Tag

A U S Z E i T

»Stein fand das Haus im Winter. {…} Es sah aus, als würde es jeden Moment lautlos und plötzlich in sich zusammenfallen.«
aus: Judith Hermann: Sommerhaus später, 1998


Als Judith Hermanns Erzählband »Sommerhaus später« erschien, war ich Mitte Zwanzig und hatte das Experiment Landleben erst kürzlich beendet. Trotzdem fand ich an der Vorstellung Gefallen, später einmal ein Sommerhaus zu besitzen – gerne am See, noch lieber an der See und am allerliebsten auf einer Insel. Wenn ich mit meinem damaligen Freund durch den damals noch ziemlich »wilden Osten« fuhr, hielt ich stets Ausschau nach »meinem Sommerhaus«. Ich fand es nie und so wird es wohl auch bleiben. Nicht dass das Bild von mir in einem prachtvollen Blumengarten vor einem kleinen Haus mit Blick aufs Meer keinen Reiz mehr hätte. Durchaus! Nur das Wissen um die Arbeit, die in einem prachtvollen Blumengarten steckt und um die hinter der Idylle lauernde Tristesse dämpft die Euphorie. Nichtsdestoweniger zieht es mich immer wieder aufs Land und eben weil ich dort keine feste Bleibe habe, suche ich immer neue Orte auf.


»Gerade im Winter muss ich mich in der Wohnung wohlfühlen.«

Schöne Ferienwohnungen im näheren und weiteren Umland von Berlin {auch zu erschwinglichen Preisen} findet man z.B. über diese Plattformen {kennt ihr noch andere?}:


Ma. blickt aufs Salzhaff hinaus

Meine jüngste Entdeckung heißt Rerik. Das kleine Ostseebad zwischen Rostock {ca. 37 km} und Wismar {ca. 36 km} trug bis 1938 den slawischen Namen Alt Gaarz, doch die Nazis stellten sich lieber in die Tradition der kriegerischen, ergo: »starken« Wikinger und benannten den Ort nach ihrer hier vermuteten Siedlung Reric. Tatsächlich lag der slawisch-wikingische Handelsplatz etwa 19 km südsüdwestlich, aber faschistische Regime nehmen es bekanntermaßen nicht so genau mit der Wahrheit und also heißt Alt Gaarz nun eben Rerik.

Das 2.000-Einwohner/innendorf liegt am nordöstlichen Ende des Salzhaffes, dort wo die Halbinsel Wustrow beginnt und der Strandspaziergang jäh am Stacheldraht endet. Schon von Ferne blicken einem die tiefschwarzen Fenster der einstigen Gartenstadt entgegen – beinah idyllisch, wäre da nicht dieses düstere Unbehagen.

Die Gartenstadt auf der verbotenen Halbinsel Wustrow

Über viele Jahrhunderte war die Halbinsel ein unbedeutender Grundbesitz mit drei Erbpachthöfen, Wiesen und Feldern. Das änderte sich 1932 als die »von Plessen-Brüder« das Areal an die Reichswehr verkauften. Die Nationalsozialisten hatten Großes mit der kleinen Insel vor: Innert weniger Jahre wurde hier die größte Flak-Artillerieschule errichtet samt Kasernenanlagen, Flugplatz, Hafenanlagen und Gartenstadt {Rerik-West}. Wie die Sache weiter- und ausging, ist bekannt. Am 2. Mai 1945 wurde Wustrow kampflos an die sowjetischen Streitkräfte übergeben, die es von 1949 bis 1993 einen Militärstützpunkt nutzten. 1998 verkaufte die Bundesrepublik Deutschland das Areal entgegen dem Willen der Reriker/innen an einen Privatinvestor. Die Fundus-Gruppe träumte von einem Luxus-Resort mit Golfplatz und Marina. Doch daraus wurde nichts. Es fehlte ein überzeugendes Verkehrskonzept, weshalb die Stadt ihr Veto einlegte. Den Vorhabensstopp quittierte der Investor prompt: Das vollständige Zutrittsverbot untersagte fortan auch die Führungen über das Gelände. Das liegt nun 13 Jahre zurück; in der Zwischenzeit hat sich die Natur die Insel Stück für Stück zurückerobert und das einstige Bauland in einen Wald verwandelt. Ob und wie der Investor seine Pläne jemals realisiert, ist offen. Anders die Halbinsel: Die ist weiterhin geschlossen. 2013 unternahmen Studierende des Instituts für Freiraumentwicklung an der Universität Hannover einen neuen Anlauf und entwickelten fünf alternative Nutzungskonzepte für »das verbotene Paradies«, doch die »Entwürfe für die postmilitärische Wildnis« wurden meines Wissens nie ernsthaft diskutiert.

