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Handwerk

Einst öffentliches Urinal, heute ein Burgerladen: das Toilettenhäuschen am Schlesischen Tor | Foto: SanSuo

In unserem Kiez leben viele Menschen ohne Obdach. In der U- und S-Bahn bitten viele Menschen um Geld oder Essen. Ma. nimmt das sehr genau wahr und hat viele Fragen: Warum haben sie kein Zuhause? Seit wann leben sie auf der Straße? Wer sind sie? Woher kommen sie? Wie geht es ihnen? Viele Fragen, die auch mir in den Kopf schießen – und genauso schnell wieder raus. Nicht so bei Ma. Sie nimmt sie mit, und manchmal hat sie dann eine Idee. So wie neulich.

„Mama“, sagte sie, „kannst du den Erfindern sagen, sie sollen eine Draußentoilette erfinden, in die jede/r rein kann.“

Ich muss ein wenig ratlos dreingeschaut haben; die Erläuterung kam prompt.

„Na, die armen Leute haben doch kein Geld und in die Toiletten muss man immer einen Euro stecken. Wie soll das gehen?“

Ich habe ihr nicht gesagt, dass es vor nicht allzu langer Zeit, noch öffentliche Toiletten gab, in denen man seine Notdurft unentgeltlich verrichten konnte, denn die Idee ist – ob neu oder nicht – gut! Eine soziale Innovation im besten Sinne.

Darum: „Liebe Erfinder/innen, {er}findet doch mal einen Weg, wie die {sich selbst reinigende} City Toilette für alle und jede/n barrierefrei {Geld ist eine der größten Barrieren} zugänglich werden kann.“


Und mit der obligatorischen Liste verabschiede ich mich ins Wochenende. Habt’s gut!


IN DER ZWEITEN AUSGABE ERWARTEN EUCH GROSSARTIGE INHALTE UND DER PURE SOMMER.


In wenigen Wochen ist es soweit: archiv/e Magazin 02 erscheint. Lang haben die beiden Macher/innen, Anselm und Lina, darauf hingearbeitet, haben recherchiert und ausgewählt, konzipiert und akquiriert, gestaltet und gesetzt. Umso mehr freue ich mich, dass die beiden hier und heute erste Einblicke in ihre Arbeit und die Ergebnisse der vergangenen Monate gewähren.

Im Montagsinterview erzählen die beiden, was sie im Vergleich zur ersten Ausgabe verändert und was sie beibehalten haben, was am meisten Freude und am meisten Kopfzerbrechen bereitet hat und verraten – für all die, die es noch nicht gesehen haben – welche Blogs im archiv/e 02 zu finden sein wird.

Habt vielen lieben Dank ihr Zwei für diese kleine, feine Sneakpreview, mit der ich allen einen sommerlich leichten Start in die neue Woche wünsche!

archiv/e 02
Foto: Cindy Ruch

Im September erscheint archiv/e 02. Was erwartet uns in der 2. Ausgabe?

In der zweiten Ausgabe erwarten euch großartige Inhalte und der pure Sommer – in lichtdurchfluteten Altbauwohnungen, auf den Straßen Andalusiens, in Form von Cold Brew Coffee-Eis oder sechs Wochen Ferien.. #leak

Die zweite Ausgabe kann übrigens ab sofort über unseren Onlineshop vorbestellt werden. Knapp ein Jahr nach dem Release der Erstausgabe des archiv/e Magazins veröffentlichen wir am 11. September Nummer zwei. Es wird dazu eine kleine Feier in Berlin geben; zeitgleich werden auch der Versand und der Verkauf in den Geschäften losgehen. Bereits am Wochenende zuvor kann man uns auf dem #indiemagday im Hamburger Oberhafen besuchen kommen, auf dem wir mit beiden Ausgaben zu finden sein werden, sozusagen ein Pre-Release. Wir freuen uns über jeden, den es am 4. September in den Oberhafen verschlägt.


BESONDERS STOLZ SIND WIR, SECHS GROSSARTIGE, INTELLIGENTE UND INSPIRIERENDE FRAUEN MIT IHREN BLOGS IM MAGAZIN ZU HABEN.


archiv/e 02, Jules Villbrandt.
Foto: Jules Villbrandt

Was unterscheidet die zweite von der Erstausgabe und warum?

Nach dem unvergesslichen Auftakt mit dem Blog stepanini haben wir das Konzept für Ausgabe #2 angepasst: Statt „ein Blog: ein Magazin“ heißt es nun „ein Blog: ein Kapitel“. Jedes dieser vier ist einem anderen Blog gewidmet, wodurch das Magazin insgesamt an Vielfalt gewinnt und wir redaktionell noch flexibler arbeiten konnten.

Dabei sind wir unserer Anfangsidee treu geblieben: Das archiv/e Magazin soll die verstetigten Blogs durch die einzigartigen Inhalte in ihrer Gesamtheit authentisch widerspiegeln. So wie die erste Ausgabe ganz und gar im Zeichen stepaninis stand, stehen nun die einzelnen Kapitel ganz und gar für den jeweiligen Blog.

Besonders stolz sind wir darauf, sechs großartige, intelligente und inspirierende Frauen und ihre tollen Blogs im Magazin zu haben.

archiv/e ausgabe 2, anselm schwindack, lina
Coverbild: Jules Villbrandt

Welche Blogs werden vertreten sein?

Ihr dürft euch im zweiten archiv/e Magazin auf die Blogs Herz & Blutcake+cameraChestnut & Sage und M i MA aus den Bereichen Wohnen, Reisen, Essen und Denken freuen. Die Inhalte werden begleitet von Illustrationen von Gretas Schwester und einem Blinkblink Pattern.

Fast alle Mitwirkenden haben wir persönlich kennengelernt und standen mit ihnen bei der Auswahl der Inhalte im direkten Austausch. Das hat viel Freude gemacht und fühlt sich dadurch nach einem gemeinschaftlichen Projekt an. Wir freuen uns schon sehr auf diese kommende, sehr sommerliche Ausgabe und sind gespannt wie das neue Konzept angenommen wird.


WIR HABEN KEINEN AUSWAHLKRITERIEN IM ENGEREN SINNE. ABER UNSER INSTINKT UND BAUCHGEFÜHL HABEN UNS BISHER IMMER GUT GELEITET.


