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Wohnen

schmasonnen

Vor fast genau zwei Jahren erblickte »schmasonnen« das Licht der virtuellen Welt. Drei Anläufe hatte Schirin Jäger genommen, bis sie sich am 27. Dezember 2014 entschloss, die »Welt« an ihrem »täglichen Leben mit ihrer kleinen Familie in der schönsten Hansestadt der Welt« teilhaben zu lassen – im vollen Bewusstsein, dass sie nicht eben eine Marktlücke trifft: »Ja, ein Blog ….. Es gibt ja so wenige…. Ich mach es aber trotzdem, denn ich glaube einfach daran, dass es hier so viele von Euch gibt, die genau so denken und fühlen wie ich und ich muss es Euch erzählen.« Und Schirin sollte recht behalten: In den vergangenen zwei Jahren hat sie sich mit »schmasonnen« einen festen Platz in der »Einrichtungs-Blogosphäre« erobert.

Wie und warum das Thema »Wohnen und Einrichten« ihr nicht nur persönlich am Herzen liegt, sondern auch oder sogar vor allem beruflich – darum geht es u.a. im heutigen Montagsinterview, mit dem ich allen einen guten Start in die neue Woche wünsche. – Vielen Dank, liebe Schirin, für die spannenden Einblicke!

hereinspaziert bei schmasonnen

Wer und was steckt hinter »schmasonnen«?

schmasonnen, das bin ich, Schirin. Wie dieser Name genau entstanden ist, kann ich Dir gar nicht sagen. Ich weiß, dass ich ihn als Benutzernamen bei der Wohncommunity »SoLebIch« angegeben habe. Aber eine richtige Anekdote kann ich dazu nicht erzählen. Mit diesem Namen begann mein Treiben in sozialen Netzen und ich es ganz gut fand, dass ich meine Identität dadurch ein wenig verstecken konnte. Mittlerweile stört es mich nicht mehr so sehr, so dass ich gerne erzähle, wer schmasonnen eigentlich ist.

Ich bin 37 Jahre alt, verheiratet, Mutter und von Beruf Diplom-Heilpädagogin. Seit einiger Zeit bin ich in der Nähe von Bremen als Pädagogische Leiterin für das Wohnangebot für Menschen mit geistiger Behinderung tätig. Nebenbei schreibe ich auf dem Blog Schmasonnen über mein Lieblingsthema Wohnen, das mir im persönlichen wie im beruflichen Kontext sehr am Herzen am liegt: Ich habe die Vision, dass Menschen mit Behinderung leben, arbeiten und wohnen können, wie sie es möchten, ohne Einschränkung. Das ist hier in Deutschland leider immer noch keine Selbstverständlichkeit.


»Wohnen steht für Geborgenheit, Eigenständigkeit und der Möglichkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen.«


Was magst du an deiner Arbeit besonders? Was wünscht du dir bisweilen anders?

Menschen mit Behinderung sollen genauso leben, wohnen und arbeiten können, wie Menschen ohne Behinderung. Dieses Grundrecht der uneingeschränkten Teilhabe am Leben in der Gesellschaft verlangt die UN-Behindertenrechtskonvention, die in Deutschland im Jahr 2009 in Kraft getreten ist. Leider sieht es in der Praxis nicht immer so aus, dass unabhängig vom Behinderungsgrad Menschen mit Handicap uneingeschränkt am Leben aller teilhaben können. Aber genau dieses Ziel zu erreichen, macht mir große Freude an meiner Arbeit.

Es geht darum, die Wünsche und Lebensvorstellungen ernst zu nehmen, Inklusion zu ermöglichen und das alles auf Augenhöhe. Menschen mit Behinderung sollen selber bestimmen können, wie sie leben und arbeiten möchten. Unsere Aufgabe ist es, gemeinsam mit unseren Kund/innen die dafür passenden Unterstützungsangebote zu »stricken«.

Mich beeindruckend es immer wieder, wie selbständig viele unserer Kund/innen durch die entsprechende Assistenz geworden sind und von einer 24-Stunden-Betreuung, den Weg in eine eigene Wohnung mit stundenweiser Betreuung, geschafft haben. Leider ist es sehr schwer, diese Möglichkeit für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf umzusetzen. Hier fehlt es noch an entsprechenden finanziellen und personellen Möglichkeiten. Wie sich das neue Bundesteilhabegesetz auf diese Situation auswirkt, bleibt abzuwarten. Es gibt viel daran zu kritisieren – und es ist nur zu hoffen, dass es zu keiner Verschlechterung der Lebenssituation führt.

Welche Art Behinderung haben die Menschen, mit denen du arbeitest und worin unterscheiden sie sich von Menschen ohne (diese) Behinderungen?

Ich arbeite vor allem mit Menschen mit geistiger Behinderung, zunehmend aber auch mit Menschen mit sogenannten Doppeldiagnosen. Letztere haben einen besonderen psychosozialen Unterstützungsbedarf. Sie unterscheiden sich nicht zu anderen Menschen. Es ist nur so, dass sie durch ihre Behinderung nicht die Möglichkeit haben, uneingeschränkt am Leben aller teilzunehmen. Dass bedeutet, dass sich die Umwelt –also der so genannte Sozialraum – dem Unterstützungsbedarf anpassen muss. Wenn zum Beispiel ein junger Mann mit einer geistigen Behinderung den Wunsch hat, mit seiner Freundin in einer eigenen Wohnung zu leben, er aber Hilfe beim Einkauf, im Haushalt oder bei Behördenangelegenheiten benötigt, dann müssen sich die Bedingungen des Sozialraums entsprechend anpassen. Es ist also nicht der Mensch mit Behinderung, der sich von nichtbehinderten Menschen unterscheidet, sondern seine Umwelt unterscheidet sich von der Umwelt nichtbehinderter Menschen.

Auf deinem Blog schreibst du über Interior, Bremen, Familie und Co. Warum nicht über deine Arbeit?

Wohnen ist ein Thema, das mich über meine Arbeit hinaus fasziniert – auf meinem Blog aber einfach anders. Also trenne ich diese beiden Welten voneinander. »schmasonnen« ist mein Ausgleich zu meiner Arbeit. Schon während meines Studiums habe ich mich für skandinavisches Design interessiert und es fasziniert mich immer noch sehr. Mit meinen Bildern versuche ich zu inspirieren, denn auch ich hole mir viel Inspiration von anderen Blogs.

Irgendwie haben mein Blog und meine Arbeit dann aber doch miteinander zu tun, denn Wohnen bedeutet vielmehr als nur ein Dach über den Kopf zu haben. Es steht für Geborgenheit, Eigenständigkeit und der Möglichkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Auf der Arbeit kommt mir meine Blog-Erfahrung insbesondere dann zugute, wenn ich beim Aussuchen entsprechendem Wohnraums assistiere. Umgekehrt profitiere ich beim Bloggen von meiner Arbeit, da mir dadurch mir klar wird, was für Menschen beim Wohnen eigentlich wichtig ist.

Du lebst mit deiner Familie in Bremen. Was macht die Stadt für dich lebens- und liebenswert? Worauf könntest du gut und gerne verzichten?

Bremen hat vor allem architektonisch viel zu bieten. Neben den wohl bekanntesten Bauten im Zentrum, dem Rathaus und dem Dom ist es vor allem der Stil des »Altbremerhauses«, welches das Stadtbild so prägt. Und auch die Menschen sind sehr offen und tolerant. Inklusion ist hier ein wichtiges Thema und auch schon in vielen Bereichen umgesetzt. Seit kurzem gibt es hier zum Beispiel auch ein Restaurant, in dem Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten, ein sehr beeindruckendes Projekt.

