Ein Blick hinter Texterella

Sie macht Geschäftsberichte schick und Finanzkommunikation besser, hat eine eigene Kolumne in DIE WELT KOMPAKT (wie es dazu kam, ist eine schöne Geschichte), war 2012 – obgleich nach eigenem Dafürhalten keine Fashionista – Modebloggerin des Jahres und schreibt seit 2009 auf ihrem Blog für Frauen, die ihren Weg gefunden haben. Um wen es geht? Richtig, um Susanne Ackstaller, die Frau hinter Texterella, dem Lifestyle-Blog for women, not for girls.

Ich mag ihre klare, aufgeräumte Sprache, ihren Witz und Humor, ihre unaufgeregten Mode- und Beauty-Tipps. Besonders gern und regelmäßig lese ich ihre – auch immer montags erscheinenden – Interviews mit Frauen über 40, 50 oder 60. Jetzt da ich täglich neue Fältchen entdecke, den Verlust der Hautspannkraft maximal minimal entschleunigen, nicht aber aufhalten und dem Älterwerden auch sonst nicht mehr aus dem Weg gehen kann, tut es gut zu erfahren, wie Frauen jenseits der 40 zu Mode, Make-up, Stil und Schönheit stehen.

Während auf Texteralla heute die 76jährige SPD-Politikerin Anke Martiny zu Wort kommt, spreche ich mit Susanne über gute Texte, berufliche Grundsatzentscheidungen, das ‚Unwort aller Jahre‘ (Katja Berlin) – Lifestyle, über Netzwerken und mehr. Hab‘ vielen lieben Dank, Susanne, für das Interview, mit dem ich allen einen locker-leichten Start in die erste Märzwoche wünsche! 



