Tag

Musik

»Dekorieren finde ich absurd.« Marianne Faithfull


… und jetzt ab ins Wochenende – nicht ohne gute Grüße und der Liste KW 44.

GESEHEN +GEHÖRT: PeterLicht {pop-lyrische postmodern-pathetisch-ironische Gesellschaftskritik – mag ich.}
GESCHMECKT: Haloumi-Burger
GELESEN: SZ-Interview mit PeterLicht
GEANTWORTET: auf 5 Fragen der NetworkingMom
GEPLANT: Urlaub auf einer Nordseeinsel – kennt ihr schöne FeWos? Freue mich über jeden Tipp!
GESUCHT: Ausstellungsmacher/innen
GEFUNDEN: Ich brauche dringend einen kleinen, leichten {!} Koffer. – Empfehlungen?
GEMOCHT: Wesley Walters Arbeiten und Mariane Faithfulls Wohnung{sführung}
GEMACHTmeinen« Workshop vorbereitet und ein paar Dinge auf ebay zum Verkauf eingestellt {u.a. wunderschöne Winterstiefel für Mädchen Gr. 32}
GEDACHTder große Clown ist tot
GERÜHRT: von Francine Christophes Geschichte
GEFRAGT: Wo war Gott in Ausschwitz?
GESTAUNT: über Claudia Biehnes filigrane Porzellanschirme
GEWESEN: in Leipzig {u.a. in der Spinnerei, wo ich erstmals eine Führung mitgemacht habe – super!}
GEÄRGERT: dass ich es nicht schaffe, an »Formate des Politischen« teilzunehmen.
GEFREUT: auf »Wir sind die Rosinskis«
GESCHMUNZELT: über den Praktikantenbesuch beim Deutschlandtag der JU
GEKLICKT: WEEKDAYCARNIVAL

fahrradgerechte Stadt, #radentscheid, isabel marant, bauhaus, tiny houses

Davon dass ich so müde bin und weder Kaffee noch Schlaf etwas daran ändern mögen, hatte ich erzählt. Auch Vitamin D hat nicht geholfen. Also gebe ich mich geschlagen – oder besser: hin – und lasse M i MA mitten im Mai einen kleinen Schlaf machen. Ein Schlöfele wie es so wohlig-warm im Schweizerdeutschen heißt. Bevor die Lider schwer werden und der Wunsch sie zu schließen überhand nimmt, habe ich noch eine Liste erstellt: Zutaten für süße Träume.

Bis bald!

In der Rückschau erscheint das Leben, als folge es einer inhärenten Logik. Ein zufälliges Ereignis, eine bloße Gelegenheit wirken retrospektiv wie das Ergebnis planvollen Handelns, eine einfache Dummheit wie eine kluge Entscheidung. Gern erzählen wir unser Leben in diesem Duktus der Rationalität. Folgte ich ihm, könnte ich meine wechselnden musikalischen Vorlieben als einen stringenten Bildungsweg beschreiben, der mich vom Indie-Punk direkt zur Avantgarde führte. Nur: So war es nicht.

Weder war es ein direkter, noch ein irgendwie logischer Weg. Naheliegend vielleicht, ja. Meine Ohren waren schräge Töne schon gewohnt, so dass ich empfänglicher war als sie mir passierte. Aber sie hätte mir ebenso gut nicht passieren können, die Avantgarde-Musik. „Das Leben ist voller verpasster Gelegenheiten.“ (Laurie Anderson) Doch diese Gelegenheit hat mich nicht verpasst, und darum bin ich froh. Sie hat meinen Horizont erweitert.

Der zweite M i MAMIX ist eine (wilde) Mischung aus Stücken verschiedener Vertreter/innen der Avantgarde-Musik – und für den einen oder die andere vielleicht eine Chance, sie für sich (wieder) zu entdecken. Vielleicht findet ihr auch heraus, dass sie euch gar nichts sagt. Auch was wert.