Darüber hinaus entsteht in einem Bremer Stadtteil, der Neustadt eine tolle neue Cafészene mit innovativen Ideen und Konzepten. Das ist für Bremen wirklich neu, denn solche Konzept-Gastronomien haben es hier in der Hansestadt nicht einfach. Die Cafékultur ist hier sehr traditionell geprägt und viele neue Cafés sind leider an dieser Tradition gescheitert. Umso schöner ist es mitzuerleben, dass jetzt Cafés als Orte der Begegnung entstehen – mit gutem Kaffee und kulturellen Angeboten.

Im Großen und Ganzen bin ich wirklich sehr zufrieden mit dieser Stadt. Natürlich ist es auch mir ein Dorn im Auge, dass unser Bildungsstand so schlecht ist. Hier muss sich dringend was ändern, auch und in der Kinderbetreuung, die ist im Vergleich zu anderen Großstädten (a) sehr teuer und (b) schlecht ausgebaut. Zunehmend stört mich auch, dass der Drogenkonsum im ehemaligen Vorzeige-Quartier »Bremer Viertel« so massiv angestiegen ist und es scheinbar kein Mittel dagegen gibt. Wir wohnen zwar nicht in diesem Viertel, aber wir sind häufig dort und es fällt mir schwer, mit meinen Kindern durch die Straßen zu gehen, denn Alkoholismus und Drogen sind hier an der Tagesordnung – zu jeder Zeit.

Was bedeutet dir das »schöne Wohnen« und was macht wohnen für dich schön?

Schön ist immer individuell. Schön mag für mich anders sein als für Dich. Wichtig ist, dass man sich mit seinem Wohnstil identifiziert und vor allem nicht jedem Trend hinterherrennt. Ein eigener Wohnstil hat meiner Meinung nach Wiedererkennungswert und dann ist dieses Wohnen für mich auch schön.

Was wünscht du dir zu Weihnachten und für das neue Jahr?

Vor allem Zeit mit meiner Familie und mit meinen Freunden. Seit der Geburt meiner Tochter vor ca. einem Jahr habe ich das Gefühl, die Zeit rennt nur so an mir vorbei. Weihnachten werden wir ein bisschen innehalten, Stunden in der Natur verbringen, uns auf dem Weihnachtsmarkt verabreden und den Geruch von gebrannten Mandeln, Feuer und Zuckerstangen einatmen und den Moment genießen.

Für das kommende Jahr wünsche ich mir weniger Populismus, weniger Hassprediger und wieder mehr gesellschaftliches Miteinander. Was das neue Bundesteilhabegesetz für Menschen mit Behinderung bringen wird, ist abzuwarten. Es wird zu Beginn des neuen Jahres in Kraft treten, mit allen kritischen und lobenden Veränderungen. Nur darf es nicht dazu kommen, dass es zu einer Verschlechterung der Lebenssituation führt. Dass ist auch ein dringender Wunsch für das kommende Jahr.

schmasonnen hereinspaziert

{Reklame | Verlosung} So wie Kleider Leute, machen Bilder Wände. Ich selbst bin mit beidem eher zurückhaltend, so dass sich sowohl mein Kleidungs- wie auch mein Wohnstil eher schlicht ausnimmt. Nicht dass ich das „Üppige“ ablehne. Im Gegenteil. Den Bohemian Style zum Beispiel finde ich großartig und ich liebe die Petersburger Hängung – nur eben beides nicht an mir bzw. an meiner Wand. Da mag ich den lässigen Minimalismus bzw. die Solisten- und Reihenhängung lieber. Ihre Klarheit und Ruhe tun mir gut im quirligen Großstadtalltag.

Was ich solistisch oder in Reihe an meine Wände hängen würde? Zum Beispiel diese fünf Bilder von der Posterlounge, von denen ihr heute eines als Forex in Größe 50 x 70 cm gewinnen könnt.

Die Liebe käme Schlafzimmer, die White cubes ins Wohnzimmer und der Frankenstein in den Flur – oder alles drei in Reihe über die Coach. Im Kinderzimmer fände der Löwe einen {seinem Naturelle angemessenen} Einzelplatz und die Küche würde kurzerhand zum Tanzsaal erklärt. 


GEWINNT EINES MEINER 5 LIEBLINGSBILDER VON DER POSTERLOUNGE – ODER EIN BILD EURER WAHL.


Welches der fünf Bilder gefällt euch am besten? In welches Zimmer würdet ihr es hängen? Und wenn euch keines davon überzeugt: Welches würdet ihr gerne wohin hängen? Hinterlasst einfach bis Samstag, den 20. August 0.00 Uhr eure Antwort, und wenn ihr den Beitrag dazu noch auf Facebook teilt, freu ich mich noch mal mehr.

Die Gewinner/in wird wie immer von Frau Glück und Herrn Zufall ausgewählt und am Sonntag, den 21. August bekanntgegeben. Es ist – tadaa – die Nr. 1 und damit Dörte vom Pleißenhof. Herzlichen Glückwunsch!

Posterlounge, Poster

 

WestwingNow, Wohnen, Interior, HAY, Menu, Muuto, Normann Copenhagen

{Reklame} Wer mich bzw. M i MA kennt, weiß dass ich eine Vorliebe fürs Graue habe. Ich verbinde damit keineswegs die Eintönigkeit der „grauen Maus“ oder die fehlende Individualität der „grauen Masse“. Im Gegenteil. Für mich steht Grau für Vielfalt – für Vielfalt auf den zweiten Blick.

Was sich auf den ersten Blick als farbloses Einerlei zeigt, entpuppt sich beim zweiten Hinsehen als monochrome Vielheit: als Dunkel- oder Tiefgrau, Aschgrau, Hellgrau oder Taubengrau, als Schiefer-, Lava- oder Mausgrau etc. Ich mag diese „Grauzonen“. Keiner Wunder also, dass ich von meinem Streifzug durch WestwingNow vor allem Graues mitgebracht habe.

Die Bank Frame würde sich gut an unserer langen Flurwand machen, das Woll-Kissen Mingle auf unserem grauen Sofa Tom. Das Dosen-Set Peili  würde – wie der Jute-Teppich Mangrove – in unser schiefergraues Badezimmer wandern. Der Essig- & Öl-Spender Spoonless und das Handfeger-Set Sweeper & Funnel würden mit Schale Crenit einen Platz in unserer lavagrauen Küche bekommen. Vase Still und Stuhl Afternoon bekämen einen Platz am weißen Esstisch. Was meint ihr? Passt zu mir, oder? 😉

Kueche, graue Kueche, Haecker, M i MA zuegeltUnser Umzug liegt mehr als ein Jahr zurück. Mittlerweile sind uns die Geräusche und Gerüche vertraut. Wir finden die Lichtschalter ohne Hinzusehen und den Weg zum Klo im Schlaf. Die Möbel haben einen festen Ort gefunden und die Angst vorm falschen gehängten Bild ist einer neuen Lust am Wandgestalten gewichen. Klingt ziemlich abgeschlossen? Ist es auch. Aber doch nur ziemlich. Hie und da gibt es noch offene Baustellen, allen voran im Bad. Hier klafft noch immer eine riesige Lücke unterm Waschtisch.

