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Design

Madeleine textet. Fine zeichnet. Aus Text und Zeichnung werden Möglichkeitsräume, aus Madeleine und Fine werden Matrosenhunde. Die Matrosenhunde haben ihren Hauptsitz in der Sonnenallee in Berlin-Neukölln, ein Ort, der für manche Menschen eine No-go-Area ist. Fine und Madeleine texten und zeichnen hier u.a. für Verlage und Theater. Ich mag ihre Arbeiten sehr; sie haben eine ganz eigene Ironie. Sie ist gleichzeitig heiter und traurig, leicht und schwer. Der Verleger Robert Eberhardt spricht von »Poesie und Zweideutigkeit« und findet, es sei ein großes Glück, wenn das eigene Dasein wie die Kunst der Matrosenhunde davon durchzogen wäre. Dem kann ich nur zustimmen – und mich freuen, dass die Zwei heute zu Gast bei mir sind.

In unserem Gespräch geht es unter anderem um die »unbeobachteten Kippstellen im Leben«, die Lust am Wandel und den passenden Umschlag zum aktuellen Weltgeschehen. Vielen Dank, liebe Fine und Madeleine, für das inspirierende Gespräch, mit dem ich allen einen glücklichen Start in die KW 10 wünsche.


»Ich glaube, dass die großen Veränderungen im Leben immer in kleinen Momenten passieren. Beim Schuhezubinden, Müllrausbringen oder Nicht-ans-Telefon-gehen.« Madeleine


Als Matrosenhunde fokussiert ihr den Zwischenraum von Bild und Text. Was zeichnet diesen Raum aus?

Fine: Als Grafikerin und Zeichnerin hab ich mir immer ein Gegenüber gewünscht, mit dem ich kommunizieren und Gedanken größer spinnen kann. Wir reden ja, während Madeleine textet und ich zeichne, nicht über unsere jeweiligen Beweggründe – und dann entsteht durch die Verknüpfung unsere Ausdrucksformen etwas Neues, Eigenes. Ich finde das elektrisierend.

Euer Studio ist mitten in Neukölln. Was zeichnet diesen Raum aus?

Fine: Es ist schon manchmal hart, gerade in der Sonnenallee – hier prallen Welten aufeinander: auf der einen Seite die gewachsene Armut und auf der anderen Seite die jungen, enthusiastischen Kreativen, die versuchen, eine schönere, bessere Welt zu schaffen. Oft mithilfe von öffentlichen Geldern oder Zuschüssen. Das Neuköllner Jobcenter hat den größten Bereich für Selbstständige in ganz Berlin. Gleichzeitig werden überall die (Gewerbe-)Mieten teurer, ohne dass irgendetwas für den Stadtteil getan wird. Das schürt gegenseitige Ablehnung. Gerade erst habe ich eine ehemalige Kommilitonin getroffen und mich über den Kasper gefreut, den sie am Böhmischen Platz ans Puppentheater gemalt hat. Nächste Woche wird der überstrichen, weil er nicht zum schicken neuen Rixdorfer Image passt.

Madeleine: Was unser Studio konkret angeht, sind wir gar nicht an eine bestimmte Umgebung gebunden, wir hatten auch schon Arbeitsorte in einem Plattenbau auf der Prenzlauer Promenade, in einer umgenutzten Kohleofenwohnung im Winskiez oder »on the road«. Eigentlich brauchen wir nur einen Tisch und ein bisschen Platz zum Denken. Neukölln ist da eine Reibungsfläche, die nicht für jeden geeignet ist. Ich persönlich brauche oft Rückzug und Ruhe, daher mag ich das Tempelhofer Feld sehr. Das Nebeneinanderexistieren unterschiedlichster Lebensentwürfe ist hier in Neukölln schon sehr beeindruckend. Aber ich bin mir gar nicht sicher, ob dieses Nebeneinander auch irgendwann zum Miteinander wird, oder eher doch parallel bleibt.

Was sind die »unbeobachteten Kippstellen des Lebens zwischen Tür und Angel«? 

Madeleine: Ich glaube, dass die großen Veränderungen im Leben immer in kleinen Momenten passieren. Beim Schuhezubinden, Müllrausbringen oder Nicht-ans-Telefon-gehen. Beim Aus-dem-Zugfenster-gucken oder an der roten Ampel. Im Vorübergehen, im nicht definierten Zwischenraum. Diese Orte aufzuspüren, ist mir ein großes Anliegen. Genau hinzusehen und leise zu beobachten, wann etwas passiert. Denn Anfang, Mitte und Ende einer Geschichte obliegen auch immer demjenigen, der sie erzählt.

Fine du bist in Berlin aufgewachsen. Wie und wo? 

Ich komme aus Oberschöneweide, was zu Köpenick im Südosten Berlin gehört. Von damals habe ich wohl meine Liebe zur Industrie-Architektur. Zur Schule gegangen bin ich aber im bürgerlichen Friedrichshagen und in Oberspree. (Abitur habe ich übrigens in Schleswig-Holstein gemacht und kurz mal in Paris studiert. Ich musste aber immer so schnell wie möglich nach Berlin zurück.) Oberschöneweide hatte nach der Wende 30.000 Arbeitslose, das war schon heftig. Ich finde es schön, dass in den alten Fabrikhallen Ateliers entstanden sind, die FHTW mit ihren Studenten das Viertel neu belebt hat und viele Häuser renoviert wurden. Das war nötig. Aber auch hier muss achtsam mit den Bewohnern und ihren Möglichkeiten umgegangen werden. So ein Viertel, eine Stadt ist ja ein Makrokosmos, an dem sich ganz gut gesellschaftliche Entwicklungen ablesen lassen.

»Ich will so gerne alle Menschen mitnehmen und für Veränderungen begeistern. Zusammen kann so viel Großartiges entstehen, was alleine und auf egoistische Beweggründe fokussiert nicht möglich ist.«

Wie und wann sind aus dir und Fine zwei Matrosenhunde geworden? Und woher rührt der Name? 

Madeleine: Fine und ich kannten uns schon über eine gemeinsame Freundin und vom Zeitgenössischen Tanzen, auch das war schon eine Art stillschweigende Kontaktimprovisation. Was dann kommt, ist Geschichte: Im Sommer 2009 besuchten wir bei 48 Stunden Neukölln gemeinsam die Ausstellung einer Weißensee-Kommilitonin von Fine. Ich glaube fest daran, dass wir beim Bordsteinkantenbier beschlossen haben, eine Art Briefwechsel in Text und Bild zu starten und zu gucken, was passiert. Fine schwört darauf, dass der Grundstein für unser kreatives Ping-Pong bei Schnaps auf einem Hausdach gelegt wurde. Man weiß also nichts Genaues.

Dann haben wir angefangen, täglich abwechselnd Zeichnungen und Sätze hin- und herzuschicken, die jeweils aufeinander geantwortet haben. Daraus entstand unser erstes Buch – handgebunden im selbst hergestellten Leinenumschlag mit Siebdruckprint. Es hieß, der Titel lief mir einfach so zu: »Matrosenhunde, Kapitänsfrauen und der weiß lackierte Zaun«. Anderthalb Jahre später wurden wir mit einem Projekt zum Springhouse-Symposium in Dresden eingeladen und fortan und für immer »Matrosenhunde« genannt.

Was waren jeweils eure liebsten Kommunikationsprojekte und warum?

Beide: Unser liebsten Projekte waren die, bei denen wir unseren angewärmten Platz verlassen und uns auf die Suche nach neuen, anderen Wirklichkeiten begeben haben. Das war das wunderbare Zusammensein mit anderen Künstlern im Rahmen einer Residenz im Springhouse Dresden, ein Frühlingsausflug nach Madrid, bei dem wir unsere Begegnungen in Fax-Sendungen verarbeitet haben oder ein Aufenthalt in Brandenburg, zwischen Seen, Wäldern und Rinderherden. Denn auf der Suche nach den Augenblicken, die den Alltag bedeutsam machen, ist es immer eine gute Idee, irgendwohin zu fahren. Vielleicht auch nur mit der gelben Straßenbahn zum nächsten Segelsteg.

Gute Gestaltung – was ist das für euch? 

Fine: Das kommt darauf an. Spontan würde ich sagen, gute Gestaltung macht etwas mit mir: berührt mich, oder bringt mich zum Nachdenken, stößt im besten Falle etwas an. Und dafür fühlen wir uns hinein und recherchieren unabhängig voneinander oft zu denselben Themen. Wir nennen das unseren »unfreiwilligen Buchklub«, weil wir oft dieselben Bücher lesen; wenn die eine von einem Zeitungsartikel berichtet, hat die andere ihn oft auch gelesen und vollendet den Satz. Zurück zur Frage: Gute Gestaltung bemerkt man daran, dass sie sich nicht aufdrängt, das Sujet steht im Vordergrund. Immer.