Stachseldraht versperrt den Weg zur Halbinsel Wustrow

Abgesehen von der turbulenten Geschichte der Halbinsel Wustrow ist Rerik ein eher unspektakulärer Ort: Zu seinen touristischen »Highlights« zählen eine frühgotische Kirche, ein kleines Heimatmuseum und ein paar Großsteingräber. Mein persönliches Highlight war der morgendliche Steilküstenlauf und unsere »wohnung süd« im »haus m«, die der in Berlin lebende Architekt Sebastian Kablau entworfen und gebaut hat. Die 50qm-Wohnung hat alles, was das Wohnminimalist/innen-Herz begehrt: schlichte Möblierung, viel weiße Wand und noch mehr Licht.

Doch selbst in der schönsten Wohnung droht irgendwann der Budenkoller, wenn das Wetter den täglichen Strandspaziergang vereitelt. Gegen den drohende Deckenabsturz hilft nur eines: »ausfliegen«.

Meine Ausflugs-Tipps rund um Rerik

WONNEMAR Wismar: Wenn es einem endlich gelungen ist, sich mit der Tatsache zu arrangieren, dass Runen- und Landser-Tattoos hier zur Normalität gehören, kann das Wismarer Badeland mit seinen vielen Becken und Rutschen sogar Spaß machen.


Von Rostock haben wir nur einen kleinen Ausschnitt gesehen: die Stadtmitte und die Kröpeliner-Tor-Vorstadt {kurz: KTV}. Vor allem das bunte Studenten- und Szeneviertel mit seinen vielen kleinen Läden, Cafés und Bars mochte ich.

Meine Rostock-Empfehlungen:


Warnemünde gehört zwar zu Rostock, kann aber durchaus für sich allein stehen. Das Seebad mit dem breitesten Sandstrand der Ostseeküste hat vor allem architektonisch einiges zu bieten: auf der einen Seite das Hotelturm »Neptun« {Baujahr: 1971} und der hochmoderne Hyparschalenbau von Müther und Kaufmann, Teepott genannt {Baujahr: 1965}. Auf der anderen Seite der Leuchtturm und die alten Fischerhäuser und dazwischen das Kurhaus im Stil des Neuen Bauens, die riesige Werft und nicht minder großen Hafen.

Meine Empfehlungen für einen Besuch in Warnemünde:

Der Strand von Rerik

Neben Rostock, Warnemünde und dem Wonnemar gibt es natürlich noch viel mehr zu sehen; Heiligendamm zum Beispiel oder Bad Doberan. Das heben wir uns für ein eventuelles nächstes Mal auf. Habt ihr für dieses nächste Mal vielleicht noch ein paar Tipps und Empfehlungen?

Tessin, Schweiz, magie, verzasca
M i MA wacht langsam auf, räkelt sich noch traumverhangen, Bilder huschen über die Lider. Ein letztes fang ich auf: ein Erinnerungsbild aus dem vergangenen Jahr.

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Ich saß meinen Morgenkaffee trinkend vor dem noch stillen Haus und blickte in die Ferne. Nebel lag über den Hängen, und von Weitem hörte ich das donnernde Rauschen der Verzasca, diesem stolzem, grünen Fluss
Im Haus, das früher einmal Schafe, Hühner und anderes Vieh beherbergte, hatte es eine kleine Bibliothek. Dort fand ich das Buch über die „erotische Rebellin“, Franziska Gräfin zu Reventlow und verschlang nun ihr Leben zum Frühstück.

