Tag

Zukunft der Arbeit

Es gurgelt und zischt.
Es kichert und kreischt und grölt.
Es murmelt.
Es säuselt und zwitschert.
Es gluckst und röhrt und brüllt.
Es ruft und redet.
Es geifert und trällert.
Es spricht und singt.
Es lärmt.
Es tönt.
Es dröhnt.
Es blubbert.

Das Rauschen am Grund der Kommunikation hat sich zu einem ohrenbetäubenden Lärm verdichtet: ein brodelnder Brei aus abermillionen Stimmen, von denen jede Gehör finden will und doch keine einzelne mehr zu vernehmen ist. Ich könnte noch eins draufsetzen – doch wohin führt es, wenn wir dem Lärm immer weiter mit Gegenlärm begegnen?

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In der aktuellen Ausgabe des NO ROBOTS Magazin #6 schreibe ich über mein Unbehagen am Primat der Sichtbarkeit und nähere mich vorsichtig »der neuen Rolle der Kommunikation in der veränderten Welt«.

No Robots Magazin #6 Rausch

Kennen gelernt habe ich Sophie auf einem Workshop zum Thema „Bloggen als Business“. Keine von uns beiden hat das Bloggen zum Full-Time-Business ausgebaut. Doch das muss man auch nicht, ist die Dreifachmutter und PR-Expertin überzeugt. Man kann auch im Kleinen viel bewegen. Wie? Das hat die Teilzeit-Bloggerin vergangenes Jahr auf sehr eindrucksvolle Weise gezeigt. Für ein Krebshilfe-Projekt ließ  sie ihre wunderschönen langen Haare abschneiden und sammelte 1.500 Euro zusammen.


NIEMAND MUSS VOLLZEIT-SAMARITER WERDEN. MAN KANN AUCH IM KLEINEN VIEL BEWEGEN.


Wie es dazu kam, wo sie die Möglichkeiten und Grenzen des Bloggens sieht und warum sie eigentlich nie ans Aufhören gedacht hat – das und mehr erzählt sie im heutigen Montagsinterview. Hab‘ vielen lieben Dank, Sophie, für das inspirierende Gespräch!

BerlinFreckles, Sophie Luettich, Mamablog, Reiseblog, Reisen mit Kindern, Berlin

Sophie: Mutter von 3 Kindern, Berlinerin, Kommunikationsfrau, Bloggerin – was noch? Was nicht? Was wäre schön und ist noch nicht?

Erst einmal muss ich mich wohl outen, denn wohne zwar mitten in Berlin, bin aber keine gebürtige Berlinerin. Eigentlich bin ich noch nicht einmal eine Wahlberlinerin, denn meine Eltern zogen hierher, als ich neun Jahre alt war. Aber die große Stadt und ich, wir haben uns über die Jahre kennen und lieben gelernt.

Zum Bloggen bin ich gekommen, als ich mit meinem Sohn in Elternzeit war. Es war das sprichwörtliche Kribbeln in den Fingern und die Neugier, was es mit dem Bloggen so auf sich hat. Ich wollte schon als Kind immer wissen, wie Dinge funktionieren. Und am besten versteht man nun mal das, was man selbst tut.


ICH WOLLTE SCHON ALS KIND WISSEN, WIE DIE DINGE FUNKTIONIEREN. UND AM BESTEN VERSTEHT MAN NUN MAL DAS, WAS MAN SELBST TUT.


Und was tue ich so? Ich bin Referentin für Kommunikation mache klassische Öffentlichkeitsarbeit im sozialen Sektor. Dabei habe ich natürlich den angenehmen Effekt, dass ich das Wissen als Bloggerin mit in den hauptberuflichen Job einbringen kann und umgekehrt.

Ich werde relativ oft gefragt, wie das denn ginge, Familie, Job und das Bloggen in Einklang zu bringen. Dabei ist die Lösung ganz einfach. Ich kann als Frau vieles sein, aber nicht alles gleichzeitig. Wenn man so will, bin ich eine klassische Teilzeitmutter. Den Begriff kann man gut finden oder nicht. Aber wenn man es ganz zu Ende denkt, sind wir genau genommen alle Teilzeitmenschen. Wenn ich einer Sache viel Zeit und Energie widme, habe ich weniger für andere Dinge.

Zum Glück haben wir es – zumindest in den meisten Fällen – selbst in der Hand, welchem Teil unseres Lebens wir gerade wieviel Aufmerksamkeit widmen wollen. Was wäre zum Beispiel schön und ist es nicht? Von den Fenstern in unserer Wohnung ist nur das größte und schönste geputzt, die anderen schändlich vernachlässigt. Und was das Bloggen betrifft: Ich habe verschiedene Artikel im Kopf schon fix und fertig verbloggt, aber bis jetzt gibt es sie eben nur dort. Manchmal wünschte ich mir das Plugin, dass meine Gedanken direkt aus dem Kopf in einen neuen Blogbeitrag hinein bringt. Andererseits ist der Gedanke auch ganz tröstlich, dass immer, wenn ich wenig Zeit für die „digitale Welt“ habe, sich gerade in der „analogen Welt“ unheimlich viel bewegt.

BerlinFreckles, Sophie Luettich, Mamablog, Reiseblog, Reisen mit Kindern, Berlin, Zopf, Spenden für Krebskranke Kinder

Vor rund einem Jahr hast du deine wunderschönen langen Haare für Kinderhospize gespendet. Heute trägst du sie wieder halblang. Warum nicht weiter kurz?

Ich habe vor fast genau einem Jahr, im Sommer 2016 meine Haare für krebskranke Kinder gespendet. Ich hätte das natürlich auch still uns leise für mich tun können. Den Verein Haarfee e.V. in Wien hätte es bestimmt auch so gefreut. Aber da kam die Kommunikationstante in mir wieder durch. In meiner Abschlussprüfung zur Stiftungsmanagerin ging es um das Prinzip der Hebelwirkung bei gemeinnützigen Organisationen.

Mein Hebel war die Reichweite, die ich als Bloggerin habe. Zum einen habe ich auf meinem Blog darüber informiert, wie man seine Haare spenden kann und welche Beweggründe ich hatte, sie an einen Verein zu spenden, der daraus Perücken für Kinder anfertigt. Zum anderen habe ich auf einer Spendenplattform eine Sammelaktion gestartet. Für jeden zehnten Euro wollte ich einen Zentimeter mehr meines Zopfes spenden, auch wenn das bedeutete, dass mein Zopf direkt am Haaransatz abgeschnitten werden würde. Für rund 30 Zentimeter Zopf hatte ich mir also 300 Euro erhofft, zumal es eine sehr spontane Aktion war.

Noch vor dem Sommerurlaub wollte ich die Haare spenden. Zusammen gekommen sind über 1.500 Euro, die ich an ein Berliner Kinderhospiz und ein Hamburger Kinderhospiz weiterleiten konnte. Es darf übrigens weiterhin gespendet werden. 😉

Ganz rund wäre die Geschichte vielleicht sogar gewesen, wenn ich meine neue Kurzhaarfrisur auch noch für immer heiß und innig geliebt hätte. Viele haben gesagt, die kurzen Haare hätten mir gut gestanden und ich habe mich über die Komplimente sehr gefreut. Tatsächlich habe ich meine langen Haare aber sehr vermisst. Sie gehören einfach zu mir dazu und deswegen habe ich seit der Haarspende nicht ein einziges Mal eine Schere an mein Haar gelassen. Trotzdem bereue ich es keinen Moment lang. Meine großen Kinder fanden die Haarspende „sehr cool“. Die Jüngste hatte noch nicht verstanden, warum ich auf einmal so anders aussah.

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Du hast über deine so ungewöhnliche wie eindrucksvolle Spendenaktion berichtet und damit andere inspiriert und animiert. Liegt für dich darin die viel diskutierte "gesellschaftspolitische Dimension" von Lifestyle- resp. Elternblogs? Wenn ja: warum? Wenn nein: warum nicht?

In Bloggerkreisen fällt oft der Begriff der Reichweite. Allzu oft geht es dabei nur um Zahlen, die Klicks auf Blogartikel und Follower auf den Social Media Kanälen beschreiben. Was ich mir wünschen würde ist, dass mehr Blogger beim Begriff Reichweite auch im Hinterkopf haben, was sie gesellschaftlich damit erreichen können.


ICH WÜRDE MIR WÜNSCHEN, DASS MEHR BLOGGER BEIM BEGRIFF REICHWEITE IM HINTERKOPF HABEN, WAS SIE GESELLSCHAFTLICH DAMIT ERREICHEN KÖNNEN.


Mir war es ganz wichtig, dass ich ausführlich über die Aktion berichte, obwohl es auf meinem Blog sonst eher um „fluffige Themen“ geht, wie ich sie immer gern nenne. Es geht ums entspannte Reisen mit Kindern, ab und zu etwas Schönes fürs Kinderzimmer oder Alltagsbeobachtungen zu Mütter- und Erziehungsthemen. Der Punkt ist, dass niemand zum Vollzeit-Samariter werden muss, sondern schon im Kleinen viel bewegt werden kann. Was mich manchmal nervt ist die Einstellung, man könne sowieso nicht die ganze Welt retten, und fängt deshalb gar nicht erst an.