  1. Motormouth | Fred Frith Guitar Quartet
  2. The Sicilian Clan | John Zorn
  3. Bob the Bob | The Lounge Lizards
  4. The Good And Happy Army | John Lurie (nicht öffentlich)
  5. Different Trains – America Before The War [movement 1] | Steve Reich
  6. Bohemians After Dark | Erik Friedlander
  7. The Room of Hair Mobiles | After Dinner
  8. Money or The Story (The Milltown Union Bar) | Wayne Horvitz (nicht öffentlich)
  9. The Island Where I Come From | Laurie Anderson
  10. Mad Rush | Philip Glass and Bruce Brubaker
  11. Tabula Rasa: Ludus | Arvo Pärt
  12. 13 Harmonies: No. 1, Old North | John Cage and Noël Akchoté (nicht öffentlich)
  13. The Old Man Of The Mountain | Bill Laswell
  14. Mädchenlied, Op. 85, No. 3 | Wayne Horvitz (nicht öffentlich)
  15. Pipeline | Bill Frisell
  16. I’ll Go Birdwatching | After Dinner
  17. Track 11 | Hoahio (nicht öffentlich)
  18. Der Hund, Der Stinkt | Les Reines Prochaines (nicht öffentlich)
  19. Dřív než | Iva Bittová
  20. String Quartet No. 3 „Mishima“ , VI | Kronos Quartett
  21. W twojej głowie | Tara Fuki
  22. Five Policemen | Jablkon (nicht öffentlich)
  23. Bill | Tin Hat
  24. I Am the Dead | Eyvind Kang
Portugal

Loslassen. Neues wagen. Aufbrechen ins Unbekannte. So könnte man Mandy Raaschs {Movin’n’Grovin} Lebensmotto beschreiben. Aufgewachsen ist die studierte Betriebswirtin und freiberufliche Webdesignerin im ehemaligen Bezirk Dresden, genau genommen in Bischofswerda. Eine Gegend, die man damals mangels Westempfang als das Tal der Ahnungslosen bezeichnete und die heute als Pegida-Hochburg keinen besonders guten Ruf genießt. Mandy verbrachte hier eine glückliche Kindheit, an die sie sich gerne erinnert. Als die Mauer fiel, war sie elf. Ihr erster Gedanke war: „Wir können jetzt überall hin reisen!“ Und das tut sie bis heute.

Neben Musik und Berlin, wohin sie die neu gewonnene Bewegungsfreiheit als erstes führte, ist das Reisen ihre große Leidenschaft. Argentinien, Großbritannien, Israel, Marokko, die Mongolei und die Niederlande, Nordkorea, Portugal, Russland, Slowenien und Spanien hat sie seit bereist. Und damit nicht genug. Im Mai wird sie ihren festen gegen einen mobilen Wohnsitz und das Stadtleben gegen ein Leben „on the road“ tauschen. Im heutigen Montagsinterview erzählt sie, wie es zu dieser durchaus weitreichenden Entscheidung kam, worauf sie sich besonders freut und wohin sie aufbrechen wird.

Hab vielen lieben Dank für das spannende Gespräch, mit dem ich allen einen anregenden Start in die neue Woche wünsche.
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Mandy in Salvador de Bahia (links) und Rio de Janeiro (rechts)



Du bist verrückt nach Reisen, Musik und Berlin. Zum Reisen komme ich gleich noch. Darum: Welche Musik ist „deine“? Und wo hast du Berlin am liebsten?

Meine Musik ist irgendwie in den 80/90ern hängen geblieben, und auf einer Insel: die meisten Bands aus meiner Playlist kommen aus Großbritannien. Morrissey, David Bowie, New Order, Depeche Mode, Stone Roses, Oasis sind einige meiner Favoriten. Es gibt auch ein paar Bands aus Deutschland, die mir ganz sympathisch sind, aber die höre ich aktiv nicht wirklich – das sind eher „Konzert-Bands“ für mich, die schaue ich mir gerne live an: Beatsteaks, die ärzte, Tocotronic u.a.
Ansonsten habe ich eine Menge Musik aus Argentinien in meiner Playlist, weil ich mal drei Jahre lang in Buenos Aires gelebt habe. Dazu gehören u.a. Soda Stereo, Babasónicos, Virus oder die Band meines Spanischlehrers: Excursiones Polares
Ich höre mir auch sehr gerne neue Künstler an – oftmals entdecke ich die auf Konzerten als Supportbands vor einer meiner Lieblingsbands. 
Wo habe ich Berlin am liebsten? Hmm, am liebsten dort, wo nette Leute sind und bestenfalls noch gute Musik läuft. Konzerte gerne in kleinen Läden, SO36 oder Lido… ansonsten gehe ich gerne zum White-Russian-Schlürfen in gemütliche Kneipen, Scotch & Sofa, Tiki Heart oder – ganz frisch entdeckt – ins Mandy’s nach Kreuzberg (ich bin da zufällig des Namens wegen reingestolpert und war sofort verliebt!).
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Foto (c) Scotch & Sofa

