Ein Blick hinter Chestnut & Sage

Wie sieht ein Ingenieur aus? Bis dato wusste ich das nicht so genau. Jetzt weiß ich es: weiblich, witzig und charmant. So wie Julia eben, die von sich selbst sagt: „I look like an Engineer. Und tatsächlich bin ich das auch.“ Die studierte Produktingenieurin, die noch ein Studium des strategischen Informationsmanagements draufsattelte und heute medizintechnische Bedienungsanleitungen schreibt, ist aber noch mehr: nämlich eine leidenschaftlich Köchin. Chestnut & Sage ist ihr virtueller Esstisch, an dem sie Rezepte, Gedanken und Erlebnisse teilt. Im heutigen Montagsinterview teilt sie mit uns ihre Gedanken über Augsburg und das Kochen, ihre Lieblingsbücher und ihr perfektes Sommerrezept. 
Ein dickes Danke an Julia für das schöne Gespräch. Und allen eine vergnügliche Lektüre und ebensolchen Start in die letzte (sic!) Augustwoche.

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Wer steckt hinter Chestnut & Sage?
Mein Name ist Julia, ich bin Mitte 30 und blogge, weil ich Spaß am Wort habe, weil ich gerne schreibe und weil es mir manchmal hilft, meine Gedanken zu sortieren. Ich bin ein Sommermensch und genieße die aktuellen Temperaturen und die daraus resultierende Langsamkeit, das leichte Leben, sehr. 
Wie und wo lebst Du in Augsburg?
Ich lebe in der Augsburger Innenstadt in einer Wohnung, die ich zusammen mit meinem Liebsten vor allem wegen ihrer riesigen Küche bezogen habe. Ich mag unser Haus, es ist ein sonderbar-schönes und chaotisches Zusammenleben verschiedenster Menschen und Meinungen. Es ist gut in einem so kleinen Kosmos zu sehen, dass viele Lebensmodelle und -wege richtig sein können und es neben dem idealen Standard weitere richtige Herangehensweisen an das Leben gibt.
Du schreibst, dass Du nach dem „Büro“ noch kochst. Einfache Gerichte. Weil’s für mehr nicht mehr reicht. Was machst Du den ganzen lieben langen Tag „im Büro“?
Oh je, Du hast die alte About-Seite gelesen. Damals lag der Fokus – sowohl sprachlich als auch kulinarisch – auf dem schnellen Hopplahopp, das ist ja nun heute anders. Und da Du „ins Büro“ in Anführungszeichen setzt, dämmert mir, dass man das so nicht im ganzen Bundesgebiet sagt? Muss dann wohl etwas Süddeutsches sein… Ganz einfach gesagt schreibe ich Bedienungsanleitungen. Als Technische Redakteurin arbeite ich in einem medizintechnischen Unternehmen und kümmere mich da um alles, was mit eben diesem Thema zu tun hat. Es ist ein Beruf, in dem sich vieles um Standardisierung und Strukturierung handelt, in dem Informationen gesammelt, bewertet und so aufbereitet werden müssen, dass sie demjenigen, der diese Begleitpapiere, wie sie so schöne heißen, in der Hand hat, helfen.
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Was hat das, was Du „im Büro“ tust, mit dem, was Du einst gelernt resp. studiert hast, zu tun? Was hast Du gelernt/studiert?
I look like an Engineer. Und tatsächlich bin ich das auch. Ich habe zuerst Product Engineering mit Schwerpunkt Dokumentation und Kommunikation studiert und später noch strategisches Informationsmanagement darauf gesetzt. Der berufliche Weg ist da relativ klar vorgegeben, die Branche dagegen nicht. Ob nun Maschinenbau, Automobilindustrie oder Gebrauchsgüter, überall müssen Wissen und Informationen erfasst und so verarbeitet werden, sodass sie der relevanten Zielgruppe zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung gestellt werden können. 
Lebst du schon immer in Augsburg? Und welche Orte magst du dort am liebsten?
Nein, ich bin erst 2006 nach Augsburg gezogen. Eigentlich arbeitete ich zu der Zeit in München, konnte mir dort aber keine lebenswerte Wohnung leisten. Und da man ja gerne sagt, dass das schönste an Augsburg der Zug nach München sei, fiel die Entscheidung dann relativ leicht, nach Augsburg zu ziehen. Die Stadt hat dabei aber viele und weitaus schönere Dinge zu bieten als den Zug in die Landeshauptstadt. Besonders gut lässt sich zum Beispiel gerade jetzt im Sommer die Zeit im Siebentischwald verbringen, der durch seine vielen Bäche und Seen eine grüne Oase im Herzen der Stadt ist. Im Winter, dick eingehüllt in Schnee, ist er für Langläufer ein wahres Eldorado. Abgesehen davon mag mag ich die Innenstadt tatsächlich am liebsten. Ich mag, wie das Licht in der Früh um die Kurve am Dom fällt, ich mag die barocken Fassaden und Patrizierhäuser. Es gibt viele kleine Gärten wie den Hofgarten in denen sich hervorragend mit einem auf dem Stadtmarkt zusammengestellten Picknick die Zeit vertändeln lässt. Augsburg ist also meine (Wahl-)Heimat, eine nicht allzu große Stadt, in der meine Familie und meine Freunde leben. Und auch wenn Augsburg manchmal ein wenig kleingeistig wirken mag, kleinherzig ist es dabei nie.
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Kochen ist für dich…
…etwas alltägliches. Es ist das, was ich tun muss, um nicht nur Knäckebrot mit Margarine essen zu müssen, aber auch das, was ich tun möchte, um mich von einer Industrie, die nicht mein bestes im Sinne hat, unabhängig zu machen. Kochen ist aber auch eine Leidenschaft die ganz im Gegensatz zum Loriot’schen „Essen dient der Ernährung. Man spricht nicht darüber“ steht. 
Was sind deine drei liebsten Kochbücher? Und warum?
Luise Haarer: Kochen und Backen nach Grundrezepten
Mein Standard-Kochbuch, in dem alles steht, was man wissen muss, wenn man so kochen möchte, wie die eigene Großmutter. Luise Haarer, 1892 in Bad Urach geboren, hat dieses Buch 1932 zum ersten Mal publiziert und daher nicht nur ein Kochbuch, sondern auch ein kurioses Buch, dass die Befindlichkeiten der Zeit widerspiegelt. Ich besitze eine Auflage aus dem Jahre 1953, es ist zerfleddert und zerlesen und ein guter Wegweiser in großen und kleinen Küchenfragen.
Yotam Ottolenghi: Genussvoll vegetarisch
Ein grauenhafter Titel, ein furchtbarer Einband, eine kulinarische Offenbarung in jedem einzelnen Rezept. Auch wenn es 2015 nicht mehr durch die Foodblogs geistert, ist es immer noch das Buch aus dem ich am häufigsten koche.
Indien: Pushpesh Pant
Der Wälzer unter meinen Kochbüchern, eine Fundgrube großartiger und authentischer Rezepte. Das Buch macht es dem Leser allerdings nicht leicht – man sollte sich mit Indien und der reichhaltigen und vielfältigen Küche des Subkontinents auskennen um hier zu einem gelungenen Abendessen zu finden.
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Zum Schluss für meine Leser/innen und für mich: Dein aktuelles Lieblingssommer-Rezept ist?
Auch wenn der Sommer gerade eine hoffentlich kurze Pause einlegt, für mich ist es eine kalte Melonensuppe. Sie ist schnell zusammengemixt, erfrischt und somit genau das Richtige: 
  • 1 geschälte Gurke
  • das Fruchtfleisch einer Netzmelone
  • 2 Stängel Sellerie
  • 1/2 grüne Chili 
  • mit einem Tee aus Zitronengras und Ingwer pürieren. 
  • Mit Salz und Apfelessig abschmecken, 
  • noch mal in den Kühlschrank und dann 
  • eiskalt genießen. 