Unter der Überschrift „Utopie? Nennt mich naiv. #keineAngst“ hat übrigens Reisebloggerin Inka von Blickgewinkelt vor kurzem einen, wie ich finde, sehr treffenden Artikel dazu veröffentlicht. Der für mich entscheidende Satz daraus lautet: „Fang da an, wo Du es kannst.“ Für mich sind deshalb gerade Lifestyle- und Elternblogs eine spannende Nische, weil die Bloggerinnen die Chance haben zu zeigen, dass sich gesellschaftliches Engagement und andere Themenschwerpunkte nicht ausschließen.

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Du lebst wie ich in Friedrichshain. Was sind deine liebsten Orte? Welche meidest du?

Mit drei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter bleibt es nicht aus, dass man mich öfter auf dem einen oder anderen Spielplatz antrifft. Tatsächlich mag ich aber die meisten Spielplätze hier ziemlich gern. Man trifft immer irgendjemanden, den man kennt und der nächste Bäcker oder Eisladen ist auch nicht weit.

Ich bin auch sehr gern in der Gegend rund um die Simon-Dach- Straße und den Boxhagener Platz unterwegs – beim Lieblings-Thailänder oder auf einen leckeren Burger. Nur nicht gern abends am Wochenende. Da sind mir inzwischen einfach zu viele Touristen. (Oder es nicht gar nicht mehr Touristen als noch vor ein paar Jahren ich bin einfach nur zu alt geworden für so viel Gewusel auf den Bürgersteigen.)

Friedrichshain mit Kindern: Was sind deine Tipps?

Der Volkspark Friedrichshain ist ein wahres Paradies für Kinder. Es gibt den wunderschönen Märchenbrunnen, mehrere Spielplätze und der Mont Klamott (der eigentlich „Großer Bunkerberg“ heißt), ist gerade für jüngere Kinder schon ein kleines Abenteuer.

Am Comeniusplatz gibt es das Theater der kleinen Form, ein zauberhaftes Puppentheater mit angeschlossenem Café und einem Spielplatz gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite.

Auf dem Abenteuer- und Bauspielplatz „Forcki“ am Forckenbeckplatz können Kinder mit echtem Werkzeug hämmern und sägen. Es gibt dort viele Holzhütten, einen Lehmofen, ein Baumhaus und oft brennt auch ein Lagerfeuer.

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Kommt dir manchmal der Gedanke, mit dem Bloggen aufzuhören? Wenn ja: Was löst ihn aus? Und warum machst du trotzdem weiter? Wenn nein: warum nicht?

Es ist schon ein paar Jahre her, da nahm ich am Blogst Workshop zum Thema „Bloggen als Business“ teil. Du und Ricarda von 23qm Stil habt diesen Workshop geleitet. In dieser Zeit habe ich überlegt, ob ich womöglich in Vollzeit bloggen möchte oder ob es Hobby bleiben soll. Seitdem ist viel passiert und ich habe beschlossen, dass ich in dem, was ich als Bloggerin tue, professionell sein möchte, auch wenn ich es nicht als Profession im Sinne eines Berufes betreibe.


ICH HABE NICHT DEN ANSPRUCH TÄGLICH AUF MEINEN SOCIAL MEDIA KANÄLEN PRÄSENT ZU SEIN. VIELLEICHT IST DAS EINE ART VON LUXUS, DEN ICH MIR ALS TEILZEITBLOGGERIN LEISTEN KANN. VIELLEICHT IST ES ABER AUCH DIE HOHEIT ÜBER DAS EIGENE MEDIUM, DIE SICH JEDER BLOGGER BEWAHREN SOLLTE.


Eine der ursprünglichen Bedeutungen von Profession (lateinisch: professio) ist “öffentliches Bekenntnis“. Ich gebe in öffentlichen Profilen an, dass ich Bloggerin bin und bin stolz darauf.

Ans Aufhören habe ich nie gedacht, aber meine Blogs werden sich sicher mit mir weiterentwickeln und sich meinem Leben anpassen (müssen). Ich habe mir zum Beispiel die Freiheit genommen, meinen zweiten Blog NetWorkingMom.de, in dem es um berufstätige Mütter geht, für mehrere Monate in die Babypause zu schicken. Ich hatte meine jüngste Tochter bekommen und wollte mich einfach nicht selbst unter Druck setzen, zwei Blogs zu unterhalten.

Auch generell erhebe ich nicht den Anspruch, auf meinen Social Media Kanälen täglich präsent zu sein. Vielleicht ist das eine Art von Luxus, den ich mir als Teilzeitbloggerin leisten kann. Vielleicht ist es aber auch die Hoheit über das eigene Medium, das sich alle, die einen Blog haben, bewahren sollten.

 

Kueche, graue Kueche, Haecker, M i MA zuegeltUnser Umzug liegt mehr als ein Jahr zurück. Mittlerweile sind uns die Geräusche und Gerüche vertraut. Wir finden die Lichtschalter ohne Hinzusehen und den Weg zum Klo im Schlaf. Die Möbel haben einen festen Ort gefunden und die Angst vorm falschen gehängten Bild ist einer neuen Lust am Wandgestalten gewichen. Klingt ziemlich abgeschlossen? Ist es auch. Aber doch nur ziemlich. Hie und da gibt es noch offene Baustellen, allen voran im Bad. Hier klafft noch immer eine riesige Lücke unterm Waschtisch.

Nach den guten Erfahrungen mit unseren Einbauschränken haben wir uns entschieden, auch für den „Lückenschluss im Badezimmer“ eine Tischlerei zu rate zu ziehen. Auf der Suche nach einem passenden Betrieb bin ich über die Edition Tischler gestolpert, einer Online-Plattform für Möbeltischler/innen. Zwar habe ich dort (noch) keine Schreinerei in unserer Nähe gefunden, wohl aber Gefallen an der Initiative, die dem Handwerk mehr Sichtbarkeit in der virtuellen Welt verleihen will. Über ihre Hintergründe, Hoffnungen und Akteure, das Verhältnis von Industrie und Handwerk und anderes habe ich mit Monika Dieckmann vom Fachverband Tischler NRW  gesprochen.

Badezimmer, dunkelgraue Badfliesen, dunkles Bad

Wer steckt hinter der Edition Tischler?

Die Edition Tischler ist ein Online-Ausstellungsraum für Tischler mit einer großen Leidenschaft für den Möbelbau. Sie setzt sich aktuell aus 29 Innungstischlereien zusammen, die sich zu einem bundesweiten Netzwerk – mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen zusammengeschlossen haben. Die Edition Tischler ist mit Unterstützung von Tischler NRW entstanden, dem Innungsverband des Tischlerhandwerks in Nordrhein-Westfalen.

Alle Möbel, die im Online-Showroom angeboten werden, sind von Tischlern im Netzwerk entworfen worden und werden in den Werkstätten der Editions-Tischler mithilfe moderner Maschinen und mit größter handwerklicher Präzision gebaut. Eine Jury wählt die handverlesenen Stücke anhand hoher Qualitäts- und Designkriterien aus. Wenn sich Kunden ihr Möbelstück ausgewählt haben, können sie sich an die nächst gelegene Editions-Tischlerei wenden – oder an jeden anderen der 29 Betriebe im Netzwerk. Dieser persönliche Kontakt ist wichtig, damit die Tischlerei das Möbel nach den Vorstellungen des Kunden fertigen kann. Der Tischler liefert es selbstverständlich bis nach Hause und baut es dort auch auf. Sollten später noch Fragen aufkommen, können sich Kunden jederzeit an ihre Tischlerei wenden.

Was ist das Ziel und die Vision der Edition?

Die Edition Tischler hat zwei große Ziele: Die Online-Plattform soll den Verkauf von Tischler-Möbeln über das Internet fördern, aber auch die Tischler als Gestalter und Einrichtungsexperten bekannter machen. Der Verkauf von Möbeln über das Internet boomt – doch das Handwerk ist im Vergleich zur Industrie wenig vertreten. Tischler NRW unterstützt als Innungsverband seine Mitgliedsbetriebe beim Aufbau der Plattform, um den Online-Verkauf von Tischlermöbeln zu fördern.

Tischler NRW möchte mit der Edition Tischler aber auch dazu beitragen, das Image dieses traditionellen Handwerks zu differenzieren und zu erweitern. Das Tischlerhandwerk gehört zu den ältesten Gewerken überhaupt, und dennoch wissen die meisten Menschen nur wenig darüber, was ein Tischler oder Schreiner, wie das Gewerk in einigen Regionen auch genannt wird, eigentlich macht – das bestätigen Umfragen immer wieder. Dabei ist das Tischlerhandwerk extrem vielseitig: Tischler planen und fertigen nicht nur Möbel und Küchen, sondern auch komplette Inneneinrichtungen. Mit modernen, zum Teil computergesteuerten Maschinen verarbeiten Tischler neben massivem Holz auch Kunststoffe, Holz- und Mineralwerkstoffe, Glas, Metall und Stein. Manche Tischler bauen komplette Häuser aus oder sie gestalten die Innenräume von Läden, Arztpraxen und Yachten. Manche bauen auch Messestände, Wintergärten oder Saunen. Andere Tischlereien fertigen hauptsächlich Fenster, Türen oder Treppen. Einige Tischler planen große Bauprojekte, andere sind studierte Gestalter und entwerfen ganze Möbellinien. In jedem Fall sind Tischler die richtigen Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Gestaltung und Inneneinrichtung – auch das soll die Edition Tischler kommunizieren.

