Tag

Illustre Illustrationen

„Was macht der Mann, Mama?“
„Er sucht seine Zeichensachen zusammen?“
„Malt er hier?“
„Ja.“
„Warum“
„Weil er Künstler ist.“
„Arbeitet er immer hier?“
„Oft.“
Sie beobachtet ihn. Schaut zu, wie er Ding für Ding aus seinem Stoffbeutel nimmt, wie er nach und nach ein winziges Tischatelier schafft. Drei Bleistifte, Tinten, Tusche und winzige Kladden. Eine Pappe, nicht größer als ein Bierdeckel, dient als Klemmbrett. 
Die Bedienung bringt Kaffee. 
Er kramt in seinem Stoffbeutel, legt ein Papier zum Rest. Notizzettelgroß. Nimmt einen Schluck Kaffee. Klemmt das Papier auf die Pappe, zieht einen ersten Strich. „Mama, darf ich zusehen, wie er malt?“ „Bestimmt.“ „Fragst du ihn? Bitte, Bitte!“
„Entschuldigen Sie, meine Tochter …“ 
„Oh, is it your daughter? She’s a princess! Do you agree, that I draw her?“
Ich blicke zu Ma. 
Sie nickt.
Er setzt den Bleistift an. 
Wir bestellen entgegen unserem Plan eine zweite Runde.
Später wird er uns das winzige Portrait schenken: „It’s difficult to capture her. She grows up in every second.“
Edwin Dickman lebt seit 58 Jahren in Berlin. Immer wenn ich im P103 bin, ist er da und zeichnet. Die Zeichnung hat einen Ehrenplatz in Ma.’s Zimmer bekommen. 
PS: „If interested here is a link on a doc called Judgment On Paris staring Ed Dickman. It is about an artists relation with Germany and his loves.“ Diese Nachricht erhielt ich vorgestern – zu meiner Überraschung und Freude – von Robert Whitfield King.
Gleich zwei wunderbare Kinderbücher fielen mir kürzlich in die Hände: Komm, wir machen was mit Stadt aus dem Loewe- und Nusret und die Kuh aus dem Tulipan-Verlag. Im Prinzip grundverschieden – das eine ein Spiel- und Bastel-, das andere ein Bilderbuch – haben sie doch Gemeinsamkeiten: Beide Bücher widmen sich mit Liebe, Feinsinn, Witz und Respekt ihrem jeweiligen Gegenstand; und beide Bücher sind das Ergebnis eines co-kreativen Prozesses. 
Das Bastelbuch stammt aus dem Würzburger Forschungslabor für Angewandte Kreativwissenschaften Herr Pfeffer, hinter dem die zwei Designerinnen Manou tigapigs und Julia Bruns stehen. Das Bilderbuch ist ein Gemeinschaftsprojekt der Berliner Autorin Anja Tuckermann sowie den zwei Illustrator/innen Mehrdad Zaeri und Ulli Krappen. Im Nachwort haben die beiden Künstler/innen den Prozess ihrer Zusammenarbeit beschrieben – und allein diese Beschreibung ist lesenswert. Sie zeigt auf zauberhaft-zärtliche Weise, was Co-Creation auch bedeuten kann: „[Wir] stehen uns an einem Tisch gegenüber und malen am gleichen Blatt. Das ist ein bisschen wie Zeitschach. Wir haben eine Stoppuhr und jeder von uns hat zwei Minuten für seine Zeichnung. […] Sobald die Uhr piepst, wandert das Blatt rüber zum anderen, […] der es alles übermalen, zerstören, vernichten darf, sogar soll, damit das Spiel an Fahrt gewinnt. Irgendwann entwickelt sich etwas Konkretes im Bild, etwas nimmt Gestalt an. Und …. dann [heißt es] auch schon mal, obwohl sich die Stoppuhr bereits gemeldet hat: ›Nein, mach du weiter, das ist eher dein Ressort.“ Doch zum Inhalt. Worum geht es hier wie dort? 

Nusret und die Kuh erzählt die Geschichte des kleinen Nusret, der bei seinen Großeltern in einem verlassenen Dorf irgendwo im Nahen Osten lebt. Nusrets Eltern sind während des Kriegs mit seinen Geschwistern nach Deutschland geflohen. Sie wollen ihren jüngsten Sohn schon bald zu sich holen. Nusret ist hin und her gerissen. Damit die Sehnsucht erträglich bleibt, nimmt er seine geliebte Kuh mit nach Deutschland. Dort soll sie – wie er – das Lesen und Schreiben lernen. Als Nusret in seiner neuen Heimat Fuß gefasst hat, bringen er und seine Eltern die Kuh zurück aufs Land zu den Großeltern. Dort liest sie ihnen, die des Lesens nicht mächtig sind, fortan Nusrets Briefe aus Deutschland vor. 
Anja Tuckermann, Uli Krappen und Mehrdad Zaeri haben ein berührendes Buch über Heimat, Fremde und Sehnsucht gemacht, das gerade heute dringend gebraucht wird – nicht nur für Kinder!
Anja Tuckermann, Uli Krappen, Mehrdad Zaeri
Nusret und die Kuh
ab 5 Jahren 
1. Auflage 2016, Tulipan Verlag
Preis: 18,00 €
Die beiden Damen von Herrn Pfeffer haben für Komm, wir machen was mit Stadt zahlreiche Bastelideen für Kinder ab fünf Jahren zusammengetragen, denen man – anders als manch anderen Kinderkreationen – gerne einen prominenten Platz in den eigenen vier Wänden einräumt. 
Das Buch zeigt auf wunderbar verspielte Weise, was sich aus unseren täglichen Abfällen alles machen lässt: eine Kuschelstadt aus Stoffresten zum Beispiel, ein Minigärtchen aus Milchtüten, eine Autogirlande aus leeren Streichholzschachteln oder Pflanztöpfe aus Konservendosen. Dabei unterscheidet sich das Buch nicht nur in seiner Gestaltung wohltuend von vielen anderen Bastelbüchern, auch die Anleitungen sind anregend anders. Dazu tragen nicht zuletzt die acht kleinen Stadtfreunde bei: der Ideen-Marienkäfer zum Beispiel, der zeigt, was sich aus dem Gebastelten noch alles machen lässt (etwa Spiele für Drinnen und Draußen), der Material-Igel, der weiß, was man alles braucht für das Projekt oder der kleine und der große Waschbär, die wissen, wann kleine Macher/innen besser große Unterstützung in Anspruch nehmen.
Ma. hat für die nächsten Monate schon einen Bastelplan erstellt und für jedes Wochenende ein Projekt ausgewählt. Gestartet ist sie mit dem Minigärtchen, das nun leicht abgewandelt als Ostergärtchen unsere eher minimalistische Osterdeko aufpeppt.