Was war deine bisher wichtigste Reise? Und warum?
Ich denke die wichtigste „Reise“ war wohl mein Umzug nach Buenos Aires. 2007 habe ich mich auf den Weg ins Ungewisse gemacht und bin einfach mal an’s andere Ende der Welt gezogen. Der Zeitpunkt war perfekt und ich bin froh, dass ich es durchgezogen habe. Dieser Umzug hat mich sehr bereichert und geprägt. Ich habe eine neue Sprache gelernt, bin in die Kultur und den Alltag Argentiniens eingetaucht und habe dabei viel über mich selbst gelernt. Seit ich wieder zurück in Deutschland bin, sehe ich die Dinge etwas anders – vor allem viel entspannter. Dennoch ist Deutschland (noch) nicht das Ziel – ich muss bald wieder los…
… und du wirst nicht in eine andere Stadt, sondern weil du deine Wohnung ab April in einen Van umtauschen und ein „Vagabundenleben“ führen wirst. Wie kam es zu dieser – nicht ganz trivialen – Entscheidung?
Schon seit einigen Jahren geistert mir diese Idee im Kopf herum, dass ich mal im Van durch die Welt reisen möchte. Eigentlich war ich noch nie im Van im Urlaub, nur einmal mit Freunden eine Wochenende beim Southside Festival – aber das zählt nicht wirklich. Immer wieder habe ich Artikel gelesen und Dokus geschaut über Leute, die genau das machen. Und ich war jedes Mal total hin und weg! Deshalb beschloss ich letztes Jahr im Sommer: ich mach das jetzt einfach – und habe mir einen Van gekauft. Andere kaufen sich Wohnungen oder Häuser, ich eben ein Auto.
Street Art in Buenos Aires
Worauf freust du dich am meisten? Wovor hast du am meisten Angst, wenn du an dein neues Leben auf vier Rädern denkst?
Ich freue mich am meisten auf die Freiheit, jeden Tag spontan entscheiden zu können „Should I stay or should I go?“. Ich freue mich darauf, die Welt in allerbester Slow-Travel-Manier kennen zu lernen, unterm Sternenhimmel schlafen zu können, mir den Ausblick aus dem Fenster selbst aussuchen zu können. Generell freue ich mich auf das Abenteuer Van, was auch immer mich da erwartet! 
Angst habe ich nicht, vielleicht etwas Bedenken was die Sicherheit in manchen Gegenden angeht. Aber darüber zerbreche ich mir erst den Kopf, wenn es so weit ist. Ein Thema bereitet mir aktuell etwas Bedenken: das Campingklo im Van – aber das möchte ich jetzt nicht näher ausführen… 
Was wünscht du dir für dich von deinem Van-Leben? 
Vor allem wünsche ich mir eine unfallfreie Fahrt. Ich möchte viele schöne Momente erleben in schönen Gegenden, spannende Begegnungen haben und auch ganz viel Ruhe und einfach Zeit. Ich will bewusst, minimalistisch und nachhaltig leben (soweit das mit dem Auto eben möglich ist), noch mehr als bisher. Ich sehe das Ganze nicht als riesige Veränderung, für mich ist das Van-Leben einfach eine andere Lebensform, bei der die Wohnung eben vier Räder hat. Ok, vielleicht unterschätze ich das Vorhaben ja noch… we will see! 
Zu Kamele