Welche Kriterien habt ihr bei der Blogauswahl zugrunde gelegt?

Durch wochenendliches Surfen durch die sozialen Medien und Empfehlungen stoßen wir immer wieder auf neue, schöne Blogs. Ist dann der „Richtige“ erstmal gefunden, geht es für die Inhaltsauswahl auf eine Reise durch die Timelines.

Wie schon bei stepanini haben wir nach besonderen Inhalten auf den jeweiligen Blogs Ausschau gehalten und sind mehr als fündig geworden. Auswahlkriterien im engeren Sinne haben wir keine. Wir lassen uns von unserem subjektives Empfinden leiten und davon, ob wir uns Text und Bild im Print vorstellen können. Meist gibt es schon beim Sichten der Inhalte erste Layoutideen und wir fangen direkt mit der Umsetzung an. Das wirkt anfangs vielleicht etwas wirr, aber unser Instinkt und Bauchgefühl haben uns bisher immer gut geleitet.

archiv/e ausgabe 2, anselm schwindack, lina, lachen, Coverfoto: Jules Villbrandt
Lina und Anselm fotografiert von Ines Marquet

Was hat euch am meisten Freude gemacht bei der Entwicklung und Umsetzung der 2. Ausgabe?

Das neue Konzept umzusetzen und mit diesen hochwertigen Inhalten zu arbeiten – das hat viel Freude gemacht. Auch die Kombination des Bekannten und Neuen ist immer wieder spannend: Wir haben zwar die Erfahrungen der Erstausgabe, sind aber ganz offen an die neue Ausgabe herangegangen. Unser Motto war: Alles ist möglich. Mit einer Ausnahme, dass wir unsere grundsätzlichen Gestaltungsprinzipien beibehalten, damit das archiv/e auch noch als solches erkannt wird. Gestalterisch haben wir eher im Detail mit Typo, Text und Bildplatzierungen gespielt.


UNSER MOTTO LAUTET: ALLES IST MÖGLICH.


Was waren die größten Herausforderungen und wie habt ihr sie gemeistert?

Ein unabhängiges Magazin zu veröffentlichen, war für uns immer ein Traum, zugleich ist es aber auch ein finanzielles Wagnis. Ein 100-seitiges Magazin in 1.500-facher Auflage privat zu finanzieren – das lag für uns einfach nicht drin. Darum können wir das Magazin auch nicht wie ursprünglich geplant halbjährlich herausgeben. Stattdessen versuchen wir pro Jahr eine Ausgabe zu machen.

Durch das erfolgreiche Crowdfunding konnten wir im vergangenen Jahr die Erstausgabe finanzieren und unseren Traum erfüllen. Dieses Jahr ist es uns gelungen, tolle Anzeigenpartner zu gewinnen, die das Magazin, unsere Leidenschaft und unser Herzblut unterstützen.

Gibt es etwas, das ihr noch sagen möchtet?

Es ist zu schön, dass wir auch dich für die zweite Ausgabe gewinnen konnten und dass du mit dabei bist. Vielen Dank, liebe Indre!

Ich habe euch zu danken, liebe Lina, lieber Anselm, dass ich dabei sein darf! Es ist mir eine Ehre!

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Foto: Cindy Ruch

FORMOST, Schwerin, DDR-Design, Matthias Kanter, gute Form, gute Produkte, Bauhaus, WerkbundEs ist ein sonniger Mittag. Ich sitze im Innenhof der Berliner Stadtbibliothek und telefoniere mit Matthias Kanter, Inhaber von FORMOST. Eine halbe Stunde war für unser Gespräch angesetzt. Nach eineinhalb sind wir einmal quer durch die Designgeschichte bis nach Persien, aber noch lange an kein Ende gekommen. Wäre mein Akku nicht bald leer und mein Ohr schon heiß, ich hätte seinen Geschichten und Ansichten noch stundenlang folgen mögen.

Matthias Kanter. Wer ist das?

Ein Maler, 1968 in Dessau geboren, aufgewachsen im einzigartigen Gartenreich Dessau-Wörlitz, wo meine Mutter als Restauratorin tätig war. Die Umweltbelastungen der nahe gelegenen Bitterfelder Chemieindustrie machten mir jedoch so zu schaffen, dass wir schließlich nach Schwerin übersiedelten.

Meine Liebe zu Kunst und Design aber hat Dessau geprägt.

Dessau ist ein einzigartiger Ort. Es ist kein Zufall, dass das Bauhaus 1923 hierher kam. Unter Fürst Leopold III. Friedrich Franz entwickelte sich die Stadt Mitte des 18. Jahrhunderts zu einem Zentrum der Aufklärung, in dem – dank seiner aufgeklärten Politik – das jüdische Leben ebenso blühte wie (Volks-)Bildung und Wirtschaft. Leopolds Ansätze und Ideen gipfeln im Dessau-Wörlitzer Gartenreich: Die 142 km² große Anlage mit ihren Schlössern und Parks sollten allen und jedem ästhetisches Vergnügen bereiten und seiner persönlichen Bildung dienen.

Dass ihn dieser großangelegte Ansatz der ästhetischen (Volks-)Erziehung quasi sein gesamtes Vermögen kostete, war dem überzeugten Aufklärer gleich.  Lieber lebte er bescheiden in einem Refugium als die Idee der „Kunst für alle“ aufzugeben.

Matthias Kanter, FORMOST, DDR, Design, Malerei

Neben der Kunst hast du FORMOST. Wie kam es dazu?

Es begann mit einer Idee. Ein paar Freunde von mir, darunter der Sammler und Journalist Gerhard Höhne, wollten ein Museum für DDR-Design gründen. Es sollte die Geschichte des Designs in Ostdeutschland in all seinen Facetten und Traditionen zeigen: vom Bauhaus bis zur Industrialisierung, die ja – was heute kaum mehr gewusst wird – in Ostdeutschland (Preußen) wesentliche Ursprünge hatte.

Als Standort schwebte uns Wismar vor, weil die Stadt ein designhistorisch neutraler Ort war. Berlin und Dessau standen in der Tradition des technisch-rationalen Industriedesigns. Halle und Weimar für die gegenläufige künstlerisch-subjektive Designtradition. Wismar, in dessen Nähe (Heiligendamm) 1950 die Fachhochschule für technische Gestaltung ge- und damit gleichsam eine unabhängige Designlehre begründet wurde, schien uns ein guter Ort.