Herr Pfeffer
Komm, wir machen was mit Stadt
Ein kreatives Spiel- und Bastelbuch
aus der Reihe „Naturkind“

ab 5 Jahren, 1. Auflage 2016 Loewe Verlag 
Preis: 12.95 €

Ich danke dem Tulipan- und dem Loewe-Verlag für die Rezensionexemplare.

Bis heute staunt er immer wieder über den Gang seiner Geschichte, die exemplarisch für viele Menschen stehen könnte, die Zuflucht bei uns suchen: Mehrdad Zaeri. Vor rund 30 Jahren floh der damals 15jährige mit seinen Eltern aus dem Iran über die Türkei nach Deutschland. Ein „Flüchtling“, ein „Asylbewerber“. Heute ist der Zeichner, der sein Glück nicht fassen kann, ein angesehener Künstler.

Im Rahmen meiner Reihe „Fluchtgedanken“ erzählt er davon, was es bedeutet, alle Brücken hinter sich abzureißen und in der Fremde einen Neustart zu wagen, wer zu dessen Gelingen beigetragen hat und wie er das politische Deutschland heute erlebt. Herzlichen Dank, lieber Mehrdad!

Am 24. Dezember 1985 kamst du fünfzehnjährig mit deiner Familie als „Flüchtling“ aus dem Iran nach Deutschland. Warum seid ihr damals geflohen und wie hast du die Flucht erlebt?

Wir sind ca. fünf Jahre nach dem Sieg der Iranischen Revolution in die Türkei und dann nach Deutschland geflohen. Es gab zwei Gründe für unsere Flucht. Der erste Grund war die Machtübernahme der Islamistischen Partei, die in einer schnellen Aktion alle anderen Parteien ausschaltete und mit großer Eile die Vernichtung aller Pläne vorantrieb, demokratische Strukturen aufzubauen. Der zweite Grund war der blutige Krieg zwischen Iran und Irak. Alle jungen Männer ab fünfzehn Jahren durften das Land nicht mehr verlassen und mussten sich für die Front einsatzbereit halten. Ich war vierzehneinhalb. Wir mussten schnell handeln.

Meine Flucht verlief in drei Phasen. Die erste Phase fand in den Tagen vor unserer Flucht statt. Meine Eltern sagten mir, dass wir sehr bald flüchten würden. Ich sollte niemandem davon erzählen, nicht einmal meinen besten Freunden. Ich war euphorisch und wollte so schnell wie möglich weg. Der Druck der Islamisten auf der Straße war groß und ich litt unter ihrem Terror. 
Die zweite Phase war die der Trauer. Sie begann an einem frühen Morgen im kalten Winter 1985, kurz vor Sonnenaufgang am Busbahnhof der Stadt Isfahan. Wir saßen im Reisebus Richtung Istanbul, drumherum standen unsere engsten Freunde und Verwandte und weinten. Für mich mit meinen 15 Jahren war die Situation sehr befremdlich; ich war voller Vorfreude auf die kommende Reise. Erst als der Bus losfuhr und meine mir liebsten Menschen immer kleiner wurden, schoss mir plötzlich ein Gedanke durch den Kopf: „Schaue sie Dir gut an“, sagte ich zu mir, „denn du wirst sie nie wieder sehen!“ In dem Moment brach in mir eine Welt zusammen. 
Die dritte Phase war die Ankunft in Deutschland. Wir wussten, dass unsere Flucht nun ein Ende haben würde. Mit aller Kraft versuchte ich die Brücken zur Vergangenheit abzureißen, um meine neue Heimat unvoreingenommen annehmen zu können. Es war eine Phase der großen Verunsicherung, aber auch der Neugierde, der Demütigung, des Fallens und Wiederaufstehens.
Es ist ein großer Schritt alles hinter sich zu lassen und sich auf die beschwerliche „Reise“ ins Unbekannte zu machen. Wie hast du dir Deutschland und dein Leben hier  während des Aufbruchs und der Flucht vorgestellt?
Deutschland war für mich gleichbedeutend mit dem Westen. Der Ort, an dem Menschen SEIN dürfen, ohne Angst zu haben. Ein Land, in dem die Türen zu allen Erfolgswelten offen stehen. Ein Land, das dir die Freiheit lässt, zu tanzen, singen, flirten, lachen… ohne, dass du dich erklären musst. Diese Erwartung wurde nicht enttäuscht.
Woher kamen die Bilder? Damals gab es ja noch keine sozialen Medien.
Wir lebten im Iran sehr westlich. Man konnte kaum Unterschiede ausmachen zwischen unserer und der europäischen Lebensweise. Wir hatten Video- und Audiokassetten, waren in der europäischen und nordamerikanischen Musik- und Unterhaltungswelt zuhause und kannten uns im westlichen Denken bestens aus. Der radikale Bruch mit der westlichen Welt kam erst nach der Machtübernahme der Islamisten. Doch der Lebensstil in den iranischen Städten ist bis heute sehr westlich geprägt. 
Seit du vor gut 30 Jahren herkamst, ist viel passiert. Heute lebst mit deiner Frau als anerkannter Zeichner in Mannheim. Kannst du rückblickend sagen, was und wer (neben dir selbst) dazu beigetragen hat, dass du in diesem Land ein gutes Leben führen kannst?
In erster Linie war es meine Familie, die mir Kraft und Stabilität gab. Ohne sie hätte ich es deutlich schwerer gehabt. Wir kamen in einer schwierigen Zeit nach Deutschland. Die Stimmung in den 1990er war sehr emotionsgeladen. Wir wurden beschimpft, beleidigt und und bedroht. Nur durch die Unterstützung jener freundlichen „Deutschen“ haben wir den Glauben an dieses Land nicht verloren. Es waren unsere Lehrer, Nachbarn, und Mitschüler, die uns ein Gefühl von Heimat und Ruhe gaben. 
In der „Fremde“ hat man keine schützende Haut. Jeder noch so kleine Angriff verwundet und jede liebevolle Geste tröstet umso mehr.
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Pegida singt, ein Kind ertrinkt.

