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Nachhaltigkeit

Foto von Dmytro Yakymuk. M i MA Nikolaus Spendenaktion

{Verlosung/Werbung/Spendenaktion} Heute ist Nikolaustag, und ich gestehe, dass ich selbst noch einmal nachsehen musste, wem genau wir da eigentlich alljährlich am 6. Dezember gedenken – und warum. Also: Der gute Mann, wäretdem die Kinder wenigstens einmal im Jahr ihre Stiefel blitzblank putzen, lebte im 4. Jahrhundert nach Christus und war als Bischof in Myra tätig, einer antiken Stadt in der heute türischen Provinz Antalya. Es heißt, er sei ein guter Mensch gewesen, der sich unermüdlich und uneigennützig für hilfebedürftige Menschen eingesetzt habe. Aus reichem Elternhause stammend, nutzte er sein Vermögen, um Waisen-, Armen- und »Seniorenhäuser« für Seeleute a.D. zu errichten. Außerdem rettete er, so die Legende, die Stadtbewohner/innen vor einer Hungersnot und die Kinder von Myra vor Seeräubern. Bis in die Jetztzeit wird Nikolaus darum als Schutzpatron der Kinder, Seeleute und Bäcker/innen verehrt.

Und der »Stiefel«? Nun, der rührt nach Meinung von Brauchtumsforscher/innen von der Kinderrettung her: Die Seeräuber wollten sie als »Pfand« nehmen, weil die Stadt das geforderte Lösegeld für die gekaperten Getreideschiffe nicht aufbringen konnte. Der gute Nikolaus verhinderte dies, indem er die Schiffe gegen den Kirchenschatz zurückkaufte. Daraus sei, so die Expert/innen, zunächst der Brauch des »Schiffchensetzens« entstanden: Am 5. Dezember stellten die Kinder früher ein selbstgebasteltes Schiffchen vor die Zimmertür. Erst später wurde ein »Schuh« daraus – und einer steht jetzt hier.

Rote Nikolaus-Boote

Mit Unterstützung von neun Unternehmen ist es mir dieses Jahr gelungen, einen ziemlich großen Nikolaus-Stiefel mit allerlei feinen, guten und schönen Dingen für euch zu füllen {siehe unten}. Mein Honorar für diese Aktion möchte ich – ganz im Sinne Nikolaus – für einen guten Zweck einsetzen. Darum:

Lasst mich bis zum 13. Dezember um Mitternacht wissen, welches Projekt oder welche Organisation ihr unbedingt förderwürdig findet. Die Entscheidung, wem oder was das Geld zugute kommt, fällt mit der Auslosung der/des Stiefel-Gewinner/in.

Ich freue mich auf viele gute Spendenvorschläge und wünsche viel Glück! danke euch für die vielen Spendenvorschläge! Der Nikolaus-Stiefel geht an Miriam {Nr. 11} und die Spende damit an die Heilsarmee, die Obdachlose mit Zuflucht und Notbetten, Suppen und warmen Getränken unterstützt.

Liebe Miriam, vielen Dank und herzlichen Glückwunsch. Bitte teile mir via Mail deine Adresse mit.


Kaeseplatte von Bries et ses amis

BRIE ET SES AMIS ist einer Berliner Startup mit französischen Wurzeln: Seit 1921 handelt der Familienbetrieb aus Chartres mit Käse, von dem wir hierzulande noch nie gehört, geschweige denn gekostet haben. Das wollte Gründerin Paula Kirchenbauer ändern. Während Eltern und Geschwister die 200 Sorten umfassende Käsevielfalt auf französischen Wochenmärkten feilbieten, vertreibt die »Fromagers-Affineur« das Sortiment online. In den Nikolaus-Stiefel haben die »Brie-Freund/innen« einen 50€-Gutschein für eine Käseplatte nach eigener Wahl gesteckt.


Löwenbrot von Brotliebling

Das Brot zum Käse kommt von Brotliebling: Das Unternehmen mit Sitz im Berlin-Wedding will die Welt fürs Selberbacken begeistern und sendet darum seit 2012 Back-Sets quer durch die Republik. Darin enthalten: abgewogene Zutaten in Bioqualität samt Backanleitung und Backpapier. Für den Nikolaus-Stiefel haben die Brotliebhaber ihr Lieblingsbrot das Löwenbrot ausgewählt: ein Vollkornbrot aus Weizen- und Dinkelmehl mit Mandeln und wilden Hanfsamen.


Drinksyndikat Gin und Tea CocktalDetox-Tee von Tree of Tea

Die Getränke stellen der Berliner Cocktailversandhandel »Drink-Syndikat« und der Passauer Bio-Teehandel »Tree of Tea«, die für die jüngsten Cocktailrezepturen gemeinsame Sache gemacht haben. Das Ergebnis dieser Kooperation hat das »Drink-Syndikat« in den Stiefel gelegt: ein Cocktail-Set mit Zutaten und Rezepten für die sechs Gin- und Tee-Cocktails. Die Tee-Experten haben ihr großes Detox-Wohlfühlset dazu gelegt – für den inneren Reinigungsprozess.


Brettchen mit Messer von Heute ist Morgen

Die »Infrastruktur« fürs gelungene Mahl stammt von »Heute ist Morgen«, einer jungen Online-Plattform für nachhaltiges Design: Ein Käsemesser aus Bambus und japanischen Stahl, ein Bambus-Schneidebrett und 2 Beton-Eierbecher haben die beiden Gründer Tim-Robert Meyer und Philipp York Martin zum Stiefelglück beigesteuert.


archiv/e magazin 01 und 02

Anselm und Lina vom Berliner Indie-Magazin »archiv/e« ergänzen das kulinarische Vergnügen um den Lesegenuss: In den Stiefel haben sie dafür je eine Ausgabe ihres Magazins Nr. 01 und 02 gesteckt.

Birdy von das-rote-paketbilderleiste Kleinwaren / von Laufenberg


Die weihnachtliche Gemütlichkeit unterstützen der Leipziger Online-Shop für junges Design »Das Rote Paket« und das Düsseldorfer Grafikstudio »Kleinwaren / von Laufenberg«: »Das Rote Paket« hat BIRDY, den wollenden Vogel, Vera von Laufenberg eine magnetische Bilderleiste in den Stiefel gesteckt.


WSAKE Lettered PendantAn den übervollen Stiefel hat das Regensburger Vater-Tochter-Unternehmen WSAKE eines ihrer »Lettered Pendants« gebunden. Welches »Zauberwort« darauf stehen soll, das darf die/der Gewinner/in bestimmen.


Bildnachweise: Nikolausstiefel (c) Melanie Mauer | Weihnachtsgeäst von Dmytro Yakymuk | Boote (c) Jacob Sapp | alle anderen Bilder stammen jeweils vom Unternehmen