2005 gründeten wir den Verein FORMOST als Träger des Museums. Ich war zunächst nur in beratender Funktion dabei. Zwei Jahre später eröffnete ich – inspiriert von Manufactum und getragen von der Idee, gutes “DDR-Design” wiederaufzulegen – den Laden in Schwerin. Eigentlich war er als Museumsshop konzipiert – nur das mit dem Museum wurde nichts. Den Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung fehlte es am nötigen Mut. Nun ist die Sammlung im Besitz der Pinakothek  der Moderne in München – und FORMOST ein Laden für „Design mit langer Tradition“. Und das ist auch gut so.

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Wer steckt alles hinter FORMOST?

Am Anfang waren wir zwei, drei begeisterte Laien. Wir erfanden einen Laden mit Internet-Handel, ohne uns darüber im Klaren zu sein, dass Sachverstand und Leidenschaft allein nicht ausreichen. Es braucht auch Investment. Vor einem Jahr haben uns Freunde mit viel Know-how unter die Arme gegriffen, und jetzt schauen wir schon viel optimistischer in die Zukunft.

Was ist eure Motivation und euer Ziel?

Wir wollen gutem Design eine Plattform geben. Dazu gehört auch, aber nicht nur Design aus der DDR.  Heute findet man bei FORMOST herausragende Designer/innen und Marken aus aller Welt.

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Was macht gutes Design für dich aus?

Gutes Design zielt primär auf Langlebigkeit – im Unterschied zum “modischen Design”, das kurzfristigen Geschmacksvorlieben (Trends) folgt und vor allem gefallen will. Es zeichnet sich durch eine zeitlos schöne Form aus, in der auch die Freude der Gestalter/innen, ihr Stolz und Glück am gelingenden Tun zum Ausdruck kommt.

Gute gestaltete Produkte sind lange haltbar,
anpassungsfähig, nützlich – und schön!
Darum haben sie meist auch das Zeug zum Klassiker.

Was ist denn “schön”?

“Schön” ist zunächst einmal ein Geschmacksurteil und unterliegt als solchem natürlich immer auch dem Wandel der Zeit. Und doch glaube ich, dass Schönheit etwas Universelles hat. Wie sonst lässt sich erklären, dass die Menschen bestimmte Gemälde und literarische Werke, Gebäude, Landschaften etc. über alle Zeiten hinweg und aus den unterschiedlichsten Kulturen für schön erachten?  

Und doch glaube ich, dass Schönheit etwas Universelles hat.

Ich halte Schönheit für ein wichtiges, vielleicht sogar das wichtigste Gestaltungsprinzip. Auch oder gerade wenn es um Nachhaltigkeit geht.  All die moralischen Appelle an unsere Vernunft haben bislang nicht dazu geführt, dass wir unser (Konsum-)Verhalten ändern. Wer will denn auch beim Kauf eines T-Shirts dessen Produktionsbedingungen reflektieren? Oder sich die “Shoppinglaune” durch Verzichtsbelehrungen verderben lassen?  Wäre Nachhaltigkeit schön, würden wir aus Lust und Laune nachhaltig handeln. Denn Schönheit appelliert an die Lust, die Freude, den Überschwang, das Glücksgefühl. Man denke nur an die Kirschblüte: welch zauberhaft schöne Verschwendung der Natur. Deshalb sind wir begeistert von der „Cradle to Cradle“-Idee von Michael Braungart.

Was macht “DDR-Design” aus?

Die DDR hat viel gutes Design hervorgebracht  – und zwar nicht weil der Sozialismus die besseren Designer/innen hervorgebracht hätte, sondern weil die Bedingungen so waren wie waren: das Material war knapp, der Zugang zur internationalen Designszene abgeschnitten, die Produktion staatlich reglementiert.

Viele Designer/innen knüpften an die Traditionen der Vorkriegsjahre an, allen voran den Werkbund und das Bauhaus. Unter den gegebenen Voraussetzungen versuchten sie deren Gestaltungsgrundsätze weiter zu entwickeln.  So entstanden zeitlos schöne Entwürfe, die nicht nur funktional, sondern eben auch im besten Sinne nachhaltig waren (Beispiel: Renate Müller, Gerd Kaden oder Rudolf Horn).

FORMOST, Schwerin, DDR-Design, Matthias Kanter, gute Form, gute Produkte, Bauhaus, Werkbund

Warum sind die guten Gestaltungsentwürfe aus der DDR in Vergessenheit geraten?

Nach Wende interessierte sich hierzulande mit wenigen Ausnahmen niemand für Produkte aus der ehemaligen DDR. Sie wurden als Erzeugnisse eines Unrechtsregimes betrachtet und man maß ihnen keinen eigenständigen gestalterischen Wert bei. Bis heute ist eine sachliche designtheoretische und -historische Annäherung kaum möglich. Man hat immer die Geschichte der Diktatur und des Unrechtsstaats im Schlepptau.

In Finnland und Japan sieht das übrigens ganz anders aus. Dort hat man den Wert des “DDR-Designs” schon früh erkannt. Der finnische Designer Tapio Wirkkala (Iittala) beispielsweise schwärmte schon in den 1960er Jahren, dass man in der DDR die beste Designausbildung der Welt erhalte. Und in finnischen Wohnungen und auf finnischen Flohmärkten findet man bis heute viele Gegenstände und Möbel aus der DDR.

Was ist mit dem Design aus der DDR alles verloren gegangen?

Eine große Chance!

Man hätte eine Art deutschen MUJI machen können
mit den Gestaltungsentwürfen aus der DDR.

MUJI ist die Abkürzung von Mujirushi Ryōhin, was soviel bedeutet wie: „Keine Marke, gute Produkte“, und steht für minimalistisches Design Funktionalität und nachhaltige Produkte. Namhafte internationale Designer/innen arbeiten für das japanische Unternehmen – anonym, so dass niemand weiß, welches Produkt von wem entworfen wurde. Das pure Design und die reine Nützlichkeit sollen die Kunden überzeugen.