Rechtsextremismus, brennende Flüchtlingsunterkünfte, verbale Schlammschlachten… Wie nimmst du die aktuelle gesellschaftliche und politische Lage in diesem Land wahr? Was besorgt dich am meisten?
Vor der nächsten Zeit bangt mir etwas, denn was wir seit einigen Jahren in fast allen europäischen Staaten sehen, wird auch hier stattfinden. Rechte Parteien werden sich etablieren, vielleicht sogar Regierungsverantwortung übernehmen. Die großen Parteien werden sich immer aus wahltaktischen Gründen mehr nach Rechts bewegen. Aber – da bin ich sicher – diese Zeit, des Nationalismus, Egoismus und der Ignoranz ist nur eine Übergangsphase in ein toleranteres Deutschland.

Übergänge sind oft konfliktreich und setzen viel Energie frei. Die Menschen haben Angst vor den kommenden Veränderungen, ihnen fehlt der Mut und das Selbstvertrauen, sich den (neuen) Themen zu stellen. Es ist nur eines klar: Wir werden die „Flüchtlinge“ nicht stoppen können. Keine Mauern und keine Zäune können sie aufhalten. Wir täten besser daran, wenn wir dieser Entwicklung positiv begegnen und daraus für uns und für sie das Beste machten.

Was möchtest du nächstes Jahr an diesem Tag als Überschrift in deiner Tageszeitung rund um das Thema „Flüchtlinge“ lesen?
Die Ängste der Bürger lassen langsam nach.
Was können wir tun, damit diese Überschrift die „Lage der Nation“ beschreibt?
Wir müssen die Geschichten dieser Flüchtlinge erzählen. Wir müssen den Menschen die Leidensgeschichte und Träume dieser Menschen in Worten und Bildern zeigen. Geschichten pflanzen in unsere Herzen Empathie und Mitgefühl. Empathie ist das beste Mittel gegen Ignoranz und Angst.
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Im Lateinischen wird die Familie der gemeinen Schnaken Tipulidae genannt. Umgangssprachlich heißen sie auch Schneider – wie die beiden Schwestern Maren und Hella. Was also lag näher als ihr Designlabel nach dem langbeinigen Insekt zu nennen? tiipula heißt es leicht abgewandelt und ist genauso ungewöhnlich wie ihre Kleider und Drucke.

Im Februar 2014 habe ich die beiden Grafikerinnen mit einer eigenwilligen Liebe zu Autos und ungewöhnlicher Musik schon einmal interviewt. Ein heiter bis glückliches Gespräch.
Für meinen ersten Adventskalender haben die Beiden die zwei Drucke Dachs & Vogelschwarm für euch ausgewählt.
Eckdaten
  • Papier: strukturiertes, naturweißes und säurefreies FineArt Papier 210 g/qm {»produced with green power« zertifiziert}
  • Größe: 29,7cm x 42cm (DIN A3) | der Druckbereich ca. DIN A4
Hinterlasst bis zum 24. Dezember 0.00 Uhr eine Nachricht. Vielleicht sind sie schon bald euer.  Die Adventsfee hat gesprochen: Die Prints sind Ulrich Leons.
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NINOTSCHKA wurde 2012 von Nina Jahn gegründet „as a playground for her creativity – as a tent for her mind circus.“ Im Sommer 2013 habe ich schon einmal ausführlich mit ihr gesprochen. Seither hat sich vieles getan. Unter anderem ist Nini, Nina oder Ninotschka, die Frau, Tochter, Tante, Freundin noch eine mehr, nämlich Mama geworden.  
Für das Türchen No. 18 hat sie eines ihrer Poster ausgesucht: die Nebelberge. Für Fernweh, Wanderlust, Sehnsucht oder einfach gute Aussichten. 
ninotschka poster NEBELBERGE
DIN A2 (42×59,4cm)
170g Bilderdruck matt
Hinterlasst bis zum 20. Dezember um Mitternacht eine Nachricht, wenn ihr die Nebelberge gerne bei euch haben möchtet. Die Nebelberge gehen zu Frau Gold und dem Glaciologen in Spe. Viel Freude damit!

Eiermann--Tisch, Louis Poulsen, stocubo, Eames, Normann Copenhagen, Aarebild
Kleiden machen Leute, heißt es. Bilder machen Räume, finde ich und tue mich mit dem Bebildern nicht minder schwer als mit dem Kleiden (siehe Interview bei Texterella). Die Wände unserer neuen Wohnung blieben darum auch erst einmal nackt. Erst nach und nach – mit wachsendem Raumgefühl – fanden die ersten Bilder zögerlich ihren Platz. Doch abgeschlossen ist der Prozess des Bebilderns noch lange nicht und ich frage mich: Wie gehen die Expert/innen an diese gestalterische Herausforderung ran? Gibt es einen einfachen Weg, wie sich die „Angst vorm falsch gehängten Bild“ überwinden lässt?

Ein Dank geht an dieser Stelle an Posters.de, die mich mit Rat, Rahmen und Prints unterstützt haben.

Eiermann--Tisch, Louis Poulsen, stocubo, Eames, Normann Copenhagen, Aarebild, Ieva Jansone, MayDay

Eiermann--Tisch, Louis Poulsen, stocubo, Eames, Normann Copenhagen, Aarebild, Olle Eksell, by Larssen

Eiermann, Streifenteppich, Druck, dinazwei

Ich liebe ihre Zeichnungen. Ihren Witz. Und immer wieder stöbere ich auf ihrem Blog. Dort nämlich „zeigt sie das, was sie so macht. Und manchmal auch Steine mit Gesichtern.“ Wer? Na, Doro Ottermann aka doro bot.

Die Illustratorin aus Hamburg ist laut Selbstauskunft eine sture, aber stets humorvolle Optimistin und „schrecklich gerne an der Ostsee. Am liebsten: Hiddensee„. Sie braucht viel Papier, was ihre vierjährige Tochter in geschredderter Form besonders freut und findet vor allem „schlafdenkend“ zu ihren Ideen. Was sie darüber hinaus auszeichnet, wie sie zum Zeichnen kam und was eine gute Zeichnung für sie ist – das und mehr erfahrt ihr im heutigen Montagsinterview. 

Hab vielen lieben Dank, Doro, für diesen heiter-feinen Start in die Woche und den neuen Monat Juni. 

Wer ist doro bot aka Doro Ottermann?

