benachteiligt oder zu etwas gemacht, was wir nicht sind: unvollständig bzw. nicht förderungswürdig, weil wir ohne Hilfe einer anderen erwachsenen Person mindestens ein Kind unter 18 Jahren in unserem Haushalt großziehen? Menschen trennen sich, Ehen enden – oder Lebensformen.

Ich bin doch kein Mangel, nur weil ich ein keinen Partner habe, und mein Kind ist es auch nicht, bloß weil es nicht mit Vater und Mutter zusammen lebt. Die defizitäre deutsche Familienpolitik und Ignoranz, die macht mich alleinerziehend und wahnsinnig wütend.

Was ist das Allerschlimmste an diesem Zustand? Und wie ließe es sich deines Erachtens am ehesten verändern/verbessern?

Die Existenzangst ist für mich das Schlimmste, dass ich seit drei Jahren beruflich schwer Fuß fasse. Gleich danach kommen die Vorurteile. Menschen, die mich überhaupt nicht kennen, fällen Urteile über mich, sagen Dinge wie »Hättest du dir ja vorher überlegen können« oder »Alleinerziehende jammern immer«, »Arbeite halt Vollzeit«. »Alleinerziehend« ist ein Synonym für Alleingelassen – uns fehlt Unterstützung oder Verständnis für die Umstände, in denen wir leben und die Herausforderungen, die wir allein bewältigen müssen.

Meine Mutter war auch alleinerziehend. Es hat sich seither nicht viel verändert an den Zuständen, unter denen Ein-Elternfamilien leiden. Diese durch die Politik geduldete Benachteiligung ist in der Tat kein Zustand, sondern ein Skandal. Da muss etwas passieren – und zwar pronto. Was? Das ist doch alles längst bekannt: gute Kinderbetreuung, Kindergrundsicherung und weniger Vorurteile, so dass mich zum Beispiel mal einer freudig zum Vorstellungsgespräch einlädt, anstatt mich panisch auszusortieren.

Wieso ist »alleinerziehend« immer noch Ausschlusskriterium statt Alleinstellungsmerkmal bei Bewerber/innen? Ich hatte weniger Krankheitstage als meine kinderlose Kollegin. Insofern empfinde ich diesen Begriff »alleinerziehend« nicht als bloße Bezeichnung eines Lebensumstands, sondern immer noch als Stigma. Wir sind so nicht vorgesehen in dieser Gesellschaft. Auch nicht in der Werbung.

Alleinerziehende sind wahlweise der blinde Fleck, das rote Tuch oder ein Thema für die Saure-Gurken-Zeit.

Das sieht man jetzt wieder im Wahlkampf. Da werden wir gern als Referenz von familienpolitischen Wahlprogrammen gebraucht. Anschließend verschwinden wir wieder in der Versenkung.

notyetaguru.com Susanne Triebel (c) Réne Löffler

Du machst Yoga und tanzt. Wie, warum und wozu?

Ohne Yoga würde ich durchdrehen und durchhängen. Meine Matte hält mich, die passt auch überall hin. Aufrollen hinlegen, atmen – spüren was ist. Eine Freundin hat mir 2014 einen Gutschein geschenkt. Seitdem bin ich dabei. Mittlerweile bin ich Karmayogi in einem sehr schönen Studio, dem Yogatribe in Berlin-Mitte. Yoga bringt mich ins Jetzt, zu mir selbst. Es konfrontiert und versöhnt mich mit dem Leben, mit dieser Polarität.

Eine Stunde Yoga und ich kann rein theoretisch 60 Minuten tiefenentspannt U8 fahren.

Yoga verbindet das Außen mit dem Innen, es schafft Balance, Stabilität und Flexibilität. Ich kann nur jedem raten: Macht Yoga. Es gibt so viele verschiedene Stile, da ist für jeden was dabei. Donald Trump müsste auch ganz dringend auf die Matte gelegt werden. Tango Argentino ist eher nix für den. Das mache ich ja auch seit 12 Jahren.

In mir steckt irgendwie eine Tänzerin. Ich war mal kurz im Ballett als Kind, musste aber aufhören, weil ich eine Herzmuskelentzündung hatte. Als ich wieder anfangen wollte, sagte jemand »Du bist so groß, Susanne, und warst so krank, warum willst du überhaupt Ballett machen?«. Das hab ich mir so zu Herzen genommen, dass ich nie wieder hin bin. Tja. Mind your words. Der Tango war quasi mein zweiter Versuch.

