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Rezepte

»Mmh, köstlich – das ist der beste Apfelkuchen!« Schöner konnte mein Silvesterexperiment kaum kommentiert werden. »Kannst du mir das Rezept aufschreiben?« »Klar, das mache ich gern«, antwortete ich. Als ich dann aber Papier und Stift zur Hand nahm, kam mir ein Gedanke: Warum schreibe ich es nicht hier auf? So könnten alle das neue Jahr so genussvoll angehen lassen, wie sie das alte verlassen haben. Gesagt, getan.

Also, hier das Rezept für den – laut S. besten – Mürbeteig-Apfelkuchen mit Mandelkruste.

Ein Apfelkuchen für Selina

Mürbeteig

1 Ei und 125 g Zucker schaumig schlagen
125 g zimmertemperierte Butter untermischen und mit
250 g Mehl, 1 Prise Salz, 1 TL-Spitze gemahlener Vanille {o.ä.} und 1 TL Backpulver zu einem geschmeidigen Teig kneten.

Den Teig anschließend ca. 30 Minuten im Kühlschrank aufbewahren. Später in einer gefetteten oder mit Backpapier ausgelegten Springform mit einem 2-3 cm hohen Rand verteilen.

Füllung

Ca. 1 kg Apfel schälen, achteln und mit 1 TL Zimt, 1 TL-Spitze Vanille, 1 Prise Kardamom und gemahlenen Chili in einer großen Schale mischen. Anschließend auf dem Teig verteilen.

Für die Mandelkruste 100g Butter, 125g Zucker, 100g gehackte Mandeln, 100g Mandelblättchen, 1 TL Pinienkerne {kann man auch weglassen} in einem Topf erwärmen und leicht karamellisieren lassen. Dann 3 EL Milch und Mehl dazugeben und gut einrühren.

Die Mandelmasse nun gleichmäßig auf den Äpfeln verteilen und den Kuchen bei 200°C Ober- und Unterhitze rund 50 Minuten backen.

Der Kuchen schmeckt warm zwar mega-lecker, lässt sich dafür umso schlechter schneiden. Ich empfehle daher, ihn erst abkühlen zu lassen. Selbst 4 Tage nach Sylvester schmeckt er noch köstlich.

Ein Apfelkuchen für Selina

Apfelbild (c) Roberta Sorge via Unsplash

»Gleiches mit Gleichem behandeln.« So lautet nicht nur das Grundprinzip der Homöopathie, sondern auch meines. Wenn sich wieder einmal eine Gemütsverdunkelung anbahnt, hilft vor allem eines: schwarzer Kaffee und noch schwärzerer Schokolade.

Warum nicht diese zwei Stimmungsaufheller in einem Kuchen miteinander vereinen? Das fragte ich mich am Wochenende und startete ein Experiment. Herausgekommen ist der schwärzeste aller Schokoladenkuchen, die ich je gebacken habe. Veredelt mit einer Prise Salz, Vanille und Chili bin ich nun bestens gegen jedes Stimmungstief gewappnet. Braucht ihr auch? Na, dann…

Zutaten für den Teig
• 100 ml Espresso
• 100g Bitterschokolade {mindestens 70%}
• 120g Butter
• 120g Zucker
• 2 Eier
• 50g Kakaopulver
• 150g Mehl
• 1 TL Backpulver
• 1/2 TL Natron
• Prise Salz
• Prise Vanille

Zutaten für die Ganache
• 150 ml Espresso
• 50g Butter
• 100g Bitterschokolade {mindestens 70%}
• Prise Chili
• 5g Meersalz

Für den Teig Schokolade und Butter mit Espresso in einem kleinen Topf schmelzen und leicht abkühlen lassen. Zucker und Eier in einer Schüssel schaumig schlagen. Schokoladen-Espresso-Mischung unterrühren, dann restliche Zutaten dazugeben und alles gut miteinander verrühren. Teig in eine Springform {ø 20 cm} geben und bei 200°C ca. 40 Min. backen.

Für die Ganache Butter und Bitterschokolade mit Espresso in einem kleinen Topf schmelzen. Meersalz und eine Prise Chili dazugeben {je nachdem wie scharf man es mag, kann die Prise größer oder kleiner ausfallen} und stehen lassen. Nachdem der Kuchen fertig und leicht abgekühlt ist, mit Ganache bestreichen.