Madeleine: Gute Gestaltung drängt sich nicht auf, sondern gibt ihrem Motiv Raum. Das heißt nicht, dass gute Gestaltung immer hintergründig sein muss, es darf auch knallen. Nur sollte es einen Grund dafür geben, das Design sollte nicht einfach nur sein Objekt maskieren. Für mich funktioniert Gestaltung eher wie Bildhauerei: Sie gibt einem Ding seine Gestalt, arbeitet die Besonderheiten heraus und macht organisch ein großes Ganzes daraus.


»Das aktuelle Zeitgeschehen wäre ein Roman, der allein haptisch verheißungsvoll von der Zukunft kündet, auf dass wir nicht resignieren, sondern Lust haben, morgen wieder aufzustehen und die Welt zu retten.« Fine


Die aktuelle Weltlage macht mich bisweilen sprachlos. Welche Worte und Beschreibungen fallen dir dazu ein?

Madeleine: Oh, auch ich verliere oft die Fassung und Formulierung. Mir kommt das alles oft so surreal vor, denn die grausame Banalität des Zeitgeschehens, mit dem wir doch angesichts unserer historischen Bildung anders, besser, weiser umgehen sollten als Gesellschaft lässt mich oft ratlos zurück. Ich finde die meisten Geschehnisse im Grunde erschreckend simpel und frage mich, wie Angst und Misstrauen begegnet werden kann. Es ist aber auch sehr schön zu sehen, wie Menschen sich positiv positionieren, Besonnenheit zeigen, Haltung beziehen und Werte hochhalten. Eine offene, humanistische und demokratische Gesellschaft nicht nur zu beschwören, sondern auch im Kleinen zu leben, halte ich für den wichtigsten Weg, weg von Bedrohung und hilfloser Ohnmacht.

Stell dir vor, das aktuelle Zeitgeschehen wäre ein Roman. Wie würdest du den Buchumschlag gestalten und welches wäre das richtige Versatzpapier dafür? 

Fine: In der Verlagsbranche reden ja immer viele Stimmen mit und entscheiden, wie Cover und Innensatz aussehen müssen. Avantgardistisches Design durchzuboxen ist dort oft sehr schwierig. Da es ja ein hypothetisches Cover ist und keine Kostengrenzen vorgegeben wurden, würde ich eine ordentliche Materialschlacht veranstalten. Ohne, dass man es merkt selbstverständlich. Titel, Autor und Verlagslogo würde ich gar nicht farbig drucken, sondern blind prägen auf dicke recycelte Pappe, ein schönes grobes Material. Formatfüllend. Es soll ja alles lesbar sein. In den Weißraum dazwischen (und auch über ein paar Buchstaben drüber) würde ich filigrane Zeichnungen relevant zum Inhalt setzen. In Rot. Mit rotem Kapitalband und rotem Buchleinen über der offenen Fadenbindung. Als Vorsatz wünsche ich mir ein handgeschöpftes Gewebe-Papier: Bei Tageslicht ist es grau mit kupferroten Einschüssen, aber wenn ich meine Nachttischlampe anknipse schillert mir der Regenbogen entgegen. Kurz: ein Roman, der allein haptisch verheißungsvoll von der Zukunft kündet, auf dass wir nicht resignieren, sondern Lust haben, morgen wieder aufzustehen und die Welt zu retten.

WestwingNow, Wohnen, Interior, HAY, Menu, Muuto, Normann Copenhagen

{Reklame} Wer mich bzw. M i MA kennt, weiß dass ich eine Vorliebe fürs Graue habe. Ich verbinde damit keineswegs die Eintönigkeit der „grauen Maus“ oder die fehlende Individualität der „grauen Masse“. Im Gegenteil. Für mich steht Grau für Vielfalt – für Vielfalt auf den zweiten Blick.

Was sich auf den ersten Blick als farbloses Einerlei zeigt, entpuppt sich beim zweiten Hinsehen als monochrome Vielheit: als Dunkel- oder Tiefgrau, Aschgrau, Hellgrau oder Taubengrau, als Schiefer-, Lava- oder Mausgrau etc. Ich mag diese „Grauzonen“. Keiner Wunder also, dass ich von meinem Streifzug durch WestwingNow vor allem Graues mitgebracht habe.

Die Bank Frame würde sich gut an unserer langen Flurwand machen, das Woll-Kissen Mingle auf unserem grauen Sofa Tom. Das Dosen-Set Peili  würde – wie der Jute-Teppich Mangrove – in unser schiefergraues Badezimmer wandern. Der Essig- & Öl-Spender Spoonless und das Handfeger-Set Sweeper & Funnel würden mit Schale Crenit einen Platz in unserer lavagrauen Küche bekommen. Vase Still und Stuhl Afternoon bekämen einen Platz am weißen Esstisch. Was meint ihr? Passt zu mir, oder? 😉

Hochzeitseinladung, Susanne Bauder, Serendipity Blog
Foto (c) Mirja Hoechst

Ohne Susanne {Serendipity-Blog} würde M i MA noch immer im alten Blogger-Gewand dasitzen. Sie hat den Umzug von einem System zum anderen organisiert – so reibungslos und fix, dass ich bisweilen kaum hinterherkam. Doch sie hat mich nie allein gelassen. Immer wenn ich wieder einmal nicht weiterwusste, wenn ich an stummen Registratoren oder stockenden Domaintransfers verzweifelte, hat sie mir auf die Sprünge geholfen.

Im heutigen Montagsinterview plaudert die studierte Grafikdesignerin und passionierte Handarbeiterin ein wenig aus dem Nähkästchen. Dabei geht es unter anderem um Wandlungen und WordPress, Wohnorte und Lieblingsmenschen.

Hab‘ vielen Dank, liebe Susanne, für das sommerlich-leichte Gespräch, mit dem ich allen einen ebensolchen Start in die KW 32 wünsche.

Sommerflirren

Web- und Grafikdesignerin, Bloggerin, Handarbeiterin – was ist Susanne Bauder noch?

Oh je, gleich die schwierigste Frage am Anfang! Wer oder was bin ich? Ich versuche mal ein paar Dinge zusammenzufassen: oft ungeduldig, aber meist nicht zielstrebig genug. Den Kopf voller Ideen, aber oft nicht genug Zeit sie umzusetzen. Ich wäre gerne mehr unterwegs, weiß aber dann nicht wohin oder bin schlichtweg zu bequem.

Ich mag Papier und schön Gedrucktes, bin ein haptischer Mensch. Ich fasse auch Kleidung immer erst an und kaufe oft Stoffe die sich einfach nur gut anfühlen – was ich draus nähe, entscheide ich dann spontan. Ich lese gerne, sehe gerne gute Filme und höre oft Musik, genieße es aber auch, wenn ich ganz ruhig irgendwo sitzen kann, ohne das alles. Ich liebe Tiere, oft vermisse ich meinen Hund, mit dem ich aufgewachsen bin und ich möchte einmal in meinem Leben Elefanten in freier Wildbahn sehen….

Wer noch ein paar ausführlichere Fakten über mich lesen vor kann ja mal auf meinem Blog vorbeischauen… 🙂

Du bist seit 2004 in der Kommunikations- und Werbebranche tätig. Welche Veränderungen sind dir in dieser Zeit besonders (positiv/negativ) aufgefallen?

Als ich noch in einer Werbeagentur gearbeitet habe, hat es mich immer „genervt“, dass Überstunden an der Tagesordnung waren und man es nicht gern gesehen hat, wenn man mal pünktlich nach Hause gegangen ist – auch wenn die Arbeit erledigt war. Irgendwie fanden es die meisten wohl „cool“ bis spät abends und am Wochenende zu arbeiten. Ich konnte mich damit nie richtig anfreunden. Klar, wenn mal ein Projekt anstand und etwas mehr zu tun war, dann ist es für mich keine Frage, auch mal länger zu bleiben, aber ich finde, wenn es an der Tagesordnung ist, dann läuft etwas falsch. Zumal die Überstunden in der Branche ja auch mit dem Gehalt abgegolten sind, wie es so schön heißt… Seit ich auf die „Unternehmensseite“ gewechselt bin, habe ich relativ geregelte Arbeitszeiten habe, was ich sehr genieße!

Positiv fällt mir außerdem auf, dass die Arbeit eines Grafikers vor allem außerhalb der Branche inzwischen etwas mehr geschätzt wird. So basteln sich zum Beispiel Blogger immer weniger selbst ein Logo, sondern wenden damit an einen Profi.

Hochzeitseinladung, Susanne Bauder, Serendipity Blog
Foto (c) Susanne Bauder

Seit 2012 bloggst du auf Serendipity, außerdem hattest du bis 2014 ein eigenes DIY-Label. Welche Veränderungen beobachtest du in der Blogosphäre und warum hast du dein DIY-Label aufgegeben?

