Ein Blog hinter ein Blog aus einer anderen Welt

Diese Woche beginnt mit einer kleinen Überraschung. Denn heute werfe ich einen Blick hinter ein Blog aus einer Welt, mit der die ‚Lifestyle‘-Blogosphäre wenig oder eher gar keine Berührungspunkte hat: die Auto-Blogosphäre. Kennen gelernt habe ich Jens Stratmann Anfang Juni diesen Jahres auf dem ‚1. journalist Blog-Camp‚ in Hannover – und fand seine Erzählungen aus dieser (mir) ‚fremden Galaxie‘ spannend. In unserem Montagsinterview erzählt er, wie zum Berufsblogger wurde, über gute und schlechte Blog-Erfahrungen, die Zukunft des Bloggens und wie seine Antwort auf das visuelle Bedürfnis seiner Leser lautet. Vielen Dank, lieber Jens, für die Einblicke in diese mir bislang fremde Welt und @all: Einen guten Start in die neue Woche.

Kurz zu dir: Wer bist du? Was hast du für einen beruflichen Hintergrund und wie bist du zum ‚Auto-Bloggen‘ gekommen? 

Wer bin ich und wenn ja wie viele? Mein Name ist Jens Stratmann, ich bin Baujahr 1979, trage also schon seit mehreren Jahren ein historisches Kennzeichen. Zusammen mit meiner liebevollen Patch-Work-Familie lebe ich mit 2 Kindern, einer wundervollen Frau, einem tollen Hund und unzähligen Fischen in der Stadt, die es laut Internet-Verschwörtung eigentlich gar nicht geben dürfte: Bielefeld! Unweit von Bielefeld, nämlich in Münster, habe ich vor ca. 20 Jahren eine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker angefangen und auch erfolgreich abgeschlossen, anschließend war ich über 11 Jahre im Vertrieb von sportlichen Autozubehör angestellt. Neben der Arbeit habe ich angefangen zu bloggen, über Sachen die mich interessiert oder bewegt haben. Das Thema Auto war dabei stets präsent und irgendwann war die Idee zum ersten Auto-Blog geboren.
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Foto (c) Jens Stratmann
Du betreibst zwei Blogs: rad-ab.com und FTLC.de. Worum geht es dort jeweils?
Ich betriebe sogar noch weitere Spielwiesen, aber das sind aktuell die Hauptblogs. Auf rad-ab.com geht es in der ersten Linie um Fahrberichte, Tests, Reviews von Neufahrzeugen. Zwischendurch auch mal eine Kolumne, eine Neuvorstellung. rad-ab.com ist mein Auto-Blog und nicht ganz ohne Stolz bin ich froh, dass der Blog seine Leser findet (die meisten kommen via Google). FTLC.de ist mein ganz neues Baby, eine Mischung aus Future, Trends, Lifestyle und natürlich ‚Cars‘. Es wird sich in der Zukunft vieles vermischen, warum sollte ich mich dann also wie bei rad-ab.com auf nur ein Themenfeld festlegen. Bei FTLC.de kann ich auch mal über Musik schreiben, über technische Sachen oder einfach auch nur mal einen Blick in die Zukunft wagen. 
Du lebst vom Bloggen. Wie (gut) geht das?
Stimmt! Ich lebe vom Bloggen, allerdings lebe ich nicht von meinen eigenen Publikationen, wobei es da aktuell dank der Werbeschaltungen auch aufwärts geht. Ich sehe mich als freien Automobil-Journalisten, denn ich erstelle auch für andere Blogs, Portale und Webseiten entsprechenden Content und werde für die Erstellung von Texten, Bild- und Videomaterial natürlich vergütet.
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Was sind deine besten bzw. schönsten Blog-Erfahrungen? Und welchen Erfahrungen bist du besonders klug geworden?
Mit einem 300 SL aus dem Jahre 1954 über spanische Landstraßen, mit einem Erprobungsträger über die Rennstrecke, mit dem Auto von Ironman durch Berlin, mit einem Safetycar durch die Straßen von Bielefeld. Da gab es schon viele Highlights, besonders waren auch die Roadtrips durch die USA. Jedoch darf man nicht vergessen: Es ist Arbeit! 
Es gibt natürlich auch negative Erfahrungen: falsche Menschen, falsche Online-Freunde, nicht jeder führt Gutes im Schilde und man wird schon oft enttäuscht. Ich will nicht ins Detail gehen. Aber gibt immer mal wieder diese Grüppchen-Bildung, es wird gelästert, es werden Unwahrheiten erzählt. Leider nicht nur intern, sondern auch gegenüber Herstellern. Früher hat mich so etwas noch aufgeregt, heute sehe ich das etwas gelassener. Vermutlich liegt es daran, dass ich inzwischen auch weiß, dass es wichtigere Dinge auf der Welt gibt, meine Tochter zum Beispiel.
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Was macht Blogs für Auto(teile)hersteller so attraktiv?
Ich denke, es ist die Zielgruppe und die Tatsache, dass die Beiträge immer online sind. Der Fahrbericht in der Zeitung vom Samstag kann man eine Woche später ja schon nicht mehr lesen, es sei denn die Zeitung bietet diesen auch online an. Den Fahrbericht im Fernsehen kann man auch nur zu bestimmten Zeitpunkten sehen, es sei denn man schaut sich den Bericht im Stream online an. Online ist das Zauberwort. Zusammen mit Sarah Sauer und Jan Gleitsmann erstelle ich gerade ein neues Format: Ausfahrt.TV ist ein Videoformat, das die visuelle Lücke füllt. Statt in Texten und Bildern erklären wir die Fahrzeuge filmisch. Damit bedienen wir einen großen, noch ungedeckten Bedarf.