Guten Appetit!

Fotos: Espresso und Chili via Unsplash, Schokolade via px

»Als Lida, die ältere Schwester meiner Mutter, starb, habe ich begriffen, was das Wort Geschichte bedeutet. {…} Das einzige, was ich von Tante Lida habe, ist ein Rezept für Kwas, einen erfrischenden Trank.

Zutaten:
Ein großes Salatbündel
Eine große Knoblauchknolle
Ein großer Strauß Dill

{Hier fehlt eine Zeile}
Du kochst das Wasser und lässt es auf Zimmertemperatur abkühlen.
Du wäscht den Salat, dann schneidest du Wurzel und Stengel ab, dann schneidest du alles klein und schälst den Knoblauch.
{…}
Den Dill sollst du waschen und schneiden.
Dann vermischt du alles und legst es in ein Dreiliterglas.«

Aus: »Vielleicht Esther« von Katja Petrowskaja, S. 32


 

Kraniche fotografiert von Hazel Rosenstrauch… und mit der Liste und den besten Wünschen verabschiede ich mich ins Wochenende.

GESEHEN: die Kraniche über Linum
GEHÖRT: Bremer/McCoy
GESCHMECKT: Slow Food im »Kleinen Haus«
GELESEN:»Vielleicht Esther« {erst begonnen, aber mit sofortiger Sogwirkung}
GEPLANT: Kwas zu kochen
GESUCHT: nach Literatur über das Reisen als Lebensform
GEFUNDEN: Ida Pfeifer, die als erste Frau allein um die Welt reiste und jede Menge Zitate
GEFRAGT: Brauche ich den
Coverboy wirklich? {Ich find ihn so schön.}
GEMOCHT: #jetztschreibenwir
GEMACHT: Tee im KleinMein getrunken
GEDACHT: Abwegig finde ich es nicht, dass Toleranz und Glücksempfinden korrelieren.
GESTAUNT: über die »Flüchtlingshelfer/innen in Zahlen«
GEWESEN: bei der DEULA Warendorf, wo Geflüchtete einen Weg in den Arbeitsmarkt finden
GEFREUT: auf den Advent {ich bin dieses Jahr genauso früh wie der Spekulatius im Supermarkt ;)}
GESCHMUNZELT: über dieses charmante »f*ck you«
GEKLICKT: Martin Schoeller, der obdachlose Menschen portraitiert.

Fensterbild: Ieva Jansone | Kranichfoto: Hazel Rosenstrauch

Milas Deli, Brot, Blog, Brotbacken

Von der Ästhetik des Backens. So würde meine Antwort lauten, würde man mich fragen, wovon Milas Deli handelt. Seit Februar 2011 lässt sich Susanne Irmer beim Mischen, Mengen, Kneten und Formen virtuell über die Schulter blicken und man möchte es ihr sofort gleich tun, so verlockend und schön sieht es aus. Immer ein wenig entrückt; nicht ganz von dieser Welt. Kein Wunder, denn Bäckereien sind für Susanne nicht bloß Brotläden: „Bäckereien sind bis heute für mich magische Orte und manchmal denke ich: ‘Wow, dass man hier umsonst reindarf’.‘

Von ihrem Verhältnis zum Brot, ihrer Liebe zum Backen, über heimliche Träume und Sehnsüchte, Leichtigkeit und Schwere erzählt sie im heutigen Montagsinterview. Hab‘ vielen liebe Dank, Susanne, für das schöne Gespräch, mit dem ich allen einen zauberhaften Start in die neue Woche wünsche!

Milas Deli, Granola

Wer steckt hinter Milas Deli?

Susanne, Frühaufsteher, Kaffeetrinker, Mama und immer in Bewegung. Schlechter Pausierer. Außen fast immer ruhig, innerlich oft sehr aufgewühlt und voller Gedanken, ­Ideen. Was ich mit viel Außenordnung strukturiere. Ich mag zufällige kleine Gespräche und zarte Momente, die noch lange inspirierend nachwirken.

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Wie bist du aufs Backen gekommen und was bedeutet „Brotbacken“ für dich?