Edition Tischler, Beistelltisch Nachtschublade
Beistelltisch Nachtschublade

Handwerkliche und industrielle Produktion – wie verhalten sie sich zueinander? 

Wie die Industrie, stellen auch Tischler ihre Möbel mithilfe moderner, zum Teil computergesteuerter Maschinen her, die sie mit traditionellen Handwerkstechniken kombinieren. Dennoch gibt es nach wie vor gravierende Unterschiede: Die Möbelstücke werden nicht anonym in riesigen Produktionsstätten, sondern in einer überschaubaren Werkstatt von einem ausgebildeten Gesellen oder Meister gefertigt. Vor allem aber nehmen Tischler sich für jede Kundin und jeden Kunden die Zeit, ein persönliches, maßgeschneidertes Möbelstück zu entwickeln und das passende Material auszusuchen. Für die Industrie, die auch versucht, auf der Basis wiederkehrender, seriell gefertigter Versatzstücke ihren Kunden immer mehr Varianten anzubieten, wäre das nicht rentabel. Teurer wird es beim Tischler trotzdem nicht, da durch den Verzicht auf die Handelsebene ein wichtiger Kostenfaktor entfällt.

Warum sollte ich Möbel vom Tischler (statt von der „Stange“) kaufen?

Tischler sind Gestaltungs- und Einrichtungsexperten, die sich wirklich Zeit für ihre Kunden nehmen. Das Einrichten einer Wohnung ist schließlich eine persönliche Angelegenheit. Selbst dann, wenn die Kundin oder der Kunde noch gar nicht so genau weiß, was sie oder er eigentlich will, kann der Tischler ihnen helfen, die Idee zu konkretisieren. Er hat die Fähigkeit, vage Vorstellungen in Entwürfe zu verwandeln und (Einrichtungs-) Probleme zu lösen: Wenn Kunden beispielsweise nicht mehr wissen, wie sie ihre vielen Sachen unterbringen sollen, entwickelt der Tischler eine maßgefertigte Stauraumlösung, die zum Einrichtungsstil der Kundin oder des Kunden passt. (Interessante Tipps finden Sie dazu auf der interaktiven Internetplattform www.mehr-stauraum.de.)

Edition Tischler, Buecherregal Link
Bücherregal Link

Wer kann sich Möbel vom Tischler leisten?

Es gehört zu den Mythen, dass Möbel vom Tischler immer teurer sind als Industrieprodukte. Für eine maßgeschneiderte Küche vom Tischler beispielsweise muss ein Kunde keineswegs tiefer in die Tasche greifen als für eine hochwertige Marken-Küche. Möbel vom Tischler sind jedoch sicherlich nichts für Menschen, bei denen der günstigste Preis bei der Wahl ihrer Einrichtung Entscheidungskriterium Nummer eins ist. Möbel vom Tischler lohnen sich für all jene, die ihre Einrichtung mit Sorgfalt auswählen, Wert auf die optische und haptische Qualität ihrer Möbel legen, oder die es zu schätzen wissen, wenn ihr Möbel eine individuelle Handschrift trägt.

Wie sehen Sie die Zukunft der Möbeltischlerei?

Unsere Gesellschaft individualisiert sich immer mehr – ob Singles, klassische Familie, Patchworkfamilie oder Senioren – jeder hat eigene (Wohn-)Bedürfnisse, die sich im Laufe eines Lebens wandeln. Der Bedarf an Möbeln und Einrichtungen, die auf den einzelnen Menschen zugeschnitten sind, wird daher in Zukunft noch steigen, sodass es für Tischler immer genug zu tun geben wird.

Aber auch die Betriebe selbst wandeln sich: So bietet die digitale Kommunikationstechnik schon jetzt viele Optionen, die auch die Arbeitsweise in der Tischlerei verändern: Schon lange nutzen viele Tischlereien beispielsweise die CNC-Technik, mit der eine effiziente Fertigung jeder beliebigen Freiform möglich ist. Die stetig wachsende Vielfalt an Materialien verändert ebenfalls das Tischlerhandwerk: Ob es um den Einsatz innovativer Werkstoffe, beispielsweise mit selbstheilenden Oberflächen, den 3-D- Druck oder Licht im Möbel geht – die Vielfalt, die das Tischlerhandwerk seinen Kunden bieten kann, nimmt immer mehr zu.

Auch bei der Präsentation von Entwürfen gibt es immer ausgefeiltere Möglichkeiten, damit sich Kunden ein wirklichkeitsgetreues Bild von ihrem geplanten Möbel oder ihrer Einrichtung machen können. Immer mehr Tischlereien werden in Zukunft Apps nutzen, mit denen das neue Möbel in die bestehende Einrichtung projiziert werden kann. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Kunden in einer virtuellen Realität ihre neu gestaltete Wohnung schon in der Planungsphase begehen und von allen Seiten ansehen können.

Edition Tischler, Beistelltisch EMIL
Beistelltisch EMIL
Müde. Ich bin so müde. Ganz gleich wie viel Kaffee ich trinke und wie viel Stunden ich schlafe. Selbst diese kleine Liste zu schreiben, fällt mir schwer. Ist das die Frühjahrsmüdigkeit? – Wie dem auch sei: Ich wünsch‘ allen ein wunderbares, langes Pfingstwochenende!
Judith Peller (c) Karolina Parot
„Es geht nicht darum, gute Ideen zu entwickeln. 
Es geht darum, die richtige zu finden.“ 

Sie hat eine Trauer- und Interviewplattform über das Weiterleben nach dem Tod ins Leben gerufen, sich vor wenigen Monaten als als PR-Beraterin und Inspirationscoach selbstständig gemacht und wird in wenigen Wochen ihr Unterhosen-Label launchen. Wer? Judith Peller. Die 34-jährige Powerfrau mit dem ansteckenden Lachen, den 1.000 Ideen und dem richtigen Riecher. Im heutigen Montagsinterview spricht sie über richtige Idee und gute Entscheidungen, über die Schönheit des Kontrollverlusts und die Lust am Leben.

Ich danke dir, liebe Judith, für das wunderbare Gespräch mit dem ich euch allen einen ebensolchen Start in die neue Woche wünsche.

Wer ist Judith Peller?

Diese Frage habe ich so tatsächlich noch nie beantwortet: Zumindest nicht in dieser objektiven Form! Wer ist Judith Peller? Judith Peller ist eine 34-jährige Wahl-Berlinerin, die sich gerade mit INSPRIRATION als PR-Beraterin und Inspirationscoach selbständig gemacht hat. Schon als kleines Mädchen konnte ich mich nie für eine einzige Sache entscheiden, deshalb ist INSPRIRATION auch nur eines von vielen Themen in meinem Leben. Judith Peller ist immer auf der Suche, würde ich sagen: nach der nächsten Idee, dem nächsten spannenden Projekt, dem nächsten inspirierenden Auftrag. 
Seit mehr als zwei Jahren arbeite ich z. B. an der perfekten Unterhose für Frauen. Im Sommer erscheint die erste Unterhosen-Edition meines Wäsche-Labels „viel mehr als grau. Ich habe eine Trauer- und Interviewplattform ins Leben gerufen, die nicht den Tod, sondern das Weiterleben in den Mittelpunkt stellt. „Dein Tod und ich heißt sie. Ich wünsche mir von Herzen, dass wir endlich wieder normal über den Tod sprechen.

Gerade lese ich das wunderbare Buch „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast von Barbara Sher. Der Titel trifft es irgendwie ganz gut: Ich interessiere mich einfach für sehr viele verschiedene Dinge.  


Du arbeitest als freie Beraterin für strategische PR und Inspirationscoach. Was macht (d)eine PR-Beratung strategisch und was ist ein/e Inspirationscoach?
Viele glauben, dass es bei PR darum geht, gute Ideen zu entwickeln. Ich glaube, dass eine gute Idee wertlos ist, wenn es nicht die richtige ist. Strategische PR-Beratung hilft, herauszufinden, was die richtige Idee ist, um ein bestimmtes kommunikatives Problem zu lösen. Das bedeutet ganz konkret, dass man sich vor der kreativen Arbeit erst einmal ein strategisch fundiertes Fundament aufbaut: Wie sieht die aktuelle Situation des betreffenden Unternehmens aus? Welche Aufgabe gilt es zu lösen? Was soll mit PR erreicht werden? Wer soll angesprochen werden? Gute Ideen gibt es wie Sand am Meer. Die richtigen sind schwerer zu finden, ein bisschen wie beim Muscheln suchen. Mein Job ist es, beim Finden zu helfen. Das gilt auch für meine Inspirationscoachings.

Mit der richtigen Strategie kann man nämlich auch leichter essentielle, persönliche Fragen beantworten: Wie finde ich den Job, der mir wirklich Spaß macht? Wie sieht mein perfektes Lebens- und Arbeitsmodell aus? Was kann ich tun, um beruflich zufriedener zu werden? Als Inspirationscoach unterstütze ich Menschen, die sich beruflich verändern wollen, aber keine Ahnung haben, wo oder wie sie überhaupt anfangen sollen. Ein solches Inspirationsgespräch kann den Start erleichtern. Es dauert 3-4 Stunden. Am Ende erhält jeder eine umfassende Liste zum Weiterdenken. Darüber hinaus biete ich auch Webinare an. Das erste ist gerade fertig geworden: In 1,5 Stunden erfährt man meine persönlichen Tipps uns Tricks zum Thema „Von Ängsten und Ausreden. Wie man einfach anfängt, sein Leben zu ändern.