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Ein Zufall war’s – mal wieder – der mich zum „Alltagsgeschirr“ von Hedwig Bollhagen und den nach ihr benannten HB-Werkstätten für Keramik führte. Von dort war der Weg zum „DDR-Design“ nicht weit und meine Neugier erwacht. Schon nach kurzer Recherche war klar: Das ist ein weites Feld – zu weit als dass es mit einem Blogpost getan wäre. Also habe ich mich entschieden, eine kleine Serie zu starten. Ab heute stelle ich hier also regelmäßig eine/n Designer/in, einen Gestaltungsansatz und/oder ausgewählte Designstücke aus der DDR vor. Wenn ihr/Sie Wünsche, Anregungen oder Ideen habt/haben für ein Objekt, eine/n Designer/in oder einen Designansatz – immer gerne!
Meine erste Begegnung mit Design „made in GDR“ ereignete sich während meines Studiums.* Bis dato gehörten die beiden Begriffe für mich nicht wirklich zusammen. Mein Wissen begann beim Eierbecher in Hühnerform und endete direkt vor der „Platte„.  Die Welt dazwischen war mir unbekannt. Dabei ist sie (nicht nur im übertragenen Sinne) groß. Sie ist jedoch auch „schwierig“, und dieses „Schwierige“ ist wohl ein Grund für ihre anhaltende Unbekanntheit wie auch Unbeliebtheit.
Nach Meinung der SED-Parteiführung hatte Design (ebenso wie Kunst) im Dienste der „deutschen Kulturnation“ zu stehen und „dem opti­mis­ti­schen Lebens­ge­fühl des sozia­lis­ti­schen Men­schen“ Ausdruck zu verleihen (Nachtigall, ick hör dir trapsen). Das ist ein klares Bekenntnis gegen die künstlerische bzw. gestalterische Freiheit. Man könnte also sagen, die Unfreiheit steckt in jedem Designobjekt aus der DDR – und welche/r Sammler/in will schon die vergegenständlichte Unfreiheit in seiner Wohnung haben? Doch darum das „DDR-Design“ pauschal verurteilen oder weiterhin ignorieren und in den Archiven verstauben lassen? Ich denke nicht. Auch wenn es „kompliziert“ ist, lohnt der differenzierte Blick. Bei Weitem nicht jedes „Design made in GDR“ ist affirmativ, also system- und ideologiebejahend. Viele Entwürfe entstanden in der kritischen Auseinandersetzung mit dem DDR-System, das für zahlreiche Designer/innen mit Repressionen verbunden war. Ihre Gestaltungsansätze, die (nicht allein der Mangelwirtschaft wegen) darauf aus waren, mit einem Minimum an Ressourcen ein Maximum an Gebrauchswert zu erzielen, können auch – oder gerade heute – wertvolle Impulse für ein zukunftsfähiges Design liefern.
Liege und Musikanlage von Rudolf Horn | Bildquelle: jeder-qm-du.de 
Im Industriesektor wären etwa Rudolf Horn oder Karl Clauss Dietel hervorzuheben. Bereits in den 1960er Jahren haben sich die beiden Gestalter mit der Frage auseinandergesetzt, wie die sich wandelnden Bedürfnisse der Nutzer/innen integriert und die Funktionalität eines Produkts dauerhaft erhalten bleiben kann (womit sie in der DDR keine Ausnahme waren). Ihre Antworten nehmen aktuelle Tendenzen im Bereich des nachhaltigen Designs und der nutzerzentrierten Produktentwicklung vorweg (Stichwort: Co-Creation, Co-Production). Dabei kann man Horn als Vordenker des „Prosumenten„, Dietel als Pionier des nachhaltigen Designs sehen.

Viele ihrer Entwürfe scheiterten an der staatlichen Zensur, der eine funktional-schlichte Formensprache lange Zeit verdächtig war (siehe: Formalismus-Debatte). Doch manche Idee fand am Amt für Industrielle Formgestaltung (AID) vorbei in die Serienproduktion – nicht selten da sie sich zum Exportschlager entwickelte und dem Staat die dringend nötigen Devisen einbrachte. So etwa Horns bis heute ästhetisch überzeugendes „Möbelprogramm Deutsche Werkstätten (MDW)“ oder die von dem Designerduo Dietel und Lutz Rudolph entworfene Radioanlage für die Firma Heli Radio (die allerdings auch die/der „durchschnittliche“ DDR-Bürger/in erwerben konnte).

Der Tischler, Innenarchitekt und Ingenieur Horn sah den Nutzer bereits als „schöpferischen Mitgestalter“ als eine Verschmelzung von Konsument und Produzent noch undenkbar war. [Quelle] Seine in den 1960er Jahre entwickelten modularen, multifunktionalen Möbelprogramme sind das bekannteste Ergebnis dieses frühen „User-Centered Designs„. Noch spannender und geradezu wegweisend für das heutige Bauen finde ich jedoch sein Konzept des „Variablen Wohnens“ von 1969/1970. Es räumte den Bewohner/innen die größtmögliche Gestaltungsfreiheit ein und nahm die Idee des flexiblen Raums, wie er heute etwa im Design Thinking Anwendung findet, schon früh vorweg.
Das „Variable Bauen“ basierte auf einem großen, leeren Raum, in dem einzig eine Nasszelle fix vorgesehen war. Raumaufteilung und Zimmergestaltung oblagen ganz und gar den Bewohner/innen. Mithilfe flexibler Wände und des modularen Möbelsystems AM20 konnten sie den Raum entsprechend ihrer Bedürfnisse und Vorlieben selbst gestalten. Trotz des großen Interesses an Horns Konzept kam es nie über die Testphase hinaus. Vielleicht hat es heute, da bezahlbarer Wohnraum wieder knapp und nicht zuletzt durch die Flüchtlinge sehr unterschiedliche Wohnbedürfnisse unter einen Hut zu kriegen sind, eine neue Chance.

oben: Experimentalbau für variables Wohnen in Dresden (1973) | unten: Die variable Wohnung (1969) | Bildquelle: Burg Halle
Rundfunkgerät rk5 sensit mit Lautsprecher K20, HELIRADIO Gerätebau Hempel KG Limbach-Oberfrohna, K.C. Dietel/L. Rudolph, 1967-69 | Bildquelle: Stiftung Industrie- und Alltagskultur
Die Frage der Nutzerbedürfnisse durchzieht auch die Arbeit des gelernten Maschinenbauers und studierten Kraftfahrzeugingenieur Karl Clauss Dietel, der sie darüber hinaus mit dem Aspekt der Langlebigkeit verband. Seine Überlegungen hierzu kulminieren etwa im Begriff der „Gebrauchspatina„, wonach ein Gegenstand so gestaltet werden sollte, dass die Spuren seines Gebrauchs ihn auf- statt abwerten, er also sozusagen mit dem Alter schöner bzw. besser würde. An diesem Ansatz wurde nicht zu unrecht kritisiert, dass es dabei weniger eine Frage der Gestaltung und damit der Gestalter/innen, denn um die Haltung der Nutzer/innen zum Gegenstand ginge. Konsequenter ist dagegen das von ihm formulierte „Offene Prinzip„. 

Ein nach diesem Grundsatz gestalteter Gegenstand zeichnet sich nach Dietel durch die großen fünf L aus: Er ist „langlebig, leicht, lütt (klein), lebensfreundlich und leise“. Unter rein formal-ästhetischen Gesichtspunkten könnte man im iphone vielleicht ein „offenes Produkt“ erkennen. Es ist leicht, lütt und leise. Aus technisch-ökologischer Perspektive ist es jedoch exakt das Gegenteil, da es sich weder warten, noch reparieren und technisch erneuern, also auf einen technisch höheren Stand bringen lässt. Nun hat Dietel nie ein Mobiltelefon entworfen; hätte er es aber getan, wäre es vermutlich das Fairphone geworden. 
Exemplarisch für „seinen“ Designansatz steht das Kleinkraftrad Mokick S 50, das er und Lutz Rudolph 1967 für die Firma Simson Suhl entwickelten. Die einzelnen Bauteile passten in sämtliche Modelle und Fahrzeuggenerationen und waren in verschiedenen Varianten verfügbar, so dass die Nutzer/innen das Moped individuell anpassen konnten. Außerdem ließen sich Reparaturen oder der Austausch von Einzelteilen ohne große technisch-mechanische Vorkenntnisse selber machen – ein Design also, das auch gegenüber dem Do-It-Yourself-Prinzip offen war. 
Ich bin sicher: Mit derlei Dingen ließe sich leichter ein „enkeltaugliches Leben“ führen.
*Ich habe (im 1. Hauptfach) Kulturwissenschaft mit Schwerpunkt Ästhetik bei Karin Hirdina [*1941; †2009] studiert – eine großartige Lehrerin. Pathos der Sachlichkeit hieß ihr 1981 veröffentlichtes Buch, das wesentlich zur Versachlichung der Formalismus-Debatte in der DDR und einer Neubewertung des Bauhauses beitrug. Der Titel trifft jedoch ebenso gut auf sie selbst zu. Ob als Lehrende oder als Forschende, stets widmete sie sich ihrer Arbeit mit sachlicher Leidenschaft und leidenschaftlicher Sachlichkeit. Ich vermisse sie. Ihr präzises Denken, ihr messerscharfer Verstand und ihr konstruktiv-kritischer Geist fehlen – heute, da das pauschale Denken wieder Hochkonjunktur hat, umso mehr. 