Hast du einen Plan, welche Länder und Orte du in welcher Reihenfolge ansteuern willst? Und warum so?
Mein Plan ist gerade am Entstehen. Da ich dieses Jahr bereits einige Termine habe (u.a. in Stockholm und Helsinki), stand recht schnell fest: im Sommer geht’s in den Norden, also Schweden, Norwegen und Finnland. Und wenn es dann im Herbst wieder kalt wird, düse ich in den Süden Europas – am liebsten nach Portugal. So genau festlegen will ich mich noch nicht. Vielleicht gefällt’s mir ja auch im Winter in Skandinavien! 
Generell will ich nicht weit im Voraus planen, habe aber ein paar Ideen die noch reifen müssen. Für’s Erste werde ich durch Europa reisen – da gibts es schließlich eine Menge zu entdecken. Die anderen Kontinente kommen später dran.
Welche Rolle spielt die Netzcommunity bei deinem neuen Leben bzw. wird sie spielen (soweit du das voraussagen kannst)?
Durch meinen Blog Movin’n’Groovin habe ich ja bereits eine gute Plattform. Diese werde ich weiterhin nutzen und dann von unterwegs berichten. Außerdem fange ich gerade an, mich in diversen Camping/Van-Foren und Facebook-Gruppen umzusehen und Gleichgesinnte zu finden. Davon gibt’s zum Glück eine ganze Menge! Die Community ist mir auf jeden Fall wichtig, so bekommt man Hilfe und Unterstützung unterwegs und kann sich auch mal irgendwo zum Lagerfeuer am Strand persönlich treffen. 
Verbindung halten

Meinst du, dass es jeder/jedem gut täte, einmal „auszubrechen“ und sich auf eine lange Reise zu begeben?
Ich weiß nicht, ob es jedem gut täte, aber ich glaube den meisten Menschen könnte es definitiv nicht schaden, einfach mal loszulassen, die Komfortzone zu verlassen und Neues auszuprobieren. Ich brauche diese Herausforderungen in regelmäßigen Abständen und habe bisher noch keins meiner „Experimente“ bereut! Seit meiner Zeit in Argentinien sage ich jedem, der darüber nachdenkt mal eine Auszeit zu nehmen: einfach machen! Und wenn’s keinen Spaß macht, kommst du eben wieder zurück (das ist bisher noch niemandem passiert).
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Dass ich ein gewisses Faible für die 1980er Jahre habe, ist euch sicherlich nicht entgegen. Hie und da kommt es doch recht deutlich zum Ausdruck. Nun habe ich endlich begonnen, meine liebsten Songs aus dem Vorwende-Jahrzehnt in einer Playlist zu sammeln. Zum aktuellen Zwischenstand auf Spotify geht es da lang. Die Interimsliste findet ihr hier:

Welches sind eure Lieblingslieder aus den 1980ern? Und welche Stücke könnte und/oder sollte ich unbedingt noch in meine Playlist aufnehmen?

Pablo Picasso, Ich suche nicht – ich finde, Moderne, Errungenschaften
° ° °
Treffender und schöner lässt sich wohl kaum in Worte fassen, was es letztendlich heißt, in einer offenen Gesellschaft zu leben. {Vielen Dank, Mehrdad, fürs Finden.} Ja, ich bekenne mich zu ihr, mit Haut und Haar und allen Risiken und Nebenwirkungen. Um nichts in der Welt möchte ich sie hergeben. Sie ist so kostbar – und so verletzlich. Das zeigt sich gerade so erschreckend deutlich.
Was ich in dieser 5. Woche des jungen Jahres noch so GEDACHT, GETAN und GEFUNDEN habe? Unter anderem dies:
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Patricia Parisi (c) Hauptstadtmutti

Am letzten Sonntag war ich nach langer, langer Zeit wieder einmal auf einem Punkrock-Konzert. Im Columbia Theater. Um elf Uhr. Nein, nicht um dreiundzwanzig Uhr. Um elf! RANDALE hieß die Bielefelder Band, die laut Selbstauskunft so klingen ‚als ob die RAMONES, DIE ÄRZTE und die HOUSEMARTINS mit JOHNNY CASH Kindermusik machen würden‘. Kindermusik? Richtig. Ich war auf einem Kinderkonzert. Mit Ma. und Mann. Und wir hatten einen Riesenspaß! Möglich gemacht hat dieses generationenübergreifene Musikevent Patricia Parisi, die Frau hinter dem Milchsalon

2013 hat die Künstlerin mit deutsch-italienischen Wurzeln die Konzertreihe ins Leben gerufen – genervt vom verkitscht-braven Musikangebot für Kinder. Auf ihren Bühnen wird die gesamte musikalische Bandbreite jenseits des Klassischen gespielt: Punkrock, Reggae, Ska, Jazz, Hip Hop, Pop und Rock. Im heutigen Montagsinterview erzählt sie unter anderem über die Hintergründe des Milchsalons und wie sie ‚ihre‘ Bands auswählt. Außerdem verrät sie ihren liebsten Berliner Ort und verschenkt zwei Freikarten für das nächste Konzert im Milchsalon: DIE BLINDFISCHE verbinden Rock und Hip Hop mit einer Prise Comedy. Hier könnt ihr euch einen Eindruck machen.