Der Tod gehört zum Leben. Das hast du oft betont. Seit deiner Kindheit hat sich der frühe Tod deiner Freundin Doris begleitet – aber auch krank gemacht. Hast du eine Idee, wie der Tod in guter/gesunder Weise zum Leben gehören kann?
Der Tod gehört zu unserem Leben. Das kann man gut oder schlecht finden. Es ändert aber nichts an der einfachen Tatsache: Wir werden geboren und wir sterben. Alles völlig normal. Was uns krank macht, ist unser Leugnen. Unser „Nicht-wahrhaben-wollen“. Unser ständiges „So-tun-als-ob-es-uns-nichts-angeht“. Unsere Angst, den Schmerz zu spüren. Die Kontrolle über unsere Gefühle abzugeben. 
Nach allem, was ich selbst mit meiner Trauer erlebt habe, ist der Tod für mich heute ein Geschenk: ein Geschenk des Lebens. Das mag jetzt vielleicht komisch und ein bisschen absurd klingen, aber seit ich begriffen habe, dass ich sterben werde, lebe ich. Ich vertage nichts mehr auf morgen. Ich warte nicht mehr auf den perfekten Moment. Ich spüre mich und meinen Körper, hier und jetzt. Ich schätze mein Leben und bin dankbar für alles, was ich habe. Man kann sein Leben nicht nachholen oder aufschieben. Man kann es nur jetzt leben. Mit allem, was dazu gehört: mit den Ängsten, dem Schmerz und den vielen Dingen, die man nicht kontrollieren kann. Aber ganz ehrlich: Kontrolle abzugeben ist etwas Wunderbares. Sich fallen zu lassen. Das Leben auch mal auf sich zukommen lassen, statt ihm immer ehrgeizig hinterherzurennen. Ich lebe und ich werde sterben, so einfach ist das. Sich diese einfache Wahrheit öfter mal bewusst zu machen, würde vieles verändern. Es könnte dazu beitragen, dass wir in einer guten und gesunden Weise mit dem Tod umgehen.
In verschiedenen Kulturen und Religionen gibt es sehr unterschiedliche Formen mit dem Tod umzugehen. Gibt es eine, die dir besonders zusagt?
Eine Freundin hat mir neulich von ihrem Urlaub in Mexiko erzählt und wie die Mexikaner mit dem Tod umgehen: Sie feiern ihn einmal im Jahr mit einer riesengroßen Party. Ein Fest des Lebens, bei dem sich alle wiedersehen: die Lebenden und die Toten. Es gibt laute Musik, gutes Essen und Tanz. Der Tod ist dort nicht schwarz und weiß: Er leuchtet in allen Farben des Regenbogens. Das gefällt mir. Trauer ist viel mehr als immer nur traurig zu sein. Es bedeutet, sich zu erinnern: an die schönen Momente, an all die Situationen und Erlebnisse, die man zusammen geteilt hat. Wenn man jemanden verliert, den man liebt, dann tut das weh. Keine Frage, das ist das Schlimmste. Aber was wäre ich für eine Freundin, wenn ich mich an Doris nur mit all dem Schmerz erinnern würde? Sie war meine erste beste Freundin. Wir hatten so eine tolle Zeit miteinander. Wir haben Radio gespielt und Schneehöhlen gebaut. Daran will ich mich erinnern. Nicht nur an ihre Glatze nach der – gefühlt – 48. Chemo. Sie hat das Leben geliebt, obwohl sie sterben musste. Darum geht es.
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Quelle: Wiki Commens
Um den Tod einen Platz in unserem Leben zu geben, hast du die Plattform „Dein Tod und ich“ gegründet – ein Projekt, das schnell bekannt und zu deinem Herzensprojekt wurde. Bis jetzt. Was hat sich verändert?
Dein Tod und ich war einer der Gründe, warum ich mich selbständig gemacht habe: Ich wollte mehr Zeit dafür haben, ein Buch mit ausgewählten Interviews veröffentlichen, die Plattform zu DER Trauerplattform im deutschsprachigen Raum ausbauen. Seit einigen Wochen hat sich etwas verändert. Ich habe gemerkt, dass ich mich immer mehr davor drücke. Erst dachte ich, ich hätte vielleicht Angst, dass mich meine eigene Trauer wieder einholt. Vielleicht ist es auch die Angst, etwas falsch zu machen. Nicht die richtige Antwort auf die persönlichen Geschichten zu finden, die mir so viele Menschen ganz offen und ehrlich erzählen. Ich kann es nicht erklären, aber ich habe das Gefühl, dass ich fertig damit bin. Der Tod und die Trauer haben mehr als 20 Jahre meines Lebens bestimmt. Ich dachte immer, dass ich es Doris schuldig bin, ihr Andenken zu bewahren. Alles dafür zu tun, dass sie nicht vergessen wird. Ihrem Tod einen Sinn zu geben. Irgendwie war sie all die Jahre auch immer noch hier. Ich weiß nicht, warum und ich weiß auch nicht, wie ich das erklären soll, aber Doris ist gegangen. Sie ist weg und mit ihr der Wunsch, der Trauer ein Gesicht zu geben. Ich will mich mit dem Leben beschäftigen. Ich will das Beste vom Leben erwarten. Ich will mir alles wünschen, was ich mir vorstellen kann. Ich will jeden Tag genießen und glücklich sein. Ich weiß, dass ich sterben werde. Ich muss mich nicht mehr jeden Tag daran erinnern.
Dein neuestes Projekt heißt „viel mehr als grau“ oder auch „Unterhose„. Wie bist du dazu gekommen, einen perfekten „Frauenschlüpper“ zu erfinden? Und was macht ihn perfekt?
Ich war sehr unzufrieden mit meiner eigenen Unterhosensituation. Irgendwie gab es nichts, was meinen Vorstellungen von einer perfekten Unterhose entsprochen hat. Deshalb habe ich kurzerhand meine eigene erfunden und zusammen mit einem Schneider in den letzten Monaten entwickelt. Eine perfekte Unterhose ist bequem und sexy. Sie hat kein lästiges Etikett, das man erst herausschneiden muss. Sie ist aus qualitativ hochwertiger und robuster Baumwolle (mit ein bisschen Elasthan) und das wichtigste: Sie macht Spaß! Es gibt kein Schwarz und kein Weiß bei meinem Wäsche-Label, viel mehr als grau: nur knallige Farben. Jeden Monat wechselt die Farbe. Die erste Edition ist himbeerfarben und heißt „Glück ist immer selbstgemacht.

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Die Unterhose kommt im Sommer auf den Markt, „Dein Tod und ich“ verändert sich… welche Jahresbilanz möchtest du am 31. Dezember 2016 gerne ziehen?
Trotz der Aufregung, der Unsicherheit und der vielen Fragezeichen, die sich gerade überall in meinem Leben auftun, ist es doch schon jetzt eins der tollsten Jahre überhaupt. Veränderung ist gut. Sie rüttelt an allem, was nicht mehr gebraucht wird. Sie schafft Platz für Neues.

Ich möchte ohne Druck und Stress eine Entscheidung für „Dein Tod und ich“ finden. Das Projekt vielleicht in neue, vertrauensvolle Hände geben. Die Unterhose soll nach zwei Jahren Entwicklungsarbeit endlich das Licht der Welt erblicken: Ich bin so neugierig, wie es damit weitergeht. Ob andere meine Begeisterung dafür teilen.

Groß ausgefeilte Pläne habe ich nicht in der Schublade. Ich möchte den Dingen auch einfach mal ihren Lauf lassen, mit dem „Flow“ gehen, auch wenn er zwischendrin eine Pause macht. Mir die Zeit nehmen, um immer wieder innezuhalten. Mich in die Selbständigkeit „eingrooven“. Weiterhin schöne PR-Jobs machen. Inspirierende Menschen treffen. Zeit mit meinen Liebsten verbringen. Und vor allem: einen tollen Sommer in der schönsten Stadt der Welt!
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Sommer in Berlin, Judith Peller, Dein Tod und ich
10 Jahre haben wir zusammen gearbeitet, haben Beteiligungsprozesse erdacht und gemacht, Bürger-, Jugend- und Expertendialoge moderiert und die Höhen und Tiefen des Beraterlebens durchlebt: Julia Kropf war meine Lieblingskollegin, und sie ist bis heute eine der (in meinen Augen) besten Moderatorinnen, eine gute Freundin und Ratgeberin. Umso mehr freue ich mich, sie heute hier zu Gast zu haben.
Anders als ich hat die promovierte Sozialwissenschaftlerin* 2015 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Seither ist sie erfolgreich als Business Coach und als Moderatorin tätig. Im Montagsinterview erzählt sie, was „richtige Ziele“ und „der richtige Zeitpunkt für Entscheidungen“ sind, welche „Fehler“ vor allem Frauen bei der eigenen Zielsetzung machen und wie sie sich vermeiden lassen. Außerdem geht es um die Zukunft der Arbeit: Was bringt sie? Worin unterscheidet sie sich von der heutigen Arbeitswelt? Und was müssen wir tun, damit sie gut wird?
Liebe Julia, hab vielen Dank für das inspirierende Gespräch, mit dem ich allen einen angeregten Start in die neue neue Woche wünsche.
*Promotionsthema „Flexibilisierung – Subjektivierung – Anerkennung. Auswirkungen von Flexibilisierungsmaßnahmen auf die Anerkennungsbeziehungen in Unternehmen“