{Kooperation} Vor einiger Zeit stieß ich auf den Sklavenrechner. Ein schreckliches Wort. Aber leider trifft es.  Er errechnet, wie viele Menschen unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten müssen, damit ich meinen Lebensstil halten kann. Das Ergebnis ist erschreckend! Nach EU-Definition liegt die Zahl der von mir quasi-beschäftigten Personen bei einem Kleinunternehmen mittlerer Größe (Schluck). Neben Wohnung und Technik (Smartphone, Kamera, PC, TV etc.) treibt vor allem meine Garderobe die Werte nach oben, denn in der Textil- und Schuhindustrie mangelt es vielfach an sozialen und ökologischen Standards.  Das weiß ich schon lange und verdränge es doch immer wieder erfolgreich. Das muss aufhören!

Auf der Suche nach Alternativen stieß ich kürzlich auf Sorbas. Das junge Berliner Unternehmen, das nach Alexis Sorbas, der Hauptfigur aus dem gleichnamigen Roman von Nikos Kazantzakis benannt ist, steht für gute Schuhe – in qualitativer und ethischer Hinsicht. Denn Gründer und Geschäftsführer Eike Vogler lässt sein Schuhwerk in kleinen Handwerksbetrieben zu fairen Arbeitsbedingungen und nach strengen Umweltstandards produzieren.

Wie es mit Sorbas weitergeht, welche Modelle gerade in der Entwicklung sind, wer hinter der Neugründung steht – das und mehr erfahrt ihr nun im Interview mit Eike.

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Erzähle ein wenig von dir: Wer bist du? Was hast du vor Sorbas gemacht? 

Ich bin ein Typ Anfang 30, komme ursprünglich aus Hamburg und lebe inzwischen schon viele Jahre in Berlin. Hier fühle ich mich im Neuköllner Weserkiez sehr wohl. Grundsätzlich bin ich aber überall dort zuhause, wo ich frei bin. Deshalb reise ich auch sehr gerne. Mit jeder neuen Erfahrung, jedem neuen Gedanken und jeder neuen Perspektive verändere ich mich und bleibe kreativ. Vor Sorbas habe ich studiert, gejobbt und war viel in der Welt unterwegs.
Wie bist du auf die Idee gekommen, Sorbas zu gründen? 
Nach meinem Studium wollte ich keinen normalen Karriereweg einschlagen, ich war eher an Entwicklungsarbeit interessiert. Doch statt in Büros zu sitzen und nach Vorgaben zu arbeiten, wollte ich lieber selbst spannende Ideen entwickeln und umsetzen. Mir ist wichtig, sinnvolle Dinge zu tun und nach einer möglichst freien, unvoreingenommenen Lebensart leben zu können. Deshalb war ich auf der Suche nach einem Produkt, mit dem ich genau das umsetzen konnte. Und zwar so, dass auch andere davon profitieren können.

Auf die Idee, Schuhe zu machen, kam ich dann durch eine Studie der UN, in der Entwicklungspotentiale für Albanien untersucht wurden, und welche das Potential der dortigen Schuhindustrie betonte. Nun werden Sorbas Schuhe zwar nicht in Albanien produziert, aber auch auf dem Balkan und auch mit dem Ziel, die Entwicklung dort positiv zu beeinflussen.

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Wofür steht der Name Sorbas eigentlich?
Alexis Sorbas ist eine Romanfigur und wurde in den Sechzigern vom Schauspieler Anthony Quinn in einem gleichnamigen Film dargestellt. Sorbas ist ein lebensfroher Mensch mit einer intuitiven Lebensweisheit, der seinen Impulsen folgt, ohne dabei banal zu sein. Im Film trifft er auf einen Engländer, der auf seiner philosophischen Suche nach Glück und Weisheit ist und in Sorbas sein Ideal findet. 
Ich habe den Film gesehen, kurz nachdem ich mich entschlossen hatte, das Schuhlabel zu gründen. Er bringt eigentlich alles zum Ausdruck, worum es mir in diesem Vorhaben geht: die Suche nach einer nachhaltigen, glücklichen Lebensart, die Lebenslust und nicht zuletzt den Mut, einfach der Intuition zu folgen. So verkörpert „Alexis Sorbas“ im Grunde auch die Persönlichkeit der Schuhmarke Sorbas. 
Du arbeitest mit einem traditionellen serbischen Schuhmacherbetrieb zusammen. Warum gerade Serbien?
Ich möchte ein Produkt anbieten, bei dem ich selbst den Herstellungsprozess nachvollziehen und die Arbeitsbedingungen positiv beeinflussen kann. Deshalb lasse ich Sorbas Schuhe in Europa herstellen aus Materialien, die ebenfalls fast ausschließlich in Europa und unter guten Bedingungen hergestellt werden. Für Serbien habe ich mich entschieden, da hier zum einen das traditionelle Schuhmacherhandwerk gepflegt wird. Zum anderen aber, weil ich dort mit begrenztem Startkapital positive wirtschaftliche Impulse setzen und faire Löhne zahlen kann, ohne dass die Schuhe enorm teuer werden müssen.
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Wie haben Mesa und du zueinander gefunden? 
Zunächst bin ich ganz einfach mit dem Rucksack durch den Balkan gereist und habe mir einige kleine Betriebe und Schuhfabriken angeschaut. Letztendlich hat mir allerdings die Entwicklungsorganisation USAID auf der Schuhmesse in Düsseldorf den Kontakt zu der kleinen Schuhmacherei vermittelt, mit der ich nun zusammenarbeite. Ich habe zuerst Prototypen der Schuhe dorthin geschickt und bin dann letztes Jahr selbst nach Serbien gefahren, um zusammen mit den Leuten vor Ort das Design so anzupassen, dass es produziert werden kann. Dort habe ich Mesa schließlich persönlich kennengelernt. Er gehört zu einer Familie, die seit über 70 Jahren im Schuhmacherhandwerk tätig ist. Gemeinsam mit seiner Schwester Ajtana hat er gerade die Leitung des Betriebes übernommen.

Was hast du in den nächsten 1-2 Jahren mit Sorbas vor? 
Sorbas Schuhe sind im Moment ja vor allem für Frühjahr und Herbst geeignet. Ich werde sukzessive das Sortiment mit Modellen für Sommer und Winter erweitern. Geplant sind jetzt erstmal Halbschuhe, Stiefeletten und Boots, die für Sorbas typisch alle weich wie Sneaker sind. Dazu arbeiten wir mit neuen Werkstoffen und entwickeln unter anderem Modelle mit veganen Materialien natürlichen Ursprungs, die bisher kaum für Schuhe verwendet wurden. Zusätzlich zu den veganen Modellen wird es auch als Ledervarianten geben, so dass der Kunde die Wahl hat. Wenn Sorbas wie geplant weiter wächst, kommt das auch dem Betrieb in Serbien zugute, denn wir möchten die Zusammenarbeit weiter ausbauen. Ich kann mir aber auch vorstellen, im Laufe der Zeit weitere kleine Betriebe in anderen Erdteilen mit Aufträgen zu unterstützen und als Sorbas-Produzenten aufzunehmen.
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„Die rissigen Fassaden der Hinterhäuser sind mit roten Schriften überzogen, an einer kahlen Mauer schreit der Satz: Wir wollen als Menschen leben!“ Er könnte so oder so ähnlich auch heute irgendwo in Berlin stehen. Tatsächlich stand er 1933 auf einer Mauer in Meyers Hof in der Ackerstraße 132 in Berlin-Wedding. Eine typische Mietskaserne aus der Gründerzeit, mit der auf Kosten der Bewohner/innen spekuliert wurde, bis diesen buchstäblich der Kragen platzte. Quelle

Das ist lange her. Doch die Situation wiederholt sich in scheinbar regelmäßigen Abständen: Rund 50 Jahre später, Ende der 1970er Jahre, stehen hunderte Wohnhäuser in West-Berlin leer. Grund: Spekulation. Nach der Wiedervereinigung gilt Berlin lange Zeit als Mieterparadies – für wenig Geld bekommt man hier viel Raum. Doch spätestens seit 2013 ist die Wohnungsfrage wieder virulent – und angesichts der Zufluchtsuchenden wird bzw. ist sie es noch mal mehr.