Die Blogossphäre wird immer größer und immer professioneller, wobei die, die schon länger bloggen, langsam in diese Professionalität mit allen ihren Rechten und Pflichten hineingewachsen sind. Auffallend finde ich, wie viele neue Blogs mit dem Ziel gestartet werden, sofort möglichst viel Geld damit zu verdienen. Ein professioneller Start mit eigenem, gut durchdachten Logo und Name auf einer professionellen Plattform ist super, bitte nicht falsch verstehen, aber man kann nicht davon ausgehen, dass man sofort mit den ersten 3 Blogposts und 20 Lesern große Kooperationen etc. an Land zieht. Das wichtigste ist immer noch, dass ich das, was ich tue mit Leidenschaft mache und meine Lesern einen Mehrwert mit meinen eigenen Inhalten biete. Dann bin ich nach einer gewissen Zeit auch attraktiv für Kooperationspartner und Firmen.

Mein Label habe ich deshalb aufgegeben, weil ich neben meinem 40-Stunden-Job als Grafikern- und Webdesignerin und meinem Blog auch noch ein bisschen Freizeit haben wollte. Der Shop war dann doch recht zeitaufwändig. Ich fertige immer noch auf Anfrage meine Jersey-Armbänder für Junggesellinnenabschiede an, aber ich habe halt keinen Shop mehr, wo zu jeder Tages- und Nachtzeit bestellt werden kann.

Du hilfst Blogger/innen bei der Theme- und Logo-Erstellung, beim Blog-Design und bei Blog-Umzügen. Worauf kommt es (dir) dabei besonders an?

Ich finde es besonders wichtig, dass die Blogger sich nachher mit ihrem Logo und ihrem Blog identifizieren können und dass ihnen alle Funktionen zur Verfügung stehen, die sie brauchen. Auch die Bedienung des Blog-Backends bringe ich meinen Kunden näher, da sie ja ihren Blog am Ende selbst mit Inhalt füllen und pflegen sollen. Außerdem achte ich auf die Sicherheit der Blogs und installiere für meine Kunden Standard-Plugins zur Arbeitserleichterung. Wer sich unsicher ist kann mich auch immer zu Rate ziehen und zum Beispiel ein Backup des Blogs und der Datenbank für ein Update von WordPress machen lassen.

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Blogs für die Susanne ein Logo oder das Design entwickelt bzw. den Umzug gemacht hat.

Alle schwören auf WordPress. Warum?

Selfhosted WordPress bietet für Blogger die meisten und besten Möglichkeiten ihren Blog genauso zu gestalten, wie sie es möchte. Als Open Source CMS hat WordPress eine sehr große Community, so dass man online jede Menge Hilfe, Tutorials etc. findet. Außerdem ist es kostenlos und wird ständig auf dem neuesten Stand gehalten.

Klar, man muss sich selbst um Sicherheit und Backups etc. kümmern, hat aber auch die volle Kontrolle im Gegensatz zu den Blog-Plattformen wie Blogger und WordPress.com. So kann man zum Beispiel Blog-Klone, die leider immer noch die Runde machen, stoppen und „aussperren“.

Zurück zu dir: Wie und wo lebst du in Hamburg?

Ich lebe ja nicht direkt in Hamburg, sondern in Schleswig-Holstein in Pinneberg. Im Moment ist es noch eine Mietwohnung, aber wir sind auf der Suche nach etwas eigenem – auch gerne etwas weiter außerhalb, vielleicht sogar mit etwas Garten.

Wo und wofür liebst du Hamburg am allermeisten?

Die Nähe zum Wasser, immer ein bisschen Wind und bei Sonnenschein ist Hamburg einfach die schönste Stadt der Welt!

Stell dir vor, du müsstest umziehen. Welche Stadt in Deutschland wäre eine Alternative zu Hamburg?

Ich glaube, dann würde ich wieder in Richtung Heimat ziehen. Ich komme ursprünglich aus Mannheim und habe meine Familie und mein Elternhaus dort. In der Umgebung gibt es wunderbare Ecken wie etwa die Pfalz…

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Foto (c) Susanne Bauder

Und zum Schluss: Was wünscht dir für und was planst du in 2016?

Ja, 2016 wird in sofern ein wichtiges und aufregendes Jahr für mich/uns, da wir im September heiraten! Deshalb wünsche ich mir noch eine entspannte Vorbereitungszeit und am Tag selbst natürlich gutes Wetter und eine großartige Feier mit unserer Familie und Freunden! Und danach will ich ein anderes großes Projekt angehen… Drückt mir die Daumen!

„Diese Vasen haben mit Kunst nichts mehr zu tun, denn jede sinnlich-ästhetische Wirkung wurde eliminiert“, schrieb der Journalist Karl-Heinz Hagen am 4. Oktober 1962 im Neuen Deutschland und verlieh dem Unverständnis der DDR-Obrigkeit, in Persona Walter Ulbricht, damit den Schein der Objektivität. Gegenstand der Kritik waren die Zylindervasen von Hubert Petras [*1929; †2010] auf der V. Deutschen Kunstausstellung in Dresden. Ihre Formensprache, in der „die ruhige Senkrechte die dominierende Sprache war und die Abwandlung untereinander ein rhythmisches Spiel“*, blieb dem Vorsitzenden des Staatsrats Ulbricht gänzlich verschlossen. „Kalt, glatt, nichtssagend“ fand er Petras geometrische Komposition. Dabei waren die schlicht-weißen Porzellanentwürfe eine konsequente Antwort auf zentrale Gestaltungsfragen in der DDR.
Der 1929 im slowakischen Kniesen geborenen Petras verfolgte – inspiriert von Wilhelm Wagenfeld und dessen Verständnis der „guten Form“ – einen Ansatz, der mit dem Ulmer Modell vergleichbar ist: An der Hochschule für Gestaltung Ulm entstand in den späten 1950er „ein auf Technik und Wissenschaft abgestütztes Modell des Design, der Designer nicht mehr als übergeordneter Künstler, sondern gleichwertiger Partner im Entscheidungsprozess der industriellen Produktion.“ (Otl Aicher).
In seinen Vasen verbanden sich Materialkenntnis, technisches Know-kow und gestalterisches Können. Insofern waren sie prädestiniert für die Sonderschau in Dresden, die den Stand des Industriedesigns der DDR repräsentieren sollte. Doch die dem „politischen Kitsch“ (Milan Kundera) zugeneigte DDR-Obrigkeit sah das anders: „Überschaut man die Exponate, so herrscht der Hang zum kalten Ästhetizismus, zu farbloser Eintönigkeit und Verarmung der künstlerischen Formen bis zum nackten Funktionalismus vor.“ (Karl-Heinz Hagen) So wurde die Ausstellung für den gelernten Töpfer und studierten Gefäßgestalter zum Eklat: Petras, der seit 1958 als künstlerischer Leiter an der Porzellanmanufaktur Rudolstadt-Volkstedt tätig war, wurde als „Formalist“ diffamiert und erhielt noch im selben Jahr Berufsverbot.

Wannenbottich für die Werit Kunststoffwerke (c) FORMost

 

Hubert Petras: Gläser | 1985/1986 | Glaswerk Harzkristall, Derenburg (c) HVG

Drei Jahre schlug er sich als freier Gestalter durch, bis er dank des couragierten neuen Rektors Erwin Andrä 1965 an der renommierten Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle – von der der finnische Designer Tapio Wirkkala (Iittala) schwärmte, man erhalte hier die beste Designausbildung der Welt –  eine neue Wirkstätte fand. Von 1966 bis 1995 lehrte Petras dort Industriedesign und trug maßgeblich zur Profilierung des Fachgebietes Gefäßdesign bei: „Konsequent in der künstlerischen Haltung schuf er zeitlos gültige Formen von hoher plastischer Sensibilität.“ Dabei bediente er sich nicht nur Porzellan und Glas, sondern setzte sich auch mit Kunststoffen auseinander, die sich seit den 1950er Jahren immer mehr durchsetzten. Wie?

Das wird exemplarisch an seinem Wannenbottich für die Werit Kunstsstoffwerke deutlich: „Der enge gestalterische Spielraum, den einem die Anforderungen ließen: die Fließform […], der Wunsch nach ganz einfacher Herstellbarkeit, die Haltbarkeit der Griffe usw. – das alles in eine einfache, klare und überzeugende Form zu bringen, eine Form überdies, die nicht einfach dem Diktat von Technologie und Festigkeit unterworfen ist, sondern einem adäquaten Ausdruck dessen und einer angenehmen Handhabung folgt. […] Derartige Vorgaben empfinde ich nicht als Einschränkung, sondern als herausfordernde Bedingungen, die mich oft ungemein motivieren.“** Für jenen Bottich wurde der lang geschmähte Petras 1979 sogar mit dem Design-Preis der DDR ausgezeichnet, und doch blieb die Polyethylen-Wanne ihm ein Dorn im Auge: Man hatte sein Griffdesign einfach abgeändert (heute werden die Bottiche in der Petraschen Ursprungsversion wieder hergestellt).

