Ein Blick hinter ::: Schorlemädchen

Neue Woche – neuer (Ein-)Blick. Heute schweifen wir wieder in die Ferne: nach Sydney/Australien, wo Maria alias Schorlemädchen seit rund drei Jahren lebt. Ich erinnere mich nicht mehr, wie ich ihren Blog fand, aber ich weiß noch genau, dass mich ihre Fotos sofort in den Bann zogen und ich erst nach  mindestens 1,5 Stunden wieder auftauchte aus ihrer einnehmenden Bilderwelt. Der Grund für diesen Zauber liegt vielleicht darin begründet, dass Maria analog fotografiert – also mit Bedacht und einer genaueren Vorstellung davon, was sie festhalten möchte. 

Ich freue mich, dass sie mir – trotzdem sie gerade viel um die Ohren hat – auf meine neugierigen Fragen in Wort und Bild geantwortet hat und uns aus ihrem Leben in Sydney erzählt, von den Dingen, die sie vermisst, über die schönen Seiten des Bloggens berichtet und von ihrem neuen Kreativ-Projekt. Hab´ 1.000 Dank, liebe Maria! Euch wünsche ich viel Freude beim Schauen und Lesen und eine gute Woche.
Wer steckt hinter Schorlemädchen? Magst du dich kurz vorstellen?
Hallo, ich bin Maria, 30 Jahre alt, komme urspruenglich aus dem Sueden Deutschlands, genauer gesagt aus dem schoenen Franken. Mein Herz habe ich allerdings waehrend der letzten Jahre, die ich in Deutschland gelebt habe, in Hamburg verloren. Seit 2010 lebe und arbeite ich mit meinem Mann und meinen drei Analogkameras in Sydney, Australien.

Was hat es auf sich mit dem Namen Schorlemädchen?

Um ehrlich zu sein, kann ich mich gar nicht mehr so recht erinnern, wie ich damals auf den Namen kam. Ich denke aber Schorle, da ich schon immer gerne Saftschorlen trinke und Maechden, weil ich mich damals als Blogmaedchen gesehen habe, allerdings merke ich gerade hier in Australien, dass der Name oft Probleme beim Aussprechen bereitet und gleichzeitig aber auch irgendwie einen Wiedererkennungswert hat.

2009 hast du deinen Blog ins Leben gerufen – nicht wissend, was sich daraus entwickelt. Wie würdest du die Entwicklung im Rückblick beschreiben? Und was ist dein Blog heute für dich?

Damals hatte ich so einige Blogs, die ich regelmaessig gelesen habe und so langsam kam mir da der Gedanke mich selbst an dieses Medium zu wagen und eine eigene Plattform zu kreieren. Ich wusste wirklich nicht so recht wie oft und ueber was genau berichtet werden sollte. Nach und nach sind dann kleine Beitraege entstanden, oft ueber Aktivitaeten am Wochenende, alltaegliche Begegnungen/Momenten oder kleinen Basteleien, immer in Begleitung von Bildern. Diese habe ich als Textunterstuetzung schon immer gerne gemocht. Mittlerweile merke ich allerdings, dass ich oft gar nicht mehr so viel schreibe und oftmals die Bilder alleine eine Geschichte erzaehlen lasse. Dafuer mache ich mir mehr und laenger Gedanken, welche Bilder ich zeige und auch in welcher Reihenfolge. Ich weiss nicht ob das unbedingt auffaellt, aber ich mag das gerne, den Auswahlprozess, sich noch einmal mit den Momenten, der Aufnahme zu beschaeftigen. Das heisst, dass ich wirklich sehr oft meine Bilder anschaue, Zeit-reise und mich zurueck erinnere.

Mit Fotografie habe ich mich eigentlich schon immer gerne beschaeftigt, ich denke aber, dass der Blog dies noch einmal verstaerkt hat, besonders seit ich meine erste Filmkamera auf einem Flohmarkt hier in Sydney erstanden habe. Dadurch wurde erst recht meine Liebe zur Filmfotografie entfacht und momentan zeige ich fast ausschliesslich analog aufgenommene Bilder. Es macht sehr viel Spass so viel Einfluss auf die Fotos zu haben und ganz bewusst Fotos zu knipsen. Es passiert auch, dass ich manchmal vor einem Objekt stehe, die Linse ist scharf und dann druecke ich doch nicht ab. Irgendwie hab ich immer ganz genaue Vorstellungen, wie ich etwas festhalten moechte.

