Ein Blick hinters Plakat: Götz Müller

Heute werfe ich den letzten Blick hinter ein Plakat. Nach FDP, Piraten, SPD, Grünen und DIE LINKE trifft es dieses Mal das Konterfei eines CDU-Kandidaten: Götz Müller.

Der studierte Volkswirt, Philosoph und Vater bezeichnet sich selbst als „Kiezgestalter“, was für mich zunächst nicht recht zusammenpassen wollte. Das Wort „Gestalter“ verbinde ich eher mit T-Shirt und Turnschuhen als mit Hemd und Krawatte. Doch unsere zufällige Live-Begegnung zeigte: Herr Müller kann auch „casual“.

Was ihn neben dieser Wandlungsfähigkeit auszeichnet, welche Gestaltungsideen er für den Kiez und darüber hinaus hat, wofür er sich stark machen und streiten will, das verrät er in unserem Gespräch.

Vielen Dank, lieber Herr Müller, für die interessanten Einblicke!


In eigener Sache

Ich habe durchaus darüber nachgedacht, ob ich nicht auch einen Blick hinter das Plakat des AfD-Kandidaten werfen sollte oder vielleicht sogar müsste. Schließlich habe ich mich dagegen entschieden. Warum? Weil ich hier niemanden zu Wort kommen lassen möchte, der sich in einer Partei engagiert, die:

Ich streite gerne über das „Wie“: Wie können und wollen wir in diesem Staat zusammenleben? Das tue ich auch außerhalb meiner Echokammern. Aber ich nicht mit jemandem, der das „Ob“, also die parlamentarische Demokratie, zur Disposition stellt bzw. stellen lässt.


Goetz Mueller Direktkandidat der CDU Kreuzberg-Friedrichshain

Was zeichnet den Menschen Götz Müller aus?

Hartnäckigkeit ist wahrscheinlich meine größte Stärke, was es meinem Umfeld zugegebenermaßen aber auch nicht immer ganz leicht macht. Ich bin ein sehr aufgeschlossener Typ und gehe gerne offen auf Leute zu. Dabei interessiere ich mich für die Geschichten hinter den Menschen und ihre Anliegen. Privat würde ich mich als Vollblut-Papa bezeichnen, der so oft wie möglich die Hobbies seines Sohnes von Schach bis Schwimmen teilt.


ICH INTERESSIERE MICH FÜR DIE GESCHICHTEN HINTER DEN MENSCHEN UND IHRE ANLIEGEN. PRIVAT WÜRDE ICH MICH ALS VOLLBLUT-PAPA BEZEICHNEN.


Was macht Sie zum „Kiezgestalter“?

Seit 2001 engagiere ich mich im Bezirk politisch, um die Kieze so lebenswert wie möglich zu gestalten. Ob es um Straßenverkehrsbelange wie Zebrastreifen vor Schulgebäuden oder Poller an Gehwegen geht. Die Sicherheit besonders der schwächeren Verkehrsteilnehmer ist mir sehr wichtig.

Eines meiner Herzensanliegen ist der Sport und dessen Förderung im Kiez. Als Vorsitzender des Sportausschusses habe ich beispielsweise erfolgreich für den Erhalt des Tennisclub Friedrichshain e.V. gekämpft oder auch zur Abwendung der – aus meiner Sicht – widerrechtlichen Schließung des Baerwaldbades im Graefekiez in Kreuzberg beitragen können. Für die nächste Legislaturperiode habe ich bereits Ideen, wie die Sicherheit im Kiez erhöht werden kann:

  • kreuzgefährliche Situation am U-Bahnhof Samariterstraße entschärfen
  • bessere Ampelschaltung für Fußgänger an den vielen Übergängen an der Frankfurter Allee

Außerdem ist mir wichtig:

  • Neubau und Sanierung von Schulen zu beschleunigen: In Berlin dauert es sieben Jahre in Hamburg oder München vergleichsweise drei.
  • Saubere und sichere Spielplätze zur Verfügung zu stellen. Stichwort: schnellere Instandsetzung. … um nur ein paar Beispiel zu nennen.