Links: Spülkasten Nr. 930 | VEB Sanitärtechnik Eisenberg (c) Kommunale Galerie Berlin| 1985 |
rechts: Schalenset | Wallendorf | 1961 (c) Jens Hartwig (Designhandlung)

Andere Haushaltsgegenstände aus Petras Feder, die er unter der Prämisse des zweiten Bauhausdirektors Hannes Meyer Volksbedarf statt Luxusbedarf entwarf, sind der formvollendete Spülkasten Nr. 930 von 1985 für die Firma VEB Sanitärtechnik Eisenberg (Bilder) oder die minder gelungenen Aschenbecher. Der formschöne Fön, den er bereits 1959 entworfen hatte, war bis 1989 in Produktion – ich hoffe noch auf die Wiederauflage der ersten Industrieentwurfs von Petras.

LD-Haarfön | VEB Elektrowerke Blankenburg | 1959 (c) Christoph Sandig
Hinweis: Das Museum in der Kulturbrauerei zeigt vom 8. April 2016 bis 19. März 2017 Design aus der DDR: alles nach plan? Formgestaltung in der DDR
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*aus: Penti, Erika und Bebo Sher – Die Klassiker des DDR-Designs. Hg. von Günter Höhne, S. 170
**aus: Gespräch mit Hubert Petras, Die Burg 6, 1996, S. 37
Würfelspiel von Ursula Wünsch | Schildkröte von Renate Müller | Der grüne Baum von Gerd Kaden


Mein Vater hat einen Schlaganfall bekommen und sich nicht mehr davon erholt„, antwortet Renate Müller auf die Frage, was die Enteignung für den Einzelnen bedeutete. Die Gestalterin aus der thüringischen Spielzeugstadt Sonneberg steht mit ihrer Unternehmensgeschichte exemplarisch für viele Handwerksbetriebe in der DDR – anders als mit ihrer Erfolgsgeschichte. Müller ist die einzige DDR-Gestalterin, die nach der Wende zu einem gewissen Weltruhm gelangt ist. Ihre „Rupfentiere“ stehen seit 2010 im MoMa (New York) und wechseln auf Auktionen schon mal im vier- bis fünfstelligen Zahlenbereich ihre Besitzer/innen. Doch zurück zum Handwerk.
Das Handwerk hatte einen schweren Stand in der DDR. Ideologisch verbrämt, praktisch unumgänglich (man brauchte sowohl seine Expertise als auch die Produktionsstandorte) wurde es seit den späten 1950er Jahren zunehmend beschnitten. 
Am 12. März 1959 verabschiedete die Volkskammer der DDR zwei Gesetze*, die eine Vielzahl handwerklicher KMU zwangen, den Produktionsgemeinschaften des Handwerks (PGH) beizutreten. Der Verlust der unternehmerischen Selbstständigkeit ging zunächst mit einem wirtschaftlichen Aufschwung einher – ein Dorn im Auge der Parteifunktionäre, die einen neuen Kapitalismus heraufziehen sahen. Auf dem VIII. Parteitag Anfang 1972 verkündete der neue Generalsekretär des Zentralkomitees (ZK) der SED, Erich Honecker, schließlich das Ende des sogenannten „nicht-sozialistischen Sektors in Handel und Gewerbe„, woraufhin sämtliche Großbetriebe innert weniger Monate enteignet und verstaatlicht wurden – so auch Spielzeugmanufaktur H.J. Leven-KG von Renate Müllers Eltern.

Kleiner Exkurs in die Firmengeschichte: Die Firma H.J.Leven Sonneberg wurde 1912 von ihrem Großvater gegründet. Nach seinem Tod übernahmen die Eltern 1962 die Spielzeugmanufaktur; Renate Müller stieg 1967 nach ihrem Studium an der Fachschule für Spielzeug bzw. Ingenieurschule für Maschinenbau und Spielzeugformgestaltung ins Geschäft ein. Auf Anregung ihrer Lehrerin Helene Haeussler begann sie mit der Fertigung der „Rupfentiere“.

Die nach dem groben Jutegewebe benannten Spielzeuge waren für therapeutische Zwecke (Kliniken und Kindergärten) konzipiert und gelangten daher nie in den normalen Handel. Die ersten Entwürfe waren Studentenarbeiten: das berühmte Nashorn stammt von Gudrun Metzel, die Ente von Elfriede Fritsche. Quelle Die im wörtlichen Sinne reizvollen Tiere fanden sofort Anklang; in enger Zusammenarbeit mit Ärzt/innen, Psycholog/innen und Therapeut/innen begann Renate Müller die Kollektion zu erweitern.

Die unterschiedlichen Oberflächen der Müllerschen Rupfentiere regen zum Greifen, Fühlen, Tasten und Turnen an. Bild links | Bild rechts

Nach der Verstaatlichung des elterlichen Betriebs arbeitete Renate Müller zunächst weiter. Doch als 1976 sämtliche kleinen Spielzeugbetriebe zum Kombinat Sonni zusammengefasst wurden und sie ihre Arbeit nicht fortsetzen konnte, beantragte sie die Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler der DDR. Auch damit stand Müller nicht allein. Viele DDR-Designer/innen wählten diesen Weg, da freiberufliche Künstler/innen mehr Freiheiten genossen als angestellte Industriegestalter/innen.


Auch Gerd Kaden, ein weniger bekannter, aber nicht minder großartiger Spielzeugdesigner wählte diesen Weg. 1975 trat der gelernte Spielzeugmacher und studierte Holzgestalter aus dem Erzgebirge dem Künstlerverband bei. Das war – vielleicht nicht ganz zufällig – in jenem Jahr, in dem er seine kongeniale Kugelbahn entwarf, die für die nächsten Jahrzehnte in der Schublade schlummerte. „[…] man war ja in der DDR nicht in der Lage, in der Industrie ein Produkt zu landen von der Gestaltung her“, erzählt der im erzgebirgischen Neuhausen lebende emeritierte Professor,Die Industrie war geprägt von der Herstellung für den Export […]. Der Gestalter hatte in seiner Anstellung eher die Aufgabe, […] die Produkte, die für den Export geeignet waren, so anzupassen, dass sie funktionierten.“ 

Bis 1978 war er noch für die Industrie tätig, dann richtete er seine eigene Werkstatt ein und arbeitete als freischaffender Gestalter sowie als Lehrbeauftragter an Fachschule für Angewandte Kunst Schneeberg. Heute widmet er sich ausschließlich seiner eigenen Firma Kaden & Kaden, die er 1992 zusammen mit seinem Sohn gründete.

Der Kugelbahn, die unabhängig zur selben Zeit auch in der Schweiz erfunden wurde, ist Gerd Kaden über all die Jahre treu geblieben. Er hat sie in diversen Größen, Farben und Formen entworfen – als Bausatz, als Spielplatz und in Weltformat. Daneben hat er Kindermöbel, einen Indoorspielplatz in Fukushima (Japan) und andere Holzspielzeuge entworfen, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Für seine schräge Kiste etwa erhielt er 2005, für den grünen Baum 2008 einen Designpreis. Matthias Kanter von der in Schwerin ansässigen Designplattform FORMOST ist überzeugt, dass Kaden – wie Müller – Weltruhm gebührt.

Die schräge Kiste von Gerd Kaden

Fantastische Holzspielzeuge stellt auch die Firma SINA her, die zwar wie Kaden & Kaden ihren Firmensitz im erzgebirgischen Neuhausen, jedoch eine recht andere Firmengeschichte hat.

Der Betrieb ist aus den Trümmern des Volkseigenen Betrieb VERO hervorgegangen, in dem sämtliche Spielzeugbetriebe der DDR 1972 zwangsvereinigt wurden. „Nach der Wende wurde VEB-Betrieb einfach liquidiert“, erzählt Geschäftsführerin Barbara Seidler. Ihr Mann habe nicht einfach zuschauen wollen, wie die damals 140-jährige Baukastentradition eingestampft wurde, also hätten sie gemeinsam die SINA Spielzeug GmbH gegründet. Einfach war das nicht. Bis das erste Täfelchen-Lege-Spiel nach Friedrich Fröbel 1995 in Produktion gehen konnte, musste das Unternehmen so manche Hürde nehmen.

Heute reicht das Sortiment des auf 21 Angestellte gewachsenen Unternehmens vom therapeutischen Kugeltisch über das Babybällchen bis zum Klassiker im Streichholzschachtelformat. Neben neuen Produkten junger Holzdesigner/innen aus dem In- und Ausland sind Klassiker von Kurt Naef und Friedrich Fröbel sowie Entwürfe der DDR-Designerin Ursula Wünsch darunter, die seit 1971 bis heute unter dem Firmennamen Wünsch‘ Dir Was Spielobjekte aus Holz für behinderte und andere Kinder entwirft. Mit ihren Kugelspielen und den Rechenmaschinen hätte sie meiner Meinung nach ebenfalls einen Platz unter den Stardesigner/innen der DDR verdient.

Würfelspiel von Ursula Wünsch für SINA

*Am 12. März 1959 verabschiedete die Volkskammer der DDR das Gesetz zur Ergänzung des Gesetzes zur Förderung des Handwerks und Gesetz über die Besteuerung der Handwerker.

