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Kleider

Bevor Peter Lindbergh, der mit bürgerlichen Namen Peter Brodbeck heißt, zum internationalen Starfotografen wurde, arbeitete er als Schaufensterdekorateur und studierte Malerei und Konzeptkunst in Düsseldorf. Erst 1971 wandte sich der von Berliner Avantgardekunst inspirierte 27jährige der Fotografie zu – und machte international Karriere. Die erreichte 1990 mit seinem Titelbild für die Januarausgabe der britischen Vogue ihren Höhepunkt: Quasi über Nacht wurde Lindbergh zum »Schöpfer der Supermodels« und läutete eine neue Ära der Modefotografie ein: weg vom »Kleiderständer« hin zur Persönlichkeit.


»Bei richtiger Schönheit sprechen wir über Individualität, über die Courage man selbst zu sein, die eigene Sensibilität einer Person. Alles andere ist nur eine manipulierte Fiktion.« Peter Lindbergh


Ich mag Lindberghs Fotografien, die mehr Filmstill als Foto sind – und stets eine Einladung zum Kopfkino. Ob die rauchende Kate Moss, die Frauen im weißen Hemd oder »Naomi, Linda, Tatjana, Christy und Cindy in den Straßen von New York« – jedes Bild scheint den einen, den ganz besonderen Moment festgehalten. Und wir, die Betrachter/innen, sind eingeladen, die ganze Geschichte zu erfinden, deren {vorwiegend weibliche} Protagonisten in ihrer Ungezwungenheit und Schönheit für ein uneingelöstes Versprechen stehen: das Versprechen auf die volle Anerkennung und unantastbare Würde des Individuums.

Die Kunsthal Rotterdam zeigt seit dem 10. September und bis zum 12. Februar 2017 eine erste umfassende Retrospektive des schon heute legendären Modefotografen, die anschließend um den Globus wandern wird. Anhand von über 220 Lindbergh-Fotografien erzählt »A Different Vision on Fashion Photography« die Geschichte der Mode seit 1970 und wie sie sich mit Lindbergh verändert hat. Parallel zu der von Thierry-Maxime Loriot kurierten Ausstellung hat der TASCHEN Verlag im September seinen gleichnamigen Begleitband herausgebracht.  Das 500 Seiten starke Buch mit mehr als 400 Fotografien gibt Einblick in Lindberghs Schaffen seit den 1970er Jahren – ein wunderbares Buch, finde ich: Kopfkino ohne Ladenschluss. Umso mehr freue ich mich, ein Exemplar an euch verschenken zu können.

Hinterlasst dazu einfach bis zum 30. November 0.00 Uhr eine kurze Notiz, was euch an Lindberghs »Vision on Fashion Photography« fasziniert {bitte unbedingt eine E-Mailadresse angeben!}. Frau Zufall und Herr Glück werden haben das Übrige tun getan und die Nr. 12 orakelt – Herzlichen Glückwunsch, liebe Katja!

Du kannst – wie alle anderen natürlich unbedingt auch – dein Buch am Samstag, den 3. Dezember zwischen 16 und 18 Uhr sogar von Lindbergh höchstpersönlich signieren lassen. Dann nämlich ist der Starfotograf anlässlich der Eröffnung des ersten Berlin TASCHEN Flagshipstores in der Hauptstadt.

Einladung zur Signierstunde von Pter Lindbergh im TASCHEN Store Berlin

Ich danke dem TASCHEN Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars und eines weiteren Buchs für meine Leser/innen.

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Nachdem ich kürzlich einen Blick in ihr – wie ich finde – großartiges Modebuch geworfen habe, spreche ich heute mit der Autorin selbst. Was macht einen guten Stil und den Unterschied zwischen »Stil« und »Style« aus? Wie war der Weg zum Buch? Und wie kommt man {modisch gesehen} gut durch den Winter?

Das und mehr beantwortet Marlene Sørensen im heutigen Montagsinterview, mit dem ich allen einen guten Start in die neue Woche wünsche – und mich bei dir, liebe Marlene, für das erfrischende Gespräch bedanke.