Das Tessin hatte schon immer eine magische Anziehungskraft auf ungewöhnliche Leute, und in diesem Moment glaubte ich zu verstehen. Dieser Ort ist ein Versprechen. Zwischen seinen engen – je nach Sonnenstand – tiefschattigen oder sonnendurchflutenden Tälern und den kastanienbewachsenen Hängen scheint das Unmögliche möglich. 

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Was M i MA noch so im Schlaf erlebte und sah? Unter anderem dies mit herzlichen Grüßen! 
fahrradgerechte Stadt, #radentscheid, isabel marant, bauhaus, tiny houses

Davon dass ich so müde bin und weder Kaffee noch Schlaf etwas daran ändern mögen, hatte ich erzählt. Auch Vitamin D hat nicht geholfen. Also gebe ich mich geschlagen – oder besser: hin – und lasse M i MA mitten im Mai einen kleinen Schlaf machen. Ein Schlöfele wie es so wohlig-warm im Schweizerdeutschen heißt. Bevor die Lider schwer werden und der Wunsch sie zu schließen überhand nimmt, habe ich noch eine Liste erstellt: Zutaten für süße Träume.

Bis bald!
Judith Peller (c) Karolina Parot
„Es geht nicht darum, gute Ideen zu entwickeln. 
Es geht darum, die richtige zu finden.“ 

Sie hat eine Trauer- und Interviewplattform über das Weiterleben nach dem Tod ins Leben gerufen, sich vor wenigen Monaten als als PR-Beraterin und Inspirationscoach selbstständig gemacht und wird in wenigen Wochen ihr Unterhosen-Label launchen. Wer? Judith Peller. Die 34-jährige Powerfrau mit dem ansteckenden Lachen, den 1.000 Ideen und dem richtigen Riecher. Im heutigen Montagsinterview spricht sie über richtige Idee und gute Entscheidungen, über die Schönheit des Kontrollverlusts und die Lust am Leben.

Ich danke dir, liebe Judith, für das wunderbare Gespräch mit dem ich euch allen einen ebensolchen Start in die neue Woche wünsche.

Wer ist Judith Peller?

Diese Frage habe ich so tatsächlich noch nie beantwortet: Zumindest nicht in dieser objektiven Form! Wer ist Judith Peller? Judith Peller ist eine 34-jährige Wahl-Berlinerin, die sich gerade mit INSPRIRATION als PR-Beraterin und Inspirationscoach selbständig gemacht hat. Schon als kleines Mädchen konnte ich mich nie für eine einzige Sache entscheiden, deshalb ist INSPRIRATION auch nur eines von vielen Themen in meinem Leben. Judith Peller ist immer auf der Suche, würde ich sagen: nach der nächsten Idee, dem nächsten spannenden Projekt, dem nächsten inspirierenden Auftrag. 
Seit mehr als zwei Jahren arbeite ich z. B. an der perfekten Unterhose für Frauen. Im Sommer erscheint die erste Unterhosen-Edition meines Wäsche-Labels „viel mehr als grau. Ich habe eine Trauer- und Interviewplattform ins Leben gerufen, die nicht den Tod, sondern das Weiterleben in den Mittelpunkt stellt. „Dein Tod und ich heißt sie. Ich wünsche mir von Herzen, dass wir endlich wieder normal über den Tod sprechen.

Gerade lese ich das wunderbare Buch „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast von Barbara Sher. Der Titel trifft es irgendwie ganz gut: Ich interessiere mich einfach für sehr viele verschiedene Dinge.  


Du arbeitest als freie Beraterin für strategische PR und Inspirationscoach. Was macht (d)eine PR-Beratung strategisch und was ist ein/e Inspirationscoach?
Viele glauben, dass es bei PR darum geht, gute Ideen zu entwickeln. Ich glaube, dass eine gute Idee wertlos ist, wenn es nicht die richtige ist. Strategische PR-Beratung hilft, herauszufinden, was die richtige Idee ist, um ein bestimmtes kommunikatives Problem zu lösen. Das bedeutet ganz konkret, dass man sich vor der kreativen Arbeit erst einmal ein strategisch fundiertes Fundament aufbaut: Wie sieht die aktuelle Situation des betreffenden Unternehmens aus? Welche Aufgabe gilt es zu lösen? Was soll mit PR erreicht werden? Wer soll angesprochen werden? Gute Ideen gibt es wie Sand am Meer. Die richtigen sind schwerer zu finden, ein bisschen wie beim Muscheln suchen. Mein Job ist es, beim Finden zu helfen. Das gilt auch für meine Inspirationscoachings.

