Ein Blick hinter ::: Minza will Sommer

Wie üblich beginnt die neue Woche mit einem Blick hinter ein Blog. Dieses Mal passend zur Jahreszeit und mit so viel Frische, Fröhlichkeit, Witz und Charme, dass eigentlich nichts mehr schiefgehen kann an diesem dritten Montag im August. Die Rede ist von Maren, der Frau mit angeborenen Ponny, dem ungeraden Lebensweg, einem Füllhorn voll Köln-Tipps und dem wunderbaren Blog Minza will Sommer. Hab´ Dank für deine köstlichen Antworten in Bild und Schrift! Euch eine genussvolle Lektüre und einen ebensolchen Wochenstart.


Wer steckt hinter Minza?

Ein Landei in Köln, 37 Jahre alt, mit ungeradem Lebensweg und zu vielen Leidenschaften um eine berufene Fachidiotin zu sein. Architektur und Landwirtschaft ziehen sich durch meine Familie, das hat abgefärbt.
Ich liebe es, barfuß nach Sommerregen durch den Wald zu spazieren. Möbel- und Produktdesign sind mir willkommene Augenweiden. Ich fahre am liebsten in den Urlaub bis es schön ist und mag es, wenn die Nachtstimmung die Zeit verschluckt. Mode, Stoffe, Schnitte, neue Materialien faszinieren mich. Worte sind mir wichtig, alte, neue, gemopste, der Klang von Buchstaben, die Melodie von Worten, Sätze als Gefühlsbrücke. Musik in verschiedensten Facetten brauche ich (derben Elektro, feinen Jazz, Swing, Chansons, Klavierkonzerte, Polkabeats, gepflegten Heavy Metal). Moralisch kann ich ganz schön abgehen, aber genauso mag ich es jenseits der Konvention. Gegensätze die die Perfektion brechen finde ich spannend, die persönlich gelebten oder die Altbekanntes neu wirken lassen. Manchmal möchte ich mich zu gutem Essen hinlegen. Ich bin mit Pony vor der Stirn geboren (knapp gelogen) und Langsamkeit ist ein Genuss; wenn das Kleine groß wird und das Leise Raum einnimmt.