Marlene Sørensen, Autorin von "Stilvoll"
Foto: Marlene Sørensen

Im September ist dein erstes {Mode-}Buch erschienen: Stilvoll. Wie und wann und wieso kam es dazu?

Letztes Jahr im März fragte mich ein Verlag, ob ich ein Buch über Mode schreiben würde. Das ist die kurze Antwort. Die längere kommt zur nächsten Frage.

Was war das Schönste, was das Beste und was das Schwierigste dabei?

Das Schönste war, dass ich überhaupt gefragt wurde. Von allein hätte ich mir vielleicht nie zugetraut, ein Buch wie dieses zu machen, in dem alle Texte und die meisten Bilder von mir sind. Das Schwierigste war, als der Verlag das Projekt wieder absagte. Eine herbe Enttäuschung. Ich habe mich gefragt, ob ich mir damit nicht doch zu viel vorgenommen hatte. Aber ich war schon so weit, dass ich es nicht aufgeben wollte. Das Beste war, als ich einen neuen Verlag für das Buch fand.

Zwischendrin gab es viele kleine schöne, schwierige und gute Momente. Der tolle Nachmittag mit Aino Laberenz wird mir zum Beispiel noch lang in Erinnerung bleiben. Die Strapazen, ein Buch mit dem Elternsein und der Arbeit meines Freundes zu koordinieren, kann ich getrost wieder vergessen. Den Stolz und das Erstaunen, als ich das erste Exemplar in der Hand hielt, kann ich mir wiederum hoffentlich noch lang bewahren.»

Das Cover von Marlene Sorensens Modebuch "Stilvoll" gibt es in drei Farben
Foto: Marlene Sørensen

Was zeichnet einen guten Stil aus?

Die Selbstgewissheit, sich nicht zu verkleiden. Aber auch der Wagemut, etwas Neues auszuprobieren. Und schlicht eine Freude an Mode, denn sie kann wirklich so viel Spaß machen.

Was macht für dich den Unterschied zwischen „Stil“ und „Style“ bzw. „stilvoll“ und „stylish“?

Das eine ist Deutsch, das andere Englisch. Okay, im Ernst, für mich gibt es bis auf das Sprachliche keinen Unterschied. Auf Deutsch klingt es oft gesetzter, wenn man über Mode schreibt. Und ich wünsche mir fast bei jedem meiner Texte, es gäbe so präzise Worte wie das englische »sophisticated«, um Kleidung zu beschreiben. Gibt’s leider nicht. Dafür kann man sich andere, ebenso treffende Worte einfallen lassen.

In deinem Buch trägt nur eine einzige Frau kurzes Haar {S. 15}, alle anderen haben mindestens halblanges Haar – wieso?

Ja, wieso eigentlich? Das habe ich nicht bewusst so ausgesucht. Ich hätte gerne noch mehr Frauen im Buch gezeigt und mindestens zwei davon tragen kurze Haare, aber am Ende fehlte die Zeit und der Platz, um alle vorzustellen. Kurze Haare finde ich an Frauen nämlich ziemlich toll. Denn man kann fast alles zu so einer Frisur tragen und es sieht sofort stylisher, äh, stilvoller aus.


»Guter Stil braucht Selbstgewissheit, Wagemut und Freude.«


Ihr habt vor kurzem eine neue Wohnung bezogen. Wie und wo wohnt ihr nun?

Wir sind von Mitte in den Prenzlauer Berg gezogen, aus dem zweiten in den vierten Stock. Ich wünschte, ich könnte mehr darüber erzählen, aber hier schaut’s immer noch aus, als wären wir heute früh mit dem Umzugswagen vorgefahren, dabei sind wir schon seit einem Monat hier. Aber irgendwann werden die Handwerker wohl fertig sein und wir müssen nicht mehr in der Dusche abwaschen. Dass ich mich mal so auf eine Spüle freuen würde…

Was empfiehlst du mir {die ich mich modisch irgendwo zwischen Joy Denalane und Claire Beermann einordnen würde} warum für den modischen Winter 2016/2017?