Mit der richtigen Strategie kann man nämlich auch leichter essentielle, persönliche Fragen beantworten: Wie finde ich den Job, der mir wirklich Spaß macht? Wie sieht mein perfektes Lebens- und Arbeitsmodell aus? Was kann ich tun, um beruflich zufriedener zu werden? Als Inspirationscoach unterstütze ich Menschen, die sich beruflich verändern wollen, aber keine Ahnung haben, wo oder wie sie überhaupt anfangen sollen. Ein solches Inspirationsgespräch kann den Start erleichtern. Es dauert 3-4 Stunden. Am Ende erhält jeder eine umfassende Liste zum Weiterdenken. Darüber hinaus biete ich auch Webinare an. Das erste ist gerade fertig geworden: In 1,5 Stunden erfährt man meine persönlichen Tipps uns Tricks zum Thema „Von Ängsten und Ausreden. Wie man einfach anfängt, sein Leben zu ändern.

Der Tod gehört zum Leben. Das hast du oft betont. Seit deiner Kindheit hat sich der frühe Tod deiner Freundin Doris begleitet – aber auch krank gemacht. Hast du eine Idee, wie der Tod in guter/gesunder Weise zum Leben gehören kann?
Der Tod gehört zu unserem Leben. Das kann man gut oder schlecht finden. Es ändert aber nichts an der einfachen Tatsache: Wir werden geboren und wir sterben. Alles völlig normal. Was uns krank macht, ist unser Leugnen. Unser „Nicht-wahrhaben-wollen“. Unser ständiges „So-tun-als-ob-es-uns-nichts-angeht“. Unsere Angst, den Schmerz zu spüren. Die Kontrolle über unsere Gefühle abzugeben. 
Nach allem, was ich selbst mit meiner Trauer erlebt habe, ist der Tod für mich heute ein Geschenk: ein Geschenk des Lebens. Das mag jetzt vielleicht komisch und ein bisschen absurd klingen, aber seit ich begriffen habe, dass ich sterben werde, lebe ich. Ich vertage nichts mehr auf morgen. Ich warte nicht mehr auf den perfekten Moment. Ich spüre mich und meinen Körper, hier und jetzt. Ich schätze mein Leben und bin dankbar für alles, was ich habe. Man kann sein Leben nicht nachholen oder aufschieben. Man kann es nur jetzt leben. Mit allem, was dazu gehört: mit den Ängsten, dem Schmerz und den vielen Dingen, die man nicht kontrollieren kann. Aber ganz ehrlich: Kontrolle abzugeben ist etwas Wunderbares. Sich fallen zu lassen. Das Leben auch mal auf sich zukommen lassen, statt ihm immer ehrgeizig hinterherzurennen. Ich lebe und ich werde sterben, so einfach ist das. Sich diese einfache Wahrheit öfter mal bewusst zu machen, würde vieles verändern. Es könnte dazu beitragen, dass wir in einer guten und gesunden Weise mit dem Tod umgehen.
In verschiedenen Kulturen und Religionen gibt es sehr unterschiedliche Formen mit dem Tod umzugehen. Gibt es eine, die dir besonders zusagt?
Eine Freundin hat mir neulich von ihrem Urlaub in Mexiko erzählt und wie die Mexikaner mit dem Tod umgehen: Sie feiern ihn einmal im Jahr mit einer riesengroßen Party. Ein Fest des Lebens, bei dem sich alle wiedersehen: die Lebenden und die Toten. Es gibt laute Musik, gutes Essen und Tanz. Der Tod ist dort nicht schwarz und weiß: Er leuchtet in allen Farben des Regenbogens. Das gefällt mir. Trauer ist viel mehr als immer nur traurig zu sein. Es bedeutet, sich zu erinnern: an die schönen Momente, an all die Situationen und