Nach den guten Erfahrungen mit unseren Einbauschränken haben wir uns entschieden, auch für den „Lückenschluss im Badezimmer“ eine Tischlerei zu rate zu ziehen. Auf der Suche nach einem passenden Betrieb bin ich über die Edition Tischler gestolpert, einer Online-Plattform für Möbeltischler/innen. Zwar habe ich dort (noch) keine Schreinerei in unserer Nähe gefunden, wohl aber Gefallen an der Initiative, die dem Handwerk mehr Sichtbarkeit in der virtuellen Welt verleihen will. Über ihre Hintergründe, Hoffnungen und Akteure, das Verhältnis von Industrie und Handwerk und anderes habe ich mit Monika Dieckmann vom Fachverband Tischler NRW  gesprochen.

Badezimmer, dunkelgraue Badfliesen, dunkles Bad

Wer steckt hinter der Edition Tischler?

Die Edition Tischler ist ein Online-Ausstellungsraum für Tischler mit einer großen Leidenschaft für den Möbelbau. Sie setzt sich aktuell aus 29 Innungstischlereien zusammen, die sich zu einem bundesweiten Netzwerk – mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen zusammengeschlossen haben. Die Edition Tischler ist mit Unterstützung von Tischler NRW entstanden, dem Innungsverband des Tischlerhandwerks in Nordrhein-Westfalen.

Alle Möbel, die im Online-Showroom angeboten werden, sind von Tischlern im Netzwerk entworfen worden und werden in den Werkstätten der Editions-Tischler mithilfe moderner Maschinen und mit größter handwerklicher Präzision gebaut. Eine Jury wählt die handverlesenen Stücke anhand hoher Qualitäts- und Designkriterien aus. Wenn sich Kunden ihr Möbelstück ausgewählt haben, können sie sich an die nächst gelegene Editions-Tischlerei wenden – oder an jeden anderen der 29 Betriebe im Netzwerk. Dieser persönliche Kontakt ist wichtig, damit die Tischlerei das Möbel nach den Vorstellungen des Kunden fertigen kann. Der Tischler liefert es selbstverständlich bis nach Hause und baut es dort auch auf. Sollten später noch Fragen aufkommen, können sich Kunden jederzeit an ihre Tischlerei wenden.

Was ist das Ziel und die Vision der Edition?

Die Edition Tischler hat zwei große Ziele: Die Online-Plattform soll den Verkauf von Tischler-Möbeln über das Internet fördern, aber auch die Tischler als Gestalter und Einrichtungsexperten bekannter machen. Der Verkauf von Möbeln über das Internet boomt – doch das Handwerk ist im Vergleich zur Industrie wenig vertreten. Tischler NRW unterstützt als Innungsverband seine Mitgliedsbetriebe beim Aufbau der Plattform, um den Online-Verkauf von Tischlermöbeln zu fördern.

Tischler NRW möchte mit der Edition Tischler aber auch dazu beitragen, das Image dieses traditionellen Handwerks zu differenzieren und zu erweitern. Das Tischlerhandwerk gehört zu den ältesten Gewerken überhaupt, und dennoch wissen die meisten Menschen nur wenig darüber, was ein Tischler oder Schreiner, wie das Gewerk in einigen Regionen auch genannt wird, eigentlich macht – das bestätigen Umfragen immer wieder. Dabei ist das Tischlerhandwerk extrem vielseitig: Tischler planen und fertigen nicht nur Möbel und Küchen, sondern auch komplette Inneneinrichtungen. Mit modernen, zum Teil computergesteuerten Maschinen verarbeiten Tischler neben massivem Holz auch Kunststoffe, Holz- und Mineralwerkstoffe, Glas, Metall und Stein. Manche Tischler bauen komplette Häuser aus oder sie gestalten die Innenräume von Läden, Arztpraxen und Yachten. Manche bauen auch Messestände, Wintergärten oder Saunen. Andere Tischlereien fertigen hauptsächlich Fenster, Türen oder Treppen. Einige Tischler planen große Bauprojekte, andere sind studierte Gestalter und entwerfen ganze Möbellinien. In jedem Fall sind Tischler die richtigen Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Gestaltung und Inneneinrichtung – auch das soll die Edition Tischler kommunizieren.

Edition Tischler, Beistelltisch Nachtschublade
Beistelltisch Nachtschublade

Handwerkliche und industrielle Produktion – wie verhalten sie sich zueinander? 

Wie die Industrie, stellen auch Tischler ihre Möbel mithilfe moderner, zum Teil computergesteuerter Maschinen her, die sie mit traditionellen Handwerkstechniken kombinieren. Dennoch gibt es nach wie vor gravierende Unterschiede: Die Möbelstücke werden nicht anonym in riesigen Produktionsstätten, sondern in einer überschaubaren Werkstatt von einem ausgebildeten Gesellen oder Meister gefertigt. Vor allem aber nehmen Tischler sich für jede Kundin und jeden Kunden die Zeit, ein persönliches, maßgeschneidertes Möbelstück zu entwickeln und das passende Material auszusuchen. Für die Industrie, die auch versucht, auf der Basis wiederkehrender, seriell gefertigter Versatzstücke ihren Kunden immer mehr Varianten anzubieten, wäre das nicht rentabel. Teurer wird es beim Tischler trotzdem nicht, da durch den Verzicht auf die Handelsebene ein wichtiger Kostenfaktor entfällt.

Warum sollte ich Möbel vom Tischler (statt von der „Stange“) kaufen?

Tischler sind Gestaltungs- und Einrichtungsexperten, die sich wirklich Zeit für ihre Kunden nehmen. Das Einrichten einer Wohnung ist schließlich eine persönliche Angelegenheit. Selbst dann, wenn die Kundin oder der Kunde noch gar nicht so genau weiß, was sie oder er eigentlich will, kann der Tischler ihnen helfen, die Idee zu konkretisieren. Er hat die Fähigkeit, vage Vorstellungen in Entwürfe zu verwandeln und (Einrichtungs-) Probleme zu lösen: Wenn Kunden beispielsweise nicht mehr wissen, wie sie ihre vielen Sachen unterbringen sollen, entwickelt der Tischler eine maßgefertigte Stauraumlösung, die zum Einrichtungsstil der Kundin oder des Kunden passt. (Interessante Tipps finden Sie dazu auf der interaktiven Internetplattform www.mehr-stauraum.de.)

Edition Tischler, Buecherregal Link
Bücherregal Link

Wer kann sich Möbel vom Tischler leisten?

Es gehört zu den Mythen, dass Möbel vom Tischler immer teurer sind als Industrieprodukte. Für eine maßgeschneiderte Küche vom Tischler beispielsweise muss ein Kunde keineswegs tiefer in die Tasche greifen als für eine hochwertige Marken-Küche. Möbel vom Tischler sind jedoch sicherlich nichts für Menschen, bei denen der günstigste Preis bei der Wahl ihrer Einrichtung Entscheidungskriterium Nummer eins ist. Möbel vom Tischler lohnen sich für all jene, die ihre Einrichtung mit Sorgfalt auswählen, Wert auf die optische und haptische Qualität ihrer Möbel legen, oder die es zu schätzen wissen, wenn ihr Möbel eine individuelle Handschrift trägt.

Wie sehen Sie die Zukunft der Möbeltischlerei?

Unsere Gesellschaft individualisiert sich immer mehr – ob Singles, klassische Familie, Patchworkfamilie oder Senioren – jeder hat eigene (Wohn-)Bedürfnisse, die sich im Laufe eines Lebens wandeln. Der Bedarf an Möbeln und Einrichtungen, die auf den einzelnen Menschen zugeschnitten sind, wird daher in Zukunft noch steigen, sodass es für Tischler immer genug zu tun geben wird.