Warum will Minza Sommer?
Ja, warum will sie? Für die Wortfindung nach „Minza“ gab es keinen Anlass. Auf einmal war es in meinen Gedanken und blieb, eher melodisch, als inhaltlich bedeutend. Als ich mich entschloss, es mit dem Bloggen zu versuchen, fiel es mir wieder ein und so wurde „will Sommer“ fluchs zum Blognachnamen, wie von Jeher, am Meer, bin Da.
Du verbringst viel Zeit mit deinen Kollegen und machst was mit Menschen und Bauten. Wo und was arbeitest du?
In einem kleinen Architekturbüro im grünen Rand von Köln arbeite ich. Hauptsächlich sind es Wohnbauten mit denen wir uns beschäftigen; Neubau, Erweiterungen an Bestandshäuser, Dachausbauten. Der Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen und Wünschen ist mir wichtig, das Schaffen von Lebensräumen, einem Ort, der Zuhause wird.
Angeregt durch Deine Frage, lande ich innerhalb meiner heutigen Arbeitswelt (es gab mal sehr andere) bei meinem Lieblingsthema. Auf „Was arbeitest Du?“ würde ich gerne antworten: „Ich mache Dacharchitektur!“ Keine Dachgauben, sondern Dachbauten, Dachgärten, Luftgrundstücke, privater / öffentlicher Raum,… , die zu wenig beachtete Ressource in den bestehenden Strukturen der Städte, eine Antwort auf verschiedenste aktuelle Bedürfnisse (städtebaulich, ökonomisch, emotional, …). Für den Abschluss meines Aufbaustudiums habe ich mich zu dem Thema austoben dürfen und habe entgegen der Ratschläge mein Buch nicht veröffentlicht. Ich hätte es noch weiter ausarbeiten wollen, aber neben dem Geldverdienen war die Zeit dafür schnell zu knapp. Das bereue ich manchmal, aber die Leidenschaft bleibt!
Du lebst in Köln, aber ruhig und mit Garten. Wie wohnst du und in welchem Stadtteil?
Ich wohne im Hochparterre. Vorne kann ich den Vorübergehenden auf den Kopf sehen, hinten gehe ich über den Balkon, zwei Baumstämme runter in den Garten. In Ehrenfeld habe ich sechs Jahre gelebt und ich wäre gerne dort umgezogen, aber das alte Küchenfenster mit dem Blick ins Grün, der Garten, die Ruhe hinten und das Großstadtleben vor der Tür, der Estrichboden, diese Chance auf dem irrsinnigen Kölner Wohnungsmarkt, … hier, im Belgischen Viertel, bleibe ich erst mal!
Was sind deine liebsten Orte in Köln?
Es gibt sooo viele Orte in Köln, die mir lieb sind; z.B. bei Nieselregen im Freibad zu schwimmen (ein bisschen sehnsüchtig an die menschenleeren wasserkalten Talsperren meiner Heimat denkend). Ich mag es durch Ehrenfeld zu streifen oder ziellos durch die Gegend zu radeln. Dann lande ich entweder am Rhein oder in Straßen die mir ob ihrer Fremde und Besonderheit ein Gefühl von Urlaub schenken. Ich mag es den Dom zu besteigen, bis ganz oben, wo der Wind einem um die Ohren saust und der Blick ins Weite fällt. Dort lassen sich wunderbar die ein oder andere Architektur im städtebaulichen Kontext verstehen (oder eben nicht), Löcher in die Luft gucken oder Luftgrundstücke zählen, denen ich zu gerne ein Zuhause geben würde.
Cafétieren ist mir eine feine Sache, allein, zu zweit… z.B. im Café Sehnsucht, bei Miss Päpki, im Schwesterherz, … oder zum Schnabulieren zu Pane e Cioccolata, Herr Riester, Bar Txangurro, Dix, Bagutta, Meer sehen, … um später dann an der Bar zu landen im Dinnerclub, Hallmackenreuther, Zum scheuen Reh oder in der Nacht des Goldstaubs, der Bohème Sauvage. Wohngebummelt wird am liebsten in 2. Hand-Kaufhäusern oder bei Exquisit, Messing Müller, Utensil und Tøndel und modegekauft hautsächlich ebenso 2. Hand oder da wo’s die schlichten Schnitte gibt und im kleinen feinen Einzelhandel. Und danach und davor und zwischendurch ist mein liebster Ort – ganz klar – mein Gartenbett!
Was bedeutet dir das Bloggen?
Als ich mit dem Lesen von Blogs begann, habe ich nicht daran gedacht, dass ich es selbst mal versuchen würde. Aspekte zu Privatsphäre und Selbstdarstellung hielten mich so fern, wie mich Inhalte, Gedanken, Wohnwelten, Modeexperimente und Selbstgemachtes anzogen.
Mit SoLeb’Ich öffnete ich die Tür bildhaft zu meinem Zuhause. Fragen nach meinem nicht vorhandenen Blog pinselten meinen Bauch und fielen auf kritischen, aber fruchtbaren Boden. Ich habe es gewagt. Das Bloggen zeigt anderen dosiert und mir auf prägnante Weise, wo meine Leidenschaften sind. Es ist losgelöst von Soll und Muss, von Perfektion und Regularien, ganz ich und somit sind Kommentare eine spannende Angelegenheit. Was sehen andere in meinem Blick, was lesen sie in meinen Worten? Es ist Bereicherung, eine Erholung, eine Herausforderung die ich mir selber stelle. Ich wünschte, mehr Zeit dafür zu haben, viel mehr zwischen meinen Leidenschaften hüpfen zu können.
Meinst du, dass du in 3 Jahren auch noch bloggst?
Ich habe keine Ahnung… aber ich danke Dir im Hier und Jetzt für Deine Einladung zum Blick dahinter (Deine Geduld!) und ich freue mich auf mehr in dieser Welt der Schreibenden, Bildermacher, Stimulanten und den in Gedanken und Töpfen Rührenden.