Eine Bomberjacke, zum Beispiel von Cos, Closed oder ganz klassisch von Schott NYC, weil sie gerade angesagt ist, aber immer lässig. Einen Camel-Mantel, weil der in jeden Kleiderschrank passt und mehr hermacht als jedes Modell in Schwarz. Und eine Trainingshose, weil man einen Trend unbedingt mitnehmen sollte, bei dem Sofaklamotten Stilgespür ausstrahlen. Bei Zara habe ich vor kurzem einige gute gesehen.

Modetipps von Marlene Sørensen und M i MA für den Winter 2016/2017

Hose: Zara | Bomberjacke: Schott NYC via Edited | Mantel: Other | Stiefel: Isabel Marant Etoile via Stylebop | Tuch: KENZO x H&M

{Reklame | Verlosung} So wie Kleider Leute, machen Bilder Wände. Ich selbst bin mit beidem eher zurückhaltend, so dass sich sowohl mein Kleidungs- wie auch mein Wohnstil eher schlicht ausnimmt. Nicht dass ich das „Üppige“ ablehne. Im Gegenteil. Den Bohemian Style zum Beispiel finde ich großartig und ich liebe die Petersburger Hängung – nur eben beides nicht an mir bzw. an meiner Wand. Da mag ich den lässigen Minimalismus bzw. die Solisten- und Reihenhängung lieber. Ihre Klarheit und Ruhe tun mir gut im quirligen Großstadtalltag.

Was ich solistisch oder in Reihe an meine Wände hängen würde? Zum Beispiel diese fünf Bilder von der Posterlounge, von denen ihr heute eines als Forex in Größe 50 x 70 cm gewinnen könnt.

Die Liebe käme Schlafzimmer, die White cubes ins Wohnzimmer und der Frankenstein in den Flur – oder alles drei in Reihe über die Coach. Im Kinderzimmer fände der Löwe einen {seinem Naturelle angemessenen} Einzelplatz und die Küche würde kurzerhand zum Tanzsaal erklärt. 


GEWINNT EINES MEINER 5 LIEBLINGSBILDER VON DER POSTERLOUNGE – ODER EIN BILD EURER WAHL.


Welches der fünf Bilder gefällt euch am besten? In welches Zimmer würdet ihr es hängen? Und wenn euch keines davon überzeugt: Welches würdet ihr gerne wohin hängen? Hinterlasst einfach bis Samstag, den 20. August 0.00 Uhr eure Antwort, und wenn ihr den Beitrag dazu noch auf Facebook teilt, freu ich mich noch mal mehr.

Die Gewinner/in wird wie immer von Frau Glück und Herrn Zufall ausgewählt und am Sonntag, den 21. August bekanntgegeben. Es ist – tadaa – die Nr. 1 und damit Dörte vom Pleißenhof. Herzlichen Glückwunsch!

Posterlounge, Poster

 

Ich wurde mitten in den Sommer hineingeboren. In das Grillenzirpen und den hitzeflirrenden Asphalt, in die korngeschwängerte Luft, die Seidennächte und das tiefe Farbensatt. Als Kind liebte ich diese Jahreszeit in ihrer herrlich-dichten Sinnlichkeit. Später dann, als mein Körper und ich uns immer mehr entzweiten, wurde sie mir zur Last. Heute kann ich sie wieder genießen.

Ob die Jahreszeit, in die man hineingeboren wird, wohl etwas mit einem macht? Ob meine Wasserliebe vielleicht von der früherfahrenen Hitze rührt? Wie dem auch sei – zweierlei ist gewiss: dass an meinem Geburtstag alle in den Ferien sind und die „Was-wünscht-du-dir-Frage“. Auf die fällt mir dieses Jahr sogar einmal {rechtzeitig} etwas ein. Und was steht so auf eurem Wunschzettel?