Aber auch die Betriebe selbst wandeln sich: So bietet die digitale Kommunikationstechnik schon jetzt viele Optionen, die auch die Arbeitsweise in der Tischlerei verändern: Schon lange nutzen viele Tischlereien beispielsweise die CNC-Technik, mit der eine effiziente Fertigung jeder beliebigen Freiform möglich ist. Die stetig wachsende Vielfalt an Materialien verändert ebenfalls das Tischlerhandwerk: Ob es um den Einsatz innovativer Werkstoffe, beispielsweise mit selbstheilenden Oberflächen, den 3-D- Druck oder Licht im Möbel geht – die Vielfalt, die das Tischlerhandwerk seinen Kunden bieten kann, nimmt immer mehr zu.

Auch bei der Präsentation von Entwürfen gibt es immer ausgefeiltere Möglichkeiten, damit sich Kunden ein wirklichkeitsgetreues Bild von ihrem geplanten Möbel oder ihrer Einrichtung machen können. Immer mehr Tischlereien werden in Zukunft Apps nutzen, mit denen das neue Möbel in die bestehende Einrichtung projiziert werden kann. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Kunden in einer virtuellen Realität ihre neu gestaltete Wohnung schon in der Planungsphase begehen und von allen Seiten ansehen können.

Edition Tischler, Beistelltisch EMIL
Beistelltisch EMIL

Es passt nicht ganz in die Kategorie „Design“, aber es ist „made in GDR“: das Funkhaus Nalepastraße, das ich kürzlich besuchte (und dabei zufällig auch ein UFO entdeckte). Ein imposantes Gebäudeensemble liegt da jwd* direkt an der Spree und spricht eindeutig die Sprache des Bauhauses. Das ist ungewöhnlich ist, bedenkt man, dass es mitten im Formalismusstreit (1951 bis 1956) entstand. Ungewöhnlich  – und weltbekannt – ist auch seine Akustik.Diverse Musikgrößen und -labels nutzten das Studiogebäude ob seiner herausragenden Klangqualität, der optimalen Nachhallzeit und seiner Ausstattung. Darunter A-ha und Sting, Universal, BMG und Sony, das Deutsche Filmorchester Babelsberg,  Kent Nagano und Daniel Barenboim, der es als „eines der besten Aufnahmestudios weltweitbezeichnet. Hinter dieser ingenieurtechnischen Meisterleistung stand, neben dem Chefingenieur Gerhard Probst, dem Akustiker Lothar Keibs und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Gisela Herzog, der Architekt und Möbeldesigner Franz Ehrlich.Ehrlich ist eine schillernde Gestalt. 1907 als fünftes Kind in Leipzig geboren, wächst der überzeugte Kommunist in einfachsten Verhältnissen auf. Nach der Volksschule absolviert er zunächst eine Maschinenbauehre. 1923 besucht er eine Bauhaus-Ausstellung in Weimar und weiß nun, was er werden will: „Bauhäusler“. Er studiert bei László Moholy-Nagy, Paul Klee, Oskar Schlemmer und Joost Schmidt.

Die neue Gesellschaft, die dann kam, war freilich nicht die, die er meinte. Als die Nazis die Macht übernehmen, arbeitet Ehrlich als Werbegrafiker in Leipzig und gibt nebenher die illegale Zeitschrift „Junge Garde“ mit heraus. 1934 wird er verhaftet und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. 1937 kommt er nach Buchenwald: Zwangsarbeit im Steinbruch, ein Todesurteil.

Doch seine Fähigkeiten retten ihm das Leben. Ehrlich wird ins „Werkstättenaufbau-Kommando“ geholt. Dort entwirft er im Auftrag der Lagerleitung Wohnhäuser, Mobiliar für die Kommandanten, darunter eine Wiege mit SS-Runen. Viele seiner Blätter aus der Zeit im KZ sind erhalten geblieben. Ein Entwurf aber ist weltbekannt: der zynische Schriftzug im Tor des KZs, „Jedem das Seine“.

Auch der gelernte Bauhaus-Architekt und Möbelgestalter Franz Ehrlich steht für die serielle Typenproduktion. Seine in den 1950er Jahren entworfene Möbelserie 602 entwickelte sich zum Exportschlager und zählt zu den Design-Klassikern aus der DDR. Ehrlich war eine schillernde Gestalt. Der Erbauer des Funkhauses Nepalastraße in Berlin war Buchenwald-Inhaftierter und -Angestellter, verkanntes Genie, Hochstapler und Spitzel, eigensinnig und egoistisch. Als Gestalter wurde in der DDR ob seines „formalistischen Stils“ verschmäht, gleichzeitig aber als Devisenbringer und Chef-Designer der DDR-Außenhandelsrepräsentanzen heiß begehrt: „Ob in Moskau oder Peking, in Kairo oder New Delhi, in Brüssel oder Paris: alle hat Franz Ehrlich gestaltet. Aber in der DDR scheiterte Ehrlich mit seinen Entwürfen.“ Quelle

Schichtholzstuhl von Erich Menzel

HINWEIS: Wer die Klangqualitäten des Gebäudes live erleben möchte, kann dies am 11. Juni im Rahmen des MIRA Festivals tun.

und angeblich die beste Akustik 

 

*janz weit draußen
„Diese Vasen haben mit Kunst nichts mehr zu tun, denn jede sinnlich-ästhetische Wirkung wurde eliminiert“, schrieb der Journalist Karl-Heinz Hagen am 4. Oktober 1962 im Neuen Deutschland und verlieh dem Unverständnis der DDR-Obrigkeit, in Persona Walter Ulbricht, damit den Schein der Objektivität. Gegenstand der Kritik waren die Zylindervasen von Hubert Petras [*1929; †2010] auf der V. Deutschen Kunstausstellung in Dresden. Ihre Formensprache, in der „die ruhige Senkrechte die dominierende Sprache war und die Abwandlung untereinander ein rhythmisches Spiel“*, blieb dem Vorsitzenden des Staatsrats Ulbricht gänzlich verschlossen. „Kalt, glatt, nichtssagend“ fand er Petras geometrische Komposition. Dabei waren die schlicht-weißen Porzellanentwürfe eine konsequente Antwort auf zentrale Gestaltungsfragen in der DDR.
Der 1929 im slowakischen Kniesen geborenen Petras verfolgte – inspiriert von Wilhelm Wagenfeld und dessen Verständnis der „guten Form“ – einen Ansatz, der mit dem Ulmer Modell vergleichbar ist: An der Hochschule für Gestaltung Ulm entstand in den späten 1950er „ein auf Technik und Wissenschaft abgestütztes Modell des Design, der Designer nicht mehr als übergeordneter Künstler, sondern gleichwertiger Partner im Entscheidungsprozess der industriellen Produktion.“ (Otl Aicher).
In seinen Vasen verbanden sich Materialkenntnis, technisches Know-kow und gestalterisches Können. Insofern waren sie prädestiniert für die Sonderschau in Dresden, die den Stand des Industriedesigns der DDR repräsentieren sollte. Doch die dem „politischen Kitsch“ (Milan Kundera) zugeneigte DDR-Obrigkeit sah das anders: „Überschaut man die Exponate, so herrscht der Hang zum kalten Ästhetizismus, zu farbloser Eintönigkeit und Verarmung der künstlerischen Formen bis zum nackten Funktionalismus vor.“ (Karl-Heinz Hagen) So wurde die Ausstellung für den gelernten Töpfer und studierten Gefäßgestalter zum Eklat: Petras, der seit 1958 als künstlerischer Leiter an der Porzellanmanufaktur Rudolstadt-Volkstedt tätig war, wurde als „Formalist“ diffamiert und erhielt noch im selben Jahr Berufsverbot.