Du bietest u.a. Seminare zum Thema „Die richtigen Ziele setzen“ an. Was sind die „richtigen Ziele“ und woran erkenne ich die falschen?
Richtig und falsch – das klingt natürlich sehr hart. Schließlich ist es erst einmal ja eine gute Sache, sich überhaupt Ziele zu stecken, also eine Vorstellung davon zu entwickeln, wo ich hin will. Als Systemischer Coach bin ich allerdings auch davon überzeugt, dass Ziele im Einklang stehen möchten mit all meinen Lebensbereichen.
Dazu ist wichtig, zu sagen: Wenn ich hier von Zielen spreche, dann meine ich eher persönliche Ziele oder auch individuelle Veränderungs- oder Entscheidungsprozesse – und nicht solche, die sich eher auf einen „pragmatischen“ Projektkontext beziehen. „Richtige Ziele“ sind dann also solche, die zu meinem gesamten Leben passen. Ziele, für die ich mich nicht verbiegen muss, weil „man“ das eben so machen sollte.
Was ich tatsächlich feststelle ist, dass gerade wenn es um die so genannte „Karriere“ geht, oft Ziele gesteckt werden, die bei einem Blick auf den persönlichen Lebenszusammenhang eher eine Tendenz zum Scheitern haben. Deshalb würde ich sagen: Ein Ziel ist dann gut und „richtig“, wenn es mich motiviert, aber nicht einen anderen Lebensbereich, wie z.B. meine Gesundheit oder meine Familie oder meine Finanzen, komplett überfordert. Es möchte sich, bei aller möglichen Herausforderung, insgesamt gut „anfühlen“. Ob es das tut erfahre ich jedoch nur, wenn ich mich im Vorfeld ernsthaft damit auseinandersetze, mir Zeit nehme für die innere Spurensuche, Fragen stelle, abwäge, in mich hineinhorche.
In einem anderen Seminar geht es um den „richtigen Zeitpunkt“ für neue Ziele. Wann ist der „richtige Zeitpunkt“?
Das könnte ich mir jetzt einfach machen und sagen „das merkt man“. Aber im Ernst, ich glaube wirklich, dass man den richtigen Zeitpunkt für Veränderungen, für Entscheidungen – was ja immer verbunden ist, mit Zielen – spüren kann. Das funktioniert aber nur, wenn ich mich ganz gut kenne. Also, wenn ich weiß: was motiviert mich, wo habe ich eher Befürchtungen, Ängste oder auch echte Grenzen, was fällt mir leicht, wofür brauche ich mehr Energie, wieviel fordern mir meine anderen Lebensbereiche gerade ab, wie reagiere ich auf Stress, Anspannung etc.. Und es funktioniert, wenn ich die Frage „Wo soll meine Reise gerade hingehen?“ auch visuell unterstütze. Wenn ich mir ausmale, wie sieht denn das aus, was ich mir vorgenommen habe? Wie sieht mein Umfeld dabei aus? Welche Rolle spielen die Menschen in meinem Leben? Wie fühlt sich das an? Oft merkt man dann sehr schnell, ob es irgendwo hakt.
Was sind die häufigsten Fehler bei der Zielsetzung, die dir als Coach immer wieder begegnen, und wie kann man sie vermeiden?
Ich glaube, das ergibt sich ein bisschen aus dem, was ich gerade gesagt habe. Ziele sind keine To Do-Listen. Und Ziele gibt es nicht von der Stange. Nur weil ich das, was andere machen, toll finde, bedeutet das nicht, dass es auch bei mir funktioniert. Trotz aller Vielfalt beruflicher Wege, gibt es immer noch einen großen Mainstream was Karrieredefinitionen angeht. Erfolg ist ja so ein Begriff, der so leicht daher gesagt wird. Dabei ist die Antwort auf die Frage „Was heißt für Dich Erfolg?“ absolut unterschiedlich. Ich weiß nicht, ob ich in diesem Zusammenhang von Fehlern sprechen würde, aber ich glaube, die Perspektive ist entscheidend: Schaue ich sozusagen von außen auf mich und bewerte meine eigenen Ziele dadurch immer im Vergleich mit Anderen? Oder nehme ich meine eigene Innenperspektive ein und versuche von hier aus meinen Weg zu definieren?
Es klingt vielleicht sehr simpel, aber Ziele zu stecken heißt, sich Zeit und Raum dafür zu nehmen. Es heißt, von mir selber ein Bild zu entwickeln. Ein realistisches Bild.
Gibt es „Fehler“, die besonders Frauen immer wieder begehen? Und was könnte ihnen helfen, um diese Muster zu durchbrechen?
Ich habe vorhin gesagt, wichtig ist, die Ziele und Entscheidung in mein System einzubetten. Aber es gibt natürlich auch ein „Zuviel“ an System. Damit meine ich, dass Frauen oft zuallererst darauf schauen, was eine Entscheidung für Konsequenzen für Andere haben könnte und ihren Traum dadurch allzu schnell wieder fallen lassen. Wie werden meine Kinder das verkraften? Wird mein Partner mich unterstützen? Was sagen meine Eltern? Frauen denken eher, dass alle Beziehungsarbeit an ihnen hängt und trauen damit aber anderen auch oft weniger zu, fordern sie weniger. Frauen sind immer noch eher bereit, ihre Träume zu begraben. Was hilft: Klar, Mut zur Auseinandersetzung, zur Verteidigung der eigenen Bedürfnisse. Abschied von der Vorstellung, dass für sich selbst sorgen automatisch bedeutet, egoistisch zu sein. Und vielleicht ein bisschen Pragmatismus bei der Umsetzung – also, an welchen Stellen muss ich Alternativen denken, wo können andere sich mehr einbringen, wofür muss ich meine Komfortzone verlassen, was brauche ich dafür und woraus schöpfe ich Energie und Kraft?
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Links: mit BM Andrea Nahles (c) Jens Schicke | rechts: mit BM Sigmar Gabriel (c) Heinrich Völkel
Du bist außerdem als Moderatorin für Bundesministerium, Stiftungen und Unternehmen vor allem im Bereich „Zukunft der Arbeit“ tätig. Welche Themen und Fragen werden aktuell besonders „heiß“ diskutiert? Und welche Aspekte sind aus deiner Warte noch etwas unterbelichtet in der Diskussion? 
Über allem stehen ja gerade die ganzen „4.0-Fragen“: Industrie 4.0, Arbeit 4.0, Digitalisierung. Das ist wirklich interessant, weil hier gerade einige Entwicklungen zusammen kommen. Die technischen Entwicklungen einerseits und die demografische Entwicklung andererseits. Hier tun sich gerade so viele Gestaltungsfenster auf, wie ich es noch nicht erlebt habe. Auf der einen Seite steht alles, was man unter die Überschrift „neue Freiheiten“ setzen könnte: mehr Flexibilität und Souveränität für die Beschäftigten, neue Organisationsstrukturen, mehr Demokratie in Unternehmen, gesunde Arbeit usw. Auf der anderen Seite steht ein enormer globaler Wettbewerbsdruck begleitet von zunehmend disruptiven technischen Entwicklungen. Die Frage nach dem politischen Rahmen – also der Frage, welche neuen und flexiblen Formen der sozialen Sicherung es dafür braucht – ist absolut relevant. Und hier ist für mich die Frage nach neuen (Experimentier-)Räumen für Sozialpartnerschaft ganz entscheidend. Für mich stehen aber auch Fragen im Vordergrund wie: Was trauen wir Menschen eigentlich wirklich zu? Sind wir bei allem noch offen für unterschiedliche Wege und Vorstellungen von Flexibilität und Sicherheit oder bildet sich im Gegenteil gerade wieder ein neuer Mainstream raus? Wo liegen die Grenzen? Wie gehen wir mit Scheitern wirklich um und reden nicht nur von Fehlerkultur? Wo sind die Führungskräfte, die das leben? Und schließlich in eigener Sache: Alle reden so viel über die neuen Solo-Selbstständigen. Gleichzeitig wird von politischer Seite noch recht wenig getan, um hier positive Anreize zu setzen.
Wie wird sich die Arbeitswelt verändern? Was werden wir 2025, wenn wir auf die Jahre 2015/2016 zurückblicken, wohl als markante Veränderungen wahrnehmen? 
Das sind eigentlich Fragen, die ich gerne stelle ☺! Die Antworten geben meist die Anderen…. Aber ich versuche es mal: Ich glaube, dass lange nicht so viel über Arbeit an sich gesprochen wurde, über den Wert von Arbeit, Aushandlungsprozesse, Kompromisse, neue Möglichkeiten und Risiken. Das ist was anderes als die Frage nach dem „Ende der Arbeit“ oder dem „Flexiblen Menschen“, wie wir sie vor Jahren hatten. Ich habe den Eindruck, dass der Zusammenhang von Arbeit, Anerkennung und Identität nochmal eine stärkere Relevanz bekommt – durch den Wunsch vieler nach mehr Freiheit in der Arbeit (und nicht durch die Arbeit) und auch durch die Bedeutung die Arbeit bei der Integration von Flüchtlingen und Zuwanderern einnimmt. Wie sich die Arbeitswelt verändern wird, das kann ich nicht sagen. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Raum für Neues gibt, Experimentierräume für neue Organisationsstrukturen, Formen der Zusammenarbeit, Lernmethoden, …
Was bedeutet das für die/den Einzelne/n? Wo liegen die Herausforderungen? Was sind die Chancen?
Ich glaube, die Chance ist, dass es mehr Chancen für individuelle berufliche Wege gibt – und das ist zugleich die Herausforderung. Letztlich heißt das nämlich für uns, dass wir einen guten Zugang zu uns selber brauchen, um den eigenen Weg in Herz und Hand zu nehmen. Aufmerksam zu sein, was mit uns und um uns herum passiert. Das ist manchmal anstrengend und braucht Zeit.