19 Kommentare

  • 4 Jahren ago

    Wieder gerne an deiner Hand spaziergen gegangen. Liest sich sehr sympathisch!

  • 4 Jahren ago

    So sympathisch, die Minza.
    HAbe sie genossen, die Einblicke und kehre immer wieder gerne zu ihr zurück.
    Hab DAnk.

  • 4 Jahren ago

    was für ein tolles Interview !!! ich liebe minzas' sympathische Art und ihre Worte, die sie zu wunderbaren Sätzen choreographiert…was sie wirklich meisterhaft beherrscht…schön noch ein bißerl mehr über sie zu erfahren…;)
    Liebst Uli – die Kramerin

  • 4 Jahren ago

    allein der schöne Satz "wenn die Nachtstimmung die Zeit verschluckt" hat es mir schon angetan. Danke für diesen sehr persönlichen Einblick hinter dein Blog, Maren! Eine Bereicherung, dein Blog entdeckt zu haben!
    Liebe Grüße
    Dania

  • 4 Jahren ago

    Oh schoen. Genau richtig fuer die Joghurtpause vor der naechsten Runde Arbeit. Vielen Dank!

  • 4 Jahren ago

    minza gehört zu meinen liebsten und dieses interview bestätigt es wieder.

  • 4 Jahren ago

    Ich liebe den Blick hinter Kulissen. Und bei der feinsinnigen Minza lohnt er doppelt und dreifach. Minza will Sommer zergeht auf der Zuge.
    1000 Dank Euch beiden: Fürs Fragen und Antworten!
    Liebe Grüße,
    Sonja

  • 4 Jahren ago

    ach minza, du bist echt gut. hab ich dir das schon gesagt, maren? 🙂 danke indre.

    • 4 Jahren ago

      das finde ich auch!!
      fRäuleinanschließend …. ganz und komplett.

  • 4 Jahren ago

    bei minza schaue ich gern vorbei, ihr geschmack ist oft meiner, ihre gedanken und einblicke nun eine bereicherung. vielen dank ihr zwei! schöne grüße, wiebke

  • Anonym
    4 Jahren ago

    Ein Augenschmaus, das Interview – sowohl in Wort als auch in Bild. Liebst, Anja

  • 4 Jahren ago

    das leidenschaftsfacettenviel, da macht die identifikation einen dicken punkt.
    maren, die mag ich. die hat so etwas gerades in ihren antworten, das so unheimlich authentisch wirkt, so ganz und gar unaufgesetzt. wow. richtig richtig gut.
    danke euch!

  • 4 Jahren ago

    Ach die Maren, die lieb' ich auch!

  • Sehr sehr sympathisch!
    Das Buch zu den Dachlandschaften hätte ich sicher gekauft…ein tolles Thema!

  • 4 Jahren ago

    ich mag minzas sommer sehr!
    liebe grüße!

  • 4 Jahren ago

    Sehr gerührt bin ich.
    S e h r, ob Eurer Worte.
    Herzen möchte ich Euch, herzen und herzlich danken! !!

    • 4 Jahren ago

      Ach, ich freu mich. Für dich. Über dich. An euch.

  • Anonym
    4 Jahren ago

    wie fein und gleich aus der nachbarschaft. nickend, nachfühlend hab ich mit gelesen. sehr schön, sehr sympathisch!
    liebe grüße,
    sarah/jenmuna

  • 4 Jahren ago

    Minza und ich lernen uns gerade erst kennen. Und ich bin so froh darüber. Fügung. Denn sie formuliert Gedanken, die mir sehr berühren. " mehr Zeit zu haben, zwischen den Leidenschaften zu hüpfen" Ja, großer Wunsch! Und heute gibt sie auf Ihrem Blog die Antwort: "…es ist einfach was anderes dran". Klingt einfach, muss ich aber üben…liebste Grüße, Anette

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