DIE BLINDFISCHE 
am 7. Februar 2016 um 14 Uhr
im Grünen Salon (Berlin)

Wenn ihr eine Die 2 Freikarten für DIE BLINDFISCHE gehen an Held & Lykke. Viel Spaß! gewinnen möchtet, hinterlasst bis Mittwoch, den 3. Februar 0.00 Uhr eine kurze Nachricht und eure E-Mailadresse. Ich sage nun: Vielen Dank, liebe Patricia, für das kurzweilige Gespräch und wünsche euch damit einen gelungenen Start in die neue Woche.

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Was ist der Milchsalon und wer steht dahinter?
Der Milchsalon ist ein Ort, an dem auch und ganz besonders Kinder sich wohl fühlen sollen, an dem sie als Rezipienten wahr- und ernst genommen werden und an dem sie auch ruhig barfuß laufen oder Purzelbäume schlagen können, wenn sie wollen. Ein Ort, an dem sie leise oder lauthals ihre Begeisterung zum Ausdruck bringen können. Ein speziell ausgewählter Ort, an dem Kinder eigentlich noch nichts zu suchen haben, zum Beispiel ein szeniger Club, der den Eltern, ein vielleicht schon lange vermisstes Ausgeh-Gefühl schenkt (Yeah!) – und Kinder nicht kleiner hält, als sie es ohnehin noch sind! (Yeah! Yeah!)
Ich möchte Kindern schöne Erlebnisse schaffen und wichtige Erfahrungen ermöglichen sowie den Austausch zwischen den Künstlern, Kindern und Eltern. (Oft hüpfen die Kinder nach den Konzerten auf die Bühne und bespielen die Instrumente. Bei einigen spüre ich förmlich, wie eine Leidenschaft entfacht.)
Dahinter stecke ich – ganz allein!
Was hat dich motiviert, den Milchsalon ins Leben zu rufen?
Seit vielen Jahren arbeite ich im Bereich Booking und Promotion. Musik hat mich schon zeitlebens interessiert und begleitet. Die Kindersparte mit all ihren Facetten, von lehrreich bis moralinsauer, hat sich mir konsequenter Weise erst durch meine Sprösslinge eröffnet. Gerade in dieser Branche gibt es einfach zu viel Trash gegen den ich mich vehement versuche zu wehren.
Der Milchsalon soll Kinder an „gut gemachte“ Musik heranführen und sie zum Musizieren, Tanzen und Ausflippen animieren.
Wie und wo findest du die Bands und nach welchen Kriterien suchst du sie aus?
Anfangs habe ich mich virtuell durch verschiedenste Foren gequält. Als ich schließlich die ersten Bands entdeckte, kamen recht bald Anfragen von den Musikern selbst.
Leider habe ich sehr strenge Auflagen, die ich einhalten muss. Außerdem ertrage ich keine zu schrille Kostümierung oder total albern klingende Bandnamen. Um sicherzustellen, dass die Musik inhaltlich auf die Interessen der Kinder von heute eingeht und Spaß macht, ohne albern zu sein, lasse ich alles vorab von meinen Kindern testhören. Manchmal muss ich dann meine eigenen hohen Ansprüche ein wenig zurückschrauben. Doch wer durch diese letzte Instanz fällt, ist raus.
Ursprünglich war der Milchsalon im Grünen Salon der Volksbühne ansässig. Heute findet er in „Clubs und klassische Venues, in abgetakelten Gartenlokalen und in Bastionen der Hochkultur, in Büroetagen, Schulen und auf die grüne Wiese“ statt. Warum?
Ursprünglich fand er sogar im Roten Salon der Volksbühne statt und nannte sich der ROTE MILCHSALON. Dort durfte ich dann – aus ganz perfiden Gründen, die jetzt den Rahmen sprengen würden – leider nicht mehr agieren. So bin ich in den Grünen Salon abgewandert. Der Milchsalon soll möglichst immer in Clubs stattfinden. Das ist ja ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes.
Der zitierte Zusatz bezieht sich lediglich auf die Möglichkeit, ein privates Milchsalon-Konzert (wo auch immer!) zu buchen.