Wohnungsknappheit trotz Bau-Boom, heißt es im Juni 2015 im Berliner Tagesspiegel, und wenige Monate später: Vermieter warnen vor Wohnungsnot in Berlin. Am 1. Februar diesen Jahres titelt der tipBezahlbarer Wohnraum ist knapp. Was ist eigentlich los, am Wohnungsmarkt? Und muss das so sein? Diese Fragen haben sich auch Hiroko Tanahashi und Max Schumacher gestellt, die beiden Köpfe hinter dem post theater. Mit ihrer neuen Produktion haben sie das Thema nun erstmals auf die Theaterbühne gebracht: 

HOUSE OF HOPE – Ein Theaterabend über Wohnutopien 
Weltpremiere am 3. März 16 um 20.00 Uhr 
Berlin-Premiere am 9. März 16 um 20.00 Uhr 
Zur Premiere schaffe ich es leider nicht, aber am 12. März werde ich im Theaterdiscounter sein und mich freuen, die ein oder den anderen von euch zu treffen. Zur Einstimmung habe ich schon mal mit Max Schumacher über die Motivation und Herangehensweise, über Wünsche, Visionen und Hoffnungen des 1999 in New York gegründeten und seit 2002 in Berlin und Stuttgart ansässigen post theaters gesprochen.

Was gab den Anstoß für euer neuestes Projekt „House of Hope“?
Eine der ganz großen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Fragen – mit denen jedeR zu tun hat: JedeR wohnt irgendwie, irgendwo. Manche allerdings immer schlechter, oder immer teurer. Kaum etwas wurde in den letzten Jahren so stark teurer wie das Wohnen. Diese Verbindung aus privatem Rückzugsraum, Ruheort – und einem turbulenten, brutalen Markt finde ich spannend. Oder tragisch. Oder einfach faszinierend. Gleichzeitig gibt es auch viele Ideen, wie anders gewohnt werden kann. Aber die kommen in Deutschland kaum zum Zug.
Welche Menschen habt ihr nach ihren Erlebnissen, Meinungen und Wunschvorstellungen gefragt und welche (Zwischen-)Bilanz zur Wohnungsfrage könnt ihr (auf Basis dieses Materials) ziehen?


Wir haben mit Maklern, Mietern, Vertriebenen, Eigenheimkäufern, Architekten und Städtebau-Theoretikern geredet. Wir haben auch viel gelesen und Filme gesehen. In fast allen Medien gibt es eine Menge dazu – komischerweise im Theater aber fast gar nicht. Eine Zwischenbilanz können und wollen wir nicht ziehen. Es gibt alles gleichzeitig – tolle und fiese Vermieter, verbrecherische und sozial verantwortliche Immobilienunternehmen, egoistische und altruistische Hauptmieter…. Die Gleichzeitigkeit von allem ist Teil des Problems – und seiner Faszination.
Wie sieht das „House of Hope“ als Alternative zur aktuellen Wohn- und Wohnungslage aus?


Das House of Hope ist vor allem eine Speerspitze gegen die soziale Homogenisierung, die gerade stattfindet. Bezirke werden, wenn es so weitergeht, stärker nach Einkommen getrennt sein. Innenstädte werden nicht mehr offen sein für sozial Schwache. Im House of Hope soll die gesamte Stadtgesellschaft unter einem Dach abgebildet werden – in ihrer Heterogenität, ihrer Vielseitigkeit.
Worin besteht seine Radikalität?


Wir wollen doch nicht hier schon alle Ideen zu unserer Vision vorher preisgeben. Wir machen Theater, keine Parteiprogramme.

Martha Rosler, Times Square Spectacolor sign, New York, 1989 | Quelle: HKW
Wie wohnt ihr selbst?


Von den vier DarstellerInnen wohnen zwei zur Miete und zwei in der eigenen Wohnung. Wir haben aber alle in verschiedenen WGs, Wohnungsgrößen und -arten gewohnt. Wir alle wohnen in den Innenstadtbezirken. Keiner hat ein persönliches Problem mit der Situation. Noch nicht. 
Was hat euch bzw. das posttheater 2002 nach Berlin gezogen?


Das waren für Hiroko Tanahashi und mich, Max Schumacher, vor allem Probleme mit unserem Aufenthaltsstatus in New York. Und die hohen Mieten dort. Und damals sagten wir – wenn schon Europa, dann Kreuzberg.
Wie erlebt ihr die Wohnsituation in Berlin?
Sehr gespalten. Zwischen großen Ängsten und großer Zufriedenheit ist im Kollegen-, Bekannten-, Freundeskreis alles dabei. Ich finde es verrückt, wie viele Leute – junge Leute, Studierende – es heute völlig normal finden, enorme Mieten zu zahlen. Man darf es eben nicht mit den WGs der Mid-90er Jahre vergleichen.
Was wünscht ihr euch für die Zukunft des Wohnens in Berlin und anderswo?
Sozialen Wohnungsbau, der unbefristet im kommunalen Besitz verbleibt – anstatt Immobilienfirmen aus Steuergeldern zu bezuschussen.
Mehr neue und originellere Konzepte, Wohnen und seine Bezahlung zu denken. Warum gibt es nur Mieten oder Kaufen von Wohnraum? Besser wäre: mehr Genossenschaften. Mehr flexible Konzepte von Wohnungen, die mitwachsen können – oder schrumpfen. Und eine bessere Stadtplanung, die es attraktiver macht, auch außerhalb von S-Bahnringen, der Innenstädte zu wohnen. Besseren öffentlichen Personennahverkehr und bessere Fahrradwege – dann würden auch andere Bezirke interessanter.

1:1-Model Urban Forest, 2015© Atelier Bow-Wow | Quelle: HKW
Um die Do It Yourself-Bewegung ist es – so mein Eindruck – ein wenig ruhiger geworden. Zwar werden nach wie – und zum Glück! – allerorten D.I.Y.-Ideen und Anleitungen geteilt, doch werden diese von weniger Begeisterungsstürmen begleitet als noch vor rund einem Jahr (oder bin ich nur zu weit entfernt, um sie zu hören?). Die Ruhe könnte bedeuten, dass das Selbermachen uns selbstverständlicher, alltäglicher geworden ist. Das ist ja oft so, wenn etwas Neues oder Wiederentdecktes ins Vertraute übergeht. Do It Yourself als schöne Selbstverständlichkeit? Nun, das wär‘ doch was. Nur langweilig, das darf es natürlich nicht werden. 
Damit es das nicht wird, hat Edel zwei Bücher voller Anregungen, Ideen und Inspirationen für euch hinter das Türchen No. 11 gelegt: nämlich zwei Exemplare von Do It Yourself – 50 Designobjekte zum Selbermachen von Thomas Bärnthaler. Vielen Dank dafür!

50 Selbermach-Projekte von 50 Designer/innen hat der SZ-Magazin-Redakteur in seinem neuesten Buch zusammengestellt. Die Projektpalette reicht vom geknoteten Seilwandteppich über ein astbasierte Esszimmerlampe bis hin zum Schubkarren-Sessel. Allesamt sind mit einfachen Mitteln, überschaubarem handwerklichen Talenten und nach eigenem Gusto nachzubauen.

Mir haben es vor allem die Lampe von Gesa Hansen und das Regal von Sebastian Herkner angetan. Aber die Uhr von Nitzan Cohen und die Garderobe von Antenna Design finde ich großartig. 
Wenn euch das Buch anspricht, hinterlasst bis zum 14. Dezember 0.00 Uhr eine Nachricht mit Emailadresse. Die Adventsfee ist wie immer für die Zufallswahl der Beschenkten zuständig – und hat Dania und Maria {Nordreisen} auserkoren. Viel Freude mit dem schönen Buch.