Gezeichnet sehe ich meistens so aus (siehe oben und unten). Wobei das ein klitzekleines bisschen gemogelt ist, meine Haare sind in echt schon ein bisschen grauer, aber das kann ich mit dem schwarzen Stift so schlecht malen.
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Was zeichnet dich aus?
Eine sehr praktikable Mischung aus Optimismus, Sturheit und Humor. Ich versuche, alles, egal was, mit Humor zu nehmen. Und ich würde mich mal ganz vorsichtig als unerschütterlichen Optimisten bezeichnen. Mein innerer Pessimist will das zwar nicht wahrhaben, aber ich fürchte, da muss er sich auf lange Sicht geschlagen geben.
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Du bist Illustratorin und Zeichnerin. Wie kam es dazu?
Ich mag Stifte. Ich mag Papier. Ich mag Farben (auch wenn ich meistens in Schwarz-Weiß zeichne.) Ich mag auch Pinsel, Tuschkästen und das ganze Zeug. Ich benutze diese Materialien gerne und wenn ich einen neuen Aquarellkasten auspacke und benutzen darf, freu ich mich mehr als z.B. über neue Schuhe oder ne neue Handtasche.
Als kleines Kind hatte ich gar keine Stifte zu Hause und hab deshalb überhaupt nicht gemalt, was aber nicht weiter schlimm war, da ich ja nichts vermisst habe. In der Vorschule gab es dann eine Materialecke mit wirklich allem, und von da an gab es kein Halten mehr. Es vergeht und verging kein Tag, an dem ich nicht wenigstens eine kleine Kritzelei veranstaltet habe.
Ich finde es gut, wenn man Sachen machen kann im Leben, im Idealfall auch als Beruf, die einem viel Spaß machen. Eine Weile habe ich mal aus Versehen Französisch und Geschichte studiert. Da habe ich aber ziemlich schnell gemerkt, dass ich das besser den anderen überlasse. Kurz danach hat es zum Glück endlich geklappt mit dem Kunststudium. Puh, Glück gehabt!

Worin liegt die Kunst der Illustration und was zeichnet eine gute Illustration aus?
Für mich muss eine gute Illustration nicht unbedingt wunderschön gezeichnet sein oder womöglich perfekt. Ich lache gerne. Wenn eine Zeichnung mich zum Lachen bringt, finde ich sie automatisch gut. Und dann ist es mir völlig egal, wer oder was sie wie gezeichnet hat. Oder ob sie bunt und aufwendig ist oder nur aus zwei Strichen besteht. Wenn sie in mir was antickt ist sie gut für mich.
Und bei meinen eigenen Zeichnungen find ich oft die am besten, die in ein paar Strichen aufs Papier geworfen sind und über die ich selbst kichern muss.

Was zeichnest du am liebsten und warum?
Ich mag absurde Situationen und Wortspielereien. Oft passiert es mir, dass ich ein Wort höre, oder falsch verstehe und dann hab ich plötzlich eine Idee, was ich damit zeichnen könnte. Ich spiele im Grunde einfach gerne mit Worten. Zur Inspiration benutze ich zum Beispiel gerne den Duden. Oder irgendein Buch. Aufschlagen, Wort sehen, los geht’s. Im Blog (oder bei Instagram) hab ich manchmal das Wunschkonzert veranstaltet, bei dem Leser sich eine Zeichnung wünschen konnten. Da kamen die absonderlichsten Wünsche zusammen. Sowas mag ich auch. Am Anfang denk ich zwar manchmal „ach nee, da hab ich jetzt keine Lust drauf“. Aber eigentlich mag ich genau diese Herausforderungen.

Wie kommst du von einem Kundenauftrag zur Illustration? Oder anders gefragt: Wie sieht ein typischer Arbeitsprozess bei dir aus?
Gerade mache ich ja hauptsächlich meine Bücher. Ich habe eine Idee, stelle sie dem Verlag vor und wenn er sie gut findet, leg ich sofort los und habe etwa ein Jahr Zeit dafür. Letztes Mal hab ich etwas für mich Neues ausprobiert, und jede Idee – ganz egal wie ausformuliert, abenteuerlich, albern oder peinlich die war – auf eine Karteikarte geschrieben und in einen zugeklebten Kasten gesteckt. Das habe ich 3 Monate lang durchgezogen, ohne dabei ein einziges Mal in den Kasten zu gucken. Na gut, ich hab mal oben reingeluschert, wie viele Zettel schon drinliegen, aber lesen konnte ich da gar nichts. Nach drei Monaten hab ich die Kiste geöffnet. Das war ein richtig schöner Moment, weil es ein riesiger Haufen Ideen waren, die da plötzlich vor mir lagen, nämlich fast 1000 Zettel. Die habe ich dann tagelang sortiert in einen Karteikasten, dabei sind mir dann wieder neue Ideen gekommen, die natürlich auch sofort aufgeschrieben wurden.
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Wenn ich arbeite, ist es (leider) immer eine ziemliche Papierschlacht. Ich kann mir Korrekturen oder Änderungen nicht vorstellen, sondern muss sie auf Papier ausprobieren. Es gibt also im Laufe der Zeit unzählige überarbeitete Versionen des Buches, oder mal in Zahlen ausgedrückt: einen (Alt)-Papierstapel, der mindestens so hoch ist wie meine vierjährige Tochter… Die freut sich darüber, denn ich habe mir letztes Jahr einen Schredder gekauft. Wenn ich sie in der Korrekturphase aus der Kita abhole, interessiert sie nur: „Hast du wieder Schredderpapier gesammelt für mich?“ Da muss ich eigentlich nie Nein sagen.
Mein typischer Arbeitsprozess, grob zusammengefasst: Ideensammeln – Chaos (aber das weitgehend interessante, positiv kreative Chaos) – fertiges Buch.
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Manchmal liege ich aber auch einfach nur herum und nenne das „Schlafdenken“. Von außen sieht das nämlich so aus wie schlafen, aber in echt denke ich gerade über mein Projekt nach. Es kann natürlich passieren, dass ich darüber auch mal einschlafe….

Welche Rolle spielt die „Digitalisierung“ in deiner Arbeit als freie Illustratorin und Zeichnerin?
Für meine Illustrationen eine eher kleinere. Ich zeichne das meiste auf Papier. Am Rechner kann ich zwar auch zeichnen, aber ich hab es lieber auf Papier und scanne es dann ein. Am Rechner „reparier“ ich dann höchstens kaputte Linien oder ändere die Farben. Und um die Daten zu verschicken brauche ich den Computer natürlich auch.
Für die Bücher spielt es natürlich gegen Ende dann eine sehr große Rolle. Beim neuen Buch habe ich zusätzlich viel mit Fotos gearbeitet, die Texte mit der Schreibmaschine geschrieben und die Illustrationen per Hand gezeichnet. Um das alles zusammenzubringen ist der Computer für mich natürlich unerlässlich.
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Wie sieht die heutige Welt aus deiner Perspektive aus?
Dank meiner Tochter darf ich die Welt gerade noch mal aus der Perspektive eines Kindes erleben und somit liegt sie vor mir wie ein riesengroßer Spielplatz, auf dem man alles ausprobieren kann, überall raufklettern und so oft rutschen wie man will. Um die Realität kümmern wir uns dann später.