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Wie funktioniert der Milchsalon?
Es ist ein One-Woman-Totaleinsatz. Da ich (gefühlt) jeden einzelnen Gast namentlich kenne, funktioniert er bislang nur durch meine Guerilla-Marketing-Kampagnen in Bio-Läden, beim Kinderarzt, in Schulen, Kitas etc. und vornehmlich in meinem Aktionsradius.
Oft kommt mir zu Ohren: „Das ist ja eine super Idee. MILCHSALON? Habe noch nie davon gehört.“ Hätte ich mehr Multiplikatoren und Unterstützer, könnte deutlich mehr passieren und auch unbekanntere Bands hätten eine Chance auf der Bühne zu stehen, ohne dass es mich gleich in den finanziellen Ruin stürzt.
Was steht dieses Jahr auf dem Programm des Milchsalons?
Ich plane schon seit vielen Jahren ein größeres Kindermusik-Festival. Mehrtägig mit tollen Bands, die in verschieden Locations auftreten. Leider kam mir eine große Agentur, die über die nötigen Zahnräder und Gelder verfügt, letztes Jahr zuvor.
Dieses Jahr werde ich von großartigen Musikern unterstützt und wir stellen ein kleines Kinder-Musikfestival (am 30. Oktober 2016 ab 15 Uhr im Columbia Theater) auf die Beine. Außerdem werden wir internationaler. Berlins internationaler Kinderreichtum schreit förmlich danach.

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Wer ist Patricia Parisi?
Eine relativ kleine, aber dennoch auffällige Person mit deutsch-italienischen Wurzeln und Mutter dreier Kinder. Ich habe einen erwachsenen 20-jährigen Sohn, den ich sehr jung bekam und eine kleine Nachhut aus Teenager-Girl (11) und Judoka-Meister (8).
Eine zeitlang habe ich Romanistik und Kunstgeschichte studiert, erlangte dann aber zu der Erkenntnis, dass ich doch eher eine Kunstschaffende als eine Theoretikerin bin.

 

Was ist deine Lieblingsmusik?
Musik, die mir unter die Haut geht, meine Seele berührt oder meine Füße wippen lässt. Ganz stimmungsabhängig Soul, Rock’n Roll, Ska oder Pop. Das kleine Einmal-Eins der Musikstile.
Was sind deine liebsten Orte in Berlin und welche Orte meidest du (warum)?
Ich liebe: Die Insel der Jugend. Warum? Wegen ihres poetischen Namens und weil es dort den schönsten Bootsverleih an der Spree gibt: „Kanuliebe“ verleiht Tretboot-Klassiker aus den 50ern.
Ich meide kommerzielle Einkaufszentren und Großveranstaltungen. Warum? Ich bin knapp unter 1,60 m. Das macht es furchtbar anstrengend.
Und zum Schluss: Dein Kultur-Tipp der Woche?
Für Kids: Am 7. Februar ab 14 Uhr treten Die Blindfische im Rahmen des Milchsalons im Grünen Salon auf.
Für Erwachsene mit Hang zum DADA: 1932 Rare Photographs by George Grosz in der Side by Side Gallery Berlin.

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Die ersten zwei Wochen des noch jungen Jahres sind bald Vergangenheit. Was ist passiert? Was hat mich bewegt? Was hab ich getan?

Viel Musik habe ich GEHÖRT. Pergolesis Stabat Mater etwa. Eine Musik, die mich jedes Mal aufs Neue aus der Fassung bringt ob ihrer überirischen Schönheit. Apropos überirdische Musik – ein Meister dieses Faches war zweifelsfrei Johann Sebastian Bach. Der Choreograph Nacho Duato hat ausgewählte Werke in Vielfältigkeit. Formen der Stille und Leere in die Sprache des Tanzes übersetzt. Lang habe ich nicht mehr solch anmutig-schöne und zugleich spielerisch-leichte Bewegung GESEHEN.

Ma und ich haben Der kleine Prinz GESCHAUT. Die filigranen Papierfiguren-Szenen haben es mir besonders anGETAN. AnGETAN hat es mir auch Kate Blanchet in Carol – was für eine Ausstrahlung!