Wannenbottich für die Werit Kunststoffwerke (c) FORMost

 

Hubert Petras: Gläser | 1985/1986 | Glaswerk Harzkristall, Derenburg (c) HVG

Drei Jahre schlug er sich als freier Gestalter durch, bis er dank des couragierten neuen Rektors Erwin Andrä 1965 an der renommierten Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle – von der der finnische Designer Tapio Wirkkala (Iittala) schwärmte, man erhalte hier die beste Designausbildung der Welt –  eine neue Wirkstätte fand. Von 1966 bis 1995 lehrte Petras dort Industriedesign und trug maßgeblich zur Profilierung des Fachgebietes Gefäßdesign bei: „Konsequent in der künstlerischen Haltung schuf er zeitlos gültige Formen von hoher plastischer Sensibilität.“ Dabei bediente er sich nicht nur Porzellan und Glas, sondern setzte sich auch mit Kunststoffen auseinander, die sich seit den 1950er Jahren immer mehr durchsetzten. Wie?

Das wird exemplarisch an seinem Wannenbottich für die Werit Kunstsstoffwerke deutlich: „Der enge gestalterische Spielraum, den einem die Anforderungen ließen: die Fließform […], der Wunsch nach ganz einfacher Herstellbarkeit, die Haltbarkeit der Griffe usw. – das alles in eine einfache, klare und überzeugende Form zu bringen, eine Form überdies, die nicht einfach dem Diktat von Technologie und Festigkeit unterworfen ist, sondern einem adäquaten Ausdruck dessen und einer angenehmen Handhabung folgt. […] Derartige Vorgaben empfinde ich nicht als Einschränkung, sondern als herausfordernde Bedingungen, die mich oft ungemein motivieren.“** Für jenen Bottich wurde der lang geschmähte Petras 1979 sogar mit dem Design-Preis der DDR ausgezeichnet, und doch blieb die Polyethylen-Wanne ihm ein Dorn im Auge: Man hatte sein Griffdesign einfach abgeändert (heute werden die Bottiche in der Petraschen Ursprungsversion wieder hergestellt).

Links: Spülkasten Nr. 930 | VEB Sanitärtechnik Eisenberg (c) Kommunale Galerie Berlin| 1985 |
rechts: Schalenset | Wallendorf | 1961 (c) Jens Hartwig (Designhandlung)

Andere Haushaltsgegenstände aus Petras Feder, die er unter der Prämisse des zweiten Bauhausdirektors Hannes Meyer Volksbedarf statt Luxusbedarf entwarf, sind der formvollendete Spülkasten Nr. 930 von 1985 für die Firma VEB Sanitärtechnik Eisenberg (Bilder) oder die minder gelungenen Aschenbecher. Der formschöne Fön, den er bereits 1959 entworfen hatte, war bis 1989 in Produktion – ich hoffe noch auf die Wiederauflage der ersten Industrieentwurfs von Petras.

LD-Haarfön | VEB Elektrowerke Blankenburg | 1959 (c) Christoph Sandig
Hinweis: Das Museum in der Kulturbrauerei zeigt vom 8. April 2016 bis 19. März 2017 Design aus der DDR: alles nach plan? Formgestaltung in der DDR
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*aus: Penti, Erika und Bebo Sher – Die Klassiker des DDR-Designs. Hg. von Günter Höhne, S. 170
**aus: Gespräch mit Hubert Petras, Die Burg 6, 1996, S. 37
Würfelspiel von Ursula Wünsch | Schildkröte von Renate Müller | Der grüne Baum von Gerd Kaden


Mein Vater hat einen Schlaganfall bekommen und sich nicht mehr davon erholt„, antwortet Renate Müller auf die Frage, was die Enteignung für den Einzelnen bedeutete. Die Gestalterin aus der thüringischen Spielzeugstadt Sonneberg steht mit ihrer Unternehmensgeschichte exemplarisch für viele Handwerksbetriebe in der DDR – anders als mit ihrer Erfolgsgeschichte. Müller ist die einzige DDR-Gestalterin, die nach der Wende zu einem gewissen Weltruhm gelangt ist. Ihre „Rupfentiere“ stehen seit 2010 im MoMa (New York) und wechseln auf Auktionen schon mal im vier- bis fünfstelligen Zahlenbereich ihre Besitzer/innen. Doch zurück zum Handwerk.
Das Handwerk hatte einen schweren Stand in der DDR. Ideologisch verbrämt, praktisch unumgänglich (man brauchte sowohl seine Expertise als auch die Produktionsstandorte) wurde es seit den späten 1950er Jahren zunehmend beschnitten. 
Am 12. März 1959 verabschiedete die Volkskammer der DDR zwei Gesetze*, die eine Vielzahl handwerklicher KMU zwangen, den Produktionsgemeinschaften des Handwerks (PGH) beizutreten. Der Verlust der unternehmerischen Selbstständigkeit ging zunächst mit einem wirtschaftlichen Aufschwung einher – ein Dorn im Auge der Parteifunktionäre, die einen neuen Kapitalismus heraufziehen sahen. Auf dem VIII. Parteitag Anfang 1972 verkündete der neue Generalsekretär des Zentralkomitees (ZK) der SED, Erich Honecker, schließlich das Ende des sogenannten „nicht-sozialistischen Sektors in Handel und Gewerbe„, woraufhin sämtliche Großbetriebe innert weniger Monate enteignet und verstaatlicht wurden – so auch Spielzeugmanufaktur H.J. Leven-KG von Renate Müllers Eltern.

Kleiner Exkurs in die Firmengeschichte: Die Firma H.J.Leven Sonneberg wurde 1912 von ihrem Großvater gegründet. Nach seinem Tod übernahmen die Eltern 1962 die Spielzeugmanufaktur; Renate Müller stieg 1967 nach ihrem Studium an der Fachschule für Spielzeug bzw. Ingenieurschule für Maschinenbau und Spielzeugformgestaltung ins Geschäft ein. Auf Anregung ihrer Lehrerin Helene Haeussler begann sie mit der Fertigung der „Rupfentiere“.

Die nach dem groben Jutegewebe benannten Spielzeuge waren für therapeutische Zwecke (Kliniken und Kindergärten) konzipiert und gelangten daher nie in den normalen Handel. Die ersten Entwürfe waren Studentenarbeiten: das berühmte Nashorn stammt von Gudrun Metzel, die Ente von Elfriede Fritsche. Quelle Die im wörtlichen Sinne reizvollen Tiere fanden sofort Anklang; in enger Zusammenarbeit mit Ärzt/innen, Psycholog/innen und Therapeut/innen begann Renate Müller die Kollektion zu erweitern.

Die unterschiedlichen Oberflächen der Müllerschen Rupfentiere regen zum Greifen, Fühlen, Tasten und Turnen an. Bild links | Bild rechts

Nach der Verstaatlichung des elterlichen Betriebs arbeitete Renate Müller zunächst weiter. Doch als 1976 sämtliche kleinen Spielzeugbetriebe zum Kombinat Sonni zusammengefasst wurden und sie ihre Arbeit nicht fortsetzen konnte, beantragte sie die Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler der DDR. Auch damit stand Müller nicht allein. Viele DDR-Designer/innen wählten diesen Weg, da freiberufliche Künstler/innen mehr Freiheiten genossen als angestellte Industriegestalter/innen.