** Mit der Machtübernahme Erich Honeckers auf dem achtem Parteitag beschloss das Zentralkomitee die Zwangsverstaatlichung aller mittelständischen Betriebe und Anteilseigner. Betroffen waren rund 11.000 Betriebe mit einer halben Million Beschäftigten, darunter rund 1.700 Produktionsgenossenschaften des Handwerks, mehr als ein Drittel aller PGH. Mitte Juli konnte Erich Honecker an den sowjetischen Staatschef Leonid Breshnew Vollzug melden. Aus: Helga Schultz: Produktionsgenossenschaften des Handwerks in der DDR und in der Transformationsphase. S. 8ff
Ein Zufall war’s – mal wieder – der mich zum „Alltagsgeschirr“ von Hedwig Bollhagen und den nach ihr benannten HB-Werkstätten für Keramik führte. Von dort war der Weg zum „DDR-Design“ nicht weit und meine Neugier erwacht. Schon nach kurzer Recherche war klar: Das ist ein weites Feld – zu weit als dass es mit einem Blogpost getan wäre. Also habe ich mich entschieden, eine kleine Serie zu starten. Ab heute stelle ich hier also regelmäßig eine/n Designer/in, einen Gestaltungsansatz und/oder ausgewählte Designstücke aus der DDR vor. Wenn ihr/Sie Wünsche, Anregungen oder Ideen habt/haben für ein Objekt, eine/n Designer/in oder einen Designansatz – immer gerne!
Meine erste Begegnung mit Design „made in GDR“ ereignete sich während meines Studiums.* Bis dato gehörten die beiden Begriffe für mich nicht wirklich zusammen. Mein Wissen begann beim Eierbecher in Hühnerform und endete direkt vor der „Platte„.  Die Welt dazwischen war mir unbekannt. Dabei ist sie (nicht nur im übertragenen Sinne) groß. Sie ist jedoch auch „schwierig“, und dieses „Schwierige“ ist wohl ein Grund für ihre anhaltende Unbekanntheit wie auch Unbeliebtheit.
Nach Meinung der SED-Parteiführung hatte Design (ebenso wie Kunst) im Dienste der „deutschen Kulturnation“ zu stehen und „dem opti­mis­ti­schen Lebens­ge­fühl des sozia­lis­ti­schen Men­schen“ Ausdruck zu verleihen (Nachtigall, ick hör dir trapsen). Das ist ein klares Bekenntnis gegen die künstlerische bzw. gestalterische Freiheit. Man könnte also sagen, die Unfreiheit steckt in jedem Designobjekt aus der DDR – und welche/r Sammler/in will schon die vergegenständlichte Unfreiheit in seiner Wohnung haben? Doch darum das „DDR-Design“ pauschal verurteilen oder weiterhin ignorieren und in den Archiven verstauben lassen? Ich denke nicht. Auch wenn es „kompliziert“ ist, lohnt der differenzierte Blick. Bei Weitem nicht jedes „Design made in GDR“ ist affirmativ, also system- und ideologiebejahend. Viele Entwürfe entstanden in der kritischen Auseinandersetzung mit dem DDR-System, das für zahlreiche Designer/innen mit Repressionen verbunden war. Ihre Gestaltungsansätze, die (nicht allein der Mangelwirtschaft wegen) darauf aus waren, mit einem Minimum an Ressourcen ein Maximum an Gebrauchswert zu erzielen, können auch – oder gerade heute – wertvolle Impulse für ein zukunftsfähiges Design liefern.
Liege und Musikanlage von Rudolf Horn | Bildquelle: jeder-qm-du.de 
Im Industriesektor wären etwa Rudolf Horn oder Karl Clauss Dietel hervorzuheben. Bereits in den 1960er Jahren haben sich die beiden Gestalter mit der Frage auseinandergesetzt, wie die sich wandelnden Bedürfnisse der Nutzer/innen integriert und die Funktionalität eines Produkts dauerhaft erhalten bleiben kann (womit sie in der DDR keine Ausnahme waren). Ihre Antworten nehmen aktuelle Tendenzen im Bereich des nachhaltigen Designs und der nutzerzentrierten Produktentwicklung vorweg (Stichwort: Co-Creation, Co-Production). Dabei kann man Horn als Vordenker des „Prosumenten„, Dietel als Pionier des nachhaltigen Designs sehen.

Viele ihrer Entwürfe scheiterten an der staatlichen Zensur, der eine funktional-schlichte Formensprache lange Zeit verdächtig war (siehe: Formalismus-Debatte). Doch manche Idee fand am Amt für Industrielle Formgestaltung (AID) vorbei in die Serienproduktion – nicht selten da sie sich zum Exportschlager entwickelte und dem Staat die dringend nötigen Devisen einbrachte. So etwa Horns bis heute ästhetisch überzeugendes „Möbelprogramm Deutsche Werkstätten (MDW)“ oder die von dem Designerduo Dietel und Lutz Rudolph entworfene Radioanlage für die Firma Heli Radio (die allerdings auch die/der „durchschnittliche“ DDR-Bürger/in erwerben konnte).

Der Tischler, Innenarchitekt und Ingenieur Horn sah den Nutzer bereits als „schöpferischen Mitgestalter“ als eine Verschmelzung von Konsument und Produzent noch undenkbar war. [Quelle] Seine in den 1960er Jahre entwickelten modularen, multifunktionalen Möbelprogramme sind das bekannteste Ergebnis dieses frühen „User-Centered Designs„. Noch spannender und geradezu wegweisend für das heutige Bauen finde ich jedoch sein Konzept des „Variablen Wohnens“ von 1969/1970. Es räumte den Bewohner/innen die größtmögliche Gestaltungsfreiheit ein und nahm die Idee des flexiblen Raums, wie er heute etwa im Design Thinking Anwendung findet, schon früh vorweg.
Das „Variable Bauen“ basierte auf einem großen, leeren Raum, in dem einzig eine Nasszelle fix vorgesehen war. Raumaufteilung und Zimmergestaltung oblagen ganz und gar den Bewohner/innen. Mithilfe flexibler Wände und des modularen Möbelsystems AM20 konnten sie den Raum entsprechend ihrer Bedürfnisse und Vorlieben selbst gestalten. Trotz des großen Interesses an Horns Konzept kam es nie über die Testphase hinaus. Vielleicht hat es heute, da bezahlbarer Wohnraum wieder knapp und nicht zuletzt durch die Flüchtlinge sehr unterschiedliche Wohnbedürfnisse unter einen Hut zu kriegen sind, eine neue Chance.

oben: Experimentalbau für variables Wohnen in Dresden (1973) | unten: Die variable Wohnung (1969) | Bildquelle: Burg Halle
Rundfunkgerät rk5 sensit mit Lautsprecher K20, HELIRADIO Gerätebau Hempel KG Limbach-Oberfrohna, K.C. Dietel/L. Rudolph, 1967-69 | Bildquelle: Stiftung Industrie- und Alltagskultur
Die Frage der Nutzerbedürfnisse durchzieht auch die Arbeit des gelernten Maschinenbauers und studierten Kraftfahrzeugingenieur Karl Clauss Dietel, der sie darüber hinaus mit dem Aspekt der Langlebigkeit verband. Seine Überlegungen hierzu kulminieren etwa im Begriff der „Gebrauchspatina„, wonach ein Gegenstand so gestaltet werden sollte, dass die Spuren seines Gebrauchs ihn auf- statt abwerten, er also sozusagen mit dem Alter schöner bzw. besser würde. An diesem Ansatz wurde nicht zu unrecht kritisiert, dass es dabei weniger eine Frage der Gestaltung und damit der Gestalter/innen, denn um die Haltung der Nutzer/innen zum Gegenstand ginge. Konsequenter ist dagegen das von ihm formulierte „Offene Prinzip„. 

Ein nach diesem Grundsatz gestalteter Gegenstand zeichnet sich nach Dietel durch die großen fünf L aus: Er ist „langlebig, leicht, lütt (klein), lebensfreundlich und leise“. Unter rein formal-ästhetischen Gesichtspunkten könnte man im iphone vielleicht ein „offenes Produkt“ erkennen. Es ist leicht, lütt und leise. Aus technisch-ökologischer Perspektive ist es jedoch exakt das Gegenteil, da es sich weder warten, noch reparieren und technisch erneuern, also auf einen technisch höheren Stand bringen lässt. Nun hat Dietel nie ein Mobiltelefon entworfen; hätte er es aber getan, wäre es vermutlich das Fairphone geworden. 
Exemplarisch für „seinen“ Designansatz steht das Kleinkraftrad Mokick S 50, das er und Lutz Rudolph 1967 für die Firma Simson Suhl entwickelten. Die einzelnen Bauteile passten in sämtliche Modelle und Fahrzeuggenerationen und waren in verschiedenen Varianten verfügbar, so dass die Nutzer/innen das Moped individuell anpassen konnten. Außerdem ließen sich Reparaturen oder der Austausch von Einzelteilen ohne große technisch-mechanische Vorkenntnisse selber machen – ein Design also, das auch gegenüber dem Do-It-Yourself-Prinzip offen war. 
Ich bin sicher: Mit derlei Dingen ließe sich leichter ein „enkeltaugliches Leben“ führen.
*Ich habe (im 1. Hauptfach) Kulturwissenschaft mit Schwerpunkt Ästhetik bei Karin Hirdina [*1941; †2009] studiert – eine großartige Lehrerin. Pathos der Sachlichkeit hieß ihr 1981 veröffentlichtes Buch, das wesentlich zur Versachlichung der Formalismus-Debatte in der DDR und einer Neubewertung des Bauhauses beitrug. Der Titel trifft jedoch ebenso gut auf sie selbst zu. Ob als Lehrende oder als Forschende, stets widmete sie sich ihrer Arbeit mit sachlicher Leidenschaft und leidenschaftlicher Sachlichkeit. Ich vermisse sie. Ihr präzises Denken, ihr messerscharfer Verstand und ihr konstruktiv-kritischer Geist fehlen – heute, da das pauschale Denken wieder Hochkonjunktur hat, umso mehr. 