Aber auch GELESEN habe ich. Mehr als sonst, und echte Bücher, aus Pappe und Papier. Eines davon war Wolfgang Herrndorfs unvollendeter Roman Bilder deiner großen Liebe. Ein wunderbares Buch! Iris Radisch hat darüber in der DIE ZEIT geschrieben, besser als ich es je könnte. 

Über Berlin und meine Beziehung zu dieser Stadt, in der ich nun das 21. Jahr lebe, habe ich nachGEDACHT. Das Ergebnis dieses Nachdenkens ist in der Ode an Berlin kondensiert. Dabei habe ich ein paar alte Fotos GEFUNDEN. Und dann bin ich über ein Fotoprojekt von Valeria Mitelmann GESTOLPERT, an dem ich teilhatte. Findet ihr mich?  – Es ist immer wieder seltsam, sich selbst auf früheren Bildern zu begegnen. Nähe und Distanz fallen so schamlos ineinander.

GEÄRGERT haben mich die vielen dummen Reaktionen auf die Vorfälle in der Silvesternacht in Köln. „Unsere Gesellschaft hat ein Sexismus-Problem auf allen Ebenen“. Welche Frau könnte nicht davon berichten {siehe: KatjaNic oder Lina}? Leider.


GEFREUT haben mich hingegen die vielen guten Begegnungen in diesem gerade mal zwei Wochen alten Jahr {u.a. mit Mehrdad}. Und ein klein wenig GEWEINT habe ich um David Bowie, auf dessen Spuren ich letztes Jahr noch durch Schöneberg geradelt binGEMOCHT habe ich den Schnee. Er hätte ruhig ein wenig länger verweilen dürfen.


Ich habe GEBACKEN und GEKOCHTGetränkten Zitronenkuchen, Berliner Buletten und Kartoffelbrei mit Saure-Gurkenstücken, und dazu Malzbier GETRUNKEN. Auch gut.

Nach einem Badvorleger habe ich GESUCHT, weil der Boden im Bad zwar warm, aber nicht weich ist. Am Ende gefielen mir dann die Hölzernen am besten. Von wegen weich. Immer wieder auf diesen Pullover und dieses Kleid GEKLICKT. Am Ende bin ich aber standhaft GEBLIEBEN und habe sie nicht GEKAUFT.

Viel mehr habe ich auch nicht GEMACHT in den ersten zwei Wochen des Jahres. Mich im Nichtstun GEÜBT, was gar nicht so einfach und doch erstaunlich leicht war. Vielleicht wird aus mir ja doch noch eine Artistin des Gelegentlichen – gelegentlich.


Womit waren eure ersten zwei Wochen GEFÜLLT?

Bilder: Giuliana Bottino und Michael Banzhaf © Fernando Marcos | Pergolesi Stabat Mater | ace & jig | Berlinkarte 1980er | Der Himmel über Berlin | Badvorleger | Pullover

Postkarte aus den 1980er Jahren, gekauft bei meinem 1. Berlinbesuch 1988

Es war im Dezember. Ich erinnere mich genau. Diese kohlegeschwängerte Eiseskälte – im Westen schwarz, im Osten braun. Die Umstände waren nicht eben rosig. Ziemlich neben mir kam ich zu dir. Doch dir war das gleich. Du lächeltest dein schiefes Lächeln, schlosst mich in deine Zottelfell bejackten Arme und summtest mich sanft in den Schlaf. Seither bin ich dir treu, denn – bei allem Ärger hie und da – ick liebe dir, du liebes Tier.

Dein Name klang schon durch meine Kinderstube, der lieben Verwandtschaft wegen. Die einen sprachen stets schlecht von dir: großkotzig und ungeniert, das seist du, und blöde. Die anderen dagegen liebten dich für deine Weltoffenheit und Toleranz (manch einer sprach lieber von Ignoranz). Das weckte die Neugier und einen Wunsch: Ein eigenes Bild wollte ich mir machen. Doch bis es möglich wurde, vergingen Jahre.

Es geschah heimlich, per Anhalter über den Transitverkehr und ich staunte nicht schlecht als ich vor dir stand. Weder fand ich die Dame von Welt noch die bornierte Tante. Eine Tunte eher. Wild und verrucht, großherzig und warm – und weit entfernt von Diplomatie. Bei unserer ersten Begegnung gleich, zeigtest du mir, was ich war – und doch um nichts in der Welt sein wollte: ein Mädchen aus der Provinz. Und trotzdem – oder vielleicht grad darum – liebte ich dich spontan.