Was mich inspiriert: Patchwork-Kissen von Ace&Jig | Betonblumenkasten | Mobile von Katia Soussan

Es ist lange her. Viel zu lange. Ein Zeichen dafür: Ich denke ständig daran. Wieder einmal etwas mit den Händen tun. Etwas bauen, gärtnern oder nähen. Es muss ja nicht gleich ein Großprojekt wie eine Fahrrad-Uhr oder ein Badewannensofa sein – so gelungen ich sie auch finde. Aber eine der vielen Ideen, die in meinem Kopf herumschwirren: das Patchwork-Kissen aus alten Hemden zum Beispiel oder das Mobile aus Papiermaché, der Blumenkasten aus Beton, das Memory aus Mas Malmappe oder dieses Sommerkleid

An Ideen fehlt es also nicht. Auch nicht an Motivation. Einzig die Zeit, die fehlt mal wieder und mit ihr verbunden die Muße. Aber ich bin fest entschlossen, die zwei siamesischen Zwillinge – Zeit und Muße – zurückzugewinnen und eine Idee nach der anderen in die Tat umzusetzen. Peu á peu. Schritt für Schritt. 
Welche Ideen schlummern in euren Köpfen und warten auf ihre Verwirklichung?

Was mich inspiriert: Kleid von Frau Gold | Memory von Philuko

Natürlich schön wohnen – das ist der Grundgedanke von NATUREHOME. Das junge Unternehmen mit Sitz in Potsdam und Althütte (BaWü) vertreibt selbstentworfene Möbel und Wohnaccessoires aus konsequent nachhaltiger Fertigung. Das gefällt mir. Wie auch das schlichte Design. Umso mehr freue ich, den ‚Markenhersteller für ökologisches Wohndesign‘ als neuen Partner fürs ‚Züglen‘ [schweizerdeutsch: umziehen] an meiner Seite zu haben.

Im Interview erzählt Geschäftsführer Kurt-Georg Pfleiderer wann, wie und warum er auf die Gründungsidee kam, was ihn antreibt und wo er hinwill. Außerdem geht es um die Frage, wie Nachhaltigkeit und Design zusammengehen und was das für die Designer/innen bedeutet, die mit und für NATUREHOME arbeiten.

Ich bedanke mich für das schöne Gespräch und wünsche allen eine inspirierte Lektüre und viel Spaß beim Stöbern.

Das Potsdamer Team 

Wann haben Sie NATUREHOME gegründet?
Gegründet habe ich NATUREHOME im Februar 2012, wobei ich mich mit der Geschäftsidee schon seit 2010 intensiv beschäftigt habe. In diesem Zeitraum habe die Alleinstellungen (USP) der Marke definiert, die unternehmerischen Ziele bestimmt, das Logo entwickelt und die Marke überregional registriert. Im Oktober 2012 ging dann der Onlineshop ‚live‘. Das war ein absolutes Highlight.
Was gab den Anstoß und was war die Motivation, NATUREHOME zu gründen?
Nachhaltigkeit und Design spielten für mich schon immer eine große Rolle. Ich bin kein Freund von schnellem und billigem Konsum, sondern – im Gegenteil – ein Gegner der Wegwerfmentalität. Aus dieser Haltung heraus kam mir die Idee für NATUREHOME. Ich wollte ein neues Unternehmen aufbauen, das hohe Qualität mit ökologischen Materialien und Design in sich vereint.
Was ist Ihre Vision und auf welchen Wegen wollen Sie diese erreichen?
Als Markenhersteller für ökologisches Wohndesign wollen wir das Zuhause vieler Menschen schöner und gesünder gestalten. Nachdem wir 2012 gestartet sind, arbeiten wir daran, das gute Image der Firma Stück für Stück weiter zu verbessern. Die Basis dafür sind gute Produkte und zufriedene Kunden. Deshalb haben wir zuerst hochwertige Produkte entwickelt und uns mit deren handwerklichen Herstellung in unseren Manufakturen intensiv beschäftigt. Verbunden mit einem ausgezeichneten Kundenservice, kreativen Marketing und einer transparenten Produktpolitik wollen wir dynamisch weiter wachsen.
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Kaufladen aus Holz in verschiedenen Farben

Nachhaltigkeit spielt bei NATUREHOME eine große Rolle. Welche Rolle spielt Design? 
Design hat ästhetischen Regeln zu folgen und unterscheidet sich darin vom rein funktionalen Produkt. Für uns ist es wichtig, dass ein Produkt einzigartig, funktional und von den Materialien her gesund ist. Erst dann erfüllt es den von uns gewünschten Zweck.

Design ermöglicht auch Individualität und Abgrenzung. Genau darum streben heute so viele Menschen danach. In den 1980er und 90er Jahren hat man keinen so großen Wert auf gesunde Produkte und Design gelegt. Heutzutage will ein immer größerer Teil der Leute Wohnräume individuell und einzigartig mit gesunden Materialien gestalten. Wir wollen mit unserem Design nicht nur diese Menschen ansprechen, sondern auch zeigen, dass Design und Bio kein Widerspruch ist. Man kann gesunde, funktionale und zugleich schöne und langlebige Produkte herstellen!

Worauf kommt es Ihnen in der Zusammenarbeit mit den Designer/innen und den Produktionspartnern besonders an?
Unsere Designer/innen müssen unsere Formensprache verinnerlicht haben und unsere Vorgaben einhalten. Denn die Herausforderung liegt darin, ein schlichtes funktionales Design zu entwickeln, das in unseren Manufakturen nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit hergestellt werden kann.

Auch eigene Wasch- und Reinigungsmittel stellt NATUREHOME her.

Wer arbeitet außerdem bei NATUREHOME?
Das Team besteht aus jungen und erfahrenen Menschen. Insgesamt sind acht Mitarbeiter/innen am Standort Althütte und Potsdam im Kernteam beschäftigt. Außerdem arbeiten wir sehr eng mit sechs Designer/innen zusammen. Und in unseren Manufakturen kommen nochmals viele talentierte Kolleg/innen dazu. 
Was sind die größten Herausforderungen für Ihr Unternehmen und wie meistern Sie diese?
Bei jungen und wachsenden Unternehmen ist es wichtig, dass die Strukturen immer wieder dem Entwicklungsstand angepasst werden. Man darf in keinem Unternehmensbereich stehen bleiben. Nicht nur das Produktsortiment, das Marketing und der Kundenservice, auch die Finanzplanung und Verwaltung müssen angemessen wachsen. Ziel ist immer talentierte, zielstrebige und qualifizierte Mitarbeiter für NATUREHOME zu gewinnen.
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Kinder-Wäscheständer und Kugelbahn

Alle Fotos (c) NATUREHOME

Bei meinem großem Wohnabenteuer werde ich von NATUREHOME mit Rat und Ressourcen unterstützt. Mehr zur Kooperationspartnerschaft lesen Sie hier.

Neue Woche, neuer Blick. Dieses Motto gilt heute einmal mehr. Denn Katja bringt zumindest meine ‚wohlsortierte Wirklichkeit‘ mit ihrer Sicht der Dinge ganz schön durcheinander. KRACHBUMM! So lautet der Name ihres Blogs – und er dürfte Programm sein. Die einfache Mutter und 31jährige Erziehungs- und Bildungswissenschaftlerin aus Graz schreibt über Dinge, die ich bisher selten nebeneinander und noch weniger zusammen gedacht habe: etwa Mutterschaft und Pornografie, Haushaltspflichten und Frauenrechte, Fenchelrezepte und Sexspielzeug zum Selbermachen. Im heutigen Montagsinterview erklärt sie, wie das zusammenpasst. Außerdem erzählt sie, wie sie zur Feministin wurde, was sie unter ‚Mann‘ und ‚Frau‘ versteht und wie die ‚perfekte Welt‘ für sie aussähe. Anders. Das ist mal klar. Und niemand müsste mehr den Bauch einziehen.

In diesem Sinne eine entspannten Start in die neue Woche. Und danke, liebe Katja, fürs Schocklüften im Oberstübchen.
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Foto: Katja Grach

Katja, der Mensch hinter Krachbumm, wer ist das?