Und zum Schluss „Hamburg“: Wohin sollte ich deiner Meinung unbedingt gehen, wenn ich das nächste Mal in der Hafenstadt bin?
Du solltest durch den alten Elbtunnel gehen und die Stadt von der anderen Seite der Elbe aus bewundern, Kuchen bei Herr Max essen, beim Planetarium auf die Besucherplattform und den Stadtpark von oben angucken, zu Delzepich (Eis essen!), und natürlich den Hafen und auch die Hafencity besuchen. Fahr zum Beispiel mit der U4 (fast nagelneu) in die Hafencity und steig an der Station „Überseequartier“ aus. Die U-Bahn-Station ist wirklich nagelneu und hell und riesig und chic mit Plätschermusik und vielleicht wirst du voll die Erwartung haben, wie das oben wohl aussieht, wenn du diese Station verlässt. Und dann kommst du raus und …. probier es einfach mal selbst aus in nächster Zeit.

Gaëlles Einrichtungskonzept ist so simple wie praktisch: ‚Alles hingestellt ohne großes Konzept, einfach nur weil es schön ist und da war.‘
Wenn sie aufeinandertreffen, passiert vermutlich das: Der Lärmpegel schnellt von 0 auf 100 dB(A) – was irgendwo zwischen Kreissäge und Disko liegt, die wohlsortierte Ordnung verwandelt sich innert Sekunden in dynamisches Chaos, die Luft vibriert, der Boden auch, und die Musen tanzen Pogo. So jedenfalls stelle ich mir das Zusammentreffen dieser zwei Frauen mit ihren insgesamt sieben Söhnen vor. Bisher habe ich sie nur einzeln erlebt, aber schon das war jedes Mal Inspiration an die Schmerzgrenze. Die Rede ist von Gaëlle und Ocka, den beiden Frauen hinter dem KinderKunstLaden belkabelka, was aus dem Russischen übersetzt EichhörnchenEichhörnchen heißt. 
Das Motto des ‚doppelten Eichhörnchens‘ lautet: Kauft Kindern Kunst!. Was den Unterschied macht zwischen Kunst und Dekoration, das erfahrt ihr im heutigen Montagsinterview. Außerdem reden wir über das Leben allein unter Männern, über Kinderzimmergestaltung und Zukunftspläne. Auch etwas zu gewinnen, gibt es heute wieder. Ocka und Gaëlle verschenken:

