Tag

Essen

»Mmh, köstlich – das ist der beste Apfelkuchen!« Schöner konnte mein Silvesterexperiment kaum kommentiert werden. »Kannst du mir das Rezept aufschreiben?« »Klar, das mache ich gern«, antwortete ich. Als ich dann aber Papier und Stift zur Hand nahm, kam mir ein Gedanke: Warum schreibe ich es nicht hier auf? So könnten alle das neue Jahr so genussvoll angehen lassen, wie sie das alte verlassen haben. Gesagt, getan.

Also, hier das Rezept für den – laut S. besten – Mürbeteig-Apfelkuchen mit Mandelkruste.

Ein Apfelkuchen für Selina

Mürbeteig

1 Ei und 125 g Zucker schaumig schlagen
125 g zimmertemperierte Butter untermischen und mit
250 g Mehl, 1 Prise Salz, 1 TL-Spitze gemahlener Vanille {o.ä.} und 1 TL Backpulver zu einem geschmeidigen Teig kneten.

Den Teig anschließend ca. 30 Minuten im Kühlschrank aufbewahren. Später in einer gefetteten oder mit Backpapier ausgelegten Springform mit einem 2-3 cm hohen Rand verteilen.

Füllung

Ca. 1 kg Apfel schälen, achteln und mit 1 TL Zimt, 1 TL-Spitze Vanille, 1 Prise Kardamom und gemahlenen Chili in einer großen Schale mischen. Anschließend auf dem Teig verteilen.

Für die Mandelkruste 100g Butter, 125g Zucker, 100g gehackte Mandeln, 100g Mandelblättchen, 1 TL Pinienkerne {kann man auch weglassen} in einem Topf erwärmen und leicht karamellisieren lassen. Dann 3 EL Milch und Mehl dazugeben und gut einrühren.

Die Mandelmasse nun gleichmäßig auf den Äpfeln verteilen und den Kuchen bei 200°C Ober- und Unterhitze rund 50 Minuten backen.

Der Kuchen schmeckt warm zwar mega-lecker, lässt sich dafür umso schlechter schneiden. Ich empfehle daher, ihn erst abkühlen zu lassen. Selbst 4 Tage nach Sylvester schmeckt er noch köstlich.

Ein Apfelkuchen für Selina

Apfelbild (c) Roberta Sorge via Unsplash

Foto von Dmytro Yakymuk. M i MA Nikolaus Spendenaktion

{Verlosung/Werbung/Spendenaktion} Heute ist Nikolaustag, und ich gestehe, dass ich selbst noch einmal nachsehen musste, wem genau wir da eigentlich alljährlich am 6. Dezember gedenken – und warum. Also: Der gute Mann, wäretdem die Kinder wenigstens einmal im Jahr ihre Stiefel blitzblank putzen, lebte im 4. Jahrhundert nach Christus und war als Bischof in Myra tätig, einer antiken Stadt in der heute türischen Provinz Antalya. Es heißt, er sei ein guter Mensch gewesen, der sich unermüdlich und uneigennützig für hilfebedürftige Menschen eingesetzt habe. Aus reichem Elternhause stammend, nutzte er sein Vermögen, um Waisen-, Armen- und »Seniorenhäuser« für Seeleute a.D. zu errichten. Außerdem rettete er, so die Legende, die Stadtbewohner/innen vor einer Hungersnot und die Kinder von Myra vor Seeräubern. Bis in die Jetztzeit wird Nikolaus darum als Schutzpatron der Kinder, Seeleute und Bäcker/innen verehrt.

Und der »Stiefel«? Nun, der rührt nach Meinung von Brauchtumsforscher/innen von der Kinderrettung her: Die Seeräuber wollten sie als »Pfand« nehmen, weil die Stadt das geforderte Lösegeld für die gekaperten Getreideschiffe nicht aufbringen konnte. Der gute Nikolaus verhinderte dies, indem er die Schiffe gegen den Kirchenschatz zurückkaufte. Daraus sei, so die Expert/innen, zunächst der Brauch des »Schiffchensetzens« entstanden: Am 5. Dezember stellten die Kinder früher ein selbstgebasteltes Schiffchen vor die Zimmertür. Erst später wurde ein »Schuh« daraus – und einer steht jetzt hier.

Rote Nikolaus-Boote

Mit Unterstützung von neun Unternehmen ist es mir dieses Jahr gelungen, einen ziemlich großen Nikolaus-Stiefel mit allerlei feinen, guten und schönen Dingen für euch zu füllen {siehe unten}. Mein Honorar für diese Aktion möchte ich – ganz im Sinne Nikolaus – für einen guten Zweck einsetzen. Darum:

Lasst mich bis zum 13. Dezember um Mitternacht wissen, welches Projekt oder welche Organisation ihr unbedingt förderwürdig findet. Die Entscheidung, wem oder was das Geld zugute kommt, fällt mit der Auslosung der/des Stiefel-Gewinner/in.

Ich freue mich auf viele gute Spendenvorschläge und wünsche viel Glück! danke euch für die vielen Spendenvorschläge! Der Nikolaus-Stiefel geht an Miriam {Nr. 11} und die Spende damit an die Heilsarmee, die Obdachlose mit Zuflucht und Notbetten, Suppen und warmen Getränken unterstützt.

Liebe Miriam, vielen Dank und herzlichen Glückwunsch. Bitte teile mir via Mail deine Adresse mit.


Kaeseplatte von Bries et ses amis

BRIE ET SES AMIS ist einer Berliner Startup mit französischen Wurzeln: Seit 1921 handelt der Familienbetrieb aus Chartres mit Käse, von dem wir hierzulande noch nie gehört, geschweige denn gekostet haben. Das wollte Gründerin Paula Kirchenbauer ändern. Während Eltern und Geschwister die 200 Sorten umfassende Käsevielfalt auf französischen Wochenmärkten feilbieten, vertreibt die »Fromagers-Affineur« das Sortiment online. In den Nikolaus-Stiefel haben die »Brie-Freund/innen« einen 50€-Gutschein für eine Käseplatte nach eigener Wahl gesteckt.


Löwenbrot von Brotliebling

Das Brot zum Käse kommt von Brotliebling: Das Unternehmen mit Sitz im Berlin-Wedding will die Welt fürs Selberbacken begeistern und sendet darum seit 2012 Back-Sets quer durch die Republik. Darin enthalten: abgewogene Zutaten in Bioqualität samt Backanleitung und Backpapier. Für den Nikolaus-Stiefel haben die Brotliebhaber ihr Lieblingsbrot das Löwenbrot ausgewählt: ein Vollkornbrot aus Weizen- und Dinkelmehl mit Mandeln und wilden Hanfsamen.