1988 auf dem Weg nach (West-)Berlin  

Jede Nacht wollte ich mit dir zum Tag machen, mal Pogo, mal Walzer tanzend; jeden Tag mit dir bei frischer Poğaça begrüßen, in der O-Straße im schmutzigen Morgengrau. Endlos wollte ich deinen Geschichten lauschen im Schlendergang an der Mauer entlang, vom Schlesischen Tor bis zum Potsdamer Platz, diesem Brachland der deutschen Geschichte. Zusammen mit dir die Engel aufspüren, auf der Goldelse oder unter dem Stern, und niemals mehr deinen Himmel missen – das wollt ich, und noch viel mehr.

Meinen Pass verlor ich bei diesem ersten Besuch, und Herz und Verstand gleich dazu. Doch bis ich in deinem Schoss sesshaft wurde, sollten 2.555 Tage vergehen. Eine Transitstrecke gab’s da nicht mehr und die Mauer war nur mehr Relikt. Der Potsdamer Platz war nun Großbaustelle und das Schlesische Tor degradiert: eine vorletzte Station ohne Aussichtsturm. Kreuzberg war nicht mehr peripher und der Osten das Zentrum der Träume – und träumen, das konntest du. Wild und schön und groß.

Die Nächte haben wir uns um die Ohren geschlagen, im SO, im Eimer und irgendwo. Doch stets hattest du ein Auge auf mich, damit ich nur ja nicht verloren ginge. Und während mich noch die Alpträume jagten von verpassten Chancen und verlorenem Glück, zogst du mich sachte direkt über Los.

Das 21. Jahr bin ich nun hier und ahne: Ich geh wohl nimmer fort. Denn, Berlin, ick liebe dir.²

¹ Das Stück von Public Image Limited aus dem Jahr 1983 verschmilzt in meiner Erinnerung mit meinem 1. Berlinbesuch. Vielleicht habe ich es dort zum ersten Mal gehört. Ich weiß es nicht mehr.  
² Ein Spaziergang durch (mein) Berlin {englisch}

Irgendwo in Kreuzberg rund um die O-Straße | 1991

Nein. Der Eurovision Song Contest trifft nicht meinen Geschmack. Weder musikalisch noch ästhetisch. Die Songs klingen überwiegend nach schnellmontierter Modulmusik, allein darauf bedacht, ja nicht die vorherrschende Hörgewohnheit zu verletzten. Ein Motto, dem auch das Veranstaltungsdesign geschuldet ist. Muss ja Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher gefallen, den zwei ergrauten Protagonisten der Markt- und Meinungsforschung. Und trotzdem oder gerade deshalb hat das Großereignis der Europäischen Rundfunkunion etwas Großartiges.

Hinterrücks hat sich der vordergründig brave Liederwettbewerb zu einer subversiven Plattform entwickelt, auf der das europäische Selbstverständnis neu verhandelt wird. Mit dem Gewinn der israelischen Transgender-Künstlerin Dana International im Jahr 1998 machte der ESC die bis dato randständige Genderfrage massenkompatibel; und mit der bärtigen Drag-Queen Conchita Wurst demonstrierte er 2014 beiläufig, dass nicht nur Europas, sondern auch seine Toleranzgrenzen weiter geworden sind. Er ist, was man den Wolf im Schafspelz nennt, und schafft ganz nebenbei, woran sich Politiker/innen und andere Meinungsmacher/innen die Zähne ausbeißen: Bewusstseinswandel.

Dieses Jahr kommt der Angriff aufs Kollektivbewusstsein aus dem hohen Norden. Mit der Band Pertti Kurikan Nimipäivät (PKN) fordern die Finnen nicht nur die europäischen Hörgewohnheiten heraus, sondern demonstrieren meisterhaft, wie man die schöne Rede von der inklusiven Gesellschaft mit Leben füllt: Indem man zu Punkrock von ‚ganz normalen Typen mit einer geistigen Behinderung‘ (Bassist Sami Helle) Pogo tanzt. Das ist Punk. Und das rockt.

In diesem Sinne ein horizonterweiterndes Wochenende und die obligatorische Liste.