Das Konzept geht auf. MUJI ist mittlerweile mit mehr als 400 Filialen in über 16 Ländern vertreten. Etwas Ähnliches hätten wir mit den guten Produkten aus der DDR auch schaffen können. Aber wer weiß, vielleicht findet sich ja noch Investor/innen,  die das Potenzial der Entwürfe aus der DDR erkennen und sie neu auflegen. Noch ist es nicht zu spät. 

FORMOST, Schwerin, DDR-Design, Matthias Kanter, gute Form, gute Produkte, Bauhaus, Werkbund, Hedwig Bollhaben

Kueche, graue Kueche, Haecker, M i MA zuegeltUnser Umzug liegt mehr als ein Jahr zurück. Mittlerweile sind uns die Geräusche und Gerüche vertraut. Wir finden die Lichtschalter ohne Hinzusehen und den Weg zum Klo im Schlaf. Die Möbel haben einen festen Ort gefunden und die Angst vorm falschen gehängten Bild ist einer neuen Lust am Wandgestalten gewichen. Klingt ziemlich abgeschlossen? Ist es auch. Aber doch nur ziemlich. Hie und da gibt es noch offene Baustellen, allen voran im Bad. Hier klafft noch immer eine riesige Lücke unterm Waschtisch.

Nach den guten Erfahrungen mit unseren Einbauschränken haben wir uns entschieden, auch für den „Lückenschluss im Badezimmer“ eine Tischlerei zu rate zu ziehen. Auf der Suche nach einem passenden Betrieb bin ich über die Edition Tischler gestolpert, einer Online-Plattform für Möbeltischler/innen. Zwar habe ich dort (noch) keine Schreinerei in unserer Nähe gefunden, wohl aber Gefallen an der Initiative, die dem Handwerk mehr Sichtbarkeit in der virtuellen Welt verleihen will. Über ihre Hintergründe, Hoffnungen und Akteure, das Verhältnis von Industrie und Handwerk und anderes habe ich mit Monika Dieckmann vom Fachverband Tischler NRW  gesprochen.

Badezimmer, dunkelgraue Badfliesen, dunkles Bad

Wer steckt hinter der Edition Tischler?

Die Edition Tischler ist ein Online-Ausstellungsraum für Tischler mit einer großen Leidenschaft für den Möbelbau. Sie setzt sich aktuell aus 29 Innungstischlereien zusammen, die sich zu einem bundesweiten Netzwerk – mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen zusammengeschlossen haben. Die Edition Tischler ist mit Unterstützung von Tischler NRW entstanden, dem Innungsverband des Tischlerhandwerks in Nordrhein-Westfalen.

Alle Möbel, die im Online-Showroom angeboten werden, sind von Tischlern im Netzwerk entworfen worden und werden in den Werkstätten der Editions-Tischler mithilfe moderner Maschinen und mit größter handwerklicher Präzision gebaut. Eine Jury wählt die handverlesenen Stücke anhand hoher Qualitäts- und Designkriterien aus. Wenn sich Kunden ihr Möbelstück ausgewählt haben, können sie sich an die nächst gelegene Editions-Tischlerei wenden – oder an jeden anderen der 29 Betriebe im Netzwerk. Dieser persönliche Kontakt ist wichtig, damit die Tischlerei das Möbel nach den Vorstellungen des Kunden fertigen kann. Der Tischler liefert es selbstverständlich bis nach Hause und baut es dort auch auf. Sollten später noch Fragen aufkommen, können sich Kunden jederzeit an ihre Tischlerei wenden.

Was ist das Ziel und die Vision der Edition?

Die Edition Tischler hat zwei große Ziele: Die Online-Plattform soll den Verkauf von Tischler-Möbeln über das Internet fördern, aber auch die Tischler als Gestalter und Einrichtungsexperten bekannter machen. Der Verkauf von Möbeln über das Internet boomt – doch das Handwerk ist im Vergleich zur Industrie wenig vertreten. Tischler NRW unterstützt als Innungsverband seine Mitgliedsbetriebe beim Aufbau der Plattform, um den Online-Verkauf von Tischlermöbeln zu fördern.

Tischler NRW möchte mit der Edition Tischler aber auch dazu beitragen, das Image dieses traditionellen Handwerks zu differenzieren und zu erweitern. Das Tischlerhandwerk gehört zu den ältesten Gewerken überhaupt, und dennoch wissen die meisten Menschen nur wenig darüber, was ein Tischler oder Schreiner, wie das Gewerk in einigen Regionen auch genannt wird, eigentlich macht – das bestätigen Umfragen immer wieder. Dabei ist das Tischlerhandwerk extrem vielseitig: Tischler planen und fertigen nicht nur Möbel und Küchen, sondern auch komplette Inneneinrichtungen. Mit modernen, zum Teil computergesteuerten Maschinen verarbeiten Tischler neben massivem Holz auch Kunststoffe, Holz- und Mineralwerkstoffe, Glas, Metall und Stein. Manche Tischler bauen komplette Häuser aus oder sie gestalten die Innenräume von Läden, Arztpraxen und Yachten. Manche bauen auch Messestände, Wintergärten oder Saunen. Andere Tischlereien fertigen hauptsächlich Fenster, Türen oder Treppen. Einige Tischler planen große Bauprojekte, andere sind studierte Gestalter und entwerfen ganze Möbellinien. In jedem Fall sind Tischler die richtigen Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Gestaltung und Inneneinrichtung – auch das soll die Edition Tischler kommunizieren.

Edition Tischler, Beistelltisch Nachtschublade
Beistelltisch Nachtschublade

Handwerkliche und industrielle Produktion – wie verhalten sie sich zueinander? 

Wie die Industrie, stellen auch Tischler ihre Möbel mithilfe moderner, zum Teil computergesteuerter Maschinen her, die sie mit traditionellen Handwerkstechniken kombinieren. Dennoch gibt es nach wie vor gravierende Unterschiede: Die Möbelstücke werden nicht anonym in riesigen Produktionsstätten, sondern in einer überschaubaren Werkstatt von einem ausgebildeten Gesellen oder Meister gefertigt. Vor allem aber nehmen Tischler sich für jede Kundin und jeden Kunden die Zeit, ein persönliches, maßgeschneidertes Möbelstück zu entwickeln und das passende Material auszusuchen. Für die Industrie, die auch versucht, auf der Basis wiederkehrender, seriell gefertigter Versatzstücke ihren Kunden immer mehr Varianten anzubieten, wäre das nicht rentabel. Teurer wird es beim Tischler trotzdem nicht, da durch den Verzicht auf die Handelsebene ein wichtiger Kostenfaktor entfällt.