Ich frage mich, ob der Mensch Katja von Krachbumm überhaupt zu trennen ist. Natürlich schreibe ich nicht alles haarklein rein, was sich in meinem Leben so tut – auf google ist ohnehin genug über mich zu finden. Und auch wenn einiges momentan recherchiert ist, findet sich doch sehr viel Meinung darin. Im Making of des erotischen Fotoshootings oder Vom Fasten und Legenden der Leidenschaft bekommen LeserInnen sogar einen ziemlich authentischen Eindruck von dem, was mich grade beschäftigt. Auf umstandlos.com schreibe ich teils sogar noch viel unverblümter über Sex, Körperflüssigkeiten und persönliche Befindlichkeiten. Eigentlich gibt es kaum etwas, über das ich nicht schreibe.

Ich schreibe also bin ich. Überall liegen von mir Notizzettel mit Ideen für Blogartikel, Gedichte und was auch immer rum. Manchmal sind meine Finger zu langsam zum Tippen und ich sprech ins Aufnahmegerät. Die Auswahl meiner Texte ist quasi die Essenz dessen, was mich grade rumtreibt. Immer hab ich viel zu viele Baustellen und Projektchen, tausend Ideen, alles ein bisschen chaotisch und bunt. Kaum perfektionistisch. In meinen Blogposts finden LeserInnen sicher öfter Tippfehler, weil sich mein innerer Schweinehund dagegen aufbäumt den in Emotion und mehreren Stunden rausgeklopfen Text noch mal durchzulesen und vielleicht durch Korrekturen zu zerstören. Das ist der Mensch hinter Krachbumm: chaotisch, kreativ, pragmatisch, wortreich und überall zugleich. Und direkt. Mit der Tür ins Haus. Krachbumm passt eigentlich ganz gut. Abgesehen davon habe ich Batmans Abenteuer in Gotham City geliebt – was auch die Inspiration fürs Logo war.

Wie bist du zur Feministin geworden? Und was verstehst du darunter?
Heute würde ich mich fragen: Wann ist eine Frau eigentlich keine Feministin? Und irgendwie gibt es wenig, was dagegenspricht, außer mensch macht sich gern klein und lässt sich gerne unterbuttern. Aber viele getrauen sich doch nicht, dieses F-Wort in den Mund zu nehmen. Mit Gleichberechtigung und Diskriminierung habe ich mich irgendwie schon immer auseinander gesetzt, die geschlechtergerechte Sprache hat sich bei mir erst viel später durchgesetzt, seit meinem Studium der Interdisziplinären Geschlechterforschung nenn ich mich aber offiziell so. 
Feministin zu sein ist meine politische Haltung. Eine Haltung die erstmal einfordert (das ist ja auch die historische Wurzel), dass Frauen wie Menschen behandelt werden – auf allen Ebenen. Ich möchte nicht, dass ich strukturell benachteiligt werde, mir weniger in bestimmten Bereichen zugetraut wird, mir vorgeworfen wird, ich würde sexuelle Gewalt provozieren oder ich als weniger intelligent eingestuft werden, einfach weil ich mit einer Vulva geboren wurde. Das ist doch bullshit. Als Feministin des 21. Jahrhunderts gehen meine „Sorgen“ noch weiter. Männer unterliegen genauso gesellschaftlichen Erwartungen und Rollenklischees, die krank machen. Überhaupt alle Personen, die sich nicht entsprechenden den Klischees verhalten, haben immer wieder mit Widerstand zu kämpfen. Im leichtesten Fall ist das Irritation und Verwunderung, im schlimmsten ist das Gewalt die zum Tod führt. Darauf aufmerksam zu machen ist mir ein großes Anliegen. 
Das sind ernste Themen. Dafür passt das Label der Feministin meiner Meinung nach auch ganz gut. Eine Feministin muss weder hübsch noch lustig sein – darum schrecken viele davor zurück. Sie haben Angst für frustrierte Achselhaarträgerinnen gehalten zu werden. Zu ersterem: Diskriminierung ist kein Ponyhof ergo frustrierend. Zu zweitem: my body, my choice.
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Du sprichst Dinge/Themen öffentlich an, vor denen die meisten zurückschrecken. Kostet das (immer wieder) Überwindung?
Jein. Als ich für umstandslos über meinen Kaiserschnitt geschrieben hab, veröffentlichte ich den Artikel zuerst anonym. Nicht weil er mir zu persönlich war, sondern weil ich Angst hatte mit meinen Gefühlen ganz alleine dazustehen. Aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen hab ich den Artikel dann auch auf krachbumm.com veröffentlicht und seit März ist er auch in gedruckter Form – im österreichischen „Familie rockt“ – nachzulesen. Bei anderen Themen tue ich mir leichter, weil sie mich nur sekundär betreffen. Allerdings hatte ich gerade beim Schwerpunkt Missbrauch/Trauma Bammel, dass der Inhalt nicht gut genug ist, dass Betroffene die Artikel kacke finden könnten. Haben sie aber nicht. Ich habe viele Rückmeldungen dazu erhalten, die mir noch mehr Mut machen, noch viele Schritte weiter mit dem Thema zu gehen. 
Vor Sex schrecke ich weniger zurück. Seit ich selbst Sexualpädagogik-Workshops abhalte, hab ich da noch weniger Berührungsängste. Irgendwer muss die Themen ja ansprechen 🙂 
Du schreibt über Mutterschaft und Pornografie, Haushalt und Frauenrechte, Rollen- und Erwartungsmuster, Fenchelrezepte und Sexspielzeug zum Selbermachen. Wie passt das zusammen?
Das Private ist politisch oder zu einem lustvollen Leben gehören nun mal viele Facetten. Grundsätzlich wollte ich vieles für die Allgemeinheit lesbar machen, was mich auch im Studium beschäftigt hat, aber oft so elitär diskutiert wurde, dass der Praxisbezug komplett verloren ging. Haushalt und Mutterschaft sind absolut politische Themen, genauso wie die Überlegung zu welcher Jahreszeit und von welchem Produzenten ich mir meine Tomaten kaufe. Ohne Öko-Regionalladen, hätte ich nie mit Fenchel Freundschaft geschlossen. Auch die rote Beete und ich nähern uns gerade langsam an. Das bisschen Lifestyle im Blog ist auch da, um die Ernsthaftigkeit anderer Themen ein wenig auszugleichen. Nicht weil ich eine lustige Feministin sein möchte, sondern weil ich kein düsterer Mensch bin und sehr wohl weiß, wie schwer verdaulich manches sein kann, das auf meinem Blog zu finden ist.
Ieva Jansone