Während ich „früher“ – also so vor eins, zwei Jahren – Blogs noch über meinen Blogreader oder andere Blogs aufspürte, finde ich sie heute zunehmend öfter über Instagram. So auch Labelfrei-ME, wobei ich nicht genau weiß, wer eigentlich wen entdeckt hat: Nina mich oder ich Nina. Aber das ist am Ende ja auch egal. Hauptsache ist, dass wir uns gefunden haben.  
Vor einiger Zeit hat mich Nina eingeladen, ein paar Einblicke in mein immer noch recht neues Zuhause zu geben. Das hat mich sehr gefreut, und auch darum – vor allem aber weil ich neugierig auf die Frau dahinter war – habe ich die „ewige Fränkin“ aus München für ein Montagsinterview angefragt. Ihre Antworten sind wie ihr Zuhause: frisch, fröhlich, klar und so sympathisch, dass ich hoffe, es ergibt sich bald eine Gelegenheit für ein Kennenlernen im Leben 1.0.
Hab‘ vielen Dank, liebe Nina, für deine frisch-fröhlichen Worte, mit denen ich allen einen erfrischenden Start in die KW 10 wünsche (nach dem gestrigen Wahlsonntag brauche zumindest ich das mehr denn je).
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Architektin, Mama, Münchnerin – was und wer ist Nina Jahn noch?
Gute Frage! Was bzw. wer bin ich? Ich bin vor allem ein humorvoller Mensch, der gerne viel lacht, mit Hang zur Ironie und schwarzem Humor. Ich liebe Musik, Schokolade und Kaffee! Ein Start in den Tag ohne Kaffee ist undenkbar. Ich hasse Petersilie und so manches Fleisch, bin aber ganz sicher kein Vegetarier. Reden kann ich ohne Punkt und Komma! Hmm, bin ich dann eigentlich ’ne Quasseltante? Beim Schreiben kann das mit den Punkten und Kommas dann auch mal zum Problem werden. Außerdem habe ich einen enormen Dickschädel und kann zuweilen schnell an die Decke gehen. Meine Schwäche für schöne Dinge zeigt sich eigentlich in allen Lebensbereichen. Eine gewisse Kreativität würde ich mir auch zugestehen, wobei ich die sicher stärker nutzen könnte, wenn es mein Tag zulassen würde. Ganz wichtig in meinem Leben sind mir meine Familie und Freunde! Gute Freunde! Ach ja, und eine Fränkin bin ich natürlich auf Lebenszeit, obwohl ich nun schon seit 14 Jahren in München lebe 😉!
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Wie und wo lebst du in München?
Wir wohnen zu viert in einer 3-Zi-Wohnung auf 78qm in der Münchner Maxvorstadt. In der haben mein Mann und ich auch schon vor den Kindern gelebt. Wie man sich vorstellen kann, ist das manchmal ein etwas beengtes Unterfangen. Unser großes Glück ist unsere Kreativität und das fachliche Know-how, das unser Beruf als Architekten mit sich bringt. Aus diesem Grund behelfen wir uns immer wieder mit neuen Einbauten und Umbauten. Die angespannte Wohnungssituation in München lässt uns leider seit Jahren nur von einem größeren Zuhause träumen!
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Wie würdest du deinen/euren Wohnstil beschreiben?
In unserer Wohnung treffen selbstentworfene Möbel, Designklassiker, geerbte Stücke, Flohmarktfunde und Ikea aufeinander. Als Ausgangspunkt zu allem anderen ist bei mir die Farbe Weiß im Einsatz. Zu Weiß als Grundelement kann man dann alle anderen Farben kombinieren. Der monochrome Wohnstil, der derzeit im Interior-Bereich sehr präsent ist, gefällt mir zwar gut, allerdings könnte ich ihn nicht konsequent durchziehen. Ich brauche ab und an einfach einen Farbknall, sonst wird es langweilig. Generell tendiere ich zum skandinavischen Einrichtungsstil, bin aber genauso begeistert von Möbeln moderner Designer. Ich würde einfach mal sagen, es ist mir wichtig, dass meine Wohnung etwas Besonderes hat! Sie soll sich von anderen unterscheiden und wir müssen uns darin wohlfühlen.
Was hat dich damals zum Architekturstudium geführt und was fasziniert dich bis heute an diesem Fach?
Durch mein Elternhaus hat mich Kunst immer begleitet und irgendwie war schon lange klar, dass es ein kreativer Beruf für mich sein muss. Nach und während einer Ausbildung zur Bauzeichnerin und dem anschließenden Architekturstudium, hatte ich das Glück in vielen guten Büros zu arbeiten. Auch wenn sich das Bauwesen in den letzten Jahren sehr verändert hat, ist es immer wieder toll, sich in neue Themen einzuarbeiten. Mal entwirft man einen Wohnungsbau, dann eine Schule oder Kindergarten. Mein interessantestes Projekt war bisher eine Aussegnungshalle. Jedes für sich ist spannend und bietet neue Aufgaben, so dass es nie langweilig wird.
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Wie macht sich die „Architektin in dir“ im Leben der Familie bemerkbar?
Ganz klar, was nicht passt, wird passend gemacht! Naja, oder einfach selbst entworfen. Da mein Mann auch Architekt ist, liegen wir in diesem Punkt auf einer Wellenlänge. Glücklicherweise ist er auch noch handwerklich in der Lage, nahezu all unsere Ideen umzusetzten. In meinem Beruf bevorzuge ich Projekte mit geraden Linien, schlichten Formen aus Materialien wie Holz und Beton. Vielleicht mag ich es deswegen in unserem Zuhause genauso klar, schlicht und optisch aufgeräumt. Unordnung ist so gar nicht mein Ding!! Ich weiß, dass ich mir damit mein Leben manchmal unnötig schwer mache, aber wie das mit Ticks nun mal so ist, es ist nicht einfach sie abzulegen.

Wie sieht dein Alltag im Leben 2.0 aus (als Bloggerin, Netzwerkerin etc.)? Worin unterscheidet es sich vom Leben 1.0?
Auf jeden Fall habe ich mein Handy sehr viel öfter in der Hand als früher und verbringe auch regelmäßiger meine Abende vorm Rechner. Ich muss mich mittlerweile richtig ermahnen, nicht zu oft zwischendurch reinzuschauen und arbeite in diesem Punkt wirklich an mir. Ich möchte nicht, dass mich meine Kinder später nur als „die Mutter, die mit ihrem Handy verwachsen war“ in Erinnerung haben.
Trotzdem war die Entscheidung, mit dem Bloggen zu beginnen, für mich absolut richtig. Der Blog ist mein kreatives Ventil, bringt mir einen Ausgleich zum Alltagsstress und lässt mich meine Liebe zum Wohnen ausleben. Im Laufe der vergangenen 1½ Jahre habe ich allerdings gemerkt, dass ich mehr will, als ICH realistisch gesehen schaffen kann.
Blog, Facebook, Instagram, Pinterest und und und. Ich habe mit dem Bloggen begonnen, weil ich Lust dazu hatte. Ich wollte die tollen Dinge, Ideen und Interiors, die mir live, online oder in Magazinen über den Weg laufen, mit anderen teilen. Die Arbeit, die dahinter steckt, eigene DIY Ideen, Einblicke in die eigene Wohnung und aufwendigere Artikel zu erstellen, wird oft unterschätzt. Wie auch der Druck, den man sich damit machen kann, dass möglichst oft etwas online geht und einem nicht die Leser weglaufen. Immer wieder halte ich mir vor Augen, weshalb ich damit angefangen habe. Es sollte ja Spaß machen und nicht zur Pflicht werden!
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Was sind deine Lieblingswohnungen aus der Interior-Blogosphäre?
Ich selbst lese nur einige Blogs sehr regelmäßig und das ehrlicherweise aus Zeitgründen. Manche der Blogger durfte ich bereits persönlich kennenlernen, so dass der Bezug zur Person vorhanden ist und das macht oft sehr viel aus. Also, hier der engere Kreis meiner Lieblingsblogs bzw. Wohnungen aus der Interior-Blogosphäre.
  • Maren von Minza will Sommer hat einen ganz besonderen Wohnstil, der mir super gut gefällt.
  • Sofort einziehen würde ich bei Antonia von Craftifair.
  • Die neue Wohnung von Johanna von Mint und Meer ist der Wahnsinn.
  • Bei Britta von Britta bloggt bin ich regelmässig zu Gast und liebe ihre Wohnfarben.
  • Karina von Oh What A Room ist mit ihrem skandinavischen Einrichtungsstil auch voll mein Fall.
  • Und was soll ich sagen, bei dir liebe Indre bin ich sofort davon überzeugt gewesen, dass es im Neubau doch auch ganz schön sein kann!!!