Hinterlasst einfach bis Sonntag, den 31. August 0.00 Uhr eine Nachricht (mit Angabe eurer E-Mail-Adresse!).  Die Gewinnerinnen sind: Liv (Mini-Buch), Kathrin (ABC-Poster) und Sonja (Venezianer). Herzlichen Glückwunsch!
Vielen lieben Dank, ihr zwei, für das erfrischende Gespräch, mit dem ich allen einen guten Start in die letzte Augustwoche wünsche.
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Wer steckt hinter belkabelka?
Gaëlle ist Fotografin und initiiert Kunstprojekte. Ocka arbeitet für die Kinderseite des Tagesspiegels und die Bundesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen. Kennengelernt haben wir uns im Kinderladen unserer Söhne. Schnell war klar: Wir wollen zusammen aus Fotografien Bücher für Kinder gestalten, wir wollen Lust auf Entdeckungen wecken, wir wollen schöne, sinnvolle Dinge in die Welt setzen. Bis jetzt sind dabei fünf Mitmachbücher, ein mehrsprachiges ABC, ein Mini-Buch und die Poster-Edition ‚Kunst für Kinder‘ herausgekommen.
Zwei Frauen, sieben Söhne. Wie ist das Leben allein unter ‚Männern‘?
Ocka: Prima.
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Gaëlle: Nicht einfach… es fehlt die Zärtlichkeit. Aber wer sagt, dass Frauen zärtlicher sind…
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Ocka: Haha, dabei denkst du an mich, oder?
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Wünscht ihr euch manchmal weibliche Verstärkung?
Gaëlle: Habe ich dank zweier Au-Pairs. Ohne sie wäre ich schon verrückt geworden.
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Ocka: Ich lebe gerne allein unter Männern. Es sind aber auch weniger als bei Gaëlle.
Welche Rolle spielt die Kunst in eurem Leben?
Gaëlle: Früher war ich ständig in einem Film. Jetzt mache ich den Film.
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Ocka: Bei Kunst denke ich spontan an Bilder, nicht an Filme oder Musik. Bei Bildern ist es mir egal, dass ich ein Werk nicht ‚richtig‘ bewerten und einordnen kann und vielleicht auch keine Worte dafür finde. Ein gutes Bild haut mich einfach um: Ich sehe ein Stillleben aus dem 17. Jahrhundert oder eine Zeichnung meines Sohnes und fühle mich lebendig. Und ein Bild von Laurence Egloff oder Nina Pagalies macht mich glücklich, immer wieder.
Es gibt schier unendlich viele, auch sehr gute Bilder und Grafiken für Kinder(Zimmer). Was unterscheidet eure von den anderen?
Ocka: Ich finde es nicht so leicht, sehr gute Bilder für Kinder zu finden. Kunst hat ihren Wert, Originale sind oft teuer, und das ist richtig so. Und bezahlbare Drucke sind häufig eher dekorativ, sehr ausgewogen, meistens schlicht-skandinavisch oder erinnern an die 60er Jahre. Das ist schön, aber bei uns dürfen Bilder irritieren, eigenwillig, bunt oder opulent sein. Ein Kind hat über Laurence Egloffs Schlumpf gesagt: ‚Der ist aber krickelig gemalt, der sieht doch gar nicht echt aus.‘ Nein, sieht er nicht, aber warum erkennt man ihn trotzdem sofort als Schlumpf? Das ist doch ein toller Anfang für ein Gespräch über Kunst! Und: In ein Kunstwerk wie Laurences Schlumpf verknallt man sich oder man macht es eben nicht. Das geht Kindern genauso wie Erwachsenen. Bei uns gibt es Bilder mit dem Potenzial, zur großen Liebe zu werden – und die sollte ein Kind selbst auswählen dürfen.
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Wie sehen die Zimmer eurer Söhne aus?
Gaëlle: Die Möbel und viele Bilder kommen von Flohmärkten (wie viele Sachen bei uns) oder es sind geerbte Stücke. Alles hingestellt ohne großes Konzept, einfach nur weil es schön ist und da war.
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Ocka: Bei uns kommen noch IKEA, Farbe und Selbstgebasteltes dazu, wie die Lampe, die die Jungs mit Raumschiffen bemalt haben. Und dann noch: irrsinnige Spielzeug-Unordung.
Kennt ihr all die Künstler, deren Bilder ihr vertreibt? Und woher?
Mit Laurence und Jim sind wir schon lange befreundet. Und mit Nina Pagalies, Moki und Yeka Haski wurden wir von Freunden verkuppelt, nachdem wir von unserer „Kunst für Kinder“-Idee erzählt hatten. In Halina Kirschners und Phillip Jantas Arbeiten haben wir uns vor drei Jahren auf der Leipziger Buchmesse verliebt: Als unsere ersten beiden Bücher auf der Messe vorgestellt wurden, haben wir einen Stand mit ihren Drucken entdeckt und einige Bilder für unsere Söhne gekauft. Wir freuen uns immer noch darüber, dass alle Künstler sofort Lust hatten, mit uns zusammenzuarbeiten und uns ihre Bilder anzuvertrauen.
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Welche neuen Pläne und Projekte verfolgt ihr für und neben Belkabelka?
Zusammen für Belka: Wir arbeiten an neuen kleinen Büchern (die vielleicht auch große werden) und denken viel über Fotografie und poetische Sprachspielereien nach. Dann kommen Weihnachtsmärkte und eine kleine Postkarten-Edition auf uns zu. Außerdem freuen wir uns auf ein ABC von Jim Avignon und den (hoffentlich produktiven) Austausch mit neuen und vertrauten Künstlern.
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Neben Belka plant Gaëlle: Zazen üben im Tamaro Zendo in Mitte, das ich dieses Jahr gegründet habe. Für die Fotografin in mir: immer wieder Portraits – und die ganze Welt, immer mit der Kamera in der Tasche. Für die Mutter: eine harmonische Familie… noch viel Arbeit!
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Ocka wünscht eher, als dass sie plant: Für mich: mehr singen. Für Berlin: viel mehr Geld für Kitas und Schulen.
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Foto: Christina Laube
Wir kennen uns seit über drei Jahren, Mehrdad Zaeri und ich. 2011 haben wir auf meinem (mangels Zeit mittlerweile stillen) Illustrationsblog M i MAs Butterflies einen ‚Small Talk‘ geführt, nachdem ich seine Zeichnungen gesehen und ihnen verfallen war. Es war auf einem Wandkalender oder aber im Skizzenbuch. Ich erinnere mich nicht mehr genau. Aber das spielt auch keine Rolle. Mehrdads Zeichnungen zählen zu den schönsten, die ich kenne. Poetisch, witzig, schelmisch mit ein wenig Melancholie und großem Feinsinn. ‚Ich will die Menschen berühren‘, sagt Mehrdad über seine Arbeit, und ich kann für mich behaupten: Das gelingt ihm. Grund genug, um ihm im Rahmen meiner ‚Männerwoche‘ hier und heute nochmals vorzustellen.
Mehrdad Zaeri Esfahani wurde 1970 in Isfahan im Iran geboren und wuchs dort inmitten von Unruhen und im Ersten Golfkrieg auf. Und während ich 13jährig, pubertierend miesepetrig im familiären Kreise Weihnachtsgeschenke entgegennahm, beantragte er – nach mehreren Monaten auf der Flucht – mit seiner Familie Asyl in Deutschland. Das war am 24. Dezember 1985; und noch immer kann Mehrdad über den Verlauf seiner Geschichte staunen. ‚Irgendwann war ich nicht mehr der Asylbewerber, sondern Mehrdad, der Zeichner.‘ Ein Glück, das er manchmal selbst nicht fassen kann.

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Illustration für einen Hocker

‚Als ich 1992 lustlos mein Abitur in Heidelberg machte, beschloss ich, für den Rest meines Lebens Bilder zu machen.‘ Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, verdingte er sich zunächst als Taxifahrer, doch dank seiner Hartnäckigkeit und Disziplin konnte er 2001 damit aufhören und sich ganz dem Zeichnen widmen. Neben freien Arbeiten malte und gestaltete er vor allem Poster für Theateraufführungen und allerhand kleinere Illustrationen. Seine Karriere als Illustrator begann erst 2007. Die Büchergilde fragte an; Mehrdad sollte ein ganzes Buch illustrieren. ‚Das hat mich umgehauen‘, erzählt er. ‚Ich habe vor Glück geweint.‘ Das chinesische Dekameron erschien 2008. Es war ein großer Erfolg; Mehrdad konnte sich vor Anfragen nach Illustrationen kaum retten, und wieder fasste er einen Beschluss: Von nun an würde er sich ganz aufs Illustrieren konzentrieren. Der Plan ging auf. Er kann gut davon leben (auch dank seiner Agentur auserlesen ausgezeichnet). 

Neben Auftragsarbeiten arbeitet er weiterhin frei und realisiert eigene Projekte. Eines davon ist das Knopfkino, das er 2009 gemeinsam mit dem Schauspieler und Erzähler Enno Kalisch und dem Pianisten Friedwart Goebels ins Leben rief. Es ist eine Bühnenimprovisation, in der die drei Männer in situ traumgleich schöne Geschichten aus Bildern, Klängen und Worten entstehen lassen. ‚Wir übernehmen Inspirationen aus dem Raum, dem Publikum, und aus unseren eigenen Stimmungen und Aktionen. Intuitiv entstehen Zeichnungen, musikalische Stimmungen, Erzählstränge, Wortzusammenhänge, mit denen wir spielen.‘ So kann sich eine klassische Sonate in unheimliche Filmmusik verwandeln oder ein Mann mit Hut in einen Walfisch. Aus einem Abschiedsbrief wird Liebesgedicht und ein Liebesbrief zur Kriegserklärung. Doch hängt am Ende alles mit allem irgendwie zusammen.
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Knopfkino – oder: In-Situ-Geschichten