Auch Gerd Kaden, ein weniger bekannter, aber nicht minder großartiger Spielzeugdesigner wählte diesen Weg. 1975 trat der gelernte Spielzeugmacher und studierte Holzgestalter aus dem Erzgebirge dem Künstlerverband bei. Das war – vielleicht nicht ganz zufällig – in jenem Jahr, in dem er seine kongeniale Kugelbahn entwarf, die für die nächsten Jahrzehnte in der Schublade schlummerte. „[…] man war ja in der DDR nicht in der Lage, in der Industrie ein Produkt zu landen von der Gestaltung her“, erzählt der im erzgebirgischen Neuhausen lebende emeritierte Professor,Die Industrie war geprägt von der Herstellung für den Export […]. Der Gestalter hatte in seiner Anstellung eher die Aufgabe, […] die Produkte, die für den Export geeignet waren, so anzupassen, dass sie funktionierten.“ 

Bis 1978 war er noch für die Industrie tätig, dann richtete er seine eigene Werkstatt ein und arbeitete als freischaffender Gestalter sowie als Lehrbeauftragter an Fachschule für Angewandte Kunst Schneeberg. Heute widmet er sich ausschließlich seiner eigenen Firma Kaden & Kaden, die er 1992 zusammen mit seinem Sohn gründete.

Der Kugelbahn, die unabhängig zur selben Zeit auch in der Schweiz erfunden wurde, ist Gerd Kaden über all die Jahre treu geblieben. Er hat sie in diversen Größen, Farben und Formen entworfen – als Bausatz, als Spielplatz und in Weltformat. Daneben hat er Kindermöbel, einen Indoorspielplatz in Fukushima (Japan) und andere Holzspielzeuge entworfen, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Für seine schräge Kiste etwa erhielt er 2005, für den grünen Baum 2008 einen Designpreis. Matthias Kanter von der in Schwerin ansässigen Designplattform FORMOST ist überzeugt, dass Kaden – wie Müller – Weltruhm gebührt.

Die schräge Kiste von Gerd Kaden

Fantastische Holzspielzeuge stellt auch die Firma SINA her, die zwar wie Kaden & Kaden ihren Firmensitz im erzgebirgischen Neuhausen, jedoch eine recht andere Firmengeschichte hat.

Der Betrieb ist aus den Trümmern des Volkseigenen Betrieb VERO hervorgegangen, in dem sämtliche Spielzeugbetriebe der DDR 1972 zwangsvereinigt wurden. „Nach der Wende wurde VEB-Betrieb einfach liquidiert“, erzählt Geschäftsführerin Barbara Seidler. Ihr Mann habe nicht einfach zuschauen wollen, wie die damals 140-jährige Baukastentradition eingestampft wurde, also hätten sie gemeinsam die SINA Spielzeug GmbH gegründet. Einfach war das nicht. Bis das erste Täfelchen-Lege-Spiel nach Friedrich Fröbel 1995 in Produktion gehen konnte, musste das Unternehmen so manche Hürde nehmen.

Heute reicht das Sortiment des auf 21 Angestellte gewachsenen Unternehmens vom therapeutischen Kugeltisch über das Babybällchen bis zum Klassiker im Streichholzschachtelformat. Neben neuen Produkten junger Holzdesigner/innen aus dem In- und Ausland sind Klassiker von Kurt Naef und Friedrich Fröbel sowie Entwürfe der DDR-Designerin Ursula Wünsch darunter, die seit 1971 bis heute unter dem Firmennamen Wünsch‘ Dir Was Spielobjekte aus Holz für behinderte und andere Kinder entwirft. Mit ihren Kugelspielen und den Rechenmaschinen hätte sie meiner Meinung nach ebenfalls einen Platz unter den Stardesigner/innen der DDR verdient.

Würfelspiel von Ursula Wünsch für SINA

*Am 12. März 1959 verabschiedete die Volkskammer der DDR das Gesetz zur Ergänzung des Gesetzes zur Förderung des Handwerks und Gesetz über die Besteuerung der Handwerker.

** Mit der Machtübernahme Erich Honeckers auf dem achtem Parteitag beschloss das Zentralkomitee die Zwangsverstaatlichung aller mittelständischen Betriebe und Anteilseigner. Betroffen waren rund 11.000 Betriebe mit einer halben Million Beschäftigten, darunter rund 1.700 Produktionsgenossenschaften des Handwerks, mehr als ein Drittel aller PGH. Mitte Juli konnte Erich Honecker an den sowjetischen Staatschef Leonid Breshnew Vollzug melden. Aus: Helga Schultz: Produktionsgenossenschaften des Handwerks in der DDR und in der Transformationsphase. S. 8ff
Ein Zufall war’s – mal wieder – der mich zum „Alltagsgeschirr“ von Hedwig Bollhagen und den nach ihr benannten HB-Werkstätten für Keramik führte. Von dort war der Weg zum „DDR-Design“ nicht weit und meine Neugier erwacht. Schon nach kurzer Recherche war klar: Das ist ein weites Feld – zu weit als dass es mit einem Blogpost getan wäre. Also habe ich mich entschieden, eine kleine Serie zu starten. Ab heute stelle ich hier also regelmäßig eine/n Designer/in, einen Gestaltungsansatz und/oder ausgewählte Designstücke aus der DDR vor. Wenn ihr/Sie Wünsche, Anregungen oder Ideen habt/haben für ein Objekt, eine/n Designer/in oder einen Designansatz – immer gerne!
Meine erste Begegnung mit Design „made in GDR“ ereignete sich während meines Studiums.* Bis dato gehörten die beiden Begriffe für mich nicht wirklich zusammen. Mein Wissen begann beim Eierbecher in Hühnerform und endete direkt vor der „Platte„.  Die Welt dazwischen war mir unbekannt. Dabei ist sie (nicht nur im übertragenen Sinne) groß. Sie ist jedoch auch „schwierig“, und dieses „Schwierige“ ist wohl ein Grund für ihre anhaltende Unbekanntheit wie auch Unbeliebtheit.
Nach Meinung der SED-Parteiführung hatte Design (ebenso wie Kunst) im Dienste der „deutschen Kulturnation“ zu stehen und „dem opti­mis­ti­schen Lebens­ge­fühl des sozia­lis­ti­schen Men­schen“ Ausdruck zu verleihen (Nachtigall, ick hör dir trapsen). Das ist ein klares Bekenntnis gegen die künstlerische bzw. gestalterische Freiheit. Man könnte also sagen, die Unfreiheit steckt in jedem Designobjekt aus der DDR – und welche/r Sammler/in will schon die vergegenständlichte Unfreiheit in seiner Wohnung haben? Doch darum das „DDR-Design“ pauschal verurteilen oder weiterhin ignorieren und in den Archiven verstauben lassen? Ich denke nicht. Auch wenn es „kompliziert“ ist, lohnt der differenzierte Blick. Bei Weitem nicht jedes „Design made in GDR“ ist affirmativ, also system- und ideologiebejahend. Viele Entwürfe entstanden in der kritischen Auseinandersetzung mit dem DDR-System, das für zahlreiche Designer/innen mit Repressionen verbunden war. Ihre Gestaltungsansätze, die (nicht allein der Mangelwirtschaft wegen) darauf aus waren, mit einem Minimum an Ressourcen ein Maximum an Gebrauchswert zu erzielen, können auch – oder gerade heute – wertvolle Impulse für ein zukunftsfähiges Design liefern.
Liege und Musikanlage von Rudolf Horn | Bildquelle: jeder-qm-du.de 
Im Industriesektor wären etwa Rudolf Horn oder Karl Clauss Dietel hervorzuheben. Bereits in den 1960er Jahren haben sich die beiden Gestalter mit der Frage auseinandergesetzt, wie die sich wandelnden Bedürfnisse der Nutzer/innen integriert und die Funktionalität eines Produkts dauerhaft erhalten bleiben kann (womit sie in der DDR keine Ausnahme waren). Ihre Antworten nehmen aktuelle Tendenzen im Bereich des nachhaltigen Designs und der nutzerzentrierten Produktentwicklung vorweg (Stichwort: Co-Creation, Co-Production). Dabei kann man Horn als Vordenker des „Prosumenten„, Dietel als Pionier des nachhaltigen Designs sehen.