Bereits als Schülerin als ‘Neben-der-Schule-Job’ im Verkauf einer kleinen Bäckerei fand ich fast jedes Brötchen so einzigartig und besonders, dass es mir fast schwer viel die besten Stücke aus der Hand zu geben. Bäckereien sind bis heute für mich magische Orte und manchmal denke ich: ‘Wow, dass man hier umsonst reindarf’.‘

Viel später erst habe ich mit dem Selbstbacken begonnen, vielleicht ein wenig aus Angst vor Misserfolgen. Die Leichtigkeit kam hinzu als mir ein besonderer Mensch diesen Satz schrieb:

„Susanne, vielleicht ist es nicht falsch oder schlecht,
nur einfach nicht so wie du es erwartest hast.“

Brotbacken ist Angekommen-sein für mich.­ Ruhe, Wärme, ganz bei einer sinnvollen Sache sein, Genuss, Teilen, Freude schenken.

Was ist dein Brotjob und womit würdest du dir am liebsten die Brötchen verdienen?

Ich arbeite zur Zeit auf einer halben Stelle in einem Büro. Kaufmännisch, Vertrieb, absolut nicht kulinarisch. Zusätzlich seit etwa einem Jahr als Freelance-Fotografin und ab Herbst 2016 mit einem guten Tag in der Woche in der Hafven Gastronomie {dem größten Co-Working und Maker Space Deutschlands | Anm. Indre}. Eine neue Herausforderung, auf die ich mich riesig freue.

Mein leiser Traum: ‘Die Ausflugsbäckerei’. Sehr hell, mit natürlichen Materialien eingerichtet und großem Tisch davor. Weizensauerteigbrot(-Stullen), schwedisches Kardamom-Gebäck, feines Kompott und herzhafter Aufstrich, Honig, Wanderapfel und Käse vom Nachbarn. Leinenschürzen für Team und ‘to­-take­away’. Hintendran oder an der Seite ­ gleich beim Garten:­ ein Raum für Menschen, die von und miteinander lernen und genießen möchten…

Milas Deli, Brandenburg, Ausflugsbaeckerei, Traeume

Wie und wo lebst du in Hannover?

In der List, ein sehr familienfreundlicher Stadtteil. Altbau ganz oben, nette Hausbewohner mit Gemeinschaftsgarten.

Was sind deine liebsten Orte dort? Welche Orte meidest du warum?

Meine liebsten Lister-Orte sind die Eilenriede, unser Stadtwald, der nahe gelegene Kanal mit Sommer­Freibad und Boote-Gucken. Und wenn die Spielplätze in der Jahresmitte uns zu rummelig werden: bei Freunden im Schrebergarten.

Für gutes Essen und Kaffeetrinken setzen wir uns aufs Rad und radeln nach Linden: V17 für hübsche Heißgetränke, Lindener Markt am Samstag zum Mal-andere-Menschen-sehen als im eigenen ‘braven Kiez’, BAR für die Holland-Sehnsucht. Ménagerie, das Mädchencafé mit großartigem Gebäck. Frioli Eis, freundlichste und beste Pizza Francesca & Fratelli oder in die Nordstadt 24 Grad Kaffeerösterei.

Meiden? Die Innenstadt. Zu viel von Nicht-schön und sehr unruhig.

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Wo möchtest du jetzt am liebsten sein? Und warum?

Ich hüpfe zur Zeit gedanklich von hier nach dort. Auf der Suche nach Veränderung und einem Gefühl von Angekommensein wäre ich gerade am Liebsten unterwegs. Eine Reise von Skandinavien über Belgien, Italien, Frankreich, Spanien… Tasmanien und weiter, oder verweilen und innehalten. Immer übers Land, ab und zu ein Stopp in einer größeren Stadt. Menschen aus dem virtuellen Leben zum Kaffee oder Backen treffen. In die Backstuben ambitionierten Bäcker schnuppern. Von Menschen und Zufällen leiten lassen.

„Von Menschen und Zufällen leiten lassen.“

Milas Deli, Kardamon

Hast du ein leichtes Sommerrezept für meine Leser/innen und mich?

Aus meiner süßen Phase unbedingt dieses Galette-Rezept. Der Teig ist schnell zubereitet und läßt sich unendlich variieren: von der ersten süßen Beere im Sommer bis zur Zwetschge im Herbst. Vegan eventuell mit Seidentofu mal probieren.