Erlebnisse, die man zusammen geteilt hat. Wenn man jemanden verliert, den man liebt, dann tut das weh. Keine Frage, das ist das Schlimmste. Aber was wäre ich für eine Freundin, wenn ich mich an Doris nur mit all dem Schmerz erinnern würde? Sie war meine erste beste Freundin. Wir hatten so eine tolle Zeit miteinander. Wir haben Radio gespielt und Schneehöhlen gebaut. Daran will ich mich erinnern. Nicht nur an ihre Glatze nach der – gefühlt – 48. Chemo. Sie hat das Leben geliebt, obwohl sie sterben musste. Darum geht es.
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Quelle: Wiki Commens
Um den Tod einen Platz in unserem Leben zu geben, hast du die Plattform „Dein Tod und ich“ gegründet – ein Projekt, das schnell bekannt und zu deinem Herzensprojekt wurde. Bis jetzt. Was hat sich verändert?
Dein Tod und ich war einer der Gründe, warum ich mich selbständig gemacht habe: Ich wollte mehr Zeit dafür haben, ein Buch mit ausgewählten Interviews veröffentlichen, die Plattform zu DER Trauerplattform im deutschsprachigen Raum ausbauen. Seit einigen Wochen hat sich etwas verändert. Ich habe gemerkt, dass ich mich immer mehr davor drücke. Erst dachte ich, ich hätte vielleicht Angst, dass mich meine eigene Trauer wieder einholt. Vielleicht ist es auch die Angst, etwas falsch zu machen. Nicht die richtige Antwort auf die persönlichen Geschichten zu finden, die mir so viele Menschen ganz offen und ehrlich erzählen. Ich kann es nicht erklären, aber ich habe das Gefühl, dass ich fertig damit bin. Der Tod und die Trauer haben mehr als 20 Jahre meines Lebens bestimmt. Ich dachte immer, dass ich es Doris schuldig bin, ihr Andenken zu bewahren. Alles dafür zu tun, dass sie nicht vergessen wird. Ihrem Tod einen Sinn zu geben. Irgendwie war sie all die Jahre auch immer noch hier. Ich weiß nicht, warum und ich weiß auch nicht, wie ich das erklären soll, aber Doris ist gegangen. Sie ist weg und mit ihr der Wunsch, der Trauer ein Gesicht zu geben. Ich will mich mit dem Leben beschäftigen. Ich will das Beste vom Leben erwarten. Ich will mir alles wünschen, was ich mir vorstellen kann. Ich will jeden Tag genießen und glücklich sein. Ich weiß, dass ich sterben werde. Ich muss mich nicht mehr jeden Tag daran erinnern.
Dein neuestes Projekt heißt „viel mehr als grau“ oder auch „Unterhose„. Wie bist du dazu gekommen, einen perfekten „Frauenschlüpper“ zu erfinden? Und was macht ihn perfekt?
Ich war sehr unzufrieden mit meiner eigenen Unterhosensituation. Irgendwie gab es nichts, was meinen Vorstellungen von einer perfekten Unterhose entsprochen hat. Deshalb habe ich kurzerhand meine eigene erfunden und zusammen mit einem Schneider in den letzten Monaten entwickelt. Eine perfekte Unterhose ist bequem und sexy. Sie hat kein lästiges Etikett, das man erst herausschneiden muss. Sie ist aus qualitativ hochwertiger und robuster Baumwolle (mit ein bisschen Elasthan) und das wichtigste: Sie macht Spaß! Es gibt kein Schwarz und kein Weiß bei meinem Wäsche-Label, viel mehr als grau: nur knallige Farben. Jeden Monat wechselt die Farbe. Die erste Edition ist himbeerfarben und heißt „Glück ist immer selbstgemacht.