Warum sollte ich Möbel vom Tischler (statt von der „Stange“) kaufen?

Tischler sind Gestaltungs- und Einrichtungsexperten, die sich wirklich Zeit für ihre Kunden nehmen. Das Einrichten einer Wohnung ist schließlich eine persönliche Angelegenheit. Selbst dann, wenn die Kundin oder der Kunde noch gar nicht so genau weiß, was sie oder er eigentlich will, kann der Tischler ihnen helfen, die Idee zu konkretisieren. Er hat die Fähigkeit, vage Vorstellungen in Entwürfe zu verwandeln und (Einrichtungs-) Probleme zu lösen: Wenn Kunden beispielsweise nicht mehr wissen, wie sie ihre vielen Sachen unterbringen sollen, entwickelt der Tischler eine maßgefertigte Stauraumlösung, die zum Einrichtungsstil der Kundin oder des Kunden passt. (Interessante Tipps finden Sie dazu auf der interaktiven Internetplattform www.mehr-stauraum.de.)

Edition Tischler, Buecherregal Link
Bücherregal Link

Wer kann sich Möbel vom Tischler leisten?

Es gehört zu den Mythen, dass Möbel vom Tischler immer teurer sind als Industrieprodukte. Für eine maßgeschneiderte Küche vom Tischler beispielsweise muss ein Kunde keineswegs tiefer in die Tasche greifen als für eine hochwertige Marken-Küche. Möbel vom Tischler sind jedoch sicherlich nichts für Menschen, bei denen der günstigste Preis bei der Wahl ihrer Einrichtung Entscheidungskriterium Nummer eins ist. Möbel vom Tischler lohnen sich für all jene, die ihre Einrichtung mit Sorgfalt auswählen, Wert auf die optische und haptische Qualität ihrer Möbel legen, oder die es zu schätzen wissen, wenn ihr Möbel eine individuelle Handschrift trägt.

Wie sehen Sie die Zukunft der Möbeltischlerei?

Unsere Gesellschaft individualisiert sich immer mehr – ob Singles, klassische Familie, Patchworkfamilie oder Senioren – jeder hat eigene (Wohn-)Bedürfnisse, die sich im Laufe eines Lebens wandeln. Der Bedarf an Möbeln und Einrichtungen, die auf den einzelnen Menschen zugeschnitten sind, wird daher in Zukunft noch steigen, sodass es für Tischler immer genug zu tun geben wird.

Aber auch die Betriebe selbst wandeln sich: So bietet die digitale Kommunikationstechnik schon jetzt viele Optionen, die auch die Arbeitsweise in der Tischlerei verändern: Schon lange nutzen viele Tischlereien beispielsweise die CNC-Technik, mit der eine effiziente Fertigung jeder beliebigen Freiform möglich ist. Die stetig wachsende Vielfalt an Materialien verändert ebenfalls das Tischlerhandwerk: Ob es um den Einsatz innovativer Werkstoffe, beispielsweise mit selbstheilenden Oberflächen, den 3-D- Druck oder Licht im Möbel geht – die Vielfalt, die das Tischlerhandwerk seinen Kunden bieten kann, nimmt immer mehr zu.

Auch bei der Präsentation von Entwürfen gibt es immer ausgefeiltere Möglichkeiten, damit sich Kunden ein wirklichkeitsgetreues Bild von ihrem geplanten Möbel oder ihrer Einrichtung machen können. Immer mehr Tischlereien werden in Zukunft Apps nutzen, mit denen das neue Möbel in die bestehende Einrichtung projiziert werden kann. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Kunden in einer virtuellen Realität ihre neu gestaltete Wohnung schon in der Planungsphase begehen und von allen Seiten ansehen können.