Drinksyndikat Gin und Tea CocktalDetox-Tee von Tree of Tea

Die Getränke stellen der Berliner Cocktailversandhandel »Drink-Syndikat« und der Passauer Bio-Teehandel »Tree of Tea«, die für die jüngsten Cocktailrezepturen gemeinsame Sache gemacht haben. Das Ergebnis dieser Kooperation hat das »Drink-Syndikat« in den Stiefel gelegt: ein Cocktail-Set mit Zutaten und Rezepten für die sechs Gin- und Tee-Cocktails. Die Tee-Experten haben ihr großes Detox-Wohlfühlset dazu gelegt – für den inneren Reinigungsprozess.


Brettchen mit Messer von Heute ist Morgen

Die »Infrastruktur« fürs gelungene Mahl stammt von »Heute ist Morgen«, einer jungen Online-Plattform für nachhaltiges Design: Ein Käsemesser aus Bambus und japanischen Stahl, ein Bambus-Schneidebrett und 2 Beton-Eierbecher haben die beiden Gründer Tim-Robert Meyer und Philipp York Martin zum Stiefelglück beigesteuert.


archiv/e magazin 01 und 02

Anselm und Lina vom Berliner Indie-Magazin »archiv/e« ergänzen das kulinarische Vergnügen um den Lesegenuss: In den Stiefel haben sie dafür je eine Ausgabe ihres Magazins Nr. 01 und 02 gesteckt.

Birdy von das-rote-paketbilderleiste Kleinwaren / von Laufenberg


Die weihnachtliche Gemütlichkeit unterstützen der Leipziger Online-Shop für junges Design »Das Rote Paket« und das Düsseldorfer Grafikstudio »Kleinwaren / von Laufenberg«: »Das Rote Paket« hat BIRDY, den wollenden Vogel, Vera von Laufenberg eine magnetische Bilderleiste in den Stiefel gesteckt.


WSAKE Lettered PendantAn den übervollen Stiefel hat das Regensburger Vater-Tochter-Unternehmen WSAKE eines ihrer »Lettered Pendants« gebunden. Welches »Zauberwort« darauf stehen soll, das darf die/der Gewinner/in bestimmen.


Bildnachweise: Nikolausstiefel (c) Melanie Mauer | Weihnachtsgeäst von Dmytro Yakymuk | Boote (c) Jacob Sapp | alle anderen Bilder stammen jeweils vom Unternehmen

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»Gleiches mit Gleichem behandeln.« So lautet nicht nur das Grundprinzip der Homöopathie, sondern auch meines. Wenn sich wieder einmal eine Gemütsverdunkelung anbahnt, hilft vor allem eines: schwarzer Kaffee und noch schwärzerer Schokolade.

Warum nicht diese zwei Stimmungsaufheller in einem Kuchen miteinander vereinen? Das fragte ich mich am Wochenende und startete ein Experiment. Herausgekommen ist der schwärzeste aller Schokoladenkuchen, die ich je gebacken habe. Veredelt mit einer Prise Salz, Vanille und Chili bin ich nun bestens gegen jedes Stimmungstief gewappnet. Braucht ihr auch? Na, dann…

Zutaten für den Teig
• 100 ml Espresso
• 100g Bitterschokolade {mindestens 70%}
• 120g Butter
• 120g Zucker
• 2 Eier
• 50g Kakaopulver
• 150g Mehl
• 1 TL Backpulver
• 1/2 TL Natron
• Prise Salz
• Prise Vanille

Zutaten für die Ganache
• 150 ml Espresso
• 50g Butter
• 100g Bitterschokolade {mindestens 70%}
• Prise Chili
• 5g Meersalz

Für den Teig Schokolade und Butter mit Espresso in einem kleinen Topf schmelzen und leicht abkühlen lassen. Zucker und Eier in einer Schüssel schaumig schlagen. Schokoladen-Espresso-Mischung unterrühren, dann restliche Zutaten dazugeben und alles gut miteinander verrühren. Teig in eine Springform {ø 20 cm} geben und bei 200°C ca. 40 Min. backen.

Für die Ganache Butter und Bitterschokolade mit Espresso in einem kleinen Topf schmelzen. Meersalz und eine Prise Chili dazugeben {je nachdem wie scharf man es mag, kann die Prise größer oder kleiner ausfallen} und stehen lassen. Nachdem der Kuchen fertig und leicht abgekühlt ist, mit Ganache bestreichen.

Guten Appetit!

Fotos: Espresso und Chili via Unsplash, Schokolade via px

fahrradgerechte Stadt, #radentscheid, isabel marant, bauhaus, tiny houses

Davon dass ich so müde bin und weder Kaffee noch Schlaf etwas daran ändern mögen, hatte ich erzählt. Auch Vitamin D hat nicht geholfen. Also gebe ich mich geschlagen – oder besser: hin – und lasse M i MA mitten im Mai einen kleinen Schlaf machen. Ein Schlöfele wie es so wohlig-warm im Schweizerdeutschen heißt. Bevor die Lider schwer werden und der Wunsch sie zu schließen überhand nimmt, habe ich noch eine Liste erstellt: Zutaten für süße Träume.

Bis bald!
Lange hat die Architektin und Designerin Katja Buchholz nach Ausstellungsmöglichkeiten für ihre Wohnprodukte aus heimischen Hölzern gesucht. Gefunden hat sie einen Ort und Ansatz, die schöner kaum sein könnten: Der LADEN ist Verkaufs- und Speiseraum in einem. Während BUCHHOLZBERLIN für das Interieur zuständig ist, kümmern sich die Inhaber/innen des Restaurants LOKAL ums Gastronomische. Seit Juni dieses Jahres ist der LADEN im Alten Ballhaus in der Joachimstraße in Berlin-Mitte zuhause. Neben wunderschönen Räumen mit alten, nun wieder freigelegten Wandmalereien und einem originalen Steinboden gehört zu dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1780 auch ein Innenhof mit Kräuter- und Gemüsegarten.