Eine Zeichnung aus Mehrdad Zaeris Skizzenbüchern

Doch auch Mehrdad Zaeris Auftragsarbeiten sind niemals ‚unfrei‘. Stets behält er sich seinen Eigensinn, und so sind seine Illustrationen denn auch weit mehr als bloße Veranschaulichungen. Sie stehen für sich, erzählen eigene Geschichten, die sich – so seine Hoffnung – im Kopf der Leser/innen mit den Worten verbinden und zusammen neue Bedeutungsdimensionen eröffnen. ‚Eine Geschichte über den Krieg mit einer Rüstung zu illustrieren, ist langweilig‘, erläutert Mehrdad. ‚Ein verlassener Kinderwagen hingegen kann die Leser inspirieren.‘ Seine Inspirationen nimmt Mehrdad von überall her und übersetzt sie in Bilder. ‚Darum trage ich immer einen Bleistift und ein Skizzenbuch bei mir.‘ Tausende von kleinen Zeichnungen hat er in unzähligen Skizzenbüchern gesammelt. Sie sind sein Fundus, auf den er immer wieder zurückgreift und daraus neue Ideen und Geschichten entwirft. Auf seiner Facebook-Seite gibt er einen kleinen Einblick in die schier unendliche Vielfalt seiner Bilderwelten. 
Ich freue mich schon jetzt auf Mehrdads kommende Inspirationen – und es werden viele sein. Denn die Liste seiner Projekte ist lang. Neben diversen Knopfkino-Veranstaltungen erscheinen 2015 gleich drei von ihm illustrierte Bücher sowie ein Wand- und ein Postkartenkalender: 
  • Aschenputtel wurde von ihm mit scherenschnittartigen Bildern illustriert und von seiner Frau Christina Laube verfasst. 
  • Die kleine Krähe und der Elefant ist die Geschichte eines iranischen Autors. Das Projekt hat seine iranische Agentin Lili Hayeri organisiert. 
  • Der Wandkalender zeigt auch 2015 wieder ‚Kuriose Gedenktage‘.
  • Und der Postkartenkalender mit Jacky Gleich und Bruno Blume ist noch im Werden.
Außerdem hat Mehrdad Zaeri dieses Jahr eine eigene Edition begonnen, die Mehrdad Zaeri Edition, um ‚einmal im Jahr Bücher herauszubringen, die für große Verlage auf dem ersten Blick zu unsicher und riskant sind‘, erzählt er. Das erste Buch dieser Reihe ist HEUT UM HALBZWEI mit Gedichten von Peter Schenk.
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Foto: Claudia Hahn
Wer Mehrdad Zaeri einmal treffen möchte, muss nach Mannheim fahren. Dort lebt er nämlich mit seiner Frau, der Künstlerin und Fotografin Christina Laube, in einem, wie er sagt, sehr schönen Stadtteil mit alten Häusern (Neckarstadt-Ost). Die beiden leben gern in Mannheim, obwohl die Stadt auf den ersten Blick alles andere als schön ist. Ihre Schönheit erschließt sich erst auf den zweiten, vielleicht auch erst auf den dritten und vierten Blick. ‚Mannheim ist eine in jeder Hinsicht bunte Stadt‘, sagt Mehrdad, ‚mit einer wilden Seele. Sie hat eine gesunde Subkultur und auch im etablierten Kunstbereich viel zu bieten, und dabei ist sie keine Diva.‘ Eine Diva ist auch Mehrdad nicht. Im Gegenteil. Sein Erfolg hat ihn glücklich, nicht aber launisch und unnahbar gemacht. Obgleich ich ihm nie ‚live‘ begegnet bin, strahlt er eine Herzlichkeit aus, die einem warm werden lässt ums Herz.
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Philuko, Geburtstag, Jubiluäum, drei Jahre, dawanda-Shop, Selbstständigkeit, work is not a job, julia schenk, ein blick hinter, M i MA
Vor rund drei Jahren warf ich erstmals einen ‚Ein Blick hinter‘ ein Blog, und zwar hinter Julias Blog Philuko. Die Grafikdesignerin und dreifache Mutter aus Karlsruhe hatte gerade ihre ersten Schritte Richtung Selbstständigkeit begonnen. Genau gestern vor drei Jahren eröffnete sie ihren gleichnamigen DaWanda-Shop. Wenn das kein Grund ist, einen zweiten Blick hinter Philuko zu werfen! Wie ist der Weg von der Shop-Eröffnung bis heute verlaufen? Wo lagen und liegen die größten Stolpersteine? Und worauf kommt es an? Diese und mehr Fragen habe ich Julia gestellt. Ihre Antworten machen Mut und bestätigen vor allem eines: Das A und O jeder Unternehmung sind Leidenschaft und Durchhaltevermögen. Gepaart mit Disziplin und Kundenliebe, ein wenig kaufmännischem Sachverstand und dem Mut, immer wieder Neues auszuprobieren, lassen sich Ideen zum Fliegen bringen.
Ich gratuliere dir, liebe Julia, ganz herzlich zu 3 Jahren Philuko und wünsche dir viele weitere gute Jahre mit schönen Überraschungen und überraschenden Wendungen. Für euch, liebe Leser/innen, haben Julia und ich uns eine Jubiläumsverlosung der besonderen Art ausgedacht: ‚Gewinne dein individuelles Philuko-Kissen‚.
Wenn ihr uns bis Sonntag, den 8. Juni 0:00 Uhr verratet, welches euer Philuko-Lieblingsmotiv ist, könnt ihr ein Kissen mit eben diesem Motiv gewinnen. Wir sind gespannt und wünschen wir euch  – in ausgelassener Geburtstagsstimmung – einen fröhlichen Start in die erste Juniwoche!