Viele ihrer Entwürfe scheiterten an der staatlichen Zensur, der eine funktional-schlichte Formensprache lange Zeit verdächtig war (siehe: Formalismus-Debatte). Doch manche Idee fand am Amt für Industrielle Formgestaltung (AID) vorbei in die Serienproduktion – nicht selten da sie sich zum Exportschlager entwickelte und dem Staat die dringend nötigen Devisen einbrachte. So etwa Horns bis heute ästhetisch überzeugendes „Möbelprogramm Deutsche Werkstätten (MDW)“ oder die von dem Designerduo Dietel und Lutz Rudolph entworfene Radioanlage für die Firma Heli Radio (die allerdings auch die/der „durchschnittliche“ DDR-Bürger/in erwerben konnte).

Der Tischler, Innenarchitekt und Ingenieur Horn sah den Nutzer bereits als „schöpferischen Mitgestalter“ als eine Verschmelzung von Konsument und Produzent noch undenkbar war. [Quelle] Seine in den 1960er Jahre entwickelten modularen, multifunktionalen Möbelprogramme sind das bekannteste Ergebnis dieses frühen „User-Centered Designs„. Noch spannender und geradezu wegweisend für das heutige Bauen finde ich jedoch sein Konzept des „Variablen Wohnens“ von 1969/1970. Es räumte den Bewohner/innen die größtmögliche Gestaltungsfreiheit ein und nahm die Idee des flexiblen Raums, wie er heute etwa im Design Thinking Anwendung findet, schon früh vorweg.
Das „Variable Bauen“ basierte auf einem großen, leeren Raum, in dem einzig eine Nasszelle fix vorgesehen war. Raumaufteilung und Zimmergestaltung oblagen ganz und gar den Bewohner/innen. Mithilfe flexibler Wände und des modularen Möbelsystems AM20 konnten sie den Raum entsprechend ihrer Bedürfnisse und Vorlieben selbst gestalten. Trotz des großen Interesses an Horns Konzept kam es nie über die Testphase hinaus. Vielleicht hat es heute, da bezahlbarer Wohnraum wieder knapp und nicht zuletzt durch die Flüchtlinge sehr unterschiedliche Wohnbedürfnisse unter einen Hut zu kriegen sind, eine neue Chance.

oben: Experimentalbau für variables Wohnen in Dresden (1973) | unten: Die variable Wohnung (1969) | Bildquelle: Burg Halle
Rundfunkgerät rk5 sensit mit Lautsprecher K20, HELIRADIO Gerätebau Hempel KG Limbach-Oberfrohna, K.C. Dietel/L. Rudolph, 1967-69 | Bildquelle: Stiftung Industrie- und Alltagskultur
Die Frage der Nutzerbedürfnisse durchzieht auch die Arbeit des gelernten Maschinenbauers und studierten Kraftfahrzeugingenieur Karl Clauss Dietel, der sie darüber hinaus mit dem Aspekt der Langlebigkeit verband. Seine Überlegungen hierzu kulminieren etwa im Begriff der „Gebrauchspatina„, wonach ein Gegenstand so gestaltet werden sollte, dass die Spuren seines Gebrauchs ihn auf- statt abwerten, er also sozusagen mit dem Alter schöner bzw. besser würde. An diesem Ansatz wurde nicht zu unrecht kritisiert, dass es dabei weniger eine Frage der Gestaltung und damit der Gestalter/innen, denn um die Haltung der Nutzer/innen zum Gegenstand ginge. Konsequenter ist dagegen das von ihm formulierte „Offene Prinzip„. 

Ein nach diesem Grundsatz gestalteter Gegenstand zeichnet sich nach Dietel durch die großen fünf L aus: Er ist „langlebig, leicht, lütt (klein), lebensfreundlich und leise“. Unter rein formal-ästhetischen Gesichtspunkten könnte man im iphone vielleicht ein „offenes Produkt“ erkennen. Es ist leicht, lütt und leise. Aus technisch-ökologischer Perspektive ist es jedoch exakt das Gegenteil, da es sich weder warten, noch reparieren und technisch erneuern, also auf einen technisch höheren Stand bringen lässt. Nun hat Dietel nie ein Mobiltelefon entworfen; hätte er es aber getan, wäre es vermutlich das Fairphone geworden. 
Exemplarisch für „seinen“ Designansatz steht das Kleinkraftrad Mokick S 50, das er und Lutz Rudolph 1967 für die Firma Simson Suhl entwickelten. Die einzelnen Bauteile passten in sämtliche Modelle und Fahrzeuggenerationen und waren in verschiedenen Varianten verfügbar, so dass die Nutzer/innen das Moped individuell anpassen konnten. Außerdem ließen sich Reparaturen oder der Austausch von Einzelteilen ohne große technisch-mechanische Vorkenntnisse selber machen – ein Design also, das auch gegenüber dem Do-It-Yourself-Prinzip offen war. 
Ich bin sicher: Mit derlei Dingen ließe sich leichter ein „enkeltaugliches Leben“ führen.
*Ich habe (im 1. Hauptfach) Kulturwissenschaft mit Schwerpunkt Ästhetik bei Karin Hirdina [*1941; †2009] studiert – eine großartige Lehrerin. Pathos der Sachlichkeit hieß ihr 1981 veröffentlichtes Buch, das wesentlich zur Versachlichung der Formalismus-Debatte in der DDR und einer Neubewertung des Bauhauses beitrug. Der Titel trifft jedoch ebenso gut auf sie selbst zu. Ob als Lehrende oder als Forschende, stets widmete sie sich ihrer Arbeit mit sachlicher Leidenschaft und leidenschaftlicher Sachlichkeit. Ich vermisse sie. Ihr präzises Denken, ihr messerscharfer Verstand und ihr konstruktiv-kritischer Geist fehlen – heute, da das pauschale Denken wieder Hochkonjunktur hat, umso mehr. 