Die Ernte aus dem kleinen Stadtbiotop kommt direkt auf den Tisch, der wie die meisten Gegenstände von BUCHHOLZBERLIN stammt. Ob Suppe, Salat oder Flat Breads – sämtliche Speisen werden in selbstentworfenen Holzschalen, ausgesuchter Keramik oder auf original BUCHHOLZ-Brettchen oder „buchhölzernen“ Tabletts serviert.

Für das Türchen No. 9 hat BUCHHOLZBERLIN das Tabrett für euch ausgewählt – eine „Kreuzung“ aus Schneidebrett und Tablett, gefertigt in einer hiesigen Integrationswerkstatt aus Berlin/Brandenburger Eiche. 

Wenn euch das Tabrett ebenso gut gefällt wie mir, hinterlasst bis zum 12. Dezember eine Nachricht. Viel Glück! Und ein dickes Dankeschön an BUCHHOLZBERLIN. Das Tabrett gehört Julika von 45 lebensfrohe Quadratmeter. Viel Freude damit!
   

BUCHHOLZBERLIN
Joachimstraße 20 | 10119 Berlin | Tel: ++49 30 24 04 83 54
Dienstag bis Samstag von 12.00 bis 20.00 Uhr
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Wie sieht ein Ingenieur aus? Bis dato wusste ich das nicht so genau. Jetzt weiß ich es: weiblich, witzig und charmant. So wie Julia eben, die von sich selbst sagt: „I look like an Engineer. Und tatsächlich bin ich das auch.“ Die studierte Produktingenieurin, die noch ein Studium des strategischen Informationsmanagements draufsattelte und heute medizintechnische Bedienungsanleitungen schreibt, ist aber noch mehr: nämlich eine leidenschaftlich Köchin. Chestnut & Sage ist ihr virtueller Esstisch, an dem sie Rezepte, Gedanken und Erlebnisse teilt. Im heutigen Montagsinterview teilt sie mit uns ihre Gedanken über Augsburg und das Kochen, ihre Lieblingsbücher und ihr perfektes Sommerrezept. 
Ein dickes Danke an Julia für das schöne Gespräch. Und allen eine vergnügliche Lektüre und ebensolchen Start in die letzte (sic!) Augustwoche.

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Wer steckt hinter Chestnut & Sage?
Mein Name ist Julia, ich bin Mitte 30 und blogge, weil ich Spaß am Wort habe, weil ich gerne schreibe und weil es mir manchmal hilft, meine Gedanken zu sortieren. Ich bin ein Sommermensch und genieße die aktuellen Temperaturen und die daraus resultierende Langsamkeit, das leichte Leben, sehr. 
Wie und wo lebst Du in Augsburg?
Ich lebe in der Augsburger Innenstadt in einer Wohnung, die ich zusammen mit meinem Liebsten vor allem wegen ihrer riesigen Küche bezogen habe. Ich mag unser Haus, es ist ein sonderbar-schönes und chaotisches Zusammenleben verschiedenster Menschen und Meinungen. Es ist gut in einem so kleinen Kosmos zu sehen, dass viele Lebensmodelle und -wege richtig sein können und es neben dem idealen Standard weitere richtige Herangehensweisen an das Leben gibt.
Du schreibst, dass Du nach dem „Büro“ noch kochst. Einfache Gerichte. Weil’s für mehr nicht mehr reicht. Was machst Du den ganzen lieben langen Tag „im Büro“?
Oh je, Du hast die alte About-Seite gelesen. Damals lag der Fokus – sowohl sprachlich als auch kulinarisch – auf dem schnellen Hopplahopp, das ist ja nun heute anders. Und da Du „ins Büro“ in Anführungszeichen setzt, dämmert mir, dass man das so nicht im ganzen Bundesgebiet sagt? Muss dann wohl etwas Süddeutsches sein… Ganz einfach gesagt schreibe ich Bedienungsanleitungen. Als Technische Redakteurin arbeite ich in einem medizintechnischen Unternehmen und kümmere mich da um alles, was mit eben diesem Thema zu tun hat. Es ist ein Beruf, in dem sich vieles um Standardisierung und Strukturierung handelt, in dem Informationen gesammelt, bewertet und so aufbereitet werden müssen, dass sie demjenigen, der diese Begleitpapiere, wie sie so schöne heißen, in der Hand hat, helfen.
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Was hat das, was Du „im Büro“ tust, mit dem, was Du einst gelernt resp. studiert hast, zu tun? Was hast Du gelernt/studiert?
I look like an Engineer. Und tatsächlich bin ich das auch. Ich habe zuerst Product Engineering mit Schwerpunkt Dokumentation und Kommunikation studiert und später noch strategisches Informationsmanagement darauf gesetzt. Der berufliche Weg ist da relativ klar vorgegeben, die Branche dagegen nicht. Ob nun Maschinenbau, Automobilindustrie oder Gebrauchsgüter, überall müssen Wissen und Informationen erfasst und so verarbeitet werden, sodass sie der relevanten Zielgruppe zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung gestellt werden können. 
Lebst du schon immer in Augsburg? Und welche Orte magst du dort am liebsten?
Nein, ich bin erst 2006 nach Augsburg gezogen. Eigentlich arbeitete ich zu der Zeit in München, konnte mir dort aber keine lebenswerte Wohnung leisten. Und da man ja gerne sagt, dass das schönste an Augsburg der Zug nach München sei, fiel die Entscheidung dann relativ leicht, nach Augsburg zu ziehen. Die Stadt hat dabei aber viele und weitaus schönere Dinge zu bieten als den Zug in die Landeshauptstadt. Besonders gut lässt sich zum Beispiel gerade jetzt im Sommer die Zeit im Siebentischwald verbringen, der durch seine vielen Bäche und Seen eine grüne Oase im Herzen der Stadt ist. Im Winter, dick eingehüllt in Schnee, ist er für Langläufer ein wahres Eldorado. Abgesehen davon mag mag ich die Innenstadt tatsächlich am liebsten. Ich mag, wie das Licht in der Früh um die Kurve am Dom fällt, ich mag die barocken Fassaden und Patrizierhäuser. Es gibt viele kleine Gärten wie den Hofgarten in denen sich hervorragend mit einem auf dem Stadtmarkt zusammengestellten Picknick die Zeit vertändeln lässt. Augsburg ist also meine (Wahl-)Heimat, eine nicht allzu große Stadt, in der meine Familie und meine Freunde leben. Und auch wenn Augsburg manchmal ein wenig kleingeistig wirken mag, kleinherzig ist es dabei nie.
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Kochen ist für dich…
…etwas alltägliches. Es ist das, was ich tun muss, um nicht nur Knäckebrot mit Margarine essen zu müssen, aber auch das, was ich tun möchte, um mich von einer Industrie, die nicht mein bestes im Sinne hat, unabhängig zu machen. Kochen ist aber auch eine Leidenschaft die ganz im Gegensatz zum Loriot’schen „Essen dient der Ernährung. Man spricht nicht darüber“ steht. 
Was sind deine drei liebsten Kochbücher? Und warum?
Luise Haarer: Kochen und Backen nach Grundrezepten
Mein Standard-Kochbuch, in dem alles steht, was man wissen muss, wenn man so kochen möchte, wie die eigene Großmutter. Luise Haarer, 1892 in Bad Urach geboren, hat dieses Buch 1932 zum ersten Mal publiziert und daher nicht nur ein Kochbuch, sondern auch ein kurioses Buch, dass die Befindlichkeiten der Zeit widerspiegelt. Ich besitze eine Auflage aus dem Jahre 1953, es ist zerfleddert und zerlesen und ein guter Wegweiser in großen und kleinen Küchenfragen.
Yotam Ottolenghi: Genussvoll vegetarisch
Ein grauenhafter Titel, ein furchtbarer Einband, eine kulinarische Offenbarung in jedem einzelnen Rezept. Auch wenn es 2015 nicht mehr durch die Foodblogs geistert, ist es immer noch das Buch aus dem ich am häufigsten koche.
Indien: Pushpesh Pant
Der Wälzer unter meinen Kochbüchern, eine Fundgrube großartiger und authentischer Rezepte. Das Buch macht es dem Leser allerdings nicht leicht – man sollte sich mit Indien und der reichhaltigen und vielfältigen Küche des Subkontinents auskennen um hier zu einem gelungenen Abendessen zu finden.
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Zum Schluss für meine Leser/innen und für mich: Dein aktuelles Lieblingssommer-Rezept ist?
Auch wenn der Sommer gerade eine hoffentlich kurze Pause einlegt, für mich ist es eine kalte Melonensuppe. Sie ist schnell zusammengemixt, erfrischt und somit genau das Richtige: 
  • 1 geschälte Gurke
  • das Fruchtfleisch einer Netzmelone
  • 2 Stängel Sellerie
  • 1/2 grüne Chili 
  • mit einem Tee aus Zitronengras und Ingwer pürieren. 
  • Mit Salz und Apfelessig abschmecken, 
  • noch mal in den Kühlschrank und dann 
  • eiskalt genießen. 