Edition Tischler, Beistelltisch EMIL
Beistelltisch EMIL


Während ich „früher“ – also so vor eins, zwei Jahren – Blogs noch über meinen Blogreader oder andere Blogs aufspürte, finde ich sie heute zunehmend öfter über Instagram. So auch Labelfrei-ME, wobei ich nicht genau weiß, wer eigentlich wen entdeckt hat: Nina mich oder ich Nina. Aber das ist am Ende ja auch egal. Hauptsache ist, dass wir uns gefunden haben.  
Vor einiger Zeit hat mich Nina eingeladen, ein paar Einblicke in mein immer noch recht neues Zuhause zu geben. Das hat mich sehr gefreut, und auch darum – vor allem aber weil ich neugierig auf die Frau dahinter war – habe ich die „ewige Fränkin“ aus München für ein Montagsinterview angefragt. Ihre Antworten sind wie ihr Zuhause: frisch, fröhlich, klar und so sympathisch, dass ich hoffe, es ergibt sich bald eine Gelegenheit für ein Kennenlernen im Leben 1.0.
Hab‘ vielen Dank, liebe Nina, für deine frisch-fröhlichen Worte, mit denen ich allen einen erfrischenden Start in die KW 10 wünsche (nach dem gestrigen Wahlsonntag brauche zumindest ich das mehr denn je).
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Architektin, Mama, Münchnerin – was und wer ist Nina Jahn noch?
Gute Frage! Was bzw. wer bin ich? Ich bin vor allem ein humorvoller Mensch, der gerne viel lacht, mit Hang zur Ironie und schwarzem Humor. Ich liebe Musik, Schokolade und Kaffee! Ein Start in den Tag ohne Kaffee ist undenkbar. Ich hasse Petersilie und so manches Fleisch, bin aber ganz sicher kein Vegetarier. Reden kann ich ohne Punkt und Komma! Hmm, bin ich dann eigentlich ’ne Quasseltante? Beim Schreiben kann das mit den Punkten und Kommas dann auch mal zum Problem werden. Außerdem habe ich einen enormen Dickschädel und kann zuweilen schnell an die Decke gehen. Meine Schwäche für schöne Dinge zeigt sich eigentlich in allen Lebensbereichen. Eine gewisse Kreativität würde ich mir auch zugestehen, wobei ich die sicher stärker nutzen könnte, wenn es mein Tag zulassen würde. Ganz wichtig in meinem Leben sind mir meine Familie und Freunde! Gute Freunde! Ach ja, und eine Fränkin bin ich natürlich auf Lebenszeit, obwohl ich nun schon seit 14 Jahren in München lebe 😉!
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Wie und wo lebst du in München?
Wir wohnen zu viert in einer 3-Zi-Wohnung auf 78qm in der Münchner Maxvorstadt. In der haben mein Mann und ich auch schon vor den Kindern gelebt. Wie man sich vorstellen kann, ist das manchmal ein etwas beengtes Unterfangen. Unser großes Glück ist unsere Kreativität und das fachliche Know-how, das unser Beruf als Architekten mit sich bringt. Aus diesem Grund behelfen wir uns immer wieder mit neuen Einbauten und Umbauten. Die angespannte Wohnungssituation in München lässt uns leider seit Jahren nur von einem größeren Zuhause träumen!
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Wie würdest du deinen/euren Wohnstil beschreiben?
In unserer Wohnung treffen selbstentworfene Möbel, Designklassiker, geerbte Stücke, Flohmarktfunde und Ikea aufeinander. Als Ausgangspunkt zu allem anderen ist bei mir die Farbe Weiß im Einsatz. Zu Weiß als Grundelement kann man dann alle anderen Farben kombinieren. Der monochrome Wohnstil, der derzeit im Interior-Bereich sehr präsent ist, gefällt mir zwar gut, allerdings könnte ich ihn nicht konsequent durchziehen. Ich brauche ab und an einfach einen Farbknall, sonst wird es langweilig. Generell tendiere ich zum skandinavischen Einrichtungsstil, bin aber genauso begeistert von Möbeln moderner Designer. Ich würde einfach mal sagen, es ist mir wichtig, dass meine Wohnung etwas Besonderes hat! Sie soll sich von anderen unterscheiden und wir müssen uns darin wohlfühlen.
Was hat dich damals zum Architekturstudium geführt und was fasziniert dich bis heute an diesem Fach?
Durch mein Elternhaus hat mich Kunst immer begleitet und irgendwie war schon lange klar, dass es ein kreativer Beruf für mich sein muss. Nach und während einer Ausbildung zur Bauzeichnerin und dem anschließenden Architekturstudium, hatte ich das Glück in vielen guten Büros zu arbeiten. Auch wenn sich das Bauwesen in den letzten Jahren sehr verändert hat, ist es immer wieder toll, sich in neue Themen einzuarbeiten. Mal entwirft man einen Wohnungsbau, dann eine Schule oder Kindergarten. Mein interessantestes Projekt war bisher eine Aussegnungshalle. Jedes für sich ist spannend und bietet neue Aufgaben, so dass es nie langweilig wird.
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Wie macht sich die „Architektin in dir“ im Leben der Familie bemerkbar?
Ganz klar, was nicht passt, wird passend gemacht! Naja, oder einfach selbst entworfen. Da mein Mann auch Architekt ist, liegen wir in diesem Punkt auf einer Wellenlänge. Glücklicherweise ist er auch noch handwerklich in der Lage, nahezu all unsere Ideen umzusetzten. In meinem Beruf bevorzuge ich Projekte mit geraden Linien, schlichten Formen aus Materialien wie Holz und Beton. Vielleicht mag ich es deswegen in unserem Zuhause genauso klar, schlicht und optisch aufgeräumt. Unordnung ist so gar nicht mein Ding!! Ich weiß, dass ich mir damit mein Leben manchmal unnötig schwer mache, aber wie das mit Ticks nun mal so ist, es ist nicht einfach sie abzulegen.

Wie sieht dein Alltag im Leben 2.0 aus (als Bloggerin, Netzwerkerin etc.)? Worin unterscheidet es sich vom Leben 1.0?
Auf jeden Fall habe ich mein Handy sehr viel öfter in der Hand als früher und verbringe auch regelmäßiger meine Abende vorm Rechner. Ich muss mich mittlerweile richtig ermahnen, nicht zu oft zwischendurch reinzuschauen und arbeite in diesem Punkt wirklich an mir. Ich möchte nicht, dass mich meine Kinder später nur als „die Mutter, die mit ihrem Handy verwachsen war“ in Erinnerung haben.
Trotzdem war die Entscheidung, mit dem Bloggen zu beginnen, für mich absolut richtig. Der Blog ist mein kreatives Ventil, bringt mir einen Ausgleich zum Alltagsstress und lässt mich meine Liebe zum Wohnen ausleben. Im Laufe der vergangenen 1½ Jahre habe ich allerdings gemerkt, dass ich mehr will, als ICH realistisch gesehen schaffen kann.
Blog, Facebook, Instagram, Pinterest und und und. Ich habe mit dem Bloggen begonnen, weil ich Lust dazu hatte. Ich wollte die tollen Dinge, Ideen und Interiors, die mir live, online oder in Magazinen über den Weg laufen, mit anderen teilen. Die Arbeit, die dahinter steckt, eigene DIY Ideen, Einblicke in die eigene Wohnung und aufwendigere Artikel zu erstellen, wird oft unterschätzt. Wie auch der Druck, den man sich damit machen kann, dass möglichst oft etwas online geht und einem nicht die Leser weglaufen. Immer wieder halte ich mir vor Augen, weshalb ich damit angefangen habe. Es sollte ja Spaß machen und nicht zur Pflicht werden!
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Was sind deine Lieblingswohnungen aus der Interior-Blogosphäre?
Ich selbst lese nur einige Blogs sehr regelmäßig und das ehrlicherweise aus Zeitgründen. Manche der Blogger durfte ich bereits persönlich kennenlernen, so dass der Bezug zur Person vorhanden ist und das macht oft sehr viel aus. Also, hier der engere Kreis meiner Lieblingsblogs bzw. Wohnungen aus der Interior-Blogosphäre.
  • Maren von Minza will Sommer hat einen ganz besonderen Wohnstil, der mir super gut gefällt.
  • Sofort einziehen würde ich bei Antonia von Craftifair.
  • Die neue Wohnung von Johanna von Mint und Meer ist der Wahnsinn.
  • Bei Britta von Britta bloggt bin ich regelmässig zu Gast und liebe ihre Wohnfarben.
  • Karina von Oh What A Room ist mit ihrem skandinavischen Einrichtungsstil auch voll mein Fall.
  • Und was soll ich sagen, bei dir liebe Indre bin ich sofort davon überzeugt gewesen, dass es im Neubau doch auch ganz schön sein kann!!!
Womöglich hat die ein oder der andere von euch die Apfelsinengeschichte gelesen? Falls ja, dann erinnert ihr euch vielleicht, dass sie sich an Mi.s 23. Geburtstag ereignete, und die Apfelsine einst seinem Vater gehörte. Falls ihr sie nicht gelesen habt: Macht nichts. Denn um diesen „EinBlick“ zu verstehen, ist sie höchstens witzig, nicht aber wichtig: Mi. ist mein Sohn. Der einstige Apfelsinen-Besitzer sein Vater. Zusammen sind wir das, was man eine intakte Patchworkfamilie nennt, und das wiederum ist ein großes Glück. 
Mi.s Vater heißt Ulrich Christen. Er ist Heilpraktiker und hat mich schon von so manch fiesen Rückenschmerz befreit. Vor einiger Zeit hat er außerdem eine Augenschule ins Leben gerufen, und was er mir über das Sehen erzählt hat, hat mich so fasziniert, dass ich ihn gefragt habe, ob er nicht hier und heute ein wenig davon erzählen mag. Er mochte. Vielen Dank dafür, Ulrich! 
Euch wünsche ich nun spannende Einsichten ins Sehen und einen guten Start in die Woche.
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Foto: Ieva Jansone