Nektarinen-Kardamon-Galette (1 große oder 3 mittlere)
Teig
180 g Mehl
110 g Frischkäse
110 g Butter
1/4 TL Salz
1 TL Apfelessig

Mehl und Salz mischen. Butter und Frischkäse auf das Mehl würfeln und mit den Händen untermengen. Apfelessig hinzugeben und solange kneten, bis der Teig zusammenhält. In Frischhaltefolie über Nacht oder mindestens eine Stunde in den Kühlschrank legen.
Füllung
4-5 reife aromatische Nektarinen
1 kleine Zitrone (Saft)
1/2 TL gem. Kardamon
2 gestr. EL Speisestärke
2-3 EL Zucker
1 EL Sahne

Kardamon, Speisestärke und Zucker mit Zitronensaft glatt rühren. Nektarinen in feine Spalten schneiden und im Kardamon-Zitronenbad wälzen.

Den gekühlten Teig mit etwas Mehl ausrollen. Die Nektarinen in der Teigmitte platzieren. Den Teigrand umklappen, mit Sahne bepinseln und Zucker berieseln. Für eine halbe Stunde in den Kühlschrank stellen und anschließend bei 190 °C ca. 20-25 Minuten goldbraun backen. Noch lauwarm mit Joghurteis – perfekt!

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Es war eher pragmatisch motiviert: Niemand wollte die kernigen Flocken. Sie seien zu hart befanden Ma. und Mann.  Also blieben sie unberührt im Vorratsschrank. Bis zum Karfreitag. Da nämlich kam mir der Gedanke, dass sich daraus doch ein wunderbares Granola machen ließe. Gedacht, getan – und ja, es schmeckt. Gut. Richtig gut. Und dazu ist es auch noch gesund (und vegan).

Vielleicht habt ihr Lust, es nachzumachen? Es geht ganz einfach.

Ihr braucht:
  • 1 kg kernige Haferflocken
  • 1 Tasse Nüsse (z.B. Cashew, Mandeln, Hasel- und Wallnüsse) 
  • 1 Tasse Kerne (z.B. Sonnenblumen, Kürbis, Sesam)
  • 1/5 Tasse Gewürze (z.B. Vanille, Zimt, Prise Salz, Kardamom – aber gerne auch Thymian, Rosmarin und andere in Süßspeisen eher ungewöhnliche Gewürze)
  • 1 Tasse Agavensirup (oder flüssiger Honig)
  • 4 EL Öl (ich habe Olivenöl verwendet)
  • 1 Tasse Trockenfrüchte (z.B. Datteln, Rosinen, Pfirsiche, Feigen)

So geht’s:
  • Alle Zutaten außer den Trockenfrüchten gut miteinander vermengen, so dass sich der Sirup und das Öl gleichmäßig verteilen und keine Klumpen mehr darunter sind.
  • Die Müsli-Masse locker auf einem Backblech verteilen und ca. 40 Minuten auf 180°C leicht braun backen.
  • Die gebackene Mischung auskühlen lassen und die klein geschnittenen Trockenfrüchte darunter mischen. 

Fertig. Guten Appetit und gesunden Hunger!
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… zumindest der beste meiner kleinen Welt ist der Getränkte à la Betty Bossi. Sein Geheimnis liegt im Zitronenguss. Er verleiht ihm diese wunderbare „Knietschigkeit“ (gibt es das Wort eigentlich offiziell?). Dazu ist er auch noch ruckzuck und easy peasy gemacht. Ein Kuchen für Zwischendurch also, für werktags und unter der Woche. 