Wunschzettel, Geburtstagswuensche, Sommerkind, Geburtstag

Rucksack | Parfüm | Cardigan | Tschick | Glasservice | Seidenschal

Judith Peller (c) Karolina Parot
„Es geht nicht darum, gute Ideen zu entwickeln. 
Es geht darum, die richtige zu finden.“ 

Sie hat eine Trauer- und Interviewplattform über das Weiterleben nach dem Tod ins Leben gerufen, sich vor wenigen Monaten als als PR-Beraterin und Inspirationscoach selbstständig gemacht und wird in wenigen Wochen ihr Unterhosen-Label launchen. Wer? Judith Peller. Die 34-jährige Powerfrau mit dem ansteckenden Lachen, den 1.000 Ideen und dem richtigen Riecher. Im heutigen Montagsinterview spricht sie über richtige Idee und gute Entscheidungen, über die Schönheit des Kontrollverlusts und die Lust am Leben.

Ich danke dir, liebe Judith, für das wunderbare Gespräch mit dem ich euch allen einen ebensolchen Start in die neue Woche wünsche.

Wer ist Judith Peller?

Diese Frage habe ich so tatsächlich noch nie beantwortet: Zumindest nicht in dieser objektiven Form! Wer ist Judith Peller? Judith Peller ist eine 34-jährige Wahl-Berlinerin, die sich gerade mit INSPRIRATION als PR-Beraterin und Inspirationscoach selbständig gemacht hat. Schon als kleines Mädchen konnte ich mich nie für eine einzige Sache entscheiden, deshalb ist INSPRIRATION auch nur eines von vielen Themen in meinem Leben. Judith Peller ist immer auf der Suche, würde ich sagen: nach der nächsten Idee, dem nächsten spannenden Projekt, dem nächsten inspirierenden Auftrag. 
Seit mehr als zwei Jahren arbeite ich z. B. an der perfekten Unterhose für Frauen. Im Sommer erscheint die erste Unterhosen-Edition meines Wäsche-Labels „viel mehr als grau. Ich habe eine Trauer- und Interviewplattform ins Leben gerufen, die nicht den Tod, sondern das Weiterleben in den Mittelpunkt stellt. „Dein Tod und ich heißt sie. Ich wünsche mir von Herzen, dass wir endlich wieder normal über den Tod sprechen.

Gerade lese ich das wunderbare Buch „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast von Barbara Sher. Der Titel trifft es irgendwie ganz gut: Ich interessiere mich einfach für sehr viele verschiedene Dinge.  


Du arbeitest als freie Beraterin für strategische PR und Inspirationscoach. Was macht (d)eine PR-Beratung strategisch und was ist ein/e Inspirationscoach?
Viele glauben, dass es bei PR darum geht, gute Ideen zu entwickeln. Ich glaube, dass eine gute Idee wertlos ist, wenn es nicht die richtige ist. Strategische PR-Beratung hilft, herauszufinden, was die richtige Idee ist, um ein bestimmtes kommunikatives Problem zu lösen. Das bedeutet ganz konkret, dass man sich vor der kreativen Arbeit erst einmal ein strategisch fundiertes Fundament aufbaut: Wie sieht die aktuelle Situation des betreffenden Unternehmens aus? Welche Aufgabe gilt es zu lösen? Was soll mit PR erreicht werden? Wer soll angesprochen werden? Gute Ideen gibt es wie Sand am Meer. Die richtigen sind schwerer zu finden, ein bisschen wie beim Muscheln suchen. Mein Job ist es, beim Finden zu helfen. Das gilt auch für meine Inspirationscoachings.

Mit der richtigen Strategie kann man nämlich auch leichter essentielle, persönliche Fragen beantworten: Wie finde ich den Job, der mir wirklich Spaß macht? Wie sieht mein perfektes Lebens- und Arbeitsmodell aus? Was kann ich tun, um beruflich zufriedener zu werden? Als Inspirationscoach unterstütze ich Menschen, die sich beruflich verändern wollen, aber keine Ahnung haben, wo oder wie sie überhaupt anfangen sollen. Ein solches Inspirationsgespräch kann den Start erleichtern. Es dauert 3-4 Stunden. Am Ende erhält jeder eine umfassende Liste zum Weiterdenken. Darüber hinaus biete ich auch Webinare an. Das erste ist gerade fertig geworden: In 1,5 Stunden erfährt man meine persönlichen Tipps uns Tricks zum Thema „Von Ängsten und Ausreden. Wie man einfach anfängt, sein Leben zu ändern.