Sehen. Was ist das eigentlich?
Sehen ist unser wichtigster Sinn. Der Sehvorgang liefert uns jeden Augenblick eine unvorstellbare Menge an Informationen über unsere Umwelt und auch über uns selbst. Gleichzeitig ist Sehen auch einer der komplexesten Vorgänge in unserem Körper, der sich ständig verändert und den Anforderungen anpasst.
Unsere Augen sind die Organe, die proportional zu ihrer Größe am meisten Energie verbrauchen. Und auch die Vorgänge im Gehirn, die aus den gelieferten Bildern eine sinnvolle Ansicht erstellen, sind faszinierend und wunderbar zu entdecken. 
Warum sollten wir das Sehen (neu) erlernen?
Weil wir mehr und anders sehen als wir meist denken. Wir nutzen unsere Augen sehr einseitig und eingeschränkt und oft auch angestrengt. Dazu kommt unsere Einstellung zu unserem Sehen: Viele Menschen mit einer Fehlsichtigkeit denken, ihre Augen seien „schlecht“. Das ist kein förderlicher Gedanke, denn er blockiert Wahrnehmungen.
Die Augen freuen sich mehr über eine vielseitige Betätigung ohne Leistungsdruck und natürlich auch über liebevolle Zuwendung in Form von Entspannung. Das alles kannst du mittels eigener Erfahrung lernen!
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Foto: Ieva Jansone

Was lernt man in deiner Augenschule?
Die Augenschule ist einmal eine Wahrnehmungsschule. Du entdeckst die Möglichkeiten des Auges, erforschst die Funktionen des Sehapparates und erlebst, wie du ganz persönlich in die Welt schaust. Außerdem ist die Augenschule eine konkrete Anleitung zur Selbsthilfe. Du lernst, Ausgleich für besondere Belastungen (zum Beispiel Bildschirmarbeit) zu schaffen.
Das geschieht mit einfachen Übungen (eigentlich sind es eher Sehspiele), deren Wirkung sofort erfahrbar ist. Du lernst, die Bedürfnisse deiner Augen wahrzunehmen und wie du ihnen schnell und einfach etwas Gutes tun kannst.

Ich war gerade am Meer und habe gemerkt, dass die Weite meinen Augen wohl tat. Ist Weitsicht für die Augen besser als Nahsicht?
Das Auge kann beides und liebt es, beides zu tun. Für uns Stadtmenschen hört die Welt meist, wenn nicht schon am Bildschirm, dann an der nächsten Hauswand auf. Deswegen ist es so wohltuend, in die Weite zu schauen. Das Meer eignet sich dafür ganz besonders, denn es gibt nichts zu erkennen. Auch das lieben Auge und Gehirn.
Wahrnehmen, ohne zu analysieren, das ist Urlaub!
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Bildschirm und Auge – wie verhält sich das zueinander?
Wahrscheinlich sind wir Menschen die einzigen Säugetiere, die freiwillig stundenlang in eine Lichtquelle starren. Dafür sind unsere Augen nicht gemacht, es ist Hochleistungssport gepaart mit Stress und erhöhtem Energieverbrauch. Der Blick auf den Bildschirm ist starr, eindimensional, immer in der gleichen Distanz zum Objekt und das Gesichtsfeld wird lediglich zentral genutzt.
Daher gebe ich Kurse speziell für bildschirmarbeitende Menschen, in denen sie lernen, Ausgleich zu schaffen. Denn um die Bildschirme kommen wir alle nicht mehr herum. Die Verträglichkeit ist also eine Frage der Dosis und des Ausgleichs.

Hast du einen einfachen Tipp für Bildschirmarbeiter/innen, wie sie ihre Augen täglich ein klein wenig verwöhnen können?
Ja, eine der wirkungsvollsten Augenübungen ist das sogenannte Palmieren. Dabei bedeckst du die geschlossenen Augen mit den Handflächen so, dass die Augäpfel nicht berührt werden, aber vollständig abgedunkelt sind.
Die Netzhaut braucht Dunkelheit, um zu regenerieren. Es ist wie Kurzurlaub. Wenn du dass regelmäßig ein paar Atemzüge oder sogar ein paar Minuten lang machst, werden es dir deine Augen danken. Und auch für den Kopf ist es sehr erholsam.
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Foto (c) Volker Gerling „Sara“