Mehr braucht es nicht.
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Es gehört schon eine Portion Mut dazu. Fee war mutig. Am 29. Juli erzählte sich auf ihrem Blog die Geschichte ihrer Essstörung. Sie hat mich sehr berührt und Erinnerungen an meine Geschichte wachgerufen. So entstand die Idee zum „Zwiegespräch“: Während Fee hier und heute tiefere Einblicke in ihre Vergangenheit gibt, erzähle ich bei ihr über meine Erfahrungen. Hier wie dort beginnt die neue Woche also mit weniger „leichter Kost“. Und doch lässt sich unser Zwiegespräch – um im Bilde zu bleiben – recht gut verdauen, denn es sind zwei Geschichten mit „Happy End“. 
In diesem Sinne einen bekömmlichen Start in die KW 33. Und 1.000 Dank an dich, liebe Fee, für die feinsinnigen Antworten und klugen Fragen. [Hier geht´s zu Fees Zwiegespräch mit mir.]

PS: In der Wochenendausgabe der SZ gab es einen guten Artikel zur Frage, wie wir uns in unserem Körper wohlfühlen könnten.

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Wenn deine Essstörung ein Tier wäre, welches und wie wäre es?
Das ist eine unheimlich schwierige Frage. Ich habe lange darüber nachgedacht. Ich würde sagen, meine Essstörung ist ein Tintenfisch. Der gewöhnliche Tintenfisch hat nämlich eine ganz perfide List auf Lager. Innerhalb von Sekundenbruchteilen ist er in der Lage nahezu jede Stelle seines Körpers zu verfärben. Um seine Opfer zu „hypnotisieren“, setzt er eine Art pulsierende „Lichtshow“ ein, die zum Beispiel Krabben so fesselt, dass sie bewegungslos zusehen und sich wenig später wehrlos in den Tentakeln des Angreifers wiederfinden. Auch die Essstörung gaukelt seinem „Opfer“ vor, wunderschön zu sein. Sie erscheint als eine Art Lösung für andere Probleme. Und sie ist eine vermeintlich einfache Lösung. Man ist völlig darauf fixiert. So lange man noch „weglaufen“ könnte, ist man geblendet. Und wenn es dann zu spät ist, kann man sich aus eigener Kraft kaum noch befreien.
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Du schreibst, dass der Kontrollverlust das Schlimmste an der Essstörung war und der Anlass, dir professionelle Hilfe zu nehmen. Ich kenne diesen „totalen Kontrollverlust“ nicht wirklich. Wie fühlte sich das an? Was machte ihn so unerträglich?
Ich glaube, das kann man kaum nachvollziehen. Es ist ein Zustand absoluten Ausgeliefertseins. Man denkt nicht mehr. Man macht nur noch. Die Wahrnehmung ist fixiert auf den nächsten Schritt und der heißt Essen. So viel wie irgend möglich. Bis zu einem Punkt, wo nichts mehr geht. Irgendwelche niederen Instinkte übernehmen in der Zwischenzeit den Körper und blenden jegliches bessere Wissen aus. Bis man völlig überfressen und bewegungsunfähig zurückbleibt. In der größten Scham, die man sich nur denken kann. Das führt dann (mehr oder weniger) langfristig zu einem sozialen Rückzug. Schon während meiner Magersucht war ich kaum noch zu sozialen Kontakten fähig, ich hatte aber immer noch das Gefühl zu funktionieren. In meiner Phase der Fressanfälle, ging auch diese letzte Sicherheit flöten. Ich hatte das Gefühl, weder Herr über meinen Körper, noch über meine Gedanken sein. Ich fühlte mich wie fremdgesteuert. Es war die Hölle. Während ich zu Zeiten der Magersucht meine Entwicklung und meine Gedanken immer mit einer analytischen Ruhe von außen betrachtet hatte, lag ich nun ganze Abende völlig aufgelöst und schluchzend im Bett und wusste nicht weiter. Ich hatte absolut keine Perspektive. Ich sah mich nicht in der Lage, die Situation irgendwie in den Griff zu bekommen.
Wie würdest du dein Verhältnis zu deinem Körper heute beschreiben? Was hat sich verändert?
Ich kann leider nicht behaupten, vollständig mit meinem Körper im Reinen zu sein. Ich mag mein Gesicht, das hilft enorm beim täglichen Blick in den Spiegel. Und oft kann ich auch gänzlich hineinsehen und bin zufrieden. Zu häufig jedoch hänge ich mich immer noch an Kleinigkeiten auf, vor allem an meinen Beinen, meinem Bauch und meinen Armen, vor allem seit sie durch die viele Spritzerei durch meine MS-Erkrankung dauerhaft ziemlich in Mitleidenschaft gezogen sind. Das Gefühl machtlos zu sein, nicht mal etwas ändern zu können, wenn ich es wollte, ist manchmal etwas schwierig. Ich wünschte, es wäre anders. Aber ich weiß heute, dass alles, was ich meinem Körper angetan habe, in dem Wunsch glücklicher mit ihm zu sein, mich nur noch unglücklicher gemacht hat. Unglücklich auf einem ganz anderen Level. Ich weiß, dass eine grundsätzliche Körperform einfach gegeben ist und dass ich damit auch mit aller Kraft nichts ändern kann. Und ich weiß, dass der eine Körper alles ist, was ich habe, dass er schon genug durchmachen musste und muss und dass ich ihn besser gut behandle, damit ich noch lange etwas von ihm habe. Ich schaffe es mittlerweile daher ganz gut, „doofe Gedanken“ wegzuschieben. Vieles ist eine Frage der Wahrnehmung und des Wollens. Wenn ich mich dafür entscheide, mich heute schön zu finden, strahle ich das auch nach außen aus. Das wiederum führt zu positivem Feedback von außen. Und das wiederum ist Balsam für die eigene Seele.
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Wie würdest du dein Verhältnis zum Essen beschreiben? Und wie hat sich das verändert?