Frau. Mann. Was ist das für dich?
Das ist für mich eine absolut schwere Frage an der ich schon länger knabbere. Grundsätzlich würde ich aktuell sagen: Eine Sozialisationserfahrung. Wobei diese natürlich auch absolut variieren kann. Mit diesen männlichen und weiblichen Energien aus dem Tantra usw. kann ich nicht viel Anfangen, da stellt es mir immer die Nackenhaare auf. Gleichzeitig hab ich mich in meinem milk fiction und andere Strömungen über Körperflüssigkeiten absolut als Frau definiert gefühlt. Beim Gucken der Serie Transparent ist mir auch schlagartig klar geworden, dass ich mich definitiv dem Geschlecht zuordne, das in meinem Pass steht. 
Aber am liebsten hab ich dennoch diese Grafik, die im Internet rumschwirrt und sinngemäß fragt, wie du entscheiden kannst, ob ein Spielzeug für Mädchen oder Jungs ist: Kann man es mit den Genitalien bedienen? Nein, dann ist es für beide. Ja, dann ist es nicht für Kinder geeignet. 
Wenn man deine und andere Artikel zum Thema „weibliche Sexualität“ lese, habe ich den Eindruck, dass ist ein nahezu unauflösbarer Widerspruch. Entweder ist frau „Bitch“ oder „peinlich“ oder „Hexe“ … Wie könnte es jenseits dessen gehen? Und warum ist es so verdammt schwer?
Die Antwort auf diese Frage ist so lang, dass ich meine Masterarbeit darüber verfasst habe 😉 Das Problem liegt, denke ich, bei der Definitionsmacht. Wer nennt uns „Bitch“ und „Hexe“? Kultur- und religionshistorisch gesehen sind „Böse Frauen“ jene, die der tradierten weiblichen Rolle (brave Hausfrau und Mutter) widersprechen, indem sie eine freie Sexualität leben und sich der Mutterrolle auf unterschiedlichste Art widersetzten. Dafür werden sie in den Mythen, der christlichen Religion (in anderen kenne ich mich weniger aus), der westlichen Literatur- und Filmgeschichte bestraft, verbannt oder getötet. Die weibliche Sexualität und die weibliche Selbstbestimmung generell sind eng miteinander verknüpft. Und sie macht Männern Angst. Wozu sonst werden promiskuitive Frauen ebenso wie Feministinnen öffentlich an den Pranger gestellt und beschimpft. Niemand setzt sich gern dem aus. Immer wieder mal gibt es Versuche, sich diese Zuschreibungen positiv anzueignen. Die riot grrrl-Bewegung der 90er in den USA war ein Beispiel dafür, ebenso sind es die slut walks oder Lady Bitch Ray. Was die Presse dann draus macht ist eine andere Sache. Vermutlich braucht es mehr Frauen, denen diese ganzen Zuschreibungen und Erwartungen an ihre Sexualität und an sich generell einfach scheißegal sind. Bis dahin wird es vermutlich noch viele kritische Blicke vor dem Spiegel geben und leider auch viel zu oft schlechten (und ungewünschten) Sex. Das allerdings ist die heterosexuelle Perspektive. Möglicherweise ist das mit der weiblichen Sexualität für gleichgeschlechtlich liebende Frauen gar nicht so ein Tamtam.
Jenseits dessen fällt mir jedenfalls immer wieder die Pornoproduzentin Erika Lust ein, die einfach auch als Person und zweifacher Mutter wunderbare Ideen zu einer anderen Art vom Umgang mit Sexualität hat. Ebenso der Charakter der Ali Pfefferman in der amazon-Serie Transparent fällt mir dazu ein. Sie entspricht in keinster Weise einer klassischen „Bitch“ oder „Sexbombe“ und hat die unglaublichsten aufregendsten sexuellen Abenteuer, einfach weil sie ihrem Begehren ohne Wenn und Aber nachgeht.
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Ieva Jansone: Weltvermessung

Wie gelingt es dir selbst, deine (nicht nur, aber auch sexuellen) Bedürfnisse zwischen all den Ansprüchen und Erwartungen und Anforderungen der Gesellschaft und des eigenen Über-Ichs zu leben?
Es gelingt mir immer besser. Aber nicht immer. Teils beuge ich mich. Wenn ich mir vor dem Zumba-Kurs im Winter die Beine enthaare, weil ich gerne die kurzen Hosen tragen würde, dann beuge ich mich. Das kotzt mich generell an, weil ich mir dessen bewusst bin, dass ich es nur tue, weil ich nicht von allen anderen angestarrt werden möchte, nicht weil ich es will. Zu anderen Gelegenheiten ist es mir auch schon gelungen, darauf getrost zu sch… und hab dann einfach die Brille nicht aufgesetzt, um dem Entsetzen nicht zu begegnen. Zum Beispiel bin ich stolze Besitzerin eines Blähbauchs, den ich seit der Schwangerschaft nicht mehr verstecken mag. Abseits der Magazinwelt existieren nun mal unterschiedlichste Körper. Meiner schaut eben so aus. – Das war ein langer Weg dorthin. Ein sehr langer. 
Meine aktuelle Challenge ist ja das Fasten von Selbstaufgabe, das mir ganz gut gelungen ist. Darauf bin ich sehr stolz. Das hat mir auch viel von meinen Ansprüchen und Erwartungen aufgezeigt und sie mich mal endlich hinterfragen lassen.
Und wegen Sex? Check – kann ich nur sagen. Auch ein langer Weg. Auch ein sehr langer. Aber die wütende Feministin in mir ist nicht mehr bereit Kompromisse einzugehen bei so einer wunderbaren Beschäftigung. Never ever again. 
Wie sähe die perfekte Welt für dich aus?
Ein ungeordneter Auszug:
  • Unisex-Kleidung für Kinder. 
  • Mein Kopf würde Obstsorten und Tiere nicht mehr Geschlechtern zuordnen, weil es mich die Kinderbekleidungsindustrie so gelehrt hat.
  • Tiere, die wir essen würden respektvoll und nicht wie Gegenstände behandelt.
  • Im Ozean würde keine Insel aus Plastik treiben.
  • Meeresschildkröten wären nicht vom Aussterben bedroht.
  • Es gäbe keine Korruption und Bereicherung von irgendwelchen Bonzen auf den Kosten ganzer Kontinente.
  • Rassismus würde nicht existieren.
  • Es gäbe den Ausdruck „Bikinifigur“ nicht.
  • Die Grundbedürfnisse von allen Kindern würden befriedigt.
  • Niemand würde wegschauen oder weghören bei Unrecht.
  • Alle würden Entscheidungen, die ihren Körper betreffen, selbst treffen.
  • Eine 30 h Woche wäre Vollzeit-Arbeit.
  • Menschen würden alles mögliche miteinander teilen, was sie aktuell nicht brauchen (Auto, Bohrmaschine, etc.) anstatt zu horten.
  • Väter fühlten sich genauso wie Mütter für ihre Kinder in ALLEN Belangen verantwortlich.
  • Bewertungen wie „richtig“ oder „falsch“ würden kaum mehr eine Rolle spielen.
  • Alle Menschen würden ihre eigenen Grenzen kennen und die Unversehrtheit aller anderen wahren.
  • Die Integrität eines Menschen wäre tatsächlich das höchste Gut und nicht nur auf dem Papier.
  • Es gäbe keinen sexuellen Übergriffe.
  • Keine Frau würde mehr den Bauch einziehen.
  • Alle Menschen könnten jederzeit furzen und (das betrifft besonders Frauen) und dadurch Produkte wie Actimel und Co. sparen.
  • Statt Selbstoptimierung stünde ein nachhaltiges, gutes Leben im Vordergrund.
Ieva Jansone: unseen things
stocubo als Highboard
Heute in vier Wochen werden die Kartons gepackt. Morgen in vier Wochen bin ich ‚Neu-Friedrichshainerin‘, wie Konstantin die Zugezogenen in seinem Kiez bezeichnet. ‚Mann, Mann, Mann‚, würde Rico jetzt sagen, mein heimlicher Held, mit dem ich eine Sorge teile: dass nämlich bingokugelgleich etwas aus meinem Kopf herausfallen könnte. Zum Beispiel Termine. Derer gibt es derzeit in Hülle und Fülle. Umzugs-, Einbau- und Abnahmetermine, Ummelde-, Anmelde-, Liefer- und Vor-Ort-Termine. Womit ich – zugegeben etwas umständlich – beim Thema wäre: stocubo.
Das Regalunternehmen aus dem Berliner Wedding ist nicht nur mein Kooperationspartner in Sachen ‚M i MA zügelt‚, sondern auch unsere Flurlösung. Ihr erinnert euch vielleicht: Unser Flur ist lang. Sehr lang. Und nachdem wir diverse Gestaltungsideen durchgespielt haben, sind wir schlussendlich bei dem ‚modularen Regalsystem aus Berlin‘ gelandet. Es soll unseren rund zehn Meter langen Flur optisch strukturieren und die rund 2.000 Bücher fassen, die wir nicht aussortiert haben. Der Liefertermin steht. Das Regal hingegen noch nicht. Und darum gibt es heute – statt Flurbildern – ein Interview mit dem so sympathischen wie inspirierenden stocubo-Erfinder, Gründer und Künstler Stefan Oberhofer zum Verhältnis von Möbelbau, Unternehmertum und Kunst. Viel Spaß beim Lesen! 
 
Links der Künster, rechts der Unternehmer Stefan Oberhofer

Vom Tischler zum Künstler zum Möbelunternehmer. War das ein geradliniger Werdegang?