Das war von Anfang an sehr intensiv, aber schwierig. Es ist nicht leicht, einen Tanzpartner zu finden. Ich habe aus der Partnerlosigkeit das Beste gemacht – da hab ich ja Übung – bin zum Beispiel allein in Technik-Kurse gegangen. Dann hat mich eine Freundin nach Italien mitgenommen zu einem Tango-Marathon. Da war egal, wie lang ich war oder wie alt. Inzwischen reise ich alle vier Monate zu einem Tango-Marathon – sehr gerne nach Skandinavien. Ich schlafe bei Freund/innen auf der Couch, habe quasi Familienanschluss.

Am Tango liebe ich genau das: die Kommunikation und Nähe zu anderen Menschen. Es ist einfach irre, wie man sich beim Tanzen durch und mit der Musik mit jemandem verbinden kann, den man gar nicht kennt. Tango ist auch Drama, ja, oder Leidenschaft. Das Klischee stimmt schon, das kommt meinem Temperament entgegen oder meinem Leben, in dem ja auch nicht immer alles Wiener Walzer ist.

Mit dem »richtigen« Tänzer kannst du alles – sogar fliegen. Und schöne Umarmungen sind doch großartig, wo hat man das noch in unserer digitalen Welt.

Der Tango hat mich geöffnet, und wieder mit anderen Menschen verbunden, dafür bin ich sehr dankbar. Und ich bin meiner Mutter dankbar und allen Freund/innen, bei denen mein Kind sein kann, wenn ich beim Tango bin, das wäre sonst nicht möglich.

notyetaguru.com Susanne Triebel (c) Réne Löffler

Wenn du morgen früh aufwachst und über Nacht hätte die Wunschfee gewirkt, so dass deine Welt genauso wäre, wie du sie dir wünscht. Was wäre anders?

Die Menschen und vor allem die Frauen würden mehr miteinander kooperieren statt zu kämpfen. Sich gegenseitig anerkennen und schätzen für das, was sie sind. Es gäbe keine Fatburner-Kurse mehr, keine blöden Diäten in Frauenzeitschriften und keine Antifaltencreme.

»Tu dir Gutes, Schatz« stünde auf der Cremedose – mehr muss der Mensch und die Haut doch nicht wissen.

Dieser ständige Kampf gegen alles und – das Streben nach etwas, was wir eben nicht sind, das würde sich auflösen in Wertschätzung und Gleichheit. Das heißt nicht, dass jeder Mensch gleich sein muss und das Gleiche tut oder ist. Im Gegenteil. Aber jede/r hätte die gleichen Chancen. Und diese extreme Ungleichheit in der Vermögensverteilung, die gäbe es in meiner Welt nicht mehr. No way!

Und ich würde ein Donnerwetter loslassen, Mütter können das ja. Ich finde die Welt braucht das gerade. Ich würde Mitgefühl aus den Wolken regnen lassen, hier und jetzt – das passt ja zu diesem Sommer. Einen schönen fetten Starkregen, der die Angst abspült von den Menschen und diese Wut, ganz nebenbei würden die Wahlplakate der AfD aufgeweicht und in die Kanalisation gespült.

Ich bin mit meinem Kind während dieses fantastischen Wetterdramas übrigens auf der Arche »Mutti« und tusche mir erstmal die Wimpern mit wasserfester Mascara, dann mache ich Yoga mit ganz vielen Ein-, Zwei-, Drei-, Vier-Eltern oder kinderlosen guten, klugen Menschen, denn die gibt es ja auch, die durften alle mit. Vielleicht gibt es auch Tango. Irgendwann wenn sich alles abgeregnet hat, wir ausreichend meditiert, getanzt, gelacht und ein bisschen geheult haben, legen wir an und grillen am Strand einer einsamen Insel Würstchen und Tofu-Wiener – ist für alle was dabei. Gibt auch in Maßen hochwertigen Alkohol.

Auf der Insel gründen wir ein Kollektiv, das finanziert wird mit deutschen Steuergeldern – ich hatte klugerweise Wolfgang Schäuble mit an Bord. Mein Sohn hat ihm während der Regenzeit mal vorgerechnet, wie weit seine Mutter mit dem Entlastungsbetrag für Alleinerziehende kommt. Er hat sich sehr geschämt und gleich mit Angela Merkel telefoniert.

Apropos Politik in meiner Welt post Donnerwetter: Die AfD ist nicht mehr. Beatrix von Storch hat die Flut überlebt, ich bin ja kein Unmensch, sondern alleinerziehende Mutter.

Frau von Storch ist buddhistische Nonne in Tibet geworden. Sie hat mit Yin Yoga angefangen und nennt sich jetzt Venerable Karma Trixi No Go.

notyetaguru.com Susanne Triebel (c) Réne Löffler

Alle Fotos: notyetaguru.com © René Löffler

Leave A Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.