Ich kann zum Glück sagen, dass ich heute wieder genießen kann. Ohne Hintergedanken. Ich esse alles, was ich möchte. Ich finde Essen großartig. Ich kann aber auch aufhören, wenn ich satt bin. Und wenn ich es nicht tue, einfach weil es so gut schmeckt, dann entscheide ich mich bewusst dafür. Ich liebe Süßes und backe immer nur den ungesundesten Kram. Ich esse gerne mal eine Currywurst mit Pommes. Genauso gerne esse ich aber auch einen Salat oder Obst. Ich ernähre mich ausgewogen, aber ohne jeglichen Druck. Es ist ein natürliches Gleichgewicht und es ist ein wunderbares Geschenk, dass mein Körper in der Lage dazu war, wieder zu diesem Gleichgewicht zurückzufinden. Vielleicht genieße ich heute durch meine Erfahrungen sogar bewusster. Ich möchte allerdings nicht ausschließen, dass die Essstörung noch irgendwo in mir schlummert. Zwar bin ich seit Jahren sehr entspannt, was mein Essen angeht, aber es ist durchaus denkbar, dass dieser Zustand daran gekoppelt ist, dass ich grundsätzlich glücklich bin. Vor allem meine Beziehung spielt dafür eine große Rolle. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, wenn mir diese Sicherheit genommen würde oder etwas anderes Schlimmes in meinem Leben passieren würde. Möglich, dass dann alte Muster wieder aufbrechen würden. Die Frage wäre dann, ob ich die Kraft hätte, sie zu erkennen und dagegen anzukämpfen oder mich ergeben würde. Angesichts der Tatsache, dass ich meine MS-Diagnose so gut weggesteckt habe, bin ich aber optimistisch.
Die „Magersucht-Phase“ beschreibst du als weniger schlimm, da du das Gefühl hattest, noch zu „funktionieren“. Was meinst du mit „funktionieren“?
Funktionieren bedeutete in diesem Fall: Ich ging zur Uni, besuchte Seminare und Vorlesungen und schloss sie mit guten Noten ab. Ich hatte einen Nebenjob, den ich nach bestem Wissen und Gewissen ausfüllte. Ich hatte sogar sowas wie ein soziales Leben. Zwar deutlich eingeschränkt, weil ja alles, was mit Essen zu tun hatte, meiner Kontrolle unterliegen musste und „spontan“ in meinem Wortschatz daher so gut wie nicht vorkam, aber es existierte. Ich hatte Freunde und Bekannte unter meinen Kommilitonen, nicht übermäßig viele, aber auch nicht wenige. Solange alles in absehbaren Mustern und Bahnen verlief, konnte ich fast den Eindruck erzeugen, „normal“ zu sein. Ich lachte und scherzte, vermutlich erweckte ich auf den ersten Blick sogar den Eindruck nett, witzig und gesellig zu sein. Ich erfüllte Erwartungen. Von Dozenten, von Arbeitgebern, von der Familie, von mir selbst. Ich war ein Rädchen im Getriebe, das nicht aus dem Rahmen fiel, und alles am Laufen hielt. Aber eben nur nach außen hin…
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Wie war diese Episode deiner Essgeschichte?
… nach innen sah es eben ganz anders aus. Obwohl mir das erst später so richtig klar wurde. Alles, was ich tat, war mit Kontrolle und Zwängen besetzt. Zwar hatte ich das Gefühl auch innerlich zu funktionieren, aber eben nur nach meinen kranken Maßstäben und die hatten eher mich im Griff als ich sie. Ich hatte feste Rituale, wie die tägliche Beschäftigung mit Rezepten, dem Besuch im Supermarkt, die Vorbereitung meiner Mahlzeiten für den nächsten Tag, damit ich eben auch während der Uni und der Arbeit etwas zu essen hatte und nicht in die „Verlegenheit“ kam, irgendwo etwas essen zu müssen, das ich nicht selbst zubereitet und damit grammgenau auf Kalorien gecheckt hatte. Solange das funktionierte, war „alles gut“. Wenn nicht, geriet mein fragiles Gleichgewicht aus den Fugen. Innerlich stürzte alles zusammen und lauter unter der Kontrolle begrabene Ängste fluteten meine Wahrnehmung. Das durfte also nicht passieren. Und meine Vermeidungsstrategien funktionierten „erstaunlich gut“. Das hieß zwar auch, dass ich meine Freunde und Bekannten außerhalb der Uni kaum sah, denn dafür hätte ich mich ja ins Ungewisse begeben müssen und vor allem hätte ich in meinem von Essen bestimmten Leben erst mal Zeit dafür finden müssen. Aber selbst das hielt ich auf einem (zwar extrem niedrigen, aber existenten) Level aufrecht. Irgendwie „funktionierte“ also alles. Zumindest schaffte ich es jahrelang, mir das erfolgreich einzureden. Ich nahm nicht weiter ab, ich nahm nicht weiter zu. Alles war unter Kontrolle. Bis ich irgendwann merkte, dass die Kontrolle und das „Funktionieren wollen“ zwei der wesentlichen Probleme waren. Und dadurch begab ich mich in meine erste, damals noch ambulante, Therapie.
Wie würde aus der Mager- eine Esssucht?
Die Antwort auf diese Frage fällt mir tatsächlich schwerer als andere und die paar Absätze, die ich dazu in meinem ursprünglichen Post verloren habe, sind so reflektiert es nur geht. Im Gegensatz zu vielen anderen Magersüchtigen war ich nie der Typ, der in den Spiegel geschaut hat und das, was er sah, gut fand. Oder sogar noch dünner werden wollte. Ich fand Teile von mir gut, aber ich fand auch Teile von mir gut, bevor ich abgenommen habe. Vielmehr schaute ich in den Spiegel, sah Haut und Knochen und dachte: „Meine Fresse, du bist echt zu bemitleiden, schön ist etwas anderes!“ Das allerdings half mir noch nicht, den Absprung zu kriegen. Ich hatte Angst die Kontrolle gehen zu lassen. Sie erschien mir als das einzig Sichere in meinem Leben, etwas woran ich mich festhalten konnte. Als ich dann in die ambulante Therapie gegangen bin und mein Therapeut mich dazu anhielt zuzunehmen, fühle ich mich in seiner Obhut sicher. Ich habe ihm vertraut und die Sicherheit, die die Essstörung mir gab, daher Schritt für Schritt abgegeben. Das Problem war allerdings, dass hier mehr die rein körperlichen Probleme behandelt wurden, weniger die seelischen dahinter. Und als ich dann wieder ein Gewicht erreicht hatte, das ich nicht überschreiten wollte, das Gewicht sich aber nicht daran hielt, weil ich in meiner neugewonnenen „Freiheit“ einfach viel mehr aß, als ich gebraucht hätte, merkte ich, dass die „Sicherheit“ der Therapie mir nicht ausreichte. Und dann schlug es um. Ich kann es gar nicht genau beschreiben. Es ging wirklich sehr plötzlich. Von jahrelangem sehr kontrolliertem und restriktivem Essen über ein paar Monate halbwegs normales Essen, aber ohne normales Sättigungsgefühl, was dadurch auch wieder nicht normal war, hin zu Fress-Exzessen mit der Aufnahme tausender Kalorien in kürzester Zeit. Tagsüber versuchte ich wieder in die alten Rhythmen zurückzufinden, was meist eine Zeitlang funktionierte, aber dann wurde der Wunsch doch mehr zu essen irgendwann zu groß und ich gab mich ihm hin. Und sobald ich die von mir selbst auferlegte Kaloriengrenze überschritten hatte, war mir alles egal. Dann galt für diesen Kalendertag „Was rein geht, geht rein. Nimm mit, was du kriegen kannst. Denn morgen musst du wieder stark sein.“ Ich weiß aus meiner stationären Therapie, dass ich damit vielen anderen Magersuchts-Patienten unfassbare Angst gemacht habe. Mein Erlebtes war ihre Horrorvorstellung, weshalb sie sich gegen ein Zunehmen wehrten. Rückblickend bin ich jedoch froh, dass es so gekommen ist. Ich glaube, „so herum“ war es für mich wesentlich einfacher aus der Essstörung heraus zu kommen. Und wer weiß, wie lange ich sonst noch mit der Magersucht herumgekrebst hätte, in dem Glauben, das schon alles „irgendwie“ in den Griff zu bekommen…