Mehr braucht es nicht.
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4 Comments

  • 4 Jahren ago

    WoW! Sehr geniale Bilder – gefallen mir wirklich sehr gut 😉 Da muss ich doch mal öfter auf deinem Blog vorbeischauen.
    liebe Grüße

  • 4 Jahren ago

    bei julia lese ich schon so lange gerne mit, durfte sie sogar schon live treffen und da sie ja hauptsächlich übers essen schreibt, freut es mich umso mehr hier mal wieder ein wenig persönlichere worte von ihr zu lesen 🙂 sehr sympathische junge dame und ein wunderbarer blog…
    liebe grüße

  • 4 Jahren ago

    Komisch, ich sehe ganz anders aus als Julia, aber ich bin trotzdem (auch) Ingenieur!!!

    Vielleicht liegt's ja daran, dass ich i.d.R. keinen hut vors Gesicht beim Fotografieren halte und auch meine Löffel nicht so schön sortiere, bevor ich sie in Szene setze… ;-))

    Ansonsten: Sehr schöner Post mit wundervoll stimmungsvollen Bildern!

    Gruß aus dem "Wilden Süden" der Republik,
    U.

    • 4 Jahren ago

      Es liegt sicher am Hut und an der Lage der Löffel 🙂

      Danke für das schöne Feedback und herzliche Grüße in den "wilden Süden"!
      Indre

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