Was macht gute Sprache und gute Texte für dich aus?
Puh. Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ich schreibe ziemlich intuitiv – und diese Intuition jetzt auf Kriterien herunterzubrechen, ist schwierig.
Für mich sind gute Sprache und gute Texte unterhaltsam und anspruchsvoll zugleich. Sie ziehen den Lesern in ihrem Bann – liest man den einen Satz, will man auch den nächsten lesen. Sie erschaffen ein Kopfkino und bleiben im Gedächtnis. Sie sind nicht beliebig und sie sind nie langweilig. Gute Texte sind zudem immer nur so lang, wie es die Botschaft erfordert. Und sie haben einen Rhythmus, einen Herzschlag. Dass sie außerdem orthographisch und grammatikalisch richtig sind, muss ich wohl nicht dazusagen. (Wobei ich da definitiv im Glashaus sitze! :-)))
Du hast deinen gut dotierten und durchaus auch interessanten Job nach dem 2. Kind quittiert und dich selbstständig gemacht, weil Teilzeitarbeit nicht dieselben Chancen bot. Mal unabhängig davon, dass das für dich eine gute, wenn nicht die beste Entscheidung war: Warum stand Teilzeitarbeit für dich und nicht für deinen Mann zur Disposition?
Das ist eine durchaus berechtigte Frage, und wir haben das damals auch diskutiert. Nun muss man sagen, dass die Zeiten „damals“ – also vor rund 15 Jahren – wirklich andere waren. Männer in Teilzeit? Gab es kaum, bzw. zumindest nicht in der Branche meines Mannes. Da hat sich viel getan in der Zwischenzeit.
Letztlich war die Entscheidung aber eine rein pragmatisch, keine „politische“: Der Automobilkonzern, für den ich damals arbeitete, machte sich „stark“ für Frauen in Beruf und Führungspositionen. Und das hieß damals letztlich: Es gab (relativ) gute Teilzeitmodelle und sogar die Möglichkeit fürs Homeoffice (beides keine Selbstverständlichkeit damals). Bei meinem Mann hingegen – in einem eher amerikansich geführten Beratungsunternehmen – wäre ein Wunsch nach Teilzeit das sichere Aus für seine Karriere gewesen.
In den letzten 15 Jahren hat sich da einfach sehr viel getan. Gott sei dank!
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Texterella nennst selbst ‚Lifestyle‘-Blog. Was verstehst du unter Lifestyle? Und warum glaubst du, ist der Begriff so verpönt?
Der Begriff ist verpönt? Tatsächlich? Das wusste ich gar nicht. Wobei – vorstellen kann ich mir das durchaus, schließlich suggeriert Lifestyle einen doch eher oberflächlichen Lebensstil. Was natürlich Unsinn ist: Man kann Taschen mögen und trotzdem Hirn haben. Man kann sich für Anti-Aging interessieren und trotzdem politisch aktiv sein. 😉 Etc.!! Auf eine solche Diskussion mag ich mich gar nicht einlassen, deshalb habe ich mit dem Ausdruck Lifestyle bzw. Lifestyle-Blog vermutlich auch kein Problem. Für mich ist Lifestyle lediglich ein Blogkonzept: Mode plus Beauty plus Reisen plus Essen plus Leben. PLUS DENKEN. 🙂 Schlichtweg ein Mix aus vielem, was das Leben schöner macht (oder machen kann).
Dein Blog richtet sich an Frauen, nicht an Mädchen. Was macht eine Frau (im Gegensatz zum Mädchen) aus?
Ich wollte mich schon beim Claim ein wenig provokativ von den ganzen Girlie-Fashion-Blogs abgrenzen. Und ganz klar sagen: Ich schreibe für Frauen, die schon mehr vom Leben gesehen haben und länger auf der Welt sind. Das heißt für mich gleichzeitig: Liebe Leserin, nimm meine Mode- und Beauty-Tipps bitte nicht zu ernst! Denn das tue ich selbst auch nicht. Natürlich interessiere ich mich für Mode- und Beauty-Themen, aber sie sind nicht mein Lebenszweck. Dieselbe Haltung erwarte ich auch von meinen Leserinnen.
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Du bist Netzwerkerin aus Leidenschaft. Als Marketing-Profi sagst du, dass ein USP unabdingbar ist für jede/n Selbstständige/n. Wie passen (kooperatives) Netzwerken und (abgrenzendes) Alleinstellungsmerkmal zusammen?
USP und Netzwerke sind überhaupt keine Gegensätze. Im Gegenteil: Wer sich klar positioniert, wird in Netzwerken klarer wahrgenommen, nämlich für genau das, was er kann. Der Netzwerk-Gedanke „First give, then take“, den ich sehr schätze, bleibt davon völlig unberührt. Man grenzt sich ja auch nur durch seine Kompetenz ab, nicht durchs Netzwerken selbst. Ich finde sogar, dass ein USP Netzwerken viel einfacher und konstruktiver macht: Weil man genau weiß, wer was bietet und wen man ansprechen muss.
Deine Träume haben immer mit Vorbildern angefangen, sagst du im Mutmach-Blog. Wer sind deine Vorbilder? Und wie motivieren sie dich?
Es sind weniger Namen als Lebenseinstellungen, die mich inspirieren. Das können Kolleginnen sein, oder Bloggerinnen, selten auch ein Filmcharakter (nicht lachen, aber SatC-Kolumnistin Carrie Bradshaw hat mich immer sehr beeindruckt. Komplett absurd, natürlich! Und dennoch … hat sie mich inspiriert. Heute schreibe ich selbst eine Kolumne für die WELT. Sag niemals nie. ;-)) Manchmal sind es auch erfolgreiche Unternehmerinnen: Coco Chanel, Estée Lauder, Helena Rubinstein und viele mehr. Vorbild- und Motiviationsfunktion haben alle diese Frauen, weil sie sich abheben, weil sie besonders sind. Weil sie ihr eigenes „Ding“ machen und nicht in der Masse mitschwimmen. Weil sie mutig sind und sich nicht unterkriegen lassen. Weil sie eine Idee hatten und diese Idee verfolgt haben, unbeirrt. So etwas motiviert und inspiriert mich. Sehr.
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1 Kommentar

  • 2 Jahren ago

    Liebe Indre, vielen vielen Dank für deine spannenden Fragen! Es war mir eine Freude. 🙂

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