Du bist in eine Spezialklinik gegangen, um aus der Essstörung herauszufinden. In welcher Klinik warst du? Und wie war die Zeit dort?
Ich war in der „Klinik am Korso“ in Bad Oeynhausen, die sich speziell mit Essstörungen befasst, nach eigener Aussage ist es sogar die einzige Klinik in ganz Europa, die sich ausschließlich mit Essstörungen beschäftigt. Und ich würde sie uneingeschränkt weiterempfehlen. Ich habe mich dort jederzeit gut betreut, behandelt und verstanden gefühlt. Zwar bin ich danach nicht vom einen auf den anderen Tag gesund gewesen, aber ich denke, der Aufenthalt war der Wendepunkt in meiner persönlichen Geschichte. In meinem Essstörungspost, der das Interview hier ausgelöst hat, habe ich schon ein bisschen was über den Alltag, das Programm dort und meine gewonnenen Erkenntnisse berichtet. Ich denke, ein wichtiger Punkt war die Sicherheit, die einem dort geboten wurde. Feste Strukturen und Ansprechpartner gaben eine gewisse Geborgenheit, in deren Schutz es möglich war, eigene Grenzen zu überschreiten und Mechanismen neu zu lernen. Auch die Atmosphäre unter den Patienten war toll. Ich kann mich an keine Probleme erinnern, eher an eine Welle gegenseitiger Hilfe und Sympathie. So unterschiedlich unsere Geschichten und Persönlichkeiten waren, so gab es doch auch viel Verbindendes. Zwar gibt es sicher auch viele Schnittmengen zu anderen psychischen Erkrankungen, aber ich denke schon, dass die spezielle Ausrichtung auf Essstörungen es hier wesentlich leichter macht gesund zu werden. Einerseits durch die fachlichen Kompetenzen der Mitarbeiter, die sich fokussieren und viel intensiver auseinandersetzen können, andererseits aber auch durch das Gemeinschaftsgefühl der Patienten.
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Was glaubst du, können Eltern tun, damit ihre Kinder keine Essstörung entwickeln?
Das ist eine sehr schwierige Frage und angesichts dessen, dass ich keine Kinder habe, wage ich es auch nicht, mir anzumaßen, was Eltern tun können und was nicht. Ich glaube, dass es eine große Herausforderung ist, Eltern zu sein, und dass man nicht alles richtig machen kann. Vielleicht ist das sogar der Fehler, alles richtig machen zu wollen. Weil es Druck aufbaut und kontrollieren will, was nur begrenzt zu kontrollieren ist. Aber trotzdem, wenn ich auf meine eigenen Erfahrungen und die meiner Mitpatienten zurückblicke, würde ich mehrere Punkte auf verschiedenen Ebenen als wichtig ansehen:
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Rein Körperlich gesehen, ist es natürlich erst mal am schönsten, wenn man eine Zufriedenheit mit sich selbst vorleben kann. Aber da das ja nicht immer (oder nur selten) einfach so geht, sollte man seine eigene Unzufriedenheit zumindest nicht mit und vor dem Kind zum Thema machen. Noch viel weniger sollte man ein vermeintliches Schönheitsideal an das Kind ansetzen und es schon in seiner Jugend zu einem ungesunden Körperbild drängen. Vielmehr sollte man dem Kind vermitteln, dass es schön und wertvoll ist, so wie es ist (zumindest so lange gesundheitlich alles unbedenklich ist). Auch vermeintlich nicht böse gemeinte Scherze oder Sprüche in Bezug auf das Gewicht („Na, du Moppelchen“) sind oft Gift. Solange es möglich ist, sollte ein möglichst entspannter und natürlicher Umgang mit dem Körper und mit dem Thema „Essen“ fokussiert werden. Und wenn die Körperlichkeit dann irgendwann von außen problematisiert wird, dann muss das Kind in Bezug auf diese Angriffe gestärkt werden oder am besten schon gestärkt sein.
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Das wäre dann Punkt 2) Die Stärkung des Selbstbewusstseins. Hier ist es, denke ich, wichtig, dem Kind zu vermitteln, dass es einen eigenen Wert hat und dafür keine Ziele erreicht werden müssen. Dass man es liebt, so wie es ist. Dass es viel kann. Und man es dabei unterstützt, was es kann und liebt. Ohne es unter Druck zu setzen oder Erwartungen zu schüren. Oder indem man eigene Wünsche in das Kind projiziert. Das nimmt dem Kind im Idealfall den Druck, sich schon in der Familie beweisen zu müssen, beziehungsweise das Gefühl unzulänglich oder nur unter gewissen Voraussetzungen „gut genug“ zu sein, auch wenn das vielleicht gar nicht beabsichtigt ist. Andererseits kann es dem gesellschaftlichen Druck, der ohne Zweifel irgendwann kommt (und das nicht nur in körperlicher Hinsicht), gut oder zumindest besser standhalten. Dabei sollte es natürlich nicht darum gehen, ein eingebildetes, egozentrisches Arschloch-Kind heranzuzüchten, sondern eins, das die gleichen Werte und die gleiche Liebe auch an seine Mitmenschen ansetzt. Aber das versteht sich hoffentlich von selbst.
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Mit dem heutigen Blick hinter ein Blog endet die Ferienzeit und beginnt M i MAs ‚Männerwoche‘. Die nächsten Tage dreht sich hier alles um Männer. Den Anfang macht Björn. Der 24jährige Masterstudent aus Charlottenburg betreibt seit 2011 das Foodblog Herzfutter und bestätigt, was Profi-Blogger/innen seit langem sagen: Die Basis allen Bloggens ist die Leidenschaft.*