So geht’s: 
Der Teig
250 g zimmertemperierte Butter weich rühren
250 g Zucker hinzugeben
4 Eier dazugeben und alles gut miteinander verrühren
2 Zitronen reiben und Schale dazugeben
250 g Mehl
1 TL Backpulver und 
1 Prise Salz 
1 Prise echte Vanille unterrühren   
Den Teig anschließend in gut eingefettete Kuchenform füllen und bei 180°C ca. 60 Minuten backen. 
Der Guss
100 g Puderzucker in
100 ml Zitronensaft auflösen
Wenn der Kuchen ein wenig ausgekühlt ist, mehrmals einstechen und mit dem Guss tränken. Fertig. Köstlich! Dazu einen Cortado [span.: gekürzt, geschoren]: Espresso mit ein wenig Milch und etwas mehr Milchmädchen [gezuckerte Kondensmilch aus der Tube] und der Moment ist perfekt.
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{Kooperation} Morgen ist Heiligabend und die letzten Geschenke müssen noch gepackt, der Baum aufgestellt, der Weihnachtsbraten gespickt und die letzten Zutaten besorgt werden. Da kann die Frage „Was essen wir eigentlich heute Abend?“ das Fass schnell zum Überlaufen bringen. 
Nicht nur muss man die Zutaten im übervollen Vorweihnachtssupermarkt besorgen, man muss sie auch kennen und finden. Damit all das nicht zu schlechter Stimmung führt, wurde vergangenes Jahr Home eat Home ins Leben gerufen. Der Berliner Kochservice bietet pro Woche bis zu drei Abendgerichte zur Auswahl. Die Zutaten können frisch verpackt in der nächst gelegenen Packstation abgeholt und zuhause in aller Ruhe zubereitet werden.  
Hinter das heutige Türchen hat das junge Start-up einen Gutschein in Höhe von 60 Euro für euch gelegt. Wenn ihr den Service gerne ausprobieren möchtet, hinterlasst bis zum 25. Dezember um 0.00 Uhr eine Nachricht.  Ausprobieren darf Luisa-Schlabitz. Viel Spaß!
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Wenige Straßen von mir entfernt, in der Finowstraße in Berlin-Friedrichshain, hat seit Herbst 2015 ein Berliner Start-Up seinen Sitz: das DrinkSyndikat. Das im Jahr 2014 von dem Wein- und Spirituosenhändler-Sohn Erik und seinem Kompagnon Jens gegründete Unternehmen bringt ausgesuchte Spirituosen von Destillerien aus aller Welt mit Drink-Liebhaber/innen zusammen. Wie? Mit dem alten Abo-Prinzip, das sie (wie viele andere Gründer/innen) neu und digital interpretiert haben. 
Jeden Monat stellen die Zwei ein spezielles Cocktail-Set mit den Zutaten für sechs feine Drinks zusammen. Dazu gibt es ein Rezeptbooklet mit Tipps und Hintergrundinformationen. Die so genannte „Drink-Syndikat Box“ kann im monatlichen Abo, einmalig oder über einen festen Zeitraum von 3 Monaten bestellt werden. 
Hinter das Türchen No. 10 hat das DrinkSyndikat eine Box mit Spirituosen für zwei weihnachtliche Cocktailsorten gelegt: William Tell ist eine Melange aus Williams Christ, Bratapfellikör, Green Chartreuse und Zitronensaft. Der zweite Drink mit Namen Roggentanz vereint Rum, Hibiskus und Limettensaft sowie Rock & Rye Cordial auf Basis von Rye Whiskey mit weihnachtlichen Gewürzen wie Zimt, Nelken und Sternanis. 
Wenn ihr selbst Cocktail-Liebhaber/in seit oder eine/n beschenken möchtet, hinterlasst bis zum 13. Dezember eine kurze Nachricht mit Email-Adresse. Viel Glück! Das weihnachtliche Cocktail-Set geht an Christine. – Auch wenn du selbst nichts davon kosten darfst: Viel Freude damit!
Einsamkeit, dieses Unvermögen, eine Verbindung zur Welt oder sich selbst aufzubauen …
Friederike Zoe Grasshoff

Menschenleere Weiten. Verwilderte Kulturlandschaften. Entvölkerte Gegenden. Verfallene Schlösser. Leere Kleinstädte und schier endlose Ackerwüsten. Das Bundesland mit den längsten Küstenstreifen, den größten Inseln der Republik und über 2.000 Seen ist das einsamste Land, das ich kenne. Man sagt, Einsamkeit schärfe die Sinne, fördere die Widerständigkeit und wecke die Sehnsucht. Vielleicht ist das (neben dem Wasser) ein Grund, weshalb es mich immer wieder dorthin zieht.