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Die Unterhose kommt im Sommer auf den Markt, „Dein Tod und ich“ verändert sich… welche Jahresbilanz möchtest du am 31. Dezember 2016 gerne ziehen?
Trotz der Aufregung, der Unsicherheit und der vielen Fragezeichen, die sich gerade überall in meinem Leben auftun, ist es doch schon jetzt eins der tollsten Jahre überhaupt. Veränderung ist gut. Sie rüttelt an allem, was nicht mehr gebraucht wird. Sie schafft Platz für Neues.

Ich möchte ohne Druck und Stress eine Entscheidung für „Dein Tod und ich“ finden. Das Projekt vielleicht in neue, vertrauensvolle Hände geben. Die Unterhose soll nach zwei Jahren Entwicklungsarbeit endlich das Licht der Welt erblicken: Ich bin so neugierig, wie es damit weitergeht. Ob andere meine Begeisterung dafür teilen.

Groß ausgefeilte Pläne habe ich nicht in der Schublade. Ich möchte den Dingen auch einfach mal ihren Lauf lassen, mit dem „Flow“ gehen, auch wenn er zwischendrin eine Pause macht. Mir die Zeit nehmen, um immer wieder innezuhalten. Mich in die Selbständigkeit „eingrooven“. Weiterhin schöne PR-Jobs machen. Inspirierende Menschen treffen. Zeit mit meinen Liebsten verbringen. Und vor allem: einen tollen Sommer in der schönsten Stadt der Welt!
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Sommer in Berlin, Judith Peller, Dein Tod und ich

… zumindest der beste meiner kleinen Welt ist der Getränkte à la Betty Bossi. Sein Geheimnis liegt im Zitronenguss. Er verleiht ihm diese wunderbare „Knietschigkeit“ (gibt es das Wort eigentlich offiziell?). Dazu ist er auch noch ruckzuck und easy peasy gemacht. Ein Kuchen für Zwischendurch also, für werktags und unter der Woche. 

So geht’s: 
Der Teig
250 g zimmertemperierte Butter weich rühren
250 g Zucker hinzugeben
4 Eier dazugeben und alles gut miteinander verrühren
2 Zitronen reiben und Schale dazugeben
250 g Mehl
1 TL Backpulver und 
1 Prise Salz 
1 Prise echte Vanille unterrühren   
Den Teig anschließend in gut eingefettete Kuchenform füllen und bei 180°C ca. 60 Minuten backen. 
Der Guss
100 g Puderzucker in
100 ml Zitronensaft auflösen
Wenn der Kuchen ein wenig ausgekühlt ist, mehrmals einstechen und mit dem Guss tränken. Fertig. Köstlich! Dazu einen Cortado [span.: gekürzt, geschoren]: Espresso mit ein wenig Milch und etwas mehr Milchmädchen [gezuckerte Kondensmilch aus der Tube] und der Moment ist perfekt.
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„W Z R G“. Das hat der Maler Otto Niemeyer-Holstein in großen Lettern auf seinen Kahn gepinselt. Man kommt kaum von allein darauf, wofür sie stehen: „Wunschlos. Zeitlos. Restlos. Glücklich.“ Das waren auch meine Tage am Meer.

So weit habe ich lange nicht mehr GESEHEN. Es tut den Augen so gut, die meist auf Nahsicht einGESTELLT sind. Wenn’s nicht die nächste Häuserwand ist, auf die sie treffen, ist es der Monitor. Oder manchmal auch ein Buch.

Apropos Buch: GELESEN habe ich noch in Salters Alles, was ist, das so nüchtern vom Leben, Sterben, Lieben und Scheitern erzählt, dass es beinah wehtut. Ab und an frage ich mich, wie es wohl aus der Feder und Perspektive einer Frau geschrieben wäre. Vielleicht ist das unmöglich, allein schon weil die Erfahrung des Kriegsdienstes „als biografische Bruchstelle“ fehlt.

GEHÖRT habe ich unter anderem SILFRA von Hilary Hahn und Hauschka. Ein wunderbares Album, aufgenommen auf Island, dort wo Europa und Amerika aufeinander treffen. Man kann die Magie des Ortes hören. Besonders GEFÄLLT mir das Stück Krakow. Außerdem Yo La Tenga wiederGEFUNDEN und mit Mann und Ma. zu Friday I’m in Love GETANZT.