Während ich „früher“ – also so vor eins, zwei Jahren – Blogs noch über meinen Blogreader oder andere Blogs aufspürte, finde ich sie heute zunehmend öfter über Instagram. So auch Labelfrei-ME, wobei ich nicht genau weiß, wer eigentlich wen entdeckt hat: Nina mich oder ich Nina. Aber das ist am Ende ja auch egal. Hauptsache ist, dass wir uns gefunden haben.  
Vor einiger Zeit hat mich Nina eingeladen, ein paar Einblicke in mein immer noch recht neues Zuhause zu geben. Das hat mich sehr gefreut, und auch darum – vor allem aber weil ich neugierig auf die Frau dahinter war – habe ich die „ewige Fränkin“ aus München für ein Montagsinterview angefragt. Ihre Antworten sind wie ihr Zuhause: frisch, fröhlich, klar und so sympathisch, dass ich hoffe, es ergibt sich bald eine Gelegenheit für ein Kennenlernen im Leben 1.0.
Hab‘ vielen Dank, liebe Nina, für deine frisch-fröhlichen Worte, mit denen ich allen einen erfrischenden Start in die KW 10 wünsche (nach dem gestrigen Wahlsonntag brauche zumindest ich das mehr denn je).
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Architektin, Mama, Münchnerin – was und wer ist Nina Jahn noch?
Gute Frage! Was bzw. wer bin ich? Ich bin vor allem ein humorvoller Mensch, der gerne viel lacht, mit Hang zur Ironie und schwarzem Humor. Ich liebe Musik, Schokolade und Kaffee! Ein Start in den Tag ohne Kaffee ist undenkbar. Ich hasse Petersilie und so manches Fleisch, bin aber ganz sicher kein Vegetarier. Reden kann ich ohne Punkt und Komma! Hmm, bin ich dann eigentlich ’ne Quasseltante? Beim Schreiben kann das mit den Punkten und Kommas dann auch mal zum Problem werden. Außerdem habe ich einen enormen Dickschädel und kann zuweilen schnell an die Decke gehen. Meine Schwäche für schöne Dinge zeigt sich eigentlich in allen Lebensbereichen. Eine gewisse Kreativität würde ich mir auch zugestehen, wobei ich die sicher stärker nutzen könnte, wenn es mein Tag zulassen würde. Ganz wichtig in meinem Leben sind mir meine Familie und Freunde! Gute Freunde! Ach ja, und eine Fränkin bin ich natürlich auf Lebenszeit, obwohl ich nun schon seit 14 Jahren in München lebe 😉!
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Wie und wo lebst du in München?
Wir wohnen zu viert in einer 3-Zi-Wohnung auf 78qm in der Münchner Maxvorstadt. In der haben mein Mann und ich auch schon vor den Kindern gelebt. Wie man sich vorstellen kann, ist das manchmal ein etwas beengtes Unterfangen. Unser großes Glück ist unsere Kreativität und das fachliche Know-how, das unser Beruf als Architekten mit sich bringt. Aus diesem Grund behelfen wir uns immer wieder mit neuen Einbauten und Umbauten. Die angespannte Wohnungssituation in München lässt uns leider seit Jahren nur von einem größeren Zuhause träumen!
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Wie würdest du deinen/euren Wohnstil beschreiben?
In unserer Wohnung treffen selbstentworfene Möbel, Designklassiker, geerbte Stücke, Flohmarktfunde und Ikea aufeinander. Als Ausgangspunkt zu allem anderen ist bei mir die Farbe Weiß im Einsatz. Zu Weiß als Grundelement kann man dann alle anderen Farben kombinieren. Der monochrome Wohnstil, der derzeit im Interior-Bereich sehr präsent ist, gefällt mir zwar gut, allerdings könnte ich ihn nicht konsequent durchziehen. Ich brauche ab und an einfach einen Farbknall, sonst wird es langweilig. Generell tendiere ich zum skandinavischen Einrichtungsstil, bin aber genauso begeistert von Möbeln moderner Designer. Ich würde einfach mal sagen, es ist mir wichtig, dass meine Wohnung etwas Besonderes hat! Sie soll sich von anderen unterscheiden und wir müssen uns darin wohlfühlen.
Was hat dich damals zum Architekturstudium geführt und was fasziniert dich bis heute an diesem Fach?
Durch mein Elternhaus hat mich Kunst immer begleitet und irgendwie war schon lange klar, dass es ein kreativer Beruf für mich sein muss. Nach und während einer Ausbildung zur Bauzeichnerin und dem anschließenden Architekturstudium, hatte ich das Glück in vielen guten Büros zu arbeiten. Auch wenn sich das Bauwesen in den letzten Jahren sehr verändert hat, ist es immer wieder toll, sich in neue Themen einzuarbeiten. Mal entwirft man einen Wohnungsbau, dann eine Schule oder Kindergarten. Mein interessantestes Projekt war bisher eine Aussegnungshalle. Jedes für sich ist spannend und bietet neue Aufgaben, so dass es nie langweilig wird.
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Wie macht sich die „Architektin in dir“ im Leben der Familie bemerkbar?
Ganz klar, was nicht passt, wird passend gemacht! Naja, oder einfach selbst entworfen. Da mein Mann auch Architekt ist, liegen wir in diesem Punkt auf einer Wellenlänge. Glücklicherweise ist er auch noch handwerklich in der Lage, nahezu all unsere Ideen umzusetzten. In meinem Beruf bevorzuge ich Projekte mit geraden Linien, schlichten Formen aus Materialien wie Holz und Beton. Vielleicht mag ich es deswegen in unserem Zuhause genauso klar, schlicht und optisch aufgeräumt. Unordnung ist so gar nicht mein Ding!! Ich weiß, dass ich mir damit mein Leben manchmal unnötig schwer mache, aber wie das mit Ticks nun mal so ist, es ist nicht einfach sie abzulegen.

Wie sieht dein Alltag im Leben 2.0 aus (als Bloggerin, Netzwerkerin etc.)? Worin unterscheidet es sich vom Leben 1.0?
Auf jeden Fall habe ich mein Handy sehr viel öfter in der Hand als früher und verbringe auch regelmäßiger meine Abende vorm Rechner. Ich muss mich mittlerweile richtig ermahnen, nicht zu oft zwischendurch reinzuschauen und arbeite in diesem Punkt wirklich an mir. Ich möchte nicht, dass mich meine Kinder später nur als „die Mutter, die mit ihrem Handy verwachsen war“ in Erinnerung haben.
Trotzdem war die Entscheidung, mit dem Bloggen zu beginnen, für mich absolut richtig. Der Blog ist mein kreatives Ventil, bringt mir einen Ausgleich zum Alltagsstress und lässt mich meine Liebe zum Wohnen ausleben. Im Laufe der vergangenen 1½ Jahre habe ich allerdings gemerkt, dass ich mehr will, als ICH realistisch gesehen schaffen kann.
Blog, Facebook, Instagram, Pinterest und und und. Ich habe mit dem Bloggen begonnen, weil ich Lust dazu hatte. Ich wollte die tollen Dinge, Ideen und Interiors, die mir live, online oder in Magazinen über den Weg laufen, mit anderen teilen. Die Arbeit, die dahinter steckt, eigene DIY Ideen, Einblicke in die eigene Wohnung und aufwendigere Artikel zu erstellen, wird oft unterschätzt. Wie auch der Druck, den man sich damit machen kann, dass möglichst oft etwas online geht und einem nicht die Leser weglaufen. Immer wieder halte ich mir vor Augen, weshalb ich damit angefangen habe. Es sollte ja Spaß machen und nicht zur Pflicht werden!
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Was sind deine Lieblingswohnungen aus der Interior-Blogosphäre?
Ich selbst lese nur einige Blogs sehr regelmäßig und das ehrlicherweise aus Zeitgründen. Manche der Blogger durfte ich bereits persönlich kennenlernen, so dass der Bezug zur Person vorhanden ist und das macht oft sehr viel aus. Also, hier der engere Kreis meiner Lieblingsblogs bzw. Wohnungen aus der Interior-Blogosphäre.
  • Maren von Minza will Sommer hat einen ganz besonderen Wohnstil, der mir super gut gefällt.
  • Sofort einziehen würde ich bei Antonia von Craftifair.
  • Die neue Wohnung von Johanna von Mint und Meer ist der Wahnsinn.
  • Bei Britta von Britta bloggt bin ich regelmässig zu Gast und liebe ihre Wohnfarben.
  • Karina von Oh What A Room ist mit ihrem skandinavischen Einrichtungsstil auch voll mein Fall.
  • Und was soll ich sagen, bei dir liebe Indre bin ich sofort davon überzeugt gewesen, dass es im Neubau doch auch ganz schön sein kann!!!