In Wiesbaden geboren und in Mainz studiert – was hat Sie wann nach Berlin und in den Samariterkiez „verschlagen?

Nach Berlin hat mich 1989 die Atmosphäre der Stadt gezogen: Es ist für mich immer noch deutlich was dran an der Berliner Luft!

In den Samariterkiez bin ich dann 1998 gezogen, weil es ein prickelnder Kiez ist, in dem sich die Vielfalt dieser tollen Stadt in besonderem Maße zeigt. Hier kenne ich mich inzwischen – unter anderem auch durch meinen Einsatz für die Menschen dort – sehr gut aus.


ES IST FÜR MICH IMMER NOCH DEUTLICH WAS DRAN AN DER BERLINER LUFT!


Kinder beim Schaukeln auf dem Spielplatz

Was mögen Sie am Samariterkiez besonders? Was stört Sie am meisten?

Ganz besonders mag ich das Café im Park auf dem Forckenbeckplatz und einfach die Familien-Atmosphäre im Kiez. Auch kann man im Samariterkiez sehr gut und sehr vielfältig essen. Die Parkraumbewirtschaftung im östlichen Kiezteil nervt. Da sie wohl nicht mehr abgeschafft werden kann, sollte wenigstens eine „Brötchentaste“ eingeführt werden, die ein kurzzeitiges kostenfreies Abstellen von Autos für fünfzehn Minuten ermöglicht.

Auch der Zustand einiger Spielplätze und Grünanlagen ist bedauerlich, da müssen wir etwas ändern. Besonders stört mich aber, dass im Kiez Menschen wohnen, die andere einschüchtern, wenn sie andere Ansichten haben und die auch nicht vor Gewaltanwendung zurückschrecken, bspw. Autos anzünden oder Häuser beschmieren. Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass Anwohner sich dadurch verunsichert fühlen. Unfassbar, dass dadurch die Stimmung im Familienkiez negativ beeinträchtigt wird.


ICH MAG EINFACH DIE FAMILIENATMOSPHÄRE IM KIEZ. MICH STÖRT, DASS IM KIEZ MENSCHEN WOHNEN, DIE ANDERE EINSCHÜCHTERN, WENN SIE ANDERE ANSICHTEN HABEN.


Wo sehen Sie das größte Potenzial des Kiezes, wo die größten Risiken für den Kiez?

Das größte Potential des Kiezes liegt in seiner Bevölkerungsstruktur: Hier leben viele Familien neben friedlichen alternativen Wohnprojekten – ja die gibt es hier auch! Hier muss die Politik es schaffen, die notwendige Infrastruktur bereitzustellen (z. B. Schulen, Kitas).

Sie wollen der „ausdrücklichen Benachteiligung des motorisierten Individualverkehrs durch die Grünen“ ein Ende setzen. Worin besteht Ihres Erachtens die Benachteiligung? Und was wollen Sie warum für den MIV tun?

Als erklärter Gegner flächendeckender Parkraumbewirtschaftung, die die Menschen ohnehin nicht vom Autofahren abhält, sondern nur dazu dient, die Bezirkskasse aufzubessern, fordere ich die Abschaffung oder zumindest die Einführung von „Brötchentasten“ für kurzzeitiges, kostenfreies Parken. Es ist doch nervig, wenn man seine Kinder vom Sport oder Musizieren etc. abholt und man jedes Mal fürs (Kurz-) Parken zur Kasse gebeten wird.

Ich bin für den langfristigen Ringschluss der A100, damit sich die Verkehrssituation in den Innenstadtbezirken entspannt.


ICH BIN FÜR DEN LANGFRISTIGEN RINGSCHLUSS DER A100, DAMIT SICH DIE VERKEHRSSITUATION IN DEN INNENSTADTBEZIRKEN ENTSPANNT.


Es war ein Fehler die Stellplatzverordnung abzuschaffen, die Investoren verpflichtete, für Parkplätze ihrer Mieter bzw. Wohnungseigentümer zu sorgen.