Was stellt der Blog heute fuer mich dar – ich denke er ist ein Sammelsurium an Momenten in meinem Leben, an die ich mich gerne erinnere und die ich aber auch gerne teile. Der Blog ist auch ein Hobby durch das ich bereits viele Freundschaften im ‘wirklichen Leben’ geschlossen habe, wie zum Beispiel mit Trixi, Mel, Elizabeth oder Hiki.
Du bist deiner Liebe vor rund 3 Jahren von Hamburg nach Sydney gefolgt. Bist du dort mittlerweile heimisch geworden?
Ja, ich fuehle mich hier in Sydney momentan zu Hause. So ein Neuanfang in einer neuen Stadt und vor allem so weit Weg von der Heimat war zu Beginn nicht leicht. Ich habe mir das manchmal so vorgestellt, als ob eine Pflanze, samt Wurzeln aus ihrem Beet in ein ganz anderes gepflanzt wird. Es hat ein wenig gedauert, bis meine Wurzeln hier aufschlagen konnten. Besonders zu Beginn schien alles was mir bisher lieb war so weit entfernt, aber nach und nach sind Freudschaften entstanden, habe ich einen Job gefunden und die Stadt mit ihren schoenen Seitenstrasse und tropischen Pflanzen doch sehr lieb gewonnen.
Was liebst du am meisten in Sydney? Und was vermisst du am meisten?
Sydney ist wirklich schwer nicht zu moegen. Die Stadt liegt direkt am Wasser und das Wetter zeigt sich die meiste Zeit von seiner besten Seite. Eines der ersten Dinge, die mir hier allerdings aufgefallen sind ist das Licht, das ist wirklich ganz besonders. Ich liebe es spazieren zu gehen, mich in den verschiedenen Stadtteilen zu verlieren, die Art Deko Haeuser und Terassenhaeuser zu bewundern, im Sommer in einem der vielen Rockpools schwimmen zu gehen, Kakteen und Sukkulenten und andere heimische Pflanzen an vielen Strassenecken wild wachsen zu sehen, sehr guten Kaffee in den vielen tollen Cafes zu trinken, das gute Essen, im botanischen Garten laufen zu gehen, im Winter rechtzeitig frueh aufzuwachen um den Sonnenaufgang zu sehen…
Zu Beginn dachte ich, dass ich sehr viel vermissen werde aber am meisten vermisse ich doch meine Freunde und Familie. Und dann Dinge, wie das einfache Reisen in Europa, deutsches Kino und Quark.

Was hast du studiert und gearbeitet, bevor du fortgegangen bist? Und was machst du in Sydney?
Studiert habe ich BWL, Schwerpunkt Marketing und Medien, in Hamburg habe ich nach dem Studium bei einem grossen skandinavischen Unternehmen im Marketing gearbeitet, hier in Sydney arbeite ich bei Google. Nach dem Abitur wollte ich Grafikdesign studieren, das hatte leider alles nicht so geklappt wie ich das wollte und so nahm das Schicksal seinen Lauf und hat es bisher sehr gut mit mir gemeint. Meinen kreativen Ideen lasse ich oft nach der Arbeit oder an Wochenenden freien Lauf. Die Fotografie hilft mir dabei den Ausgleich zu finden.
In den ersten Jahren in Australien hast du viel genäht. Nähst du noch immer?
Eine meiner ersten Anschaffungen hier in Sydney war tatsaechlich eine gebrauchte Naehmaschine. Die Stapel mit Stoffen, dich ich ueber die Zeit sammel werden immer hoeher. Allerdings naehe ich noch immer regelmaessig, vor allem Geschenke fuer Freunde oder Kleinigkeiten fuer unsere Wohnung, davon habe ich schon lange nicht mehr auf dem Blog berichtet, faellt mir da gerade auf 🙂
Wie lebt ihr dort?
Wir leben in einer kleinen, aber feinen Wohnung in einem Viertel mit sehr vielen Art Deko Haeusern, sehr nahe am botanischen Garten und dem Hafen. Wir haben Glueck und einen kleinen Sonnenraum mit Wasserblick, darin steht nur ein Schreibtisch an dem ich manchmal naehe, bastel, lese oder E-Mails schreibe. Als wir im August letzten Jahres nach unserer Hochzeit hier eingezogen sind hatten wir genau zwei Moebelteile, das waren zwei Stuehle, die wir auf der Strasse gefunden hatten, den Rest haben wir uns bei Second-Hand Moebellaeden zusammen gesammelt.
Wirst du für immer in Australien bleiben? Werdet ihr vielleicht zurückkehren oder gar ganz woanders hingegen?
Wir werden nicht fuer immer hier bleiben und irgendwann wieder nach Europa kommen. Wann und wohin das steht noch in den Sternen.
Ist dein Mann Australier? Magst du erzählen, wie ihr euch kennen gelernt habt?
Ja, Will ist Australier, wir haben uns 2005 waehrend eines Auslandstudiums in Toronto kennengelernt. Ich war damals dort, um mein Englisch zu verbessern, deshalb lachen wir heute noch über unsere ersten Gespraeche. Ich kam damals glaube ich sehr schroff herrueber. Wir sind nach dem Auslandsaufenthalt beide in unsere geplanten Leben zurueck und es hat ein paar Jahre, viele Flugmeilen, E-Mails und Telefonate gedauert bis Will nach Hamburg zog und wir ein gemeinsames Leben starteten.
Was würdest du gerne einmal tun und ahnst, dass du es nie tun wirst?
Ich denke im Grunde haette ich ganz gerne irgendwann etwas Eigenes, an dem ich arbeite und meine ganze Energie dazu verwende. Manchmal fehlt mir einfach die Zeit so manche Idee umzusetzen, oder es dauert unglaublich lange. Toll waere es einen eigenen kleinen Laden zusammen mit Freunden oder aber auch alleine zu eröffnen. Ein Ort der Platz gibt spontan zu sein und verschiedensten Ideen freien Lauf zu lassen. Einen kleinen Stein habe ich vielleicht mit meinem neuen, kleinen Printshop dafuer gelegt.