Sechs Jahre lang hat sie erfolgreich ein Unternehmen aufgebaut, das mit der Verleihung des German Design Awards 2016 im November letzten Jahres seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte. So hätte es weitergehen können. Doch am 1. Februar verkündet Kerstin Reilemann via Facebook, dass sie SNUG.STUDIO verlassen und sich neuen Kreativ-Abenteuern zuwenden werde. Was war ich überrascht! Und – ihr kennt mich – neugierig zu erfahren, wie es zu dieser Entscheidung kam. 
Im heutigen Montagsinterview erzählt die studierte Innenarchitektin aus Hannover, was sie zu diesem – mutigen – Schritt veranlasste und wohin die Reise geht. Hab herzlichen Dank, liebe Kerstin, für die Ein- und Ausblicke. 
Ich wünsche dir für dein Vorhaben ganz viel Freude, Erfolg und das nötige Quentchen Glück – und euch allen eine spannende Lektüre und einen guten Start in die KW 9.
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Nach erfolgreichen Jahren mit und bei SNUG gehst du nun eigene neue Wege. Wie werden diese neuen Wege aussehen?

Ich hole mal ein wenig aus – und hoffe, dass ist ok! 😉
Ich habe mich seit dem Innenarchitektur-Studium eigentlich immer wieder mit unterschiedlichen gestalterischen Themen beschäftigt, so dass das Produktdesign nicht unbedingt die einzige Richtung ist, die mich interessiert. Schuld war wahrscheinlich meine Hochschule, an der ich studiert habe – interdisziplinäres Arbeiten wurde dort sehr groß geschrieben :). Schon während des Studiums habe ich mit drei Freundinnen begonnen, eigene Projekte in die Tat umzusetzen. So entstanden verschiedene soziale, interaktive Installationen im Rahmen von Veranstaltungen und im urbanen Raum (siehe Näheres in meinem Portfolio). Das war eine tolle Zeit und ich bin mit den dreien immer noch eng verbunden, auch wenn wir mittlerweile zwischen Hannover und Berlin pendeln müssen, um uns zu sehen. Nach dem Studium war bei mir dann Familienplanung angesagt. Während der Schwangerschaft habe ich noch als Freelancer an einigen Kunst- und Veranstaltungsprojekten mitgearbeitet. Dann wurde Emil geboren und somit war ich eine Zeitlang eher kreativ im Kinderzimmer-Gestalten und Kaufmannsladen bauen :).
Da mir aber das Kinderwagen-Schieben und Kaffeetrinken mit Freundinnen irgendwann nicht mehr gereicht hat (obwohl es echt toll war!), musste irgendetwas Gestalterisches her, das ich gut von zu Hause aus machen kann. So habe ich angefangen, kleine Produkte aus Holz zu entwerfen und diese bei Dawanda unter dem Label domestic candy zu verkaufen. Süße Produkte von zu Hause – inspiriert durch mein Mutterdasein. So kam ich zum Produktdesign.
Als Emil dann in der Kita war, hatte ich vor, richtig durchzustarten: „Ein Studio wäre toll und vielleicht noch jemand, mit dem man zusammen arbeiten könnte!“ – auch ein Überbleibsel aus den Lehren des Studiums – Teamarbeit! Schon kurze Zeit später habe ich dann Berit über eine gemeinsame Freundin (Anne von enna und Anny Who) kennengelernt. Sie hatte gerade genug von ihrem Job im Architekturbüro und wollte auch gerne was Eigenes auf die Beine stellen. Gesagt – und erfolgreich – getan. 6 Jahre SNUG.STUDIO, Produktdesign mit eigenem Vertrieb. Bis hierher gemeinsam und nun weiter mit Berit und ihrem Mann Heiko, der im letzten Jahr mit eingestiegen ist.
Nun freue ich mich auf die nächsten gestalterischen Projekte, die auf mich zukommen.

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Welche das sein werden, wird sich jetzt erst im Machen herauskristallisieren. Aber so viel vorweg: Es wird in Richtung Styling, Art Direction gehen. Ob als Freelancer, angestellt oder beides, ist noch offen. Aber auch meiner persönlichen Vorliebe für Handmade und Do-It-Yourself- Projekte werde ich weiterhin nachgehen und diese ausbauen. Wer weiß, dabei springen dann vielleicht ein paar Unikate oder die ein oder andere limitierte Auflage von – ich denke eher künstlerischen – Produkten heraus, die ich dann online auch verkaufe. So ganz kann ich dann doch nicht aus meiner SNUG-Haut, aber eben ab jetzt eher sehr zurückhaltend und als persönliche Herzensangelegenheit und weniger als Haupteinnahmequelle.

DIY ist aber nicht nur ein Thema, mit dem ich mich persönlich, sondern weiterhin professionell beschäftigen möchte. Schon seit längerem entwickle ich ja (unter anderem mit Berit) für das Familienmaganzin Nido „Selber-Machen-Projekte“. Im aktuell erschienenen Buch Selber machen! sind auch viele unserer Projekte enthalten.
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Was war Anlass und Motivation für den „Alleingang“?
Die letzten sechs Jahre waren eine tolle Zeit: SNUG.STUDIO aufzubauen, es wachsen zu sehen und immer wieder kleine und größere Erfolge feiern zu können. Nur habe ich mich in der Zeit auch stark weiterentwickelt, genauso wie Berit. Mit unserer Philosophie und unseren Ziele haben wir dabei einfach unterschiedliche Richtungen eingeschlagen. So ist das eben manchmal und das ist auch okay so.
Natürlich war es ein etwas längerer Prozess, in dem wir uns erst einmal klar darüber werden mussten, wie und ob wir miteinander weiter nach vorne gucken. Am Ende haben wir freundschaftlich entschieden, dass wir getrennt voneinander beide besser zu unserer alten Form, zu unserem anfänglichen Enthusiasmus, zurückfinden.
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Wenn du zurück blickst: Was war SNUG für dich?
Die höchste Qualität von Arbeit ist, wenn sie sich nicht wie Arbeit anfühlt. SNUG.STUDIO war für mich mein zweites Zuhause. Es war ein Projekt, das wir mit viel Freude und Elan angegangen sind, um daraus ein echtes Unternehmen zu machen. Und das hat ja auch recht gut funktioniert :). In den letzten ein bis zwei Jahren habe ich jedoch immer mehr gespürt, dass meine Vorliebe für die gestalterische Arbeit dabei etwas zu kurz gekommen ist.