Eine tatsächliche Gleichbehandlung aller Verkehrsträger im Bezirk ist mir wichtig. Dazu gehören für mich auch:

  • längere Ampelschaltungen für Fußgänger an verschiedenen Straßen.
  • die Entschärfung der Gefahrensituationen für Radfahrer an vielen Stellen im Bezirk.
  • die Förderung von E-Fahrzeugen und Rollern durch entsprechende E-Tankstellen.

Stellen Sie sich vor, Sie wachen am 19. September auf und die Wahl ist genauso ausgegangen, wie Sie es sich wünschen. Wie sähe das Wahlergebnis aus?

Ich hätte drei Wünsche:

  1. die CDU Berlin wird stärkste Kraft im Abgeordnetenhaus, weil sie einfach das beste Programm für ein wirklich starkes Berlin hat.
  2. die CDU Friedrichshain-Kreuzberg wird auf Bezirksebene zweistellig und stellt einen Stadtrat.
  3. die AfD schafft es weder ins Abgeordnetenhaus, noch in die BVV 8.

Angenommen Sie werden am 18. September ins Abgeordnetenhaus gewählt: Was wollen Sie bis 2021 konkret erreicht haben?

Verbesserungen in:

  • Bildung: Schulneubauten in ganz Berlin beschleunigt. Verbeamtung von Lehrern umgesetzt. Bildungsqualität verbessert. Gymnasien erhalten.
  • Verkehr: A100 bis Storkower Straße verlängert. Innenstadtverkehr entlastet. Zustand der Straßen, Gehwege und Fahrradwege verbessert. Carsharing und E-Mobilität weiter vorangetrieben.
  • Haushalt: Verschuldung Berlins weiter reduziert. Spielräume für Investitionen geschaffen.

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2 Comments

  • 3 Jahren ago

    Zunächst einmal Respekt vor der Idee, hinter das Plakat zu schauen, das finde ich eine ganz wunderbare Idee und sie ist Dir sehr gut gelungen. Ich habe die Artikel mit Spannung gelesen. Nun jedoch zu Deiner Begründung, warum Du hier einem AfD Kanditat keine Plattform bietest…Die zweite Begründung kann ich durchaus nachvollziehen. Warum jedoch verlinkst Du bei der ersten Begründung auf die Bundeszentrale f. politische Bildung? Hast Du für Deine Behauptungen keine sonstigen Quellen gefunden? Konsequenterweise hättest Du dann auch auf die Vorstellung der „LINKEN“ verzichten müssen. Seit ich denken kann, erfahre ich aus der linken Fraktion…zunächst in Form des SED Staates, jetzt in Form der Anhänger der Nachfolgepartei „DIE LINKE“ aufgrund meiner Religion und Weltanschauung Anfeindungen, Diskriminierung und Ausgrenzung…und da ist man in seinen verbalen Äußerungen nicht zimperlich…Geht es um ethnische Herkunft, dann braucht man sich nur mal die Haltung der Linken zu Israel ansehen oder die Haltung zur iranischen Regierung.
    Liebe Grüße, Lotta.

    • M i MA
      3 Jahren ago

      Liebe Lotta,

      danke für deine „Einmischung“. Warum ich auf die Bundeszentrale für politische Bildung verlinkt habe? Nun, nicht weil ich meine Aussage belegen wollte (da reicht ja das einfache Zu- und Hinhören bzw. die Lektüre des Programmentwurfs), sondern weil ich andeuten wollte, dass hier fundamentale Grundlagen unseres Zusammenlebens in Frage gestellt werden. Es gibt ein Recht auf Gleichbehandlung, das im Grundgesetz und im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz festgeschrieben ist. Das muss m.E. unantastbar sein.

      Dein Hinweis auf DIE LINKE stimmt mich nachdenklich und es tut mir leid zu lesen, welche Erfahrungen du mit Vertreter/innen der LINKEN machen musstest. Dennoch sehe ich fundamentale Unterschiede zwischen den beiden Parteien, nicht nur im Hinblick auf die Bewegungen, mit denen sie liebäugeln, sondern auch in der Frage der Gleichbehandlung.

      Liebe Grüße
      Indre

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