Aus heutiger Sich macht vieles Sinn, aber einen direkten Zusammenhang gab es nicht wirklich, ich hatte einfach immer viel Lust etwas neues auszuprobieren.
Zuerst habe ich ja in München Möbel und Einrichtungen entworfen und verwirklicht, bis mir das dann zu eintönig wurde und ich nach Berlin zog.
Da habe ich vor 15 Jahren stocubo entworfen, sozusagen als Schlussstrich unter das Möbelthema. Kurz darauf fing ich an, ganz frei zu arbeiten mit großen Baumstämmen und der Kettensäge und Feuer. So habe ich bis vor vier Jahren gearbeitet, währenddessen wurde immer wieder ein bisschen stocubo im Internet verkauft. Bis ich vor vier Jahren entschied, das jetzt richtig zu machen. So habe ich dann das Unternehmen aufgebaut. Jetzt ist das schon lustig, ich habe alles gemacht um von den Möbeln wegzukommen und jetzt bauen wir tausende Cubes im Monat… Kein gerader Weg, aber sehr ereignisreich.
Wo siehst du die Schnittmenge zwischen Möbelbau, Unternehmertum und Kunst?
Da gibt es schon sehr große Überschneidungen. Ich merke jeden Tag wie umfassend das ist, ein Unternehmen zu führen, es gibt so viele Dinge die neu sind, die man nicht miteinkalkulieren kann. Es müssen immer Entscheidungen getroffen werden, deren Tragweite man nicht immer vorher absehen kann. Das ist wie mit der Kunst oder mit einem guten Entwurf: Es muss alles stimmen, damit es sichtbar wird und damit es die Menschen anspricht. Ich glaube, dass man in allen Bereichen viel arbeiten muss damit es gut wird.
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In Stefans Atelier
Immer mehr Menschen sammeln heute Möbeldesign statt Kunst. Wie erklärst du, der beide Seiten gut kennt,  dir das?
Kunst zu sammeln ist bis heute etwas sehr exklusives, meist sind die Werke Unikate und haben ihren Preis. Designikonen sind zwar auch sehr exklusiv, aber doch für mehr Menschen bezahlbar. Wer kann sich schon einen Gerhard Richter kaufen? Ein Stuhl von Charles Eames ist da schon bedeutend günstiger zu bekommen.
Aber wer Kunst sammelt, hat auch meist sehr ausgewählte Möbel.
Welche gesellschaftliche Rolle spielen Kunst einerseits und Design andererseits deines Erachtens nach? 
Kunst soll Fragen stellen und den Betrachter anregen, aufregen oder irgendetwas in ihm auslösen. Dort sollte man nicht immer nach dem Sinn suchen.
Bei einem Möbel ist es aber umgekehrt, es muss Sinn machen und funktionieren. Unsere Regale sollen viele Zwecke erfüllen, sie sollen praktisch, bezahlbar, nachhaltig sein und wenn sie darüber hinaus noch dem gestalterischen Anspruch genügen, ist das wunderbar.
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stocubo-Regale können flexibel auf- und umgebaut werden
Wie verträgt sich der Unternehmer Stefan Oberhofer mit dem Künstler Stefan Oberhofer (stehen sie eher in Konkurrenz zueinander oder befruchten sie sich eher wechselseitig)? Und wie viel Tischler bist du noch?
Das sind schon zwei vollkommen verschiedene Welten. Die Arbeit ist eine komplett andere, früher habe ich sozusagen ‚aus mir heraus‘ gearbeitet, sehr intuitiv, die Inspiration kam eher aus einem abstrakten Raum. Meine Arbeit als Bildhauer entstand mehr aus einer Mischung von Gefühlen, Vorstellungen, Träumen, dem Versuch etwas herauszuarbeiten oder zu zeigen, was meiner Meinung noch nicht sichtbar war. Man arbeitet ja permanent an einer neuen Skulptur, ist immer auf der Suche, was beim ersten Mal gut ist, funktioniert nicht in der Wiederholung. 
Jetzt mache ich das Gegenteil: Ich entwerfe nicht mehr etwas Neues, sondern die Kunst liegt in der Wiederholung des Immergleichen in der immergleichen Qualität.  Und das ganze Unternehmen, mit den 14 Menschen die inzwischen für stocubo arbeiten, ist ein lebender Organismus. Das ist oft auch eine Kunst, das für alle lebendig zu gestalten. 
Zum Tischler: Wir haben vier Tischler angestellt, wenn ich was vergessen habe, kann ich mir dort immer Rat holen;-)
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Das allererste stocubo-Regal
Bei unserem ersten Treffen im April 2014 erwähntest du, dass du das künstlerische Arbeiten vermisst und gerne wieder Zeit für deine Kunst hättest. Wie sieht die Situation heute aus?
Am Anfang war das schon ein großes Konkurrenzgefühl, ich war nicht so glücklich mit der Entscheidung und der Herausforderung nun Unternehmer zu sein, mit alldem was es mit sich bringt. Mein Arbeitsalltag hat sich radikal verändert, ich war plötzlich verantwortlich für Mitarbeiter, hab Kredite aufgenommen, bin einige Dinge falsch angegangen. Ehrlich gesagt, habe ich meine Arbeit im Atelier lange vermisst. Das hat sich aber mit der Zeit sehr verändert, ich glaube, ich bin jetzt reingewachsen. Heute bin ich ganz glücklich mit der Entscheidung, stocubo selbst in die Hand genommen zu haben.
Seit einem halben Jahr habe ich auch wieder ein größeres Atelier, bin immer wieder dort und arbeite komplett anders. Nicht mehr mit der Kettensäge, sondern mit dem Verschnitt, der bei stocubo anfällt und sehr viel Farbe. Mehr wird noch nicht verraten… 
Wie sieht die Zukunft von stocubo und wie die vom Bildhauer Stefan Oberhofer aus?
In der Glaskugel sehe ich ein gesundes Unternehmen mit zufriedenen Mitarbeitern und viele glücklichen Kunden. Ich sehe einen Geschäftsführer, der unterstützt von seinem tollen Team genug Zeit findet, sich immer wieder auszuklinken und im Atelier abtauchen kann, um dort Antworten zu finden, auf Fragen, die nie gestellt wurden… 

  

Bei meinem großem Wohnabenteuer werde ich von stocubo mit Rat und Ressourcen unterstützt. Mehr zur Kooperationspartnerschaft lesen Sie hier.

Nein. Der Eurovision Song Contest trifft nicht meinen Geschmack. Weder musikalisch noch ästhetisch. Die Songs klingen überwiegend nach schnellmontierter Modulmusik, allein darauf bedacht, ja nicht die vorherrschende Hörgewohnheit zu verletzten. Ein Motto, dem auch das Veranstaltungsdesign geschuldet ist. Muss ja Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher gefallen, den zwei ergrauten Protagonisten der Markt- und Meinungsforschung. Und trotzdem oder gerade deshalb hat das Großereignis der Europäischen Rundfunkunion etwas Großartiges.

Hinterrücks hat sich der vordergründig brave Liederwettbewerb zu einer subversiven Plattform entwickelt, auf der das europäische Selbstverständnis neu verhandelt wird. Mit dem Gewinn der israelischen Transgender-Künstlerin Dana International im Jahr 1998 machte der ESC die bis dato randständige Genderfrage massenkompatibel; und mit der bärtigen Drag-Queen Conchita Wurst demonstrierte er 2014 beiläufig, dass nicht nur Europas, sondern auch seine Toleranzgrenzen weiter geworden sind. Er ist, was man den Wolf im Schafspelz nennt, und schafft ganz nebenbei, woran sich Politiker/innen und andere Meinungsmacher/innen die Zähne ausbeißen: Bewusstseinswandel.

Dieses Jahr kommt der Angriff aufs Kollektivbewusstsein aus dem hohen Norden. Mit der Band Pertti Kurikan Nimipäivät (PKN) fordern die Finnen nicht nur die europäischen Hörgewohnheiten heraus, sondern demonstrieren meisterhaft, wie man die schöne Rede von der inklusiven Gesellschaft mit Leben füllt: Indem man zu Punkrock von ‚ganz normalen Typen mit einer geistigen Behinderung‘ (Bassist Sami Helle) Pogo tanzt. Das ist Punk. Und das rockt.

In diesem Sinne ein horizonterweiterndes Wochenende und die obligatorische Liste.