Die Gewinnerin ist Daniela von Brandmaechen. Du bekommst ein ‚Delete Doubt‘-Kissen von Philuko. H E R Z L I C H E N   G L Ü C K W U N S C H !
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Fröhliche Leichtigkeit, feine Schlichtheit und Humor zeichnen Julias Arbeiten aus.
Bald drei Jahre ist es nun her, dass du dich mit deinem Label Philuko selbstständig gemacht hast. Wie waren diese drei Jahre rückblickend für dich?
Ein Abenteuer – aber die beste Entscheidung, die ich getroffen habe. Es gibt natürlich immer mal wieder Höhen und Tiefen, anstrengende Kunden, viel Bürokratie und Steuerkram und Zeiten, in denen der Verkauf nicht so läuft, wie man es sich vorstellt. Aber es überwiegen die positiven Momente: Die netten Kontakte, die sich ergeben, die Mails von glücklichen Kunden. Und natürlich, dass mir das, was ich mache, total Spaß bereitet und ich damit Geld verdienen kann! Ein Highlight sind die Überraschungen zwischendurch, zum Beispiel, als mich die Living at Home für ein Fotoshooting anfragte. Oder neulich, als mein Kleiderbügel in der Brigitte zu sehen war. Auch an meine erste eigene Ausstellung denke ich gerne zurück. Unglaublich, was sich manchmal einfach so ergibt! Es ist ein großes Glück, dass ich das, was ich am meisten liebe, selbstbestimmt ausüben darf – und mit meiner Familie vereinen kann. Ich bin dankbar, dass die Menschen meine Arbeiten mögen. Manchmal muss ich mich kneifen.
Drei Jahre – sagen Gründungsexperten – dauere es im Durchschnitt, bis sich ein neugegründetes Unternehmen am Markt etabliert und die Gewinnzone erreicht habe („Break Even Point“). Gilt das en gros auch für Philuko?
Bei der Existenzgründerberatung hat man mir damals eine Umsatzzahl genannt, die ich erreichen müsste – von der bin ich noch entfernt. Dieses Ziel galt allerdings für einen Vollzeitjob; da ich aber ’nur‘ vormittags arbeite, habe ich, wenn man die Zahl halbiert, diesen Umsatz dann doch erreicht. Eine Familie von meinem Shop zu ernähren, würde aber noch nicht funktionieren…
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Wo liegen und lagen die größten Herausforderungen bei der ‚Markteroberung‘ für dich?
Ich hatte das große Glück, dass ich schon einen ‚Namen‘ hatte durch meine langjährige Mitgliedschaft bei der Wohncommunity SoLebIch. Während meiner Elternzeit hatte ich mich 2007 angemeldet – als Wohnverrückte – und gab ich mir den Namen Philuko. Mich interessierte einfach, wie andere wohnen und der Austausch mit Gleichgesinnten. Dass später daraus eine Marke werden würde, hätte ich nicht im Traum gedacht. War ja auch gar nicht so geplant. Viele Mitglieder dieser Community kannten mich also schon über Jahre und die habe ich quasi ‚mitgenommen‘ auf meine Reise, als ich mein Label gegründet habe, indem ich zuerst mit einem Blog begonnen und kurz danach meinen Shop eröffnet habe. Eigentlich waren es die Mitglieder, die den Anstoß zum Shop gaben, weil sie mich immer wieder fragten, ob es meine Entwürfe (die ich bis dato nur für mich gemacht hatte), irgendwo zu kaufen gäbe. Das passte gut, denn damals hatte ich es schwer, in meiner Branche (Werbung) einen Teilzeitjob zu finden. Also schuf ich mir meinen Job einfach selbst! Ohne diesen Background wäre es sicherlich schwerer gewesen, sich zu etablieren.
Welche Marketingwege und -instrumente haben sich für dich als die erfolgreichsten erwiesen? Worauf ’schwörst‘ du?
Ich schwöre auf meinen Blog. Er macht fast genauso viel Arbeit wie die ‚richtige‘ Arbeit, aber ich mache sie sehr gerne. Ich versuche, eine Mischung aus Privatem und Geschäftlichem hinzubekommen. Ich glaube, die Menschen mögen es, wenn sie einen Blick hinter die Arbeiten zu bekommen, wie ein Produkt entsteht, an was gearbeitet wird, was neu ist im Shop – aber auch, wie ist der Mensch, was macht Philuko in ihrer Freizeit, was tischt sie auf, welches Möbelstück ist neu eingezogen, was ist die neueste Kunstentdeckung? Mir ist wichtig, dass beide Seiten, Leser und Autor, etwas davon haben: Meine Leser inspirierende Posts und ich ein paar Anhänger, die meine Sachen mögen und kaufen. Das hatte ich von Anfang an so im Kopf und ich denke, es funktioniert ganz gut. Wenn ich Blogpausen einlege, weil z.B. meine Kinder Ferien haben, erreichen mich ab und an Mails, dass man mich vermisst. Das ist schön.
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Was sind deine absoluten ‚Kassenschlager‘?
Die Kassenschlager sind das ‚Paradise is now‘-Kissen und der ‚Lemons‘-Print. Ich freue mich jedes Mal, wenn mir Menschen Fotos schicken von einem Philuko in seinem neuen Zuhause. Dazu habe ich auf dem Blog die Rubrik Philuko anderswo ins Leben gerufen. Ich finde faszinierend, wie toll sich die Philukos in die verschiedenen Einrichtungen integrieren. Vielleicht weil meine Arbeiten sehr schlicht sind – sie passen praktisch überall. Vor kurzem kam sogar Ikea auf mich zu!
Wie wird es weitergehen mit Philuko? Hast du neue Pläne und/oder Produkte bzw. Produktlinien ‚in der Pipeline‘?
Da lass ich dem Schicksal seinen Lauf. Es geht weiter wie bisher, aber vielleicht kommt ja jemand mit einer spannenden Kooperation um die Ecke (wie die mit der Lampe), wenn er das hier liest. In Arbeit ist aktuell der neue Kalender für das Jahr 2015. Diesmal wird es etwas Typographisches, höchstwahrscheinlich.
Was kannst du anderen, die sich mit einem eigenen Label und Online-Shop selbstständig machen, als erfahrene und erfolgreiche Macherin auf den Weg geben?
Seinen eigenen Stil, die eigene Handschrift zu finden und mit Herz dabei sein. Klingt komisch, aber bei mir ist es so: wenn ich etwas Neues mache, würde ich es am liebsten selbst behalten. Wenn man so ein Gefühl hat, dann ist die Arbeit (für mich) gut, dann steckt Herz drin. Sich von Durststrecken nicht unterkriegen lassen, weitermachen, sich Zeit geben. Seine Rechnungen und Belege gewissenhaft sammeln und ordnen, das spart Zeit und Ärger bei der Steuer, die leider auch dazu gehört. Und ich finde es wichtig, eine gute Kommunikation mit seinen Käufern zu pflegen, zuverlässig zu sein und sie ab und an zu überraschen. Kunden kommen gerne zurück, wenn man nett zu ihnen ist – es lohnt sich. Ich habe schon in Shops eingekauft und dann lieblose Post erhalten: Das Produkt unverpackt einfach kommentarlos in den Umschlag gesteckt, ohne Anschreiben, nicht mal eine Rechnung. Bei solchen Shops bestelle ich dann eher nicht mehr. Aber es gibt auch viele, bei denen es genau umgekehrt ist – da spürt man die Liebe in jedem Detail. Ich hoffe, das ist auch bei mir der Fall.
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