Dieses Mal zog es mich in die Mecklenburgische Schweiz, die zwar weder topografisch, noch unter Wohlstands- oder Staatsperspektive viel mit der namengebenden Willensnation gemein hat. Aber schön ist sie allemal, diese von Stauchmoränen und Niederungen geprägte Region, die sich selbst auch „Land der Schlösser und Herrenhäuser“ nennt. Tatsächlich steht hier in fast jedem Ort, und sei er noch so klein, ein herrschaftliches Anwesen – oft im Verfall begriffen, ebenso oft davor gerettet. Dazwischen diese schier endlosen Weiten, die jetzt, am Übergang zum Herbst, ein wenig melancholisch wirkten. So als wollten sie diesen übermütigen, hitzköpfigen Sommer 2015 noch nicht ganz gehen lassen.


Ja, diese Hügellandschaft ist guter Ort für Leute wie mich, die es immer mal wieder mal für ein paar Tage aufs Land zieht. Nicht zuletzt um den Weitblick zu trainieren, der im städtischen Dickicht gerne zu kurz kommt.

Von Berlin aus liegt die Mecklenburgische Schweiz gut fünfundeinhalb „Hexe Lilli“ (wahlweise auch Momo oder Sandmännchen) entfernt* – ganz gleich ob man mit dem Auto oder Zug anreist. Allerdings empfiehlt sich die umweltneutrale Reisevariante nicht wirklich, da es quasi keinen öffentlichen Nahverkehr gibt. Zu unserer Ferienunterkunft im Gutshaus Pohnstorf wären wir mit Bus und Bahn schlicht nicht gekommen und auch die Versorgung wäre ohne Mietwagen recht kompliziert geworden. Zur nächsten Einkaufsmöglichkeit in Teterow oder Malchin braucht man mit dem Rad gut eine Stunde.

*5,5 x 25 Minuten, also knapp 2 Stunden und 20 Minuten.
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Das Gutshaus Pohnstorf beherbergt acht Ferienwohnungen
Zur Wohnung Celeste gehört eine riesige Dachteresse.
Andere Wohnungen haben zwar eine kleinere Terrasse, aber direkten Zugang zum Garten.
Der wunderschöne riesige Garten mit uralten Bäumen in der Abendsonne.

Wir hatten schöne letzte Sommertage. Weit und leicht und gerade gut gefüllt mit:

  • Frühstück und Abendbrot auf der riesigen Dachterasse im Nord-Ost-Giebel des Gutshauses – die Sonne beim Auf- wie beim Untergang im Blick. 
  • Fahrradtouren entlang von Schlössern und Seen (große Räder kann man über das Gutshaus mieten, Kinderräder bisher nicht).
  • Spaziergängen rund ums Dorf.
  • Pflaumen- und Brombeerensammeln und Marmelade einkochen (Rezept siehe unten). 
  • einem Spaziergang vom verstörend schönen Heiligendamm bis Kühlungsborn – zurück ging´s mit der Molli.
  • einem Besuch im Ozeaneum in Stralsund und großem Staunen über die fremden Unterwasserwelten (Schlechtwettertag I).
  • Schwimmen in der Spaworld Fleesenland (Schlechtwettertag II).
  • morgendlichem Laufen von Pohnstorf über Karnitz, Groß Markau und zurück (die schönste Laufstrecke ist rund 9 km lang).
Mirabellen und Brombeeren in Hülle und Fülle

Süße Früchte mit feinen Kräutern. Oder experimentelle Konfitüre.

Süße Früchte mit feinen Kräutern. Oder Pohnstorfer Konfitüre made by Ma

Die Straßen rund um Pohnstorf waren von Kirschpflaumenbäumen gesäumt. Rot und gelb und schwer hingen ihre Äste herab, und nur die Wespen schienen sich für das üppige Süß zu interessieren. Was lag also näher als sie zu sammeln und Marmelade einzukochen? In Ermangelung von Zimt, Vanille und anderen klassischen Zutaten griffen Ma und ich beherzt in die Kräuterkiste. So entstand rote Kirschpflaumenkonfitüre mit Oregano, gelbe Kirschpflaumenkonfitüre mit Rosmarin und Brombeermarmelade mit Salz und Pfeffer. Das Experiment ist aufgegangen. Die Marmeladen schmecken wirklich fein. Zum Nachkochen hier das Rezept:
  • 1 kg Früchte entkernt
  • 500g Gelierzucker 2:1
  • eine Prise Salz und Pfeffer
  • ein Schuss Weißwein
  • frischer Rosmarin bzw. Oregano 

Die Früchte mit einem Schuss Weißwein, einer Prise Salz und Pfeffer einkochen. Anschließend Gelierzucker hinzugeben und aufkochen lassen. Nach bestandener Gelierprobe in die Gläser füllen, je ein Ästchen Rosmarin oder Oregano ins Glas geben, Glas verschließen und auf den Kopf stellen. 