18 Comments

  • 5 Jahren ago

    Welch schönes Interview. Habe gerade Deinen Fragebogen beantwortet und das vergessen: Ich mag die Interviews. So sehr. Immer gute Fragen, neue Blickwinkel. Mit Tiefgang eben.
    Das macht diesen Ort hier besonders.
    Und dass Du solche Orte wie Schorlemädchen vorstellst, die ich so sehr mag.

  • 6 Jahren ago

    Schönes Interview, danke! Ich liebe Marias Blog und ihre Bilder.
    Es ist ein Traum von mir in Sydney zu wohnen, durch das Schorlemädchen-Blog kann durch die Straßen von Sydney spazieren gehen, in Cafés sitzen und die tollen Strände besuchen. Einfach traumhaft!

  • 6 Jahren ago

    Was ein toller Einblick! Ich bin dann mal beim Schorlemädchen 🙂

  • 6 Jahren ago

    Liebe Indre, danke fuer das tolle Interview, freu mich sehr, dass ich hier sein darf 🙂

  • 6 Jahren ago

    <3 Maria is so sweet.

  • 6 Jahren ago

    für ganz zum tagesschluss habe ich mir den blick hinter … aufgehoben; wo es hingehört, das beste. und genossen. sehr. danke, ihr beiden.

  • 6 Jahren ago

    Ich verfolge das Schorlemädchen schon lange und bekomme regelmäßig Fernweh bei ihren Bildern! Besonders mag ich die von ihrer Hochzeitsreise in die Toskana, die vom Bondi Beach und die von Marias Tante im Garten. Nicht zu vergessen auch immer die tollen Cafe´s!!! Mein Lieblingsbild ist das "Picknick mit Freundin auf der Dachterrasse"…viell. gibt es das auch bald im Printshop? Vielen Dank euch beiden für das tolle Interview. Es hat mich gefreut hinter Marias Blog zu blicken, da sie selbst soviel aus ihrem Alltag in Sydney gar nicht schreibt;-) Liebste Sommergrüße Susan

  • 6 Jahren ago

    Oh, die junge Dame hatte ich ja noch gar nicht auf dem Schirm! Dabei wohnt sie ganz in der Naehe (3.5 Fahrstunden sind hier wirklich nicht viel.) Und das mit dem Quark ist schon lustig: wenn sich zwei Deutsche in Australien treffen, kommt das Gespraech unwiderruflich irgenwann auf die Quarkkrise. Es gibt hier keinen! Vielen Dank fuers Vorstellen, liebe Indre! Da werde ich in der Mittagspause gleichmal hinsurfen…

  • 6 Jahren ago

    ein sehr, sehr schönes interview.
    tolle hinter-diekulissen-blicke!
    danke euch beiden!

  • 6 Jahren ago

    und als voRabendlektüRe ebenso gut geeignet.
    die woRte und bildeR zusammen veRzaubeRn.
    bin ganz veRzückt …. vielen dank euch zweien.

  • 6 Jahren ago

    so schön von der maria zu lesen..sie ist so ganz besonders..

  • 6 Jahren ago

    Ach die liebe Maria <3

  • 6 Jahren ago

    verfolge dieses blog schon länger und freue mich nun auch über mehr facetten dazu. mein fernweh ist geschürt! danke, liebe grüße, wiebke

  • 6 Jahren ago

    Ich freu mich auch.

  • 6 Jahren ago

    'freut sich hier mit maria in die woche zu starten

  • 6 Jahren ago

    Ein schönes Interview über eine charmante Frau! Und eine schöne Lektüre in den Sommertag! Merci!

    • 6 Jahren ago

      ja, genau dieses gefühl. worte in den sommermorgen hinein. ein sehr schöner blick mal wieder 🙂

    • 6 Jahren ago

      ja – auch wenn bei ihr auf der anderen seite der welt gerade winter herrscht:)
      für uns der beste start…

      danke dir und ihr!

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