Und abschließend: Was wünscht du dir für die Zukunft der Arbeit und vor allem der Arbeitenden?
Ich wünsche mir, dass all die Diskussionen, die wir zurzeit führen tatsächlich zu mehr individuellen Freiheitsgraden führen. Aber natürlich systemisch gedacht, deshalb will ich es mal „ausbalancierte Freiheitsgrade“ nennen. Und auch wenn das sehr theoretisch klingt: ich würde mir wünschen, dass es keine rein akademische Diskussion bleibt, sondern bei allen ein Stück davon ankommt. Ich habe im vergangenen Jahr einen Workshop mit von Armut Betroffenen moderiert. Das wichtigste war hier: einen wertvollen Beitrag leisten, um an der Gesellschaft teilhaben zu können. Das sollte 4.0 aus meiner Sicht auch leisten.
Tipp: Am Mittwoch, den 25. Mai 2016 findet um 19.00 Uhr das nächste After-Work-Seminar „Entscheidungen: Die Suche nach dem besten Zeitpunkt“ von und mit Julia Kropf im Zentrum Hagelberger Straße in Berlin-Kreuzberg statt. Die Kosten betragen 8,00 Euro. Anmeldungen unter: kontakt@julia-kropf.de 
Dr. Julia Kropf (c) Olle Fischer 

{Kooperation} Vor einiger Zeit stieß ich auf den Sklavenrechner. Ein schreckliches Wort. Aber leider trifft es.  Er errechnet, wie viele Menschen unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten müssen, damit ich meinen Lebensstil halten kann. Das Ergebnis ist erschreckend! Nach EU-Definition liegt die Zahl der von mir quasi-beschäftigten Personen bei einem Kleinunternehmen mittlerer Größe (Schluck). Neben Wohnung und Technik (Smartphone, Kamera, PC, TV etc.) treibt vor allem meine Garderobe die Werte nach oben, denn in der Textil- und Schuhindustrie mangelt es vielfach an sozialen und ökologischen Standards.  Das weiß ich schon lange und verdränge es doch immer wieder erfolgreich. Das muss aufhören!

Auf der Suche nach Alternativen stieß ich kürzlich auf Sorbas. Das junge Berliner Unternehmen, das nach Alexis Sorbas, der Hauptfigur aus dem gleichnamigen Roman von Nikos Kazantzakis benannt ist, steht für gute Schuhe – in qualitativer und ethischer Hinsicht. Denn Gründer und Geschäftsführer Eike Vogler lässt sein Schuhwerk in kleinen Handwerksbetrieben zu fairen Arbeitsbedingungen und nach strengen Umweltstandards produzieren.

Wie es mit Sorbas weitergeht, welche Modelle gerade in der Entwicklung sind, wer hinter der Neugründung steht – das und mehr erfahrt ihr nun im Interview mit Eike.

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Erzähle ein wenig von dir: Wer bist du? Was hast du vor Sorbas gemacht? 

Ich bin ein Typ Anfang 30, komme ursprünglich aus Hamburg und lebe inzwischen schon viele Jahre in Berlin. Hier fühle ich mich im Neuköllner Weserkiez sehr wohl. Grundsätzlich bin ich aber überall dort zuhause, wo ich frei bin. Deshalb reise ich auch sehr gerne. Mit jeder neuen Erfahrung, jedem neuen Gedanken und jeder neuen Perspektive verändere ich mich und bleibe kreativ. Vor Sorbas habe ich studiert, gejobbt und war viel in der Welt unterwegs.
Wie bist du auf die Idee gekommen, Sorbas zu gründen? 
Nach meinem Studium wollte ich keinen normalen Karriereweg einschlagen, ich war eher an Entwicklungsarbeit interessiert. Doch statt in Büros zu sitzen und nach Vorgaben zu arbeiten, wollte ich lieber selbst spannende Ideen entwickeln und umsetzen. Mir ist wichtig, sinnvolle Dinge zu tun und nach einer möglichst freien, unvoreingenommenen Lebensart leben zu können. Deshalb war ich auf der Suche nach einem Produkt, mit dem ich genau das umsetzen konnte. Und zwar so, dass auch andere davon profitieren können.

Auf die Idee, Schuhe zu machen, kam ich dann durch eine Studie der UN, in der Entwicklungspotentiale für Albanien untersucht wurden, und welche das Potential der dortigen Schuhindustrie betonte. Nun werden Sorbas Schuhe zwar nicht in Albanien produziert, aber auch auf dem Balkan und auch mit dem Ziel, die Entwicklung dort positiv zu beeinflussen.

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Wofür steht der Name Sorbas eigentlich?
Alexis Sorbas ist eine Romanfigur und wurde in den Sechzigern vom Schauspieler Anthony Quinn in einem gleichnamigen Film dargestellt. Sorbas ist ein lebensfroher Mensch mit einer intuitiven Lebensweisheit, der seinen Impulsen folgt, ohne dabei banal zu sein. Im Film trifft er auf einen Engländer, der auf seiner philosophischen Suche nach Glück und Weisheit ist und in Sorbas sein Ideal findet. 
Ich habe den Film gesehen, kurz nachdem ich mich entschlossen hatte, das Schuhlabel zu gründen. Er bringt eigentlich alles zum Ausdruck, worum es mir in diesem Vorhaben geht: die Suche nach einer nachhaltigen, glücklichen Lebensart, die Lebenslust und nicht zuletzt den Mut, einfach der Intuition zu folgen. So verkörpert „Alexis Sorbas“ im Grunde auch die Persönlichkeit der Schuhmarke Sorbas. 
Du arbeitest mit einem traditionellen serbischen Schuhmacherbetrieb zusammen. Warum gerade Serbien?
Ich möchte ein Produkt anbieten, bei dem ich selbst den Herstellungsprozess nachvollziehen und die Arbeitsbedingungen positiv beeinflussen kann. Deshalb lasse ich Sorbas Schuhe in Europa herstellen aus Materialien, die ebenfalls fast ausschließlich in Europa und unter guten Bedingungen hergestellt werden. Für Serbien habe ich mich entschieden, da hier zum einen das traditionelle Schuhmacherhandwerk gepflegt wird. Zum anderen aber, weil ich dort mit begrenztem Startkapital positive wirtschaftliche Impulse setzen und faire Löhne zahlen kann, ohne dass die Schuhe enorm teuer werden müssen.
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Wie haben Mesa und du zueinander gefunden? 
Zunächst bin ich ganz einfach mit dem Rucksack durch den Balkan gereist und habe mir einige kleine Betriebe und Schuhfabriken angeschaut. Letztendlich hat mir allerdings die Entwicklungsorganisation USAID auf der Schuhmesse in Düsseldorf den Kontakt zu der kleinen Schuhmacherei vermittelt, mit der ich nun zusammenarbeite. Ich habe zuerst Prototypen der Schuhe dorthin geschickt und bin dann letztes Jahr selbst nach Serbien gefahren, um zusammen mit den Leuten vor Ort das Design so anzupassen, dass es produziert werden kann. Dort habe ich Mesa schließlich persönlich kennengelernt. Er gehört zu einer Familie, die seit über 70 Jahren im Schuhmacherhandwerk tätig ist. Gemeinsam mit seiner Schwester Ajtana hat er gerade die Leitung des Betriebes übernommen.

Was hast du in den nächsten 1-2 Jahren mit Sorbas vor? 
Sorbas Schuhe sind im Moment ja vor allem für Frühjahr und Herbst geeignet. Ich werde sukzessive das Sortiment mit Modellen für Sommer und Winter erweitern. Geplant sind jetzt erstmal Halbschuhe, Stiefeletten und Boots, die für Sorbas typisch alle weich wie Sneaker sind. Dazu arbeiten wir mit neuen Werkstoffen und entwickeln unter anderem Modelle mit veganen Materialien natürlichen Ursprungs, die bisher kaum für Schuhe verwendet wurden. Zusätzlich zu den veganen Modellen wird es auch als Ledervarianten geben, so dass der Kunde die Wahl hat. Wenn Sorbas wie geplant weiter wächst, kommt das auch dem Betrieb in Serbien zugute, denn wir möchten die Zusammenarbeit weiter ausbauen. Ich kann mir aber auch vorstellen, im Laufe der Zeit weitere kleine Betriebe in anderen Erdteilen mit Aufträgen zu unterstützen und als Sorbas-Produzenten aufzunehmen.
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Sechs Jahre lang hat sie erfolgreich ein Unternehmen aufgebaut, das mit der Verleihung des German Design Awards 2016 im November letzten Jahres seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte. So hätte es weitergehen können. Doch am 1. Februar verkündet Kerstin Reilemann via Facebook, dass sie SNUG.STUDIO verlassen und sich neuen Kreativ-Abenteuern zuwenden werde. Was war ich überrascht! Und – ihr kennt mich – neugierig zu erfahren, wie es zu dieser Entscheidung kam. 
Im heutigen Montagsinterview erzählt die studierte Innenarchitektin aus Hannover, was sie zu diesem – mutigen – Schritt veranlasste und wohin die Reise geht. Hab herzlichen Dank, liebe Kerstin, für die Ein- und Ausblicke. 
Ich wünsche dir für dein Vorhaben ganz viel Freude, Erfolg und das nötige Quentchen Glück – und euch allen eine spannende Lektüre und einen guten Start in die KW 9.
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Nach erfolgreichen Jahren mit und bei SNUG gehst du nun eigene neue Wege. Wie werden diese neuen Wege aussehen?