Viele Wanderungen habe ich GEMACHT. Allein und zu dritt. Am Strand, an der Steilküste und am Achterwasser entlang. Bis zum Lüttenort und weiter nach Koserow. In Udos Fischräucherei Matjesbrötchen GEGESSEN. Als Wegzehrung und weil man’s einfach muss, wenn man hier ist.

Zwischendurch, weil ich mich auch hier nicht dem Weltgeschehen entziehen kann, GEHOFFT, dass sich alle vergegenwärtigen, wofür die neuen Rechten stehen und was auf dem Spiel steht, wenn sie ihnen ihre Stimme geben.

GESCHMUNZELT habe ich über Pippi Langstrumpf. Was sie über die Schule in Argentinien erzählt, ist einfach großartig: „Da fangen die Osterferien drei Tage nach den Weihnachtsferien an, und wenn die Osterferien zu Ende sind, dauert es drei Tage, und dann fangen die Sommerferien an. Die Sommerferien hören am 01. November auf, und dann muss man sich natürlich ordentlich abrackern, bis am 11. November die Weihnachtsferien anfangen. Aber das muss man aushalten. Jedenfalls hat man keine Schularbeiten… .“

Dass die Winterferien noch ein wenig länger wären, das habe nicht nur ich mir GEWÜNSCHT. Aber am Sonntag machen wir Flohmarkt und das wird {hoffentlich} noch ein großer Spaß. Vielleicht wollt ihr mal vorbeischauen? Wir sind hier.

GEKLICKT habe ich immer wieder zu Rike, weil mir ihre Scherenschnitte so ausnehmend gut gefallen.

Soviel für heute und die vergangene Woche. Habt’s gut!

M i MA pausiert ein Weilchen. Am 1. Dezember geht´s weiter. Bis dahin alles, alles Gute! Ich freu mich auf ein Wiedersehen.

Kleine Pausenliste
Pausenzeichen > Susan Pinker über „Echtkontakt“ 
Pausenträume > Über das Tagträumen
Pausenmusik > japanische Popmusik at it´s Best 
Pausenhunger > Snacks und andere Kleinigkeiten
Pausenfüller > Ein kurzer Film über die Liebe
Pausenkaffee > bei einer kleinen feinen Berliner Rösterei 
Pausenbrot > 2 Rezepte, die Kleines groß machen
Pausenlicht > Licht im Gasometer
Pausentaste > Pausenfotografien von Marc Renaud
Pausenlektüre > über Faulheit 
Pausenklingel > Freunden eine Freude machen

„Mama, wie schön!“, sagt mein Sohn, als der Weg sich öffnet und den Blick auf den Turm freigibt. Der historische Wasserturm auf dem Nesselberg in Waren an der Müritz ist für uns eine Entdeckung. In diesem Herbst habe ich das wunderbare Glück, hier mit Indre und unseren drei Kindern ein paar Tage zu verbringen. Den Turm umgibt ein kleiner lichter Wald aus nun gelbbunten Herbstbäumen, der Blick geht hinauf zu unserem Ziel, die beiden obersten Stockwerke, und in Gedanken wiederhole ich den Ausruf meines Sohnes, als wir dem Turm unters Dach gestiegen sind und die Wohnung „Pankow“ sehen.

Während ich aus manch einer Ferienwohnung fliehe ob der Einrichtung oder Enge, habe ich hier umso mehr Lust, gemeinsam den Tag beginnen und ausklingen zu lassen. Auf zwei Stockwerken laden viele Verweilplätze zum Lesen, zum Schauen und zum Ausruhen ein. Ich trete auf den umlaufenden Balkon, lasse meinen Blick über die Baumwipfel schweifen und freue mich auf ein paar Tage im herbstlichen Waren.