Auf seinem Blog vereint Björn seine Leidenschaft für gutes Essen, für Design und Fotografie. Sein Werdegang zeigt außerdem, was Professionalisierung – nicht nur, aber eben auch – in der Blogosphäre bedeutet: der Weg vom Hobby zur Profession. Während der Sohn einer Ökotrophologin anfangs nur Rezepte für seine Freunde notierte, hat er sich im Laufe der Jahre zum Herausgeber eines persönlichen Online-Magazins gemausert. Den Anstoß für diese Entwicklung gab die Erkenntnis, dass sein Blog nicht nur im Freundeskreis Anklang findet, sondern bei auch Leser/innen jenseits des Privaten. Im Bewusstsein dieser Öffentlichkeit und motiviert durch das positive Feedback hat er sich zum Texter, Fotografen, Grafiker und Marketingmanager weitergebildet. In unserem Montagsinterview erzählt er, wie es dazu kam und wie er all seine Leidenschaften unter einen Hut bekommt. Außerdem verrät er uns, was ihn von Bielefeld nach Berlin gebracht hat und was er in und an Charlottenburg schätzt.

Hab´vielen Dank, Björn, für das schöne Gespräch! Euch wünsche ich eine spannende Lektüre und einen guten Start in die erste Augustwoche.

*Das war meine Zentralthese beim 1. journalist Blog-Camp und Clara von Tastesheriff hat die Bedeutung der Leidenschaft fürs Bloggen kürzlich noch mal unmissverständlich klargemacht.