Und nun noch ein paar Sätze zu dir. Wer bist? Wie lebst du? Wie siehst du?
Mein Name ist Ulrich Christen, ich bin Jahrgang 1967 und lebe eine Hälfte der Woche in Berlin und eine Hälfte auf dem Land an der Elbe. Ich bin seit 10 Jahren Heilpraktiker und behandele in meinen Praxen im Prenzlauer Berg und in Gartow/Elbe hauptsächlich Patient/innen mit Augenkrankheiten und biete Akupunktur und Massage (www.ulrichchristen.de).
Ich sehe meist verschwommen. Das liegt daran, dass ich seit meiner Jugend kurzsichtig bin und meine Brille aber nur trage, wenn es wirklich nötig ist. Früher brachte mir das den Spitznamen „Maulwurf“ ein, aber ich sehe meist mehr als ich denke, und so habe ich, ohne es zu wissen, schon mit 16 angefangen, mein Sehen zu erforschen und führe das begeistert fort.
Die Augenschule ist ein relativ neues Projekt, bekommt aber immer mehr Bedeutung in meinem Leben. Ich betreibe sie mit großer Leidenschaft, weil sie so viel Spaß macht und den Teilnehmenden so viel bringt (www.augenschule.berlin).
Übrigens: Am kommenden Wochenende, den 13./14. Februar findet wieder ein Kurs statt und für Kurzentschlossene es gibt ein Valentins-Spezial: Ihr könnt zu zweit zum Preis von einer Person teilnehmen. Informationen zum Kurz gibt es unter www.augenschule.berlin/Termine. Ich würde mich, die ein oder den anderen von euch dort persönlich kennenzulernen!
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Im Lateinischen wird die Familie der gemeinen Schnaken Tipulidae genannt. Umgangssprachlich heißen sie auch Schneider – wie die beiden Schwestern Maren und Hella. Was also lag näher als ihr Designlabel nach dem langbeinigen Insekt zu nennen? tiipula heißt es leicht abgewandelt und ist genauso ungewöhnlich wie ihre Kleider und Drucke.

Im Februar 2014 habe ich die beiden Grafikerinnen mit einer eigenwilligen Liebe zu Autos und ungewöhnlicher Musik schon einmal interviewt. Ein heiter bis glückliches Gespräch.
Für meinen ersten Adventskalender haben die Beiden die zwei Drucke Dachs & Vogelschwarm für euch ausgewählt.
Eckdaten
  • Papier: strukturiertes, naturweißes und säurefreies FineArt Papier 210 g/qm {»produced with green power« zertifiziert}
  • Größe: 29,7cm x 42cm (DIN A3) | der Druckbereich ca. DIN A4
Hinterlasst bis zum 24. Dezember 0.00 Uhr eine Nachricht. Vielleicht sind sie schon bald euer.  Die Adventsfee hat gesprochen: Die Prints sind Ulrich Leons.
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Nein. Sie haben nicht nur Buchstaben. Freundts haben auch viele andere wunderbare Wohnaccessoires. Zum Beispiel das grosse robuste Schneidebrett (das letzte in der Reihe auf dem Bild unten). Sabine, die Frau hinter Freundts, hat es für euch ausgewählt und wenn es euch so gut gefällt wie mir, hinterlasst bis zum 20. Dezember Mitternacht eine kleine Nachricht.  Die Adventsfee hat orakelt: Das Brett gehört Katja. Viel Freude damit! 
Das Brett wurde aus einem Stück Eiche in einer kleinen niedersächsischen Werkstatt in Handarbeit gefertigt. Weil es ein Naturprodukt ist, sieht die Maserung bei jedem Brett etwas anders aus. 

„Eckdaten“
  • Höhe mit Griff: 50 cm/ Breite: 26 cm
  • Materialstärke: 2,5 cm
  • Deutsche Eiche, geölt
  • Preis: 69,00 €

Pflegehinweis: Holzbretter gehören nicht in die Spülmaschine, sondern werden schonend mit Wasser gesäubert. Regelmäßig von beiden Seiten ölen, zum Beispiel mit Olivenöl. 
Sarah, die Frau hinter JenMuna, lebt mit Mann und Kindern am Rande von Köln. Ihre zweite Heimat ist Marokko, wohin die mittlerweile fünfköpfige Familie so oft und lang wie möglich reist. Schon bei ihren ersten gemeinsamen Reisen kam das noch kinderlose Paar auf den Gedanken, ausgewählte Schönheiten aus dem Land des Sonnenuntergangs mit nach Deutschland zu bringen. So gründeten sie 2010 schließlich Al Firdaus, ein Onlineladen für Produkte von den Souks, aus Azilal oder dem Atlas-Gebirge

Der Name Al-Firdaus stammt aus dem Islam und steht für die höchste Stufe des Paradieses. Bei Sarah und Soufiane steht er für handgefertigte Produkte so „einzigartig und farbenfroh, schlicht und bunt wie das Land selbst“. Ihr Sortiment reicht von Teegläsern über Berberteppichen bis hin zu Korbtaschen.

Für das Türchen No. 13 hat Sarah für euch eines ihrer neuesten Produkte ausgewählt: ein Kelimkissen aus dem Atlas. Dort wird es von alten Berberstämmen hergestellt, die sich auf die traditionelle Kunst des Knüpfens und Webens verstehen. Das Kissen besteht aus reiner, regionaler Schafwolle (die Zierfäden können synthetische Fasern enthalten) und misst 38 x 38 cm. Wenn es euch gefällt, hinterlasst bis zum 16. Dezember 0.00 Uhr eine Nachricht. Den Rest entscheidet die Adventsfee. Sie hat entschieden: Das Kissen geht an Lotte von smørbrød_syltetøy. Viel Freude damit!

Wenn ihr mehr von und über Sarah erfahren möchtet: Im September 2013 habe ich einen Blick hinter ihr Blog JenMuna geworfen.

Seit 2011 entwirft Elisabeth Heil unter dem Label by elhe Taschen und Accessoires als Unikat oder in kleinsten Kleinauflagen. Dabei verbindet die gelernte gestaltungs- und bekleidungstechnische Assistentin auf einzigartig schöne Weise Textiles und Grafisches. All ihre Produkte entwirft und fertigt sie selbst in ihrem kleinen Atelier in der sächsischen Kleinstadt Hartha. 
Für den M i MA-Adventskalender hat Elisabeth ein Stück aus ihrer Taschenkollektion ausgewählt: die Beuteltasche Kupfer. Vielen lieben Dank dafür!
Wer sie künftig tragen darf, darüber entscheidet die Adventsfee, wenn ihr bis zum 15. Dezember um Mitternacht eine Nachricht mit Email-Adresse hinterlasst.  Der wunderschöne Beutel geht an Jess Tanzt. Viel Freude damit!
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