Der Tod gehört zum Leben. Das hast du oft betont. Seit deiner Kindheit hat sich der frühe Tod deiner Freundin Doris begleitet – aber auch krank gemacht. Hast du eine Idee, wie der Tod in guter/gesunder Weise zum Leben gehören kann?
Der Tod gehört zu unserem Leben. Das kann man gut oder schlecht finden. Es ändert aber nichts an der einfachen Tatsache: Wir werden geboren und wir sterben. Alles völlig normal. Was uns krank macht, ist unser Leugnen. Unser „Nicht-wahrhaben-wollen“. Unser ständiges „So-tun-als-ob-es-uns-nichts-angeht“. Unsere Angst, den Schmerz zu spüren. Die Kontrolle über unsere Gefühle abzugeben. 
Nach allem, was ich selbst mit meiner Trauer erlebt habe, ist der Tod für mich heute ein Geschenk: ein Geschenk des Lebens. Das mag jetzt vielleicht komisch und ein bisschen absurd klingen, aber seit ich begriffen habe, dass ich sterben werde, lebe ich. Ich vertage nichts mehr auf morgen. Ich warte nicht mehr auf den perfekten Moment. Ich spüre mich und meinen Körper, hier und jetzt. Ich schätze mein Leben und bin dankbar für alles, was ich habe. Man kann sein Leben nicht nachholen oder aufschieben. Man kann es nur jetzt leben. Mit allem, was dazu gehört: mit den Ängsten, dem Schmerz und den vielen Dingen, die man nicht kontrollieren kann. Aber ganz ehrlich: Kontrolle abzugeben ist etwas Wunderbares. Sich fallen zu lassen. Das Leben auch mal auf sich zukommen lassen, statt ihm immer ehrgeizig hinterherzurennen. Ich lebe und ich werde sterben, so einfach ist das. Sich diese einfache Wahrheit öfter mal bewusst zu machen, würde vieles verändern. Es könnte dazu beitragen, dass wir in einer guten und gesunden Weise mit dem Tod umgehen.
In verschiedenen Kulturen und Religionen gibt es sehr unterschiedliche Formen mit dem Tod umzugehen. Gibt es eine, die dir besonders zusagt?
Eine Freundin hat mir neulich von ihrem Urlaub in Mexiko erzählt und wie die Mexikaner mit dem Tod umgehen: Sie feiern ihn einmal im Jahr mit einer riesengroßen Party. Ein Fest des Lebens, bei dem sich alle wiedersehen: die Lebenden und die Toten. Es gibt laute Musik, gutes Essen und Tanz. Der Tod ist dort nicht schwarz und weiß: Er leuchtet in allen Farben des Regenbogens. Das gefällt mir. Trauer ist viel mehr als immer nur traurig zu sein. Es bedeutet, sich zu erinnern: an die schönen Momente, an all die Situationen und Erlebnisse, die man zusammen geteilt hat. Wenn man jemanden verliert, den man liebt, dann tut das weh. Keine Frage, das ist das Schlimmste. Aber was wäre ich für eine Freundin, wenn ich mich an Doris nur mit all dem Schmerz erinnern würde? Sie war meine erste beste Freundin. Wir hatten so eine tolle Zeit miteinander. Wir haben Radio gespielt und Schneehöhlen gebaut. Daran will ich mich erinnern. Nicht nur an ihre Glatze nach der – gefühlt – 48. Chemo. Sie hat das Leben geliebt, obwohl sie sterben musste. Darum geht es.
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Quelle: Wiki Commens
Um den Tod einen Platz in unserem Leben zu geben, hast du die Plattform „Dein Tod und ich“ gegründet – ein Projekt, das schnell bekannt und zu deinem Herzensprojekt wurde. Bis jetzt. Was hat sich verändert?
Dein Tod und ich war einer der Gründe, warum ich mich selbständig gemacht habe: Ich wollte mehr Zeit dafür haben, ein Buch mit ausgewählten Interviews veröffentlichen, die Plattform zu DER Trauerplattform im deutschsprachigen Raum ausbauen. Seit einigen Wochen hat sich etwas verändert. Ich habe gemerkt, dass ich mich immer mehr davor drücke. Erst dachte ich, ich hätte vielleicht Angst, dass mich meine eigene Trauer wieder einholt. Vielleicht ist es auch die Angst, etwas falsch zu machen. Nicht die richtige Antwort auf die persönlichen Geschichten zu finden, die mir so viele Menschen ganz offen und ehrlich erzählen. Ich kann es nicht erklären, aber ich habe das Gefühl, dass ich fertig damit bin. Der Tod und die Trauer haben mehr als 20 Jahre meines Lebens bestimmt. Ich dachte immer, dass ich es Doris schuldig bin, ihr Andenken zu bewahren. Alles dafür zu tun, dass sie nicht vergessen wird. Ihrem Tod einen Sinn zu geben. Irgendwie war sie all die Jahre auch immer noch hier. Ich weiß nicht, warum und ich weiß auch nicht, wie ich das erklären soll, aber Doris ist gegangen. Sie ist weg und mit ihr der Wunsch, der Trauer ein Gesicht zu geben. Ich will mich mit dem Leben beschäftigen. Ich will das Beste vom Leben erwarten. Ich will mir alles wünschen, was ich mir vorstellen kann. Ich will jeden Tag genießen und glücklich sein. Ich weiß, dass ich sterben werde. Ich muss mich nicht mehr jeden Tag daran erinnern.
Dein neuestes Projekt heißt „viel mehr als grau“ oder auch „Unterhose„. Wie bist du dazu gekommen, einen perfekten „Frauenschlüpper“ zu erfinden? Und was macht ihn perfekt?
Ich war sehr unzufrieden mit meiner eigenen Unterhosensituation. Irgendwie gab es nichts, was meinen Vorstellungen von einer perfekten Unterhose entsprochen hat. Deshalb habe ich kurzerhand meine eigene erfunden und zusammen mit einem Schneider in den letzten Monaten entwickelt. Eine perfekte Unterhose ist bequem und sexy. Sie hat kein lästiges Etikett, das man erst herausschneiden muss. Sie ist aus qualitativ hochwertiger und robuster Baumwolle (mit ein bisschen Elasthan) und das wichtigste: Sie macht Spaß! Es gibt kein Schwarz und kein Weiß bei meinem Wäsche-Label, viel mehr als grau: nur knallige Farben. Jeden Monat wechselt die Farbe. Die erste Edition ist himbeerfarben und heißt „Glück ist immer selbstgemacht.