Lieber Björn, magst du dich selbst kurz vorstellen? 
Ich will versuchen mich einmal mit wenigen Worten vorzustellen. Fangen wir mit den Fakten an: 1990 in Kassel das Licht der Welt erblickt, aufgewachsen in einer kleinen  Stadt namens Melsungen, das Bachelorstudium in Bielefeld absolviert und nun für  das Masterstudium nach Berlin gezogen. Ich versuche immer positiv und mit jeder Menge Lebensfreude durch das Leben zu gehen. Meine Leidenschaft für gutes Essen und dessen Zubereitung sowie das Schreiben darüber nehmen einen Großteil meines Lebens ein. Das führt dazu, dass ich nicht nur ständig vor dem Rechner hocke und hinter dem Herd stehe, sondern auch stets mit offenen Augen durch die Welt spaziere – immer auf der Suche nach neuen kulinarischen und kreativen Inspirationen. 
Du bist studierter Kommunikationsdesigner. Wie und wo arbeitest du in deinem Beruf? 
Richtig, ich bin studierter Kommunikationsdesigner. Während meines Designstudiums in Bielefeld habe ich mich selbstständig gemacht und verschiedene Projekte für die unterschiedlichsten Kunden umgesetzt. So entstanden spannende Fotografien, jede Menge Werbemittel und außerdem wurden in mühsamer Kleinarbeit Fotografien aufgehübscht – denn das Thema Fotografie inklusive Bildbearbeitung war immer einer meiner Schwerpunkte. Ich spreche in der Vergangenheit, denn seit ich im Oktober 2013 nach Berlin gezogen bin, habe ich mich vorerst aus dem Berufsleben des Grafikdesigners zurückgezogen. In Berlin ist die Konkurrenz einfach zu hoch und neue Kontakte müssen erst aufgebaut werden. Zudem widme ich momentan meine komplette Zeit meinem Blog und meinem Masterstudium – Medien- und Kommunikationsmanagement.
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Woher kommt deine Leidenschaft für gutes Essen? 
Ich glaube fest daran, dass in jedem Menschen diese Leidenschaft für gutes Essen steckt. Wer will schon „schlechtes“ Essen zu sich nehmen? Aber bei mir persönlich trifft meine Mutter vermutlich ein großer Teil der Schuld. Als Ökotrophologin legte sie schon immer viel Wert auf gute und gesunde Ernährung. Außerdem ist sie natürlich die beste Köchin und Bäckerin der Welt. Selbstredend, oder? Schon früh stand ich neben ihr in der Küche und habe geholfen, wo es nur ging. Da überrascht es auch nicht, dass ich bereits als Jugendlicher erste Gerichte und Kuchen alleine zubereiten konnte. 
Was gab 2011 den Anlass, Herzfutter ins Leben zu rufen und wie hat sich dein Blog seitdem entwickelt? 
Wie in der vorherigen Antwort beschrieben, habe ich schon sehr früh die Leidenschaft für das Kochen und Backen entwickelt. Nach dem Auszug aus dem Elternhaus habe ich diese Leidenschaft voll und ganz ausgelebt. Meinen Freunde wurden dann die Kreationen aus der Küche vorgesetzt. Immer wieder kam anschließend die Frage nach den Rezepten. Ein Blog war für mich die einfachste Möglichkeit, meine Rezepte aufzuschreiben und mit meinen Freunden zu teilen. Dass neben meinen Freunden auch mir völlig fremde Menschen Interesse an meinen Rezepten haben könnten, ist mir überhaupt nicht in den Sinn gekommen. Daher legte ich zum Anfang auch keinen großen Wert auf Design und aufwändige Fotos. Dies hat sich mittlerweile komplett geändert. 
Was macht das Bloggen für dich aus? 
Das Bloggen ist für mich Ausdruck meiner Leidenschaften. Es vereint die Leidenschaft für gutes Essen mit der Leidenschaft für Design inklusive schöner Fotografien. Der Blog ist zudem ein kleiner Anfang meines Traumes, ein eigenes Koch- und/oder Backbuch zu schreiben. Beim Bloggen generell ist es unglaublich schön, wenn ich von meinen Lesern positives Feedback bekomme und merke, dass es Leute gibt, die gut finden, was ich mache. Außerdem konnte ich durch den Blog viele neue, spannende Bekanntschaften machen und neue Erfahrungen sammeln.
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Du lebst in Charlottenburg. Wie und warum? 
In Charlottenburg wohne ich in einer kleinen Einzimmerwohnung mit einer viel zu kleinen Küche. Die Frage nach dem „Warum“ werde ich immer wieder gefragt. Schließlich zieht niemand freiwillig nach Charlottenburg. Und doch, ich ziehe freiwillig in diesen Stadtteil. Ich finde es schön, dass es hier etwas ruhiger zugeht. Wenn ich mich nach dem „wildem“ Berlin sehne, steige ich einfach in die U-Bahn. Anschließend freue ich mich dann wieder auf meine Ruhe und meine Rentner. In wenigen Minuten bin ich an der Spree, in der nächsten Einkaufsstraße, am Kudamm oder im großen und wunderschönen Schlosspark. Na, und lecker essen gehen kann man hier natürlich auch, das ist schließlich eines der wichtigsten Kriterien. 
Man munkelt, Charlottenburg wird das neue Prenzlauer Berg. Wie schätzt du das ein? 
Davon habe ich noch nichts gehört und nach meinen persönlichen Beobachtungen würde ich diese Behauptung auch eher verneinen, aber wer weiß? Fakt ist auf jeden Fall, dass hier langsam, aber sicher einige Veränderungen stattfinden – das beste Beispiel ist das neue Shoppingcenter „Bikini“, welches man eher in anderen Stadtteilen vermuten würde.
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Bikini Berlin: Westeingang | Credits: Bayrische Hausbau | Fotograf: Franz Brück | Quelle: Bikini Berlin

Was sind deine Charlottenburger Lieblingsorte? 
Das eben genannte Shoppingcenter „Bikini“ finde ich großartig zum Bummeln, um sich inspirieren zu lassen, den Affen beim Toben zuzuschauen und vielleicht sogar das ein oder andere in die Shoppingtasche zu stecken. Zum Entspannen liebe ich den Park des Schlosses Charlottenburg oder einfach das Spreeufer. Absolutes Lieblingsrestaurant ist das „Dreigut“ in der Uhlandstraße – kreative, leckere, deutsche Küche mit den besten Weinen Berlins. Wer eine kleine Ladung Kultur möchte – der Zoopalast ist wirklich das schönste Kino Berlins mit den äußerst bequemen Sesseln und der wunderschönen Innengestaltung mit sehr viele Liebe zum Detail. Oder auch sehr wundervoll und amüsant ist das Kabarett „Klimperkasten“ im Ratskeller der Charlottenburger Rathauses. 

Und zum Schluss: Welches Rezept empfiehlst du mir und meinen Leser/innen an einem heißen Sommertag? 
An einem heißen Sommertag sollte man es sich mit einer kalten Limonade und einem leckeren Stück Bienenkokosstich mit Obst nach Wahl auf dem Balkon oder am Spreeufer bequem machen. Einfach nicht bewegen und nur genießen.
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Vipp, Brunch-Set, Annemette Kissow, M i MA, Kopenhagen, Keramik
Heute gibt es kein Exemplar aus Mas Malmappe, aber ein nicht weniger verspieltes Werk. Eigentlich wollte ich nur mein neues Lieblingsgeschirr fotografieren. Doch das Brunch-Set von Vipp, entworfen von der Kopenhagener Keramikerin Annemette Kissow, hat mich mit seinen schlicht-geometrischen Formen einfach inspiriert – oder vielleicht besser: meinen Spieltrieb geweckt.

PS: Erkennt ihr, was die einzelnen „Bauteile“ eigentlich sind (Tasse, Teller etc.)?

Vipp, Brunch-Set, Annemette Kissow, M i MA, Kopenhagen, Keramik, Bausteine, Spieltrieb