Bei unserem Treffen hast du erzählt, dass Autohersteller dein Feedback durchaus auch mal beherzigen. Was waren deine Highlights?
Mir liegt das Thema Einklemmschutz am Herzen. Einklemmschutz? Sind elektrische Fensterheber verbaut, möchte ich nicht, dass z.B. die kleinen Finger meiner Tochter eingeklemmt werden können. Durch ein kostengünstige technische Lösung kann das vermieden werden. Ich überprüfe seit jeher, ob so ein Einklemmschutz vorhanden ist. Das war auch bei der Vorab-Präsentation eines namhaften Herstellers so. Bei dem ausgestellten Fahrzeug war dieser Schutz noch nicht verbaut. Direkt darauf angesprochen, griff der anwesende Produktsprecher zum Telefon und man versprach mir und den anderen anwesenden Journalisten, dass dieses in der Serie verbaut wird. Wurde es auch. Das lag sicherlich nicht nur an mir, denn auch andere schauen auf diese Feinheiten, aber für den Abend hatte ich das Gefühl, die Welt etwas besser gemacht zu haben. Was übrigens passiert, wenn der Einklemmschutz fehlt, kann man auf diesem Video ganz gut sehen.

Die ‚Lifestyle‘-Blogosphäre expandiert – täglich kommen x neue Blogs hinzu. Manch eine/r verkündet schon die Implosion dieser ‚Galaxie‘. Wie sieht es in der ‚Auto‘-Blogosphäre aus?
Klar! Ist doch auch verlockend: Autos fahren an den schönsten Destinationen der Welt. New Kids on the Blog gibt es also täglich, aber nicht viele halten auch so lange durch bzw. stellen zu früh überzogene Forderungen. Wer gerade sein Blog aufgemacht hat, bekommt garantiert keinen Mercedes vor die Tür gestellt. Ich glaube, ein reines Auto-Blog wird heute auch nicht mehr so einfach Fuß fassen. Man muss das Rad nicht neu erfinden, aber ggf. andere Wege gehen, die geteerte Autobahn mal verlassen und sich einen eigenen Stil zulegen. Dann könnte auch heute noch ein gut gemachter Auto-Blog funktionieren. Wichtig finde ich: Meinungen darf jeder haben, aber Fachwissen sollte man nicht vortäuschen. Wer keine Ahnung hat, kann seine Meinung wiedergeben, aber keine fachliche Einschätzung niederschreiben. Beim Thema Automobil ist es eigentlich gar nicht so schwierig sich einzulesen bzw. sich das notwendige Fachwissen anzulernen, trotzdem scheitern einige schon bei dieser Hürde. 
Wie schätzt du die Zukunft des (Auto-)Bloggens ein? Wird das in einigen Jahren noch ein lukratives Geschäft sein?
Wenn ich das mal sagen könnte. Ich bleibe nie still stehen, versuche mich stets neu zu finden und zu erfinden. Vom Getriebenen zum Treiber. Solange es das Thema Automobil gibt in Deutschland – und wir werden das Ende der individuellen Fortbewegung nicht mitbekommen – wird es auch Auto-Blogs und -Webseiten geben. Meiner Meinung nach wird das Thema Video/YouTube etc. immer wichtiger, denn die Leute wollen unterhalten werden und warum sollte ich einen ellenlangen Text lesen, wenn ich ihn mir auch vorlesen bzw. sogar vorspielen lassen kann?
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