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Die Unterhose kommt im Sommer auf den Markt, „Dein Tod und ich“ verändert sich… welche Jahresbilanz möchtest du am 31. Dezember 2016 gerne ziehen?
Trotz der Aufregung, der Unsicherheit und der vielen Fragezeichen, die sich gerade überall in meinem Leben auftun, ist es doch schon jetzt eins der tollsten Jahre überhaupt. Veränderung ist gut. Sie rüttelt an allem, was nicht mehr gebraucht wird. Sie schafft Platz für Neues.

Ich möchte ohne Druck und Stress eine Entscheidung für „Dein Tod und ich“ finden. Das Projekt vielleicht in neue, vertrauensvolle Hände geben. Die Unterhose soll nach zwei Jahren Entwicklungsarbeit endlich das Licht der Welt erblicken: Ich bin so neugierig, wie es damit weitergeht. Ob andere meine Begeisterung dafür teilen.

Groß ausgefeilte Pläne habe ich nicht in der Schublade. Ich möchte den Dingen auch einfach mal ihren Lauf lassen, mit dem „Flow“ gehen, auch wenn er zwischendrin eine Pause macht. Mir die Zeit nehmen, um immer wieder innezuhalten. Mich in die Selbständigkeit „eingrooven“. Weiterhin schöne PR-Jobs machen. Inspirierende Menschen treffen. Zeit mit meinen Liebsten verbringen. Und vor allem: einen tollen Sommer in der schönsten Stadt der Welt!
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Sommer in Berlin, Judith Peller, Dein Tod und ich

Heute ohne Worte, aber mit guten Wünschen fürs Wochenende.