Wie sieht ein Ingenieur aus? Bis dato wusste ich das nicht so genau. Jetzt weiß ich es: weiblich, witzig und charmant. So wie Julia eben, die von sich selbst sagt: „I look like an Engineer. Und tatsächlich bin ich das auch.“ Die studierte Produktingenieurin, die noch ein Studium des strategischen Informationsmanagements draufsattelte und heute medizintechnische Bedienungsanleitungen schreibt, ist aber noch mehr: nämlich eine leidenschaftlich Köchin. Chestnut & Sage ist ihr virtueller Esstisch, an dem sie Rezepte, Gedanken und Erlebnisse teilt. Im heutigen Montagsinterview teilt sie mit uns ihre Gedanken über Augsburg und das Kochen, ihre Lieblingsbücher und ihr perfektes Sommerrezept. 
Ein dickes Danke an Julia für das schöne Gespräch. Und allen eine vergnügliche Lektüre und ebensolchen Start in die letzte (sic!) Augustwoche.

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Wer steckt hinter Chestnut & Sage?
Mein Name ist Julia, ich bin Mitte 30 und blogge, weil ich Spaß am Wort habe, weil ich gerne schreibe und weil es mir manchmal hilft, meine Gedanken zu sortieren. Ich bin ein Sommermensch und genieße die aktuellen Temperaturen und die daraus resultierende Langsamkeit, das leichte Leben, sehr. 
Wie und wo lebst Du in Augsburg?
Ich lebe in der Augsburger Innenstadt in einer Wohnung, die ich zusammen mit meinem Liebsten vor allem wegen ihrer riesigen Küche bezogen habe. Ich mag unser Haus, es ist ein sonderbar-schönes und chaotisches Zusammenleben verschiedenster Menschen und Meinungen. Es ist gut in einem so kleinen Kosmos zu sehen, dass viele Lebensmodelle und -wege richtig sein können und es neben dem idealen Standard weitere richtige Herangehensweisen an das Leben gibt.
Du schreibst, dass Du nach dem „Büro“ noch kochst. Einfache Gerichte. Weil’s für mehr nicht mehr reicht. Was machst Du den ganzen lieben langen Tag „im Büro“?
Oh je, Du hast die alte About-Seite gelesen. Damals lag der Fokus – sowohl sprachlich als auch kulinarisch – auf dem schnellen Hopplahopp, das ist ja nun heute anders. Und da Du „ins Büro“ in Anführungszeichen setzt, dämmert mir, dass man das so nicht im ganzen Bundesgebiet sagt? Muss dann wohl etwas Süddeutsches sein… Ganz einfach gesagt schreibe ich Bedienungsanleitungen. Als Technische Redakteurin arbeite ich in einem medizintechnischen Unternehmen und kümmere mich da um alles, was mit eben diesem Thema zu tun hat. Es ist ein Beruf, in dem sich vieles um Standardisierung und Strukturierung handelt, in dem Informationen gesammelt, bewertet und so aufbereitet werden müssen, dass sie demjenigen, der diese Begleitpapiere, wie sie so schöne heißen, in der Hand hat, helfen.
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Was hat das, was Du „im Büro“ tust, mit dem, was Du einst gelernt resp. studiert hast, zu tun? Was hast Du gelernt/studiert?
I look like an Engineer. Und tatsächlich bin ich das auch. Ich habe zuerst Product Engineering mit Schwerpunkt Dokumentation und Kommunikation studiert und später noch strategisches Informationsmanagement darauf gesetzt. Der berufliche Weg ist da relativ klar vorgegeben, die Branche dagegen nicht. Ob nun Maschinenbau, Automobilindustrie oder Gebrauchsgüter, überall müssen Wissen und Informationen erfasst und so verarbeitet werden, sodass sie der relevanten Zielgruppe zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung gestellt werden können. 
Lebst du schon immer in Augsburg? Und welche Orte magst du dort am liebsten?