Ich hole mal ein wenig aus – und hoffe, dass ist ok! 😉
Ich habe mich seit dem Innenarchitektur-Studium eigentlich immer wieder mit unterschiedlichen gestalterischen Themen beschäftigt, so dass das Produktdesign nicht unbedingt die einzige Richtung ist, die mich interessiert. Schuld war wahrscheinlich meine Hochschule, an der ich studiert habe – interdisziplinäres Arbeiten wurde dort sehr groß geschrieben :). Schon während des Studiums habe ich mit drei Freundinnen begonnen, eigene Projekte in die Tat umzusetzen. So entstanden verschiedene soziale, interaktive Installationen im Rahmen von Veranstaltungen und im urbanen Raum (siehe Näheres in meinem Portfolio). Das war eine tolle Zeit und ich bin mit den dreien immer noch eng verbunden, auch wenn wir mittlerweile zwischen Hannover und Berlin pendeln müssen, um uns zu sehen. Nach dem Studium war bei mir dann Familienplanung angesagt. Während der Schwangerschaft habe ich noch als Freelancer an einigen Kunst- und Veranstaltungsprojekten mitgearbeitet. Dann wurde Emil geboren und somit war ich eine Zeitlang eher kreativ im Kinderzimmer-Gestalten und Kaufmannsladen bauen :).
Da mir aber das Kinderwagen-Schieben und Kaffeetrinken mit Freundinnen irgendwann nicht mehr gereicht hat (obwohl es echt toll war!), musste irgendetwas Gestalterisches her, das ich gut von zu Hause aus machen kann. So habe ich angefangen, kleine Produkte aus Holz zu entwerfen und diese bei Dawanda unter dem Label domestic candy zu verkaufen. Süße Produkte von zu Hause – inspiriert durch mein Mutterdasein. So kam ich zum Produktdesign.
Als Emil dann in der Kita war, hatte ich vor, richtig durchzustarten: „Ein Studio wäre toll und vielleicht noch jemand, mit dem man zusammen arbeiten könnte!“ – auch ein Überbleibsel aus den Lehren des Studiums – Teamarbeit! Schon kurze Zeit später habe ich dann Berit über eine gemeinsame Freundin (Anne von enna und Anny Who) kennengelernt. Sie hatte gerade genug von ihrem Job im Architekturbüro und wollte auch gerne was Eigenes auf die Beine stellen. Gesagt – und erfolgreich – getan. 6 Jahre SNUG.STUDIO, Produktdesign mit eigenem Vertrieb. Bis hierher gemeinsam und nun weiter mit Berit und ihrem Mann Heiko, der im letzten Jahr mit eingestiegen ist.
Nun freue ich mich auf die nächsten gestalterischen Projekte, die auf mich zukommen.

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Welche das sein werden, wird sich jetzt erst im Machen herauskristallisieren. Aber so viel vorweg: Es wird in Richtung Styling, Art Direction gehen. Ob als Freelancer, angestellt oder beides, ist noch offen. Aber auch meiner persönlichen Vorliebe für Handmade und Do-It-Yourself- Projekte werde ich weiterhin nachgehen und diese ausbauen. Wer weiß, dabei springen dann vielleicht ein paar Unikate oder die ein oder andere limitierte Auflage von – ich denke eher künstlerischen – Produkten heraus, die ich dann online auch verkaufe. So ganz kann ich dann doch nicht aus meiner SNUG-Haut, aber eben ab jetzt eher sehr zurückhaltend und als persönliche Herzensangelegenheit und weniger als Haupteinnahmequelle.

DIY ist aber nicht nur ein Thema, mit dem ich mich persönlich, sondern weiterhin professionell beschäftigen möchte. Schon seit längerem entwickle ich ja (unter anderem mit Berit) für das Familienmaganzin Nido „Selber-Machen-Projekte“. Im aktuell erschienenen Buch Selber machen! sind auch viele unserer Projekte enthalten.
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Was war Anlass und Motivation für den „Alleingang“?
Die letzten sechs Jahre waren eine tolle Zeit: SNUG.STUDIO aufzubauen, es wachsen zu sehen und immer wieder kleine und größere Erfolge feiern zu können. Nur habe ich mich in der Zeit auch stark weiterentwickelt, genauso wie Berit. Mit unserer Philosophie und unseren Ziele haben wir dabei einfach unterschiedliche Richtungen eingeschlagen. So ist das eben manchmal und das ist auch okay so.
Natürlich war es ein etwas längerer Prozess, in dem wir uns erst einmal klar darüber werden mussten, wie und ob wir miteinander weiter nach vorne gucken. Am Ende haben wir freundschaftlich entschieden, dass wir getrennt voneinander beide besser zu unserer alten Form, zu unserem anfänglichen Enthusiasmus, zurückfinden.
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Wenn du zurück blickst: Was war SNUG für dich?
Die höchste Qualität von Arbeit ist, wenn sie sich nicht wie Arbeit anfühlt. SNUG.STUDIO war für mich mein zweites Zuhause. Es war ein Projekt, das wir mit viel Freude und Elan angegangen sind, um daraus ein echtes Unternehmen zu machen. Und das hat ja auch recht gut funktioniert :). In den letzten ein bis zwei Jahren habe ich jedoch immer mehr gespürt, dass meine Vorliebe für die gestalterische Arbeit dabei etwas zu kurz gekommen ist.

Wenn man die eigenen Produkte selbst produzieren lassen und erfolgreich vertreiben will, bedeutet das weitaus mehr als die Produkte in einen Onlineshop einzustellen und zu warten. Interne Strukturen und planvolles Handeln sind das A und O. Stand am Anfang das Produktdesign ganz groß oben auf unserem Plan, so haben wir schnell gemerkt, dass von einem guten Marketing, Vertrieb, Logistik, Lagerhaltung, Mitarbeiterführung bis hin zu Controlling- und Steuerthemen (…hab ich was vergessen?) alles mindestens genauso wichtig ist.
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Ich habe so unermesslich viel gelernt in diesen Jahren und kann es super für alle kommenden Unternehmungen und Projekte nutzen.
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Wie geht es mit SNUG weiter ohne Kerstin Reilemann? Worauf dürfen wir uns freuen?
Ich bin mir ganz sicher, dass es tolle neue Produkte geben wird. Ich halte sehr viel von Berits Gespür dafür, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Wir können uns also sicher auf neue klare Produkte mit dem gewissen Etwas freuen. Aber am besten wissen das natürlich Berit und Heiko selber.
Worauf freust du dich am meisten?
Darauf, dass ich für mich der gestalterischen Prozess wieder in den Vordergrund stellen kann. Egal, ob ich ein Do-It-Yourself-Projekt für eine Zeitschrift umsetze, kleine Unternehmen unterstütze, ihren öffentlichen Auftritt zu verbessern, Stylings für Produkte und Interior entwickele, Handmade-Produkte entwerfe und herstelle oder mit großen und kleinen Menschen Kunstprojekte mache.
Noch ist alles sehr frei und offen, aber je mehr ich in mich hineinhorche, je mehr ich an vergangenen Projekten zusammentrage, desto genauer zeichnet sich gerade ein Konzept für mich ab. Interdisziplinäres Arbeiten eben 🙂
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Was sind deine aktuellen Projekte?
Da bin ich noch ziemlich am Anfang. Ein Projekt ist meine neue Homepage, die vor allem als Portfolio funktioniert und potenziellen Kunden und Kooperationspartnern zeigen soll, was ich so gemacht habe und was ich mache. Was ich anbieten kann und möchte. Außerdem arbeite ich weiterhin mit der Nido zusammen, für die ich derzeit ein neues „Selber machen-Projekt“ für Kinder entwerfe. Bei decor8 werde künftig einmal im Monat mit einem DIY-Beitrag vertreten sein und im Kulturbüro meines Stadtteils DIY-Workshops für Kinder und Erwachsene geben. Es läuft also an!
Parallel dazu vernetze ich mich in verschiedenste Richtungen. Das ist in den letzten Jahren leider immer ein wenig zu kurz gekommen. Es ist gerade so inspirierend, sich mit anderen kreativen, freischaffenden Menschen auszutauschen. Dabei sind allein in den letzten paar Wochen so wunderbare Ideen und positive Gedanken und nicht zuletzt gute Kontakte entstanden.
Wo finden wir dich?
Man findet mich – hoffentlich ganz bald – auf meiner neuen Homepage und schon ein wenig länger auf Instagram, tumblr und Facebook. Auf meinem Instagram-Feed möchte ich vorerst eine gewisse Ahnung davon vermitteln, was mich und meinen Stil ausmacht. Meine Art auf die Dinge zu sehen. Meine ganz persönlichen gestalterischen Gedanken und Projekte.
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Womöglich hat die ein oder der andere von euch die Apfelsinengeschichte gelesen? Falls ja, dann erinnert ihr euch vielleicht, dass sie sich an Mi.s 23. Geburtstag ereignete, und die Apfelsine einst seinem Vater gehörte. Falls ihr sie nicht gelesen habt: Macht nichts. Denn um diesen „EinBlick“ zu verstehen, ist sie höchstens witzig, nicht aber wichtig: Mi. ist mein Sohn. Der einstige Apfelsinen-Besitzer sein Vater. Zusammen sind wir das, was man eine intakte Patchworkfamilie nennt, und das wiederum ist ein großes Glück. 
Mi.s Vater heißt Ulrich Christen. Er ist Heilpraktiker und hat mich schon von so manch fiesen Rückenschmerz befreit. Vor einiger Zeit hat er außerdem eine Augenschule ins Leben gerufen, und was er mir über das Sehen erzählt hat, hat mich so fasziniert, dass ich ihn gefragt habe, ob er nicht hier und heute ein wenig davon erzählen mag. Er mochte. Vielen Dank dafür, Ulrich! 
Euch wünsche ich nun spannende Einsichten ins Sehen und einen guten Start in die Woche.
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Foto: Ieva Jansone