 

Am nächsten Morgen erwache ich in unserem runden Schlafzimmer und sehe die Müritz durch die Bäume glitzern. Die gedämpften Geräusche meiner Mitreisenden verlieren sich in der weiträumigen Maisonnettewohnung. Nach einem gemütlichen Frühstück erkunden wir die Gegend auf einem kleinen Ausflugsschiff der Blau-Weißen Flotte. Als wir in den Reeckkanal einfahren, entdecke ich einen Eisvogel. Kaum sichtbar sitzt er auf einem Baumstamm; sein farbiges Gefieder hat ihn verraten. Vorbei an herbstbunt gesäumten Ufern, hier und da eine versteckte Villa hinter den Bäumen, fahren wir zum Kölpin- und weiter zum Fleesensee. Die kurzen Ortsbeschreibungen des Kapitäns lassen uns genug Zeit zum Träumen.

 

Mit einem Tee und einem Glas Wein genießen wir später in „unserem“ Turm den Abendhimmel über der Müritz. An den Fenstern sammeln sich Marienkäfer und kündigen den Abschied vom noch warmen Herbst an. Die Kinder „retten“ die Krabbeltiere mit großem Eifer und bringen fast sommerliche Geschäftigkeit in die runden Räume. Über uns trommeln die Dohlen, die unterm Dach zu Hause sind.
Das trübe Wetter am nächsten Tag kann uns nicht schrecken: Wir leihen Fahrräder am Fuß des Nesselbergs und fahren von dort in den Müritz-Nationalpark. Der Weg führt uns am Ufer der Müritz durch lichte Wälder, immer wieder halten wir an und freuen uns am Farbenspiel der Bäume. Kleine Schilder am Wegesrand weisen auf Beobachtungsstände am Ufer hin, von denen aus sich heimische Vögel wie See- und Fischadler beobachten lassen. Nach zwei Stunden erreichen wir den Müritzhof, der vom Lebenshilfewerk Waren bewirtschaftet wird und nur ohne Auto zu erreichen ist. Im Hofgarten begrüßt uns ein alter Quittenbaum, beladen mit vielen dicken, gelben Früchten. In der hofeigenen Schänke werden regionale Gerichte sowie frisches Brot und selbstgebackener Kuchen angeboten. Die Kinder erkunden sofort das weitläufige Gelände und besuchen die Gotlandschafe, Fjällrinder und Shetlandponys auf den Weiden rund um den Hof.

 

Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher in die Fontanestraße und bestaunen alte Villen und skurrile Eigenheime. In der Therme des Kurzentrums unterhalb unseres Turms lassen wir den Abend entspannt ausklingen. Wasserturmgäste können sie exklusiv nutzen, wenn sie sich eine Anwendung gönnen.

Am dritten Tag steigen wir der kleinen Stadt auf das Dach. Vom Kirchturm der St.-Marien-Kirche blicken wir in alle vier Himmelsrichtungen und suchen uns unser nächstes Ziel aus: der japanische Zen-Steingarten im Schaugarten am Tiefwarensee. Kanji Nomura ordnete kleine und große Steine der Region zu einem vieldeutigen Zengarten an. Der Betrachter sieht den Kranich als Vogel der Region, vielleicht aber auch eine Insel, zu der alle streben. Leider waren wir zu früh für einen Besuch im Café des Hotels Am Tiefwarensee. Dort gibt es am Nachmittag selbstgebackenen Kuchen und am Abend eine kleine Auswahl an Speisen der mecklenburgischen Küche. Also schlendern wir zurück zum Hafen und essen zum Mittag Fischbrötchen auf dem Räucherkahn.

 

 

Ich hatte in diesen Tagen das Gefühl, der Natur und dem Herbst sehr nahe zu sein. Das nächste Mal möchte ich gern den Frühling hier entdecken, dem Zug der Kraniche zurück an die Müritz zusehen und vielleicht nur mit einer Freundin in einer der anderen drei Wohnungen im Wasserturm übernachten. Dieses Mal sind wir lieber auf eigene Faust Rad gefahren, das nächste Mal aber mache ich sicher die fünfstündige Nationalpark-Radtour mit Führung. Auch die MüritzTherme in Röbel und das Naturerlebniszentrum Müritzeum heben wir uns auf, denn wir kommen sicher wieder in den Wasserturm zurück.
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Heide Waechter-Akkus ist selbstständige Lektorin und Texterin {www.textwaechter.de} und lebt mit ihrer Familie in Berlin.
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