Nein, ich bin erst 2006 nach Augsburg gezogen. Eigentlich arbeitete ich zu der Zeit in München, konnte mir dort aber keine lebenswerte Wohnung leisten. Und da man ja gerne sagt, dass das schönste an Augsburg der Zug nach München sei, fiel die Entscheidung dann relativ leicht, nach Augsburg zu ziehen. Die Stadt hat dabei aber viele und weitaus schönere Dinge zu bieten als den Zug in die Landeshauptstadt. Besonders gut lässt sich zum Beispiel gerade jetzt im Sommer die Zeit im Siebentischwald verbringen, der durch seine vielen Bäche und Seen eine grüne Oase im Herzen der Stadt ist. Im Winter, dick eingehüllt in Schnee, ist er für Langläufer ein wahres Eldorado. Abgesehen davon mag mag ich die Innenstadt tatsächlich am liebsten. Ich mag, wie das Licht in der Früh um die Kurve am Dom fällt, ich mag die barocken Fassaden und Patrizierhäuser. Es gibt viele kleine Gärten wie den Hofgarten in denen sich hervorragend mit einem auf dem Stadtmarkt zusammengestellten Picknick die Zeit vertändeln lässt. Augsburg ist also meine (Wahl-)Heimat, eine nicht allzu große Stadt, in der meine Familie und meine Freunde leben. Und auch wenn Augsburg manchmal ein wenig kleingeistig wirken mag, kleinherzig ist es dabei nie.
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Kochen ist für dich…
…etwas alltägliches. Es ist das, was ich tun muss, um nicht nur Knäckebrot mit Margarine essen zu müssen, aber auch das, was ich tun möchte, um mich von einer Industrie, die nicht mein bestes im Sinne hat, unabhängig zu machen. Kochen ist aber auch eine Leidenschaft die ganz im Gegensatz zum Loriot’schen „Essen dient der Ernährung. Man spricht nicht darüber“ steht. 
Was sind deine drei liebsten Kochbücher? Und warum?
Luise Haarer: Kochen und Backen nach Grundrezepten
Mein Standard-Kochbuch, in dem alles steht, was man wissen muss, wenn man so kochen möchte, wie die eigene Großmutter. Luise Haarer, 1892 in Bad Urach geboren, hat dieses Buch 1932 zum ersten Mal publiziert und daher nicht nur ein Kochbuch, sondern auch ein kurioses Buch, dass die Befindlichkeiten der Zeit widerspiegelt. Ich besitze eine Auflage aus dem Jahre 1953, es ist zerfleddert und zerlesen und ein guter Wegweiser in großen und kleinen Küchenfragen.
Yotam Ottolenghi: Genussvoll vegetarisch
Ein grauenhafter Titel, ein furchtbarer Einband, eine kulinarische Offenbarung in jedem einzelnen Rezept. Auch wenn es 2015 nicht mehr durch die Foodblogs geistert, ist es immer noch das Buch aus dem ich am häufigsten koche.
Indien: Pushpesh Pant
Der Wälzer unter meinen Kochbüchern, eine Fundgrube großartiger und authentischer Rezepte. Das Buch macht es dem Leser allerdings nicht leicht – man sollte sich mit Indien und der reichhaltigen und vielfältigen Küche des Subkontinents auskennen um hier zu einem gelungenen Abendessen zu finden.
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Zum Schluss für meine Leser/innen und für mich: Dein aktuelles Lieblingssommer-Rezept ist?
Auch wenn der Sommer gerade eine hoffentlich kurze Pause einlegt, für mich ist es eine kalte Melonensuppe. Sie ist schnell zusammengemixt, erfrischt und somit genau das Richtige: 
  • 1 geschälte Gurke
  • das Fruchtfleisch einer Netzmelone
  • 2 Stängel Sellerie
  • 1/2 grüne Chili 
  • mit einem Tee aus Zitronengras und Ingwer pürieren. 
  • Mit Salz und Apfelessig abschmecken, 
  • noch mal in den Kühlschrank und dann 
  • eiskalt genießen. 

Mehr braucht es nicht.
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