Sehen. Was ist das eigentlich?
Sehen ist unser wichtigster Sinn. Der Sehvorgang liefert uns jeden Augenblick eine unvorstellbare Menge an Informationen über unsere Umwelt und auch über uns selbst. Gleichzeitig ist Sehen auch einer der komplexesten Vorgänge in unserem Körper, der sich ständig verändert und den Anforderungen anpasst.
Unsere Augen sind die Organe, die proportional zu ihrer Größe am meisten Energie verbrauchen. Und auch die Vorgänge im Gehirn, die aus den gelieferten Bildern eine sinnvolle Ansicht erstellen, sind faszinierend und wunderbar zu entdecken. 
Warum sollten wir das Sehen (neu) erlernen?
Weil wir mehr und anders sehen als wir meist denken. Wir nutzen unsere Augen sehr einseitig und eingeschränkt und oft auch angestrengt. Dazu kommt unsere Einstellung zu unserem Sehen: Viele Menschen mit einer Fehlsichtigkeit denken, ihre Augen seien „schlecht“. Das ist kein förderlicher Gedanke, denn er blockiert Wahrnehmungen.
Die Augen freuen sich mehr über eine vielseitige Betätigung ohne Leistungsdruck und natürlich auch über liebevolle Zuwendung in Form von Entspannung. Das alles kannst du mittels eigener Erfahrung lernen!
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Foto: Ieva Jansone

Was lernt man in deiner Augenschule?
Die Augenschule ist einmal eine Wahrnehmungsschule. Du entdeckst die Möglichkeiten des Auges, erforschst die Funktionen des Sehapparates und erlebst, wie du ganz persönlich in die Welt schaust. Außerdem ist die Augenschule eine konkrete Anleitung zur Selbsthilfe. Du lernst, Ausgleich für besondere Belastungen (zum Beispiel Bildschirmarbeit) zu schaffen.
Das geschieht mit einfachen Übungen (eigentlich sind es eher Sehspiele), deren Wirkung sofort erfahrbar ist. Du lernst, die Bedürfnisse deiner Augen wahrzunehmen und wie du ihnen schnell und einfach etwas Gutes tun kannst.

Ich war gerade am Meer und habe gemerkt, dass die Weite meinen Augen wohl tat. Ist Weitsicht für die Augen besser als Nahsicht?
Das Auge kann beides und liebt es, beides zu tun. Für uns Stadtmenschen hört die Welt meist, wenn nicht schon am Bildschirm, dann an der nächsten Hauswand auf. Deswegen ist es so wohltuend, in die Weite zu schauen. Das Meer eignet sich dafür ganz besonders, denn es gibt nichts zu erkennen. Auch das lieben Auge und Gehirn.
Wahrnehmen, ohne zu analysieren, das ist Urlaub!
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Bildschirm und Auge – wie verhält sich das zueinander?
Wahrscheinlich sind wir Menschen die einzigen Säugetiere, die freiwillig stundenlang in eine Lichtquelle starren. Dafür sind unsere Augen nicht gemacht, es ist Hochleistungssport gepaart mit Stress und erhöhtem Energieverbrauch. Der Blick auf den Bildschirm ist starr, eindimensional, immer in der gleichen Distanz zum Objekt und das Gesichtsfeld wird lediglich zentral genutzt.
Daher gebe ich Kurse speziell für bildschirmarbeitende Menschen, in denen sie lernen, Ausgleich zu schaffen. Denn um die Bildschirme kommen wir alle nicht mehr herum. Die Verträglichkeit ist also eine Frage der Dosis und des Ausgleichs.

Hast du einen einfachen Tipp für Bildschirmarbeiter/innen, wie sie ihre Augen täglich ein klein wenig verwöhnen können?
Ja, eine der wirkungsvollsten Augenübungen ist das sogenannte Palmieren. Dabei bedeckst du die geschlossenen Augen mit den Handflächen so, dass die Augäpfel nicht berührt werden, aber vollständig abgedunkelt sind.
Die Netzhaut braucht Dunkelheit, um zu regenerieren. Es ist wie Kurzurlaub. Wenn du dass regelmäßig ein paar Atemzüge oder sogar ein paar Minuten lang machst, werden es dir deine Augen danken. Und auch für den Kopf ist es sehr erholsam.
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Foto (c) Volker Gerling „Sara“

Und nun noch ein paar Sätze zu dir. Wer bist? Wie lebst du? Wie siehst du?
Mein Name ist Ulrich Christen, ich bin Jahrgang 1967 und lebe eine Hälfte der Woche in Berlin und eine Hälfte auf dem Land an der Elbe. Ich bin seit 10 Jahren Heilpraktiker und behandele in meinen Praxen im Prenzlauer Berg und in Gartow/Elbe hauptsächlich Patient/innen mit Augenkrankheiten und biete Akupunktur und Massage (www.ulrichchristen.de).
Ich sehe meist verschwommen. Das liegt daran, dass ich seit meiner Jugend kurzsichtig bin und meine Brille aber nur trage, wenn es wirklich nötig ist. Früher brachte mir das den Spitznamen „Maulwurf“ ein, aber ich sehe meist mehr als ich denke, und so habe ich, ohne es zu wissen, schon mit 16 angefangen, mein Sehen zu erforschen und führe das begeistert fort.
Die Augenschule ist ein relativ neues Projekt, bekommt aber immer mehr Bedeutung in meinem Leben. Ich betreibe sie mit großer Leidenschaft, weil sie so viel Spaß macht und den Teilnehmenden so viel bringt (www.augenschule.berlin).
Übrigens: Am kommenden Wochenende, den 13./14. Februar findet wieder ein Kurs statt und für Kurzentschlossene es gibt ein Valentins-Spezial: Ihr könnt zu zweit zum Preis von einer Person teilnehmen. Informationen zum Kurz gibt es unter www.augenschule.berlin/Termine. Ich würde mich, die ein oder den anderen von euch dort persönlich kennenzulernen!
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{Kooperation} MÜLLERNKONTOR habe ich im September 2014 während meines „Heimaturlaubs“ im schönsten Dorf der Südheide entdeckt: in Müden an der Örtze. Dort liegt der Müllernhof. Auf dieses großzügige Anwesen – das seines Zeichens das dorfälteste ist – sind Lüder Springhorn und Maren Schmitz im Dezember letzten Jahres mit ihrem Label für Möbel und Wohnaccessoires gezogen. 
Auf dem großen Hof inmitten der eigenwillig schönen Heidelandschaft findet das Designerduo den Platz und die frische Luft, aus denen neue Ideen und Konzepte erwachsen. Dabei verbinden der gelernte Metallbaumeister und die einstige Tischlerin neue Fertigungstechniken mit traditionellem Handwerk. Produziert werden ihre Entwürfe in sozialen Werkstätten und regionalen Handwerksbetrieben. So entstehen faire Produkte aus der Region.
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Hinter das Heilig-Abend-Türchen haben Maren und Lüder ein ganz wundervolles Produkt für euch gelegt: eine rote Alma
Die Lampe wurde (ebenso wie der Deckenbaldachin) in einer regionalen Integrationswerkstatt aus Gießton gefertigt und mit einem flammenden Rot glasiert. 
Eckdaten
  • Material: glasiertes Steingut (Keramik)
  • Zubehör: 3m Textilkabel, hochwertiges Halogenleuchtmittel, Deckenbaldachin aus Keramik passend zum Lampenschirm
  • Sockel: E14
  • Maximale Leistung: 20 Watt
  • Farbe: flammrot
  • Maße: BxHxT 130x110x65mm
  • Preis: 195€ 
Wenn euch Alma so gut gefällt wie mir, hinterlasst bis zum 27. Dezember um Mitternacht eine Nachricht. Die Adventsfee wird dann ein letztes Mal die/den Beschenkten mithilfe des Zufalls identifizieren. Frohe Weihnachten! Die Adventsfee und Herr Zufall haben die Beschenkte identifiziert: Es ist linotte. Viel Freude damit!
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