Wenn man die eigenen Produkte selbst produzieren lassen und erfolgreich vertreiben will, bedeutet das weitaus mehr als die Produkte in einen Onlineshop einzustellen und zu warten. Interne Strukturen und planvolles Handeln sind das A und O. Stand am Anfang das Produktdesign ganz groß oben auf unserem Plan, so haben wir schnell gemerkt, dass von einem guten Marketing, Vertrieb, Logistik, Lagerhaltung, Mitarbeiterführung bis hin zu Controlling- und Steuerthemen (…hab ich was vergessen?) alles mindestens genauso wichtig ist.
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Ich habe so unermesslich viel gelernt in diesen Jahren und kann es super für alle kommenden Unternehmungen und Projekte nutzen.
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Wie geht es mit SNUG weiter ohne Kerstin Reilemann? Worauf dürfen wir uns freuen?
Ich bin mir ganz sicher, dass es tolle neue Produkte geben wird. Ich halte sehr viel von Berits Gespür dafür, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Wir können uns also sicher auf neue klare Produkte mit dem gewissen Etwas freuen. Aber am besten wissen das natürlich Berit und Heiko selber.
Worauf freust du dich am meisten?
Darauf, dass ich für mich der gestalterischen Prozess wieder in den Vordergrund stellen kann. Egal, ob ich ein Do-It-Yourself-Projekt für eine Zeitschrift umsetze, kleine Unternehmen unterstütze, ihren öffentlichen Auftritt zu verbessern, Stylings für Produkte und Interior entwickele, Handmade-Produkte entwerfe und herstelle oder mit großen und kleinen Menschen Kunstprojekte mache.
Noch ist alles sehr frei und offen, aber je mehr ich in mich hineinhorche, je mehr ich an vergangenen Projekten zusammentrage, desto genauer zeichnet sich gerade ein Konzept für mich ab. Interdisziplinäres Arbeiten eben 🙂
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Was sind deine aktuellen Projekte?
Da bin ich noch ziemlich am Anfang. Ein Projekt ist meine neue Homepage, die vor allem als Portfolio funktioniert und potenziellen Kunden und Kooperationspartnern zeigen soll, was ich so gemacht habe und was ich mache. Was ich anbieten kann und möchte. Außerdem arbeite ich weiterhin mit der Nido zusammen, für die ich derzeit ein neues „Selber machen-Projekt“ für Kinder entwerfe. Bei decor8 werde künftig einmal im Monat mit einem DIY-Beitrag vertreten sein und im Kulturbüro meines Stadtteils DIY-Workshops für Kinder und Erwachsene geben. Es läuft also an!
Parallel dazu vernetze ich mich in verschiedenste Richtungen. Das ist in den letzten Jahren leider immer ein wenig zu kurz gekommen. Es ist gerade so inspirierend, sich mit anderen kreativen, freischaffenden Menschen auszutauschen. Dabei sind allein in den letzten paar Wochen so wunderbare Ideen und positive Gedanken und nicht zuletzt gute Kontakte entstanden.
Wo finden wir dich?
Man findet mich – hoffentlich ganz bald – auf meiner neuen Homepage und schon ein wenig länger auf Instagram, tumblr und Facebook. Auf meinem Instagram-Feed möchte ich vorerst eine gewisse Ahnung davon vermitteln, was mich und meinen Stil ausmacht. Meine Art auf die Dinge zu sehen. Meine ganz persönlichen gestalterischen Gedanken und Projekte.
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Fröhlich, frisch und irgendwie keck. Wunderbar verspielt und leidenschaftlich liebevoll. Das waren meine Gedanken als ich HappyMomStyle auf Instagram entdeckte. Neugierig wie ich bin, musste ich der Sache auf den Grund gehen. Wer steckt hinter diesem Gute-Laune-Kunterbunt? Wer holt es sich ins Haus? Und wie sieht es wohl im eigenen Zuhause aus?

Das und noch ein wenig mehr habe ich die Produktdesignerin und glückliche Zweifach-Mama aus München gefragt. Vielen Dank für das kurzweilige Gespräch, liebe Nina, mit dem ich nun allen einen frisch-fröhlichen Start in die neue Woche wünsche.

.Für 


Was ist Happymomstyle?
Papier. Glitzerpulver. Die Liebe zum Detail. Möbel. Objekte.

Wer steht hinter Happymomstyle?

Ich. Nina Greif-Reitzenstein. 37. Stylistin. Mama von 2 Mädels (4 Jahre und 8 Monate). Frau von Spenglermeister und Part-time Schreiner. 

Mini Vita:
  • Waldorfschule. Fachabitur in London. 
  • Studium in London (London Collage of Fashion: Product Design und Illustration). 
  • Danach Berlin, Hamburg und Kapstadt zum Reisen und Arbeiten. 
  • Wieder in München, Kostüm/Styling Assistenzen bei TV. Film.
  • Theater und Foto. Ab da Stylistin für Werbung (TV und Print).
Was macht den Happymomstyle besonders?
INDIVIDUALITÄT. ECHTHEIT. LIEBE. FANTASIE.
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Für wen arbeitet Happymomstyle?

Redaktionen. 
Produktionsfirmen. 
Eventagenturen. 
Kindergärten. 
Fotografen. 
PR Agenturen. 
Unternehmen. 
Labels. 
Festivals. 
Shops.
Privatkunden für Feste (Hochzeiten, Taufen, Geburtstage etc.).
Privatkunden für Räume/Interior/Deko.
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Wie kriegt man dich?

Am besten über E-Mail an info@happymomstyle.com oder whatsapp, über Facebook oder Telefon 0176.63035007 oder Instagram.
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Was waren die schönsten Aufträge und auf welche freust du dich am meisten?

Da gab es viele schöne Projekte. Ein Projekt war besonders schön. Im Glockenbachviertel eröffnete ein Mutter-Kind-Café mit Kinderbetreuungsräumen. Ich habe einige Räume und das Aussengelände gestaltet. Um die schönsten Vintage Möbel zu finden, bin ich stundenlang über Dörfer gefahren, und habe auf Bauernhöfen nach alten Möbeln gefragt. Mein Geheimtipp… die haben die tollsten Schätze in ihren Heustadeln ;-).

Generell liebe ich an meinen Jobs bzw. Aufträgen, dass ich Menschen glücklich machen kann. 
Da fällt mir noch schnell ein Beispiel ein. Einmal habe ich ein Kinderzimmer neu eingerichtet. Die Mutter rief mich an und berichtete, dass die Kinder das Kinderzimmer nicht mehr verlassen würden. Sie fühlten Sie sich so wohl in ihren neuen vier Wänden. 🙂 Das war toll!
Besonders freue ich mich jetzt im Februar auf ein großes Kinder-Fotoshooting. Dass wird eine ziemlich aufwendiges, künstlerisches Projekt.
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Wie und wo lebst du? Und wie sieht euer Zuhause aus – findet man den Happymomstyle dort wieder?

Wir wohnen zu viert in einer 3-Zimmerwohnung mit einem eigenen kleinen Gärtchen (das Highlight der Wohnung) im Glockenbachviertel in München. Unseren Wohnstil würde ich als Scandinavia meets Bavaria beschreiben. Viel Weiß und Holz. Alte und neue Möbel, gemixt mit Fundstücken und Erbstücken aus vergangenen Zeiten. Ein bisschen Happymomstyle gibts in jedem Raum. 
Mein Arbeitsplatz ist definitiv der bunteste Fleck in der Wohnung. Ich liebe ihn. This is where the Magic happens.
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Welche Orte in und um München empfiehlst du mir, sollte ich es endlich einmal schaffen, mit meiner siebenjährigen Tochter für ein paar Tage (Wochenende Plus) zu kommen?
München ist mit Sicherheit nicht so spannend wie Berlin, dafür gemütlich und überschaubar. Außerdem wissen wir die Bergnähe sehr zu schätzen. Da sind wir nämlich fast jedes Wochenende 🙂
Meine Tipps: Am besten kommt ihr im Sommer. Da kann man an der Isar spazieren, grillen und schwimmen – und das alles mitten in der Stadt. Es gibt viele tolle Biergärten und sehr zu empfehlen sind auch die Hofflohmärkte. Da habe ich schon Tolles gefunden. 
Mein liebster Kinderladen ist das Stadtkind in der Innenstadt. Den besten Kaffee, die leckersten Kuchen und außergewöhnliche Schokolade gibts in der Götterspeise. Zum Mittag- oder Abendessen gehen wir am liebsten ins Hey Luigi. Da gibt es internationale Küche, neu kombiniert. Die mögen Kinder, das Essen ist immer lecker, und das Publikum jung (so zwischen 30 und 50. Eben so wie wir.  :)).
Außerhalb von München gibt es viele Seen, die man unbedingt besuchen sollte. Mein liebster See ist der Ammersee, das liegt möglicherweise daran, dass ich in seiner Nähe aufgewachsen bin.
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{Kooperation} Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wären wir nicht unserem Geruchssinn gefolgt. Ein Brand langt für dieses Jahr. So blieb es – Gott sei dank – bei einem ordentlichen Loch in der Kuscheldecke und einem ebensolchen Schreck. 
Nachdem der überwunden war, war klar: Die Klemmleuchte muss weg und ein ungefährlicherer Ersatz her. Dass der nun gerade nach dem internationalen Notsignal im Sprechfunk benannt wurde, entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Mayday wurde 1999 von Konstantin Gcric entworfen und zählt nicht nur zu den bekanntesten Stücken des bekannten Industriedesigners, sondern gilt auch bereits als Designklassiker. Kein Wunder, denn die tragbare Leuchte ist ebenso formvollendet wie praktisch. Sie ist immer genau da, wo sie gerade gebraucht wird: beim Spielzeugschrank zum Dinge-Finden, unterm Hochbett zum Bilderbuch-Schauen oder auf dem Schreibtisch zum Malen und Basteln. Und selbst wenn sie mal auf der Seite liegt, kann man sicher sein, dass nichts anbrennt.
Übrigens wenn ihr von Gcric so angetan seid wie ich und die Ausstellung KONSTANTIN GRCIC. PANORAMA im Vitra Design Museum 2014 verpasst habt, empfehle ich euch einen Besuch im Grassi Museum in Leipzig. Dort ist sie noch bis zum 1. Mai  zu sehen – Leipzig ist immer einen Besuch wert.
Und nun wäre ich gespannt zu erfahren, welche risikoarmen Leuchten ihr so fürs Kinderzimmer empfehlen würdet.
Für die Unterstützung mit Produkten bedanke ich mich herzlich bei Made in Design .
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