Manchmal hilft es nur noch, mich in schönen Dingen zu verlieren. Um nicht verrückt zu werden an Welt – oder besser: mit der Welt. Hier ein paar Dinge, die ich mag. 
Ein Teppich namens Desert, weil weite, warme Wüstenfarben in diesen grauen Wochen zwischen Winter und Frühling, für die man eine eigene Jahreszeit erfinden müsste, bisweilen so unerträglich sind. Dazu passt die sonnenblumengelbe Decke und der südafrikanische Halb-Sonnenring.
Das Sweatshirt würde mich sicher gut durch diese namenlose Jahreszeit bringen, wäre es verfügbar und dann noch in meiner Größe. Alternativ ließe ich mich auch von dieser grünen Strickjacke durch das nassglänzende Grau begleiten, bis die Temperaturen es gestatten, in diesen wunderbaren Play Suit zu steigen – und diese schlichten, flachen Schuhen
Bis dahin behelfe ich mir mit meinen liebsten Blumen. Allein der Klang ihres Namen entzückt: Ranunkeln
Die junge Charlotte bestätigt, was bis eben noch eine wage Ahnung war: Die Zeit des Undercuts ist vorbei. Kurz. So darf mein Winter werden. Und gerne auch ein wenig glanzvoll wie diese Sneakers. Am liebsten schneeglänzend unter strahlend blauem Himmel. Eine Rarität in der großen Stadt – und nur von kurzer Dauer. Doch für diesen Mantel und diese Hose ist schmutzig-grauer Schneematsch vielleicht gar die beste Kulisse: Im tiefen Grau beginnen sie zu leuchten. Im Handgepäck verstau ich die Gelassenheit. Die braucht’s, um den Berliner Winter zu überstehen.

Und wie soll euer Winter werden?

Am Sonntag habe ich die Daunenjacke getragen. Zum ersten Mal seit vielen Monaten. Sie war gerade warm genug. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Herbst endgültig da ist – ein paar Tage vor Termin (der ist dieses Jahr am 23. September). Eigentlich könnt’s mir recht sein. Ich mag den Herbst (wie Okka) mit seinen warmen Fast-noch-Sommer-Tagen, den tiefgrauen Regen- und winterweisenden Kältetagen. Ich mag seine Farbenwälder, seine pathetischen Sonnenaufgänge und imposanten Wolkenspiele. Und dieser Duft! Jene Mischung aus tiefen Laub- und hohen Luftaromen akustisch untermalt vom Trompeten der Kraniche, das Fernweh und Heimweh gekonnt in sich vereint. Dazu Kürbissuppe und Vivaldi – zwei Klassiker, die ich im Herbst gleich noch mal so gern hab. Aber bin ich, wie Stephanie, wirklich schon herbstbereit? Ich weiß nicht recht. Irgendwie häng ich noch an diesem hitzköpfigen Sommer 2015.

Vielleicht würden mir ein paar Dinge den Übergang erleichtern. Ein Schal gegen den dicken Hals und die volle Nase etwa. Eine Mütze gegen’s Abheben und ein Mantel für die Geborgenheit. Ein Paar Boots, das seinen Namen verdient und dieses Lied fest in meinem Ohr verschraubt. Ein unscharfer Wollpulli für die Gelassenheit und eine weite Hose für die Bequemlichkeit. Ja, so verpackt, könnte ich den Sprung vom Sommer in den Herbst schaffen.

Nach langer Zeit hatte ich wieder einmal Lust auf „Modeschauen“. Vielleicht war es das Interview mit Susi aka Texterella, vielleicht eine spontane Laune. Meine Wunschstücke passen zum diesjährigen Frühsommer, der sich nicht so recht entscheiden kann: heute 28°C, morgen 14°C und übermorgen 20°C.  Das hier geht fast immer.